Kane, Musiala und Co.: Gewinner und Verlierer der Saison beim FC Bayern
Während die Gerüchteküche rund um den FC Bayern bereits wieder zu brodeln beginnt, richten viele Fans ihren Blick gespannt auf die nähere Zukunft. Die Diskussionen darüber, an welchen Stellschrauben in München noch gedreht werden sollte, sind allgegenwärtig. Um dies jedoch vernünftig beurteilen zu können, lohnt sich zunächst ein genauerer Blick auf die vergangene Spielzeit.
Der FC Bayern spielte schon lange nicht mehr so gut wie in dieser Saison. Dadurch scheint die Analyse auf den ersten Blick vergleichsweise einfach. Doch bei den größten Klubs der Welt muss man für maximalen Erfolg immer auch das Haar in der Suppe suchen. Deshalb schauen wir in dieser Miasanrot-Analyse nicht nur auf die Gewinner, sondern auch auf die wenigen Verlierer des Jahres.
- Werbung: Das neue Bayern-Trikot und 50 Prozent auf Klassiker sparen – JETZT bei Kitbag (Affiliate-Link)
- Werbung: Das WM-Trikot der Nationalmannschaft – jetzt im offiziellen DFB-Fanshop! (Affiliate-Link)
Wir beleuchten einige Akteure und Themenfelder näher, für die die Saison besonders erfolgreich oder besonders schwierig verlief.
FC Bayern: Die Miasanrot Awards 2026
- Unsung Heroine der Saison: Von einer Abgangskandidatin zur Schlüsselspielerin
- Unsung Hero der Saison: Ein Bessermacher in der Defensive
- Newcomer der Saison: Wie ein Neuzugang den FC Bayern veränderte
- Newcomerin der Saison: Sie rettete die Saison des FC Bayern
- Spieler der Saison: Erfolgreiche Titelverteidigung!
- Spielerin der Saison: Enges Rennen um die Krone
- Abteilung der Saison: Das gab es noch nie!
- Die Mixed 11 der Saison ohne Pavlović und Díaz
Gewinner der Saison: Harry Kane
In 58 Pflichtspielen sammelte Harry Kane wettbewerbsübergreifend 67 Torbeteiligungen. Eine Zahl, die kaum weiterer Erklärungen bedarf. Dennoch ist der englische Nationalspieler selbst unter all den Superlativen dieser Mannschaft einer der beeindruckendsten Akteure. Seit Robert Lewandowski hat wohl niemand beim FC Bayern mehr so realistisch vom Ballon d’Or geträumt wie Kane.
Der Stürmer stach über die gesamte Saison hinweg heraus und lieferte auf jeder Ebene ab. Dreierpacks gegen Stuttgart, Hoffenheim und Leipzig, acht Scorerpunkte in fünf Champions-League-K.-o.-Spielen, ein Hattrick im DFB-Pokalfinale sowie die Torjägerkanone in Bundesliga und Pokal, egal auf welcher Bühne – Kane überzeugte.
Besonders beeindruckend war seine Vielseitigkeit. Selbst jenseits der 30 findet man ihn überall auf dem Platz und nahezu überall gehört er zu den Besten. Ob er zwei Gegenspieler am eigenen Strafraum aussteigen lässt oder einen Ball aus 22 Metern unhaltbar versenkt, spielt dabei kaum eine Rolle. Hinzu kommen zahlreiche Pässe aus dem Mittelfeld, die selbst die besten Spielmacher der Bundesliga nicht regelmäßig in dieser Qualität spielen.
Die Saison 2025/26 war schlichtweg eine besondere für den ehemaligen Tottenham-Profi. Mit dem Gewinn des Goldenen Schuhs sicherte er sich bereits die Auszeichnung als Europas torgefährlichster Stürmer. Ob am Ende sogar der Ballon d’Or nach München geht, wird allerdings auch stark vom Abschneiden der englischen Nationalmannschaft abhängen.
Verlierer der Saison: Jamal Musiala
Für die meisten Bayern-Fans war diese Spielzeit eine, an die sie sich noch lange erinnern werden. Für einen Spieler gilt wohl das Gegenteil: Jamal Musiala.
Der steile Aufstieg des 23-Jährigen kannte bislang eigentlich nur eine Richtung. Nach der verletzungsgeprägten Schlussphase der vergangenen Saison folgte jedoch die schwere Verletzung im Sommer, die ihn über weite Strecken der Spielzeit beinahe zu einem Nichtfaktor machte.
Gerade angesichts der großen Erfolge der Mannschaft ist das besonders bitter. Denn Musiala wird weniger aufgrund seiner Leistungen zum Verlierer der Saison, sondern vielmehr deshalb, weil er als Topverdiener und Aushängeschild des Vereins kaum eine relevante Rolle in dieser Mannschaft spielen konnte. In jener Mannschaft, die eine der besten Bundesligasaisons aller Zeiten absolvierte und auch international wieder für Aufsehen sorgte. All das geschah, während einer der talentiertesten Spieler des Kaders häufig nur von der Tribüne aus zuschauen konnte, ohne der Mannschaft seinen Stempel aufzudrücken.
Hinzu kamen einige Auftritte, die etwas unglücklich und verkrampft wirkten. Die guten Momente waren zwar vorhanden, doch den ganz großen „Bambi-Moment“ bekamen die Fans in dieser Saison nicht zu sehen. Mit Blick auf die Weltmeisterschaft besteht nun die Möglichkeit, das Jahr zumindest persönlich noch positiv abzurunden.
Gewinner der Saison: Die Fans
Über einen der größten Gewinner dieser Spielzeit muss ebenfalls gesprochen werden: die Fans des FC Bayern.
Der pure Unterhaltungswert dieser Mannschaft war außergewöhnlich. 122 Tore pulverisierten einen uralten Vereinsrekord aus den 1970er-Jahren. Hinzu kam die Art und Weise, wie die Münchner ihre Gegner über weite Strecken der Saison dominierten. Lediglich drei Pflichtspielniederlagen sprechen eine deutliche Sprache.
Gerade in den vergangenen Jahren hatte es beim Rekordmeister immer irgendwo gehakt. Jedes Jahr der 2020er-Jahre brachte seine eigenen Probleme mit sich. Besonders im vergangenen Sommer entstand bei vielen Anhängern das Gefühl, der FC Bayern könne sich allmählich aus der absoluten Weltspitze verabschieden.
Die Absageflut bei der Trainersuche, gepaart mit den schlicht peinlichen Vorgängen rund um die Besetzung des Trainerpostens, zeichnete ein erschreckendes Bild. Der Verein wirkte unorganisiert, zerstritten und teilweise sogar amateurhaft. Eine Außendarstellung, die bei vielen Sorgen um die Zukunft auslöste.
Nach dieser Saison ist davon allerdings nur noch wenig übrig geblieben. In der Allianz Arena lässt sich endlich wieder ein funktionierendes Gesamtkonstrukt erkennen und zwar auf einem Niveau, das manche Spieler und Verantwortliche der vergangenen Jahre im Nachhinein noch schlechter aussehen lässt.
Verlierer der Saison: Max Eberl
Eigentlich sollte man meinen, dass die Verpflichtungen eines neuen „Robbery“ ähnlichen Duos sowie die nahezu ablösefreien Transfers von Miasanrots Unsung Hero Jonathan Tah und Tom Bischof ausreichen würden, um zumindest ein Lob zu erhalten. Doch die öffentliche Bewertung von Max Eberls Arbeit fällt deutlich differenzierter aus.
Der Sportvorstand hat es an der Säbener Straße nicht leicht. Nach zwei Jahren im Amt lässt sich durchaus festhalten, dass der Start in eine neue Bayern-Ära gelungen ist. Dennoch sprach Uli Hoeneß zuletzt lediglich von einer 60:40-Chance, dass die Zusammenarbeit über den Sommer 2027 hinaus fortgesetzt wird.
Angelastet werden Eberl vor allem die kostspieligen Vertragsverlängerungen. Allerdings führte er diese Verhandlungen im Auftrag des Aufsichtsrats und erhielt für die Abschlüsse dessen Zustimmung. Gleichzeitig zeigen Fälle wie Konrad Laimer, welche Folgen die hohen Gehälter für Alphonso Davies oder Dayot Upamecano innerhalb des Kaders haben können.
Auch seine Kommunikation und sein Führungsstil werden immer wieder kritisiert. Dennoch bleibt bemerkenswert, dass eine so erfolgreiche Saison, die maßgeblich von seinen Entscheidungen mitgeprägt wurde, zu einer derart ambivalenten Bewertung seiner Arbeit führt.
Bei einem Klub wie dem FC Bayern zählt allerdings stets das große Ganze. Neben den Ergebnissen spielen auch interne Prozesse und zwischenmenschliche Faktoren eine wichtige Rolle. Es gibt durchaus berechtigte Kritik an einigen Arbeitsweisen sowie Spannungen mit anderen Führungspersönlichkeiten. Eine Gemengelage, die langfristig problematisch werden kann.
Wie die gelebte Streitkultur in München letztlich mit Eberl umgeht, scheint derzeit jedoch niemand genau zu wissen. Sicher ist nur, dass seine aktuelle Situation alles andere als angenehm sein dürfte.
Gewinner der Saison: Der Campus
13 Spieler aus dem eigenen Nachwuchs kamen in dieser Saison für die erste Mannschaft des FC Bayern zum Einsatz. Neun von ihnen feierten dabei ihr Debüt. Mit Karl wären es sogar zehn gewesen, hätte er nicht bereits wenige Minuten am Ende der vergangenen Spielzeit absolviert.
Zum Vergleich: Im Jahr zuvor setzte man lediglich sieben Campus-Spieler ein, von denen wohl nur Karl langfristig eine Rolle beim FC Bayern spielen wird.
Der Aufschwung des Campus kommt allerdings nicht von ungefähr. Vielmehr ist er das Ergebnis einer gezielten strategischen Neuausrichtung. Künftig sollen regelmäßig Kaderplätze mit vielversprechenden Talenten aus dem eigenen Nachwuchs besetzt werden.
Bis man vom „bayerischen La Masia“ sprechen kann, wird es zwar noch dauern. Erste Erfolge sind jedoch bereits sichtbar. Vor allem Karl konnte bei den Profis auf sich aufmerksam machen und sich als ernsthafte Zukunftsoption empfehlen.
Doch auch Spieler wie Wisdom-Mike, Sapoko Ndiaye und weitere Talente hinterließen bereits erste Spuren und könnten insbesondere in der kommenden Saison verstärkt in den Fokus rücken.
Generell trägt der Campus nach seiner umfassenden Neuausrichtung im Jahr 2017 nun endlich Früchte. Auch anderswo in Europa sorgen ehemalige Bayern-Talente für Aufsehen. Kenan Yıldız, Malik Tillman und Angelo Stiller sind nur einige Beispiele dafür.
Das Problem war bislang jedoch, dass diese Spieler ihren Durchbruch nicht in München, sondern andernorts schafften. Seit dieser Saison scheint zumindest klar: Wer die Qualität besitzt, wird beim FC Bayern zumindest eine Chance erhalten.
Gewinner der Saison: Der FC Bayern
Am meisten profitierte letztlich wohl der Verein selbst. Der FC Bayern ist wieder eine Macht. Vor allem das spektakuläre 5:4 gegen Paris Saint-Germain im Hinspiel sorgte auch international für Aufmerksamkeit. Trotz der späteren Niederlage war der Respekt vor dieser Mannschaft enorm. Auch das Ausscheiden im Rückspiel änderte daran nur wenig.
Sportlich steht die Saison ohnehin außer Frage. 182 Tore in 55 Spielen sind außergewöhnlich. Nur drei Niederlagen gegen Arsenal, Paris Saint-Germain und Augsburg sowie zahlreiche Rekorde bringen den Verein wieder in eine Position, die er in den vergangenen Jahren nicht immer innehatte.
Auch wirtschaftlich und markentechnisch lief vieles zusammen. Die Prämien aus der Champions League sollen sich dank des Erreichens des Halbfinals auf rund 150 Millionen Euro belaufen. Zudem profitierte die Marke FC Bayern erheblich von der sportlichen Entwicklung. So soll etwa der Newcomer des Jahres Luis Díaz in seiner Heimat Kolumbien einen regelrechten Bayern-Boom ausgelöst haben.
In München kann man daher mit großer Zufriedenheit auf dieses Jahr zurückblicken. Statt einem vermeintlich verpassten Win-now-Fenster nachzutrauern, sollte man eher erkennen, dass das Projekt rund um Vincent Kompany, Michael Olise, Díaz, Musiala, Lennart Karl und viele weitere Spieler womöglich gerade erst beginnt.



