Tasci zum FC Bayern: Leihe ohne Risiko

Steffen Trenner 01.02.2016

Diskutiert wurde intern schon seit Tagen über eine Verpflichtung eines Innenverteidigers. Mit der Verletzung von Martínez fiel nun endgültig die Entscheidung, noch einmal tätig zu werden. Tasci ist eine Investition in die Breite des Kaders und zudem eine Verpflichtung ohne Risiko. Der Deutsch-Türke kommt für vier Monate als Leihe mit einfacher Kaufoption für den FC Bayern.

Tasci ist erst 28 Jahre alt. Was überrascht, wenn man bedenkt, dass er schon vor 6-7 Jahren zu den besseren Innenverteidigern der Bundesliga zählte. Er war fester Bestandteil der Stuttgarter Meistermannschaft im Jahr 2007 und machte damals vor allem mit seinen fußballerischen Fähigkeiten im Aufbauspiel auf sich aufmerksam. Was heute zum Standard auf der Innenverteidiger-Position gehört, war damals – drei Jahre nachdem Thomas Linke sein letztes Länderspiel für Deutschland absolvierte – etwas besonderes. Auch Joachim Löw schätzte vor allem diese Eigenschaften an Tasci und nominierte ihn unter anderem für die WM 2010.

Solider Rotationsspieler

Nachdem Tasci 2013 nach Moskau wechselte, verschwand er ein wenig von der Bildfläche. Er war während seines hochdotierten Engagements in Moskau stets Stammspieler in einer im russischen Vergleich mittelmäßigen bis überdurchschnittlichen Moskauer Mannschaft, die seit 2001 keinen Titel mehr gewonnen hat.

Tasci ist ein grundsolider Innenverteidiger, sein Aufbauspiel sticht allerdings heraus. In der laufenden Saison spielt Tasci laut Whoscored.com die drittmeisten Pässe in seinem Team und weist dabei eine Passquote von über 87% auf – Bestwert in seiner Mannschaft. Tasci hat eine ordentliche Antizipation, wirkt jedoch nicht immer antrittsschnell genug. Sein Kopfballspiel ist ebenfalls passabel, wenn auch nicht herausragend. Der 28-Jährige, der schon in Stuttgart als Mannschaftskapitän fungierte, gilt als guter Charakter und mannschaftsdienlicher Spieler.

Tasci ist zum jetzigen Zeitpunkt ein Rotationsspieler, der in der Lage ist, anderen Spielern Pausen zu ermöglichen. Die Sorge, Holger Badstuber, der sich körperlich immer noch auf dem Weg zurück befindet, als einzigen verbliebenen Innenverteidiger in die anstehenden englischen Wochen zu schicken ist real. Nicht wegen seiner Leistungsfähigkeit, sondern wegen seiner Verletzungshistorie und einer möglichen erneuten Verletzung. Varianten mit Kimmich, Alaba oder Vidal in der Zentrale sind mit dem Neuzugang aber nicht vom Tisch. Guardiola wird in den kommenden Wochen so oder so improvisieren müssen. Mit Tasci kommt aber immerhin eine weitere Alternative hinzu.

Dass sich die russische Liga seit Anfang Dezember in der Winterpause befindet, ist sicher nicht optimal. Tasci verwies bei seiner Vorstellung in München darauf, dass er allerdings gerade ein Trainingslager mit der Mannschaft absolviert hat. An der Fitness wird es also eher nicht scheitern. Eine Herausforderung ist die Anpassung dennoch.

Hochkaräter nicht zu haben

Insgesamt ist der Transfer nicht ohne einen Blick auf die internationale Marktsituation zu bewerten. Wenn Karl-Heinz Rummenigge vor wenigen Tagen sagte, dass im Winter kein guter Verein einen guten Spieler abgibt, dann ist das nicht unbedingt ein Widerspruch zur Tasci-Verpflichtung. Andere, größere Namen wie Laporte oder Stones sind auch für den FC Bayern in der jetzigen Situation schlicht nicht zu finanzieren ohne in Phantasiezahlen abzudriften. Die Anforderungen haben sich verändert beim FC Bayern. Die finanziellen Möglichkeiten halten damit nur bedingt Schritt und gerade der englische Markt ist so überhitzt, dass die Münchner in Rekordablösebereiche vordringen müssten, um einen adäquaten Ersatz zu finden. Falls ein Verein mitten in der Saison überhaupt einen Top-Spieler abgeben würde. Der reale Transfermarkt ist nicht das Kicker-Managerspiel – das gilt auch für den FC Bayern.

Tasci, der sich zuvor bereits mit dem FC Schalke einig war (hier scheiterte der Transfer an den Leihmodalitäten), wollte offenbar unbedingt in die Bundesliga zurück. In den vier Monaten in München hat er die Chance zu beweisen, dass er in München mittelfristig als dritter oder vierter Innenverteidiger bestehen kann oder sich zumindest für einen anderen Verein zu empfehlen. Für die Münchner ist die Leihe wie erwähnt ohne langfristige Verpflichtungen. Der Club wird sich genau anschauen können, ob Tasci mit 28 Jahren noch einmal einen Schritt machen und die hohen Anforderungen des Rekordmeisters dauerhaft erfüllen kann.

Wird Serdar Tasci ein Champions League-Halbfinale entscheiden? Eher nein. Ist er besser als Dante oder Kirchhoff, die zuletzt die Rolle als dritter oder vierter Innenverteidiger in München übernahmen? Eher ja. Kann Guardiola Tasci in Spielen gegen Augsburg, Ingolstadt, Frankfurt oder Köln ruhigen Gewissens in die Startelf stellen? Auch eher ja. Um nicht viel mehr geht es für den Moment bei diesem Transfer.

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