Michael Olise (FC Bayern)
Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images

Szenenanalyse: Der FC Bayern und das Spiel durchs Zentrum

Justin • 12.10.2026 •


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Die Highlightspieler des FC Bayern spielen in der Regel auf den Flügeln. Früher Franck Ribéry und Arjen Robben, heute Luis Díaz und Michael Olise.

Sicherlich sind da auch noch Harry Kane, oder, wenn fit, Jamal Musiala. Aber vor allem Olise ist aktuell der FCB-Profi, der die Fans am meisten begeistert.

Das Bayern-Spiel könnte also eigentlich ganz simpel sein: Einfach über die Außen spielen, Díaz und Olise machen den Rest. So einfach ist moderner Fußball aber nicht. Miasanrot erklärt in einer Szenenanalyse, warum die Münchner einen von mehreren Schwerpunkten auf das Spiel durch die Mitte legen.

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Das System Kompany: Ähnlichkeiten zu Nagelsmann

Viele Fans werden das ungern lesen, weil Julian Nagelsmann bei ihnen zuletzt eher schlechte Erinnerungen hervorholt, aber: Der ehemalige und der aktuelle Bayern-Coach Vincent Kompany sind sich in ihren Ideen gar nicht mal so unähnlich.

Beide setzen auf ein schnelles, direktes, aber auch kontrolliertes Spiel. Beide wollen viele Spieler im Zentrum und im Angriffsdrittel haben und beide legen viel Wert auf ein aggressives Gegenpressing. Warum Kompany die Umsetzung eines ähnlichen Systems deutlich besser gelingt als einst Nagelsmann?

Da gibt es viele Faktoren. Von der Kaderqualität bis hin zu dem simplen Punkt, dass Taktik in der Trainerarbeit nicht alles ist, sondern nur einen wichtigen, aber eben nicht einzigen Teil des Gesamtpakets ausmacht. Eine ganz auffällige Parallele ist die Anordnung auf dem Feld. Gegen tiefere Blöcke setzt Kompany auf eine 2-3-5-Formation, die in ihren Bewegungsabläufen sehr flexibel ist.

=> Wer eine tiefe Analyse zum System lesen möchte, ist hier richtig. Achtung: Das Wissen aus diesem Artikel ist klausurrelevant für die folgenden Ausführungen. ;)

Szenenanalyse: Wie der FC Bayern den Flügel freiräumen will

Gegen Augsburg gab es vor allem in der zweiten Halbzeit unzählige Angriffe der Bayern. Und wie immer und bei jeder Mannschaft schwankt die Qualität der einzelnen Angriffe sehr – was ganz normal und unvermeidbar ist. Interessant ist aber, wie das Zentrumsspiel mit der Qualität der Angriffe verknüpft ist. Ein Beispiel:

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Olise ist erst relativ zentral positioniert, weil der Ball von der linken Seite langsam nach rechts verlagert wird. Dann bewegt er sich erst stärker zum Flügel. Im Zentrum bewegt sich Upamecano nach vorn, während Kane sich fallen lässt. Bayern hat hier auf engstem Raum sechs Spieler und etwas entfernt noch zwei weitere. Nur zwei Spieler besetzen die Flügel.

Was dadurch passiert:

  • Augsburg muss die Räume zentral schließen und braucht dafür Personal. Wenig ist gefährlicher als eine offene Mitte. Werden Spieler zentral gebunden, ist es für sie auch schwerer, die Flügel zu verteidigen.
  • Bayern hat viel Angebot für ein kleinteiliges Kombinationsspiel.
  • Durch die vielen Beine im Zentrum gibt es auch eine sehr gute Struktur für Ballverluste. Wird Upamecano beispielsweise die Kugel abgenommen, haben die Bayern noch vier bis fünf Spieler um ihn herum, die sofort ins Gegenpressing gehen können.

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Die Rolle der Außenverteidiger im Offensivspiel

Kane wird von Upamecano angespielt und legt den Ball dann auf den rechten Flügel, wo Olise eine Eins-gegen-eins-Situation bekommt. Die hätte aber noch vielversprechender sein können, wenn Stanišić früher reagiert hätte.

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Der Rechtsverteidiger hat technisch gesehen nicht so wirklich einen Gegenspieler, denn Pavlović ist ja da und kann, falls der Augsburger nicht ohnehin mit nach hinten sprinten würde, absichern. Stanišić hätte also deutlich früher den Lauf in die Tiefe gehen können. Etwas, worin Laimer in der Vergangenheit richtig gut war.

Mit dem Lauf in die Schnittstelle bindet der Außenverteidiger den freien Innenverteidiger, der ohne Gegenspieler sonst mit nach außen schieben und doppeln kann. Solche Läufe sind sehr wichtig, um Olise mindestens für einen kurzen Zeitraum das 1v1 zu ermöglichen. Stanišić macht den Lauf auch, aber zu spät, sodass letztlich sogar drei Augsburger auf Olise zulaufen können und sein Lauf wirkungslos wird.

Der Franzose schafft es dennoch, Kane in der Mitte anzuspielen und der Engländer hat einen guten Abschluss, der aber geblockt wird.

Eine Szene, die viel Analysestoff bietet

Diese Szene ist für die Analyse deshalb so gut, weil sie beide Welten vereint: Verbesserungspotenzial und Anschauungsmaterial, warum die Bayern so spielen. Der Angriff hatte gleichzeitig Qualität und zu wenig Qualität in Bezug auf das Potenzial, das da war.

In Bayerns Spiel sind die Läufe der Außenverteidiger eine sehr wichtige Waffe. Aber diese müssen eben auch in jeder Situation abwägen, ob sie nach vorn können oder ob das bei einem etwaigen Ballverlust zu viel Risiko wäre. Kompanys Tendenz ist klar: Lieber einmal zu oft ins Risiko, als Angst vor Fehlern zu haben.

Dennoch ist Stanišićs Zögern hier gut begründbar. Der Weg nach vorn war weit und das Spiel im Zentrum engräumig. Womöglich hätte ihm ein Tiefenlauf auch negativ ausgelegt werden können, wenn Upamecano den Ball verliert und Augsburg im Konter über den linken Flügel trifft.

Für Olise und Díaz ist es wichtig, so oft wie möglich in Situationen zu kommen, in denen sie ihre Stärken im Dribbling ausspielen können. Dafür sind die Qualitäten von Kimmich, Pavlović, Kane und Co. im Zentrum entscheidend.

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