Giulia Gwinn (FC Bayern Frauen)
Bild: Pau Barrena/Getty Images

Giulia Gwinn verletzt: Die große Chance für Sarah Mattner beim FC Bayern

Justin • 05.10.2026 •


FC Bayern, FCB, Bundesliga, DFB-Team, Champions League, Alt Text vergessen

José Barcala betonte bereits auf der einen oder anderen Pressekonferenz, dass es für die Neuzugänge auch darum gehe, das für sie neue System beim FC Bayern zu verstehen und sich an das Niveau anzupassen.

Dass Sarah Mattner, Kassandra Potsi und auch Sophie Proost bisher noch keine tragenden Säulen sind, ist entsprechend erklärbar. Wobei es für jede dieser Spielerinnen individuell nochmal weitere Aspekte anzuführen gibt.

Potsi ist beispielsweise sehr jung und Proost kam in den vergangenen Partien etwas häufiger zum Einsatz, bereitete sogar das entscheidende 1:0 gegen Eintracht Frankfurt sehenswert vor. Die Niederländerin scheint Rhythmus aufzunehmen.

Mattner hingegen kommt erst auf 212 Minuten und nur einen Startelfeinsatz in der Bundesliga. Immerhin: Bei genau diesem gegen den 1. FC Köln bereitete sie das 5:2 von Sarah Zadrazil mit einem schönen Zuspiel vor. Eine große Rolle war ihr bisher aber noch nicht vergönnt – und genau das könnte sich jetzt ändern.

Miasanrot als App und auf Social Media

Weitere Artikel zum FC Bayern München:

FC Bayern: Giulia Gwinn erleidet Außenbandriss

Denn Giulia Gwinn hat sich einen Außenbandriss zugezogen. Damit verpasst sie nicht nur die Länderspielpause, sondern sehr wahrscheinlich auch einige wichtige Spiele in der Champions League.

Eine solche Verletzung kann je nach Schwere eine Ausfallzeit von zwei bis vier oder gar mehr Wochen bedeuten, hinzu kommt noch das Wiederaufnehmen des Trainings hin zum endgültigen Einstieg ins Teamtraining. Ende Oktober steht für den FCB das wichtige Spiel gegen Real Madrid an. Zuvor geht es in der Bundesliga gegen Stuttgart und Leipzig.

Für Mattner sind diese beiden Spiele wichtig, um Rhythmus zu finden und sich bestmöglich auf Madrid vorzubereiten. Denn dort wird sie eine sehr komplizierte Aufgabe erwarten.

Real Madrid als früher Gradmesser: Sarah Mattner im Fokus

Auf ihrer rechten Defensivseite wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach auf Linda Caicedo treffen – eine der talentiertesten und schnellsten Angreiferinnen Europas. Die Kolumbianerin ist in dieser Saison mit nur zwei Treffern aus acht Einsätzen zwar noch nicht richtig in Fahrt gekommen, bringt aber viel Technik und Tempo mit.

Zumal sich die Taktik von Madrid auch darauf fokussieren wird, Mattner besonders unter Druck zu setzen. Analysiert man die letzten Monate nüchtern, war die rechte Abwehrseite aber auch mit Gwinn eine defensive Problemstelle. Die deutsche Nationalspielerin hatte immer mal wieder Schwierigkeiten im Stellungsspiel und im Zweikampfverhalten – auch wenn sie zuletzt weniger Fehler machte und die rechte Seite damit etwas stabilisieren konnte.

Mattners Hürde ist hier dennoch weniger groß, als man zunächst annehmen könnte. Nur ist auch sie eine gelernte Offensivspielerin, deren Stärken eher im Offensivspiel verortet sind. Defensiv werden die kommenden Wochen nach der Länderspielpause also sehr interessant. Es wird auch darauf ankommen, wie sehr die 23-Jährige von ihren Mitspielerinnen unterstützt werden kann.

Wie viel ändert sich taktisch durch den Ausfall von Gwinn?

Mit dem Ball könnte sich derweil etwas mehr ändern – und das ist sowohl Chance als auch Risiko. Denn Mattner ist deutlich risikofreudiger, was das 1v1 oder 1v2 anbelangt. Mit fast drei Dribblings pro 90 Minuten hat sie in dieser Saison laut Wyscout fast doppelt so viele Versuche wie Gwinn – und mit 67 Prozent Erfolgsquote eine leicht höhere als die DFB-Kapitänin (59 Prozent).

Ein Paradebeispiel ist Mattners Assist gegen Köln für Zadrazil gewesen. Weil die Mittelfeldspielerin quasi ihr erstes Tor nach ihrem Comeback erzielte, ging die Vorlage etwas unter. Mattner schlug rechts einen Haken, wodurch sich der Weg nach innen öffnete. Anschließend schickte sie ihre Mitspielerin tief. Ein Tor, das mit Gwinn so wahrscheinlich nicht gefallen wäre. Klar ist aber auch, dass Bayerns neue Nummer elf diese Aktionen noch häufiger zeigen muss, um mittelfristig eine echte Alternative zu sein.

Spannend zudem: Mattner hatte in ihren Einsätzen insgesamt nur vier Flanken (keine kam an). Macht etwas mehr als zwei Versuche pro 90 Minuten (DFB-Pokal ist hier nicht einberechnet). Gwinn wiederum kommt auf rund vier pro 90 Minuten. Ihre Erfolgsquote liegt bei 29 Prozent. Wichtig zur Einordnung: Die Stichprobe ist bei den wenigen Einsätzen in der aktuellen Saison noch sehr klein.

Aber das taktische System von Barcala könnte mit Mattner dennoch etwas anders, vielleicht sogar offensiv besser interpretiert werden. Im Kern spielen die Bayern oft übers Zentrum oder die linke Seite, um dann hin und wieder auf eine fast schon einsame Spielerin auf dem rechten Flügel verlagern zu können – das ist meist Gwinn. Kommt die 27-Jährige an den Ball, wählt sie selten den Weg ins 1v1, um ins Zentrum vorzustoßen. Eher geht sie in Richtung Grundlinie.

Dort bleibt ihr dann meist nur die Flanke oder ein Flachpass in den Strafraum. Gwinn ist weniger Dribblerin, sondern mehr Kombinationsspielerin und Tiefenläuferin. In den vergangenen Wochen driftete sie aber immer mehr ins Flankenspiel ab – auch mangels Optionen.

Löst Mattner jetzt ein Offensivproblem?

Denn wenn es in der Nähe keine oder nur wenige Tiefenläufe gibt, kann Gwinn auch kaum den Tiefenpass spielen. Das Problem ist weniger, dass sie generell nicht flanken kann. Jüngst bereitete sie einen Kopfballtreffer von Imade sehenswert vor.

Das Problem sind eher die Flanken als Stilmittel an sich. Denn die haben keine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit – statistischer Fakt. Bayern war immer dann stark, wenn sich die eine oder andere Flanke mit Kombinationsspiel, Dribblings und flexiblen Angriffen abwechselte. Wenn es rechts aber zu wenig Unterstützung gibt, braucht es Dribblings.

Mattner ist auf dem Papier eine Spielerin, die genau das liefern kann. Sie ist schnell, hat Zug zum Tor und scheut keine Dribblings. Damit ist sie in der Theorie eine spannende Alternative zu Gwinn – vor allem in der aktuellen Situation. Ob sie das auch in der Praxis schon ist, ist die Frage, die kaum jemand seriös beantworten kann.

Viel hängt davon ab, wie sehr sich Mattner bereits eingefunden hat und wie schnell sie jetzt einen Rhythmus finden kann. Für den FC Bayern ist der Ausfall von Gwinn sicher ein Rückschlag. Ihre Erfahrung auf höchstem Niveau kann in jedem Spiel einen Unterschied machen. Zugleich ist es eine riesige Chance für Mattner, die, egal wie die kommenden Wochen laufen, sehr viel mitnehmen kann aus ihren bevorstehenden Einsätzen.

Hat dir der Artikel gefallen?

Unterstütze unsere Arbeit, damit wir auch morgen noch unabhängig berichten und analysieren können.

Hier weiterlesen

Dieser Artikel gefällt dir? Lies ihn in der App.Mit Darkmode, Offline-Podcasts & Push-Benachrichtigungen bei News. Für iOS & Android.
App öffnen

Werde Teil des Miasanrot Clubs!

Werde Teil einer exklusiven Community, genieße besondere Vorteile und unterstütze unabhängige Berichterstattung mit Tiefgang und Qualität rund um den FC Bayern.

Ich unterstütze MIASANROT bereits.
Jetzt Club-Mitglied werden!