WM 2026: Tag 4 im Blog – Nmecha und Brown als Gamechanger für Deutschland
Die WM 2026 nimmt Fahrt auf und die 17 Spieler des FC Bayern München steigen nach und nach ins Turnier ein.
Am vierten Tag der Weltmeisterschaft ist das DFB-Team erstmals aktiv gewesen und hat sich mit einem 7:1 gegen Curaçao viel Selbstvertrauen geholt. Zwei Spieler, die Julian Nagelsmann erst kurz vor dem Turnier in seine Startelf integrierte, liefern einen wichtigen Beitrag zur Offensivstärke.
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Miasanrot begleitet die WM 2026 nicht nur mit vielen Features und Analysen, sondern auch im WM-Blog, der euch täglich einen Überblick verschaffen soll. Das Format schaut vor allem auf den vergangenen Tag und blickt zudem auf die wichtigsten Ereignisse des bevorstehenden Tages.
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Hier geht es zum WM-Blog vom Vortag.
Weitere Artikel zur WM 2026:
- Nathaniel Brown im Scouting-Report
- Curaçao: Ein Fußballmärchen mit Beigeschmack
- Wird er der Breakoutstar der WM?
WM 2026: Was ist passiert?
Deutschland 7:1 Curaçao
- 1:0 Felix Nmecha (6.)
- 1:1 Livano Comenencia (21.)
- 2:1 Nico Schlotterbeck (38.)
- 3:1 Kai Havertz (45.+5, Elfmeter)
- 4:1 Jamal Musiala (47.)
- 5:1 Nathaniel Brown (68.)
- 6:1 Deniz Undav (78.)
- 7:1 Kai Havertz (88.)
Das Spiel in aller Kürze: Deutschland startet dynamisch und dominant ins Spiel, verliert dann aber den Faden und öffnet für kurze Zeit ein Fenster zur Sensation für Curaçao. Doch nach der Trinkpause übernimmt das DFB-Team wieder das Zepter und spielt die Partie vor allem im zweiten Durchgang abgeklärt zu Ende. Ein einseitiges, aber nicht langweiliges Spiel.
Zur Spielanalyse des Auftaktsiegs der deutschen Mannschaft.
Miasanrot-Note: 2,5
Niederlande 2:2 Japan
- 1:0 Virgil van Dijk (51.)
- 1:1 Keito Nakamura (57.)
- 2:1 Crysencio Summerville (64.)
- 2:2 Daichi Kamada (88.)
Das Spiel in aller Kürze: In einer langweiligen ersten Halbzeit neutralisieren sich beide Teams. Erst das Tor von van Dijk eröffnet die Festspiele. Plötzlich öffnet Japan und wird mutiger im Offensivspiel. Es folgen weitere sehenswerte Tore und ein dramatisches Finish, in dem die Japaner sich noch einen Punkt erkämpfen. Die temporeiche zweite Halbzeit entschädigt etwas für die zähe erste. Super viele Highlights gibt es dennoch nicht.
Miasanrot-Note: 3
Elfenbeinküste 1:0 Ecuador
- 1:0 Amad Diallo (90.)
Das Spiel in aller Kürze: Eine temporeiche und sehr hart geführte Partie, die wegen ihrer athletischen Komponente zu überzeugen weiß. Ecuador ist technisch leicht stärker, Elfenbeinküste etwas wuchtiger. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase ist es vor allem Ecuador, das einen Hochkaräter nach dem anderen liegen lässt. Aber die Elfenbeinküste arbeitet sich wieder ins Spiel und vergibt selbst die eine oder andere gute Gelegenheit. Hochintensiv, unterhaltsam und am Ende gibt es sogar noch einen Treffer.
Miasanrot-Note: 2,5
Schweden 5:1 Tunesien
- 1:0 Yasin Ayari (7.)
- 2:0 Alexander Isak (30.)
- 2:1 Omar Rekik (43.)
- 3:1 Viktor Gyökeres (59.)
- 4:1 Mattias Svanberg (84.)
- 5:1 Yasin Ayari (90.+6)
Das Spiel in aller Kürze: Das erste Viertel bis zur Trinkpause verläuft eigentlich ausgeglichen. Tunesien verteidigt kompakt und gut, hat zwei, drei ordentliche Konter, aber Schweden macht aus der ersten sehr gefährlichen Aktion bereits das 1:0. Je länger das Spiel dauert, desto mehr Kontrolle bekommen die Blau-Gelben in ihr Spiel. Letztlich machen aber zwei vermeidbare Fernschusstore den Unterschied. Spätestens mit dem 3:1 war Tunesien dann gebrochen. Kein herausragendes Spiel der Schweden, aber extrem effizient. Die Tunesier hingegen defensiv zu anfällig und zu ungenau im Umschaltspiel.
Miasanrot-Note: 3,0
Dinge, die auffielen
Nathaniel Brown und Felix Nmecha als Gamechanger: Deutschlands Dynamik kann ein Trumpf werden
Das DFB-Team startete gut in die WM 2026. Mit Curaçao hatten sie zwar einen auf dem Papier leichteren Gegner, der eine richtige Einordnung erschwert, doch das Team von Dick Advocat machte es den Deutschen lange genug schwer. Taktisch war der Außenseiter gut eingestellt, verteidigte leidenschaftlich und mutig, griff mit Köpfchen an und wurde selbst so gefährlich, dass es zwischendurch 1:1 stand.
Selbstverständlich ist es deshalb nicht, dieses Spiel mit 7:1 zu gewinnen. Entsprechend glücklich kann Julian Nagelsmann sein, wenn er auf die Offensivleistung seines Teams schaut. In den letzten Monaten ist es ihm trotz aller Kritik an Personalwechseln und Kadernominierungen gelungen, ein gutes Fundament aufzubauen. Wichtige Puzzleteile dafür waren Felix Nmecha und Nathaniel Brown. Beide rückten erst in diesem Jahr in die Startelf des Bundestrainers.
Beide machen das Spiel nach vorn noch dynamischer. Nmecha agiert in einer sehr offensiven Rolle, die es ihm erlaubt, immer wieder die Schnittstellen der gegnerischen Abwehrkette zu belaufen. Damit reißt er Räume für die offensiven Mittelfeldspieler auf und bringt sich selbst in gefährliche Abschlusssituationen wie bei seinem sehenswerten Treffer zum 1:0. Nmecha hat ein gutes Gespür für kurze Dribblings und Tiefenläufe, bringt zudem Physis und Technik für das kleinteilige Kombinationsspiel im Angriffsdrittel mit.
Außerdem ermöglicht Nmechas offensive Rolle eine besondere Freiheit für Kimmich: Der BVB-Profi zieht mindestens einen Gegenspieler mit sich und öffnet dadurch jenen Halbraum, aus dem Kimmich das 4:1 von Musiala herausragend vorbereitet hat
Der technische Aspekt gilt auch für Brown, der als linker Verteidiger sehr diagonal agiert und die Qualität hat, auch unter Druck sehr gute Entscheidungen sauber umzusetzen. Ob in der ersten Phase des Spielaufbaus, wo er das Mittelfeldzentrum gern mal verstärkt oder ebenfalls in letzter Linie, wo er sich selbst in Abschlusspositionen bringen kann oder schlicht dafür sorgt, dass Florian Wirtz in Eins-gegen-eins-Situationen kommt, weil der zweite Verteidiger mit Brown mitgehen muss, statt doppeln zu können.

Jamal Musiala und Kai Havertz sorgen mit abkippenden Läufen teilweise für gegenläufige Bewegungen, um die Abwehr des Gegners so richtig in Bewegung zu bringen. Taktisch hat das alles Hand und Fuß und dieses Offensivspiel ist für jede Mannschaft schwer zu verteidigen. Und trotz des berechtigten Lobs gibt es zwei große Fragezeichen:
- Wie gut sind die Abläufe wirklich schon verinnerlicht? Manchmal wirkte es so, als hätten einzelne Spieler Ideen, die beim Rest nicht bekannt waren. Tiefenbälle trotz Entgegenkommen oder Dribblings statt den besser postierten Mitspieler zu bedienen. Das führte bisweilen zu sehr unnötigen Ballverlusten und Kontern von Curaçao. Deutschland muss noch mehr Angriffe zum Abschluss bringen.
- Wie gut sind die Stars in Form? Wirtz zeigte eine gute Partie, hatte aber auch Phasen, in denen er etwas abgemeldet wirkte. Musiala hatte Höhen und Tiefen, auch wenn das ein guter Schritt nach vorn war. Beide kommen aus einer schwierigen Saison und Sorgenkind Leroy Sané konnte ebenfalls nicht punkten. Nagelsmann wird zumindest Wirtz und Musiala in Bestform brauchen, wenn es weit gehen soll.
Für einen Auftakt bei einer WM war das dennoch schon mehr als ordentlich. Wenngleich der erste große Gradmesser mit der Elfenbeinküste erst im zweiten Spiel wartet.
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Oranje und Japan: Zwei Wundertüten verteidigen sich gegenseitig (meist) clever
Mit den Niederlanden und Japan sind zwei Teams aufeinander getroffen, die zu der zweiten Reihe der Favoriten zählen. Beiden ist zuzutrauen, dass sie ein sehr erfolgreiches Turnier spielen – und beide zeigten, warum das so ist. Die Japaner spielten taktisch ungemein diszipliniert. Auch wenn Oranje viel Ballbesitz hatte (60 Prozent am Ende, zwischenzeitlich mehr), kamen sie offensiv nicht oft zu guten Abschlüssen.
Wenn etwas ging, dann über den starken Ryan Gravenberch oder Donyell Malen. Trotz Chancenmangel stellte sich die Niederlande offensiv aber keinesfalls schlecht an. Durch viele Tiefenläufe gelangen Durchbrüche in den Halbräumen, aber die letzte Aktion war oft zu ungenau. Japan blieb geduldig und vertraute auf seine Qualitäten im Umschalten, fand am Ende aber auch die Hebel, aus eigenem Ballbesitz heraus Druck aufzubauen.
Es war letztlich kein Spektakel, das ein klares Zeichen an die Konkurrenz schicken würde. Aber es war ein taktisch interessantes Duell mit zwei Teams, die das Potenzial haben, sich noch sehr zu steigern. Beide sollte man auf dem Zettel haben.
MSR445: Deutschlands Auftakt in der Analyse
Elfenbeinküste und Ecuador: So eklig wie erwartet
Im 1-Uhr-Spiel deutscher Zeit trafen die beiden anderen deutschen Gruppengegner aufeinander. Und die Partie hatte es durchaus in sich. Beide probierten etwas nach vorn, beide pressten aggressiv und mit viel Physis und beide entfachten auch eine gewisse Offensivwucht über Athletik und Tempo.
Im direkten Duell war das durchaus ansehnlich und unterhaltsam. Deutschland aber kann sich warm anziehen. Ecuador ist das taktisch diszipliniertere Team und wird im dritten Gruppenspiel kaum Lücken anbieten. Zwar sind sie offensiv oft zu harmlos, aber ihre Verteidigungsqualitäten sind beeindruckend.
Die Elfenbeinküste lässt taktisch mehr Räume offen, was Deutschland entgegenkommen könnte. Gerade neben den Sechsern ergab sich für Ecuador immer wieder Platz. Aber auch sie agieren sehr physisch und werden es dem DFB-Team sehr schwer machen. Davon ist auszugehen. Und mit ihren pfeilschnellen Außenstürmern haben sie im Spiel nach vorn richtig Qualität. Das werden zwei eklige Duelle für Nagelsmann und Co.
WM 2026: Die wichtigsten News im Überblick
- Kuriosum: Marokko war das erste Land, das in einem WM-Spiel elf Spieler auf dem Platz hatte, die im Ausland geboren wurden. Mit der Einwechslung von Samir El Mourabet für Azzedine Ounahi erreichte der Afrikameister dieses Novum. Vier Spieler wurden in Frankreich geboren, drei in Spanien, zwei in Belgien, je einer in den Niederlanden und Kanada.
- Spanien muss auf Nico Williams und Lamine Yamal verzichten. „Die gute Nachricht ist, dass Lamine sehr fit ist. Er ist in guter Form und trainiert sehr gut. Er steht zur Verfügung, aber er kann nicht von Anfang an spielen“, sagte Trainer Luis de la Fuente. Dasselbe gelte für Williams.
- Gianni Infantino postete auf Instagram ein Foto, das ihm mit Stephane Bise beim Spiel der Schweizer gegen Katar zeigt. Bise ist Präsident des FC Lutry. Der Amateurklub aus der Schweiz erlebte an Neujahr in der Bar Le Constellation eine Brandkatastrophe, bei der sieben Spieler ums Leben kamen. Infantino sei es wichtig gewesen, „einen Moment innezuhalten und derer zu gedenken“, die damals ihr Leben verloren. Insgesamt waren das 41 Menschen, 115 wurden verletzt.
- Laut BBC erhält Schiedsrichter Omar Artan immerhin die volle Gage von der FIFA, nachdem ihm die Einreise verweigert wurde. Die Höhe der Summe ist allerdings nicht bekannt.
- Portugals Mannschaft hat von Premierminister Luis Montenegro Armbänder in den Landesfarben erhalten, auf denen die Namen aller WM-Fahrer sowie ein Schriftzug zu Ehren Diogo Jotas zu lesen ist, der im Sommer 2025 bei einem Autounfall verstarb.
- Die FIFA hat beim Tor zum 1:0 durch die Schweiz eine technische Panne eingeräumt: Eine kurze Störung verhinderte die Onside-Grafikanimation, die vor dem Elfmeter eine mögliche Abseitsstellung aufklären sollte. Den Arbeitsablauf hätte das laut FIFA nicht behindert und die Entscheidung war dennoch korrekt: „Die vom VAR zur Überprüfung der Positionen der betreffenden Spieler verwendeten Linien ergaben in keiner der beiden Situationen unmittelbar vor der Elfmeterentscheidung, dass sich der Angreifer in einer Abseitsposition befand.“
- Leseempfehlung: Der DFB und die FIFA – es gilt die Schweigepflicht
Spieler des FC Bayern in der Einzelkritik
Manuel Neuer
Hat im gesamten Spiel fast nichts zu tun. Beim Gegentor ohne Chance, weil abgefälscht. In der zweiten Halbzeit mit einem unnötigen Fehler beim Abwurf. Miasanrot-Note: 3,5
Joshua Kimmich
Vor allem im zweiten Durchgang eine sehr starke Leistung. Kimmich rückt immer wieder ein und kümmert sich darum, die dynamische Offensive in Szene zu setzen. Zwei bockstarke Assists, hat als Rechtsverteidiger laut SofaScore die zweitmeisten Kontakte (87). Nur einmal schläfrig, als er einen Kurzpass in der eigenen Hälfte zum Gegner spielt. Miasanrot-Note: 1,5
Jonathan Tah
Pennt in der Anfangsphase einmal und ermöglicht einen gefährlichen Konter. Hat mit der Geschwindigkeit von Curaçao manchmal Probleme. In der zweiten Halbzeit etwas stabiler, aber auch weniger gefordert. Miasanrot-Note: 4
Aleksandar Pavlović
Wirkt manchmal nicht ganz anwesend. Sammelt zwar viele Kontakte (83) und hat eine gute Passquote von 93 Prozent, ist aber in einigen Situationen zu spät oder realisiert nicht, dass er sich anbieten muss. Untypisch für ihn. Miasanrot-Note: 3,5
Jamal Musiala
Sehr hohes Aktivitätslevel beim Bayern-Star. Aber auch eine große Schwankung in seinem Spiel. Hat einige sehr gute Aktionen, die an den alten Musiala erinnern und ist eiskalt im Abschluss bei seinem Tor. Hat aber auch Szenen, in denen er den Ball zu leichtfertig hergibt. Seine Passquote liegt nur bei 50 Prozent (13/26). Miasanrot-Note: 3
Leon Goretzka (ab der 73. Minute für Nmecha)
Kann dem Spiel keine Impulse mehr geben, was aber auch schwer ist, weil es zu diesem Zeitpunkt schon längst entschieden ist und Deutschland spürbar in den Energiesparmodus gewechselt ist. Vorn in zwei Situationen etwas unsauber. Miasanrot-Note: 3,5
Hiroki Ito
Ist defensiv anfällig und ist regelmäßig mit dem Tempo und der Qualität von Summerville überfordert. Schaltet sich als linker Halbverteidiger auch immer mal wieder offensiv mit ein, aber viel gelingen will ihm nicht. Miasanrot-Note: 4
Nathaniel Brown ist zwar aktuell kein Bayern-Spieler, hätte im Fall der Fälle in dieser Kategorie aber eine glatte 1 für seinen Auftritt bekommen.
Wie geht es heute weiter bei der WM?
Ab 18 Uhr steigt Europameister Spanien ins Turnier ein. Sie treffen als klarer Favorit auf Kap Verde. Um 21 Uhr geht es mit Belgien gegen Ägypten weiter. Saudi-Arabien und Uruguay (0 Uhr) sowie Iran und Neuseeland (3 Uhr) komplettieren den nächsten Block.



