DFB-Pokal: SC Preußen Münster – FC Bayern München 1:4 (0:2)

Ungeachtet der wilden Spekulationen, die aufgrund der Verletzungen von Javi Martínez entstanden sind, musste der FC Bayern München zum ersten richtigen Pflichtspiel in der Saison 2014/15 antreten. Der Gegner war der Pokalschreck der letzten Jahre – der SC Preußen Münster. Auch wenn die Münsteraner schwer in die Saison gekommen sind, haben sie in den letzten Jahren ihre Pokalqualität bewiesen und schalteten zum Beispiel den SV Werder Bremen sowie St. Pauli Jahren aus. Hinzu kommt der Vorteil, dass der ambitionierte Drittligist seit drei Wochen im Wettkampfbetrieb ist.

Der FC Bayern München hatte im Vorfeld der Partie mit einigen Verletzungsproblemen zu kämpfen. So fehlte neben Thiago und Franck Ribéry nach dem Supercup gegen Borussia Dortmund auch der zentrale Spieler der Innenverteidigung: Javi Martínez. Sein Ausfall soll nun mit einem Nachkauf gelöst werden. Darüber hinaus wurde bekannt, dass Bastian Schweinsteiger seit geraumer Zeit mit Schmerzen in der Patellasehne spielt. Eine chronische Verletzung, die sich auch nach dem Urlaub nicht gebessert hat. Er wird ab sofort konservativ behandelt und fällt bis auf weiteres aus.

Falls ihr es verpasst habt:

Der FC Bayern veränderte im Vergleich zum Supercup seine Mannschaft auf vier Positionen. Badstuber und Dante rückten in die Startelf. Alaba spielte in der Mittelfeldzentrale, Juan Bernat als linker Außenverteidiger. Shaqiri war das Pendant auf der rechten Seite. Im Angriffsdrittel spielte Götze hinter den Spitzen. Trotz der Verletzung von Javi Martínez blieb das Spielsystem über weite Strecken ein 3-4-3. Erst gegen Ende, als die Kräfte nachließen, verschob Boateng öfters auf die rechte Verteidigerposition und das System war phasenweise ein 4-3-3.

Die Partie begann druckvoll und Lewandowski hatte nach 5. Minuten die erste Kopfballchance. Nur zwei Minuten folgte Götze nach einem Konter mit einer Doppelchance. Die Partie verflachte nach zehn Minuten etwas. Die Zuspiele des FC Bayern wurden ungenauer. Preußen Münster konnte dies in einer Szene ausnutzen und die Mitte der Bayern schnell überspielen. Reichwein kam zum Abschluss, doch Neuer konnte den Ball entschärfen. Erst in der 19. Minute gab es die nächste Chance für die Münchner. Die rechte Angriffsseite wurde von Lahm und Lewandowski überladen. Lewandowski kam frei zum Flanken und fand Götze, der aus sieben Metern zum 1:0 einköpfte. Nach weiteren Halbchancen waren es erneut Lahm und Lewandowski, die durch geschicktes überladen Freiräume schufen. Dieses Mal hatte zwar ein Gegenspieler den Fuß dazwischen, doch dieser konnte den Ball nur abprallen lassen. Thomas Müller stand etwa 12 Meter frei vor dem Tor und verwandelte sehenswert zum 2:0. Nur fünf Minuten später konterte der FC Bayern schnell über Müller und Lewandowski, der mit viel Übersicht auf Bernat spielte, doch sein Schuss war zu unplatziert. Somit ging es mit einer 2:0 Führung in die Kabine. Auch in der Defensive wirkte der FC Bayern über weite Teile strukturierter als im Vergleich zum Spiel gegen Borussia Dortmund. Das Pressing griff und nur selten wurde das Mittelfeld überspielt. Dabei halfen auch die Innenverteidiger mit, die situativ ins Mittelfeld schoben und dort Zweikämpfe gewinnen konnten.

Die zweite begann wie die erste Halbzeit. Der FC Bayern München hatte sofort viel Zug in den Aktionen. Zunächst war Lewandowski einen Schritt zu spät, nach einem starken vertikalen Pass von Alaba. Dieser sorgte in der 52. für die Vorentscheidung. Nach etwas Geflipper im Strafraum, kam der Ball zu Alaba der aus 20 Metern trocken verwandelte. In der 63 Minute das gleiche Bild – die Mannschaft agierte variabel und Lahm kommt zu einer Flanke, doch Bernat war aus wenigen Metern erneut zu ungenau. Nach einer schnellen Balleroberung durch Alaba und Müller, landete der Ball bei Pizarro, der den Torhüter in der 72. Minute zum 4:0 überlupfte. Spätestens ab diesem Moment war die Partie gelaufen und die Konzentration im Abschluss ließ nach. Bis zum Spielende wurden noch einige Halbchancen leichtfertig vergeben.

So nutzte Preußen Münster die Chance und bekam vom Schiedsrichter ein kleines Geschenk – ein Handelfmeter in der 89. Minute. Jerome Boateng drehte sich unglücklich in den Ball und trotz anlegtem Arm erfolgte der Pfiff. Eine harte Entscheidung. Den fälligen Strafstoß verwandelte Krohne zum 1:4. Auf der Gegenseite, direkt nach Wiederanpfiff foulte Heitmeier Lewandowski. Der Gefoulte trat selber an, doch vergibt in der 91. Minute kläglich. Somit muss Robert Lewandowski weiter auf seinen ersten Pflichtspieltreffer warten, doch dies änderte nichts mehr am Einzug in die zweite Pokalrunde.

3 Dinge, die auffielen:

1. Überladen der Angriffsseiten

Im Gegensatz zu den Vorbereitungsspielen bzw. dem Supercup gegen den BVB gelang es dem FC Bayern präsenter im Angriffsdrittel zu sein. Dies war zum einen der präsenten Mitte geschuldet, aber auch dem geschickten überladen der Angriffsseiten. Gerade bei den ersten beiden Toren verließ Robert Lewandowski seine zentrale Stürmerposition und schuf so Freiräume für Götze bzw. Thomas Müller. Generell zeigten sich Götze, Müller und Lewandowski sehr variabel und verließen immer wieder ihre Position und boten sich als Anspielstation an. Durch geschickte Diagonalläufe wurde so Überzahl auf einer Angriffsseite geschaffen, die zu vielen gefährlichen Flankensituationen geführt haben. Dies wurde nicht nur bei den Toren deutlich, sondern auch bei einer guten offensiven Aktion von Bernat. Zunächst wurde die komplette linke Seite überladen, bevor ein Diagonalball das Spiel auf die rechte Seite verlagerte und Lahm völlig frei zur Flanke auf Bernat ansetzen konnte.

2. David Alaba

David Alaba ist ein Phänomen. Spielte er in der Vorbereitung noch meist als Innenverteidiger, bot ihn Pep Guardiola im zweiten Pflichtspiel der Saison im zentralen Mittelfeld auf. Hier machte sich seine Erfahrung aus der Zeit in Hoffenheim und bei der Nationalmannschaft bezahlt. Alaba fügte sich sofort ins Spiel ein und überragte durch seine Präsenz. Zudem stimmte die Abstimmung mit Philipp Lahm über weite Strecken der Partie. Defensiv antizipierte Alaba viele Bälle und konnte Kontersituationen gezielt im Keim entschärfen. Zudem entschied er sich auch meist im richtigen Moment, ins Pressing zu gehen. Dies münzten seine Mitspieler durch eine schnelle Umschaltaktion zum zwischenzeitlichen 4:0 um. Offensiv machte Alaba durch kluge vertikale Pässe das Spiel schnell. Das Mittelfeld von Preußen Münster konnte so leicht überspielt werden. Ein Pluspunkt gegen eine Mannschaft, die zwar nicht zu defensiv agierte, aber doch versuchte mit zwei Ketten sicher zu stehen. Gekrönt wurde Alabas Leistung mit einem traumhaften Tor zum 3:0. Und auch nach dem Tor lenkte Alaba die Partie nach belieben. Immer wieder schickte Alaba Müller oder Lewandowski steil und bereite so eine Vielzahl von Chancen vor. Mit dieser Leistung konnte David Alaba das Fehlen von Bastian Schweinsteiger kaschieren. Es wird spannend zu sehen sein, ob Alaba nun häufiger im Mittelfeld auflaufen darf.

3. Holger Badstuber

624 Tage musste Holger Badstuber auf diesen Tag warten. Fast 19 Monate nach seinem Kreuzbandriss bestritt Badstuber wieder ein Pflichtspiel für den FC Bayern. Holger Badstuber wurde von Pep Guardiola etwas überraschend als linker Innenverteidiger aufgeboten. Dort war er bis zu seiner Auswechslung über 80 Minuten fehlerfrei. Er hatte dabei 66 Ballkontakte, 57% gewonnene Zweikämpfe und eine Passquote von 95%. Es wirkte so als wäre Badstuber nie weg gewesen. Er ist dem Alltag wieder ein Stück näher gekommen. Natürlich muss der Verein jetzt genau schauen, inwieweit er die körperliche Belastung verkraftet. Ein weiterer Innenverteidiger wird wohl kommen und soll wohl Badstuber einen leichteren Formaufbau ermöglichen. Badstuber muss somit nicht jedes Pflichtspiel bestreiten und kann so Schritt für Schritt zur alten Stärke zurückfinden.

SC Preußen Münster – FC Bayern München 1:4 (0:2)
Preußen Münster Masuch – Riedel, Schmidt, Heitmeier, Hergesell – Hoffmann (65. Siegert), Truckenbrod, Zenga, Kara – Krohne, Reichwein (73. Amachaibou)
FC Bayern Neuer – Boateng, Dante, Badstuber (79. Rode) – Shaqiri (56. Pizarro), Lahm (79. Gaudino), Alaba, Bernat – Müller, Götze – Lewandowski
Bank Reina, Starke, Höjbjerg, Robben
Tore 0:1 Götze (19.), 0:2 Müller (29.), 0:3 Alaba (52.). 0:4 Pizarro (73.), 1:4 Krohne (89./Handelfmeter)
Karten Gelbe Karten: – / Shaqiri // Rote Karte: Heitmeier (90./Notbremse)
Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken)
Zuschauer 16.797
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Leserkommentare
  1. H34T

    Ich fand Götze in der ersten halbzeit relativ stark, zweimal schöne bälle von der zehnerposition einmal auf lewandowski und einmal auf müller. Vom Zusammenspiel Götze – Lewandowski erwarte ich mir sowieso einiges, bei der Flanke glaube ich aber dass lewandowski bernat im blick hatte.

    Badstuber hatte ein gutes spiel, auch wenn der gegner sicher noch keine richtige prüfung war. Er hatte aber eine Kopfballkerze im strafraum, das ist mir zumindest negativ aufgefallen.

    1. Christopher

      Absolut. Götze war in der ersten Halbzeit richtig stark. Hat viele Situationen eingeleitet und fühlte sich in der Mitte sichtlich wohl. Durch die taktische Veränderung auf 3-4-3 hat er in der Mitte mehr Platz und den Rasen vor sich. Die Folge waren einige schöne vertikale Pässe. Zudem hat Götze immer wieder versucht Lewandowski hoch anzuspielen.

  2. Schöner Bericht, kann ich so unterschreiben!

    Manchmal geht aber Korrekturlesen vor Schnelligkeit, oder?! ;-)

  3. DS

    Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht, aber zugleich auch erleichtert, dass Guardiola an der Dreierkette festgehalten hat. Das ist zum einen ein Zeichen dafür, dass definitiv noch ein Spieler kommen wird und zum anderen dass man auch Badstuber bereits eine tragende Rolle in wichtigen Spielen zutraut (auch wenn ich bei jedem seiner Richtungswechsel Angst hatte dass sein Knie explodieren würde). Nun steht ja das Gerücht im Raum, dass Bayern sich um Benatia bemühen würde. Dieser könnte Martinez in der Dreierkette eins zu eins ohne großen Qualitätsverlust ersetzen und wäre in einer Viererkette wahrscheinlich sogar die bessere Wahl. Es ist zwar die Rede von einer Ablösesumme von 30m, wo man fast schon von einem Schnäppchen sprechen könnte, jedoch kann ich mir das fast nicht vorstellen. Naja, wir können nur abwarten.

    Was Alaba betrifft hat dieser natürlich ein klasse Spiel gemacht, aber in letzter Zeit schleichen sich ein paar haarsträubende Fehlpässe in sein Spiel ein, die man sonst eigentlich nicht von ihm gewohnt ist. Da sich die Sache in der zweiten Halbzeit allerdings verbessert hat, sehe ich hier keine wirkliche Gefahr für die Zukunft.

    Bei Götze hat man wieder mal gesehen, dass er seine Freiräume braucht. In einer Rolle als breitengebendender Außenstürmer, wie er sie letzte Saison häufig spielen musste, wirkt er meist verloren. Wenn man ihm aber gewisse Freiheiten lässt, wird er zur ständigen Gefahrenquelle und ist an praktisch allen Angriffen maßgeblich beteilligt. Da bei einer Dreierkette die Wing Backs dem Spiel bereits viel Breite geben, können die Außenstürmer sehr viel variabler agieren, was Götze nur zugute kommt.

    Insgesamt von allen Beteiligten ein zufriedenstellendes Spiel. Lewandowski war am Ende etwas unglücklich, aber seis drum. Ich denke die Mannschaft ist trotz aller Startschwierigkeiten bereit für die Liga.

    1. Christopher

      Was Alaba betrifft hat dieser natürlich ein klasse Spiel gemacht, aber in letzter Zeit schleichen sich ein paar haarsträubende Fehlpässe in sein Spiel ein, die man sonst eigentlich nicht von ihm gewohnt ist. Da sich die Sache in der zweiten Halbzeit allerdings verbessert hat, sehe ich hier keine wirkliche Gefahr für die Zukunft.

      Ich denke du beziehst dich auf seine Spiele in der Innenverteidigung? Gegen Münster war es für einen Mittelfeldspieler sehr ordentlich: 89% Passquote. Gut 10 Fehlpässe, aber da waren auch viele Risikozuspiele dabei. Von daher überzeugte mich seine Leistung heute. Kein Vergleich zur bisherigen Vorbereitung. Bin wirklich gespannt ob er gegen Wolfsburg im Mittelfeld spielen darf, oder Boateng in der Abwehr vertritt.

  4. sil3nz_fcb

    Hier fehlen ein paar Wörter :)

    […]und schalteten den SV Werder Bremen sowie St. Pauli Jahren aus.

    Nur zwei Minuten folgte Götze nach einem Konter mit einer Doppelchance

    Kommentar kann gelöscht werden.

  5. sil3nz_fcb

    Was mir noch bezüglich Lewandowski aufgefallen ist: Er war sehr bemüht und wird auch oft von seinen Kollegen im Mittelfeld gesucht, aber er steht meistens noch zu sehr alleine auf verlorenem Posten. Taktisch müsste das mit dem verschieben der offensiven Mittelfeldspieler noch besser abgestimmt sein, so dass sie direkt nach vorne gehen, wenn wieder ein längerer Ball zu Lewandowski geschickt wird.

    Gegen Dortmund war es besonders gut zu sehen. Langer Ball auf Lewandowski, der schirmt gut ab, steht aber mit dem Rücken gegen 3-4 Defensivspieler, und es dauerte viel zu oft viel zu lange bis rote Unterstützung da war, so dass meistens der Ball schon wieder verloren war.

    Das könnte eine starke Waffe sein, wenn er die klassischen Flügelspieler Ribery und Robben um sich hat, und durch Abschirmen 1-2 Gegenspieler bindet, während sich die Aussenstürmer mit Läufen in die Spitze für Pässe hinter die Abwehr anbieten. Notfalls rücken die 6er/8er nach und nehmen die abgelegten Bälle von Lewandowski an und haben dann die Option, 3-4 Angreifer zu bedienen. Umschaltspiel sollte diese Saison im Training noch größer im Fokus stehen denke ich.

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