Round-Up: Der FC Bayern am Tisch der Superreichen

Dennis Trenner 09.02.2018

Was ist die Deloitte Football Money League?

Seit 1998 beglückt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte die finanzinteressierten Fußballfans am Anfang jeden Jahres mit Ihrer Rangliste der 20 weltweit umsatzstärksten Fußball-Vereine, der Deloitte Football Money League. Die Daten beziehen sich jeweils auf die abgeschlossene Saison und alle Einnahmen werden dabei in drei Kategorien aufgeteilt. Matchday bezeichnet alle Einkünfte an den Spieltagen (inkl. der Zuschauereinnahmen), Broadcast die Einkünfte aus den Übertragungsrechten (inkl. TV) und Commercial die Werbe- und Lizenzeinnahmen.

Deloitte lässt die Einnahmen aus Transfers nicht mit einfließen. Dadurch weichen die Daten beispielsweise vom Finanzergebnis-Round-Up ab und es werden die finanziellen Möglichkeiten von “Ausbildungsvereinen” etwas verzerrt dargestellt. In der vergangenen Saison erwirtschafteten beispielsweise Zenit (+82 M€) und Benfica (+78 M€) ein nicht zu unterschätzendes positives Transfersaldo, welches diese Vereine bei einfacher Addition zu den Deloitte-Daten aus der Top 30 in die Top 20 katapultiert hätte. Da die bilanzielle Darstellung von Transfers jedoch aufgrund der Abschreibung der Transfersummen über die Vertragslaufzeit und gestaffelten Zahlungsziele kein triviales Thema ist, belassen wir es an dieser Stelle bei dieser Milchmädchenrechnung und vertrauen der Expertise der Kollegen von Deloitte.

Die Reichen der Reichen

Angeführt wird die aktuelle Deloitte-Liste von Manchester United (676 M€) vor Real Madrid (675 M€) und dem FC Barcelona (648 M€). Der Gesamtumsatz der Top 20 Vereine konnte im Vergleich zum Vorjahr um 6% gesteigert werden.

Das Wachstum kommt hauptsächlich aus dem Bereich Broadcasting, das erstmals die Haupteinnahmequelle der Vereine ist. Während in der Vorsaison noch Commercial mit 43% vor Broadcast 39% lag, drehten sich die Zahlen nun zugunsten von Broadcast (45%) gegenüber Commercial (38%) um.

Die Ursache dafür ist vor allem der neue Premier-League-TV-Deal, der die Vereine aus England in der Deloitte-Liste pusht. Zehn der Top 20 Vereine (14 der Top 30) spielen in der Premier League. Beispielsweise finden sich Vereine wie West Ham United (213 M€) und Southampton (212 M€) auf Platz 17 und 18, vor regelmäßigen CL-Teilnehmern wie Neapel (201 M€), Lyon (198 M€), AC Milan (192 M€) oder dem AS Rom (172 M€).

Die deutschen Vereine werden in der Deloitte-Liste erst im kommenden Jahr vom neuen Bundesliga-TV-Deal profitieren und den Abstand verringern können. Es wird ein Wachstum von 80% im Vergleich zum aktuellen Bundesliga-TV-Vertrag erwartet.

Die Position des FC Bayern

Obwohl die Einnahmen von 592 M€ in der Vorsaison auf 588 M€ leicht gesunken sind, gehören die Münchner Bayern wie auch schon in den letzten zehn Jahren wieder zu den fünf umsatzstärksten Vereinen der Welt. Der Verein ist aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten also nicht erst seit dem Triple in die Phalanx der Supervereine Europas eingefallen, sondern er ist langjähriger Stammgast am Tisch der Superreichen.

Neidische Blicke muss sich Jan-Christian Dreesen dabei vor allem für die Einnahmen im Bereich Commercial gefallen lassen, denn kein Fußballverein der Welt nimmt in dieser Kategorie mehr Geld ein als der FC Bayern (343 M€). Nicht einmal der Branchenprimus Manchester United (325 M€) oder die kreativen Köpfe von Paris SG (274 M€).

Einen Haken hat das Ganze aber, denn mit einem Commercial-Anteil von 58% am Gesamtumsatz ist der FC Bayern auf der anderen Seite auch so abhängig von diesem Einnahmenbereich wie kaum ein anderer Verein. Einsamer Spitzenreiter im Abhängigkeitsranking ist übrigens Leicester City, die sage und schreibe 82% aller Einnahmen aus nur einer der drei Quellen beziehen, dem Broadcasting (222 von 271 M€).

Wie sehr die Bayern hier bereits alle erdenklichen Sponsoring-Quellen erschlossen haben, lässt sich an der Kritik für den Deal mit dem Hamad International Airport ablesen.

Der Bereich Matchday stagniert ebenfalls bei einem Wert um die 100 M€ und einem Anteil von rund 17%. Die um 4 M€ gesunkenen Gesamteinnahmen im Vergleich zum Vorjahr ergeben sich vollständig aus diesem Bereich und der geringeren Anzahl an ausgetragenen Pokalspielen. Angesichts der moderaten “Bundesligaticketpreise” und der Vollauslastung der Allianz Arena werden auch hier wesentliche Mehreinnahmen nur schwer möglich sein. Der sportliche Erfolg, sprich das Weiterkommen in den Pokalwettbewerben, ist hier de facto der einzige Optimierungshebel zu Mehreinnahmen.

Auf den Jahreshauptversammlungen konnte Jan-Christian Dreesen Jahr für Jahr neue Rekorde verkünden.
(Bild: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Bleibt also nur noch der Bereich Broadcasting übrig. Dieser macht aktuell mit 147 M€ nur 25% des Gesamtumsatzes aus.

Wie bereits erwähnt, greift ab der aktuellen Saison der deutlich besser dotierte TV-Vermarktungsvertrag der Bundesliga. Dieser wird die Lücke zu den Topverdienern in diesem Bereich aber nicht schließen können und so bleiben folgende Herausforderungen für den FC Bayern bestehen:

Durch die CL-Teilnehmerreform zur kommenden Saison werden sich die relativen Einnahmen aus dem Champions-League-TV-Pool der Bayern verringern, da es dann jeweils vier fixe Bundesligateilnehmer geben wird.

Um über die aktuelle Periode hinweg die Einnahmen aus den Bundesligarechten weiter signifikant steigern zu können, muss das Produkt Bundesliga attraktiv sein (bleiben/werden). Eine Entwicklung hin zu “französischen” Verhältnissen ist für die Bayern aus zwei Gründen nachteilig. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit leidet sowohl sportlich als auch wirtschaftlich unter einer einseitigen Dominanz.

Am Ende des Tages werden höhere Einnahmen aus dem Bereich Broadcasting (ebenso wie bei Matchday) aus den Taschen der Fans finanziert. Für die Kosten pro Fan gibt es dabei im Broadcasting wie bei Matchday natürliche Grenzen.

Im Gegensatz zur Kapazität der Allianz Arena lässt sich die Anzahl der Zuschauer an den (digitalen) Endgeräten aber weiter steigern. So kann also das Wohl und Wehe der finanziellen Konkurrenzfähigkeit des FC Bayern langfristig davon abhängen, ob es gelingt, Millionen zahlungswilliger Zuschauer rund um den Globus für das Produkt Bundesliga zu begeistern.

Ein aktuell nicht ganz so leichtes Unterfangen.

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