Sarah Mattner im Trikot der DFB-Juniorinnen im Duell mit Belgien. Der FC Bayern soll an ihr interessiert sein.
Bild: Fabio Deinert/Getty Images

Scouting Report: Sarah Mattner im Blickfeld des FC Bayern – und auf den Spuren von Klara Bühl?

Justin 25.05.2026



Mit Klara Bühl hatte der FC Bayern München in dieser Saison nur eine echte Flügelspielerin im Kader zu stehen – wenn man Franziska Kett und Giulia Gwinn als Außenverteidigerinnen betrachtet. Im System von José Barcala war das eher ein kleines Manko.

Der Spanier machte sich schon kurz nach seinem Antritt als Nachfolger von Alexander Straus für einen Neuzugang auf der Außenbahn stark. Lange sah es zudem so aus, als würde Linda Dallmann den Klub verlassen. Doch beides kam anders.

Ein Jahr später sind die Bayern schlauer: National ging es auch ohne viele Flügelspielerinnen im Kader. International spielte man ebenfalls eine der erfolgreichsten Saisons seit Jahren. Und doch wurde deutlich, dass das Offensivspiel etwas zu ausrechenbar ist, wenn vieles vom linken Flügel abhängig ist. Neben der sportlichen Perspektive gibt es aber auch noch eine weitere: Bühl könnte die Bayern zeitnah verlassen.

Bei einem Mitgliederstammtisch erklärte Bianca Rech vor wenigen Tagen, dass es bei ihr nicht um Geld gehe, sondern darum, vielleicht nochmal etwas anderes zu sehen und zu erleben. Ihre Aussagen klangen weniger nach Verbleib, sondern eher nach Abschied – ohne, dass sie dabei allzu viel verraten hätte. Bühls Vertrag läuft 2027 aus. Spätestens dann könnte sie den Schritt nach Barcelona oder zu einem anderen Top-Klub gehen.

Heißt für Rech und Co.: Lieber heute nach einer möglichen Nachfolgerin schauen als morgen. Mit Kassandra Potsi (SGS Essen) haben die Münchnerinnen schon längst einen Transfer in trockene Tücher gebracht. Ob die 18-Jährige aber schon bereit für viel Spielzeit ist, bleibt abzuwarten. Laut der NÖN steht mit Sarah Mattner aber eine weitere Flügelspielerin im Fokus des FCB – eine hochinteressante Option. Miasanrot hat die 23-Jährige gescoutet und sich via Wyscout mehrere Stunden Videomaterial angesehen.

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Sarah Mattner: Eine der herausragenden Spielerinnen der Saison in Österreich

Der Name Mattner bekam in Deutschland erstmals vor wenigen Wochen größere Aufmerksamkeit. Als Giulia Gwinn damals von der Nationalelf abreiste, nominierte Bundestrainer Christian Wück die in Österreich geborene Medizinstudentin nach.

Mattner rückte damals von der U23 auf. Die Nachnominierung zeigt bereits eine ihrer großen Stärken: Sie ist flexibel einsetzbar. In der DFB-Jugend agierte sie zuletzt häufig als Rechtsverteidigerin, obwohl sie wie Gwinn eine gelernte Offensivspielerin ist. In Pölten wird sie bevorzugt als Flügelstürmerin eingesetzt – meist auf der linken Seite, doch auch rechts lief sie in ihrer Karriere schon auf.

Zu ihrem Debüt im A-Team des DFB kam es damals nicht. Zeigt sie aber weiterhin so starke Leistungen, dürfte das nur eine Frage der Zeit sein. Mattner verbrachte ihre gesamte bisherige Karriere in Österreich. Als Tochter einer Französin und eines Deutschen kam sie in Wien zur Welt. Ihr vollständiger Name ist Sarah Mattner-Trembleau, auf ihrem Trikot trägt sie nur den Namen Mattner. Den österreichischen Pass hat sie nicht, dafür aber den französischen und eben den deutschen.

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Laut dem kicker sollen die Bayern schon im vergangenen Sommer Interesse an einer Verpflichtung gezeigt haben, doch damals habe sich Mattner für den Verbleib in Österreich entschieden. Keine schlechte Entscheidung. In der dortigen Bundesliga kam sie auf zehn Tore und vier Vorlagen in zehn Einsätzen, hinzu kamen sechs weitere Tore in fünf Partien in der Meistergruppe.

Und auch in der Champions-League-Qualifikation gelang ihr ein Tor gegen Hjørring. Trotz mancher kleinerer Ausfälle blieb Mattner zudem bisher von schweren Verletzungen verschont.

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Sarah Mattner: Fähigkeiten im Dribbling und Parallelen zu Klara Bühl

Fußballerisch erinnert Mattner an die junge Bühl. Vor allem in zwei Teilaspekten ihres Spiels: Einerseits ist ihr Dribbling sehr ähnlich zu dem von Bühl, als sie damals ihre ersten Schritte beim FC Bayern ging. Mattner hat eine enorme Quantität in ihrem Spiel, sucht mit nahezu jedem Kontakt die vertikale Lösung und versucht, das Tempo zu erhöhen. Sie kommt dabei weniger über technische Feinheiten, sondern viel mehr über Wucht und Geschwindigkeit.

An schlechten Tagen wirkt das wie bei Bühl so, als würde sie mit dem Kopf durch die Wand rennen wollen. An guten Tagen erzeugt sie damit Räume, die vor ihrem Dribbling kaum denkbar gewesen wären. Die zweite klare Parallele zur jungen Bühl ist die Art und Weise, wie Mattner Bälle fordert und sie verarbeitet. Meist ist sie sehr breit am Flügel positioniert und kommt dem Aufbauspiel etwas entgegen, um Distanz zur Gegenspielerin aufzubauen. Wird sie angespielt, dreht sie schnell auf und sucht den Weg nach innen.

Bei der 0:5-Niederlage von St. Pölten gegen Juventus in der Champions League im Dezember 2025 gab es ein paar Szenen, in denen Mattner das auch auf sehr hohem Niveau nachweisen konnte. In der 16. Minute war sie beispielsweise maßgeblich daran beteiligt, ein aggressives Pressing der überlegenen Italienerinnen aufzulösen. Zunächst ließ sie sich dafür in einen großen Raum hinter der vordersten Pressinglinie fallen, um sich anspielbar zu machen.

Dann legte sie sich den nicht leicht zu kontrollierenden Ball mit nur einem direkten Kontakt in die Mitte und umlief dabei die ihr nachlaufende Paulina Krumbiegel. Aus dem Angriff wurde letztlich nichts, weil eine Mitspielerin das Tempo herausnahm und anschließend den Ball verlor. Gerade diese Szene zeigt aber den Mut, den Mattner in ihrem Spiel hat – und die dahinterstehende technische und gedankliche Qualität. Sie erkennt Situationen schnell und hat die Fähigkeiten, sie optimal und gewinnbringend aufzulösen.

Torgefährlich und defensiv engagiert

Die reine Datenbasis ist bei ihr zu klein, um hier große Erkenntnisse herauszuziehen. Das liegt daran, dass es zur Bundesliga in Österreich abseits von Scorerpunkten und Minuten kaum Statistiken gibt. In allen Champions-League-Spielen seit der Saison 2023/24 kommt sie laut Wyscout aber auf fast sieben versuchte Dribblings pro 90 Minuten. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Wert in der Liga nochmal ein bisschen höher liegen würde, da die Qualität der Gegenspielerinnen dort schwächer ist.

Dass sie trotz der klaren Underdogrolle ihres Teams auf 0,3 Torbeteiligungen pro 90 Minuten kommt, unterstreicht ihre Torgefahr. Eine echte Bewertung ist aufgrund der fehlenden nationalen Wettbewerbe aber kaum möglich. Was sich aber trotzdem aus Daten und vor allem aus dem Videomaterial ablesen lässt, ist, dass Mattner einen enormen Output hat.

Sie fordert Bälle, läuft sich klug frei und hat immer eine Idee, wie sie dem Spiel Vertikalität geben kann. Sowohl athletisch als auch vom Tempo her ist das bereits ein hohes Niveau. Hinzu kommt, dass die Offensivspielerin auch gegen den Ball sehr engagiert ist. Im Pressing nimmt sie sich nicht heraus, arbeitet defensiv mit und lauert klug auf mögliche Interceptions.

Schon bereit für den FC Bayern? Entwicklungspotenzial bei Mattner

Ein paar offene Fragen gibt es dennoch, was den weiteren Verlauf ihrer Karriere anbelangt. Und auch hier gibt es eine klare Parallele zu Bühl. Die Flügelstürmerin des FC Bayern hatte lange mit großer Inkonstanz zu kämpfen. Sowohl während eines Spiels als auch über eine Saison gesehen gab es regelmäßig schwächere Phasen von Bühl, in denen sie leichtsinnige Fehler machte.

Mattner hat ebenfalls noch eine große Streuung in ihrem Spiel. Die Grenze zwischen Mut und Leichtsinnigkeit wird von ihr manchmal noch überschritten. Das zeigt auch ihre Dribblingerfolgsquote von nur 42 Prozent. Will sie den Sprung nach ganz oben schaffen, muss sie in der Auswahl und Präzision ihrer Aktionen noch besser werden.

Das betrifft zudem die Entscheidungsfindung im Angriffsdrittel. Manchmal sucht sie überhastet den Abschluss oder will noch eine Gegenspielerin ausdribbeln, statt die besser postierte Mitspielerin zu sehen. Klare Defizite sind das aber nicht. Gerade bei jungen Spielerinnen geht es auch darum, den Mut in solchen Aktionen zu fördern und sie Fehler machen zu lassen, um daraus einen Lerneffekt zu erzeugen.

Mattner bringt fußballerisch alles mit, um den Schritt zu einem Topklub irgendwann zu packen. Die Frage ist eher, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist. Dass sie im vergangenen Sommer nicht zum FC Bayern ging, war eine gute Entscheidung. Mittlerweile ist sie für St. Pölten aber gewiss eine Nummer zu groß.

Mattner wäre ein guter Fit für den FC Bayern

Ebenso groß wäre aber der direkte Schritt nach München. Mit Bayer Leverkusen und anderen Klubs in dieser Größenordnung sollen auch kleinere Schritte für Mattner möglich sein. Andererseits dürfte die Chance auf einen Platz mit relevanter Spielzeit beim FC Bayern derzeit auf den offensiven Außenbahnen so groß sein wie sie es in den kommenden Jahren eher nicht mehr sein wird.

Mattners Vertrag in St. Pölten läuft 2027 aus. Das dürfte die fällige Ablösesumme noch etwas drücken. Ihr Profil ist hochinteressant für das System von Barcala. Entweder als direktes Backup zu Bühl oder als Alternative auf dem rechten Flügel sowie mindestens als Notlösung für die rechte Defensivseite.

Es wäre zudem ein Transfer, der zur Vorgehensweise der Bayern unter Rech passt: Junge Spielerinnen zu verpflichten, die auf dem Sprung nach oben sind. Noch nicht ganz im Blickfeld der absoluten Eliteklubs, aber auch nicht weit entfernt von der Aufmerksamkeit. Dass man laut Gerüchten schon frühzeitig an ihr interessiert war, dürfte ein Vorteil sein.

Bleibt abzuwarten, welchen Schritt Mattner selbst für sich in Erwägung zieht – und ob es ihr gelingt, ihre hervorragenden Anlagen auf einem dann höheren Niveau regelmäßig zu zeigen.

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