Kommentar: Was wird aus dem Ballbesitzfußball?

Als der FC Bayern am Sonntagabend den Supercup gewann, entfachte eine Diskussion, der sich gerade Pep Guardiola in Deutschland häufig stellen musste. Carlo Ancelottis Mannschaft überließ dem Gegner bewusst den Ball und verzichtete so auf Kontrolle. Kann dieses System auf Dauer erfolgreich sein, oder sollte der Italiener an den Grundprinzipien des Positionsspiels festhalten? Ein Kommentar.

Der Bundesliga-Start steht kurz bevor. Es wäre der Mannschaft, aber vor allem Ancelotti gegenüber nicht fair, jetzt schon ein endgültiges Fazit zu ziehen. Mats Hummels äußerte sich über seine eigene Leistung sehr kritisch, fügte aber an, dass es zu diesem Zeitpunkt erwartbar gewesen wäre. Schon im letzten Spielbericht haben wir darauf hingewiesen, dass die strukturellen Probleme auch darauf zurückzuführen sind, dass den Bayern noch die Automatismen abgehen. Dennoch gab es nach dem Spiel zum wiederholten Male einige grundsätzliche Diskussionen über den Ballbesitzfußball der letzten Jahre und dem, was im Supercup zu beobachten war.

Ein kurzer Rückblick

Der Rekordmeister verlor unter Guardiola drei Champions-League-Halbfinals. Eines davon gegen Ancelottis Real Madrid im Jahr 2014. Damals setzte der Italiener auf ein tiefes Mittelfeldpressing, um dann über Bale und Ronaldo schnelle Umschaltmomente zu kreieren. Das Positionsspiel der Bayern ging mit 5:0 in zwei Partien unter. Im Jahr darauf war der Gegner niemand geringeres als der FC Barcelona. Es war ein Aufeinandertreffen zweier Ballbesitzhungriger Teams. Barca gewann ebenfalls deutlich mit 5:3 in Addition. Auf Bayern-Seite fehlten sowohl einige Stammspieler aufgrund von Verletzungen, als auch die Fitness vieler erst kurzfristig zurückgekehrter Spieler. Guardiola hielt dennoch an einer nach Dominanz suchenden Spielweise fest.

Auch im dritten Jahr musste sich der Katalane geschlagen geben. Mit Atlético Madrid traf seine Mannschaft dabei auf das womöglich am besten organisierte 4-4-2-Mittelfeldpressing der Welt. Dennoch schafften es die Münchner, sich in zwei Partien mehr als 50 Abschlüsse zu erarbeiten. Am Ende sollte es jedoch wieder nicht reichen, weil zum einen die Chancenverwertung nicht gut genug war und zum anderen Atlético mit gefährlichen Kontersituation das eine Auswärtstor mehr erzielte.

Im Supercup am Sonntag dann die umgekehrte Situation. Der BVB hätte nach der ersten Halbzeit gut und gerne mit 2 oder gar 3 Toren führen können, vielleicht sogar müssen. Tuchels Elf erzielte jedoch kein einziges Tor und so war es Vidal, der nach rund 60 Minuten mit der ungefähr dritten gefährlichen Aktion des Meisters die Führung besorgte. Alle relevanten Statistiken fielen an diesem Abend zugunsten der Dortmunder aus. Die Passivität der Bayern wurde jedoch nicht bestraft und so stellte das Ergebnis die Leistung in den Schatten.

Pep Guardiola hinterließ ein Ballbesitz-System nahe der Perfektion. Wie viel wird Ancelotti davon übernehmen?(Foto: Marc Mueller / Bongarts / Getty Images)
Pep Guardiola hinterließ ein Ballbesitz-System nahe der Perfektion. Wie viel wird Ancelotti davon übernehmen?
(Foto: Marc Mueller / Bongarts / Getty Images)

Die Vorteile des Ballbesitzspiels

Vermutlich wäre die Kritik an Ancelotti größer gewesen, wenn der Rekordmeister dieses Spiel hoch verloren hätte. Das war durchaus möglich. So blieb es relativ stumm um den Italiener. Auch die Aussagen, dass er seine Mannschaft schon ziemlich weit sehe, blieb größtenteils unkommentiert. Guardiola fokussierte sich immer auf die Leistung der Mannschaft. Sie war für ihn die oberste Priorität. Auf der Suche nach einem System, das ihm die größten Erfolgschancen verspricht, fand er das „juego de posicion“ – das Positionsspiel.

Die Bayern wollten den Ball haben, denn hat man das Spielgerät, kann der Gegner keine Tore erzielen. So einfach ist das Grundprinzip. Es funktionierte. Guardiola richtete die Mannschaft extrem mutig und offensiv aus, brach dabei aber auch Defensivrekorde. Mit 17 Gegentoren hatten die Münchner vergangene Saison weniger als jedes Bundesliga-Team der Geschichte auf dem Konto. Der wichtigste Vorteil des Positionsspiels ist die strukturelle Überlegenheit. Richtig angewandt ist die Mannschaft zu jedem Zeitpunkt in der Lage Überzahlsituationen in den wichtigen Zonen zu schaffen. Zudem war der Kader des Ex-Trainers in den letzten drei Jahren so flexibel wie vielleicht nie zuvor. Die Vielzahl an Systemen, die mittlerweile fest integriert sind, könnte auch Ancelotti helfen. Es scheint aber, als würde der Italiener vorerst darauf verzichten und an seinen beiden Systemen festhalten.

Die Flexibilität und auch die vielen verschiedenen Strukturen gegen unterschiedlichste Systeme des Gegners gehen dem Bayern-Spiel derzeit ab. In den Testspielen waren die Münchner aber immerhin aktiver und offensiver, als im Supercup. Das lässt hoffen, dass das Ballbesitzspiel nicht komplett ad acta gelegt wird. Zudem sagte der neue Trainer des amtierenden Meisters, dass er keine Revolution starten möchte. Gegen Dortmund war man vor allem auch physisch unterlegen. Tuchels Mannschaft war eingespielter und ist zum jetzigen Zeitpunkt einige Wochen weiter. Vielleicht setzte er, um die Unterlegenheit wissend, auf eine defensivere Ausrichtung. Das Spiel zeigte aber trotzdem, dass Fußball kompliziert ist. Systeme und ihre Wirkung lassen sich nicht auf wenige Spiele und Ergebnisse reduzieren. Die Erfolgschancen können noch so hoch sein, es gibt immer Faktoren die keine Ausrichtung der Welt ändern kann. Das zeigte der Sieg des FC Bayern, der nicht dem Spielverlauf entsprach, ganz deutlich.

Ist der passive Umschaltfußball eine Option für den FC Bayern?

Zwar war Ancelottis Team in den Vorbereitungsspielen – speziell in den USA – offensiver, aktiver und aggressiver, aber auch dort waren viele passive Phasen zu beobachten. Die Mannschaft ließ sich dann in ein tiefes Mittelfeldpressing zurückfallen und der Gegner hatte Ballbesitz. Gerade in diesen Situationen wurde es aber immer gefährlich. Bayern ließ sich in die eigene Hälfte drücken und war ständig unter Druck. Die Anzahl an bisher zugelassenen Chancen dürfte diesen Eindruck unterstreichen. Wenn einige Experten einforderten, dass der Rekordmeister auch mal auf das Spielgerät verzichten könne, dann sollten sie spätestens jetzt erkannt haben, dass auch diese Spielweise eine hohe mentale Konzentrationsfähigkeit abverlangt.

Sich ohne Ball richtig zu bewegen ist schwer, denn der Instinkt eines jeden Spielers ist darauf ausgelegt selbst zu agieren. Im passiveren 4-4-2 den richtigen Moment für eine Pressingsituation zu finden, erfordert nicht nur eine hohe Spielintelligenz, sondern auch Geduld und Kondition. Der Kader des FC Bayern und die Qualität der Mannschaft sind einfach zu hoch, um sich dauerhaft einem System unterzuordnen, das auf Fehler des Gegners angewiesen ist. Die ersten Eindrücke zeigen, dass die Erfolgschancen des Meisters immer dann steigen, wenn offensiv, aggressiv, aber vor allem aktiv verteidigt wird.

Dennoch wäre es vielleicht gar nicht so verkehrt, wenn Ancelotti den Ballbesitzfußball um einige Elemente ergänzen könnte. Es macht den Anschein, dass der Italiener genau das auch versucht. Diese Phasen, in denen die Bayern tief stehen wollen, funktionieren aber noch nicht. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Fehlende Automatismen, noch nicht fitte Spieler und die gedankliche Umstellung auf ein neues System sind womöglich ganz vorne anzuführen.

Welche Ansätze gibt es, um effizienter zu sein?

Das Trainerteam hat derzeit zwei größere Baustellen zu bewältigen. Zum einen müssen sie die Arbeit gegen den Ball verbessern, zum anderen ist es wichtig Vertikalität ins Spiel zu bekommen. Ohne Ball ist die Passivität das größte Problem. Im tiefen Mittelfeldpressing stimmen die Abstände häufig noch nicht. Sowohl horizontal als auch zwischen den Ketten. In der 8. Minute des Supercups war eine Szene stellvertretend für diese Beobachtung. Marc Bartra konnte einen Ball vom eigenen Sechzehner hinter die Viererkette der Bayern spielen. Der Rekordmeister attackierte in dieser Situation hoch. Bis auf Philipp Lahm rückte die Abwehrreihe jedoch nicht nach. So entstand ein riesiges Loch um den Mittelkreis herum.

Hier ist es wichtig die Automatismen zu finden. Will man in einem 4-4-2 erfolgreich sein, so haben die Abstände gegen den Ball höchste Priorität. Sind die Bayern im tiefen Mittelfeldpressing, müssen sie kompakt stehen, aber ohne in Passivität zu verfallen. Es ist deutlich schwerer ein Spiel ohne den Ball zu kontrollieren. Schafft Ancelotti es aber, dass der Deutsche Meister auch ohne Ballbesitz für Kontrolle sorgen kann, wäre das ein probates und nachweislich erfolgreiches Mittel. Diese Ergänzung wäre sogar optimal. Je mehr man den Gegner in Sicherheit wiegt ohne ihn in gefährliche Situationen kommen zu lassen, umso mehr Räume bieten sich einem auch bei Ballgewinnen. Davon sind die Bayern aktuell noch weit entfernt, doch wie eingangs erwähnt, sollte man Ancelotti die nötige Zeit geben.

In Ballbesitz gibt es aber auch einige strukturelle Probleme zu lösen. Der Spielaufbau funktioniert noch nicht optimal. Das liegt weniger an den drei Aufbauspielern (gegen Dortmund waren das Hummels, Alonso und Martínez) als an der Positionierung der Mittelfeldakteure. Alaba und Lahm rücken als Außenverteidiger nicht mehr ein. Dadurch kippen Vidal sowie auch Thiago relativ tief ab. Das wiederum führt dazu, dass in der letzten Linie nicht mehr so viele Optionen vorhanden sind und längere vertikale Bälle entweder zu Unterzahlsituationen führen, oder gar nicht erst ankommen. Würden die Außenverteidiger wieder einrückend agieren, könnte man in den wichtigen Zonen für Überzahl sorgen. Selbst wenn nur Lahm in seine Hybrid-Rolle aus der letzten Saison wechseln würde, gäbe dies entscheidende Vorteile. Alaba könnte dann die Dreierkette hinten komplettieren, Alonso müsste nicht mehr abkippen und hätte zudem mit Lahm genügend Unterstützung in der Zentrale. Mit dieser 3-2-Staffelung waren die Bayern im Aufbau oftmals sehr erfolgreich.

(M)eine Meinung

Ich persönlich favorisiere den Ballbesitzfußball, weil die Kontrolle über das Spiel mit dem Ball nicht nur viele Nerven schont, sondern meiner Meinung nach auch besser zum FC Bayern passt. Spielt man ein System gegen den Ball, so setzt man sich auch ein Stück weit der Abhängigkeit von Fehlern des Gegners aus. In den letzten Jahren war das nicht der Fall. Mit dem Ball hat man selbst die Kontrolle über das Spiel, aber auch eine hohe Verantwortung.

Allerdings bin ich auch offen dafür, dass der Italiener diese Ausrichtung dahingehend verändert, dass die Bayern sich auch mal für ein paar Minuten fallen lassen können. Voller Spannung, aber auch mit der Sorge, dass der Rekordmeister in Zukunft wieder mehr zulassen wird, blicke ich in die Zukunft. Es wird interessant zu sehen, ob Ancelotti die perfekte Balance zwischen beiden Systemen finden kann.

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Leserkommentare
  1. Jo

    Eigentlich gibt’s nur eins, was wir bisher ziemlich sicher wissen. Mit Ancelotti wird sich das Spiel des FCB verändern. Wohin, wie schnell, wie sehr, wie erfolgreich?
    Das werden wir leider erst in einigen Wochen oder eher Monaten wissen. Zumindest beschert es uns ein neues Spannungselement und Diskussionsthema (-;

    Wie man übrigens das Ballbesitzspiel und eine defensivere Ausrichtung gelungen miteinander verbinden kann, hat man am schönsten (zumindest für mich) im Pokalfinale 2014 gesehen. Meiner Erinnerung nach das einzige Mal, dass Pep, der damaligen personellen und emotionalen Ausnahmesituation geschuldet, einen echten Plan B (neben den 100 Varianten des Plan A) präsentierte. Ich hätte mir damals gewünscht diese Spielweise als eine Option für spezielle Anlässe weiterzuentwickeln. Kam leider nie dazu.

    Irgendwie hatte ich auch ein wenig die Hoffnung das könnte ein möglicher Weg unter Carlo sein. So als Verbindung beider Welten. Sieht momentan eher nicht danach aus. Aber wer weiß, vielleicht kann der Tiger (so als letzter Überlebender) Carlo ja mal einen Tipp geben (-;

    1. In Dortmund hat Pep aufgrund einiger Verletzungen ebenfalls mal eine sehr Defensive Taktik ausgepackt. Der ging aber die Offensive Durchschlagskraft ab. Immerhin gewonnen.

      1. Jo

        Ja, 2015 in Dortmund stimmt. Mit Peps Alltime-Minusrekord an Ballbesitz oder so.
        Da war die Spielanlage anders. Da haben wir Dortmund (ob jetzt freiwillig oder gezwungen) tatsächlich über weite Strecken des Spiels die Kontrolle eingeräumt. Wir haben versucht das Spiel ohne Ball zu kontrollieren bzw. im Griff zu behalten.

        2014 war das anders. Da hatten wir fast über die ganze Spielzeit die Ball- und Spielkontrolle. Nur eben nicht 30-40 Meter vor dem gegnerischen, sondern 30-40 Meter vor dem eigenen Tor.
        Hat mir besser gefallen. Könnte natürlich auch sein, dass Carlo in manchen Fällen eher der 2015-Variante zuneigt.

  2. rookie

    Also für die Meisterschaft würde ich mir wünschen ,dass man genauso spielt wie unter Pep, denn das war perfekt. Nur mit dem Unterschied, dass man Ancelotti nicht zumutet mit 1 , zumindest damals körperlich stabilen Innenverteidiger (Boateng) das Triple zu verteidigen . Mit den Ambitionen des Fc Bayern eine Mannschaft mit Badstuber, (fast immer verletzt))Martinez(oft verletzt) , Benatia ( oft verletzt und für Peps System ein grandioser Fehleinkauf) und Boateng z uschicken, war fahrlässig und hat letzllich das Triple gekostet. Wie Pep das gelöst hat und so Souverän die MEisterschaft und fast doch noch das Triple geholt hat war unglaublich und wurde aus meiner Sciht viel zu wenig gewürdigt auch mit welchem Anstand er diese vefehlte Personalpolitik nciht dem Verein angehänt hat (dafür allerdings der medizinischen Abteilung, was den Anstand dann vielleicht wieder schmälert, aber dafür wissen wir alle nicht die Hintergründe, Rummenigge deutete ja nur an, dass Peps Wut verständlich sei, wenn man die Akten kenne) Der Fehler wurde mit Hummels behoben, wenn auch völlig unverständlich eine Saison zu spät. Meine Hoffnung war und ist , dass Ancelotti diese Grandiosität von Pep weiterführt und ergänzt mit einem undogmatischen Ansatz, nämlich in 1-2 Spielen in der Saison auch mal tiefer zu stehen, nämlich wenn ich z.B. gegen Atletico ein 1:0 gemacht habe, nicht in einen Konter zu rennen. Da war mir Pep tatsächlich zu stur. Die zweite Halbzeit gegen Dortmund hat da Mut gemacht. Die erste aber die Angst beschworen, dass es nicht zu einer Ergänzung des guten, sondern zu einer Erweiterung mit Verlust kommt. Aber da muss man einfach abwarten. Denn eins ist klar mit Umschaltspiel kann der FC Bayern in der Bundesliga nicht Meister werden. Vielleicht Leverkusen und der BVB, aber kaum eine andere Mannschaft würde sich darauf einlassen und das Spiel machen und den Bayern Räume schenken. Und ein 0:0 wo nichts läuft wäre für die anderen Mannschaften ein Riesenerfolg. Ich weiß gar nicht wie ich ein tiefes Mittelfeldpressing spielen soll wenn alle sich am eigenen Sechzehner einigeln

    1. Revolet

      Ich fühle mich erinnert an Chelsea’s Meisterschaft vorletzte Saison. In den meisten Spielen dominant aufgetreten, irgendwann fiel das 1:0 und dann wurde sich a la Mourinho-Manier hinten reingestellt und auf Kontersituation gewartet. Dieses System, verknüpft mit einem aggressiveren Mittelfeldpressing und einem Umschaltspiel was bereits an der Mittellinie, statt am eigenen Sechszehner greift, könnte gelingen und die Meisterschaft sicher einfahren. Meine persönliche Wunschvorstellung für Ancelotti in der kommenden Saison. Womöglich auch besser als der naive Fußball den Pep leider Jahr für Jahr in den wichtigen K.O.-Spielen mit Gegnern auf Augenhöhe, die uns in den meisten Situationen taktisch überlegen waren und einen, um Tuches Wortkreation zu benutzen, auf den Gegner angepassten Machplan aufwiesen. Selbst Barca vor zwei Jahren hat nicht den gewohnten Ballbesitzfußball gespielt, sondern uns im 5 Minuten-Takt in Überzahlsituationen gnadenlos ausgekontert. Sowas wird es unter Ancelotti nicht mehr geben.

      1. kurt

        Unfassbar übertriebene Falschdarstellung.

      2. Revolet

        Könntest du evtl. aufhören jeden Kommentar zu desakrieren, der nicht 100% von Pep’s ultimativen Ballbesitzfußball überzeugt ist/war? Ich habe eine, wenn man so will, “Richtungsänderung” am Spielsystem beschrieben, d.h. jedoch nicht, dass diese dominante Art des Fußballs, die wir übrigens auch schon lange vor Pep hatten, damit nichts mehr zu tun hat. Sie wird immer die Grundlage gerade gegen schwächere oder sehr defensiv ausgerichtete Gegner sein.
        Ich bleibe beim Wort “naiv”, da es auf alle drei Halbfinals und auch auf die Begegnungen mit Juve zutrifft. Natürlich hatten wir gegen Athletico durchaus Chancen weiter zu kommen, nur ihr Konzept ist nunmal, nicht nur gegen uns, voll aufgegangen und wir haben uns leider in ihren Umschaltmomenten, wie im Jahr zuvor gegen Barca oder davor gegen Real blamiert. Es ist leider so.

      3. wipf1953

        Bin grad im Urlaub, also an sich im Lesenodus. Aber Rookie und Revolvet haben 100% recht!

  3. Prof. E. Tisch

    Wenn sich durch ein Mittelfeld-Pressing die Gegentorquote in CL K.O. Spielen deutlich reduziert hab ich nichts dagegen. Was nutzt das Angriffspressing wenn ich in 3 Jahren nur 3 Spiele zu Null spiele (2 davon gegen Donezk)?

    Gegen Dortmund fand ich das Spiel ein bisschen arg strukturlos, aber die Nationalspieler sind gerade mal 10 Tage im Training.

    Ich bin gespannt wie es laufen wird. Werden die Gegner, v. a. in der Bundesliga darauf anspringen und wirklich mit mehr als 2 Spielern in die Hälfte der Bayern laufen oder bleiben sie trotzdem mit 8 Mann am Strafraum, immerhin wissen sie ja alle was passieren wird wenn sie den Ball verlieren. Daher denke ich, dass das Spiel prinzipiell so bleiben wird wie es war, nur dass Carlo versuchen wird das Spielfeld ein bisschen auseinanderzuziehen. Bei Pep fand das Spiel überspitzt nur in der Hälfte des Gegners statt, jetzt kommt vllt 1/2 unserer Hälfte mit dazu.

    1. kurt

      Ich bin gespannt was Ancelotti macht, wenn das halbe Team wieder verletzt ist. Aber klar, passiv spielen ist mit Sicherheit das Wundermittel gegen Barca.

      1. wipf1953

        Kurt, wie sind Inter, Chelsea, Atletico (2 mal) und Bayern 2013 gegen Barca weitergekommen?

      2. Wie ist Barca mittlerweile schon mehrmals CL-Sieger geworden? Das ist doch müßig immer wieder einzelne Spiele hervorzukramen um eine Ausrichtung niederzumachen. Du kannst mit gefühlt 5 zu 30 Chancen natürlich gewinnen, aber dann brauchst du auch viel Glück. Ich habe nur selten Mannschaften gesehen, die das Umschaltspiel so beherrschen, dass sie auch ohne Ball Kontrolle über das Geschehen hatten. Atlético zählte im Halbfinale gegen uns nicht dazu und auch Chelsea zähle ich nicht dazu.

        Dass dieses System erfolgreich sein kann? Einverstanden, aber sich als FC Bayern einer Ausrichtung unterzuordnen, die auf Fehler des Gegners wartet finde ich(!) falsch. Man kann sich sicherlich mal fallen lassen, aber die komplette Abkehr von der Spielkontrolle mit dem Ball (in großen Spielen) würde die Erfolgschancen mMn verringern.

        In einzelnen Ausnahmen kannst du damit immer erfolgreich sein, dann brauchst du aber auch das Glück, dass dein Gegner Fehler macht. (Atlético 2016, Chelsea 2012, Inter 2011, Bayern Supercup 2016)

        Da das System nachweislich erfolgreich sein kann, kann man auch nachvollziehen dass es seine Anhänger hat. Es aber als das gegen Ballbesitzmannschaften klar überlegene System hinzustellen halte ich für nicht richtig, da die Gründe für die genannten Beispiele oft außerhalb der Ausrichtungen liegen. Man kann natürlich jetzt sagen, dass meine Argumentation nichtig ist, da nur Ergebnisse zählen, aber dann unterscheidet man sich in der Art und Weise wie man über Fußball denkt so sehr von mir, dass eine Diskussion wohl nicht lohnen würde.

  4. Ich teile diesen Kommentar von Justin zu 100%. Ergänzt werden müsste wirklich nur noch der Gedanke, den schon Rookie formuliert hat: Ist Ancelottis System wirklich so gut geeignet, um in der Bundesliga gegen Defensivbollwerke auch die so wichtige Meisterschaft zu holen? Man munkelt ja schon länger, dass Ancelotti viele Turniere, aber wenige Meisterschaften gewonnen hat. Da Ergebnisse und vor allem Turniersiege im Fußball selten monokausal sind, ist das natürlich immer mit Vorsicht zu genießen. Aber wer weiß… In ein paar Monaten sind wir schlauer.

  5. Marco05

    Ich habe auch unter Pep bis auf wenige Ausnahmen kein (Power)Angriffspressing gesehen. Das war doch mehr ein “gemächliches” Anlaufen. Einzig bei Ballverlusten ist man extrem engagiert auf die schnelle Rückeroberung gegangen.

    Wie dem auch sei, jedwedes Pressing ist kompliziert, wenn es funktionieren soll und fordert ein Ineinandergreifen vieler (aller) Rädchen. Dafür ist es nach ein paar Wochen Ancelotti definitiv zu früh.

    Zwei Dinge die ich positiv sehen würde, sollte es wirklich eine (teilweise) Abkehr vom Ballbesitzfußball geben:
    1. interessantere Spiele
    ob das letztendlich wirklich in Gänze positiv zu sehen ist entscheiden natürlich die Ergebnisse, aber diese 10er-Ketten der Gegner und 90 Minuten handballartig um den 16er rumspielen – und es fehlten uns wirklich sehr oft die entscheidenden Ideen – war schon wirklich eine zähe Angelegenheit. Das könnte künftig deutlich zuschauerfreundlich ablaufen.

    2. Keine Niederlagen mehr a la Atletico
    nicht ganz auszuschließen zwar aber wenn dann könnte man davon ausgehen, dass es solche dreckigen Niederlagen nicht mehr geben wird und ein (dussliger) Konter – womöglich noch in Folge eines einzigen Abwehrfehlers – nicht mehr passiert. Auch die Konteranfälligkeit sollte dramatisch sinken.

    Dass das abwartenede MF-Pressing andere Aufgaben beinhalted ist klar, und es muss auch nicht unbedingt unattraktiver sein. Aber viele (alle) Gegner werden sich umstellen müssen und den “Code” neu entschlüsseln. Allein das verspricht doch schon einiges an Spannung.

  6. […] Rund 7,22 Millionen schauten am Sonntagabend den Supercup im Free-Tv. Die Zuschauer bekamen einen 2:0 Sieg des FC Bayern zu sehen. Was sie aber auch sahen, dass der amtierende Deutsche Meister den Sieg mit weniger Ballbesitz erlangt. Quasi ein Kulturschock für viele Bayern Fans, die das aus Guardiola-Zeiten nicht gewohnt waren. Mia San Rot fragt sich, ob die bewusste Passivität, auf die Ancelotti gegen den BVB gesetzt hat, auf Dauer erfolgreich sein kann. […]

  7. FCB_1900

    Ich glaube nicht dass Ancelotti bei einem Heimspiel so passiv hätte spielen lassen. Man tritt hier immerhin in Dortmund an, das sich wirklich sehr gut verstärkt hat und uns wohl schon einige Trainingswochen voraus ist und wir seit ein paar Tagen erst einige EM-Fahrer wieder zurück haben. Also sollten wir alle mal anerkennen in Dortmund 2:0 gewonnen zu haben. Ich würde auch den Spielstil nicht als Spiegelbild für die komplette Saison sehen, das bessert sich noch. Mal angenommen wir holen ein 2:0 Auswärtssieg im CL Halbfinale in Madrid oder Barcelona. Das wäre doch perfekt und Ancelotti wird als Trainergott gefeiert.

    1. Zeigt sehr wie Ergebnisabhängig dieser Sport ist. Ich habe auch Ansprüche an den Stil des Teams und die sind mir deutlich wichtiger. Erfolge resultieren aus diesem Stil und wie ich bereits schrieb: Mit einem System, in dem man sich permanent von Fehlern anderer abhängig macht, kriegt man mich nicht auf seine Seite.

      Ich Urteile aber in keiner Silbe. Ich ziehe kein Fazit und ich sage auch nicht dass alles gerade schlecht ist. Ich spreche zudem auch an wieso Ancelotti so gehandelt haben könnte. Es gibt derzeit lediglich Probleme, die uns vermutlich noch eine Zeit lang begleiten werden. Die benenne ich und zudem sage ich noch dass ich(!) mir ein paar Sorgen mache.

      Nicht mehr, nicht weniger. Für generelle Kritik an Ancelotti wäre es viel zu früh.

  8. Hittmer Otzfeld

    “Zudem war der Kader des Ex-Trainers in den letzten drei Jahren so flexibel wie vielleicht nie zuvor.”

    Nicht nur das; Guardiola hat auch den Kader in dessen absoluten Zenit übernommen, das wollen wir mal nicht vergessen.

    Die guardiolesque Ausrichtung war meistens schön anzuschauen allerdings war auch manchmal viel viel Krampf dabei weil der Gegner -zwangsweise- so pervers tief verteidigte musstund mit dem 0:1 ja eh eigentlich ganz zufrieden ist.

    Wenn man Guardiola eines vorwerfen kann, dann ist das die Alternativlosigkeit und Eindimensionalität des Systems. Ich erinnere an die ersten 20. Minuten gegen Barca, das war kompletter Haraikiri Fussball. Auch das Credo immer sauber hinten rausspielen hat einige Tore gekostet und gegen Juve fast den Sieg bspw..

    Ich sehe schon worauf das alles hinausläuft: Jedem 75% Ballbesitz 1:0 wurde hinterher gesabbert und Ancelotti muss sich für ein Auswärts 2:0 gegen Dortmund entschuldigen. Die Kommentare hier kann man sich teilweise nicht geben.

    1. Einen Kader auf dem Zenit zu übernehmen bedeutet für einen Trainer nicht immer etwas positives. Guardiola hat diesen Zenit trotz vieler Rückschläge (alternde Leistungsträger, Verletzungen, interne Querköpfe gegen das System im ersten Jahr…) verlängert. Ob ein anderer Trainer das geschafft hätte? Spekulation. Ich behaupte dass es nicht viele geschafft hätten.

  9. kurt

    Ich denke gegen Dortmund kann man auch mal so spielen. Vor allem wenn man wochenlangen Rückstand gegenüber dem Aufgebot des BVBs hat.

    Gegen Dortmund zählen ausschließlich Siege. Die nehm ich auch durch ein Tor nach Handspiel oder Schwalbenelfer in der 90. Minute. Dann haben die Bienen wenigstens was zum Heulen und können auf den Schiri zeigen.

    Aber gegen alle anderen Teams erwarte ich weiterhin dominantes Ballbesitzspiel. Und ich behaupte mal, dass wird auch von alleine so kommen. Wie will man denn gegen Darmstadt und Co. passiv spielen? Das machen die ja selber alle. Und wenn man dann den Ball hat wird man kaum absichtlich den Besitz hergeben. Insofern sind ist die Panikmache ein bisschen übertrieben nach dem ersten Spiel, vor allem da jetzt die offensichtlichen Gründe oft genug genannt wurden.

    Ich glaube es wird sich nicht viel ändern. Denn auch wenn jetzt hier zb Hittmer Otzfeld andeutet, dass die 11 Mann-um-den-16er-Verteidigungsstrategie aus Peps Mist gewachsen wäre, das ist halt das Los, wenn man der Konkurrenz Lichtjahre voraus ist.

  10. Osrig

    @ Justin: Deinen Überlegungen, die sich ja auch im sehr interessanten Artikel wiederfinden, entspreche ich zu 100 Prozent!!
    In der Diskussion um die Systemfrage – die ich im Moment noch losgelöst sehen möchte vom Vergleich Pep mit Carlo – halte ich es für eine Augenwischerei ersten Grades, zu meinen, man könne ohne Ball ein Spiel kontrollieren! Klar, man kann versuchen, durch geschickte Aufteilung und Bewegung gegen den Ball Absichten des Gegners zunichte zu machen, aber ohne Ball bin ich als Mannschaft immer in der Reaktion! Ich kann immer nur abwarten, und auf Fehler hoffen. Das ist beileibe keine Kontrolle über das Spiel! Und zu glauben, wenn ich weiter hinten am eigenen Strafraum verteidige, dann kann ich besser Tore verhindern, halte ich genauso für illusorisch! Dann besteht die Gefahr, sich durch Ecken und Freistöße ein Gegentor einzufangen, es soll auch Spieler geben, die sich durch eine Abwehr “durchwuseln” können und erfolgreich zum Abschluss kommen!
    Nein, auf diese Weise wird man nicht erfolgreich sein! Die Überlegung, im Mittelfeld Räume dicht zu machen, macht in defensiver Hinsicht keinen Unterschied im Vergleich zur “Vorne-Verteidigung” des Dominanzsystems, denn dem Gegner bietet sich dann auch genug Grün zum schnellen Kontern. Und gerade die wollen wir ja verhindern!
    Selbst kontern, ok, bei Gelegenheit gern! Aber es sollte eben nicht zum System erhoben werden! Übrigens halte ich das 4-4-2 als Defensivstruktur für sehr problematisch, da es einen enorm hohen Aufwand erfordert, gut gegen den Ball zu arbeiten, und zum der Wechsel in ein dominierendes Offensivsystem schwierig ist. Ich denke jedenfalls nicht, dass sich diese komplexen Systeme einfach mal eben so auf dem Feld umstellen lassen! Denn da gehört mehr zu, als zwei oder drei Spieler sich verschieben zu lassen.
    Und grundsätzlich: Gegen die Top-Mannschaften lassen sich Gegentore nur schwer verhindern, egal, ob ich Defensiv oder Offensiv ausgerichtet bin! Im Dominanzsystem sollte es aber besser möglich sein, das eine Tor mehr zu erzielen, dass es braucht – vorausgesetzt, die Spieler sind fit und eingespielt; und haben genug “Zielwasser” getrunken. Denn gerade gegen Atletico hat die Durchschlagskraft nach vor gefehlt, letztlich auch, weil die Dynamik und die Schnelligkeit in den Pass-Stafetten fehlte.
    Ich hoffe, dass gerade da Ancelotti ansetzen und Pep’s System weiterentwickeln wird…denn trotz allem: Defensiv standen wir in der letzten Saison eigentlich richtig gut! Vorn hat es nicht mehr gepasst!

  11. wipf1953

    @Osrig

    Das ist der zentrale Satz aus Deinem posting:

    “Denn gerade gegen Atletico hat die Durchschlagskraft nach vor gefehlt, letztlich auch, weil die Dynamik und die Schnelligkeit in den Pass-Stafetten fehlte.”

    Wenn einer Traum-Offensive wie der der Bayern 2016 die Durchschlagskraft fehlt, liegt es nicht nur am Gegner und an den eigenen Spielern. Es ist die Qualität der Torchancen. Der Ballbesitzfußball macht es dem Gegner insofern leicht, als er nicht jede Torchance verhindern, aber deren Qualtität abschwächen kann.

    1. Osrig

      Na, ich bin mir sicher, dass man egal gegen welches System man antritt, immer die Möglichkeit hat, durch gute Abwehrarbeit die Qualität gegnerischer Angriffe zu mildern. Entscheidend ist für mich, dass meiner Meinung nach mit dem Dominanzsystem die Wahrscheinlichkeit eines eigenen erfolgreichen Angriffs höher ist, als mit dem schnellen Umschaltspiel. Und ich, richtig auf das Feld gebracht, auch defensiv mir Vorteile erarbeite, weil Standards z.B. keine Gefahr darstellen, weil aus der Hälfte des Gegners oder aus dem Mittelkreis kommend. Die wenigen Male, wo der Gegner tatsächlich bis vor unser Tor kommt, bedeutet zwar Torgefahr, aber nicht automatisch ein Gegentor, auch wenn mit zunehmender Qualität der Gegner diese Wahrscheinlichkeit steigt. Trotzdem bin ich mir sicher, dass das Dominanzsystem letztlich mehr Vorteile bietet und effektiver ist…vorausgesetzt, die Spieler spielen eben nicht nur quer, sondern setzen es auch um!

  12. Beobachter

    Volle Zustimmung zum Artikel.
    Wir werden in allen Wettbewerben mehr (!) Gegentore bekommen und weniger Punkte in der Liga holen. Wie die Ergebnisse in CL und Pokal aussehen, wird man sehen müssen. Dass Passivität a la Atletico eine Qualität ist, will ich nicht bestreiten, aber erstens mag ich es nicht (zumindest für die Bayern) und zweitens bin ich sehr gespannt, wie die Spieler das hinbekommen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass die sich diese Art der Verteidigung erst wieder angewöhnen müssen…
    btw: So Konteranfällig wie in den ersten Ancelotti-Spielen habe ich uns lange nicht gesehen (außer in manchen Spielen mit Dante 14/15 vielleicht), was wohl aber am derzeitigen Stand liegen wird.

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