Spiel des Lebens #13: Guardiolas letzte scharfe Patrone

Justin Trenner 11.01.2020

Klar, Wembley, das Finale Dahoam, die unzähligen anderen Duelle mit Borussia Dortmund, das Hin und Her gegen Juve 2016 oder der überragende 4:0-Sieg gegen den FC Barcelona 2013 – es gibt objektiv nicht das eine Spiel, das die Ära des FC Bayern in den letzten zehn Jahren als Flaggschiff anführt. 

Ich persönlich habe die 2000er-Jahre, für mich bereits beginnend mit dem schrecklichen Finale 1999 gegen Manchester United, das ich als Sechsjähriger beweinte, obwohl ich es noch gar nicht richtig begriff, sehr intensiv gelebt. Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm, die ihren Weg dort begannen, aber auch Oliver Kahn, Giovane Élber, Bixente Lizarazu und unzählige andere, die ihren Weg dort beendeten, sozialisierten mich mit dem FC Bayern München.

Selbstverständlich hatte ich meine intensivste Zeit mit den Bayern aber in den letzten rund zehn Jahren. Beginnend mit van Gaal entwickelte sich mein Lieblingsklub zu einer national alles dominierenden und international auf höchstem Niveau agierenden Spitzenmannschaft. Ein für mich persönlich sehr intensiver und einzigartiger Weg, den ich in meinem Buch auch nachgezeichnet habe.

Nicht aber allein die Emotionen sind es, die all das für mich so besonders machen. Vor allem die strategisch kluge und sportlich eindrucksvolle Entwicklung zwischen 2009 und 2016 war für mich ein entscheidendes Merkmal der neuen Bayern. Den Peak der ganz eigenen Ästhetik auf dem Platz, die sich in dieser Zeit kontinuierlich entwickelt hatte, sah ich am 3. Mai 2016. Zudem besonders für mich: Ich sah das Spiel als noch frischer Miasanrot-Autor erstmals mit den Urgesteinen des Blogs (Steffen, Felix, Jan, Jolle, Chris und Tobi) sowie Dennis, der gemeinsam mit mir in diese Phalanx einbrach.

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Die Situation vor dem Spiel

Die Stimmung war angespannt. Guardiola hatte bereits sein Ende als Bayern-Trainer im Winter verkündet. In Deutschland wurde seine Person sehr kontrovers diskutiert, weil ihm der ganz große Wurf noch nicht gelungen war. Im Jahr 2014 scheiterte seine Mannschaft aus verschiedenen Gründen noch deutlich an Real Madrid. Kurz zusammenfassen könnte man es unter: “Sie war noch nicht so weit.” Im Jahr darauf blieb man gegen Barcelona nur bedingt konkurrenzfähig, weil Verletzungen den Kader auf dem Zahnfleisch gehen ließen. Nun also der dritte Anlauf in einem Halbfinale. Diesmal gegen Atlético Madrid.

Die Allianz Arena hatte sich herausgeputzt für das letzte Champions-League-Heimspiel der Saison.
(Bild: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Bereits im Achtelfinale räumte man Juventus Turin in einem dramatischen Duell aus dem Weg. Nach 2:0-Führung und großer Leistung in den ersten 60 Minuten stand es plötzlich 2:2. Im Rückspiel ging Juve mit 2:0 in der Allianz Arena in Führung. Durch zwei späte Tore kamen die Münchner aber in die Verlängerung, wo dann Thiago und Coman den Sieg besorgten. Im Viertelfinale setzte sich der fünfmalige Champions-League-Sieger gegen Benfica durch, um dann das Hinspiel bei Atlético Madrid mit 0:1 zu verlieren. 

Es war eigentlich ein guter Auftritt der Bayern. Eine halbe Stunde lang wirkten sie auch wegen schwieriger Platzverhältnisse und eigener Unkonzentriertheiten schläfrig. Atlético wusste dies mit einem überragenden Saúl-Solo zu bestrafen. Anschließend gelang den Bayern das wichtige Auswärtstor nicht mehr, obwohl sie mit 15 zu 5 Abschlüssen das klare Plus auf ihrer Seite hatten. Guardiola wurde danach mit vermeintlichen Fehlern konfrontiert: Warum spielten Franck Ribéry und Thomas Müller nicht? Wie konnte sich die Mannschaft in der Anfangsphase so unkonzentriert präsentieren? Warum blieb der Druck der Schlussphase zu lange aus?

Guardiola hatte darauf nur eine Antwort: “You killed me. Everybody killed me, aber ich bin noch nicht tot. Wir haben noch ein Spiel, ich habe noch eine Patrone.” Und diese Patrone führte zum besten Fußballspiel, das ich je vom FC Bayern München sah.

Falls Ihr es verpasst habt:

Der Katalane stellte im Vergleich zum Hinspiel etwas um und brachte Müller, Ribéry sowie Boateng für Thiago, Coman und Bernat. Die Grundausrichtung – auf dem Papier ein 4-3-3 – wurde in der Praxis extrem offensiv interpretiert, doch dazu gleich mehr.

Elf Bayern kurz davor Geschichte zu schreiben.
(Bild: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Diego Simeone setzte auf der anderen Seite auf sein altbekanntes, aber extrem erfolgreiches 4-4-2. Keine Mannschaft der Welt konnte so gut verteidigen wie die Rojiblanco. Umso komplizierter wurde die Aufgabe für Guardiola und die Bayern.

Erste Halbzeit

Die Mannschaft begann aber furios. Mit dem Ball schoben Vidal, Müller und auch die Außenverteidiger so hoch, dass teilweise nur noch Boateng und Martínez die Restverteidigung bildeten. Alonso ließ sich im Spielaufbau zwar zwischen die beiden fallen, doch war der Ball in höheren Zonen, entstand eine Art 2-1-7 mit unterschiedlichen Staffelungen der sieben Offensivspieler. Gegen den Ball agierten die Bayern extrem hoch und aggressiv im 4-1-4-1. Der Druck führte selbst bei einer so abgezockten Mannschaft wie Atlético zu vielen Ballverlusten und so gab es für die Spanier kaum Entlastungsphasen. Gerade Müller und Vidal schoben auf ihren Achterpositionen immer wieder weit heraus und verschlossen gemeinsam mit den Außenstürmern die Wege zur Vierermittelfeldreihe des Gegners: Koke, Gabi, Fernandez, Saul.

Bayern umging damit eine möglicherweise frühe Druckphase der Gäste und Atlético kam zu keinem Zeitpunkt des Spiels dazu, auch mal höher anzulaufen. Griezmann und auch Torres fehlte der Zugriff auf das Aufbauspiel der Bayern. Mehrfach kamen die Münchner deshalb zu guten Angriffen, teilweise fehlte aber noch die letzte Aktion. Immerhin hatten Vidal (14., 18.), Müller (17.), Lewandowski (21., 24., 25.) und Lahm (28.) aber schon erste mehr oder weniger gute Möglichkeiten, die Führung zu erzielen, während die Miasanrot-Redaktion fast schon im Kollektiv versuchte, den Ball endlich ins Netz zu schreien. 

Es war bis auf wenige, ganz kleine Ausnahmen ein Spiel auf ein Tor. Dann die 31. Spielminute: Freistoß für die Bayern. Xabi Alonso stand bereit, der Mann für die großen Spiele. Ohnehin hatte der Spanier bis hier eine Leistung geboten, die als Blaupause für jeden spielmachenden Sechser dienen könnte. Eine Augenweide ganz nach dem Geschmack der Guardiola-Fanboys und -Fangirls der Redaktion. Also nach meinem.

Alonso: Unhaltbar.
(Bild: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Zurück zum Geschehen auf dem Platz: Die Real-Madrid-Bayern-Legende brachte den Ball abgefälscht im Tor unter. Atlético schien jetzt verwundbar wie lange nicht mehr zu sein und der Druck stieg weiter an. Nur drei Minuten später gab es Elfmeter für die Bayern. Wieder kollektives Jubeln beim Redaktionstreffen irgendwo in Berlin. Doch bevor sich noch jemand in der Nachbarschaft hätte beschweren können, verschoß Thomas Müller den Elfmeter und wir schwiegen wieder.  

Müller: Haltbar.
(Bild: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Ein Knackpunkt? Nur bedingt, denn die Hausherren blieben klar spielbestimmend, während lediglich die Hobbypessimisten Tobi und ich uns einig waren, dass es jetzt bergab geht. Doch nur mit Mühe und Not gelang es Atlético, das 0:1 in die Pause zu retten. Simeone sagte nach dem Spiel: “In der ersten Hälfte haben wir gegen das beste Team gespielt, welches ich in meiner Laufbahn erlebt habe. Die Art und Weise, wie die Bayern gespielt haben, war unglaublich.”

Zweite Halbzeit

Doch Simeone ist eben ein Fuchs. Und so reagierte er in der Kabine. Carrasco kam für Fernández – also ein Offensivspieler für einen Mittelfeldmann. Atlético spielte jetzt in einer 4-1-4-1-Grundordnung, wobei Saúl auf die Sechserposition rückte. Seine Aufgabe war es nun, den Zwischenlinienspieler Müller (eher seltener Vidal) mannorientiert zu verteidigen, sodass sich Godín und Giménez in der Defensive mehr auf Lewandowski konzentrieren konnten. 

Retrospektiv kann diese kleine Anpassung als entscheidend betrachtet werden. Denn die Bayern brauchten einige Minuten, um sich daran zu gewöhnen und ihre Verbindungen auf dem Platz wieder vollends herzustellen. Zwar waren sie weiterhin klar spielbestimmend, doch gerade im Gegenpressing fehlte nun ein Stück weit die Abstimmung. Und so entstand auch der für die Gäste überlebenswichtige Ausgleich: Nach einem Ballverlust kam der Ball zu Torres, auf den sich gleich drei Bayern-Spieler stürzen wollten. Vor allem Boateng öffnete mit seinem Herausrücken den Weg für Griezmann, der frei vor Neuer einschob (53.). Stille bei der Redaktion. Nur eine Person war damit beschäftigt, Möbelstücke im Angriffspressing zu attackieren.

Griezmann: Eiskalt.
(Bild: GUENTER SCHIFFMANN/AFP via Getty Images)

Guardiola reagierte im Gegensatz zu uns sofort und veränderte die Rollen seiner Außenverteidiger. Lahm, der vorher recht linear und hoch an der rechten Außenbahn agierte, rückte nun stärker ein, um mit Alonso vermehrt abzusichern und zweite Bälle zu gewinnen. Der Plan B sah einen extrem starken Flügelfokus vor, wofür Alaba so weit nach vorn rückte, dass er teilweise höher als Ribéry stand. 

Erneut geriet Atlético Madrid unter Druck. 16 Flanken schlugen die Bayern zwar allein in der letzten halben Stunde, doch hier steckte System dahinter: Vidal und Müller, die Lewandowski im Sechzehner unterstützten, sowie Alaba, Alonso und Lahm, die am Strafraumrand die zweiten Bälle zurückeroberten. Atlético wurde eingeschnürt und kam kaum noch nach vorn.

Zwei Abschlüsse hatte die Elf von Simeone noch, beide gegen Ende, als die Bayern immer mehr Risiko gehen mussten. Die Bayern hingegen kamen in der Schlussphase auf 14 Abschlüsse. Einer davon in der 74. Minute. Flanke Alaba, Ablage Vidal auf Lewandowski. Ich sprang unkontrolliert auf, schrie meine Emotionen heraus und war mir sicher, dass es jetzt noch klappt. Erst als ich Tobi ansah und er auf meine Euphorie hin den Kopf schüttelte, kam ich wieder zur Besinnung.

Nicht nur die Redaktion, auch die Arena kochte und Bayern rannte weiter an. Plötzlich gab es aber Elfmeter für die Gäste. Die richtige Entscheidung wäre aber Freistoß gewesen. Aus Gründen verzichte ich deshalb auf einen weiteren Einblick in die Berliner Wohnung, als die Wiederholung eingeblendet wurde und springe direkt zur Parade von Manuel Neuer, der unsere Hoffnungen am Leben hielt. 

Neuer: Hält ihn.
(Bild: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Doch der letzte Punch blieb aus. Guardiola blieb unvollendet. Vor allem aber belohnten sich die Spieler nicht für eine insgesamt herausragende Leistung gegen die beste Defensivmannschaft der Welt. 3,39 zu 1,41 Expected Goals (je inklusive eines Elfmeters) und 33 zu 7 Abschlüsse. Für solche Abende wurde vermutlich dieser Satz gemacht: Es sollte einfach nicht sein. Und dementsprechend leer saß ich auch auf der Couch, ehe zunächst die Bewunderung für Chris und Jolle dafür kam, dass sie dieses Spiel relativ schnell analysieren konnten. Im Anschluss wechselten sich der Stolz auf die tolle Leistung und der Ärger darüber, dass selbst das nicht reichte, regelmäßig ab. 

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Dinge, die auffielen

1. Bayern auf dem Höhepunkt des eigenen Schaffens

Gleich auf mehreren Ebenen lässt sich begründen, warum die Bayern an diesem Abend den fußballerischen Peak ihrer eigenen Ära erreichten: Erstens ist da die Ebene des Gegners. Atlético war nicht irgendjemand. Keine Mannschaft in Europa verteidigte damals so flexibel, konsequent, aggressiv und diszipliniert wie sie. Umso beeindruckender ist es, sich in zwei Spielen ein so eindeutiges Chancenplus zu erspielen. 53 zu 18 Abschlüsse waren es am Ende. Auch verschiedene Expected-Goals-Modelle haben die Bayern mit rund drei erwarteten Toren vorn gesehen. Gegen dieses Atlético ein unfassbar hoher Wert.

Zweitens: Die Ebene der Flexibilität, worin sicherlich auch die Mentalität der Spieler einbezogen werden kann. Auf gleich mehrere Rückschläge (Elfmeter verschossen, Umstellung des Gegners, kurzer Kontrollverlust, Gegentor, Elfmeter verursacht) folgten jeweils größere Druckphasen – nicht nur auf die Möbel in besagter Berliner Wohnung, sondern auch auf dem Platz. Ein wichtiger Faktor dafür war sicherlich Pep Guardiola, der von außen die richtigen Stellschrauben drehen konnte. Aber auch die Spieler waren in ihrer Entscheidungsfindung auf dem Höhepunkt. Man könnte im Re-Live fast schon denken, dass nicht nur ich, sondern auch die Bayern-Spieler jede Situation bereits gesehen haben – mit Ausnahme des kurzen Blackouts in der 53. Minute.

Die dritte Ebene geht auf eine einst von Thomas Tuchel getätigte Aussage zurück. Der Ex-BVB-Coach bezeichnete die Bayern damals als Maschine, die ihren Gegner am Strafraum bereits zermalmen würde. Das alles wirkte nicht mehr so ästhetisch wie noch bei Guardiolas Barcelona, aber es war im Kontext der Bayern-Geschichte eine nie da gewesene Dominanz. An diesem Abend erreichte auch sie ihren Höhepunkt. Gegenpressing, Aggressivität, aber auch Genauigkeit mit dem Ball. Dafür brauchte Guardiola nicht mal ein technisch überragendes Mittelfeld, sondern “nur” Xabi Alonso, der das Spiel fast im Alleingang lenkte und diktierte. Vorne waren Müller und Vidal eher andere Spielertypen, die an diesem Abend aber perfekt zur Strategie des Trainers passten.

2. Flanken? Damals eine banale Komplexität!

Die Partie nochmal im Re-Live zu schauen, ist auch für die heutige Zeit sehr aufschlussreich. Denn die Spielweise an sich war phasenweise ähnlich banal wie die heutige: Auf den Flügeln jemanden freispielen, Flanke, Gegenpressing oder Abschluss. Nur war diese Banalität 2016 mit so vielen kleineren Komplexitäten ausgestattet, dass sie sich doch wieder stark von heute unterschied. 

Guardiola: Mastermind.
(Bild: JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images)

Es hatte den Anschein, dass jeder Laufweg einer Idee folgte und sich einem größeren Ziel unterordnete. Lewandowski wurde zudem von zwei kopfballstarken Spielern im Zentrum unterstützt: Müller und Vidal. Die Flanken an sich waren also nur ein Mittel, um schnell in den Strafraum zu kommen. Wurde der Ball dort geklärt, gab es mit Lahm, Alaba, Alonso und manchmal sogar einem aufrückenden Innenverteidiger genügend Absicherung. 

Der starke Flügelfokus war deshalb kein so großes Problem, weil immer wieder diagonale Wege von außen ins Zentrum gefunden wurden, die wiederum Raum für die Außenspieler öffneten. Was aber ganz besonders entscheidend war: Obwohl Vidal und Müller nicht zwingend für ein tolles Positionsspiel im Mittelfeldzentrum sorgten, kamen die Bayern immer wieder in die Zwischenlinienräume. Neben Xabi Alonso ist hier vor allem Jérôme Boateng zu nennen. Beide waren herausragende Quarterbacks. Alonso unterstützte die beiden Innenverteidiger zunächst im Überzahlspiel in erster Linie gegen Torres und Griezmann, später dann gegen Torres, Griezmann und Carrasco. Entweder lief er Boateng frei und dieser spielte die langen Pässe nach vorn oder es war Alonso, der als freier Mann die langen Pässe spielte. 

Guardiola konnte es sich damals erlauben, viele Spieler in letzter Linie zu positionieren, weil er diese tollen Quarterbacks hatte. An diesem Abend bewiesen die Bayern, dass es nicht nur allein mit Kurzpassspiel gehen muss, sondern dass auch banalere Mittel durchaus erfolgreich sein können, wenn sie komplex vorbereitet werden.  

3. Robben fehlte

Mit Robben hätten die Bayern dieses Duell womöglich für sich entschieden. Trotz all ihrer Klasse fehlte den Bayern vorn ein weiterer Vollstrecker. Ribéry und Costa waren das nicht, selbst Lewandowski brauchte viele Chancen, um zu treffen und Müller schien damals erste Anzeichen einer Schaffenskrise zu zeigen. Vielleicht auch dadurch bedingt, dass er nicht mehr unumstrittener Stammspieler unter Guardiola war. Robbens Präsenz und seine Qualität in großen Spielen hätten aber für das entscheidende Tor gesorgt. Da bin ich mir sicher.

Robben: Unersetzbar.
(Bild: JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images)

4. Jan Oblak macht den Unterschied

Was ein Teufelskerl dieser Oblak ist, hat er damals bewiesen. Seine Präsenz und seine Paraden haben Atlético das Finale beschert. Chapeau!

Bedeutung des Spiels

Dieses Spiel ist ein Paradebeispiel dafür, dass große Leistungen allein nicht immer reichen. Die Bayern haben diese Erfahrung damals nicht zum ersten Mal gemacht. Manchester 1999, Chelsea 2012 – werden die eigenen Chancen nicht genutzt, droht eine unerwartete Niederlage. All die Statistiken sind dementsprechend wenig wert, wenn am Ende das eine Auswärtstor mehr bei Atlético auf dem Konto steht. Hier muss Guardiola trotz seiner großen Erfolge bei den Bayern auch kritisiert werden dürfen. Nur selten gelang es seiner Mannschaft in der Königsklasse, auswärts Achtungserfolge zu erringen. Gegen Atlético war man im Hinspiel aber sehr nah dran. Rund 60 Minuten lang spielten die Bayern dort sehr dominant und druckvoll. Woran es in den ersten 30 lag, wird sich nie endgültig klären lassen.

Die absolute Kontrolle gibt es ohnehin nicht. Griezmann und Atlético bewiesen das in München, als sie einen kurzen Augenblick der fehlenden Abstimmung beim Gegner für sich nutzten. Dieser Punch fehlte den Bayern unter Guardiola leider zu oft. Manchmal wiegen etwas Glück und die richtigen Momente eben etwas mehr als die eigene Strategie. So gut diese auch ist.

Deshalb ist die Champions League aber auch ein solch komplizierter Wettbewerb. Viele Zufälle beeinflussen Jahr für Jahr, wer gewinnt. Es gibt nicht die eine Strategie, die den Henkelpott garantiert. Es gibt aber viele Strategien, die auf den eigenen Kader abgestimmt dazu führen können, dass die eigenen Chancen erhöht werden. Guardiola hatte die Chancen spätestens in der Saison 2015/16 maximiert, indem er seine Philosophie an seine Spieler anpasste. 

Für einige Bayern-Spieler war es die letzte Chance auf den Henkel-Pott in ihrer Karriere.
(Bild: JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images)

Doch selbst maximale Chancen sind manchmal zu wenig. Mir bleibt dieses Fußballfest im Halbfinalrückspiel jedoch hauptsächlich in positiver Erinnerung. Es war nicht nur Guardiolas letzte Patrone, sondern auch die vorerst letzte des FC Bayern. So nah ans Finale kamen die Münchner nicht mehr – nicht mal 2018 unter Jupp Heynckes, als man zwar leicht besser als Real Madrid war, sich letztlich aber deutlich mehr Fehler erlaubte als 2016. Ich bin bis heute davon überzeugt, dass die ihrer Zeit beste Mannschaft Europas damals gegen Atlético im Halbfinale ausschied. Auf so eine Leistung der eigenen Mannschaft kann man nur stolz sein. Und dieser Stolz überwog damals sogar in den Miasanrot-Kommentaren direkt nach Abpfiff. 

Während Chris und Jolle den Spielbericht zusammenbastelten, lauschten Felix, Jan, Tobi, Dennis und ich dem von früher erzählenden Steffen. Relativ schnell setzte sich der Stolz bei mir auch durch, wenngleich der Schmerz über das Ausscheiden bis heute unverändert groß ist. Das Spiel meines Lebens fühlte sich an wie eine Niederlage – und doch wie eine große Leistung. Und genau das war es: Ein großes Spiel und die beeindruckendste Leistung, die ich je von den Bayern sah. Leider ohne die entsprechende Belohnung. Was am Ende aber blieb: Ein herausragender Fußballabend und noch viel herausragendere Freundschaften mit einem tollen Miasanrot-Team.



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