Miasanrot Roundtable: Fünf Fragen vor dem Spiel gegen Benfica

Justin Trenner 12.04.2016

Unsere Autoren Steffen, Felix und Justin werden dabei noch von Martin komplettiert, der die Mannschaft nach Lissabon begleiten wird.

Im Offensivbereich dürfte es keine großen Überraschungen geben. Wie würdet ihr die Defensive und das zentrale Mittelfeld besetzen?

Martin: Vidal ist zweifellos gesetzt. Ich präferiere neben ihm auf jeden Fall Thiago, auch wenn er im Hinspiel enttäuscht hat. Mit ihm haben wir einfach eine höhere Präsenz und Ballsicherheit im Mittelfeld. In der Verteidigung fällt dann wohl die Entscheidung zwischen Kimmich und Bernat, die auch über Alabas Position entscheidet. Ich würde lieber Bernat sehen, da Alabas Erfahrung im Vergleich zu Kimmich in einem solchen Do-or-Die-Spiel den Ausschlag geben kann.

Steffen: Thiago ist gesetzt in der Champions League. Vidal sehe ich klar vor Xabi Alonso. Vor allem weil er zusätzliche Torgefahr aus der Tiefe bringt. Ich hoffe aber, dass Guardiola Alonsos Ballsicherheit etwas früher von der Bank bringt. Schon im Hinspiel gab es eine Phase in der Bayern zu viele Fehler machte und das Spiel ein wenig zu kippen drohte. Alonso kann da mit seiner Präsenz und Ruhe helfen ein Ergebnis über die Zeit zu bringen. Zur Defensive habe ich eine ganz klare Meinung. Entweder Dreierkette wie in Stuttgart oder eine Viererkette mit Lahm, Martínez, Benatia/Kimmich und Alaba. Bernat hat mich bei seinen zahlreichen Chancen weder offensiv noch defensiv überzeugt.

Felix: Vidal nicht von Anfang an zu bringen halte ich für einen echten Fehler. Im Hinspiel hat er ziemlich genau die Rolle ausgefüllt, die ich mir von ihm erhofft hatte: Er war ballsicher, hat gerade in den ersten Minuten, als Benfica die Flügel offen gelassen hat, viele gute Verlagerungen geschafft und ist das ein oder andere Mal als zusätzlicher Kopfballspieler im Strafraum aufgetaucht. Daneben sehe ich Thiago vor Alonso, allein wegen dem besseren Zusammenspiel mit Vidal. In der Verteidigung würde ich wie Steffen Bernat rausnehmen, der zuletzt mehr gebremst als geholfen hat. Lahm, Martinez, Alaba/Kimmich, Alaba/Rafinha wäre dann meine favorisierte Kette.

Justin: Bei Vidal kann ich mich nur anschließen. Er war zuletzt der wichtigste Mann im Mittelfeld und wird es wohl auch gegen Benfica sein. In Lissabon würde ich auf eine Viererkette mit Lahm und Alaba als Außenverteidiger setzen. Lahm würde beim Spielaufbau dann immer wieder ins Zentrum rücken. Auch bei Bernat stimme ich den anderen zu. Er hatte zuletzt keine guten Auftritte und sollte auch deshalb von Alaba ersetzt werden, weil dieser mehr kluge Entscheidungen im letzten Drittel trifft. Außerdem erwarte ich das Zusammenspiel auf dem linken Flügel so viel harmonischer. In der Innenverteidigung sehe ich Kimmich und Martínez. Es gibt nach dem Spiel in Stuttgart keinen Grund die beiden auf der Bank zu lassen. Zusammenfassend besteht mein Defensivverbund also aus Lahm, Kimmich, Martínez und Alaba sowie Vidal auf der Sechs.

Was müssen die Bayern im Vergleich zum Hinspiel besser machen und wie erwartet ihr Benfica?

Felix: Was die Bayern tun sollten? Aus dem Juventus-Rückspiel lernen und gerade in der Anfangsphase konservativer agieren. Problematisch könnte es erneut dann werden, wenn Benfica früh “ausgleichen” kann, weil sie sich dann wieder vollkommen auf ihre erfolgreiche Taktik aus dem Hinspiel verlassen könnten. Ansonsten halte ich nichts für so wichtig wie die Chancenverwertung. Lewandowski und Lahm hätten uns alle ruhiger schlafen lassen können.

Martin: Im Mittelfeld liegt der Schlüssel. Die zahlreichen einfachen Ballverluste im Hinspiel haben uns das Leben schwer gemacht. Die Torchancen für uns entstehen dann zwangsweise automatisch und wenn wir das Auswärtstor machen, kommt das einer Vorentscheidung gleich. Benfica erwarte ich ähnlich wie im Hinspiel sehr kompakt stehend.

Justin: Ich bin da ganz bei Martin. Es gilt vor allem die einfachen Ballverluste zu vermeiden. Im Hinspiel wurden im letzten Drittel teils absurde Entscheidungen getroffen, die in dieser Vielzahl so noch nicht vorkamen. Da ist es wichtig die Konzentration sehr hoch zu halten. Torchancen wird es geben und ein bis zwei müssen davon möglichst schnell genutzt werden. Benfica erwarte ich ebenfalls kompakt, aber zugleich wieder sehr hoch positioniert. Die beiden Viererketten werden das Zentrum wieder verdichten und situativ wird die Mannschaft von Vitoria erneut früh attackieren. Im Hinspiel gab es da aber nur Probleme, wenn man sich das Leben selbst zu schwer gemacht hat. Zwischen der 55. und 70. Minute hätte Benfica durchaus den Ausgleich erzielen müssen. In dieser komplizierten Phase probierte das Team sich immer wieder spielerisch zu befreien, statt auch mal den Befreiungsschlag zu suchen und neu anzulaufen. Letzteres würde ich mir speziell bei engen Resultaten häufiger wünschen.

Steffen: Im Vergleich zum Hinspiel geht es vor allem um die Genauigkeit. Präzision hat es Lahm in dieser Woche genannt. Es wäre natürlich optimal wenn man Benfica ein wenig kommen lassen würde. Sie müssen schließlich ein Tor gut machen. Wer Guardiola beobachtet hat, weiß aber, dass es so nicht kommen wird. Bayern wird den Ball haben und auf Sieg spielen. Ich erwarte ein ähnliches Spiel wie im Hinspiel.

Wo liegen im Rückspiel die größten Gefahren?

Steffen: Benficas Offensivspiel war meist ziemlich simpel. Weite Bälle, die aus großer Höhe runterfallen und die Bayern-Defensive unter Druck setzen. Das ist schon unangenehm zu verteidigen. Vor allem ohne exzellenten Kopfballspieler in der eigenen Defensive wie im Hinspiel. Auch deshalb hoffe ich, dass Martinez spielt. Ansonsten sehe ich eine Gefahr darin, dass die Jungs ungeduldig werden wenn es lange 0:0 steht. Zuletzt ging uns die Gelassenheit und Klarheit manchmal ein wenig ab.

Justin: Meiner Meinung nach sollte der FC Bayern “lediglich” einen Rückstand vermeiden. Man hat sowohl in Barcelona als auch in Porto und Turin gesehen, was ein Hexenkessel bei Gegentoren mit der Mannschaft machen kann. Das müssen die Bayern verhindern. Schon früh im Spiel sollten sie für die nötige Ruhe und Spielkontrolle sorgen. Zuletzt gab es immer wieder leichte Ballverluste und die gilt es im Rückspiel zu minimieren. Sollte der Ball allerdings doch mal leichtfertig hergegeben werden, braucht es eine gute Konterabsicherung. Prädestiniert dafür ist natürlich Arturo Vidal, dessen Fähigkeiten im Gegenpressing gerade auswärts wichtig sind. Solange es 0-0 steht sind die Bayern weiter und das Selbstvertrauen, dass die Mannschaft ohnehin irgendwann treffen wird, sollte vorhanden sein. Meine These: Schießen die Münchner das erste Tor, stehen sie ohne Probleme in der nächsten Runde.

Martin: Wie Justin bereits sagt, ein Rückstand muss unbedingt vermieden werden. In Turin hat gerade die Atmosphäre nach dem Anschlusstreffer den Ausschlag gegeben, dass wir unser Spiel nicht mehr beruhigen konnten. Normalerweise ist gerade aber das unsere Stärke, ein Spiel ruhig und konzentriert auszuspielen bis sich die entsprechenden Torchancen ergeben. Diese müssen wir dann nutzen. Gelingt uns das jedoch nicht, kann eben immer ein Konter der Portugiesen sitzen. Und dann wird es ganz ganz schwer.

Felix: Wie oben angesprochen, kann Benfica ohnehin nur mit einem frühen Treffer für Gefahr sorgen. Als ich vor einigen Jahren mal in Lissabon im Stadion bei einem UEFA-Cup-Spiel war, habe ich gesehen, dass aus dem Hexenkessel dann recht schnell eine Ansammlung recht verärgerter Fans wird. Insofern: (Frühen) Rückstand vermeiden, dann mache ich mir keine Sorgen.

Auf der zweiten Seite werden die Folgen eines möglichen Ausscheidens diskutiert und Prognosen gewagt.

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