FC Bayern, FCB, Bundesliga, DFB-Team, Champions League, Alt Text vergessen
Bild: Florencia Tan Jun/Getty Images

FC Bayern bei Atlético Madrid – Vorschau: Daten, Taktik, Schlüsselspieler! Das erwartet den FCB

Justin • 03.11.2026 •


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Für den FC Bayern ist die Situation in der Champions League durchaus angespannt. Nach zwei Unentschieden steht man bereits unter Zugzwang.

Am Dienstagabend kommt die Auswärtsreise nach Madrid zu Atlético deshalb und wegen zahlreicher Ausfälle durchaus ungelegen. Zwar würde ein weiterer Punktverlust das Erreichen der Top-8 nicht unmöglich machen, aber vor allem die Top-4 würden in die Ferne rücken.

Warum es wichtig wäre, dort zu landen, analysierten wir bereits vor dem Arsenal-Spiel. Thomas Müller bezeichnete Atlético einst als „die größten Rabauken im europäischen Fußball“. Diego Simeone, gefühlt gab es nie einen anderen Trainer dort, hat dem Klub auf vielen Ebenen einen südamerikanischen Spirit verliehen: Hart, aggressiv, unangenehm für jeden Gegner, aber gleichzeitig auch technisch und taktisch enorm unterschätzt.

Miasanrot hat sich den kommenden Gegner des FCB genauer angesehen.

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Der Trainer: Diego Simeone muss in den Jungbrunnen gefallen sein

Im modernen Fußball ist es selten, dass Trainer lange bei nur einem Topklub arbeiten. Beim FC Bayern ist Vincent Kompany bereits überraschend lange im Amt, wenn man nur auf seine Vorgänger schaut.

Simeone wiederum steht seit Dezember 2011 an der Seitenlinie von Atlético Madrid. Das sind bald 15 Jahre. Fünfzehn! Schaut man sich an, mit welcher Energie und Leidenschaft er sein Team anstachelt, coacht und mit wie viel Emotionen er dabei ist, ist es bei allem Respekt vor ihm verwunderlich und beeindruckend zugleich, dass er noch nicht ausgebrannt ist.

In Deutschland wird der Argentinier als Hitzkopf wahrgenommen. Jemand, der stets auf 180 ist. Simeone bringt zweifellos eine besondere Energie in seine Mannschaften und schafft es, die Spieler hinter sich zu vereinen und für den Klub eine Wagenburg zu errichten: Wir gegen die! Verbunden mit der ewigen Außenseiterrolle im Kampf gegen die Großen in Spanien: Barcelona und Stadtrivale Real.

Atlético Madrid ist wahlweise Mythos oder Nervensäge – je nachdem, wie man deren Selbstinszenierung und Fußball wahrnimmt. In jedem Fall ist Atlético aber den wenigsten Menschen egal. Die meisten Fußball-Fans haben nicht nur eine klare Meinung zu diesem Klub, sie verbinden auch einen ganz bestimmten Fußball mit ihnen. Etwas, worauf man bei den Rojiblancos stolz ist und stolz sein kann. Und etwas, woran Simeone federführend beteiligt ist.

Die Form: Atlético ist schwer zu schlagen – und Wasser ist nass

Schaut man sich die aktuelle Form der Spanier an, dann bleibt nur ein Fazit: Atlético ist mal wieder schwer zu schlagen. Der Saisonstart war ein wenig holprig. Ein 2:2 gegen den FC Villarreal und eine 0:3-Niederlage bei Athletic Bilbao vermiesten den Auftakt in LaLiga. Außerdem gab es im ersten Spiel der Champions League eine 1:2-Niederlage in Liverpool.

Seitdem aber ist Atlético in Fahrt gekommen: Acht Siege und nur ein Unentschieden bei 18:3 Toren. Wow! Nur der VfB Stuttgart schaffte in der heimischen Arena ein 1:1. Real Madrid verlor mit 1:2 im Metropolitano, Manchester United mit 0:2. Bayerns Formkurve ist indes bekannt. Auch sie sind schwer zu schlagen, aber mehrere Unentschieden, Verletzungen und anderweitige Ausfälle sorgen dafür, dass sie nicht in ihrer besten Verfassung sind.

Die Daten: Atléticos Defensive ist stark – und Bayerns unterschätzt?

Ein oberflächlicher Blick auf die Daten von Wyscout bekräftigt den Eindruck, dass Atlético ein sehr schwerer Gegner für die Bayern wird. Mit acht Gegentreffern stellen sie derzeit die beste Defensive in der spanischen Liga – und wir erinnern uns, dass fünf dieser Gegentore gleich in den ersten Spielen gegen Vilarreal und Bilbao kassiert wurden.

Hoffnung darauf, dass die Bayern Chancen bekommen werden, gibt es dennoch. Atlético ließ in der Liga bereits über 17 erwartete Tore (xG) zu. Das ist ein mehr als doppelt so hoher Wert als sie echte Gegentreffer auf dem Konter haben. Eine solche Abweichung gleicht sich irgendwann immer aus. Manchmal schaffen es Teams, die berühmte „Regression zur Mitte“ lange herauszuzögern, aber unweigerlich wird es dazu kommen.

Spannend ist auch eine Gemeinsamkeit zwischen dem FC Bayern und Atlético. Die Spanier lassen nur etwas weniger als zehn Schüsse pro Partie zu, die Münchner sogar nur etwas mehr als acht. Damit stehen beide Klubs in den europäischen Top-5-Ligen in den Top-15. Aber: Beide lassen mit durchschnittlich mehr als 0,15 xG pro Schuss auch ziemlich gute Chancen zu, wenn der Gegner mal durchkommt.

In der Champions League ist Bayerns Defensive aktuell trotz der verhältnismäßig vielen Gegentore gar nicht schlecht unterwegs. Nur etwas mehr als sieben Schüsse lassen sie dort pro Spiel zu – Bestwert nach Arsenal. Atlético kommt aktuell auf fast 13, hatte aber auch schon recht starke Gegner. Die Spanier ließen quantitativ zwar mehr zu, dafür aber nur 0,12 xG pro Schuss. Bayern kommt wie in der Liga auf etwas mehr als 0,15.

Hohes Pressing: Bayern und Atlético auf Augenhöhe?

Und offensiv? Bayern hat in der Königsklasse bereits zehn Tore erzielt. Nur Barça (11), Liverpool, Aston Villa (beide 12) und PSG (14) kommen auf mehr. 9,6 xG sind der vierthöchste Wert aller Champions-League-Teilnehmer. Atlético Madrid kommt fast schon erwartungsgemäß auf einen geringen xG-Wert von 3,8 und vier Treffer.

Etwas unerwartet dürfte für viele Fans der Blick auf die Pressing-Daten sein. Zumindest für die Fans, die Atlético nicht allzu oft sehen und den Klischees ein wenig verfallen. Die Statistik „Passes allowed per defensive Action“ (PPDA) misst, wie viele Pässe ein Gegner in dessen ersten 60 Prozent des Spielfelds spielen darf, ehe eine Defensivaktion erfolgt. Atlético kommt hier auf rund 13,7. Damit stehen sie in der Champions League derzeit auf einem soliden 15. Platz.

Auf Rang 14 steht bereits der FC Bayern – und das hätte man vor der Saison vermutlich anders erwartet. Die Münchner kommen hier auf einen für ihre Verhältnisse sehr hohen Wert von 13,4. Das liegt aber ein Stück weit auch an der geringen Stichprobe. Gegen Arsenal hat man eine Halbzeit lang recht tief verteidigt, der Schnitt lag am Ende bei über 18. Das zieht den Gesamtwert aktuell hoch. In einer weiteren Analyse haben wir festgestellt, dass das hohe Pressing aktuell nicht optimal greift.

Der Kader: Ein alter Bekannter könnte zum Schlüsselspieler werden

Bei Atlético stehen folgende Spieler im Mittelpunkt:

  • Der Topscorer: Álex Baena kommt in seinen bisher 907 Minuten auf fünf Tore und vier Assists. Der Linksaußen glänzt mit enormer Arbeitsrate, sehr gutem Passspiel und einer guten Ballkontrolle.
  • Der unterschätzte Partner: Alejandro Grimaldo ist vielen noch aus der Bundesliga bekannt. Er harmoniert sehr gut mit Baena und anderen Mitspielern, macht viele wichtige Tiefenläufe, ist schnell, dribbel- und kombinationsstark. Der Linksverteidiger kommt bereits auf sechs Torbeteiligungen.
  • Der Suchende: Im Sommer gab es viel Aufregung rund um Julián Alvarez. Der Argentinier kommt aber erst auf 569 Minuten und nur vier Torbeteiligungen. Zuletzt kam er aber etwas besser in Form, traf unter anderem gegen den VfB Stuttgart.
  • Der Pressingstürmer: Giuliano Simeone ist einer, den Bayern beim Aufbau nicht zu nahe kommen lassen sollte. Der Argentinier ist sehr stark im Pressing, läuft clever und aggressiv an. Im Schnitt führt er über sieben Zweikämpfe pro 90 Minuten – für einen Offensivspieler bemerkenswert.
  • Der Kreative: Baena ist nicht nur Topscorer, sondern auch der wichtigste offensive Kreativspieler. Mit etwa 2,5 Deep Completions – also erfolgreiche Pässe in die Gefahrenzone vorm gegnerischen Tor mit einem Radius von rund 20 Metern – ist er der wichtigste Spielmacher des Teams.
  • Der Hexer? Jan Oblak ist etwas in die Jahre gekommen – und scheint überwindbarer als früher zu sein. Seine Statistiken sind zwar gut, aber kleinere Unsicherheiten zeigt der 33-Jährige dennoch hin und wieder.
  • Der Kapitän: Koke ist auch mit 34 Jahren immer noch das organisatorische und kämpferische Herzstück des Teams. Gegen den FC Bayern fällt er allerdings mit einer Muskelverletzung aus.

Der Fußball: Atlético ist mehr als Beton

Die bisherige Analyse zeigt bereits: Da steckt mehr in Atléticos Fußball als „nur“ Beton anzurühren und den VW-Mannschaftsbus in der Felix-Magath-Sonderedition vor dem eigenen Tor zu parken. Ja, die Gerüchte sind tatsächlich wahr: Atlético verteidigt oft tief, extrem clever, abgezockt und mit hoher Aggressivität. Das macht sie unangenehm zu bespielen.

Aber aus ihrem 4-4-2 heraus sind sie extrem flexibel. In den Heimspielen gegen Manchester United und Real Madrid hatten sie 12 beziehungsweise 18 hohe Ballgewinne. Zur Einordnung: Der FC Bayern kam gegen Arsenal nur auf acht, gegen den BVB zuletzt immerhin auf 21. Der Saisonhöchstwert liegt bei 35 gegen den FC Schalke 04.

Atlético ist nicht primär deshalb über viele Jahre so erfolgreich, weil sie von der ersten Minute an den Ball zum Gegner kicken und dann mit allem, was sie finden, vor dem eigenen Tor stehen. Sie sind deshalb erfolgreich, weil sie eine auf diesem Niveau unglaublich große Disziplin im taktischen Bereich mit hoher Flexibilität vereinen. Sie wissen genau, wann sie wo auf dem Spielfeld Druck machen müssen – und schieben dafür auch mal deutlich weiter nach vorn.

Atlético Madrid: Pressingauslöser auf den Flügeln

Auch gegen die Bayern ist in deren tiefem Aufbau zu erwarten, dass Atlético Druck machen wird – meist in einem 4-4-2-Mittelfeldpressing. Die Viererkette in der Defensive steht dabei in der Regel etwas breiter als die Viererkette im Mittelfeld. Eine wichtige Rolle nehmen zudem die beiden äußeren Spieler der Mittelfeldkette ein, denn sie schieben regelmäßig heraus, um auf den Flügeln den Druck zu erhöhen.

Atlético hat im Anlaufverhalten maßgeblich ein Ziel: Das Zentrum ist kompakt, der Gegner soll möglichst viel auf die Flügel ausweichen. Dort wird dann aggressiv gepresst und attackiert. Die mit Abstand meisten Ballgewinne verbuchen die Rojiblancos auf den Außenbahnen rund um die Mittellinienhöhe. Wird die Kugel dort gewonnen, wird über wenige Kontakte blitzartig umgeschaltet.

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Die zwei Angreifer sollen den Aufbau des Gegners steuern und mit ihrem Deckungsschatten dafür sorgen, dass das zentrale Mittelfeld möglichst wenig angespielt werden kann. Viele Teams arbeiten dann damit, dass mindestens einer der Sechser nach außen abkippt, sich also aus dem blau markierten Bereich herausbewegt. Der Vorteil ist Ballkontrolle, der Nachteil ist, dass Atlético bekommt, was es will, wenn das Abkippen nicht dazu führt, dass jemand anderes Raum in der Mitte findet.

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Wird auf einen der Flügel eröffnet, schiebt der ballnahe Außenspieler der Mittelfeldkette aggressiv heraus – gemeinsam mit dem ballnahen Stürmer, oft dem Außenverteidiger und den jeweils nächsten Spielern in Mittelfeld und Abwehr.

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Der Flügel wird also eng gemacht, das ganze Team verschiebt rüber. Es geht im Idealfall darum, den Weg zurück ins Zentrum zu verhindern. Entweder Ballverlust oder Neuaufbau über die Verteidiger, aber keine Progression für den Gegner.

Wie kann der FC Bayern den Atlético-Block knacken?

Das Interessante an der oben dargestellten Szene ist aber, dass Stuttgart es trotzdem schafft, zum Abschluss zu kommen, indem sie neu aufbauen, aber relativ schnell auf den ballfernen Flügel verlagern und dort dann deutlich mehr Raum haben. Schnelle Verlagerungen sind generell ein gutes Mittel gegen Teams, die sehr viele Spieler auf einen Flügel bringen, um dort den Ball zu erobern.

Bayern könnte also versuchen, genau diese Szenen zu provozieren, bräuchte dann aber gute Abläufe, um sich aus dem Pressingdruck zu befreien und dann schnell auf die andere Seite zu kommen. Atlético verschiebt zwar gut, aber auch die Spanier bekommen Schwierigkeiten, wenn ihre Viererketten hin und her bewegt werden. Spieltempo ist also eine Komponente, Präzision wiederum die andere, um nicht zu oft in Konter zu laufen.

Ein weiteres Mittel, das gegen Atlético für manches Team in dieser Saison gut funktioniert hat, sind gegenläufige Bewegungen in den Halbräumen und am Flügel und/oder das individuelle Auflösen von Pressingsituationen durch beispielsweise Dribblings.

Dribblings und Bewegung als zentraler Aspekt

Vereinfacht erklärt: Lässt sich Kimmich aus dem Mittelfeld so fallen, dass er das Anlaufen des linken Mittelfeldspielers triggert, entsteht dahinter ein Raum, den Atlético mit dem Außenverteidiger und dem zentralen Mittelfeld auffüllen muss. Diesen Raum könnte man durch einen abkippenden Offensivspieler auffüllen, der wiederum einen Gegenspieler mit sich zieht. Und genau hier könnte dann zum Beispiel Olise in die Tiefe starten, um das Vorwärtspressing von Atlético gegenläufig auszunutzen.

Oder nochmal simpler: Schafft es Bayern, einen Pressingspieler von Atlético am Flügel aus dem Spiel zu nehmen, ergibt sich eine Kettenreaktion. Wie bei einem Rechenschieber: Irgendwann sind so viele Kugeln auf die eine Seite verschoben, dass sich irgendwo in der Mitte und auf dem anderen Flügel Raum ergeben muss.

Selbiges gilt für kurze Dribblings. Das Abkippen von Olise im Aufbau kann hier ebenso genutzt werden wie die Qualitäten von Alphonso Davies, sollte der hinten auflaufen. Beide sind gut darin, mit kurzen Dribblings Unordnung in die defensive Ordnung zu bringen. Entsprechend können sie solche Kettenreaktionen auslösen, um dem eigenen Team Raum zu verschaffen.

Die Zahl des Spiels: 16

Selbstverständlich ist das jetzt eine von sehr vielen Detailebenen gewesen. Aber eine, die zeigt, worum es für den FC Bayern geht: Bewegung, Tempo, Lösungen gegen eine sehr gut organisierte Defensive. Immer wieder den Spielrhythmus zu verändern und Atlético in Bewegung zu halten, wird zwangsläufig zu Chancen führen. Gleichzeitig braucht es sehr viel Präzision, um nicht in ungünstige Kontersituationen zu laufen.

Wie schwer es ist, auswärts bei Atlético zu gewinnen, zeigt die Zahl 16. Denn 16 Partien haben die Rojiblancos zu Hause am Stück nicht verloren, wenn deutsche Teams zu Gast waren. Auf zwölf Siege kommen vier Unentschieden. Borussia Dortmund holte den letzten Auswärtssieg gegen Atlético für die Bundesliga – in der Saison 1996/97.

Die Bayern haben derweil noch kein Champions-League-Spiel bei Atlético gewinnen können (ein Remis, zwei Niederlagen). Es mag nicht die beste Ausgangslage sein, um daran etwas zu ändern. Dennoch zeigt die Analyse Ansatzpunkte – auch für einen angeschlagenen FC Bayern.

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