Blamage in Halbzeit Zwei – FC Bayern verliert 3:2 in Heidenheim

Jonathan Trenner 06.04.2024

Thomas Tuchel veränderte die Aufstellung im Vergleich zur Heimniederlage gegen den BVB auf drei Positionen. Die Innenverteidigung krempelte er komplett um: Kim und Upamecano spielten für de Ligt und Dier. Außerdem rückte Gnabry für den verletzten Sané in die Startformation. Ansonsten bot die Münchner Aufstellung – auch wegen der langen Verletztenliste – wenig Überraschungen.

Der Spielverlauf auf der Ostalb

Der FC Bayern startete mit einer Intensität, die Wiedergutmachung andeutete. Sie wirkten zielstrebig und dominant in den Anfangsminuten, schafften es zu Anfang aber nicht sich einen zwingenden Torabschluss herasuzuspielen – trotz 90% Ballbesitz in den ersten fünf Minuten.

Ganz langsam ebbte die Dominanz und Intensität der Gäste aus München ab und nach einer knappen halben Stunde begann die beste Phase des 1. FC Heidenheim. Sie konnten sich nun öfter aus dem Bayern-Druck lösen, doch wie schon seit Spielbeginn strahlte Heidenheim keinerlei Gefahr aus und prallte immer wieder an den Ruhepolen Kim und Upamecano ab.

Und genau in diese Phase hinein traf Harry Kane mit deinem 32. Saisontor zur Führung (38.). Ein schöner Spielzug von Müller und Gnabry konnte von dem Engländer sicher im linken Eck veredelt werden. Danach bemühte sich Heidenheim um eine schnelle Antwort – nur damit die Gäste kurz vor dem Pausentee auf 2:0 stellen (45.). Davies stand völlig blank auf der linken Seite und fand in der Mitte einen genauso einsamen Serge Gnabry, der nur einnicken musste. Zur Halbzeit sprach also alles für den FC Bayern: 6:1 Abschlüsse und 70% Ballbesitz bei gleiche Laufleistung. Was sollte da schon schiefgehen?

Doch die Mannschaft von Frank Schmidt startete mit einer völlig anderen Intensität in Halbzeit zwei. Plötzlich sahen sich die Münchner einem hohen Pressing ausgesetzt und taten sich schwer Ruhe ins Spiel zu bringen. Und das hatte Folgen.

Nach einer Musiala-Chance (49.), die das Spiel wohl entschieden hätte, überschlugen sich die Ereignisse. Nach einem langen Ball reichte ein verlorenes Kopfballduell von Kim, dass Kevin Sessa völlig frei vor Ulreich auftauchte und zum 1:2 einschieben konnte (50.). Nur eine Minute später hebelte Jan-Niklas Beste mit einer simplen Flanke hinter die Kette die gesamte Bayern-Abwehr aus und Tim Kleindienst konnte völlig frei zum Ausgleich einschieben (51.).

Was folgte war ein wildes Spiel. Bayern war um eine Antwort bemüht und Heidenheim von dem Doppelschlag beflügelt. So hatten auf Münchener Seite Kane (56.), Gnabry (59.), Tel (68.) und nochmal Kane (69.) Chancen auf die Führung. Auf der Gegenseite konnten aber Dinkçi (63.), Sessa (72.) und Beste (74.) ihre Gelegneheiten auch nicht nutzen.

Doch die durchschlagskräftigen Offensivbemühungen der Bayern wurden auch wieder weniger und so war es Tim Kleindienst (79.), der die Kleinstadt in Baden-Württemberg in Ekstase versetzte. Wieder reichte ein Pass um die komplette bayerische Hintermannschaft aus dem Spiel zu nehmen. Kim ließ Pieringer einfach ziehen, der legte quer auf den Heidenheimer Torjäger. Danach versuchte es Thomas Tuchel nochmal mit mehreren Wechseln, aber der FC Bayern bleibt bis zum Schlusspfiff ungefährlich und uninspiriert.

Drei Dinge, die auffielen

Serge Gnabry ist zurück!

Serge Gnabry ist einer der wenigen – vielleicht sogar der einzige – Lichtblick des Spiels. Nach langer Verletzungspause scheint er wieder voll in der Bahn zu sein und war gegen Heidenheim mit einem Tor und einer Vorlage an einer starken ersten Halbzeit maßgeblich beteiligt.

Er strahlte Frische und einen Zug zum Tor aus, den beispielsweise Leroy Sané in den vergangenen Wochen vermissen ließ. Auch sein Zusammenspiel mit Kane war gerade beim Führungstreffer besonders stark. Sollte Sané auch gegen Arsenal ausfallen, muss sich der FC Bayern also wenigstens um diese Position keine Sorgen machen.

Einziger Wermutstropfen: Die Tatsache, dass er schon in der 67. ausgewechselt wurde, spricht vielleicht dafür, dass er noch nicht ganz wieder bei voller Fitness ist. Es war immerhin sein erster Einsatz in der Bayern-Startelf seit November. Damals gegen einen gewissen 1. FC Heidenheim.

Zwei Halbzeiten wie Himmel und Hölle für die Innenverteidigung

Dayot Upamecano und Kim Min-Jae rückten zurück in die Formation, nachdem lange Zeit Dier und de Ligt als Paarung gesetzt waren. In der ersten Halbzeit schien es als würden beide diese Chance voll ausnutzen. Die Abstimmung stimmte und immer wieder gelang es beiden – ob durch abgefangene Steilpässe oder gewonnene Kopfballduelle – die Heidenheimer Gegenstöße im Keim zu ersticken. Heidenheim wurde in den ersten 45 Minuten kein einziges Mal gefährlich.

Die zweite Halbzeit hätte gegenteiliger nicht sein können. Von Anfang an war die gesamte Mannschaft von der neuen Intensität überfordert, aber bei den Gegentoren wirkten Gerade Kim und Upamecano besonders oreintierungslos. Beim 1:2 verliert Kim das Kopfballduell und Upamecano macht einen unerklärlichen Schritt nach vorne, der Sessa einen riesen Vorsprung gibt. Beim 2:2 verliert Kim Torjäger Kleindienst aus der Deckung und beim 3:2 lässt er Pieringer einfach ziehen.

Nach einer ersten Halbzeit, in der die beiden der bayerische Fels in der Brandung waren, brechen sie plötzlich und unerklärlich auseinander.

FC Bayern ohne Widerstandskraft

Es ist ein Muster der Saison, aber noch nie war es so eklatant wie gegen Heidenheim. Der FC Bayern kann nicht mit Rückschlägen umgehen. Das 1:2 fällt viel zu einfach und danach gerät die gesamte Mannschaft völlig aus der Fassung. Offensiv geht jede Ruhe vor dem Tor verloren, die Abschlüsse sind teils so wild, dass die Balljungen das Stadion verlassen müssen, um das Spielgerät wiederzuholen. Und als der Gegenschlag nicht auf Anhieb gelingt, ist die Luft komplett raus.

Defensiv reicht ein Gegentor, damit alle Dämme brechen und es kommt kein Funken Sicherheit zurück in das Spiel. Egal, wie der Gegner heißt, diese Saison ist keine Führung sicher, keine Dominanz stabil und kein Kollaps ausgeschlossen. Gegen diesen FC Bayern ist immer und für alle was möglich.

Die Daten zum Spiel

Tore: 0:1 Kane (38.), 0:2 Gnabry (45.), 1:2 Sessa (50.), 2:2 Kleindienst (51.), 3:2 Kleindienst (79.)

Gelbe Karten: Tuchel (60.), Gimber (62.), Dinkçi (89.)

Aufstellung 1. FC Heidenheim: Müller – Traoré, Mainka, Gimber, Föhrenbach (46. Busch) – Schöppner (46. Sessa), Maloney – Dinkçi (93. Pick), Beck (46. Pieringer), Beste (76. Thomalla) – Kleindienst

Aufstellung FC Bayern: Ulreich – Kimmich, Upamecano, Kim, Davies – Laimer, Goretzka (83. Zaragoza) – Müller (83. Guerrero), Musiala (76. Choupo-Moting), Gnabry (67. Tel) – Kane



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