FC Bayern Frauen jubeln mit dem Supercup
Bild: Jasmin Walter/Getty Images

FC Bayern Frauen – Thesenduell: Wird diese Saison der erste Rückschritt seit Jahren?

Justin Florian 21.08.2026


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Endlich geht es wieder richtig los. Am Freitag starten die FC Bayern Frauen in die neue Bundesliga-Saison.

Dann geht es bei Union Berlin um die ersten drei Punkte der Saison (hier geht es zum Liveticker und zur Analyse). Die vergangene Saison war für den FCB eine historische. Nie waren sie erfolgreicher. Doch können sie diesen Erfolg wiederholen – oder sogar noch zulegen?

Miasanrot hat abermals das Thesenduell für euch: Zwei Redakteure, je fünf Thesen zur Saison der Bayern Frauen und fünf Antworten darauf.

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Rückblick auf das letzte Thesenduell

In der vergangenen Saison lieferten sich Florian und Jonathan das Thesenduell. Am Ende war es eine enge Kiste. Neun Thesen ließen sich dabei sehr klar auswerten und führen zu einem 4:4 zwischen den beiden Protagonisten.

Bleibt eine These, die eigentlich pro Jonathan zu bewerten ist: Florian behauptete, Linda Dallmann würde eine sehr starke Saison hinlegen und eine wichtige Rolle im Team übernehmen im Vergleich zum Vorjahr. Jonathan widersprach dem und stellte heraus, dass die Konkurrenz zu groß sein würde. Aber: Florian wurde etwas zu optimistisch.

Streng genommen war seine These, dass Dallmann Scorer UND Spielzeit der Vorsaison verdoppelt. Dort hatte sie 1.563 Minuten und sechs Scorer. Letztere hat sie dann mehr als verdoppelt: 17 sind es geworden. Aber eben auch „nur“ 2.455 Minuten (immerhin die sechstmeisten im Kader). Die Fakten sind klar. Jonathan gewinnt mit 5:4. Aber gefühlt ist Florian hier dennoch der Sieger – zumindest der Sieger der Herzen.

Thesenduell FC Bayern Frauen: Wie läuft die Saison 2026/27

Und Florian bekommt eine weitere Chance. In diesem Jahr duelliert er sich mit Justin. Hier kommen unsere Thesen für die Saison der FC Bayern Frauen.

These 1: Kein Halbfinale in der Champions League?

Justin: Der FC Bayern kann in dieser Saison den Erfolg nicht wiederholen und scheitert in der Champions League vor dem Halbfinale.

Begründung: Meiner Meinung nach sind die FC Bayern Frauen in ihrer taktischen und strukturellen Entwicklung vorerst auf einem Plateau angekommen, von dem aus der nächste Leistungssprung auf internationaler Ebene nur schwer gelingen wird. Durch den hochkarätigen Abgang von Georgia Stanway geht im Mittelfeld spürbar Dynamik und Kreativität verloren, während gleichzeitig die Situation um Lena Oberdorf und Sarah Zadrazil weiterhin unklar ist. Man vertraut darauf, dass beide die Lücke füllen können. Das ehrt die Verantwortlichen zwar, schwebt aber wie ein Damoklesschwert über dieser Spielzeit. Hinzukommt, dass die europäische Konkurrenz ihre Kader noch einmal drastisch aufgerüstet hat. Dadurch wird der Abstand zur absoluten Weltspitze in den entscheidenden K.-o.-Spielen für den FC Bayern schlichtweg zu groß sein.

Florian: Nein

Begründung: Da halte ich dagegen: Ich bin überzeugt, dass Bayern erneut das Halbfinale erreichen wird, weil ich das Team als extrem eingespielt und gefestigte Einheit wahrnehme. Schlüsselspielerinnen wie Lena Oberdorf und Sarah Zadrazil werden zudem in der entscheidenden Saisonphase wieder vollständig fit und ausgeruht sein, der Kader der Münchnerinnen ist in der Breite stärker, so werden Spielerinnen wie Bühl und Gwinn vermutlich in der Bundesliga öfters geschont werden um in der Champions League ihr volles Leistungspotenzial abrufen zu können.

These 2: FC Bayern Frauen mit großem Aderlass

Florian: Von den elf Spielerinnen mit auslaufenden Verträgen werden mindestens Klara Bühl und Franziska Kett den FC Bayern am Saisonende verlassen.

Begründung: Ich sehe beide Spielerinnen an einem Punkt in ihrer Karriere, an dem sie eine neue sportliche Herausforderung suchen, um den nächsten persönlichen Entwicklungsschritt zu vollziehen. Klara Bühl wird bereits seit längerer Zeit ganz oben auf den Wunschzettel des FC Barcelona, sie hat in München alles gewonnen und ist der Liga sportlich entwachsen. Es erscheint nur logisch, dass sie im Sommer den nächsten Schritt in ihrer Karriere gehen möchte. Auch um Franziska Kett gibt es konkrete Avancen aus Katalonien. Die Abwehrspielerin hat zudem ihre Berateragentur gewechselt – ein Indiz, dass ein Tapetenwechsel möglich erscheint, da solche Veränderungen selten gemacht werden um den Vertrag beim bestehenden Arbeitgeber zu verlängern.

Justin: Nein

Begründung: Bei Klara Bühl stimme ich dir uneingeschränkt zu, bei Franziska Kett sehe ich das jedoch anders. Aufgrund ihres noch sehr jungen Alters und der noch nicht vollständig abgeschlossenen Reifephase halte ich einen Verbleib in München für mindestens ein bis zwei weitere Jahre für die deutlich sinnvollere Option. Ein Verbleib im gewohnten Umfeld würde ihr die nötige Stabilität bieten, um sich nachhaltig auf absolutem Top-Niveau zu etablieren, bevor sie den gewagten Schritt ins Ausland wagt.

These 3: Ein Neuzugang wird alle überraschen

Justin: Neuzugang Sarah Mattner wird eine der großen Überraschungen der Saison und erreicht bei den Einsatzminuten die Top 13 des Kaders.

Begründung: Ich bin fest davon überzeugt, dass Mattner den Kader des FC Bayern bereichern wird, weil sie eine unglaubliche taktische Flexibilität mitbringt. Sie kann sowohl auf den defensiven Außenpositionen als auch in den offensiven Positionen ohne Qualitätsverlust eingesetzt werden und zeigt dabei eine bemerkenswerte Spielintelligenz. Da Giulia Gwinn in den vergangenen Monaten sportlich nicht immer stabil wirkte, erwarte ich, dass Mattner bei kleineren Formtiefs oder verletzungsbedingten Rotationen sofort bereitstehen und sich durch verlässliche Leistungen einen festen Platz im Kader von José Barcala erarbeiten wird und die dementsprechenden Spielminuten sammelt.

Florian: Nein

Begründung: Ich halte Mattner ebenfalls für einen hervorragenden Transfer, bezweifle aber, dass sie es am Ende wirklich in die Top 13 der Spielerinnen mit den meisten Spielminuten schafft. Solange Giulia Gwinn verletzungsfrei bleibt, ist sie auf der rechten Seite erstmal gesetzt und wird dort daher zum Großteil der Spielzeit kommen. Dass viele Spielerinnen in der vergangenen Saison Chancen bekamen, lag auch an Verletzungen, die es in der Form diesmal hoffentlich nicht geben wird.

These 4: Sophie Proost wird sofort wichtig

Florian: Neuzugang Sophie Proost erreicht in ihrer Premierensaison eine zweistellige Anzahl an Scorerpunkten.

Begründung: Sophie Proost hat im Supercup gegen den VfL Wolfsburg ein eindrucksvolles Pflichtspieldebüt gegeben. Die Niederländerin ist nicht nur enorm schnell, sondern auch beidfüßig und abschlussstark. Mit diesen Fähigkeiten wird sie dem FC Bayern sehr guttun, viel Einsatzzeit bekommen und ihre Fähigkeiten in Scorern ummünzen können.

Justin: Ja

Begründung: Ich stimme dir zu, sehe deine Prognose aber sogar zu vorsichtig. Wenn man die letzte Saison anschaut, gelang es einigen Spielerinnen, die Marke von zehn zu knacken. Vermutlich sind sogar 15 Scorerpunkte realistisch, ich schätze Proosts Fähigkeiten ähnlich ein wie du.

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These 5: Momoko Tanikawa schafft das Double-Double

Justin: Momoko Tanikawa schafft in dieser Saison ihr erstes Double-Double beim FC Bayern (mindestens 10 Tore und 10 Assists).

Begründung: Momoko Tanikawa schrammte in der vergangenen Spielzeit bereits knapp am Double-Double vorbei (13 Tore und 7 Vorlagen). Tanikawas technische Fähigkeiten, gepaart mit ihrer Spielübersicht, macht sie für mich zu einer der dominantesten Mittelfeldspielerinnen der Liga. Ich erwarte, dass sie in dieser Saison den nächsten logischen Reifeschritt vollzieht und eine noch zentralere Rolle im System einnehmen wird, was ihre Effizienz vor dem gegnerischen Tor erhöhen wird.

Florian: Ja

Begründung: Tanikawa ist für mich eine Augenweide auf dem Platz. Ihre Ballbehandlung und Dribbelstärke selbst unter extremem Gegnerdruck beeindrucken mich jedes Mal aufs Neue. Aus meiner Sicht gibt es lediglich ein einziges Szenario, das sie am Erreichen dieser Werte hindern könnte, und das wäre eine verletzungsbedingte Zwangspause.

These 6: Wieder ungeschlagen durch die nationalen Wettbewerbe

Florian: Die FC Bayern Frauen bleiben in der gesamten Saison national ungeschlagen und holen das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal.

Begründung: Der FC Bayern verfügt über den stärksten Kader der Liga. Das ist nicht überraschend. Was den Gegnerinnen allerdings noch mehr Sorgen machen sollte: Selbst wenn die Münchnerinnen einmal ein schlechtes Spiel haben, in Rückstand kommen, haben sie auch die mentale Qualität, sich aus diesen Situationen geduldig zu befreien. Dabei spielen die Bayern nicht immer gut, aber die Ergebnisse stimmen meist. Die nationale Konkurrenz verfügt nicht über diese Qualitäten und kann, so gesehen bei Wolfsburg im Supercup, nicht über 90 Minuten mithalten.

Justin: Nein

Begründung: Beim Gewinn beider nationaler Titel bin ich voll bei dir, aber ich glaube nicht, dass wir eine völlig makellose Saison ohne eine einzige Niederlage sehen. Der FCB steht vor einer langen Saison, der volle Fokus wird, und das ist ganz menschlich, nicht immer auf dem Bundesliga-Gegner liegen. Auch letztes Jahr hatte man das ein oder schwächere Spiel. Irgendwann ist jedes Team fällig und für den FCB könnte es diesmal soweit sein. Das ändert aber nichts am Saisonausgang.

These 7: Mehr Gegentore als in der Vorsaison

Justin: Die Bayern kassieren in der Bundesliga mehr Gegentore als in der Vorsaison.

Begründung: Die Bundesliga wird zumindest in der Breite erneut stärker, wenn auch nicht in der Spitze. Die Abwehr ist vor allem in der Innenverteidigung nicht jünger geworden und dementsprechend hat der FC Bayern dort Tempodefizite. Zudem könnte es Barcala in seiner zweiten Saison etwas schwieriger haben, seine Kontrahenten zu überraschen.

Florian: Ja

Begründung: Mit lediglich neun Gegentoren in der Bundesliga legten die Münchnerinnen in der Vorsaison defensiv eine Fabelsaison hin. Ich gebe dir recht, dass es dem FC Bayern so in dieser Saison nicht gelingen wird und auch bei den angeführten Gründen gehe ich mit. Um in der Defensive etwas nachhaltiger aufgestellt zu sein, hätte ich mir eine zentrale Abwehrspielerin im Alter von 20-25 Jahren gewünscht, die ein hohes Tempo gehen kann, damit man weiter hoch stehen kann bei gegnerischem Ballbesitz. Diese Qualität geht dem Double-Sieger aktuell ab.

These 8: Arianna Caruso überrascht in der Offensive

Florian: Arianna Caruso wird sich offensiv noch besser einbringen können und sammelt in der kompletten Saison zehn Scorerpunkte.

Begründung: Arianna Caruso spielt seit Januar 2025 beim FC Bayern. Nachdem sich die Italienerin unter Straus noch etwas schwertat und lediglich als Ergänzungsspielerin zum Einsatz kam, hat die gebürtige Römerin in der vorherigen Saison offensiv den Knopf aufgemacht. Die variable Mittelfeldspielerin kam auf vier Tore und drei Vorlagen, ein sehenswerter Freistoß-Treffer im DFB-Pokalfinale inklusive. In der neuen Saison wird sich Caruso nicht nur mehr Freistöße nehmen, sondern auch, insbesondere nach der Rückkehr von Zadrazil und Oberdorf, offensiver eingesetzt werden. Dort fühlt sich die 26-Jährige nach eigener Aussage am wohlsten und wird dies mit Toren und Vorlagen unter Beweis stellen.

Justin: Nein

Begründung: Ich denke, Caruso wird nach der Rückkehr von Oberdorf und Zadrazil keine allzu gewichtige Rolle mehr spielen. Offensiv ist der Kader einfach zu breit besetzt und dort auch mit Spielerinnen, die schlicht gefährlicher sind als die Italienerin. Mehr als die Rotationsrolle im Mittelfeld bleibt für sie nicht.

These 9: Kassandra Potsi ist noch nicht so weit

Justin: Kassandra Potsi wird noch keine besonders große Rolle spielen, der Neuzugang kommt auf weniger als 700 Spielminuten.

Begründung: Kassandra Potsi ist, und das ist für so eine junge Spielerin vollkommen normal, noch nicht weit genug. Ihr fehlen noch Reife und Erfahrung. Es würde mich nicht wundern, wenn sie im Winter sogar verliehen wird.

Florian: Nein

Begründung: Kassandra Potsi wurde in jedem Vorbereitungsspiel zur neuen Saison eingewechselt, sie hat mir gegen Wolfsburg im Supercup gut gefallen, ist offensiv flexibel einsetzbar und bringt damit ein Profil mit, das Barcala gefallen wird. Da der FCB viele Spiele bestreiten und dementsprechend rotieren wird, sehe ich Potsi am Saisonende bei rund 900 Einsatzminuten.

These 10: Edna Imade bleibt zweite Wahl

Florian: Edna Imade startet höchstens zweimal in der Champions League

Begründung: 643 Spielminuten, elf Tore, fünf Vorlagen: Edna Imades Einstand in der Bundesliga war durchaus gelungen und auch im DFB-Pokal kam die Spanierin bei drei Einsätzen (165 Spielminuten) zu drei Toren. Doch in der Champions League konnte der Winterneuzugang keine Akzente setzen, in vier Spielen gegen Manchester United und dem FC Barcelona kam die Angreiferin lediglich zu 33 Einsatzminuten, in der Crunchtime gegen die großen Namen setze Barcala auf Harder. Dieses Bild wird sich auch in der neuen Saison nicht ändern, Imade fremdelt weiterhin etwas mit dem Spielsystem der Münchnerinnen, sie hat noch Schwierigkeiten mit dem schnellen Kombinationsspiel des Meisters. Gerade in der Königsklasse wird Barcala daher weiterhin auf die kombinationsstarke Harder setzen, Imade muss sich weiterhin mit der Jokerrolle begnügen.

Justin: Nein

Begründung: Ich glaube tatsächlich auch, dass Imade keine sehr glorreiche Zukunft in München hat. Es ist gut sie im Kader zu haben, aber mehr als Joker sehe ich bei ihr nicht. Trotzdem stimme ich nicht zu, sonst wäre das Duell ja langweilig. Drei Einsätze sind manchmal schneller da, als man denkt. Also: Auf geht’s Edna Imade! Überzeug uns vom Gegenteil.

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