FC Bayern
Bild: Mateo Villalba Sanchez/Getty Images

Gebeutelte Bayern bestehen Härtetest im Metropolitano – 2:0 gegen Atlético!

Daniel • 04.11.2026 •

Kein Saibari. Kein Gnabry. Kein Díaz. Kein Musiala. Ein angeschlagener Olise.

Die Offensive des FC Bayerns war schon mal dichter besetzt. Und gerade jetzt ging es zum Härtetest gegen Atlético Madrid, das gemeinhin als zweitstärkstes Team in Bayerns Vorrundenpfad eingeschätzt wird.

Nicht wenige sind deshalb mit der Erwartungshaltung ins Spiel gegangen, dass ein Remis hier schon zufriedenstellend wäre, aber auch das hätte gefährliche Konsequenzen mit sich gezogen: Mit einem weiteren Unentschieden wäre man in den restlichen Spielen schon regelrecht zum Siegen verdammt um es doch noch in der Top Acht zu überwintern.

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Härtetest bestanden

Das Rechenbrett kann man getrost wieder aus der Hand nehmen, denn nach den Punktverlusten gegen Arsenal und Viking kommt im diesjährigen Finalstadion kein weiterer dazu. Dabei war nur in der anfänglichen halben Stunde, sowie der Phase direkt nach dem 1:0 wirklich zu spüren, dass hier ein von Verletzungen gebeutelter Favorit angereist ist. Ansonsten war es eine wirklich beeindruckende Machtdemonstration.

Die Gastgeber waren dabei keine schlechte Mannschaft, ganz und gar nicht, auch wenn Neuer nur selten eingreifen musste. Beide Teams schenkten sich nichts in den Zweikämpfen, begegneten sich gegenseitig mit einer selbst in der Champions League selten gesehenen Intensität im Pressing und kannten dabei nur eine Richtung: Immer nach vorn.

Als der FC Bayern die Zügel vor und nach der Halbzeit, sowie gegen Ende des Spiels anzog, kam dieses Atlético an seine Grenzen. Die Athletik Upamecanos und Laimers war den Gastgebern überlegen (pun intended), die spielerische Klasse Kimmichs und Kanes sowieso. Auch wenn Atleti immer wieder einen Fuß dazwischen bekam: Die Bayern waren einfach schneller, im Kopf wie in den Beinen. Wofür ein Atlético-Spieler drei, vier Kontakte brauchte, brauchte der Bayern-Spieler nur ein oder zwei.

Mannorientierungen werfen das Scheinwerferlicht auf übersehene Helden

Die Mannorientierungen im modernen Fußball lassen immer wieder zu, dass ungeahnte Spieler plötzlich im Mittelpunkt stehen. Wenn alle Mitspieler zugestellt sind, ist nichts durchschlagender, als ein vorcheckender Verteidiger. Dayot Upamecano konnte so in der 73. Minute fast sein drittes Tor im vierten Spiel machen. Sein Dribbling erwischte Atletis Abwehrriegel auf dem falschen Fuß.

Ähnlich überrascht waren sie, als er in der 23. Minute durch etliche Personalrochaden linksaußen auftauchte, den Ball gewann und Karl am Ende nur knapp schon da sein 1:0 verpasste.

Insbesondere in der ersten Halbzeit fanden die Bayern auch immer wieder im letzten Drittel Josip Stanišić, der einmal mehr die völlige Abstinenz jegliches Schusstalents und generell dezenter Überforderung am gegnerischen Strafraum bewies. Es war absolut kein schlechtes Spiel des bayerischen Kroaten, erst Recht nach den eher schlappen letzten Wochen und doch ertappte man sich nicht nur einmal beim Gedanken, Nathaniel Brown hätte mehr mit diesen Räumen und Bällen gemacht.

In den Konjunktiv muss man bei Stanišićs Pendant auf der rechten Seite, Konrad Laimer, derweil nicht abdriften. Dem Österreicher gelang im zweiten Spiel in Folge ein Tor. In den vergangenen Monaten konnte man noch mit Fug und Recht beim gelernten Mittelfeldspieler monieren, die Überform aus dem Kalenderjahr 2025 etwas eingebüßt zu haben, doch das spezielle Paket aus Emsigkeit, Fleiß, defensiver Klasse und offensiver Power ist spätestens mit diesem Doppelpack wieder auf seinem alten, neuen Niveau.

Es ist kein Zufall, dass gerade die Außenverteidiger Freiräume bekommen, wenn der Rest der Mannschaft in Manndeckung genommen wird, speziell durch das ständige abdriften Kanes und Olises. Die nominellen Stürmer ziehen die Verteidiger weg und die nominellen Verteidiger gehen in die Räume der Stürmer, dann müssen die Verteidiger nur noch vor dem Tor so kompromisslos sein wie die Stürmer. Konrad Laimer kann das, Josip Stanišić weniger.

Manchmal mehr Allegro denn Presto wagen

Trotz alles berechtigten Lobes für das intensive und angriffsorientierte Spiel Bayerns, kommt man nicht umher sich zu fragen, ob es nicht hin und wieder ein wenig zu viel Presto ist. Immer wieder geht es mit jedem Ballgewinn steil nach vorne, nie gönnen sich die Bayern eine Verschnaufspause, in der sie mit schnödem Ballbesitz das Spiel beruhigen und den Gegner mürbe spielen.

Zugegeben, das ist ein absolutes Kernelement des Kompany- pardon, Banks-Balls, aber wird die Kugel nach dem hohen Ballgewinn blitzartig nach vorne gedonnert, kommt sie hin und wieder postwendend zurück und bereitet gutspielenden Bayern mehr Probleme als wirklich nötig wäre. Ein wenig spielt die Mannschaft hier Roulette: Meist geht es gut, aber es kommen auch Phasen auf, wo diese Bayern-Doktrin mehr dem Gegner hilft.

Speziell in der Phase direkt nach dem 1:0 brauchten die Bayern mehr Ruhe. Fast wollte man von draußen hineinrufen, sie sollen doch jetzt bitte einfach mal zwei Minuten lang den Ball halten und den Gegner herunterkommen lassen.

Natürlich sollte man sich nicht seiner größten Stärken berauben, das Kompany-Banks-Presto ist definitiv eines davon. Man nimmt es mittlerweile gelassen hin, dass die Bayern so sehr am Anschlag spielen, dass sie auswärts bei Atlético fast fünf Kilometer mehr laufen (121,2 km vs. 116,5 km).

Hier wird auch nicht gefordert, dass die Bayern fortan das Adagio auspacken und den Gegner einschläfern. Aber vielleicht ist der vierte Gang manchmal der bessere. Manchmal verschleppt der eine Querpass das Spiel genau richtig. Manchmal ist es besser schnell zu spielen als immer nur turbo-schnell. Manchmal ist das Allegro die bessere Wahl.

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