Konrad Laimer (FC Bayern) jubelt über einen Treffer gegen den BVB.
Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images

Wie der FC Bayern den Konrad neu erfunden hat: Laimers Bedeutung in vier Szenen erklärt

Justin • 04.11.2026 •


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Kommt Zeit, Konrad. Und der FC Bayern hat den Konrad in den letzten Jahren definitiv neu erfunden.

Aber packen wir die albernen Wortwitze mal weg: Was Konrad Laimer zuletzt wieder für den FCB auf den Rasen bringt, ist bemerkenswert. 2025 gewann er den Miasanrot-Award als „mittlerweile besungener Unsung Hero“.

Wer beim Fußball im Stadion oder vor den diversen Geräten nur ein bisschen aufmerksam hinschaut, wird Laimer in den letzten Jahren mehrfach besungen haben. Neu ist diese Entwicklung also sicher nicht. Zumal er mit seinem kämpferischen und laufstarken Profil genau das mitbringt, was viele Fans lieben.

Gegen Atlético Madrid wurde er zu Recht als „Man of the Match“ ausgezeichnet. Miasanrot erklärt in vier Szenen aus dem Champions-League-Spiel, warum Laimer im Detail so wichtig für den Rekordmeister ist.

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Szene 1: Konrad Laimer ist ein Ballsammler

Zuletzt analysierten wir, dass das hohe Pressing der Bayern nicht immer optimal greift. Hier und da sind Spieler einen halben oder ganzen Schritt zu spät und dann ist es dem Gegner möglich, die erste Pressingwelle zu knacken und sich so Raum in vorderen Zonen zu erarbeiten. Es folgt eine Kettenreaktion, in der die Bayern nur noch reagieren können.

Wird im mannorientierten Pressing auch nur ein Spieler ausgespielt, kann das ganze System zusammenfallen. Konzentration, Energie und Aggressivität mit cleverem Anlaufverhalten und Timing sind entsprechend wichtig. Wenn Bayerns Pressing nicht greift, müssen sie sich in eine tiefere Formation zurückziehen und verlieren für einige Minuten die Kontrolle übers Spiel. Gegen Arsenal und Dortmund passierte das ein bisschen zu oft, wenngleich sich das niemals komplett verhindern lässt.

Gegen Atlético Madrid war das hohe Pressing wieder deutlich besser, weil die Momente besser ausgewählt wurden und das Anlaufen selbst griffiger war. Die erste Szene zeigt stellvertretend den Anteil, den Konrad Laimer daran hatte.

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In der 65. Minute baut Atlético das Spiel zunächst über den Torwart auf. Bayern schiebt mannorientiert nach vorn durch, Karl erzwingt den Aufbau über den Laimer-Flügel, Kimmich presst ebenfalls gut durch, kommt aber einen halben Schritt zu spät. Dennoch kann er einen langen Ball erzwingen.

Und hier wird Laimer wichtig. Der Österreicher hat keinen Abstand zum Gegenspieler. Kein Meter, kein halber Meter. Er ist sofort dran, schiebt seinen Körper vor den Gegenspieler und verhindert ein Szenario, das das gesamte Pressing auseinanderreißen könnte: Weil Olise seinen Gegenspieler verliert, droht ein gefährlicher Angriff. Kommt Atlético hier an den Ball, können sie am Flügel womöglich eine Überzahlsituation herstellen, Upamecano nach außen zwingen und mit viel Raum angreifen.

Aber Laimer ist hellwach und verteidigt es hervorragend. Bayern kann die Kugel zwar erst einen Tick später kontrollieren, aber ist wieder in Ballbesitz.

Szene 2: Der coole Ballsammler

Eine ähnliche Szene gab es in der 43. Minute bereits. Hier nur mit einem besonderen Coolness-Faktor. Dazu gleich mehr.

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Die Szene selbst ist schnell erklärt. Bayern presst wieder gut, vorn erzwingt Karl den langen Ball, indem er den Torwart so anläuft, dass der dadurch freie Gegenspieler in seinem Deckungsschatten ist. Oblak haut die Kugel also lang nach vorn.

Sein Fehler: Er schlägt den Ball in Laimers Richtung. Der Österreicher antizipiert schon wieder schneller als Freund und Feind, setzt zum energischen Lauf nach vorn an und lässt den Ball eiskalt mit der Brust auf Olise abtropfen. Fehlte nur noch, dass er sich direkt danach eine Sonnenbrille aufsetzt und cool in die Kamera schaut.

Szene 3: Wer ist hier der Wingman?

Während der Klub-WM veröffentlichten wir einen Artikel über Laimer: Olises perfekter Wingman. Und tatsächlich sind seine Läufe nach vorn eine ungemeine Entlastung für den Franzosen, der dadurch sehr oft ins Eins-gegen-eins statt in Unterzahlsituationen geht.

Immer wieder gibt es aber auch Momente, in denen Olise zum Wingman wird. So beispielsweise in der 74. Minute. Der Linksfuß rückt bis in die Mitte ein, noch bevor Kane überhaupt an den Ball kommt. Damit zieht er Grimaldo mit sich und öffnet so den rechten Flügel komplett. Und Laimer? Der schaltet schnell.

Seinen Laufweg dürften alle Fans noch gut im Kopf haben, da braucht es keine Grafik. Kane will erst auf Olise spielen, sieht aber den winkenden Laimer und spielt die Kugel lang rüber. Laimer nimmt an und hat durch seinen Lauf so viel Zeit, dass er vorher noch eine Umfrage im Miasanrot Club gestartet hat, was er jetzt tun soll – 95 Prozent stimmten für Schießen, der Rest ist Geschichte.

Szene 4: Der Halbraumläufer

Generell ist Laimer unglaublich clever darin, die richtigen Räume zu belaufen. Oft muss er dafür gar keine weiten Wege machen, sondern er steht schon richtig. So wie in der 27. Minute, als Olise wieder der perfekte Wingman für ihn war.

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Bayern drückt Atlético hinten rein. Olise läuft in den Strafraum und zieht dabei Grimaldo mit sich. Dadurch entsteht der Raum, den Laimer sofort erkennt. Kimmich verlagert und der Österreicher kann den Ball mit viel Platz kontrollieren. Seine Hereingabe kommt ein wenig in den Rücken von Kane, weshalb der Engländer artistisch abschließen muss und leicht verzieht.

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Wo Laimer gegen Atlético Madrid Pässe zugespielt bekam. (via Wyscout)

Schaut man sich an, wo Laimer überall Pässe zugespielt bekommen hat in Madrid, dann sieht man unter anderem, dass er oft den Weg diagonal nach innen antritt, um dort Olise zu unterstützen oder eben selbst von den Läufen des Franzosen zu profitieren.

Die beste Nachricht für den FC Bayern: Konrad Laimer ist wieder in Form

Laimer hatte zum Saisonstart eine spürbare Formdelle. Keine, die dramatisch gewesen wäre, aber so ganz kam er nicht an sein absolutes Toplevel heran. Gerade in der aktuellen Phase, wo es personell ordentlich drückt und all die weiteren Themen rund um Vincent Kompany oder Kimmich das Team belasten und belastet haben, kommt er aber wieder in Form.

Genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn wenn es jetzt etwas braucht in diesem Team, dann Spieler, die Verantwortung übernehmen, die richtigen Läufe machen und mit ihrer Arbeitsmoral vorangehen. Das klingt immer ein bisschen albern, denn dass in dieser Mannschaft irgendjemand nicht vollen Einsatz zeigen würde, wäre nicht weniger als eine schwer zu belegende Anmaßung.

Trotzdem würde wohl niemand bezweifeln, dass Laimers Pensum nochmal herausragt. Er stopft Löcher in Ballbesitz und ist hinter der vordersten Pressinglinie der Spieler, der den Druck aufrecht erhält. Oft ist er damit „nur“ ein Sidegig in einem Team voller Stars. In der aktuellen Phase ist er selbst der Star. Beim FC Bayern hat der einstige Mittelfeldspieler sein Glück als hybrider Rechtsverteidiger gefunden.

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