Lennart Karl (FC Bayern)
Bild: Alex Grimm/Getty Images

Szenenanalyse: Das Gegentor des FC Bayern in Elversberg war kein Ausrutscher

Justin 15.09.2026


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Maurice Krattenmacher hat am vergangenen Wochenende womöglich das Tor seiner bisherigen Karriere erzielt. Aus etwa 18 Metern Entfernung setzte er an und schlenzte den Ball wuchtig in den rechten oberen Knick.

Für die SV Elversberg war es der viel gefeierte Ausgleich gegen den großen FC Bayern. Der Rekordmeister wiederum war nun gefordert und konnte das Spiel nochmal auf seine Seite ziehen.

Über das Gegentor wurde hinterher wenig gesprochen. Man bekam das Gefühl, es werde zumindest von außen als Traumtor abgetan, das der FCB so nicht allzu oft kassieren wird. Aber ist das wirklich so? Miasanrot schaut genauer auf die Entstehung.

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Das Gegentor des FC Bayern in Elversberg in der Szenenanalyse

Zunächst gilt es festzuhalten: Isoliert betrachtet ist dieser Schuss ein Kunstwerk, das in der Form nicht allzu oft passieren wird. Aber eben doch häufiger, als man auf den ersten Blick denkt.

Wyscout beziffert die Trefferwahrscheinlichkeit auf 0,11 xG, Opta immerhin auf 0,09. Für einen Fernschuss ein ziemlich hoher Wert. Etwa jeder zehnte Schuss aus dieser Position wird also als Tor erwartet. Ein Grund dafür ist, dass die Bayern so einiges dafür getan haben, dass die Trefferwahrscheinlichkeit maximiert wird.

Dazu haben gleich mehrere Spieler in Rot beigetragen, wie die Analyse gleich zeigen wird. Und die Themen, die dabei eine Rolle spielen, sind mehr als Zufälle. Sie sind klare Muster, die sich durch die letzten Wochen gezogen haben und so schon die eine oder andere gute Chance für Gegner ermöglicht haben. Es geht um:

  • Vororientierung
  • Kommunikation
  • Reaktionsfähigkeit
  • Stellungsspiel
  • Antizipation

Die Defensivprobleme des FC Bayern

Die Szene beginnt für den FC Bayern eigentlich ganz gut: Sie pressen hoch und mannorientiert, lassen Elversberg keine Chance, sich strukturiert aus dem eigenen Spielaufbau zu befreien. Die einzige Option: Ein langer Schlag des Torwarts. Etwas zu kontrolliert für den Geschmack der Münchner, aber eben immer noch ein hoher Ball statt eines gezielten Tiefenballs.

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Die folgenden Spieler werden ab jetzt wichtig in der Analyse:

  • Nathaniel Brown, auf den der lange Ball geht
  • Min-jae Kim, der der Verteidiger ist, der Brown am ehesten helfen kann
  • Dayot Upamecano und Josip Stanišić, die in der Entstehung der Abschlussposition für Krattenmacher eine Rolle spielen werden
  • Lennart Karl, über den bisher gar nicht gesprochen wurde, der aber einer der Hauptverantwortlichen beim Gegentreffer ist

Brown und Kim sehen nicht gut aus – hauptverantwortlich sind aber andere

Browns Verantwortung in der Situation ist, dass er es in der Rückwärtsbewegung nicht schafft, ins Kopfballduell zu kommen. Sein Gegenspieler kann einigermaßen unbedrängt den Ball ablegen. Das kann passieren, aber der ehemalige Frankfurter ist clever genug, um das besser zu lösen. Zumindest ein aktives Stören wäre notwendig gewesen, doch sein Abstand ist dafür zu groß.

Gleichzeitig bewegt sich Kim nach hinten. Der Reflex, die Tiefe abzusichern ist erstmal nicht verwerflich. Doch er sieht auch, dass Upamecano und Brown die Tiefe eigentlich genug abdecken. Während er sich zurückbewegt, macht er keinen einzigen Schulterblick und verliert so seinen eigentlichen Gegenspieler aus den Augen, der sich für die Kopfballablage positioniert.

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Gleichzeitig passiert tief in der Elversberger Hälfte etwas, was kaum beachtet wurde: Schaut euch nochmal oben im ersten Bild an, wie groß der theoretische Vorsprung von Karl zum linken Außenverteidiger der SV Elversberg – Lasse Günther – wäre, wenn beide zur gleichen Zeit einen Sprint anziehen würden.

Karls Schläfrigkeit spielt eine Rolle

Außerhalb der TV-Kameras verliert Karl aber mehrere Meter in sehr kurzer Zeit. Dafür gibt es nur eine Erklärung: Auch er macht keinen Schulterblick und realisiert erst, dass Günther den Tiefensprint ansetzt, als es zu spät ist und er nicht mehr hinterherkommt.

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Damit sorgt Karl unfreiwillig dafür, dass Elversberg gegen Stanišić eine Zwei-gegen-eins-Situation herstellen kann. Der Tiefenlauf des Außenverteidigers zwingt Stanišić dazu, eine Entscheidung zu treffen: Den Passweg nach außen zumachen oder den Innenweg versperren. Er entscheidet sich für außen. Eine Fehlentscheidung.

Rein objektiv betrachtet sollte ein Verteidiger immer das Zentrum schließen. Der einfache Grund: Selbst wenn Elversberg im Halbraum durchbricht, ist die Wahrscheinlichkeit auf ein Tor erstmal geringer als bei offenem Weg in die Mitte. Warum handelt Stanišić dennoch so? Weil er vermutlich im Augenwinkel zu erkennen meint, dass der Weg nach innen durch Upamecano und Kim verschlossen ist, er also der Spieler ist, der dann nach außen weichen muss. Denn theoretisch haben die Bayern ja Überzahl.

Kim ist aber zu weit weg und Upamecano lässt sich von seinem Gegenspieler selbst nach außen ziehen. Der Franzose hat zuvor eine etwas unnötige Bewegung gemacht, die ihn plötzlich in die ungünstige Lage gebracht hat, selbst hinterherlaufen zu müssen, statt aktiv zu verteidigen.

Karl erkennt also seine Defensivaufgaben zu spät, Stanišić reagiert falsch, weil er die Situation von Upamecano falsch einschätzt und der lässt sich selbst nach außen ziehen. So entsteht die unbedrängte Schussposition für Krattenmacher.

Muster oder Eintagsfliege? Dieses Gegentor muss der FC Bayern ernst nehmen

Ein Problem, das sich am Bildschirm nur schwer analysieren lässt, ist Kommunikation. Es sieht zumindest so aus, als wären die Absprachen schlecht. Upamecano hätte hier ein Kommando an Stanišić geben müssen. Entweder als Übergabe – also, dass Stanišić nach außen rücken soll und er die Mitte schließt. Oder eben andersherum: Stanišić hält die Mitte und Upamecano geht nach außen.

Das scheint aber nicht passiert zu sein. Ein weiteres Problem ist die Vororientierung mehrerer Spieler. Karl macht offenbar keinen Schulterblick, Kim nicht, Upamecano verschätzt sich, Stanišić ist zu fokussiert auf seinen Gegenspieler und scant den Platz nicht ausreichend – das summiert sich und wird in dieser Szene dann zum Problem.

Die Bayern haben theoretische Überzahl am Ende. Trotzdem gelingt es ihnen nicht, den Angriff der SV Elversberg zu entschleunigen und das Zentrum zu schließen. Das Gegentor mag nur auf den Abschluss bezogen unglücklich sein. Die Entstehung war aber alles andere als das. Sie folgte einem schläfrigen Muster, das zuletzt häufiger zu beobachten war. Deshalb sollte das Gegentor auch nicht als Eintagsfliege eingeordnet werden.

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