Ismael Saibari (bald FC Bayern) mit einem breiten Grinsen, er hält die Hände in der Nähe des Gesichts.
Bild: Alex Bierens de Haan/Getty Images

Transfer von Ismael Saibari zum FC Bayern vor Abschluss: Wird er der neue Choupo-Moting?

Justin 15.06.2026



In der Nacht von Samstag auf Sonntag erzielte Ismael Saibari ein sehr wichtiges Tor für Marokko bei der Fußball-WM gegen Brasilien. Schon länger wird der 25-Jährige mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht.

Verschiedene Medien berichten nun, dass der Transfer kurz vor dem Abschluss stehe. 55 Millionen Euro soll das Angebot des FCB an Eindhoven wert sein – inklusive möglicher Bonuszahlungen. Wie groß der fixe Anteil der Summe ist, ist derweil unklar.

Nicht ganz klar ist zudem, in welcher taktischen Rolle Saibari in München auflaufen wird. Das hat weniger damit zu tun, dass man beim Rekordmeister keinen Bedarf für ihn hätte, sondern vor allem damit, dass er mehrere Positionen auf nahezu gleichem Level spielen kann und ihn exakt das zu einer echten Verstärkung in der Breite macht.

Bleibt trotzdem die Frage, in welcher Rolle er für den FC Bayern am wertvollsten sein könnte. Vor einigen Tagen haben wir den Spieler bereits ausführlich im Scouting Report porträtiert und sind auf seine Stärken und Schwächen eingegangen. In diesem Artikel schauen wir auf die taktischen Optionen, die er Vincent Kompany gibt.

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Ismael Saibari beim FC Bayern: Einer für die Zehn?

Seine eigentliche Stammposition liegt im Offensiven Mittelfeld. Saibari ist athletisch, wendig, physisch extrem durchsetzungsfähig und hat ein gutes Gespür für die richtigen Räume. Sein Passspiel ist überzeugend und er kann die letzte Linie mit klugen Schnittstellenläufen überladen.

Auf der Zehnerposition wäre er ein anderer Spielertyp als Jamal Musiala, der vor allem die vielen kleinteiligen Kombinationen in engen Räumen sucht und über seine schlangenartigen Dribblings Gefahr erzeugt. Saibari ist etwas wuchtiger und athletischer. Er hat eine sehr direkte Spielweise, sucht immer nach vertikalen Lösungen.

Doppelpässe und Tiefenläufe sind bei ihm üblicher als Dribblings, aber auch Letzteres ist Teil seines Repertoires. Hinzu kommt, dass der Rechtsfuß einen starken Abschluss hat. Auf der Zehn dürfte er als Spielertyp eher an Serge Gnabry erinnern, der ebenfalls über Athletik, Wucht und Torgefahr punktet. Aber auch im Kombinationsspiel hat der Marokkaner so viele Stärken, dass er sich im System von Kompany auch mit abkippenden Bewegungen und Präsenz im Spielaufbau zeigen kann.

Die Konkurrenz für Saibari ist im Zentrum natürlich groß. Findet Musiala wieder zu seiner Bestform, dürfte er dort gesetzt sein. Auch Gnabry zeigte eine starke Saison. Ihm könnte Kompany aber auch primär eine andere Rolle im Kader anvertrauen – nämlich als Ersatz für Luis Díaz auf dem linken Flügel.

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Spielt Saibari auf der Außenbahn?

Selbiges gilt aber auch für Saibari. Immerhin 21 Einsätze sammelte er in seiner Karriere als Linksaußen, 22 sind es auf dem rechten Flügel. Allerdings fehlt es ihm etwas an Endgeschwindigkeit – vor allem im Dribbling. Und das merkt man, wenn seine taktische Einbindung zu weit an der Außenlinie ist. Von dort sind die Wege nach innen weit.

In einem durchschnittlichen Bundesliga-Spiel würde das vermutlich wenig ins Gewicht fallen. Dort hat Saibari ausreichend Qualität, um auf jeder Offensivposition eine gute Leistung zu zeigen. Gegen stärkere Mannschaften in der Champions League hingegen könnte er dort den Zugriff aufs Spiel verlieren.

Einrückender Außenstürmer

Wobei Kompanys Außenstürmer ohnehin kaum starr an der Linie positioniert sind. Sowohl Díaz als auch Michael Olise rücken immer wieder ein, suchen Wege zum Tor und bieten sich in den Halbräumen an. Dennoch ist es beim FC Bayern eher üblich, dass die Außenverteidiger diagonale Wege nach innen gehen. Auf dem rechten Flügel ist das meist Konrad Laimer, um Olise Räume zu öffnen. Links soll diese Aufgabe eigentlich Alphonso Davies übernehmen, aber auch der poenzielle Neuzugang Nathaniel Brown ist einer, der oft in den Halbraum einrückt.

Mit Saibari auf dem Flügel würde sich diese Dynamik etwas ändern. Dass Brown und Davies grundsätzlich auch breite Rollen übernehmen können steht außer Frage. Man könnte die Abläufe innerhalb eines Spiels auch so variieren, dass die Breitengeber sich abwechseln. Die deutsche Nationalmannschaft agiert mit Florian Wirtz auf dem linken Flügel, der ebenfalls eher ein Spieler für das Zentrum ist. Die Bewegungen von Brown helfen dem ehemaligen Leverkusener enorm dabei, Wege für erfolgreiche Dribblings zu finden.

Vorstellbar, dass auch Saibari links so eingebunden werden kann, dass er einige Spiele dort erfolgreich bestreiten kann. Nichtsdestotrotz ist er umso stärker, desto kürzer die Wege für ihn zum Tor werden.

Saibari als Backup für Harry Kane

Und dann gibt es da noch eine dritte Rolle, in der Saibari Minuten sammeln kann. Für Marokko spielte er zuletzt auf der Neun. 24-mal kam er auf dieser Position auch im Vereinsfußball zum Einsatz und traf immerhin siebenmal. Würde man isoliert betrachtet nach dem bestmöglichen Spieler suchen, der Harry Kane beim FC Bayern ersetzen könnte, wäre Saibari nicht mal in den Top-10.

Nur funktioniert diese isolierte Betrachtung nicht. Denn von den 20 besten Spielern hinter Kane haben 15 bereits keine Lust sich auf die Bank zu setzen und die anderen fünf wären immer noch zu teuer dafür, dass am Ende 500 bis maximal 1.000 Minuten auf dieser Position vergeben werden. Das Hauptproblem ist aber sportlicher Natur: Die meisten Mittelstürmer können exakt diese Position spielen, aber keine andere. Und selbst wenn sie auch mal außen eingesetzt wurden, sind sie dort oft um ein Vielfaches schwächer.

Nicolas Jackson war hier das Paradebeispiel. So gut seine Quote für einen Backup war, so untauglich war er für Kompany in den entscheidenden Champions-League-Spielen. Ja, er hat Kane hier und da etwas Luft verschafft, aber nein, als Joker von der Bank wollte das Trainerteam ihn in wichtigen Spielen eher nicht bringen. Zu Recht. Jackson gab dem Spiel zu wenig.

Selbst Neunertypen, die besser ins System passen als der Senegalese, würden in der heißen Saisonphase eher auf der Bank sitzen, als ernsthaft einen Mehrwert zu bieten. Und genau hier ergibt es Sinn, jemanden wie Saibari zu holen, bei dem es genau andersherum ist: Der Offensivmann kann alle drei Positionen hinter Kane je nach taktischer Einbindung auf hohem Niveau spielen und ist zusätzlich noch ein passabler Mittelstürmer.

Reicht „passabel“ im Ernstfall einer Kane-Verletzung, um die Champions League zu gewinnen? Eher nicht. Das würde es aber auch nicht mit einem Durchschnittsneuner, der bereit ist, darauf zu warten, dass Kane vom Platz humpelt. Dann doch lieber einen flexiblen, variablen Spieler, der die ganze Saison helfen kann, als viel Geld für einen Worst Case auszugeben, der bisher nur selten eingetreten ist.

Ein smarter Transfer des FC Bayern

Zumal Saibari als Neuner sogar der bessere Fit im Vergleich zu Jackson sein könnte. Denn er kann Bälle festmachen, sie klug verteilen und ist bemüht darum, sich mit abkippenden Bewegungen immer wieder am Spiel zu beteiligen. Ein wenig erinnert seine Spielweise an Eric Maxim Choupo-Moting, der ebenfalls ein sehr flexibler Angreifer war.

Beide sind physisch, aber auch technisch sehr stark und beide haben ein gutes Gespür dafür, was die Mannschaft für einen erfolgreichen Angriff gerade braucht. Saibari ist zudem noch ganz ordentlich im Kopfballspiel. Ein weiteres Argument dafür, dass die Offensivplanungen des FC Bayern mit diesem Transfer abgeschlossen sein sollten. Zumal mit dem Marokkaner nun ein weiterer Spieler kommt, der in seiner Karriere nur selten längere Ausfallzeiten hatte.

Mit Gnabry, Saibari und Lennart Karl ist die Reihe hinter den vier Stammspielern jetzt ausreichend besetzt. Saibari ist auf den ersten Blick sicherlich kein spektakulärer Transfer und es bleibt abzuwarten, ob er auf dem Niveau des FC Bayern so glänzen kann wie in der niederländischen Liga. Aber mit seinem Profil bringt er alles mit, um in Kompanys System eine echte Verstärkung zu sein. Dass er in einer sehr offensiven Ausrichtung sogar als Achter eingesetzt werden kann, zeigte er ebenfalls schon.

Sei es als Joker von der Bank, der dem Spiel eine neue Dynamik verleiht, oder in Startelfeinsätzen: Saibari könnte ein sehr smarter Transfer des FCB sein.

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