Sport und Politik: Besuche des FC Bayern in Katar und Saudi-Arabien

Nachdem ich selber drohte, das Thema in gewohnheitsgemäßem Zynismus zu verschlafen und schweigend hinzunehmen, hat mich die derzeitige Debatte zur Praxis des FC Bayern, sein Wintertrainingslager seit Jahren in Katar abzuhalten und jüngst in einem Testspiel gegen Saudi-Arabien aufzulaufen, dazu ermutigt, meinen Standpunkt dazu hier öffentlich darzulegen.

Worum geht es?

Der FC Bayern hält seit der Winterpause 2009/10 seine Trainingslager zur Rückrundenvorbereitung auf der arabischen Halbinsel ab. In zwei Jahren gastierte man in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten, seit 2010/11 reist man nach Doha, Katar. In der vergangenen Woche trat man auf der Heimreise an jenem Tag zu einem Testspiel in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad an, an dem der wegen „Beleidigung des Islam“ zu zehn Jahren Haft und 1.000 Stockhieben verurteilte Blogger Raif Badawi den zweiten Satz von 50 Stockhieben erhalten sollte. Bei allen drei Ländern handelt es sich um Monarchien, in deren Gefängnissen nachweislich gefoltert wird, die Todesstrafe Teil des Justizsystems ist, in denen Frauen und ausländische Arbeiter als Menschen zweiter Klasse misshandelt und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Kritik an der Praxis des Vereins wurde vor allem aus den Reihen der Fans des FC Bayern München laut.

@agitpopblog wandte sich in einem öffentlichen Brief direkt an den Verein. @stadtneurotikr stellte bereits im November fest: „Es ist Politik“ und sammelt seither die unterschiedlichsten Veröffentlichungen zum Thema.

So sah sich Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge mittlerweile zu einer Stellungnahme gezwungen, die argumentativ wenig angreifbar, aber auch enttäuschend blutleer und nichtssagend ist. Von der Strategie des sturen Aussitzens ist der Verein also dazu übergegangen, die aufkeimende Debatte mit minimalstem Kommunikationsaufwand abzumoderieren, ohne das eigene Handeln dabei infrage zu stellen. Dabei ist in dem Text durchaus ein schlauer Satz zu finden. Ein Chef-Diplomat hätte ihn nicht besser zu formulieren vermocht. Die Crux dabei wäre es nun, diese zwei Satzteile ins richtige Verhältnis zu setzen:

„Wir sind ein Fußballverein und keine politischen Entscheidungsträger, aber natürlich tragen am Ende alle, also auch wir, dafür Verantwortung, dass Menschenrechte eingehalten werden.“

Dass Fußballvereine global agierende Wirtschaftsunternehmen und Teil der Unterhaltungsindustrie sind, bei denen so genannte „Sachzwänge“ stetig eine Entwicklung weg von der alten Fußballromantik à la Bratwurst, Bier und ewige Treue vorantreiben, daran habe ich mich gewöhnt. Und so finde ich mich damit ab, dass völlig überspielte Profis nach langer Champions-League- und WM-Saison noch zu Marketingreisen in die USA gekarrt werden, dass sich die Spieler in Fanspielen beim Sponsoren-Cup verletzen, dass Investorenclubs wie Hoffenheim und RB Leipzig die Traditionsvereine überflügeln, es sein denn, letztere verausgaben ihrerseits Anteile an namhafte Gesellschafter aus der Wirtschaft auf Kosten der Mitsprache der Vereinsmitglieder, dass fußballdesinteressierte Wirtschaftsentscheider mit der Währung Logenplatz ihre Netzwerke bespaßen auf Kosten der Stimmung aber zugunsten der Südkurvenpreise im Stadion. Ich habe lange geglaubt, sowohl Verein als auch Fans arrangierten sich mit diesen Themen, nähmen sie als notwendige Übel hin und versuchten, einen guten Kompromiss zwischen professioneller Fußballarbeit, Nähe zu den Fans, Wirtschaftlichkeit inkl. dem Erschließen neuer Märkte zu finden.

Doch wenn diese Gewöhnung auf Seiten des Vereins zum völligen Realitätsverlust führt. Wenn unser Ehrenpräsident Beckenbauer in einem Anflug von grotesker Hardcore-Naivität behaupten darf, er hätte in Katar noch nie einen Sklaven gesehen. Wenn Spieler wie Bastian Schweinsteiger im Film „Die Mannschaft“ Dankesworte an den Chef der absurd korrupten FIFA Sepp Blatter richtet. Wenn Arjen Robben sich über die fabelhaften Trainingsbedingungen in Katar auslässt — und darüber hinaus über nichts sonst. Wenn anonymen Dummschwätzern à la „Säbener Sigi“ auf der Club-Homepage ein Forum geboten wird. Wenn sich die eigenen Fans dann im ach so aufgeklärten abendländischen Deutschland jegliche Kritik am Vereinsgebaren als Angriff auf ihre Lebensliebe missverstehen, als hätte man es mit bockigen Teenagern zu tun, die inmitten der Pubertät ihren „Schwarm“ verteidigen — wogegen auch immer…

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… dann ist für mich der Punkt erreicht, an dem ich kurz mal einhaken muss, um zu fragen:

Ganz offenbar gibt es hier großen Bedarf, den moralischen Kompass nochmal einzunorden.

Die moralisch gute Handlung hat mit Gesetzestreue in etwa so viel zu tun wie eine Taschenlampe mit Tageslicht. Sind die gangbaren Wege gut ausgeleuchtet, sind die Spielregeln hell und klar, dann brauche ich zur Orientierung selbst keine künstliche Beleuchtung. Dienst nach Vorschrift und ich stehe auf der richtigen Seite. Alles richtig gemacht. Gegen keine Regel verstoßen. Ethik, also die Frage nach dem richtigen Handeln, kommt aber immer dann ins Spiel, wenn ich entweder Böses will und ich die Chance habe, in der Dunkelheit unerkannt zu bleiben oder aber, wenn die Regeln selbst keine Auskunft über die Richtigkeit meiner Tat mehr geben. Dann ist es eine Frage des Charakters, gut von schlecht unterscheiden zu können. Das hat mit Haltung zu tun.

Sport und Politik: Wo ziehe ich die Grenzen

Ich unterstelle dem FC Bayern deshalb ethisches Versagen, weil er sich auf den Standpunkt zurückzieht, es sei schließlich nicht verboten, nach Katar und Saudi-Arabien zu reisen. Und überhaupt, auch in den USA, wo die Bayern-Frauen gerade weilen, leisten sich Bundesstaaten noch die Todesstrafe, wo soll man da die Grenze ziehen? So kann man argumentieren… Schließlich unterhält die Bundesrepublik Deutschland freundschaftliche Beziehungen zu diesen Ländern, wie sich auf den Seiten des Auswärtigen Amtes nachlesen lässt. Das ist richtig. Gerade weil es nicht verboten ist, sollte sich der FC Bayern den Luxus erlauben, eine eigene moralische Haltung zu entwickeln und die Augen vor den massiven Menschenrechtsverletzungen seiner Gastgeber nicht zu verschließen. Sonst helfen all die schönen Kinderhilfs- und Dominik-Brunner-Stiftungen nichts, um den Persilschein einzulösen. Ob das bedeuten muss, dort nicht mehr hinzufahren oder seinen Status als Global Player mit Millionenpublikum zumindest dafür zu nutzen, auf Missstände hinzuweisen statt sie als irrelevant hinzunehmen, darüber muss man sich auseinandersetzen. Das ist das Mindeste.

Generell bin ich der Auffassung, dass Austausch und Begegnung, dass der Dialog der bessere Weg ist, Verständigung herzustellen als Ausgrenzung und Isolation. Auch in der Politik stellt sich oft die Frage, ob man Handelsbeziehungen gegen Völkerrechtsbrecher per Sanktionen abbricht, ob man Diplomaten ausweist und von Gesprächen ausgrenzt, um Druck auszuüben — oder ob das im Gespräch bleiben der bessere Weg ist. Häufig verfolgt man dann beide Strategien: öffentliches Anprangern nach außen, Geheimverhandlungen hinter den Kulissen. Auch die Politik hat für den Sport also keine Konfektionslösung auf der Stange baumeln. Deshalb tue ich mich schwer, pauschal Vereine in die Pflicht zu nehmen, ganze Erdteile nicht zu bereisen. Daher finde ich es auch nicht verwerflich, wenn ein Mike Hanke zum Ausklang seiner Karriere in China kickt oder ein Guardiola in Katar. Zudem stellt sich ähnlich wie bei Sanktionen die Frage, wann man eher dem Regime und wann man eher der Bevölkerung schadet. Finden sich aber in den Testspielstadien vor allem Prinzen der Elite statt Fanclubs und Familien samt Frauen, dann lässt sich der FC Bayern nur noch als Gaukler und Hofnarr des Königshauses instrumentalisieren. Ein pauschales „Wir Sport, Politiker Politik“ ist der Gegensatz einer differenzierten Auseinandersetzung. Das ist zu wenig. Gerade der FC Bayern inszeniert sich gern als „Verein mit Herz“, „Familie“, „Verein mit sozialem Gewissen“. Wenn das nicht nur Teil des Marketingimages, sondern der Identität sein soll, dann trägt der Verein die gesellschaftliche Verantwortung und kann sie nicht an die Politik outsourcen.

In meinen milden Momenten verstehe ich Olympioniken, die ihr Leben lang auf ein großes Ziel hintrainieren, nur wenige Jahre in ihrem absoluten Leistungsmaximum zur Verfügung haben, auf die korrupte Vergabe der Spiele keinen Einfluss haben, dann aber von schnappatmigen Empörten zum Boykott aufgefordert werden. Das ist von einem einzelnen Sportler nicht zu verlangen. Auch verlange ich von Fußballprofis nicht das Grundstudium der Landeskunde eines jeden seiner zweiwöchentlich wechselnden Gastgeber. Aber völlig auf Durchzug stellen — das darf nicht sein. Auch einen Schalker mit Gazprom-Logo auf der Brust stärker zur Verantwortung zu ziehen als die ganze UEFA, die sich die Champions League vom selben Sponsor bezuschussen lässt, ist wohl ein scheinheiliger Ansatz. Der Verein darf sich aber schon Gedanken darüber machen, mit welchen Firmen er gemeinsame Sache macht. Es stellt sich also die Frage:

Warum machen die das?

Ohne über eine Innenperspektive zu verfügen, kann ich mir folgende Argumente vorstellen:

  • Sport – Ausgezeichnete Trainingsbedingungen sowohl klimatisch als auch von der Ausstattung und Unterbringung her.
  • Finanzen I – Ich habe keine Ahnung, ob man für ein Trainingslager direkt Geld bekommt (vermutlich nicht) oder weniger Ausgaben hat, weil z.B. Sponsoren Kosten übernehmen oder im Gegenzug für Namensmarketing und Bandenwerbung Gelder fließen. Vermutlich aber ist eine solche Reise für den Verein kein Verlustgeschäft.
  • Finanzen II – Erschließung neuer Märkte: Wachstumspotentiale befinden sich vor allem an Orten, an denen im Vergleich zum gesättigten und wirtschaftlich stagnierenden europäischen Markt die Fußballkultur und der Fußballkommerz noch nicht ausgereizt sind und zudem die Wirtschaft wächst. Mit dem Bekanntheitsgrad steigen Trikotverkäufe, Social-Media-Reichweiten, Fernsehgelder und Sponsorendeals. Der finanzielle Vorsprung der Premier League durch ein frühes Engagement im asiatischen Raum vor 10-20 Jahren steht für den Erfolg dieses Ansatzes.
  • Finanzen III – nicht nur der Verein hat finanzielle Interessen, auch die Sponsoren. Auch VW möchte die boomenden Märkte erschließen. Und dann liest man „Katar […] hält u.a. Beteiligungen an Volkswagen, Hochtief und Siemens.“ tja.

Ich hab gehört, an anderen Orten der Welt scheint die Sonne auch manchmal im Januar. Gute Trainingsbedingungen bietet Doha nicht exklusiv. Wie fehl in der Annahme gehe ich, wenn ich unterstelle, dass die sportlichen Gründe nicht die ausschlaggebenden sind in der Entscheidungsfindung des FC Bayern München? Diese Kosten-Nutzen-Analyse gilt es zu kippen:

Als Fan muss man sich fragen lassen, ob das zusammengeht, auf der Jahreshauptversammlung die finanziellen Rekorde zu beklatschen und zeitgleich die Kommerzialisierung anzuprangern. Den moralischen Anstand an der Pforte abzugeben, ist aber keine Option. Für keine Seite. Es wäre schade, würde es sich am Ende für den Verein „lohnen“, nur noch auf die Absatzpotentiale der Boygroupiefans zu setzen und sich gegenüber der Kritik zu verschließen. Die Stimmung in der Kurve ist gerade besser geworden. Machen wir da weiter.

Dieser Beitrag erschien zuerst am 24. Januar 2015 in Jolles privatem Blog Kopfkompost.de.

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Leserkommentare
  1. DasDing

    Starker und differenzierter Kommentar, hebt sich wieder einmal angenehm von der populistischen Debatte in den Medien ab.

    Dass man als weltbekannter Fußballverein aus moralischer Sicht nicht so auftreten und handeln darf wie der FC Bayern in dieser Affäre (Menschenrechtssituation ignorieren und Kritik totschweigen bzw. wegmoderieren) ist für mich klar. Das der Verein jetzt Konsequenzen ziehen muss ebenfalls. Schwieriger ist allerdings schon die Frage, wie diese Konsequenzen auszusehen haben. Wo soll man die Grenze nun ziehen? China begeht schwere Menschenrechtsverletzungen, ist aber gleichzeitig eine politisch wie wirtschaftlich aufstrebende Macht. Soll man dieses Land jetzt meiden? Die USA verstoßen trotz ihrer hehren moralischen Ansprüche regelmäßig gegen Grundrechte. Also keine Marketingreisen mehr dorthin? Was ist überhaupt effektiver, ein Kontaktabbruch oder Wandel durch Annäherung? Wahrscheinlich hat nichts von beidem einen nennenswerten Effekt auf die Situation in der betreffenden Region – was aber auch wiederum nicht heißt, dass man jetzt nach dem Motto “verhindern können wirs ja eh nicht” dazu schweigen sollte, denn die Frage nach der eigenen Integrität ist nicht an die vorhandenen Möglichkeiten, etwas an einer schlechten Situation ändern zu können gekoppelt. Insgesamt eine durchaus vertrackte Situation, welche sich einfachen Lösungsansätzen leider weitgehend verweigert.

    Ein Wort aber noch zu Theo Zwanziger: Dass sich ausgerechnet jemand, der selbst in eine korrupte und mit kriminellen Regimen kollaborierende Organisation wie die FIFA integriert ist, hier selbst als moralisch überlegen darstellen will, ist schon ein ziemlicher Witz.

  2. drschnell1

    Ein sehr guter und differenzierter Kommentar.

    Was mich besonders an dieser Angelegenheit stört, ist wieder einmal die Verlogenheit und Scheinheiligkeit der Politik. Erneut wird versucht eigenes Versagen bzw. eigene Versäumnisse beim Thema Menschenrechte zu kaschieren um dann aber öffentlichkeitswirksam auf dem Rücken des Sports zu moralisieren.

    Unabhängig davon hat sich unser Verein natürlich in dieser Angelegenheit ein klassisches Eigentor geschossen.

  3. Stefan

    naja, man könnte es auch kürzer kommentieren!
    Vielleicht mit “hätte sich man sparen können oder sollen”.
    Geht aber natürlich nicht, wenn man “auf intellektuell” machen will:-)

    1. windom_earl

      Dass der Kommentarzu lang wird oder dass man denken könnte du würdest hier “auf intelektuell” machen kann dir mit deinem Kommentar ja schonmal nicht passieren. Auf inhaltliche Kritik verzichtest du völlig, mal abgesehen davon dass dir das lesen “langer” Texte offensichtlich Schwierigkeiten bereitet.
      Zum Text: klar hat man als Fan einen eher emotionalen Bezug zum Verein. Dass das aber nicht gleichzeitig heisst das man seinen Kopf völlig ausschaltet nur weil es um Bayern geht oder das man die größte Scheisse, und nichts anderes ist PR für repressive und reaktionäre Regimes, achselzuckend hinnimmt, das zeigt dieser Blog, danke dafür.
      Mit Fussball stabilisieren die Golfmanarchien ihre Herrschaft und polieren international ihr Image auf, so zu tun als hätte man mit alldem nichts zu bzw. “es wäre Aufgabe der Politik” ist wirklich an Lächerlichkeit kaum zu überbieten.
      Aber wie Kalle da tickt zeigt auch dieses Zitat. Angesprochen auf die Sklavenarbeit in Katar, meint er nur: “Man muss aufpassen, dass man die Kritik nicht übertreibt. Die deutsche Industrie hat dort Milliardenaufträge”
      Wie man es anders machen kann zeigt der BVB, der anscheinend bewusst keine Trainingslager in eben solchen Ländern abhält.

  4. Hans

    Ein schöner Schmarrn…

    Die Presse hat ein Artikel fürs Winterloch, eine handvoll irrelevanter Politker können ihre belanglose Meinung äußern und schon ist wieder ein schönes Treibmittel für die Anti-Bayern-Fraktion gefunden.

    Schalke hat meines Wissens im gleichen Hotel genächtigt, wo ist da der Aufschrei? Dient wohl weniger als Aufmacher als der FC Bayern… und die Autorin fällt drauf rein. Absoluter überflüssiger Artikel, nachdem es genug in den Medien durchgekaut wurde.

    Verstehe auch nicht wieso sich die Autorin anmaßt den Spielern die Mündigkeit abzusprechen. Ich denke ein Lahm, Schweinsteiger und Co. sind A alt und B intelligent genug, sich zu der Thematik zu äußern, insofern sie es denn für wichtig und pressierend erachten. Muss der religiöse Kulturkampf, von dem praktisch 24/7 in den Nachrichten bombadiert wird, jetzt auch im Fussball ausgefochten werden. Wenn ich Meinungsmache brauche dann stelle ich mich für/gegen Pegida und Co. auf die Straße, brauche dafür aber auf alle Fälle keine 0815-Statements von irgendwelchen Spielern, welche letztendlich eh aus der Feder irgendwelche PR-Manager stammen.

    Eine selten bekloppte Debatte…

  5. Stefan

    Ok, ich schlage einen linksalternativen Themenabend vor, an dem mindestens 3 Petitionen verabschiedet werden.

    schön das du den BVB lobst, der eröffnet übrigens ein Büro in Singapur, dem bislang unbekannten Hort der Menschenrechte.

  6. Marco05

    Hmmm. Komisch, dass ich soweit ich mich erinnere noch keine Kritik darüber gelesen habe wo und wie Adidas die Trikots herstellen lässt. Und davon haben wir doch alle mindestens eines im Schrank, gell…?

    Will sagen, die Welt ist nicht perfekt. Bei weitem nicht. Es ist aber nicht am FCB sich in politische Dinge einzumischen. Man kann klarer Stellung beziehen, muss es aber auch nicht. Vieles wird jetzt nur aufgrund der Bestrafung des Bloggers gehypt. Wen interessiert es denn sonst? Überall auf der Welt passieren grausame Dinge. Garantiert auch im nächsten Urlaubsland der meisten Fans und Leser hier. Wo werden eure Klamotten und Handys hergestellt und unter welchen Bedingungen? Fangt da mal bitte an!

    Und was mir gegen den Strich geht ist, die Spieler als blöd und naiv hinzustellen. Die haben sicherlich auch eine Meinung dazu, sind allerdings auch Arbeitnehmer. Also das kann man stecken lassen.

    Mich beschleicht der Eindruck, als ob insbesondere Bayern-Fans und Blogs sich demonstratib kritisch stellen. Keine Ahnung warum, aber ich finde die ganze Debatte überdimensioniert, einseitig und hauptsächlich von einer abstrusen Doppelmoral geprägt. Brauch ich so nicht.

    1. DasDing

      Solche ausreden á la “anderswo passieren auch ständig grausame Dinge”, “andere machen auch Fehler” usw. halte ich ehrlich gesagt für ziemlich arm. Soll man offensichtliche Fehelntwicklungen aufgrund des parallelen Vorhandenseins anderer, offensichtlicher Fehlentwicklungen etwa nicht kritisieren? Kann man über einen Mord dann etwa hinwegsehen, weil es ja sowieso ständig irgendwo zu Morden kommt? Bei einigen Kommentaren hier kann einem wirklich die Galle hochkommen.

      Fakt ist: Der FC Bayern hatte die glasklare Möglichkeit, Stellung zu beziehen, und hat sie völlig ohne Not verpasst – dass halbwegs aufgeklärte Beobachter so ein Verhalten dann kritisieren ist die logische Konsequenz. Und wenn Schalke ähnliche Verfehlungen begeht ist das ein Problem der Schalker – dass die Medien darauf nicht so anspringen hat zunächst einmal damit zu tun, dass Schalke nun mal
      längst nicht die Reichweite und den Stellenwert hat wie der Weltverein FC Bayern.

      Fußball ist letztlich auch Politik, ob es den Akteuren gefällt oder nicht – nicht zuletzt an der FIFA und ihren bis ins Mark korrupten Strukturen sieht man ja, wohin es führt, wenn der Sport sich immer nur “raushält” und Verantwortung auf andere abschiebt. Dass ein Weltverein der wie der FC Bayern eine Solche wahrzunehmen hat, steht für mich außer Frage, und auf “die Anderen” zu verweisen ändert daran nichts. Im sportlichen Bereich nimmt der FCB sich diese schließlich auch nicht als Maßstab – warum dann plötzlich in Fragen der Moral?

      Dass man sich auf Miasanrot mit der Katar/Saudi-Arabien-Thematik recht ausführlich auseinandersetzt (in einem Podcast soll das Ganze wohl auch noch einmal thematisiert werden), ist wichtig und positiv zu bewerten – hier zeigt sich, dass Fansein eben nicht nur unkritische, blinde Vereinstreue (wie von einigen hier gefordert) bedeuten muss.
      Was sollten Fans denn Deiner Meinung nach darstellen? Kompetente, aufgeklärte Bürger, die gegebenenfalls ein Korrektiv für den Klub sein können, oder unmündiges, grölendes Stadionprekariat? Für mich ist die Antwort jedenfalls klar.

  7. Marco05

    Du hast nicht verstandn worum es mir geht. Ich frage mich, warum ausgerechnet jetzt einige versuchen am FCB ein Exempel zu statuieren. Ich sags dir: Weil es grade opportun ist und öffentlichkeitswirksam.Und das finde ich arm (war im Fall UH übrigens genauso). Der FCB bietet halt eine Plattform und Kritik wird halt auch gerne gehört. Für ein Blog heißt das insbesondere, dass man sich nicht gefallen lassen muss zu sehr durch die Vereinsbrille zu sehen, deswegen wird das auch dort immer gern genommen.
    Aber nochmal: Ich sage nicht, dass man eine Fehlentwicklung aufgrund anderer vernachlässigen soll sondern dass man wenn man kosequent sein will (was mMn in dieser Diskussion KEINER ist und auch gar nicht sein kann), alles kritisieren muss. Wenn die Bayern nach USA fliegen, wenn sie in China spielen. Oder in Rußland. Ich sag auch noch was: Keine Sau hätte den Saudi-Trip kritisiert, wenn das nicht grade mit dem Blogger wäre, obwohl dort schon seit Jahrhunderten Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Macht nix, der nächste Waffendeal geht trotzdem über die Bühne und deren Öl verwenden wir ja auch zum Heizen, oder?. Kein Aas verzichtet auf sein Trikot, weil es in Bangladesh für ein paar Cent Stundenlohn genäht wird.

    Nochmal, jeder der sich jetzt auf Kosten des FCB durch besonders kritische Meinungsäußerung meint profilieren zu müssen, ist für mich an Doppelmoral nicht zu überbieten.

    1. DasDing

      Dass ein Bayernfan oder Blogger primär die Bayernführung und nicht “alles Andere” kritisiert liegt ganz einfach daran, dass dieser zum FCB einen stärkeren Bezug hat als etwa zur russischen Regierung – mit Doppelmoral hat das also nichts zu tun. Dein Argument, dass man den FCB nicht kritisieren sollte, weil man andere Misstände gleichzeitig nicht kritisiert ist deswegen unsinnig, weil es die Möglichkeit der Selektion nach sinnvollen Kriterien nicht berücksichtigt (und hier ist das Kriterium eben der persönliche Bezug).
      Zudem lässt es sich auch noch kinderleicht als Generalausrede zum Ignorieren von Verfehlungen nehmen (da man schließlich sowieso nie “alles” kritisieren kann und zwangsläufig auch selbst Fehler im Leben macht). Nach deiner Argumentation dürften nur heilige, die noch nie in ihrem Leben ein Adidas-Trikot getragen haben, die Erlaubnis haben auf moralisch falsche Entwicklungen hinzuweisen. Dass dieses Konzept nicht besonders tragfähig ist, wirst Du Dir wohl selbst ausrechnen können.

      Und die naheliegendste Begründung für den Umstand, dass die Medien sich nun so auf den FC Bayern stürzen sind nicht irgendwelche obskuren Hasskomplexe gegen den Verein, sondern die Tatsache, dass dieser eine herausragende Stellung im deutschen Fußball hat und daher automatisch mehr im Fokus steht als ein FC Schalke (welcher seinerzeit für den Gazprom-Deal allerdings auch einiges an Kritik einstecken musste). Auch hier ist also keine Doppelmoral im Spiel (auch wenn man diese den Medien an anderen Stellen zweifellos oft genug vorwerfen kann).

      Was Du hier zeigst ist meiner Ansicht nach eine typische Wagenburg-Denke, nach dem Motto “Pfui, pfui, die bösen Anderen wollen dem armen Verein etwas, jetzt muss man ganz schnell in Abwehrhaltung gehen und ja nicht die realen Missstände innerhalb des Klubs diskutieren”. Besonders reflektiert ist diese Herangehensweise natürlich nicht.

      Nur weil man sich mit einem Verein identifiziert heißt das noch lange nicht, dass man negative Seiten einfach ausblenden sollte – eher im Gegenteil!

      1. Enigma

        Weiß nicht ob du den Vorredner nicht verstehen willst oder kannst.

        Letztes Jahr ist niemand auf die Idee gekommen, dass ja über das Jahr 2013 verteilt sicherlich wieder einige tausend Frauen gestorben sind weil der Vormund die Hilfe durch männliche Ersthelfer verboten hat und das der FC Bayern sich zu diesem Thema doch mal kritisch äußern könnte.

        Die martialische Geschichte mit dem Blogger lässt die Medien Feuer und Horrido schreien und dann sind auch noch die Bayern des Geldes und der Sonne wegen dort und plötzlich hat auf einmal jeder eine Meinung zu dem, das ist die Doppelmoral.

        Dann noch dieser widerlich überhebliche Unterton von dir und der Autorin, dass jeder der jetzt nicht schön konform mitkritisiert, der hat die Vereinsbrille auf und so weiter, dass ist das letzte.

        Eure Meinung, dass die Bayern zwingend und zwangsläufig, in einem anderthalb wöchigen Trainingslager, Politik und Humans Right Watch machen müssen weil jetzt mal wieder ein Ding in den Medien ist, ist keineswegs die Ultima Ratio.

      2. DasDing

        @Eingma: Der Grund für den in meinen Texten vielleicht vorhandenen, überheblichen Unterton liegt in den Pseudoargumenten und Ablenkungsversuchen, die sich in den Kommentaren hier leider in mehreren Fällen finden.

        Der von Dir verfasste Text liefert wieder so ein Beispiel:

        Du wirfst “den Medien” Doppelmoral vor, weil sie sich erst jetzt, vor dem Hintergrund der Verurteilung des Bloggers, mit den Reisen der Bayern auf die arabische Halbinsel beschäftigen, und vorher auch allgemein die Menschenrechtsverletzungen zu wenig thematisierten. Abgesehen davon, dass die Welle der Kritik nicht von der Presse, sondern primär von Bayernfans ausgelöst wurde, mögen Deine Anschuldigungen stimmen oder nicht (Ich würde eher sagen, dass das Verhalten der Medien nicht von Doppelmoral geprägt ist, sondern einfach den üblichen Mechanismen des Geschäftes entspricht) – sie tun letztlich überhaupt nichts zur Sache.

        Der entscheidende Punkt ist nämlich, dass der FC Bayern sich ganz einfach falsch verhalten hat, von den Spielern bis zur Vereinsspitze – und etwaige Verfehlungen innerhalb der Medienlandschaft ändern daran absolut NICHTS. Dass du auf das eigentliche Thema, den FCB selbst, nicht bzw. erst ganz am Ende zu sprechen kommst, ist schon verräterisch. Überhaupt sind ja auch die letzten drei Zeilen Deines Textes nur dazu da um die Meinung kundzutun, dass der FC Bayern sich um Politik nicht zu kümmern habe – eine Begründung dazu wird nicht geliefert.

        Und da soll ich nicht ein bisschen Überheblich werden?
        Im Übrigen ist der Text der Blogautorin eigentlich sehr ausgewogen und differenziert (habt ihr ihn überhaupt komplett gelesen?), und auch ich habe hier keineswegs behauptet, die Antwort auf das momentan zutage tretende moralische Dilemma zu kennen (s.oben!). Nur, was hier teilweise an Kommentaren kommt, das ist wirklich nicht gerade oberste Schublade.

      3. DasDing

        Nachtrag: auch die Tatsache, dass Bayernfans sich vorher nicht bzw. zu wenig für die Verhältnisse in Katar und Saudi-Arabien interessiert haben, ändert nichts an der falschen Handlungsweise der Vereinsspitze – hier gilt das gleiche wie in Bezug auf die Medien. Dass vorher “niemand eine Meinung” zu dem Thema hatte ändert nicht das geringste an dem Umstand, dass die FCB-Verantwortlichen sich wissentlich mit den Unrechtsregimen eingelassen und dann geschwiegen oder dumme Kommentare (“Ich sehe hier keine Sklaven” vor ein paar Monaten) abgegeben haben. Nur weil die öffentliche Meinung einen Misstand nicht wahrnimmt, ist er doch nicht weniger schlimm…

    2. windom_earl

      Die Logik mit der Du sagst, dass wenn man eigentlich alles kritisieren müsste, es aber aus ganz praktischen Gründen, wie ich einfach mal annehme nicht kann, dass man es dann am besten gleich bleiben liesse, die kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Es mag vielleicht kein richtiges Leben im Falschen geben, aber vielleicht ein richtigeres. Gerade Fans des Vereins sollten es doch sein die den Finger in Wunde legen wenn Sachen schief laufen.
      Waffendeals etc. sind natürlich ziemlich uncool und klar ist es auch Mist wenn Barca mit Katar auf der Brust aufläuft, ein Land das die Hamas unterstützt und in dem ein Blog wie dieser nach so einem Text bestimmt riesige Probleme hätte, aber das ist nunmal ein FCB-Blog. Wir hängen denk ich mal alle irgendwie an dem Verein, da macht es doch auch Sinn das hier zu diskutieren. Zu dieser Medienverschwörung ist denk ich mal alles geschrieben.

  8. Bernd

    Liebe Jolle,

    danke für diesen Kommentar, dem ich vollauf zustimme und nichts hinzuzufügen habe. Zum Glück gibt es Blogs wie diesen und Fans wie Dich, sonst wäre ich an meinem Verein (besser gesagt: an seiner anti-intellektuellen Führungsebene) und an vielen seiner oft autoritär-strukturierten Anhänger schon längst verzweifelt …

  9. Stefan

    Mir wird eben erst die Doppeldeutigkeit von “Miasanrot” bewusst:-)

    Im zu kommentierenden Artikel ist ja vieles richtig. Zum Beispiel muss ich mich auch leider immer öfters “fremdschämen” wenn unser Ehrenpräsident den Mund aufmacht. Auch wünsche ich mir dass das nächste Trainingslager in einem “unverdächtigen” Land stattfindet. Einfach damit nur der Fußball im Mittelpunkt steht.

    Wenn allerdings die mehr als überfällige Antwort (zwar heftig aber sachlich vollkommen korrekt)auf die Abrechnung des “falschen Fuffzigers” (und Blatter Freund!) einfach als “Dummschwatz” abgetan werden, Spieler -hier Robben – kritisiert werden weil sie einfach nur über ihren Job reden. Schweinsteiger – natürlich politisch völlig unkorrekt – aus Jux (und wohl in einer eher privaten Situation) Blatter dankt, dann denke ich dass weit über das Ziel hinausgeschossen wird.

    Ist es zynisch wenn ich behaupte dass der FCB den beiden Ländern deutlich mehr negative Aufmerksamkeit verschafft hat, als jede Erklärung oder Absage je erreicht hätte? Ja ist es sicherlich! Deshalb nächstes Jahr woanders hin und wir haben hier mehr über Fußball zu schreiben!

  10. Eine Debatte wird übrigens nicht dadurch irrelevant, dass man sie an anderer Stelle versäumt hat zu führen.

  11. Stefan

    na super, es geht auch kurz und prägnant:-)

  12. Jo

    Habe eben gelesen (bzw. überhaupt zur Kenntnis genommen), dass unsere Frauenmannschaft gerade ein Trainingslager in Florida abhält.
    D.h. um die Diktion des Artikels aufzunehmen, in einem Land in dem die Todesstrafe Teil des Justizsystems ist, nachweislich gefoltert wird, Menschenrechte weltweit mit Füßen getreten und Minderheiten diskriminiert werden.
    Hmm, und jetzt?

    1. Uli

      Danke für diesen Artikel, an manchen Tagen schäme ich mich wirklich für meinen Verein. Da wird ein Mann zu 1.000 (!) Stockschlägen verurteilt, weil er den Islam “beleidigt” hat, sein Rechtsanwalt erhält 15 Jahre Haft, weil er es wagte ihn zu verteidigen und vielen Fans fällt nichts anderes ein als ein schulterzuckendes “anderswo ist es auch schlimm”? Wie zynisch und ignorant kann man eigentlich sein?

      Natürlich ist es schwer, in so einer Situation als Verein angemessen zu reagieren, deswegen sollte man um solche Länder einfach einen Bogen machen, wann immer möglich. So eine Haltung kann und sollte man sich leisten, gerade um sich von Gurkentruppen wie dem FC Schalke oder den Scheichclubs in England abzuheben.

  13. Kurt

    Auch wenn nicht alles 1:1 meine Meinung ist, guter Artikel.
    2 Kommentare hätte ich noch;
    – Der Verein brüstete sich mit dem Thema Kurt Landauer über Offenheit, Integration und gegen Gewalt von Minderheiten. Das steht aber gegen diese Augen zu Politik bei diesen Testspielen.
    – man sollte dieses Thema vielleicht mal an der Jahreshauptversammlung ansprechen. Gibt es eine Stellungnahme von der Schickeria?

    Weiter so Jolle!

  14. Ralph

    Liebe Jolle,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Ich denke, in den wesentlichen Punkten liegst du völlig richtig, und es ist immer schön zu sehen, dass es auch kritische Geister im Anhang gibt, und nicht nur “Mia san Uli!”-Leute!

    Ein paar kleinere Anmerkungen meinerseits:

    a) Wichtig finde ich die Unterscheidung zwischen dem Verein und den Spielern. Hier passt auch der Vergleich zu den Olympioniken (auch wenn bei diesen die Situation noch drastischer ist). Von einem Spieler kann man sich eine kritische Haltung höchstens erhoffen. Erwarten kann man sie aber nicht. Seien wir ehrlich: Die Jungs, denen wir da zujubeln, sind i.d.R. nicht die Denker der Nation. Wie auch? Das sind Leute, die mit 15 aus ihrem Umfeld gerissen werden, die sich um nichts kümmern müssen, die mit 21 im Monat mehr verdienen als der normale Fan im ganzen Jahr.

    b) Marco05 liegt falsch, wenn er die Situation auf Badawi reduziert. Schon im letzten Jahr gab es Kritik an dem Trainingslager in Katar. Nur, dass man das halt jetzt mit Saudi-Arabien noch getoppt hat.

    c) Spätestens, als um die Jahreswende 2013/14 die Sklavenhaltersituation publik wurde, hätte der Verein realisieren müssen, dass so ein Trainingslager problematisch ist. Wenn schon nicht deshalb, weil man das scheiße findet, dann wenigstens deshalb, weil jedem denkenden Menschen hätte klar sein müssen, was das für die Außenwirkung bedeutet.

    d) Im Dezember 2014 (auch vor Badawi, Marco05!) wurde Rummenigge im ZDF nach Katar gefragt. Er antwortete sinngemäß, dass man jetzt schon 3x dort war, und man sei als Fußballer ja auch abergläubig. Echt jetzt? Aberglaube? Morgens mit dem richtigen Fuß aus dem Bett steigen ist wichtiger als Menschenrechte? Um Himmels Willen.

    e) Die Reaktanz auf Kritik, die sich in einem “Die anderen aber auch!” äußert, ist psychologisch nachzuvollziehen. Inhaltlich bleibt sie aber schon sehr schwach. So hat man im Kindergarten “argumentiert”.

    f) Freue mich schon, wenn die Vereinsführung bei einer Niederlage mal wieder die dicht gedrängten Terminkalender anspricht und den DFB in der Pflicht sieht. Aber wenn VW ein sportlich komplett sinnloses Testspiel in S-A mit einer Millionengage bezahlt, muss man natürlich dabei sein.

  15. BayernExpat

    Und deshalb seid ihr der beste Fußball blog der Welt. Ganz starker Beitrag.

  16. HansHans

    Vielen Dank für den Artikel, der sehr gut argumentiert und dazu noch echt super geschrieben ist! (Ich hatte schon befürchtet, dass hier auf dem Blog dazu geschwiegen wird). Finde es sehr wichtig, dass in der Fansszene diese Debatte kritisch geführt wird und Druck auf den Verein gemacht wird, vor allem auch von den eigenen Fans!

  17. Marco05

    @Uli
    und das ist doch genau die Doppelmoral. Was hat der FCB mit dem Blogger zu schaffen? Warum ist USA unkritisch wo bekanntermaßen auch ewig “im Namen des Gesetzes” getötet oder gefoltert wird???

    @Jolle
    nein wird sie nicht. Nur ist es inkosequent.

    Im übrigen finde ich auch wie einer meiner Vorschreiber die abwertende Bemerkung übder den Kommentar zu Herrn Zwanziger auf der FCB-HP deutlich übers Ziel hinausgeschossen und im Grunde auch fehl am Platz. Wo kommen wir denn hin, wenn jetzt noch Zwanziger verteidigt wird. Die Reaktion mit einem Augenzwinkern fand ich sehr gut. Kein Grund also für einen Rundumschlag, wenn dann auch hier wenigstens Konsequent (siehe Frauenmannschaft)….

  18. Robert

    Ich verstehe zwar durchaus, dass “Die anderen machen das auch” hier nicht als Argument gewertet wird. Aber es lindert die Verfehlung doch in gewisser Weise, dass auch die breite Masse in Politik, Sport und Wirtschaft Katar und Saudi-Arabien nicht boykottiert und in vielen Fällen auch nicht kritisiert. Klar trägt der FC Bayern moralische Verantwortung, aber das heißt nicht dass er im Stile Mahatma Ghandis eine Vorreiterrolle in moralischen Fragen einnehmen muss. Und solange sowohl Handball als auch Fußball WM dort ausgetragen werden und wichtige Staaten und Unternehmen (zwangsweise) Beziehungen unterhalten, würde ich das Trainingslager des FC Bayern eher weniger als mehr kritisieren.

    Und dass in der Winterpause gern aufgebauscht wird ist ja kein neues Phänomen. Ich glaube ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass man unter der Saison letztes Jahr nicht einen Monat über das Outing von Hitzelsberger und den Unfall von Michael Schuhmacher berichtet hätte.

  19. Wenn es doch so ein wichtiges Thema ist, warum kommt es denn erst jetzt richtig zum Vorschein als der FC Bayern da war? Das die Politiker vorher evtl. schon was unternommen haben mag sein, nur jetzt haben alle ihr Prügelopfer gefunden und in 10 Tagen interessiert es niemanden mehr was dort abgeht. Ist doch leider, immer wieder das selbe. Wäre der FCB erst gar nicht nach Saudi Arabien gefahren, würden die meisten Menschen in Deutschland gar nicht wissen was dort abgeht. Und wenn man schon Menschenrechte usw. auf den Prunkt bringt, schaut einfach nach Katar. Dort müssen wegen der lächerlichen WM jeden Monat Menschen sterben nur weil die Bedingungen unterirdisch sind.

    Mit diesem Thema versucht man doch nur von den vielen anderen Dingen abzulenken, mehr aber auch nicht. Lächerlich das ganze.

    P.S.
    Cooles Bild heraus gesucht :)

  20. Danke für diesen Artikel. Völlig richtig, es geht darum, eine Haltung zu entwickeln. Das muss der Verein tun, das muss man als Fan tun, das muss man als Mitglied tun. Und so eine Haltung steht nicht von Anfang an fest, sondern kann und sollte sich entwickeln. Vielleicht kann dieses Januar-Kapitel ein Schritt in dieser Entwicklung sein.

    Wenn der Verein irgendwann sagen sollte “Alles egal, wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, die Kohle zählt”, dann wäre das zwar nicht mehr mein Verein, aber es wäre eine klare Haltung. Was derzeit von den Offiziellen kommt, ist nur Wischiwaschi, eine Haltung ist es nicht.

  21. Ibiza

    zwar nicht mehr gerade taufrisch das Thema, aber halt auch eines das den FCB auch in Zukunft beschäftigen wird und vorallem muss, deshalb hier mal noch ein sehr interessanter tumblr Betrag (wurde von Breitnigge gelinkt, viele von euch werden ihn daher schon kennen, aber falls nicht sehr lesenswert) dazu von einem Fan, der zu dem Thema von Finanzvorstand und Mitgliederservice-Verantwortlichem Jan-Christan Dreesen zu einem persöhnlichen Gespräch eingeladen wurde mit vielversprechenden Ergebnissen:

    http://texterstexte.tumblr.com/post/110189465752/weil-es-sich-so-gehoert

  22. […] Artikel ist ebenfalls auf miasanrot.de erschienen, wo er eifrig diskutiert […]

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