Die Leiden des jungen Holger Badstuber

Christopher Trenner 14.02.2016

Holger Badstuber scheint das Verletzungspech magnetisch anzuziehen. Seit seinem Kreuzbandriss in der Saison 12/13, als er im Topspiel unglücklich mit Mario Götze kollidierte, kommt der 26-jährige nicht mehr richtig auf die Beine. Zwei gerissene Kreuzbänder, ein Sehnenriss, ein Muskelriss und nun die Sprunggelenksfranktur. Der Verteidiger des deutschen Rekordmeisters hat sich am Samstag beim Abschlusstraining ohne Fremdeinwirkung ebenjene zugezogen. Die Partie gegen Augsburg wird das 188. Spiel sein, was Holger Badstuber seit besagtem Dezember 2012 verpassen wird. Seit seinem Bundesligadebüt am 8. August 2009 spielte er lediglich 174 Partien für den FC Bayern. Eine bittere Statistik.

Menschlich ist die Verletzung eine Tragödie. Zu sehen, wie sich ein Sportler immer wieder zurückkämpft und dann doch wieder jäh von seinem Körper gestoppt wird, bricht vielen Beobachtern und Fans das Herz. Auch weil Holger Badstuber durch seine Bodenständigkeit nicht dem Typus des modernen Profifußballers entspricht. Besonders bitter ist der jetzige Ausfall, weil sich der 26-Jährige gerade in den letzten Wochen wieder gut zurückgekämpft hatte. Mit Tasci hat der Verein sogar schon vorgebaut und einen Spieler ausgeliehen, der ihm Einsatzzeit abnehmen sollte, um so die Belastung besser steuern zu können. Badstuber steigerte sich seit Beginn der Rückrunde von Partie zu Partie. Gegen Leverkusen und Bochum überzeugte er mit guten Auftritten. Zwar fehlte ihm nach wie vor etwas Antritt, aber dies konnte er mit gutem Stellungsspiel weitestgehend kaschieren. Auch im Spielaufbau traute sich Badstuber zunehmend mehr zu und spielte seine langen Diagnoalbälle von Woche zu Woche häufiger und mit steigender Präzision.

Die sportlichen Konsequenzen

Abgesehen von der menschlichen Komponente trifft die Verletzung von Badstuber den Verein zur Unzeit. Von den sechs Innenverteidigern, die vor Saisonbeginn im Kader standen, ist gegen Augsburg keiner spielfähig. Boateng und Badstuber fallen noch eine längere Zeit aus. Martinez, dessen Ausfall jetzt zwei Wochen her ist, dürfte selbst für die Champions League in 10 Tagen ebenfalls keine Option sein. Benatia konnte immerhin am Samstag zum ersten Mal wieder am Mannschaftstraining teilnehmen. Hinzu kommt die gewollte Kaderverkleinerung durch den Verkauf von Dante und Kirchhoff. Die Hoffnungen ruhen daher auf Leihspieler Serdar Tasci.

Die nächsten beiden Partien Augsburg und Darmstadt haben einen wichtigen Testcharakter für das Champions League Achtelfinale gegen Juventus Turin. Pep Guardiola muss erneut eine Lösung für die Abwehr finden.

Vierkette ohne Badstuber‘Sicherheitsvariante’ mit Tasci als eins zu eins Ersatz für Badstuber

Diese kann ähnlich aussehen, wie zuletzt, wenn Serdar Tasci in die Rolle von Holger Badstuber schlüpft. Dann ergäbe sich eine Dreier-/Vierkette mit Alaba – Tasci – Kimmich – Lahm. Dies ist wohl die naheliegenste Variante. Der Unsicherheitsfaktor hier heißt natürlich Serdar Tasci. Bisher stand er nicht eine Minute für den FC Bayern auf dem Platz und dennoch mutiert er mittlerweile zum Hoffnungsträger für die gebeutelte Münchner Abwehrzentrale. Sollte sich Guardiola auf diese Formation festlegen, werden die nächsten beiden Bundesligasspiele sicherlich der Gradmesser unter Wettbewerbsbedingungen, um nicht einen völligen Blindflug in Turin hinzulegen.

Eine weitere Variante könnte sein, dass Bernat nach seiner ebenfalls langen Verletzungspause mehr Einsatzzeit bekommt.

Vierkette ohne Badstuber‘Risikovariante’ mit Alaba als Innenverteidiger neben Kimmich

Taktisch ergäbe sich dann eine Vierkette mit Bernat – Alaba – Kimmich (Alonso) – Lahm. Mit Körpergrößen von 170cm, 180cm, 176cm und 170cm sicherlich mit dem Risiko behaftet, dass es gegen robuste und kopfballstarke Gegner zu ungünstigen Situationen kommt. Allerdings dürfte der sehr antrittsschnelle Alaba ein Vorteil im Bezug auf die Konterabsicherung des FC Bayern sein. Gegen sehr tief stehende Gegner sicherlich eine Option.

Unabhängig davon welches Gedankenspiel sich durchsetzt, ergeben sich spätestens jetzt einige Änderungen im Spielkonzept. Die langen spielöffnenden Bälle von Boateng bzw. in den letzten Wochen von Badstuber fallen als taktisches Mittel zunächst aus. Natürlich können Alonso und Kimmich durch ihr gutes Passspiel diese Funktion übernehmen. Dies würde aber je nach taktischen Konstrukt wohl nur mit einem abkippende bzw. pendelnde Secher funktionieren. Wohl aber mit einem deutlichen Verlust des Überraschungsmomentums. Vielleicht ist es daher sinnvoll generell einen neuen Weg des Spielaufbaus zu finden, zumal sich zuletzt immer mehr Gegner auf die öffnenden Diagonalbälle eingestellt haben und die Außenbahnspieler der Münchner konsequenter gedeckt haben. Ein neuer Zentrumsfokus mit Thiago und Götze wäre wohl die sinnvollste Alternative.

Die gesamte Miasanrot.de Redaktion wünscht Holger Badstuber eine gute und vor allem nachhaltige Genesung.

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