Freundschaftsspiel VfL Bochum - FC Bayern München 1:5 (1:2), Ruhrstadion, 23.1.2015

Testspielnotizen: VfL Bochum – FC Bayern 1:5 (1:2)

Der FC Bayern ist zurück aus dem Wintertrainingslager und trat eine Woche vor dem Rückrundenstart der 1. Fußball-Bundesliga zum Freundschaftsspiel beim VfL Bochum im Ruhrstadion* an. Der ewige Bochumer und Bayern-Co-Trainer Hermann Gerland hatte den Testkick initiiert, um dem finanziell angeschlagenen VfL unter die Arme zu greifen. Die Einnahmen des Spiels vor mit 30.000 Zuschauern ausverkauftem Hause darf der Gastgeber einstreichen. Gerland, bei den befreundeten Fans aus München und Bochum gleichermaßen beliebt, feierte die Tribüne gebührend mit „Hermann Gerland, Du bist der beste Mann.“ Doch welche Aufschlüsse bot das Spiel selbst?

Die Testspielnotizen:

  • Die Bayern begannen druckvoll und auch das Team von Neu-Trainer Gertjan Verbeek kam konzentriert und spritzig in die Partie und versuchte hoch zu pressen. Nach einem Konter der Bochumer klärte Rafinha die Flanke von rechts per Kopf zentral auf Latza, der Neuer per Volleyschuss keine Chance ließ: 1:0. Ein schöner Auftakt für die Hausherren. Die Bayern ließen sich nicht weiter beeindrucken. Lewandowski aus kurzer Distanz und Boateng von der Strafraumkante kamen noch vor der 10. Minute zu einer Doppelchance, Dante anschließend zu einer Kopfballmöglichkeit, bevor Robben nach Doppelpass mit Müller mit einem Schlenzer den Ausgleich erzielte. Müller schoss noch einmal aus der Distanz und Robben verfehlte das Tor nur knapp, bevor er Dante den Führungstreffer per Ecke auflegte. Bochum ging ein hohes Tempo, setzte vor allem auf Konter, wobei sie eine gute Ordnung nach Umschaltmomenten an den Tag legten. Besonders Gündüz auf der rechten Seite zeigte eine engagierte Partie. In der zweiten Hälfte konnte der VfL sein Tempo aber nicht mehr halten und so setzte es doch noch eine kleine Klatsche. Götze traf nach Doppelpass mit Ribery, Robben netzte mit seinem Signature Move ein und Rode erhöhte zum 1:5-Endstand, indem er eine Hereingabe von Kurt, die ein Bochumer zu tornah herausköpfte, im Stile eines Hampelmannes hinter die Linie beförderte.
  • Pep Guardiola ließ sein Team über weite Strecken des Spiels im 4-2-3-1 auflaufen und startete mit der Doppelsechs bestehend aus dem defensiveren, oft abkippenden Xabi Alonso einerseits und dem häufig wesentlich höher agierenden Bastian Schweinsteiger andererseits. Alonso zog wie üblich viele Bälle auf sich. Schweinsteiger machte vor allem durch rigorose Zweikampfführung auf sich aufmerksam. Zwar hatte Schweinsteiger am heutigen Tag noch keine entscheidende Offensivaktion, dennoch hat der abgeklärte Spielaufbau Alonsos kombiniert mit den konsequenten Vorstößen Schweinsteigers seinen Reiz für die kommenden Partien. Für den Start der Rückrunde dürfte diese Formation im defensiven Mittelfeld die meisten Spielminuten zusammen bekommen.
  • Nachdem Nachwuchsspieler Mitchell Weiser im Trainingslager bzw. besonders in den Testspielen auf der arabischen Halbinsel auf der Position des rechten Außenverteidigers auf sich aufmerksam gemacht hatte, durfte heute wieder Rafinha auf seinen Stammplatz zurückkehren. Von seiner Seite kamen verhältnismäßig wenig Impulse, was aber auch daran lag, dass die Bayern häufig den zentralen Weg in die Spitze suchten und Ribery eifrig auf seinem linken Flügel wirbelte. Dafür war es Rafinha, der einen der zahlreichen gegnerischen Konter souverän in der 21. Minute stoppte. Mit Weiser und Sebastian Rode, der sich schon zum Ende der Hinrunde als Alternative angeboten hatte, verfügt Guardiola über solide Optionen, taktisch und personell auf der rechten Außenverteidigerposition zu variieren.
  • Als Alaba ins Spiel kam, wurde nicht Bernat ausgewechselt, sondern Dante. Dennoch hielt Guardiola an der Vierkette fest und ließ den Österreicher in der Innenverteidigung spielen. Nachdem Medhi Benatia zunächst einen Trainingsrückstand aufholen muss und der zurückgekehrte Holger Badstuber sein Optimum noch einige Zeit lang nicht erreichen wird, konnte sich Dante einige Vorteile erarbeiten. Sein Platz in der Innenverteidigung oder der Dreierkette ist aber alles andere als gesetzt, wenngleich er auch die auffälligere Partie machte im Vergleich zu Jerome Boateng und seinen Einsatz mit dem Ausgleichstreffer krönte.
  • Besonders in der ersten Halbzeit wirkten die Bayern ausgeruht, motiviert und voll im Saft. Gerne würde ich die Distanz, Intensität und Häufigkeit der Sprints mit der Phase zum Ende des letzten Jahres vergleichen. Erholung und Training scheinen ihren Teil zur Fitness auf den ersten Blick beigetragen zu haben.
  • Das Spiel der Bayern hatte zwei Auffälligkeiten zu verzeichnen, die beide darauf schließen lassen, dass man schneller zu Tormöglichkeiten kommen möchte. So ist Guardiola auch im Trainingslager zitiert worden. Nicht selten wurden längere und vor allem viele vertikale Pässe gespielt und in der ersten Stunde wesentlich weniger „gekreiselt“ als sonst üblich. Außerdem hatte der direkte Torschuss Priorität vor weiteren Querpässen. So hatten die Bayern auffällig viele geblockte Schüsse zu verzeichnen, gerade aus der zweiten Reihe entschlossen sich Boateng, Alonso, aber auch Ribery zum Abschluss, was nicht immer die beste Entscheidung war. Abpraller sind zwar ein geeignetes Mittel, um Unordnung beim Gegner zu stiften, um direkt zur nächsten Chance zu kommen, dies gelang heute aber nicht. Mit der Hereinnahme Götzes für Müller kamen auch die feineren Kombinationen zurück ins Bayernspiel.
  • Lewandowski blieb mit zwei sehr guten Torschüssen und einigen hervorragenden Pässen in Erinnerung, konnte sich aber nicht in der Torschützenliste eintragen. Dass er nicht zu noch weiteren Möglichkeiten kam, könnte auch ein strukturelles Problem sein, solange Ribery und Robben auf den Flügeln wirbeln. Auch wenn der Pole keine auffällige Partie machte, so war er doch gut ins Spiel eingebunden. Gut möglich, dass er in den nächsten Spielen schon wieder seine Tore macht.
  • Franck Ribery wirkt unterdessen etwas übermotiviert. Zwar trägt er viel zur Offensivgefahr seiner Mannschaft bei, seine Tempodribblings bis zur Grundlinie konnte er auch heute wieder zahlreich einstreuen, häufig blieb er aber per Schuss oder Dribbling am Gegner hängen, obwohl bessere Optionen in Sicht waren. Hier fehlte teilweise die Aufgewecktheit in der Entscheidungsfindung, manche Aktionen waren schlicht etwas plump. Robben glänzte auf der anderen Seite mit entscheidenden Durchbrüchen, Torchancen und Toren. Entsprechend genervt schien Ribery bei seiner Auswechslung für Pizarro.
  • Bayern konnte viele Bälle durch eine sehr gute Raumaufteilung gewinnen, mit der man den Gegner erst unter Druck setzte und anschließend die Querschläger und Fehlpässe einsammelte. Inwiefern das so leicht in der Bundesliga gelingen wird, ist allerdings fraglich.

In einer Woche nach dem Spiel gegen den Tabellenzweiten VfL Wolfsburg wissen wir mehr.

*Der HSV hat das Führen der originalen Stadiennamen wieder salonfähig gemacht.

VfL Bochum – FC Bayern 1:5 (1:2)
VfL BochumEsser – Perthel (59. Bulut), Bastians, Fabian, Celozzi (59. Abdat) – Latza, Losilla – Tasaka, Sestak (67. Terrazzino), Gündüz (73. Cwielong)- Terodde (73. Forsell)
BankDornebusch, Cacutalua, Zahirovic
FC BayernNeuer (46. Reina) – Bernat (71. Benatia), Dante (63. Alaba), Boateng (71. Badstuber), Rafinha (73. Weiser)- Schweinsteiger( 63. Rode), Alonso (79. Gaudino) – Ribery (73. Pizarro), Müller (63. Götze), Robben (79. Kurt)- Lewandowski
Banks. Einwechslungen
Tore1:0 Latza (5.), 1:1 Robben (26.), 1:2 Dante (44.), 1:3 Götze (66.), 1:4 Robben (79.), 1:5 Rode (84.)
SchiedsrichterSven Waschitzki
Zuschauer30.000 (ausverkauft)
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Leserkommentare
  1. drschnell1

    Aus meiner Sicht haben die Vorbereitungsspiele einen Trend der letzten Wochen und Monaten bestätigt der mich beunruhigt.

    Dante ist in der Innenverteidigung ein absoluter Unsicherheitsfaktor: schlechtes Stellungsspiel, durchschnittliches Zweikampfverhalten, zu langsam, schwacher Spielaufbau. Er ist Lichtjahre von der Form seiner ersten Saison entfernt.

    Ribery ist ebenfalls meilenweit von seiner Bestform entfernt und gewinnt kaum einen Zweikampf.

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