Formkrise beim FC Bayern? Zwischen Ausrutschern und fehlendem Spielglück
Nach der Rückkehr aus der Länderspielpause konnte der FC Bayern nun zuletzt zwei Mal in Folge nicht gewinnen und kam sowohl beim FC Augsburg in der Bundesliga als auch bei Viking Stavanger in der UEFA Champions League nicht über ein Unentschieden hinaus.
Vincent Kompany sprach nach dem Auswärtsspiel in Norwegen am Dienstagabend im Interview mit Prime Video in Hinblick auf die letzten beiden Partien von „Konzentrationsfehlern“ und zeigte sich unzufrieden mit dem Spielverhalten seiner Mannschaft. In einigen Momenten sei man dem Bayern-Coach zufolge nicht clever gewesen.
Bahnt sich für Kompany in seiner dritten Saison beim FC Bayern eine erste Krise an? Oder handelt es sich lediglich um Ausrutscher, von denen in ein paar Wochen keiner mehr spricht? Miasanrot bewertet die aktuelle Situation.
Weitere Artikel zum FC Bayern München:
- Lennart Karl beim FC Bayern: Zwischen Ungeduld und dem nächsten Entwicklungsschritt
- Szenenanalyse: Wie Kompany den Weg für Olise freimacht
- Kanes Doppelpack reicht nicht. Nach Olise-Rot spielt Bayern nur 3:3 in Stavanger!
Magere Punkteausbeute trotz dominanter Spielweise
Bei einem Blick auf die Zahlen der letzten beiden Spiele der Bayern mag der ein oder andere sich die Augen reiben und verwundert darüber sein, dass die Münchner nur zwei Punkte mitgenommen haben. Laut kicker kam der Rekordmeister in Augsburg auf einen xGoals-Wert von 4,96 bei 30 abgegebenen Torschüssen. Dennoch kam die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany am Ende nicht über ein 2:2 hinaus.
Ein ähnliches Bild zeigte sich am Dienstagabend in der Champions League. Bei abgegebenen 25:8 Torschüssen, einem Chancenverhältnis von 10:5 und drei erzielten Treffern mussten sich die Münchner nach Schlusspfiff bei Viking Stavanger mit einem 3:3 abfinden. Natürlich bilden solche Zahlen und Statistiken nicht immer passend den realen Spielverlauf ab und geben auch wenig Aufschluss über die Chancenqualität. Dennoch zeigen sie, dass der FC Bayern nach wie vor einen offensiven Output erzeugt, der sich sehen lassen kann.
Auch mangelndes Spielglück spielt eine Rolle. Gegen Viking konnte die Mannschaft einen 0:2-Rückstand zu ihren Gunsten drehen, doch musste nach einer überflüssigen gelb-roten Karte für Michael Olise noch den Ausgleich hinnehmen. Im Spiel gegen den FC Augsburg wurden den Münchnern zusätzlich mehrere Abseitstore aberkannt, zumindest eines davon fragwürdig. Nichtsdestotrotz lassen sich zwei aufeinanderfolgende Partien mit eindeutig zu vielen Gegentoren und enttäuschenden Ergebnissen nicht durch den Faktor Spielglück allein wegdiskutieren.
- Werbung: Das neue Bayern-Trikot und 50 Prozent auf Klassiker sparen – JETZT bei Kitbag (Affiliate-Link)
Individuelle Fehler und defensive Anfälligkeit nach Ballverlust
Ein Teil der Wahrheit sind auch individuelle Fehler. Allen voran der totale Aussetzer von Manuel Neuer vor dem schnellsten Tor der Bundesliga-Geschichte durch Augsburgs Robin Fellhauer, gleichbedeutend mit dem 0:1-Rückstand für den FC Bayern, ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich der Rekordmeister das Gewinnen derzeit selbst schwer macht.
Auch gegen Viking Stavanger setzte es ein frühes Gegentor. Diesmal nach einer Standardsituation. Nach einer gegnerischen Ecke stimmte die Zuordnung nicht, sodass Gianni Stensness nach nur zwei Minuten zum ersten Tor in der Champions-League-Historie von Viking Stavanger einköpfen konnte. Ein altbekanntes Muster aus der vergangenen Saison des FC Bayern. In der Entstehung der Ecke wirkten die Bayern noch nicht konzentriert genug. Kims geblockter langer Ball wird auch durch schlechtes Freilaufverhalten von Bischof und Kane mitverursacht.
Zusätzlich offenbarte man in beiden Partien zuletzt ungewohnte Schwächen in der Restabsicherung nach Ballverlust. Beim Gegentreffer zum 0:2-Rückstand gegen Viking Stavanger war die gesamte Mannschaft (abgesehen von Jonas Urbig) weit in der gegnerischen Hälfte positioniert, sodass ein einziger Pass nach Ballverlust reichte, um die gesamte Hintermannschaft des Rekordmeisters auszuhebeln. Trotzdem kam man vorn nicht ausreichend ins Pressing.
Laut Wyscout hatten die Bayern gegen Augsburg (17) und Stavanger (19) weniger hohe Ballgewinne als in den meisten anderen Spielen bisher. Oft lagen sie bei weit über 20. Schaut man sich die Positionen der Ballgewinne zudem an, dann waren es in beiden Spielen nur drei, maximal vier Eroberungen direkt im oder zentral am Strafraum des Gegners. Zum Vergleich: In Elversberg waren es sieben direkt in dieser Gefahrenzone, gegen Bodö/Glimt fünf, gegen Stuttgart mindestens sechs.
Während die Bayern im Spiel nach vorne nach wie vor eine enorme Durchschlagskraft entwickeln, sind individuelle Aussetzer sowie das Abwehrverhalten zeitweise alarmierend. Bestenfalls handelt es sich hierbei um eine Momentaufnahme. Ansonsten könnte die Flut an Gegentoren irgendwann so groß werden, dass diese trotz offensivem Output nicht mehr aufgefangen werden kann.
FC Bayern: Normale Formschwankungen oder Beginn einer Negativspirale?
Bei der Suche nach Gründen für individuelle Fehler und inkonsequentes Abwehrverhalten ist sicherlich nicht außer Acht zu lassen, dass einige Spieler im Kader der Münchner aufgrund der WM im Sommer nur eine verkürzte Vorbereitung absolvierten. Allerdings rotierte Kompany bereits mehrfach in dieser Saison, sodass Leistungsträger im Rahmen der Belastungssteuerung eine Pause erhielten.
Natürlich können auch häufige Rotationen – insbesondere in Phasen, in denen es nicht wie selbstverständlich läuft – zu Schwierigkeiten in der defensiven Abstimmung führen. Jedoch fielen die Rotationen von Kompany bislang meist eher punktuell aus.
Die Gründe für Formschwankungen können vielschichtig sein und lassen sich nicht immer rational begründen, dennoch besteht die Gefahr, dass wiederkehrende Fehler auch mental eine negative Wirkung haben können. Sollte es dem Trainerteam und der Mannschaft nicht gelingen, rechtzeitig gegenzusteuern, können wiederholte Punktverluste, bei denen man sich trotz guter Leistungen wegen einzelner Aussetzer um die Früchte der eigenen Arbeit bringt, vermehrt für Frustration und Unsicherheit innerhalb der Mannschaft sorgen.
Um nicht in eine Negativspirale zu geraten ist es daher besonders wichtig, die nächsten Spiele auch im Ergebnis erfolgreich zu gestalten.
Kein Grund zur Panik, aber ein Warnsignal
Nach zwei sieglosen Spielen in Folge ist es wohl noch zu früh, von einer echten Krise zu sprechen. Zumal sich die Münchner in beiden Spielen zahlreiche Chancen herausspielen konnten, sodass die Mannschaft weit entfernt davon wirkt, sich in einer Schaffenskrise zu befinden.
Die defensive Anfälligkeit hingegen ist ein ernstzunehmendes Problem. Dieses sollte man an der Säbener Straße schnellstmöglich in den Griff bekommen, damit sich aus einer kleinen Ergebnisflaute keine schwere Krise entwickelt.
Mit RB Leipzig und dem FC Arsenal hat der FC Bayern nun zwei Spiele auf dem Programm, die zweifelsohne Aufschluss über die aktuelle Situation des Rekordmeisters liefern werden und gleichzeitig richtungsweisend für den weiteren Saisonverlauf sind.



