Celtic Glasgow – FC Bayern 1:2 (0:1)

Maurice Trenner 31.10.2017

Für die Partie am vierten Spieltag der Gruppenphase musste sich Jupp Heynckes etwas Besonderes einfallen lassen. Nachdem Robert Lewandowski am Wochenende in Leipzig angeschlagen vom Platz musste, durfte der Weltklasse-Stürmer als Vorsichtsmaßnahme nicht mit nach Glasgow fliegen. Da zeitgleich auch Thomas Müller verletzt ausfällt, musste Don Jupp kreativ werden.

FC Bayern München vs. Celtic Glasgow Grundformationen

Im Vergleich zum 2:0-Sieg gegen Leipzig brachte Heynckes fünf Neue. Überraschenderweise blieb Kimmich auf der Bank, zudem wurden auch Hummels, Thiago und Rudy für das Duell mit Dortmund am Wochenende geschont. Für sie rückten Rafinha, Süle, Tolisso und Coman in die Startelf. Vidal kam neu in die Elf und rückte auf die Zehn. James sollte Lewandowski im Sturm ersetzen.

Der schottische Meister Celtic Glasgow trat im Vergleich zum Hinspiel ebenfalls verändert auf. Unter anderem durfte der wohl gefährlichste Kelte Moussa Dembele auflaufen, der im Hinspiel erst spät von der Bank kam.

Falls ihr es verpasst habt:

In stimmungsvoller Atmosphäre tasteten sich beide Teams zunächst ab. Die Münchner versuchten ihr Passspiel aufzuziehen. Dabei schlichen sich jedoch immer wieder Ungenauigkeiten ein. Nach vier Minuten kam Celtic zur ersten Chance des Spiels, als bei einem schnellen Konter Forrest von rechts ans Fünfereck flankte, wo Armstrong jedoch verfehlte.

Auch in der Folge war Bayern zwar dominant am Ball, die Chancen hatte jedoch Celtic, wobei diese kaum zwingend waren. Bayern versuchte sich mit Fernschüssen durch Vidal (3.) und Alaba (16.), die beide weit am Ziel vorbei gingen.

Aus dem Nichts dann die Führung der Münchner. Bei einem langen Ball von Ulreich entschied sich der Glasgow Keeper Gordon dafür den Sechzehner zu verlassen, Coman kam allerdings eher an den Ball und spitzelte ihn am Torhüter vorbei. Aus knapp fünfzehn Metern schloss der Franzose im Fallen zur Führung ab (22.).

Die kuriose Führung brachte in den nächsten Minuten sichtlich Ruhe und Kontrolle ins Bayern-Spiel, wobei man sich keine weiteren Torchancen herausspielte. In der 30. Minute musste dann Alaba per Grätsche vor dem zum Einschuss bereiten Dembele klären, nachdem zuvor Armstrong geflankt hatte.

Bis zur Pause ließen sich die Bayern immer wieder fallen und übergaben Glasgow häufiger den Ball. Das Pressing wurde in dieser Phase stark zurückgenommen und nur selten konnte die schottische Innenverteidigung konsequent beim Spielaufbau gestört werden. Zwar erspielte sich Celtic einige Chancen, die Passivität der Münchner wurde jedoch nicht bestraft. Mit 1:0 ging es in die Halbzeit.

Beide Teams wechseln zur Hälfte nicht. Ebenso wenig änderte sich die Einstellung der Münchner, die früh unsortiert wirkten. Nach Schuss von Armstrong muss sich Ulreich lang machen, um den Ball um den Pfosten zu lenken (48.).

Wohl auch, um etwas mehr Kontrolle über eine relativ zerfahrene Partie zu bringen, wechselte Heynckes in der 58. Minute erstmals und brachte Rudy für den chilenischen Krieger. Doch auch in der Folge wurden die Aktionen der Münchner nicht zwingender und Celtic blieb in Kontern immer gefährlich.

Nach einer seltenen Kombination zwischen Tolisso und Coman kam James in der 66. Minute zumindest mal wieder zum Abschluss. Allerdings hielt Gordon den Schuss aus acht Metern ohne große Probleme mit dem Fuß. Auf der Gegenseite konnte Forest durch die komplette linke Abwehrseite der Münchner dribbeln. Sein Schuss wurde jedoch abgefälscht und verpasste das Tor (70.).

In der 73. Minute wurden die Münchner dann für ihre Passivität bestraft. Armstrong wurde am Sechzehner nicht angegriffen und passte in die Schnittstelle der Abwehrkette auf McGregor, der den heraus stürmenden Ulreich tunnelte. Der Ausgleich hatte sich angedeutet und war zu diesem Zeitpunkt verdient.

Nach dem Ausgleich war Bayern bemüht, direkt wieder die Oberhand zu gewinnen. Bereits in der 77. Minute waren sie damit erfolgreich. Coman schickte Alaba auf dem linken Flügel, der in die Mitte flankte, wo der aufgerückte Martinez am höchsten stieg und einköpfte.

Beim Kopfball prallten Martinez und Bitton gegeneinander, weshalb beide behandelt werden mussten.

Javi Martínez mit dem Kopfballtor zum 2:1 für den FC Bayern.
(Foto: Ian MacNicol / Getty Images)

In der 83. Minute kam Kimmich für Tolisso und durfte seine ersten Minuten im Mittelfeld sammeln. In der Nachspielzeit nahm Heynckes zudem Kapitän Robben vom Feld und brachte Thiago.

Bis zum Schlusspfiff zeigte sich Bayern ähnlich wie im vorherigen Spielverlauf – vorne wenig zwingend und hinten unsicher. Allerdings konnte Celtic diese kleine Schwäche der Münchner nicht ausnutzen.

Zum Schluss bleibt ein knapper 2:1-Sieg in Glasgow. Bester Heynckes-Ergebnisfußball. Im Topspiel am Samstag wird Bayern jedoch ein anderes Gesicht zeigen müssen, um drei Punkte aus Dortmund zu entführen.

Durch den Sieg gegen Celtic Glasgow und den gleichzeitigen Erfolg von Paris gegen Anderlecht ist Bayern damit bereits für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert. An den letzten beiden Spieltagen wird es für die Münchner darum gehen, Paris noch von der Spitze der Gruppe zu verdrängen.

Drei Dinge, die auffielen:

1. Im Mittelfeld fehlt es

Mit der Aufstellung wusste Heynckes mal wieder zu überraschen, ließ er doch trotz des Ausfalls von Lewandowski Thiago und Rudy zu Beginn draußen. Im Spiel zeigte sich relativ schnell, dass Martinez neben Tolisso auf der Doppelsechs agieren sollte. Vidal hingegen war zwar eher offensiv aufgestellt, genoss allerdings – ähnlich wie in der chilenischen Nationalmannschaft – alle Freiheiten im Spiel.

Bereits im Spiel gegen Hamburg zeigte sich, dass Vidal und Tolisso gemeinsam im Mittelfeld die Kreativität im Offensivspiel hemmten. Dies sollte sich auch heute wieder zeigen. Über die gesamte Partie bekam Bayern selten volle Kontrolle auf den Rasen. Bei den wenigen längeren Ballbesitzphasen fehlte dann die Kreativität im Offensivspiel.

Dabei versuchte Heynckes durch eine dauerhafte Personalrochade das Tempo im Münchner Spiel zu erhöhen und die Glasgower Abwehr vor Probleme zu stellen. Immer wieder ließ sich Vidal tief fallen oder tauschte mit James in der Sturmspitze. Auch Tolisso konnte dort hin und wieder gesehen werden. Selbst Robben und Coman wechselten kurz die Flügel. Alleine Martinez blieb für die meiste Zeit auf seiner Position.

Allerdings konnten all die Wechselspiele nicht den fehlenden Zug zum Tor kaschieren. Weder Vidal noch James konnten aus der Zentrale für überraschende Momente sorgen. Vidal versuchte sich häufig an langen Bällen zur Seitenverlagerung, welche jedoch ebenso wenig für mehr Überraschungsmomente im Spiel sorgten.

Martinez, der in den letzten Wochen immer wieder durch sein Passspiel zu überzeugen wusste, kam heute erstmals mehr unter Druck. In der ersten Halbzeit brachte er lediglich 77% seiner Pässe an den Mann – eine Quote, die er in der zweiten Hälfte leicht steigern konnte.

Auch die späteren Hereinnahmen von Rudy und Kimmich brachten nur bedingt mehr Kontrolle in das Bayern-Spiel. Zu hektisch die Aktionen am Ball, zu wenig definiert die Abläufe und Positionsstruktur im Mittelfeld.

Dies bleibt eine offene Baustelle für Heynckes und das Trainerteam. Es wird zudem spannend zu sehen sein, ob Jupp weiterhin auf Tolisso und Vidal zusammen setzt oder dazu übergeht einen der beiden mit einem spielstärkeren Thiago kombiniert.

2. Zurück zur phasenweisen Passivität

Die Einen nennen es notwendigen Ergebnisfußball, die Anderen nennen es schlicht Passivität. Wie schon häufig unter Ancelotti in der Vorsaison, ließen sich die Bayern auch heute oft etwas tiefer fallen und gaben Glasgow die Schlüssel zum Spiel in die Hand.

Gerade in der letzten Viertelstunde vor der Halbzeit gab man die Spielführung vollkommen ab. Während es ansonsten unter Heynckes häufig zumindest ein spätes Anlaufen des Gegners am Übergang ins zweite Drittel gab, blieb auch dies heute zeitweise aus. Vielmehr ließ man Celtic nach Belieben in der eigenen Hälfte kombinieren.

Obwohl hieraus keine gefährlichen Chancen entstanden, was sicher auch an der Offensivqualität von Celtic lag, so kam Celtic jedoch immer wieder in Strafraumnähe. Gegen einen stärkeren Gegner kann dieses Verhalten gefährlich werden.

Mit 55% Ballbesitz ging es in die Pause – sicherlich eine der kleineren Ballbesitzphasen gegen einen vermeintlich kleinen Gegner in den letzten Jahren.

Celtics Callum McGregor mit dem 1:1 Ausgleich.
(Foto: Stu Forster / Getty Images)

Auch direkt nach dem erneuten Führungstreffer zum 2:1 nahm man sofort wieder Schwung raus und ließ Celtic mehr agieren. Erneut war es alleine Glasgow zu verdanken, dass dieser Ansatz nicht schief ging.

Gerade in den vergangenen Jahren zeichnete die Münchner aus, dass man den Fuß erst dann vom Gaspedal nahm, wenn das Spiel durch einen Vorsprung mit zwei, drei Toren quasi entschieden war.

Hier sollte Heynckes versuchen in Zukunft den Fokus nach der Führung weiter hochzuhalten, den Gegner weiter früh anzulaufen und nicht in Ancelotti-Muster zu verfallen.

3. No Lewy, No Strafraumbesetzung

Wie sehr ein Spieler fehlt merkt man häufig erst, wenn dieser Spieler nicht auf dem Platz steht. So auch heute mit Robert Lewandowski. Doch ist die Verletzung des Polen nicht nur aufgrund der geringeren Torgefahr zu spüren, sondern sie ist viel weitreichender.

Gerade die offensiven Mittelfeldspieler dürften Lewandowski als Anspielstation zwischen den Linien schmerzlich vermisst haben. Der Pole versteht es wie wenig andere, einen Ball anzunehmen, unter Druck zu behaupten und dann weiterzuleiten.

Diese Ballverwertung fehlte sowohl im festen Positionsspiel als auch in Kontersituationen.

Weiterhin fehlte ohne Lewandowksi erwartungsgemäß die dauerhafte Präsenz im Strafraum. Der eigentlich nominelle Stürmer James interpretierte seine Rolle eher als hängende Spitze und ließ sich häufig aus dem Sechzehner fallen, um als zusätzliche Anspielstation zu fungieren. Dies erlaubte es Celtic jedoch, sich kompakt am eigenen Sechzehner zu positionieren.

Die Flanken, die Bayern in den letzten Wochen häufig verwendete, waren heute ebenfalls oft aussichtslos, da der Neuner-Raum schlichtweg nicht besetzt war. Somit konnte auch durch ein Aufrücken aus dem Mittelfeld keine Überzahl kreiert werden.

Ausgerechnet beim wichtigen Siegtreffer durch Martinez funktionierte jedoch eben dies. Die Konstanz der Präsenz eines echten Stürmers fehlt dem Münchner Spiel ohne Lewandowski jedoch.

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Celtic Glasgow – FC Bayern München
Celtic Glasgow Gordon – Lustig, Boyata, Bitton, Tierney – Brown, Armstrong (79. Griffiths) – Forrest, McGregor, Sinclair (64. Rogic) – Dembélé
Bank De Vries, Gamboa, Hayes, Ntcham, Ajer
FC Bayern Ulreich – Rafinha, Süle, Boateng, Alaba – Vidal (59. Rudy), Martinez, Tolisso (83. Kimmich) – Robben (90. Thiago), James, Coman
Bank Starke, Hummels, Friedl, Wintzheimer
Tore 0:1 Coman (22.), 1:1 McGregor (74.), 1:2 Martínez (77.)
Karten – / –
Schiedsrichter­ Danny Makkelie (Niederlande)
Zuschauer 57.000

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