DFB-Pokal: Carl Zeiss Jena – FC Bayern München 0:5 (0:3)

Justin Trenner 19.08.2016

Die Saison geht für den FC Bayern nun so richtig los. Am Freitagabend traf der Rekordpokalsieger in der 1. Runde des DFB-Pokals auf den FC Carl Zeiss Jena.

Bereits zum Auftakt musste Carlo Ancelotti dabei auf acht Spieler verzichten. Neben den bekannten Ausfällen verletzte sich unter anderem auch Kingsley Coman unter der Woche. Dennoch konnte der Italiener eine schlagfertige Mannschaft in Jena aufbieten.

Falls Ihr es verpasst habt:

Der neue Trainer der Bayern setzte beim DFB-Pokal-Debüt auf sein zuletzt erprobtes 4-1-4-1/4-3-3. Etwas überraschend saß Mats Hummels nur auf der Bank. Für ihn rückte Alaba in die Innenverteidigung neben Javi Martínez und vor Manuel Neuer. Vor den beiden Außenverteidigern Bernat und Rafinha spielten Lahm, Vidal sowie Kimmich im Mittelfeld. Die Elf wurde durch Müller, Lewandowski und Ribéry komplettiert.

Jena-Bayern AufstellungenCarl Zeiss Jena gegen FC Bayern München, Grundformationen

Die Heimmannschaft aus Jena setzte auf ein 4-4-2-Mittelfeldpressing und somit auch auf die Hoffnung, ein paar gefährliche Umschaltmomente aus Fehlern der Bayern zu kreieren. Es war das typische Underdog-System eines unterklassigen Pokalgegners, wobei man dem Gastgeber nicht den Mut absprechen kann. Immer wieder gab es Momente, in denen Jena hoch verteidigte. Das bot den Münchnern aber auch viele Räume.

Dementsprechend startete auch die Partie. Nach einem Ballverlust von Bernat wäre es sogar beinahe erstmals gefährlich geworden, doch Lahm reparierte den Fauxpas des Spaniers an der Außenlinie. Quasi direkt im Gegenzug war es dann Ribéry, der sich über die linke Seite in den Strafraum tankte und das Auge für den freien Lewandowski hatte. Etwas glücklich und mit Hilfe von Thomas Müller schoss der Pole im zweiten Versuch den Ball ins Tor (5.). Einen besseren Auftakt hätten die Münchner nicht erwischen können.

Bis zur 13. Minute dauerte es, bis die Bayern sich ihre nächste gefährliche Situation herausspielten. Thomas Müller tauchte nach einer schönen Ballbesitzphase vor Koczor auf, der den Schuss gut parierte. Besonders über die Seite von Ribéry und Bernat wusste die Elf von Carlo Ancelotti zu überzeugen. Die meisten Angriffe in der Anfangsphase wurden dort und speziell vom Franzosen inszeniert. So auch wenige Minuten später: Der 32-Jährige brachte wieder Müller in eine gute Position im Strafraum, doch Jena klärte in letzter Sekunde (16.).

Auch an den nächsten Chancen war Thomas Müller beteiligt. Zunächst bediente er Ribéry, der nur den Torhüter des Gastgebers traf (21.) und wenige Sekunden später fand Müller Lewandowski, doch auch der vergab seine Möglichkeit. Die Bayern erhöhten das Tempo und Jena war merklich überfordert damit. Fast im Minutentakt tauchten die Gäste nun im Strafraum der Heimmannschaft auf. Es folgte aber eine Phase, in der Jena den Rekordpokalsieger kurz etwas beschäftigen konnte. Die letzte Gefahr blieb dabei jedoch aus.

Lewandowski ließ in der 32. Minute die nächste gute Chance aus, um dann aber kurze Zeit später das zweite Tor zu erzielen (35.). Anschließend wurde es kurz laut im Stadion, denn Jena kam zu seinem ersten halbwegs guten Torschuss (37.). Ein Tor war ihnen jedoch nicht vergönnt. Auch nicht, als Thiele frei vor Neuer auftauchte, weil Alaba im letzten Moment dazwischen ging (39.).

Wie man trifft, zeigte hingegen Lewandowski eindrucksvoll. In der 43. Minute machte Bayerns Stürmer den Hattrick komplett, indem er von der Strafraumkante in das linke untere Eck traf. Mit dem 3:0 ging es auch in die Halbzeit. Bayern war wenig überraschend das dominante Team und sorgte standesgemäß für eine frühe Entscheidung.

Trotzdem kam Jena mutig aus der Kabine und erspielte sich direkt zwei, drei aufeinanderfolgende Halbchancen. Auch ein Freistoß der Hausherren (47.) brachte aber nicht den ersten Treffer ein. Während der Drangphase des Gegners kam Hummels für Martínez (51.). Die Münchner bekamen die Kontrolle wieder zurück und hatten nach einem sehenswerten Solo von Bernat die Möglichkeit auf 4:0 zu erhöhen. Die Chance blieb aber ungenutzt (52.). Auch Ribéry und Vidal (65.) verpassten mit einer Doppelchance den nächsten Treffer.

Es war die letzte Szene des Franzosen, denn Ancelotti brachte Green für ihn. Vidal konnte in der 72. Minute hingegen sein Tor erzielen. Müller bediente Lewandowski, doch der Pole suchte diesmal nicht den Abschluss, sondern legte auf Vidal quer, der zum 4:0 einnetzte. Nur wenig später hätte er sogar den Doppelpack schnüren können, doch der Pfosten rettete Jena (74.).

Es war die letzte Aktion des Chilenen, denn Benko ersetzte ihn kurz vor dem Ende (77.). Fast im selben Atemzug gelang Hummels der erste Treffer im Bayern-Trikot (77.). Kimmichs Eckball fand den Kopf des Weltmeisters und der untermauerte seine Torjägerqualitäten bei Standards. Die Begegnung plätscherte nun endgültig vor sich hin. Ein ungefährlicher Konter Jenas (84.) sowie vergebene Großchancen von Lewandowski (88.) und Müller (89.) waren die letzten Höhepunkte, ehe der Schiedsrichter abpfiff. Mit dem über weite Strecken überzeugenden, aber erwartbaren 5-0-Sieg zogen die Bayern verdient in die nächste Runde ein.

3 Dinge, die auffielen:

1. Das Dreier-Mittelfeld im Fokus

Mittelfeldkontrolle bleibt für den FC Bayern auch mit veränderter Philosophie wichtig. Mit Philipp Lahm, Joshua Kimmich und Arturo Vidal war das Zentrum dafür ziemlich gut besetzt. Dementsprechend variabel versuchten die drei sich auch zu bewegen. Die beiden deutschen Nationalspieler waren zumeist für den Aufbau zuständig, während Vidal sich eher offensiver positionierte. Dennoch ging dem Spiel manchmal etwas die Vertikalität ab, weil die drei entweder allesamt zu tief, oder auf einer Linie positioniert waren. Die Struktur und auch das Schaffen von Verbindungen muss gegen Gegner, die nicht so viele Räume bieten, besser funktionieren. Gerade gegen tiefstehende Mannschaften kann es sich der Rekordpokalsieger auch erlauben, mit zwei Achtern nach vorn zu gehen und beispielsweise Lahm auf der Sechs zu lassen. Haben sie das getan, waren sie auch im letzten Drittel in Überzahl und gefährlich.

Gerade Kimmich zeigte bei seinem ersten Auftritt unter Carlo Ancelotti aber eine äußerst ansprechende Leistung. Er war gewohnt spielintelligent und zusammen mit dem abkippenden Thomas Müller sowie Franck Ribéry einer der wenigen Akteure, die um das Kreieren von Verbindungen bemüht waren. Im Spielaufbau kippte der 21-Jährige immer wieder auf die rechte Seite heraus, um eine strukturierte Ballzirkulation zu ermöglichen. Dies war besonders dann hilfreich, wenn Jena mal etwas höher verteidigte. Außerdem zog er die Formation des Gegners mit klugen Laufwegen auseinander. Alles in allem wusste Kimmich sich im Mittelfeld zu beweisen, wenngleich Jena noch nicht der Gradmesser für ihn war. Dennoch ließ er seinen Aussagen, dass er sich im Mittelfeld sehe, vorerst auch Taten folgen.

2. Weiträumiger Ribéry, überzeugender Müller

Franck Ribéry scheint der Spieler zu sein, der am meisten vom neuen System profitieren kann. Er versprüht wieder Spielfreude, geht stets ins Eins-gegen-Eins, nutzt die vielen Räume, die sich ihm bieten, und macht vor allem eines: Verbindungen im letzten Drittel schaffen. Der Franzose war extrem umtriebig und so fand man ihn auch mal im Zentrum oder etwas tiefer positioniert. Der 32-Jährige ist im Moment der kreativste Spieler beim FC Bayern und an fast jedem Angriff beteiligt. Die Besetzung von mehreren verschiedenen Räumen hilft dem noch recht statischen Spiel der Münchner sehr. Speziell dem zentralen Mittelfeld hätte diese Flexibilität ebenfalls sehr gut getan.
Auch Thomas Müller wusste mit gelegentlichem Abkippen ins Mittelfeld zu überzeugen. Immer wenn er zwischen die Ketten im Halbraum ging, konnten die Bayern gefährlich werden. Müllers Qualitäten sind dahingehend bekannt, aber gerade am Anfang der Ära Ancelotti, wo es noch einige Probleme gibt, sind sie umso wichtiger.

3. Bayern auch in Jena teilweise abwartend

Selbst bei einem krassen Außenseiter bestätigte sich der Trend, dass der FC Bayern sich nun auch mal fallen lässt und eher abwartend agiert. Zwar hatte Ancelottis Elf immer um die 70% Ballbesitz, aber es gab wieder Phasen, in denen der Gegner ungestört in ungefährlichen Räumen kombinieren durfte. Daraus resultierten auch wieder einige gefährliche Szenen, die aufzeigten, dass der amtierende Pokalsieger noch längst nicht soweit ist und auch nicht sein kann, wie der Trainer sich das vorstellt. Sie lassen einfach zu viel zu. Die Bayern haben zudem noch massive Probleme mit dem Umschalten. Kontersituationen werden häufig nicht clever ausgespielt und das Aufrücken der gesamten Formation dauert manchmal bei Ballgewinnen zu lange.

In Ballbesitz versuchen die Münchner zudem noch direkter zu agieren. An sich keine schlechte Idee, eine tiefe Formation des Gegners mit Tempo anzulaufen, aber durch die fehlenden Verbindungen endet das häufig in Einzelaktionen, die nicht immer erfolgsversprechend sind. Gerade wenn ein Gegner so viele Räume anbietet wie Jena, kann man eine sauberere Besetzung des letzten Drittels erwarten. Die gab es nur dann zu beobachten, wenn sich die Bayern eine Zeit lang dort festsetzen konnten.

Es ist noch ein weiter Weg den Carlo Ancelotti, sein Trainerteam und die Mannschaft gehen müssen. Durch die vielen strukturellen, aber auch formbedingten Probleme könnte ein schwieriger Start in die Saison bevorstehen. Gerade bei Systemwechseln ist dies nicht unüblich, aber es ist erstaunlich zu beobachten, wie unsauber die Arbeit gegen den Ball ist. Das manchmal abwartende Pressing offenbarte selbst gegen Jena Räume und Löcher, die von anderen Mannschaften ausgenutzt werden könnten. Doch auch wenn die Bayern hoch anliefen, waren sie nicht immer so überzeugend wie in der Vergangenheit. Letztendlich lief der Pokalabend aber so ab, wie man es sich von einem Favoriten erwartet. Die Münchner waren nicht nur die bessere Mannschaft, sondern gewannen auch hoch. Mit etwas mehr Zielwasser hätte das Ergebnis sogar höher ausfallen können.

FC CARL ZEISS JENA – FC BAYERN 0:5 (0:3)
Carl Zeiss Jena Koczor – Kühne (73. Zeqiri), Klingbeil, Gerlach, Krstic – Bock (56. Buval), Erlbeck, Eismann, Schlegel – Thiele, Starke
Bank Schmidt, Mergel, Wolfram, Reimann, Cros
FC Bayern Neuer – Rafinha, Martinez (51. Hummels), Alaba, Bernat – Vidal (77. Benko), Lahm, Kimmich – Müller, Lewandowski, Ribéry (66. Green)
Bank Ulreich, Feldhahn, Dorsch, Öztürk
Tore 0:1 Lewandowski (3.), 0:2 Lewandowski, 0:3 Lewandowski (44.), 0:4 Vidal (72.), 0:5 Hummels (77.)
Karten Gelb: Kühne, Eismann / –
Schiedsrichter Harm Osmers (Hannover)
Zuschauer 19.000 (ausverkauft)

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