Aleksandar Pavlovic (FC Bayern)
Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images

Irres Spiel in Paris! FC Bayern überlebt mit 4:5 bei PSG

Andreas 28.04.2026

Am Dienstagabend kehrte der FC Bayern in den Parc des Princes zurück, wo die Münchner bereits im November einen 2:1-Sieg in der Ligaphase gefeiert hatten. Damals prägte Luis Díaz das Geschehen mit einem Doppelpack und einem anschließenden Platzverweis.

Besondere Aufmerksamkeit galt Jamal Musiala, der in der Startformation stand. Für den Offensivspieler schloss sich damit ein Kreis, nachdem er sich im vergangenen Sommer beim Viertelfinal-Aus der Klub-WM gegen denselben Gegner schwer verletzt hatte. Da Chefcoach Vincent Kompany aufgrund einer Sperre auf die Tribüne verbannt war, trug Co-Trainer Aaron Danks die Verantwortung an der Seitenlinie.

Im Vergleich zur Aufholjagd gegen Mainz blieben lediglich Pavlović und Díaz in der ersten Auswahl. Eine taktische Änderung gab es auf der linken Abwehrseite, wo Alphonso Davies den Vorzug vor Konrad Laimer erhielt. Harry Kane hatte bereits vor dem Anpfiff betont, dass die Führungsspieler das Team in Abwesenheit des Cheftrainers besonders antreiben müssten.

Weitere Artikel zum FC Bayern München:

FC Bayern startet gut, aber PSG kommt eindrucksvoll zurück

Die erste Halbzeit im Parc des Princes entwickelte sich zu einem regelrechten Schlagabtausch, bei dem beide Teams mit offenem Visier agierten. Der FC Bayern erwischte den deutlich reiferen Start und belohnte sich früh: Nachdem Díaz im Strafraum nur durch ein Foul von Pacho zu stoppen war, verwandelte Kane den fälligen Elfmeter in der 17. Minute sicher zur Führung. Bayern blieb am Drücker und hätte durch Olise beinahe nachgelegt, doch PSG-Keeper Safonov hielt seine Farben mit einer starken Parade im Spiel.

Paris fand erst nach gut zwanzig Minuten über die individuellen Qualitäten seiner Offensivstars in die Partie. Immer wieder kam es zu gefährlichen sehr schnellen Umschaltsituationen und auch die vielen Pariser Positionswechsel brachten die Bayern teilweise durcheinander.

Kvaratskhelia sorgte dann in der 24. Minute für den Ausgleich, als er nach einem Zuspiel von Doué die bayerische Hintermannschaft inklusive Kimmich und Stanišić narrte und flach einschob. Die Hausherren nutzten jetzt die leichte Schwäche der Bayern und drehten das Spiel komplett, als João Neves nach einer Ecke von Dembélé sträflich frei zum Kopfball kam und zum 2:1 traf. Musiala ließ ihn dabei außer Acht.

Die Bayern zeigten sich jedoch wenig geschockt von diesem Doppelschlag. Olise krönte eine starke Einzelleistung in der 41. Minute, indem er sich im Zentrum gegen drei Pariser behauptete und den Ball zum 2:2-Ausgleich unter die Latte nagelte. Die turbulente Schlussphase der ersten Hälfte gehörte dann wieder dem Schiedsrichter und dem VAR: Nach einem Handspiel von Alphonso Davies in der Nachspielzeit gab es erneut Strafstoß – diesmal aber für Paris. Ousmane Dembélé blieb cool und schickte PSG mit einer 3:2-Führung in die Kabinen eines Spiels, das kaum Zeit zum Durchatmen ließ.

FC Bayern gerät unter die Räder, doch befreit sich

In einer geschichtsträchtigen zweiten Halbzeit bewiesen die Bayern trotz zwischenzeitlich aussichtsloser Lage eine enorme Moral, mussten sich am Ende aber knapp geschlagen geben. Zunächst schien die Partie nach einem Münchner Defensiv-Debakel entschieden, als Kvaratskhelia (56.) und Dembélé (58.) die Führung für PSG nach schnellen Angriffen auf 5:2 ausbauten.

Das Halbfinale schien entschieden. Doch der FC Bayern kam zurück: Erst verkürzte Upamecano in der 65. Minute per Kopf nach einer gefühlvollen Freistoßflanke von Kimmich. Nur drei Minuten später war es Díaz, der ein Zuspiel von Kane technisch brillant annahm und zum 5:4-Anschluss traf – ein Tor, das erst nach VAR-Korrektur Anerkennung fand.

Werbung (Affiliate):

In der Schlussphase drückten die Bayern mit aller Macht auf den Ausgleich und belagerten die Pariser Hälfte, während PSG bei Kontern gefährlich blieb und durch Mayulu (87.) sogar am Lattenkreuz scheiterte. Trotz letzter Chancen für Kane, Laimer und Kimmich in der Nachspielzeit retteten die dann müden Gastgeber den knappen Vorsprung über die Zeit. Mit insgesamt neun Treffern wurde diese Begegnung zum torreichsten Halbfinale der Champions-League-Geschichte.

Ein wirklich verrücktes Spiel. Aber die Bayern leben noch.

Paris Saint-Germain vs. FC Bayern: Drei Dinge, die auffielen

Luis Díaz ist groß in großen Spielen

Díaz knüpfte im Parc des Princes nahtlos an seine starke Leistung aus dem Ligaspiel an und entwickelte sich früh zu einem wirklichen Unruhestifter in der Pariser Defensive. Bereits in der Anfangsphase wirbelte der Kolumbianer über die linke Außenbahn und arbeitete zudem diszipliniert gegen den Ball, als er zum Beispiel mit Pavlović einen Vorstoß von Dembélé unterband.

Auch nach zwölf Minuten war Díaz nur noch durch ein Foul zu stoppen: Bei einem rasanten Konter stellte sich ihm PSG-Kapitän Marquinhos in den Weg, was dem Brasilianer die erste Gelbe Karte der Partie einbrachte. Nur drei Minuten später stand Díaz erneut im Fokus, als er nach wirklich großartigem Aufbau aus der eigenen Hälfte im Strafraum ebenfalls Geistesgegenwart bewies.

Er verzögerte geschickt ganz leicht am Elfmeterpunkt und provozierte so die übermotivierte Grätsche von Pacho, der Díaz klar am Fuß traf. Den fälligen Strafstoß verwandelte Harry Kane in der 15. Minute souverän zur 1:0-Führung, womit Díaz nach seinem Doppelpack im ersten Gastspiel erneut zum Wegbereiter einer Führung wurde.

Mit seinem Treffer zum 4:5 unterstrich er dann in der zweiten Halbzeit wie wertvoll seine Verpflichtung war, er funktioniert in großen Spielen.

Joshua Kimmich (fast) ausgeschaltet

Völlig untypisch für das bayerische Spiel blieb Joshua Kimmich in der ersten Halbzeit über weite Strecken ein Fremdkörper im Münchner Mittelfeld. Während sein Nebenmann Pavlović defensiv wie offensiv glänzte und den Raum nutzte, der dadurch entstand, dass Kimmich von den Parisern so bewacht wurde. Der Kapitän der Nationalmannschaft fand jedoch kaum Bindung zum Geschehen und verzeichnete ungewöhnlich wenige Ballkontakte, lange Zeit die wenigsten aller Bayern-Spieler.

Seine auffälligsten Momente beschränkten sich fast ausschließlich auf Standardsituationen: In der 11. Minute führte er einen Freistoß auf Olise aus, der sich jedoch im Dribbling verzettelte, und kurz darauf landete eine scharf getretene Ecke (14.) direkt in den Armen von PSG-Keeper Safonov. Ansonsten lief das Spiel, das vor allem durch das Tempo über die Außenbahnen geprägt war, deshalb weitestgehend an Kimmich vorbei. Paris war in der Lage, ihn zumindest in der ersten Hälfte völlig aus dem Spiel zu nehmen.

Dass der eigentliche Taktgeber des Bayern-Spiels zur Pause statistisch so blass blieb, war eine der großen Überraschungen des ersten Durchgangs. In der wilden zweiten Hälfte fand Kimmich etwas besser ins Spiel und bereitete mit einem Chip das Tor von Upamecano vor. Insgesamt kam er laut fotmob dann doch noch auf 13 Pässe (die meisten aller Spieler) ins letzte Angriffsdrittel, trotzdem blieb er über weite Strecken unter seinen Möglichkeiten.

Die Offensive funktioniert, die Defensive bekommt zu viele Gegentore

Vor der Pause fing man bereits drei Gegentore, nach dem Seitenwechsel erlebte die Münchner Hintermannschaft weiter Pariser Effizienz. Während die Bayern ihre eigenen Gelegenheiten durch Laimer (54.) und eine ungenaue Hereingabe auf Kane (53.) zunächst ungenutzt ließen, bestrafte Paris die defensiven Nachlässigkeiten und auch das Auslassen der Chancen in der Offensive mit gnadenloser Effizienz. Das 4:2 fiel bereits in der 56. Minute fast ohne Gegenwehr: Hakimi hatte auf dem rechten Flügel alle Freiheiten und bediente Kvaratskhelia, der am langen Pfosten unbedrängt einschob.

Nur zwei Minuten später ließen sich die Bayern wieder klassisch auskontern, man verlor die Kontrolle und stand unnötig zu offensiv. Doué trieb den Ball bei diesem schnellen Gegenstoß nach vorne und setzte Dembélé in Szene. Upamecano, der bereits zuvor im Strafraum Glück bei einer strittigen Szene gegen Kvaratskhelia hatte, agierte hier unglücklich und ließ den Schuss des Franzosen durch die Beine passieren.

Der Ball schlug dann direkt vom Innenpfosten zum 5:2 im Netz ein. In dieser Phase fand die Münchner Defensive überhaupt keinen Zugriff mehr, während PSG die sich bietenden Räume eiskalt nutzte und mit nahezu jedem Abschluss erfolgreich war. Fast dachte man, das Spiel sei so entschieden, aber das war nicht der Fall. Der FC Bayern bewies Moral und unglaubliche Mentalität.

Wie schon in manch anderem Spiel davor schafften es die Bayern (auch ohne Kompany an der Seitenlinie), noch einmal heran zu kommen. Upamecano nickte einen gechipten Ball von Kimmich ein und Díaz vollendete knapp nicht im Abseits einen Zuckerpass von Kane zum verdienten 4:5. So bleibt im Rückspiel Vieles möglich. Das Aufholen dürfte auch PSG beeindruckt haben.

Was jedoch sehr auffällig war: Paris brachte viele Angriffe zum Abschluss. Bayerns Defensivprobleme hingen trotz der vier eigenen Tore auch damit zusammen, dass die Offensive genau das nicht so oft schaffte. Zu oft wurde der Ball vertändelt, zu oft kam PSG in Gegenangriffe. Am Ende ist das 4:5 ein Ergebnis, mit dem die Bayern angesichts des Spielverlaufs leben können. Sie leben noch. Das ist die beste Nachricht des Abends.

Hat dir der Artikel gefallen?

Unterstütze unsere Arbeit, damit wir auch morgen noch unabhängig berichten und analysieren können. Schon 2 Euro machen einen großen Unterschied.

Hier weiterlesen

Miasanrot ist für alle da!

Wir finden: Fußball muss bezahlbar sein. Deshalb bieten wir unseren Content frei zugänglich für alle an. Unser Konzept baut auf die finanzielle Unterstützung von Menschen wie dir. Damit wir auch morgen wieder kritischen, fairen und sachlichen Journalismus rund um den FC Bayern betreiben können, brauchen wir dich!

Ich unterstütze MIASANROT bereits.
Jetzt unterstützen!