“Nie wieder”: Erinnerungskultur. So wichtig.

Justin Trenner 27.01.2021

Erinnerungskultur. So wichtig. Heute ist der 27. Januar 2021. Vor exakt 76 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee der Sowjetunion befreit. Der Zweite Weltkrieg befand sich bereits in seinen letzten Zügen und hatte eine unvorstellbar hohe Anzahl an Menschenleben gefordert – manche Schätzungen gehen von bis zu 80 Millionen aus.

Ich erinnere mich an meine Schulzeit zurück, in der das Thema große Teile des Geschichtsunterrichts einnahm. Als Jugendlicher bist du schnell genervt von der Schule und dem, was du tagtäglich lernen und dir einprägen sollst. Auf Exkursionen, so ehrlich muss ich sein, war ich nie der Schüler, den Lehrer*innen gern dabei hatten. Doch eine verschlug selbst mir die Sprache.

Wir waren zu Besuch im Konzentrationslager in Sachsenhausen. An keinen Schulausflug kann ich mich besserer erinnern, als an diesen. Sei es die Gaskammer, die Unterbringung der Insassen in viel zu kleinen Räumen und Betten oder eine Wand, an der Menschen reihenweise erschossen wurden. Von tagelangen Märschen, die ihr Ende im Tod fanden, wurde uns ebenso berichtet wie von der Gnadenlosigkeit, mit der Familien auseinandergerissen wurden.

Mir kamen mehrfach die Tränen, ich konnte nicht begreifen, wie Menschen zu so etwas in der Lage waren. Kein Film, keine Unterrichtsform und kein Lehrbuch konnten mir die Bedeutung dessen, was in Sachsenhausen und einigen weiteren Vernichtungslagern vor sich ging, so verdeutlichen, wie dieser Besuch. Alles war plötzlich so nah und greifbar. Doch gleichzeitig war es immer noch fern. Der Zweite Weltkrieg ist ein Produkt eines unvorstellbaren Menschenhasses.

Unser “Happyland” und die Bedeutung

Wir – und damit sind folgend Menschen wie ich gemeint, die das Privileg genießen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, wann immer sie Lust dazu haben, beispielsweise in diesem Artikel anlässlich eines Erinnerungstages – wir können den Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und viele weitere menschenfeindliche Einstellungen und Ideologien führen – oder auch nicht. Betroffene können sich diese Freiheit nicht nehmen.

Für sie ist dieser Menschenhass nach wie vor Alltag. Nur, weil wir in einer offeneren Gesellschaft aufwachsen als jene Menschen vor 76 Jahren, sind die Probleme nicht behoben. Die Autorin Tupoka Ogette schreibt in ihrem Buch “exit RACISM” von einem Konstrukt, das sich “Happyland” nennt.

Happyland ist eine Welt, in der Rassismus das Vergehen der Anderen ist. Im Happyland wissen alle Bewohner*innen, dass Rassismus etwas Grundschlechtes ist. Rassismus ist NPD, Baseballschläger, Glatzen und inzwischen auch die AfD. […] Hinzu kommt, dass man in Happyland davon ausgeht, dass Rassismus etwas mit Vorsatz zu tun hat. Damit man etwas rassistisch nennen kann, muss es mit Absicht gesagt oder getan worden sein. Eine Wirkung, die der Verursachende desselben nicht beabsichtigt hat, liegt entsprechend nur im Auge des Betrachters und der Verursachende trägt keinerlei Verantwortung dafür.Tupoka Ogette: exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen, Unrast 2017.

In Happyland ist Rassismus stets das Vergehen des Gegenübers. Happyland ist ein Grund dafür, dass weiße Menschen sich sofort in eine Verteidigungshaltung begeben, sobald sie des Rassismus beschuldigt werden.

Alltags-Rassismus wird zu wenig reflektiert

Die Mechanismen sind uns nicht erst seit den Vorfällen rund um Clemens Tönnies, Steffen Freund oder jüngst Marcel Reif bekannt. Statt sich der Problematik der jeweiligen (sehr unterschiedlichen) Äußerungen bewusst zu machen, greifen Verteidigungen und nicht selten eine Täter-Opfer-Umkehr. Dabei geht es gar nicht darum, diese Menschen bloßzustellen oder sie in eine Schublade zu stecken, aus der sie nie wieder herausgeholt werden dürfen.

Rassismus wird oft als derart schwerwiegende Anschuldigung verstanden, dass Beschuldigte nur noch einen Ausweg in Rechtfertigungen und Selbstverteidigung sehen. Dadurch wird eine angemessene Reflektion erschwert. Dabei sollte es ausschließlich darum gehen, rassistische Denkmuster zu erkennen und zu hinterfragen. Ist Freund also generell ein Rassist, wenn er im Doppelpass abwertend über Menschen anderer Herkunft spricht? Nicht zwingend. Aber er reproduziert in diesem Moment Klischees und rassistische Denkmuster, die es zu reflektieren gilt. Zumal es genauer betrachtet gar nicht so verwunderlich ist, dass wir rassistische Denkmuster reproduzieren. Entscheidend ist der Umgang damit.

Erinnerungskultur und das sich ständige Bewusstmachen dessen, was Menschenhass in seiner extremsten Form bewirken kann, bedeutet aber auch, sich den Anfängen und Wurzeln dessen bewusst zu machen. Es bedeutet, zuzuhören, wenn Betroffene reden. Es bedeutet, zu reflektieren, wenn beispielsweise auf Rassismus hingewiesen wird.

Auch der FC Bayern erinnert sich (mittlerweile)

Rassismus ist nicht ausschließlich explizit. Rassismus betrifft vor allem Machtstrukturen, die aus Jahrhunderten der Unterdrückung entstanden und bis heute vorhanden sind – und von denen ich beispielsweise in den allermeisten Lebenslagen profitiere. Für mich geht es deshalb nahezu tagtäglich darum, mich meiner Privilegien bewusst zu machen und eine Sensibilität dafür zu entwickeln, dass Menschenhass nicht aus der Welt ist, weil es im Happyland kein Problem ist.

Der FC Bayern München wirbt anlässlich des Erinnerungstages im deutschen Fußball abermals mit der Kampagne “Mia san bunt!” Viele der Kommentare in den sozialen Netzwerken zeigen eindrucksvoll, wie sehr wir uns mitunter in unserem Happyland befinden. Dass der Klub sich in den letzten Jahren immer mehr mit seiner gesellschaftlichen Verantwortung auseinandersetzt, ist aber auch ein Positivbeispiel dafür, dass wir alle einen Beitrag zur Veränderung leisten können.

Beim FC Bayern sind es vor allem Fan- und Ultragruppierungen, die dafür gesorgt haben, dass der Klub sich nicht nur an seinen jüdischen Ehrenpräsidenten Kurt Landauer erinnert, sondern auch immer aktiver für die Werte einer modernen, offenen und toleranten Gesellschaft wirbt – was an dieser Stelle vor allem als Würdigung des Fanengagements verstanden werden soll. Dass auch innerhalb des Klubs der Weg noch sehr weit ist, um von einer Umsetzung dieser Werte zu sprechen, wurde nicht erst durch den Rassismus-Skandal am Campus deutlich, der immer noch weiterer Aufklärung bedarf, sondern unlängst auch an der komplizierten Zusammenarbeit mit Katar.

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Es liegt an uns

Wir haben die Wahl: Machen wir von unseren Privilegien Gebrauch? Und reicht es uns, dass wir uns vermeintlich nichts zu Schulden kommen lassen? Wir sind tolerant und für den Rest können wir nichts? Toleranz bedeutet in meinen Augen, nicht ignorant zu sein. Toleranz bedeutet für mich, sich trotz der Privilegien immer wieder für jene einzusetzen, die sich nicht zurückziehen können. “Alle Menschen sind gleich” genügt vielen, wenn sie auf ihre Meinung zu dieser Thematik angesprochen werden. Wir können das so einfach sagen. Für viele Bevölkerungsgruppen gilt das aber nicht.

Auch das ist für mich Erinnerungskultur. 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz mögen wir als Gesellschaft zwar weiter sein als damals. Aber weit genug sind wir noch lange nicht. Bis wir Happyland verlassen haben, werden noch viele weitere Jahre vergehen. Erinnerungskultur ist kein Tragen einer Schuld, die wir nicht mehr zu verantworten haben. Sie verdeutlicht aber die Verantwortung, den Entwicklungsprozess zu beschleunigen, überhaupt mitzugehen und das, was passiert ist, nie wieder möglich zu machen. Deshalb ist sie so wichtig. 

Abschließend möchte ich die Bücher von Alice Hasters (“Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten) und der bereits zitierten Tupoka Ogette (“exit RACISM: rassismuskritisch denken lernen”) empfehlen. Beide Bücher sind auch bei gängigen Streamingplattformen als Hörbücher verfügbar und waren für mich ein Wendepunkt, an dem ich nochmal mehr über mich, meine Sozialisierung und viele weitere Aspekte nachgedacht habe.

Außerdem empfehlenswert: Max Czolleks „Desintegriert euch“.



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  1. Wie geht man im Alltag damit um? Gar nicht so einfach, wie folgende nicht mehr taufrische Erfahrung zeigt: als auf Bolzplätzen noch viel los war, ging ich mit meinem – heute längst erwachsenen – Sohn öfter auf einen in der Nähe gelegenen. Da waren dann schon einige Jungs am Kicken, und wir gliederten uns ein. Der größte und mit Abstand beste Spieler beschimpfte einen kleinen polnischen Mitspieler permanent als “Polackenschwein”. Ich stellte ihn zur Rede und fragte ihn, wie er es wohl fände, wenn er als Deutscher mit solchen Attributen attackiert würde. Er meinte, sich das nicht bieten lassen zu müssen, schon deshalb weil er vor uns auf dem Platz gewesen sei. Ich erklärte ihm, dass dieses Argument komplett an der Sache vorbeiging. Daraufhin verließ er den Platz und forderte seine Leute auf, sich auf die gleiche Weise gegen mein übergriffiges Verhalten zu wehren. Das taten sie dann auch großteils und zogen wütend ab; besonders böse guckte der kleine Pole, der sich der Horde anschloss. Ich konnte es verstehen, denn vermutlich wurde es für ihn durch mein Vorgehen nicht leichter. Aber welche Alternativen hatte ich? Zumindest mein Sohn hatte die Lektion – sofern es ihrer bedurfte – ein für allemal begriffen.

  2. Teilmenge nennt man das wohl. Einerseits war der kleine Junge das “Polackenschwein”, andererseits Teil dieser fußballspielenden Gruppe. Jeder von uns besteht aus vielen psychischen, soziologischen und funktionalen Identitäten (als Autofahrer ist man mit Fußgängern konfrontiert, als Fußgänger mit Autofahrern – wechselnde Gefühlsdispositionen inbegriffen). Daher ist es wichtig, sich bewußt zu werden, aus welcher Position man an welchem Diskurs teilnimmt.

    Was Buchempfehlungen betrifft, würde ich auch “Helga Kotthoff/Damrais Nübling: Genderlinguistik” empfehlen. Auf eindrückliche Weise wird hier dargestellt, wie tief Sprache unser Geschlechterbewußtsein beeinflußt.

  3. Was ich mit der Buchempfehlung eigentlich ausdrücken wollte: Wir sind nicht nur “aus Versehen” rassistisch, sondern auch sexistisch; ich erinnere nur an die Bezeichnung “Fräulein”. “Das” Fräulein. Als ob eine nicht verheiratete, kinderlose Person keine Frau wäre, sondern eine Sache. “Das” Mädchen: sachlich, “der” Junge: schon in seiner Kindheit ein, zumindest sprachlich, “richtiger” Mann …
    … von einer Pejorisierung der Bezeichnungen “Weib” und “Dirne” mal ganz abgesehen.

    Antwortsymbol5 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Dazu sollte man allerdings zumindest anmerken, daß im Deutschen das grammatische Geschlecht eines Wortes, im Volksmund auch “Genus” genannt, eigene Bildungsregeln hat, die mit dem Geschlecht der Person, die dadurch bezeichnet wird, nur sehr lose bzw gar nicht verknüpft sind. “Mädchen” und “Fräulein” sind Diminuitive, die allesamt grammatisch neutral sind, ebenso wie das “Herrchen”, das “Eichhörnchen” oder das kleine “Dorfschulmeisterlein”. Den nicht gegebenen Zusammenhang erkennt man z.B. an “Individuum”, “Person”, “Mensch”, “Kind”, “Fachkraft”, “Genie”, “Koryphäe” (oder auch “Einwohner”…). Hinter “Das Mädchen” Sexismus zu verorten, halte ich nicht für vernünftig begründbar. Bei “Fräulein” ist das freilich etwas anders, allerdings nicht aufgrund des Genus (dafür sind wir den Begriff ja auch inzwischen weitgehend losgeworden).

      Und ist beim Bedeutungswandel von “Weib” nicht eher eine allgemeine Aufwertung des Weiblichen der Grund gewesen? In dem Sinne. daß auch der durchschnittliche weibliche Bevölkerungsteil zur “Frau” (also “Herrin”) geworden ist, während der Mann ein solcher blieb? Wie auch immer, das Pendant zur Pejorisierung von “Weib” scheint mir der “Kerl” zu sein, der inzwischen auch deutlich negativer belegt ist, als der “echte Kerl” von früher. Dies nur als Beispiel dafür, daß die mediale Zweiteilung der Geschlechter hierzulande in “Mann = privilegiert” und “Frau = diskriminiert” zu einfach und teilweise auch schlicht falsch ist. Diese Simplifizierung wird meiner Ansicht nach weder den Frauen noch den Männern gerecht.

      Ich habe übrigens “exit Racism” gelesen, und halte das Buch für nicht besonders gut. Ich teile nur eher wenig der Schlußfolgerungen/Handlungsempfehlungen, die dort formuliert werden. Nicht, weil Rassismus in der Gesellschaft nicht präsent wäre, sondern weil ich die Argumentation für ziemlich falsch halte. Und weitgehend kontraproduktiv, wobei es im Vergleich zu “Deutschland schwarz-weiß” von Noah Sow immerhin schon etwas (aber nicht viel) besser geworden ist. Das im Artikel genannte “Happyland”-Konstrukt ist in seiner Basis richtig – als Mitglied der Mehrheitsgesellschaft hat man es in der Tat deutlich einfacher denn als Teil einer (zumal äußerlich erkennbaren) Minderheit. Darüber hinaus wird es aber schon dünner, auch der Abschnitt oben enthält sich ein wenig der Differenzierung, auch dort wo sie notwendig wäre.

      Leider ist es auch so, daß die Diskussion über diese Themen nicht nur in Internet-Foren schwierig bis unmöglich ist, inzwischen ist die Auseinandersetzung auch im realen Leben so vermint, daß es meist besser ist, das Gespräch zu meiden. Was ja auch ein wenig schade ist. Im inhaltlichen Ergebnis unterscheiden wir uns wohl eh nicht – Aussagen, die z.B. dunkelhäutigen Fußballern allgemein Körperlichkeit oder taktische Defizite bescheinigen sind so rassistisch wie unsinnig. Es wäre angenehm, solche falschen Klischees zu überwinden. (und “dunkelhäutig” ist laut “exit racism” auch bereits rassistisch, eine Einschätzung, die ich nicht teile)

      1. Also, Grundsätzlich sind wir einer Meinung (auch wenn ich Deine Anmerkung bezüglüch des Themas Mann/Frau nicht so ganz teile – aber Diskussionen, wenn sie sachlich geführt werden, bringen uns ja weiter).

        “Dunkelhäutig” wird deshalb als rassistisch bewertet, weil ein Mensch auf Grund seiner äußeren Erscheinung von anderen Menschen unterschieden wird. Schwieriges Thema, da auch viel Ideologie im Spiel ist (man soll also die Hautfarbe “ignorieren” sozusagen; das ist der ideologische Stand der Rasissmusdebatte).

        Und, falls Du es noch nicht weißt, die Dichotomie zwischen Mann und Frau gibt es auch nicht, die ist ausschließlich kulturell konstruiert – : ) … (nachzulesen nach bei Judith Butler )

      2. @ jjs:
        Wenn jede Benennung eines Unterschieds am Ende eine Diskriminierung darstellt, wird es absurd.

        Eine gute Freundin meiner Frau heiratete ihre Lebensgefährtin. Eines Tages berichtete meine Frau mir, die beiden wollten nicht als lesbisches Paar gesehen werden, denn in erster Linie handle es sich um die Liebe zwischen zwei Menschen. Ich schlug meiner Frau dann vor, sie solle von nun an mein Mensch sein – ein Vorschlag, der nicht die erhoffte Resonanz erzielte. ;-)

      3. Die Argumentation, daß die Hautfarbe ignoriert werden sollte, ist nicht komplett von der Hand zu weisen, ich glaube aber nicht, daß man sie durchhalten kann. Äußerlich sichtbare Phänomene werden sich immer auch in der Sprache wiederfinden, das läßt sich nicht vermeiden. Wenn man ein Wort “verbietet”, wird sich ein anderer Begriff etablieren. Das Ziel sollte sein, daß niemand aufgrund dieser sichtbaren Unterschiede anders behandelt oder bewertet wird. Das ist allerdings sehr viel schwieriger zu erreichen, als den Sprachgebrauch zu ändern.

      4. Meines Wissens sind die Begriffspaare im Deutschen “Mann/Weib” und “Herr/Frau”, wobei “Herr/Frau” die jeweilige Anrede ist. Wer also auf die Anrede “Frau” als Geschlechtsbezeichnung besteht, müsste konsequenterweise auch beim Mann auf “Herr” als Geschlechtsbezeichnung bestehen, was mich z. B. nicht männlich, sondern herrlich machen würde. ;-)

  4. Rassismus entsteht durch Erziehung.
    Gerade in Sportvereinen wird schon zwangsläufig da dagegen gewirkt.
    Als mein Sohn damals in dern Fußballverein ging und in der F-Jugend spielte, gab es in der Mannschaft von Deutschen über Türken, Italiener, Russen, Kroaten, Pakistani eine bunte Mischung, die sinnigerweise von Cengis, dem türkischen Trainer trainiert wurde.
    Und in den diversen Mannschaften, gegen die man dann antrat, sah es doch nicht anders aus.

    Und wenn dann noch der türkische Trainer den Kroaten aufstellt, weil der eben besser war als der Türke und der Deutsche, dann erkennen die Jungs das an. Und wenn die Eltern das auch noch so sehen, hat sich bei den Jungs das Kapitel Rassismus im Verein schon mal von selbst erledigt.
    Und in der Schule ist es doch auch nicht anders, solange nicht von außen dort negativ eingewirkt wird.

    Im Kindergarten meines Sohnes gab es die “Geschwister Fürchterlich”, die waren berühmt und berüchtigt.
    Ein deutscher Junge, meiner; ein türkischer Junge; eine Thai – nur dummes Zeug im Kopf.
    Mittlerweile sind alle drei erwachsen, haben Familie und haben bis heute nach über 30 Jahren immer noch Kontakt miteinander.
    Rassismus? – für die ein Fremdwort.

  5. So wichtig. Man darf nicht schweigen, wenn Verantwortliche und Spieler unseres Vereins verunglimpft werden, nur weil sie aus Südosteuropa kommen. Nein Zu Kovacic, Hassan, Hassan-Hansel, und ähnlichen rassistischen Beleidigungen. Wer das ignoriert, sollte mal nachdenken.

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    1. Beleidigungen und Hetzkampagnen gegen Verantwortliche und Spieler unseres Vereins? Ach pfeif drauf, halb so schlimm, alles pillepalle, das müssen die aushalten.
      Wir denken groß.

  6. Vielen Dank für die Internet-untypisch unpolemischen Kommentare und Beiträge zu diesem schwierigen Thema. Es ist schön, dass man auch auf einer Fußballseite kluge Beiträge und respektvoll geführte Diskussionen lesen kann, die trotzdem z. T. unterschiedliche Standpunkte vertreten.

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    1. Dem schliesse ich mich an. Trotz Rückschlägen wie bin ich immer noch der Meinung, dass gerade in diesem Bereich schon immense Fortschritte gemacht wurden und das sehr schnell, wenn man in historischen Dimensionen denkt (die Digitalisierung beschleunigt Prozesse immens). Gerade bei älteren Generationen muss man sich immer vergegenwärtigen in welchen Zeiten sie aufgewachsen sind.

      1. Eines unserer Probleme ist aber auch, dass man auch alles übertreiben kann. Und im 350%igen ist der Germane nun einmal Weltmeister. Wenn man sich ansieht, wie weit diese zum Teil auch völlig falsch verstandene Gleich- und Rechtmacherei zum Teil geht und welche Blüten das treibt, wird es schon wieder fast lustig.
        Wenn in Kiel von den diversen Herrschaften im Stadtrat gefordert wird, dass der Cafebesitzer den seit ewigen Zeiten existierenden Namen seines Cafes “Zum Mohrenkopf” ändert, wel dies ja nun heutzutage gar nicht geht, Ist das das Eine. Wenn der Besitzer dies aber vehement ablehnt und das als Unverschämtheit empfindet und dagegen klagen will, ist es das Andere. Rassismus – berücksichtigt man dabei, dass der Besitzer des Cafes ein Herr aus Ghana ist, sollte man sich vielleicht die Frage stellen, ob man es hier nicht übertreibt.

        Wenn man feststellt, dass die Bezeichnung Professor doch etwas einseitig ist, kann man dem folgen. Wenn man allerdings wie in Kassel von der Forderung hört, dass sich der “Herr Professor” gefälligst als Professorin ansprechen lassen soll/muss, darf man sich nicht wundern, wenn das keiner mehr ernst nimmt.

        Spätestens wenn sich bei den diversen “Rassismusvorfällen” Personen dieser “diskriminierten” Volksgruppe – um es mal neutral zu beschreiben – zu Wort melden und diese “Vorfälle” als völlig albern bezeichen, wird es problematisch. Wenn eine bestimmte Personengruppe stolz auf ihren Status und ihre Bezeichnung ist und damit an die Öffentlichkeit geht, wird es unter Umständen problematisch, genau diese Bezeichnung, wenn sie benutzt wird, als rassistsch oder diskriminierend zu bewerten.

        Was zudem in der ganzen Diskussion oft völlig übersehen wird, ist ein Wertewandel der in der Gesellschaft vor sich geht. Die Rolle, die in der heutigen Gesellschaft das Individuum spielt, hast es früher nicht gespielt. Früher zählten andere Werte wesentlich mehr – die Gemeinschaft, die Familie über die Generationen, der Zusammenhalt das füreinander einstehen und verantwortlich fühlen – der Einzelne kam erst in zweiter Linie.
        Und wenn die eigene Gemeinschaft an erster Stelle steht, ist – ohne das negativ zu werten – erst einmal JEDER der nicht zur eigenen Gemeinschaft gehört, außen vor.
        In vielen Regionen kann man das heute noch beobachten, wo der Zugezogene selbst nach Jahren und Jahrzehnten immer noch nicht wirklich dazugehört. Gleichzeitig wird aber gerade in Großstädten die Anonymität beklagt.
        Heute steht das Individuum an erster Stelle und fordert seine Rechte ein – und auch das führt dazu, dass es mehr Auseinandersetzungen gibt, weil eben jeder auf seinen Rechten besteht.
        Und auch dieses immer Recht haben wollen, treibt entsprechende Blüten. Und das grundsätzliche Recht beanspruchen, bedeutet im Umkehrschluß die Verteidigung einer eigenen Position der Stärke. Und die eigene Position der Stärke setzt voraus, dass die “Gegenseite ” schwächer ist. Letztlich wird damit unterschwellig der Gleichheitsgrundsatz außer Kraft gesetzt – Ich bestehe auf meinem Recht, ich bestimme, was richtig ist oder besser, was ich für richtig halte, ist richtig.
        Und genau das führt zu immer neuen Konflikten.

      2. @Anton Ja, stimmt. Ich lebe in Brasilien und dort ist Rassismus natürlich auch ein grosses Thema. Die Diskussion ist aber wesentlich “geerdeter”.

      3. Es gibt kein Land, in dem Rassismus kein Thema ist. Das liegt zum einen in der nationaalen Herkunft und zum anderen in der Geschichte begründet.
        Aber es ist eben eine Frage, ob man damit wie du sagst geerdet umgeht oder eben hysterisch.

  7. Am einen Ende der Skala der Möglichkeiten des Umgangs mit dem Spannungsfeld “Behauptung des Eigenen versus Anerkennung des Fremden” findet sich das aktuelle Phänomen der “Cancel Culture”; an anderen Ende der gerade veröffentlichte Briefwechsel zwischen dem jüdischen Lyriker Erich Fried und dem damals – in den 80ern – führenden Neonazi Michael Kühnen (Thomas Wagner: “Der Dichter und der Neonazi”).

  8. Passt gerade hierzu
    Zum Glück hat der FCB nicht solche Leute als Fans

    Man Utd ‘disgusted’ at racial abuse sent to Axel Tuanzebe and Anthony Martial

    https://www.bbc.com/sport/football/55813101

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Lang leben die 70er Jahre
      “https://www.tz.de/sport/fc-bayern/fc-bayern-muenchen-david-alaba-transfer-dayot-upamecano-real-madrid-rb-leipzig-90184276.html#idAnchComments”

  9. Ich denke, entscheidend ist beim Thema Rassismus folgendes:

    – Wir sollten uns dem Thema stellen und anerkennen und uns eingestehen, dass fast jeder gelegentlich rassistisch denkt und redet; verschieden häufig und verschieden (oft auch gar nicht) motiviert, aber fast niemand ist komplett davor gefeit. Tut kurz weh die Erkenntnis, ist aber sehr hilfreich.
    – der zweite Schritt, WENN wir was ändern und die Welt zu einem besseren Ort machen wollen (was für mich ein schöner Lebenssinn ist, muss man aber nicht so sehen, kann jeder halten wie er will, dann ist hier aber auch schon Schluss gedanklich), könnte sein, für sich zu entscheiden, dass das nicht gut ist, also das rassistische Denken.
    – hilfreich ist auch, darüber nachzudenken, dass man rassistisch denken und auch – ohne Nachzudenken – etwas rassistisches sagen / schreiben kann, ohne Rassist (was für mich eine bewusste, intellektuell gestützte Absicht impliziert) zu sein, sondern “aus Versehen”. Man darf Fehler machen, jeder, überall. Wichtig ist mmN ein Bewusstsein, ein Erkennen, idealerweise der Wunsch, es zu ändern. Weil es andere diskriminiert, ihnen weh tut, in Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und Gewalt münden kann und wird
    – entscheidender Schritt wäre dann, aktiv daran zu arbeiten, Vorurteile zu überprüfen und abzubauen, sich zu bilden, zu fragen, zu diskutieren, sich zu hinterfragen, ohne zu verkrampfen, und Denkweisen aktiv zu ändern, Dinge anzusprechen, aber halt auch Unsicherheiten zuzugeben und zu akzeptieren, dass es nicht einfach ist und es nicht nur einen Weg geben wird.

    Sprache ist auf jeden Fall ein entscheidender Faktor, denn diese bildet nicht nur die Gedanken ob, sondern prägt, formt und beeinflusst diese in höchstem Maße.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
  10. Oh weia, was ein schwieriges Thema. Ich kann vielen Argumenten hier folgen, auch der Ansicht, dass Sprache einen großen Einfluss im Alltag nimmt. Nur tue ich mich immer schwer mit den Schlussfogerungen, dass man die Sprache deswegen tiefgreifend verändern muss. Zum einen, weil das Denken in den Köpfen deswegen nicht anders wird (bei denjenigen, die diese Denkweise nicht tolerieren). Zum anderen, weil es in der Folge zu Absurditäten kommt, nur um damit teilweise recht kleinen Gruppen gerecht zu werden. Damit meine ich nicht, dass man bestimmte Begriffe nicht mehr verwenden sollte (“Neger” ist einfach kein akzeptables Wort), sondern eher verrückte Ideen wie die oben angesprochene “Professorin” oder das Gendersternchen (“Professor*innen”). Wir reden hier zum Teil über relativ kleine Gruppen, die sich in einem Sachverhalt von anderen Menschen unterscheiden, aber nun in der Sprache Berücksichtigung finden sollen. Und da beginnt für mich das Problem. Ab wann ist diese Berücksichtigung gerechtfertigt?

    Mit Sprache beschreiben wir immer die von uns wahrgenommene Realität und reduzieren dabei Komplexität – das ist notwendigerweise immer der Fall. Und dabei sollte man sensibel mit Begriffen umgehen, aber sich auch eingestehen, dass das nicht immer gelingen kann und wird, eben weil Komplexität reduziert wird. Je größer die Gesamtgruppe wird, über die gesprochen wird, desto schwieriger ist es dann auch, die Vielfalt in dieser großen Gruppe sprachlich angemessen zu berücksichtigen. Wir sprechen ja z.B. über Eltern und Kinderlose ohne dabei die ungewollt Kinderlosen oder ungewollt zu Eltern gewordenen Menschen separat hervorzuheben, obwohl die Personen dann der einen oder anderen Gruppe zugeordnet werden. Dabei wäre es diesen Subgruppen vermutlich sehr wichtig, besonders betrachtet zu werden, wenn Diskussionen über Elternschaft/Kinderlosigkeit (z.B. bei Elterngeld, Pflegebeiträge, was auch immer) laufen. Machen wir aber nicht, wir haben dafür kein gesonderten Begriff o.Ä. (wie z.B. das Gendersternchen).

  11. […] der Woche nach dem Tag zur Erinnerungskultur stellen wir euch einmal ausführlich die Kurt Landauer Stiftung vor, die sicherlich vielen Lesern […]

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