WM 2026 – DFB-Team in der Analyse: Deutschland überzeugt offensiv – aber nicht komplett
Blaugelbe Gegner liegen Deutschland einfach. 15 müde Minuten rund um das Tor Curaçaos zum Trotz zeigt die DFB-Elf eine frische, spielfreudige Leistung und qualifiziert sich schon jetzt inoffiziell für die nächste Runde, dem neuen Turniersystem mit weiterkommenden Gruppendritten zum Dank.
- Werbung: Das neue Bayern-Trikot und 50 Prozent auf Klassiker sparen – JETZT bei Kitbag (Affiliate-Link)
- Werbung: Das WM-Trikot der Nationalmannschaft – jetzt im offiziellen DFB-Fanshop! (Affiliate-Link)
Miasanrot hat den Auftakt der Mannschaft von Julian Nagelsmann bei der WM 2026 analysiert – vor allem offensiv wusste das Team zu überzeugen.
Curaçao überraschte mit einer forschen Raute, die im Laufe der ersten Hälfte Deutschland noch vor Probleme stellen sollte, doch zunächst legte der vierfache Weltmeister los wie die Feuerwehr.
Weitere Artikel zur WM 2026:
- Deutschland vor dem Auftakt im Check: Wer spielt und wie sieht die taktische Ausrichtung aus?
- Vorschau auf Curaçao
- Nathaniel Brown im Scouting-Report
Der Spielverlauf
Nmecha traf nach sechs Minuten und war noch zwei weitere Male kurz vor dem Torerfolg, dann flachte das deutsche Spiel ab. Curaçaos Raute zog durch Deutschlands Mannorientierung den DFB weit auseinander und dann klingelte es auch mit dem ersten Abschluss: Schlotterbeck klärte mies, Nmecha und Pavlović fehlten und Kimmich fälschte unglücklich ab: 1:1 nach 21 Minuten!
Die Trinkpause half dem DFB, anschließend fanden sie wieder besser ins Spiel und nachdem sich Schlotterbeck bereits zweimal ankündigte, traf er mit dem dritten Kopfball (38.). Nmecha erschwalbte sich noch einen Elfmeter (gut, getroffen wurde er natürlich schon, aber nur sehr leicht) und Havertz traf vom Punkt (45.+5).
Direkt nach der Pause traf Musiala aus spitzem Winkel nach großartigem Kimmich-Assist (47.) und allerspätestens jetzt war Curaçao besiegt. Die Wechselspiele begannen nun, Undav bereitete für Bayerns mutmaßlich neuen Linksverteidiger Brown vor (68.) und folglich schraubte man im Zehnminuten-Takt das Ergebnis auf Höhe Halbfinale 2014. Undav und Havertz hießen die Torschützen.
DFB-Team mit erfolgreichem Auftakt: Dinge, die auffielen
Houston, wir haben ein Pressing-Problem
Deutschland und seine Defensive: Egal wer auf dem Feld ist, es ist zu leicht gegen die Nationalmannschaft Tore zu schießen. Das zeigt schon: Es ist mehr ein philosophisch-taktisches als ein Personal-Problem. Curaçaos überraschende Raute zog Deutschland weit auseinander, das Pressing griff nicht und auch die Restverteidigung wirkte oft abenteuerlich.
Deutschlands Außenverteidiger mussten auch gegen den Ball oft ins Zentrum, woraus sich die zentralen Mittelfeldspieler dann zu oft planlos entfernten, prägnant zu sehen beim Gegentor. Nmecha zeigte bei eigenem Ballbesitz ein hervorragendes Spiel, ohne gibt es klares Verbesserungspotenzial. Pavlović schien bei seinem Turnierdebüt ähnliches Lampenfieber zu haben wie im Hinspiel im Bernabeu in der Champions League.
MSR445: Curaciao! Deutschlands Auftaktsieg in der Analyse
Die Offensive mit viel Licht…
Sieben Tore, sechs verschiedene Torschützen. Schon allein diese nüchternen Zahlen zeigen: So schlecht kann Deutschlands Offensive schon nicht sein und tatsächlich: Wirtz überzeugte als Dreh- und Angelpunkt (brillanter Assist zum wichtigen 1:0), Havertz blieb lange etwas wirkungsarm, ist aber merklich wichtig als schwimmender Fixpunkt und Abschlussspieler.
Bei Musiala konnte man in einigen Aktionen glatt seine Verletzungsprobleme vergessen, so wuselig schlangenhaftig wirkte er wieder. Ganz der Alte ist er natürlich trotzdem nicht, das Spiel war aber ein wichtiger Schritt für ihn, nachdem er im Saison-Endspurt bei Bayern sehr blass blieb. Auch das Tor war eines der Marke DFB-Musiala: In der Nationalmannschaft scheint er viel mehr Vertrauen in seinen Vollspann zu haben.
… und einem Schattenfleck
Alles schön und gut, gäbe es da nicht Deutschlands notorischen Problemfall Leroy Sané. Bemüht war er sicherlich, seine vorletzten Aktionen waren auch zumeist brauchbar, aber die allerletzte Aktion, sei es Schuss oder Vorlage, blieb völlig im Sand stecken. Natürlich wollten während des Spiels Fans die Auswechslung von Deutschlands schwächstem Offensivmann, Nagelsmann ließ ihn aber zu Recht drauf, hoffte aber vergeblich auf einen Befreiungsschlag Sanés.
Es stellt sich nun aber die Frage, was folgt. Durch Karls Ausfall ist Sané wichtiger als erhofft und als linksfüßiger Tempodribbler alternativlos. Im taktischen System von Nagelsmann ist er der Breitengeber. Wechselt man den formstarken Undav ein, müssten das Havertz oder Musiala übernehmen, was sie aus dem wichtigen Zentrum womöglich zu weit nach außen zieht. Wahrscheinlich bekommt er noch die eine Chance gegen Côte d’Ivoire, dann stellt sich wie bei Mario Götze 2014 die Frage: Erfolg oder fortan Joker?
Die direkten Alternativen scheinen alle ebenfalls problembehaftet zu sein: Jamie Leweling vertraut der Bundestrainer doch weniger als erwartet, heute bekam er keine Einsatzzeiten. Es bleibt kniffelig für Nagelsmann in dieser Sache, wenngleich er in anderen Bereichen des Spielfelds deutlich optimistischer sein kann.

(Foto: Molly Darlington/Getty Images)
Die Standards überzeugen
Zweimal klopfte Nico Schlotterbeck an, ehe er dann zur erneuten Führung traf. Auch darüber hinaus wurde er ständig gesucht und gefunden, erst nach Rüdigers Hinzunahme versandete mal eine Ecke im Nichts (der Real-Mann bewegte sich genau aus dem Raum heraus, wohin der Ball fiel). Darüber hinaus war es aber ein voller Erfolg für Standardtrainer Mads Buttgereit.
Das 2:1 war das erste Standardtor bei einem Turnier, seitdem der Däne für die Standards verantwortlich ist. Schlotterbecks 1:0 gegen Dänemark bei der EM wurde ja nicht gegeben.
Merkwürdig schien indes, dass die Mannschaft Willens war, ihr Repertoire zu zeigen, selbst nachdem die Partie längst entschieden war. Goretzka schießt fast das 8:1 durch den Freistoßtrick in der Nachspielzeit, nur wäre es eben halt das achte Tor gewesen und nun haben die weiteren Gegner diesen Kniff gesehen.



