Kommerz, Langeweile, wirtschaftliche Fragilität – Der Salary Cap als Allheilmittel?

Alexander Trenner 10.05.2020

Mit dem Stillstand des Fußballs ist ein ungeahntes Interesse für seine wirtschaftlichen Zusammenhänge entstanden. Die offenkundige wirtschaftliche Fragilität des Profifußballs ebenso wie die Spielergehälter, deren enorme Höhen in der Krise besonders deutlich hervorstechen, sind ein wiederkehrendes Thema in der öffentlichen Debatte. Im Zuge dessen gerät auch die sportliche Ungleichheit zwischen den Vereinen und die Eintönigkeit der Bundesliga als sportlicher Wettbewerb, die eine direkte Konsequenz der wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Vereinen ist, wieder stärker in den Blick.

Als ein Mittel, allen oder zumindest einigen dieser Probleme zu begegnen, wird unter Fans und Experten seit einigen Wochen die Einführung einer “Salary Cap”- einer Gehaltsobergrenze – im Profifußball diskutiert. In diesem Artikel möchte ich mich damit auseinandersetzen, ob die Einführung einer Salary Cap im europäischen Fußball möglich wäre und inwiefern er bei den genannten Kritikpunkten Abhilfe schaffen könnte. Bevor ich darauf zu sprechen komme, widme ich mich eingangs kurz der Darstellung der Problemlage zur Motivation des Themas.

Die Probleme des Fußballs im Corona-Brennglas

Die wirtschaftliche Seite

In den letzten Wochen sah sich der Profifußball wiederholt der Kritik eines unverantwortlichen und wenig nachhaltigen Wirtschaftens ausgesetzt, das so auf Kante genäht sei, dass schon der kleinste Stolperstein genügte, den instabilen Goliath zu Fall zu bringen. Diese Kritik entzündete sich beispielsweise daran, dass der Profifußball so strukturiert ist, dass viele Vereine trotz immens hoher Einnahmen in der Vergangenheit jetzt in der Krise nicht ohne weiteres in der Lage sind, einige Monate am Stück ohne Einnahmen wirtschaftlich zu überleben.

Nicht immer ist diese Kritik sachlich gerechtfertigt, aber in der Tat weist der Profifußball einige ökonomische Besonderheiten auf, die ihn in der aktuellen Corona-Krise anfälliger machen als andere Wirtschaftszweige.

So gibt es beispielsweise aufgrund der 50+1 Regel und dem UEFA Financial Fair Play (FFP) in Deutschland nicht die Möglichkeit, dass ein gönnerhafter Investor mit einer Finanzspritze seinem Club über kurzfristige Liquiditätsengpässe hinweghilft. Zum einen gibt es solche Investoren im deutschen Fußball in der Regel nicht, zum anderen würde, selbst wenn es sie gäbe, das UEFA FFP diesem Vorhaben einen Riegel vorschieben. Bei vielen Vereinen ist es sogar so, dass sie noch gänzlich als eingetrager Verein konstituiert sind und ihren Spielbetrieb nicht in eine rechtlich eigenständige Kapitalgesellschaft ausgegliedert haben. In der 1. Bundesliga betrifft dies Union Berlin, Fortuna Düsseldorf, FSV Mainz 05, SC Freiburg und den FC Schalke 04. Für diese Vereine wäre eine Insolvenz besonders fatal, weil sie wirtschaftlich und rechtlich unter Umständen auf einzelne Vereinsmitglieder durchschlagen könnte, die dann mit ihrem gesamten Privatvermögen für die Verbindlichkeiten ihres Vereins haften müssten.

Eine anderes Spezifikum des Profifußballs ist es, dass ein substantieller Anteil der Einnahmen der Vereine in Form von Personalaufwand für einen sehr begrenzten Kreis von Personen aufgewendet wird, nämlich die Top-Funktionäre und vor allem die Spieler. Je nach Verein und Liga betragen die Aufwendungen allein für den Spielerapparat zwischen einem Drittel und in Einzelfällen sogar mehr als 100% des gesamten Umsatzes. Bei den Bayern beispielsweise betrug das Spielergehälter/Umsatz-Verhältnis im Geschäftsjahr 2018/19 gut 40%, im Schnitt der Bundesliga insgesamt waren es gut 35%. Zum Vergleich: In der englischen Premier League lag dieses Verhältnis im selben Zeitraum bei durchschnittlich 64% und in der zweiten englischen Liga sogar bei mehr als 100% (!).

Aufgrund dieser Besonderheit ist der Profifußball auch viel weniger empfänglich für das wohl einschlägigste Mittel der staatlichen Hilfe in der aktuellen Corona-Krise, die Kurzarbeit, von der zur Zeit hunderttausende Unternehmen mit Millionen von Mitarbeitern Gebrauch machen. Man kann keinen Robert Lewandowski in Kurzarbeit Null schicken und ihm die Differenz zu max. 67% seines vollen Nettogehalts vom Staat aufstocken lassen. Der maximale Zuschuss ist bei ca 4.600 € gedeckelt und Kurzarbeit bedarf außerdem der Zustimmung des Betroffenen. In Anbetracht der weit jenseits dieser Grenze liegenden Spielergehälter in der ersten und zweiten Bundesliga fällt dieser ansonsten sehr populäre staatliche Rettungsweg für den Profifußball weg.

Die sportliche Seite

Die hohen Spielergehälter sind nicht nur aus wirtschaftlicher Perspektive ein potenzieller Stolperstein in der Krise, sondern werden von vielen Fans auch aus anderen Gründen kritisch beäugt.

Zum einen ist es so, dass die zunehmende Spreizung der Ausgaben für Spielergehälter unter den Vereinen auch zu einer Spreizung ihrer sportlichen Erfolgschancen geführt hat, da beide Faktoren empirisch sehr stark zusammenhängen. Wer mehr Geld in seinen Spielerapparat investieren kann, ist sportlich erfolgreicher.

Eigentlich sieht daher das europäische Fußballligen-System das Mittel des Auf- und Abstiegs vor, um unter den Vereinen innerhalb einer Liga zumindest weitgehende sportliche und wirtschaftliche Wettbewerbsgleichheit herzustellen. Ist ein Verein für eine bestimmte Liga zu schwach, steigt er in die nächsttiefere ab, ist er zu stark, steigt der in die nächsthöhere auf. So ist gewährleistet, dass die Vereine, die sich innerhalb einer Liga begegnen, immer alle ungefähr gleich stark sind. Dieses System kommt logischerweise in der jeweils höchsten Spielklasse eines Landes an sein Ende. Oberhalb der Bundesliga gibt es keine höhere Liga mehr, in die die eigentlich zu starken Vereine, die Bayerns und die BVBs dieser Welt, noch aufsteigen könnten.

Schlimmer noch, in einem sich selbst verstärkenden Zyklus öffnet ihnen ihr sportlicher Erfolg die Tore zu weiterem wirtschaftlichen Erfolg, der ihnen dann wiederum weiteren sportlichen Erfolg ermöglicht usw. Somit werden die großen Vereine immer noch größer und bleiben für immer an der Spitze ihrer Ligen kleben, von der sie praktisch nicht mehr verdrängt werden können. Ergo ist ein sportlich fairer Wettbewerb in der Bundesliga und in vielen anderen höchsten Spielklassen Europas schon lange nicht mehr gegeben. Viele Fans beklagen die daraus entstehende Vorhersagbarkeit und Eintönigkeit des Profifußballs, den sie als zutiefst langweilig und spannungsarm empfinden und drängen darauf, dass wieder mehr sportliche Chancengleichheit zwischen den Vereinen hergestellt werden muss. 

Die moralische Seite

Die Fans beklagen nicht nur die sportliche Langeweile, sie sehen auch die in den letzten Jahren in immer astronomischere Höhen gestiegenen Transferausgaben und Spielergehälter, die mittlerweile bei größeren Vereinen problemlos den zweistelligen Millionenbereich pro Jahr erreichen können, als eine Perversion und mit Blick auf die Gesamtgesellschaft moralisch nicht vertretbaren Auswuchs eines bis zur Unkenntlichkeit durchkommerzialisierten Sports an, der sich von seinen ursprünglichen Wurzeln und Traditionen weit entfernt hat.

Die Diskussion um Kommerzialisierung und Moral des Fußballs, die vor der Corona-Krise unter verschiedensten Aspekten vornehmlich von kritischen Fans geführt wurde, hat inzwischen ihren Weg in den Mainstream der Fußballöffentlichkeit gefunden.

Lässt sich eine Salary Cap im deutschen Profifußball einführen?

Als ein Mittel, allen oder zumindest einigen der drei geschilderten Probleme zu begegnen, wird unter Fans und Experten seit einigen Wochen die Einführung einer “Salary Cap”- einer Gehaltsobergrenze – im Profifußball diskutiert. Der Salary Cap ist eine von mehreren Methoden, mit denen in den Ligensystemen der vier großen amerikanischen Teamsportarten, NFL, NBA, MLB und NHL, eine ungefähre sportliche Wettbewerbsgleichheit zwischen den konkurrierenden Teams hergestellt werden soll. Es gibt je nach Liga verschiedene spezifische Ausprägungen der Salary Cap (“hard cap”, “soft cap”, “luxury tax”) mit je unterschiedlichen Bestimmungen, aber für die eher grundsätzlichen Betrachtungen dieses Artikels reicht die Vorstellung von einer definierten Obergrenze entweder dessen, was ein Verein jährlich für die Gehaltssumme seines gesamten Kaders ausgeben darf oder für das individuelle Gehalt eines einzelnen Spielers, vollkommen aus.

Im Folgenden möchte ich näher auf einige Aspekte in Zusammenhang mit der Institutionalisierung einer Salary Cap im europäischen und deutschen Profifußball eingehen. Unter welchen Bedingungen wäre ein Salary Cap überhaupt möglich? Welche Herausforderungen stellen sich? Und wenn man ihn einführen würde, wäre er auch tatsächlich geeignet, den Profifußball wirtschaftlich und sportlich wieder auf ein stabileres und faireres Fundament zu stellen? 

Die rechtliche Hürde

Die vier großen amerikanischen Ligen sind als Franchise-Systeme organisiert. Jedes einzelne Team ist im Prinzip nur ein Franchise-Nehmer einer übergeordneten Liga, dem Franchise-Geber. In diesem System hat der Franchise-Geber relativ weitgehenden rechtlichen Spielraum, seinen Franchise-Nehmern umfassende sportliche und wirtschaftliche Vorgaben zu machen, denen diese sich unterwerfen müssen. Zu diesen Vorschriften zählt unter anderem auch die, dass die Teams gewisse Grenzen für die Gehälter ihrer Spieler nicht überschreiten dürfen.

Dem europäischen Profifußball ist ein solches Franchise-System fremd. Die einzelnen Vereine sind rechtlich und wirtschaftlich vollkommen selbständige Einheiten, die komplett auf eigene Rechnung agieren. Es gibt also dementsprechend auch keine übergeordnete Instanz, die ihren Mitgliedern verbindliche Vorschriften machen könnte, die mit dem normalen Recht außerhalb dieses Systems ansonsten vielleicht nur schwer zu vereinbaren wären. Der FC Bayern München ist nicht teilselbständiges Mitglied in einem übergeordneten System, von dem es eine Lizenz erwirbt und dessen Regeln und Vorschriften es sich bei Eintritt unterwerfen müsste. Regeln, die Instanzen wie die UEFA oder der DFB ihren Vereinen vorgeben, müssen sich daher an ihrer Vereinbarkeit mit “normalem” Recht messen lassen.

Und auf den ersten Blick scheint ein Salary Cap im Profifußball eine ganze Reihe nationaler und EU-Rechtsnormen zu verletzen, mindestens in Bezug auf das Recht auf Vertragsfreiheit, das Arbeitsrecht und das Kartellrecht (sowie bestimmt noch einigen weiteren). Inwiefern der Sport hier seine historisch bedingte rechtliche Ausnahmestellung geltend machen kann, kann und wage ich nicht zu beurteilen, aber ein Selbstläufer wäre die Einführung einer Salary Cap auf europäischer oder nationaler Ebene rechtlich sicherlich nicht.

Das Problem der Verbindlichkeit

Angenommen, ein Salary Cap wäre mit den diversen nationalen und dem EU-Recht vereinbar, welche Instanz gäbe es, die ihn für alle Profivereine in einem Land oder gar gleich ganz Europa verbindlich durchsetzen könnte? Analog zum Financial Fair Play könnte man sich die UEFA vorstellen, aber deren Hoheitsgebiet erstreckt sich auf ihre eigenen europäischen Turniere, sie hat aber keinen direkten Zugriff auf die Regeln in den einzelnen Landesverbänden. Wenn die UEFA also eigenmächtig einen europaweiten (und damit auch für die Bundesliga gültigen) Salary Cap verabschieden wollte, dann könnte sie sich dieser widersetzende Vereine höchstens von ihren europäischen Wettbewerben ausschließen. Es steht zu befürchten, dass sich die nationalen Ligen dies vielleicht zum Anlass nehmen würden, die Chance zu nutzen sich zusammenzutun und langen Jahren des Drohens endlich ihren eigenen europäischen Wettbewerb zu schaffen, vollkommen unabhängig von der UEFA (Stichwort Super League).

Das Problem von Freiwilligkeit und Einheitlichkeit

Nehmen wir an, in Ermangelung einer zentralen Instanz, die eine europaweite Salary Cap verbindlich vorschreiben könnte, würden sich alle 55 in der UEFA organisierten nationalen Ligen bzw. Verbände mitsamt ihren Vereinen darauf einigen, die Möglichkeit einer freiwilligen und einheitlichen Salary Cap für ganz Europa auszuloten. Wie müsste ein Salary Cap strukturiert sein, dass wirklich alle Parteien ihn freiwillig akzeptieren würden? Welcher Betrag wäre so bemessen, dass er gleichzeitig sowohl einem Multi-Milliarden-Business wie der Premier League mit unheimlich finanzkräftigen Vereinen und der lettischen ersten Liga gerecht wird? Was nützt es der lettischen Liga, wenn der Salary Cap in einem Bereich läge, den selbst alle 10 in ihr organisierten Vereine zusammengenommen im Laufe mehrerer Jahre nicht einmal annähernd umsetzen können? Wie realistisch ist es, dass sich die Premier League eines fairen europäischen Wettbewerbs zuliebe auf einen Salary Cap einlassen würde, der ihre Spielergehälter auf das Niveau von, sagen wir, die Pro League in Belgien senkt?

Unterschiedliche Obergrenzen von Liga zu Liga stattdessen würden zumindest das Ziel der Erreichung von Wettbewerbsgleichheit auf europäischer Ebene bereits im Ansatz konterkarieren. Schon zwischen den großen fünf europäischen Ligen gibt es enorme finanzielle Unterschiede und innerhalb dieser Ligen oft noch einmal dramatische zwischen den einzelnen Vereinen. Selbst in diesem kleinen Pool wäre eine Einigung auf einen für alle Parteien fairen und akzeptablen Salary Cap schon mehr als schwierig. Ich halte daher einen allgemeinverbindlichen Salary Cap gleicher Höhe für ganz Europa schon für im Ansatz unmöglich.

Angenommen, es kommt kein europaweit einheitlicher Salary Cap, aber die DFL und der DFB würden überlegen vorzupreschen und einen eigenen, nationalen Salary Cap zu verabschieden. Wieder wäre man auf eine freiwillige Teilnahme aller Vereine angewiesen, diesmal immerhin nur in der Bundesliga. Allerdings stellt sich dieselbe Herausforderung wie auf europäischer Ebene analog auch hier: Wie soll es möglich sein, dass sich etwa der FC Bayern und der FC Augsburg auf einen Salary Cap einigen, die den finanziellen Umständen und sportlichen Ambitionen beider Vereine sowie gleichzeitig dem Anspruch einen fairen Wettbewerb zu schaffen und die Gehälter wirksam zu begrenzen gerecht wird? Das Bonmot von der Quadratur des Kreises drängt sich auf.

Welche Probleme kann die Salary Cap lösen?

Nehmen wir jedoch an, unter dem Eindruck der Corona-Krise wären alle Bundesligavereine wider Erwarten bereit, sich grundlegenden Reformen im deutschen Profifußball nicht grundsätzlich zu verschließen und stünden der Einführung eines Salary Cap aufgeschlossen gegenüber. Welche Probleme kann die Einführung eines Salary Cap lösen?

Eher nein: Schaffung von wirtschaftlicher Stabilität

Eins der angesprochenen Ziele einer Salary Cap ist es, einen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität der Bundesliga in Krisenzeiten zu leisten. Ist er dafür geeignet? Meines Erachtens kann e diesbezüglich allerhöchstens als Hilfsmittel fungieren. Wollte man den Profifußball wirklich krisensicher machen und ausschließen, dass durch die Insolvenz einzelner Vereine der Wettbewerb insgesamt in seiner Existenz gefährdet wird, erschiene mir unter Beibehaltung von 50 + 1 die Etablierung eines Solidaritätsfonds, in den alle Vereine regelmäßig einen bestimmten Betrag überweisen und der im Notfall angezapft werden kann um beispielsweise einzelne Vereine vor der Insolvenz zu retten, als viel naheliegender und zweckdienlicher. Natürlich könnte einen Teil des Geldes, dass die Vereine nicht in ihre Spieler stecken dürfen, stattdessen in diesen Fond fließen, aber das ist ein eher beiläufiger Zusammenhang und kann keinesfalls das Leitmotiv hinter der Einführung eines Salary Cap sein.

Noch viel weniger wäre ein Salary Cap dazu geeignet, die Vereine in dem Sinne krisenfest zu machen, dass die Spielergehälter auf ein für Kurzarbeit oder andere Staatshilfen realistisches Niveau drosselt. Selbst schlechtverdienende Bundesligaprofis haben ein so hohes Einkommen, dass für sie eine Rückstufung auf den Kurzarbeit-Höchstsatz ohne weiteres Gehaltseinbußen von mehr als 90% bedeuten würde. Es wäre vollkommen illusorisch zu glauben, dass eine Salary Cap jemals auch nur annähernd auf einem solch niedrigen Niveau angesetzt werden würde.

Aus beiden Erwägungen heraus erscheinen mir daher auch Betrachtungen zur passenden Höhe eine Salary Cap im Kontext von wirtschaftlicher Resilienz von Bundesligavereinen wenig ergiebig und ich schließe das Thema hiermit ab.

Eher ja: Stoppen der Gehaltsspirale und Wettbewerbsgleichheit

Ganz im Gegensatz dazu erscheint mir die Einführung eines Salary Cap als Mittel zur Durchbrechung der sich immer weiter nach oben schraubenden Gehaltsspirale im Profifußball als deutlich sachgerechter, genauso wie zur Schaffung eines sportlich wieder ausgeglicheneren Wettbewerbs. Hierzu ein paar zahlengestützte Überlegungen:

Stellt man sich ein Salary Cap als teambezogene Obergrenze für das aufsummierte Jahresgehalt* des gesamten Kaders vor, sind folgende Zahlen von besonderem Interesse: Die Bayern gaben im Geschäftsjahr 2018/19 insgesamt geschätzt ca. €300 Mio. für die Gehälter ihrer Spieler aus bei einem Umsatz von ca. €660 Mio. vor Spielertransfers (€280 Mio. / €660 Mio.). Beim BVB betrugen diese Größen ca. €175 Mio. / €380 Mio. und beim FC Schalke 04 ca. €100 Mio. / €260 Mio.. Die durchschnittliche Höhe des Personalaufwands für den Spielerkader der sechs diesbezüglich ausgabefreudigsten Bundesligavereine betrug im selben Geschäftsjahr rund €143 Mio., die der nächsten sechs rund €63 Mio. und die der letzten sechs rund €33 Mio. Beim Umsatz sehen die Größenverhältnisse ähnlich aus. 

Für einen Salary Cap in Form einer individuellen Gehaltsobergrenze für einzelne Spieler gilt, dass von den 20 bestverdienenden Spielern in der Bundesliga die ersten 19 bei den Bayern (13) oder dem BVB (6) spielen. Timo Werner bei RB Leipzig auf Platz 20 ist der erste Spieler eines anderen Vereins. Die Bayern und (mit Abstrichen) der BVB sind die einzigen beiden Vereine in der Bundesliga, die routinemäßig Spielergehälter im zweistelligen Millionenbereich ausloben. Bei den Bayern gibt es mit Robert Lewandowski, Philippe Coutinho und vielleicht bald Manuel Neuer sogar drei Spieler, die mehr als €20 Mio. brutto p.a. einstreichen (wollen). Das Durchschnittsgehalt der Bayern-Spieler lag im Geschäftsjahr 2019/20 bei ca. €8,1 Mio., das des BVB bei knapp €5 Mio. und das von Bayer Leverkusen an dritter Stelle bei ca. €3,2 Mio. Schon die Differenzen zwischen diesen drei Vereinen sind enorm und danach gehen die Zahlen ziemlich schnell noch deutlich weiter zurück. Am Ende der Gehaltstabelle lagen Union Berlin und der SC Paderborn auf den Plätzen 17 und 18 bei ca. €0,68 Mio. bzw. €0,42 Mio. 

Es drängt sich die Frage auf, wie man mit Vereinen einheitlich, aber fair und angemessen für alle Seiten umgehen möchte, deren Umsätze und Durchschnittsgehälter um den Faktor zehn differieren? Jedenfalls wäre es, egal ob man einen teambezogenen oder individuellen Salary Cap präferiert, sowohl im Hinblick auf die Wettbewerbsgleichheit in der Bundesliga als auch eine spürbare Eindämmung der Gehälter natürlich notwendig, einen Salary Cap jeweils ziemlich deutlich unterhalb des Gehaltsniveaus der “big spender” der Bundesliga anzusetzen, um finanziell auch nur in die Nähe der Verhältnisse der kleineren Vereine zu kommen.

Denn würde man den Salary Cap eher hoch ansetzen, um die großen Vereine wie die Bayern und den BVB weder sportlich im europäischen Wettbewerb noch im Wettstreit um neue Spieler übermäßig zu benachteiligen, würde er in der Öffentlichkeit wohl nicht ganz zu Unrecht eher als Feigenblatt oder Lachnummer wahrgenommen, denn als ernstgemeinte Maßnahme. Würde man es aber wirklich ernst meinen mit dem fairen Wettbewerb und gleichzeitig ein deutliches Zeichen zur Eindämmung der unmoralischen Gehaltsauswüchse im Fußball setzen wollen, müsste man konsequenterweise spürbar tiefer ansetzen, vielleicht auf Höhe des Gehaltsdurchschnitts des oberen Mittelfelds der Liga. Dies würde einen massiven Einschnitt bei den großen Vereinen mit entsprechend drastischen Auswirkungen auf ihre sportliche Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität für neue Spieler auf dem Transfermarkt bedeuten. Bei allen noch tiefer liegenden Grenzen würde sich dieser Umstand entsprechend weiter verstärken.

Aber es gibt noch weitere Komplikationen: Nur weil es einen Salary Cap gibt, haben die finanzkräftigen Vereine zumindest kurzfristig ja keine geringeren Einnahmen bzw. weniger Geld zur Verfügung. Nicht alle finanziellen Mittel, die ein rigoroser Salary Cap beispielsweise bei den Bayern freisetzen würde, könnten in einen eventuellen Solidaritätsfond der DFL oder sonstige Rücklagen fließen, dafür geht es um viel zu viel Geld. Wohin würden diese freien Mittel also gehen? Es wäre naheliegend zu vermuten, dass zumindest ein großer Teil von ihnen in höhere Ablösesummen oder “Schmiergelder” für Spielerberater gesteckt würde, damit man in einer Zeit, in der man im Durchschnitt keine höheren Gehälter mehr zahlen darf als etwa Werder Bremen oder der VfL Wolfsburg, noch gute Argumente hat, einen bestimmter Spieler zum eigenen Verein zu lotsen. Auch Auswüchse wie im Jugendspielerbereich, dass Vereine den Angehörigen eines Spielers überraschend gutbezahlte Jobs anbieten wenn sich die Familie für den eigenen Verein entscheidet, sind durchaus denkbar. Ein wirksamer Salary Cap müsste also auch von einer “Transfer Fee Cap” und einer “Agent Fee Cap” sowie weiteren Sicherheitsmechanismen zur Unterbindung von Zahlungen an den Spieler durch die Hintertür begleitet werden, wenn er nicht schon bei seiner Verabschiedung absehbar unwirksam sein soll. 

Nicht so dringlich wie im amerikanischen Sport stellt sich hingegen die Frage, welche Meinung die Spieler zur Höhe einer Salary Cap haben und ob sie gegebenfalls von ihren Vereinen übervorteilt werden könnten. Sie sind, anders als im amerikanischen Profisport, nicht de facto an einen Monopolisten gebunden, sondern können sich weltweit ihre Vereine frei aussuchen. Ohne einen (vollkommen unrealistischen) europaweit einheitlichen Salary Cap kann es eine einzelne Liga wie die Bundesliga nicht riskieren, ihre besten Spieler mangels attraktiven Gehaltsklimas in Scharen ins Ausland zu verlieren.

Warum amerikanische Verhältnisse in Europa so schwierig sind

Die Diskussion in der Öffentlichkeit um den Salary Cap – und entsprechend in diesem Artikel – beruht auf der Hoffnung, dass mittels des simplen Kniffs, ein Instrument aus dem amerikanischen Profisport doch einfach in den europäischen Fußball zu übertragen, ganz viele der fundamentalen Probleme dieses Sports auf einen Schlag gelöst werden könnten. Diese Hoffnung ist leider trügerisch.

Denn ein Salary Cap ist eigentlich nur eines von vielen Mitteln im amerikanischen Profisport, die in ihrem Zusammenspiel gewährleisten sollen, dass zumindest ungefähre Wettbewerbsgleichheit zwischen den teilnehmenden Teams herrscht und keine Partei sportlich oder wirtschaftlich übervorteilt wird. Das System als ganzes ist dabei in wesentlichen Aspekten vollkommen wesensfremd zum europäischen Fußball. Die vier großen amerikanischen Ligen (und die MLS) sind als rechtlich und sportlich geschlossene Franchise-Systeme ohne Auf- und Abstieg organisiert. Die einzelnen Teams sind Franchise-Nehmer der Liga als Franchise-Geber und müssen sich einer Reihe von Regeln unterwerfen, die von der Liga zentral vorgegeben werden. Außerdem werden viele der Verträge, die im europäischen Fußball mit den Vereinen individuell abgeschlossen werden, im amerikanischen Franchise-System stattdessen direkt mit der Liga selbst abgeschlossen.

In diesem Zusammenhang gibt es in einem Punkt eine nennenswerte Überschneidung zum europäischen Fußball, nämlich bei den TV-Rechten, die auch in Europa üblicherweise zentral vermarktet werden. Darüber hinaus werden in Amerika allerdings auch die meisten Werbe- und Sponsoringverträge direkt mit der Liga abgeschlossen, statt mit den einzelnen Teams. Die dadurch erzielten Einnahmen werden dann genau wie die TV-Gelder von der Liga zentral an die einzelnen Teams anteilig ausgeschüttet. Dabei wird sichergestellt, dass auch kleinere Teams wirtschaftlich am Erfolg der Liga insgesamt auskömmlich partizipieren. Aufgrund dieser weitgehenden Gewinnteilung zwischen den Teams ist auch ein Salary Cap für die sportlich ambitionierteren Teams hinnehmbar, denn er schlägt wirtschaftlich nicht zu sehr auf ihre “bottom line” durch. Ebenso ist für ein dauerhaft schlechtes Team seine anhaltende sportliche Erfolglosigkeit kein wirkliches Problem, denn es profitiert über die Gewinnumlage auch vom Erfolg der top performer.

Im diametralen Kontrast dazu steht der europäische Fußball, bei dem jeder Verein vollkommen unabhängig ist und nur auf eigene Rechnung agiert und es einen viel unmittelbareren Zusammenhang zwischen sportlichem Erfolg und wirtschaftlicher Prosperität gibt. Wenn es dem FC Augsburg sportlich und wirtschaftlich gut geht, profitiert der FC Bayern davon nicht. Im Gegenteil. Tendenziell schadet der Erfolg eines bestimmten Vereins seinen Konkurrenten mehr als er ihm nützt.

Ein ähnlich zentral gesteuertes und auf Ausgleich zwischen den Teams angelegtes Vorgehen existiert auch bei der Rekrutierung junger Nachwuchsspieler, dem Draft. In einem definierten, jährlich wiederkehrenden Prozess bedienen sich die einzelnen Teams reihum abwechselnd aus einem bestimmten Pool von Nachwuchsspielern von Colleges und Highschools, bis alle Spieler verteilt sind. Wiederum ist die Suche nach Ausgleich und Fairness zwischen den Parteien deutlich erkennbar. Im Gegensatz dazu steht der europäische Fußball, in dem jeder Verein seine eigenen Nachwuchsspieler heranzieht und sportlich und wirtschaftlich direkt von seinen Fähigkeiten in diesem Bereich profitiert oder unter seinen Misserfolgen leidet.

Es stellt sich grundsätzlich die Frage, inwiefern einzelne Strukturelemente des amerikanischen Profisports, sei es der Salary Cap, der Draft, die Gewinnumlage oder viele andere, isoliert als Einzelmaßnahme überhaupt auf den europäischen Profifußball übertragbar sind. Unabhängig von den eingangs angesprochenen rechtlichen Hürden entfalten diese Maßnahmen ihre volle Wirksamkeit erst im gemeinsamen Konzert innerhalb eines geschlossenen und zentral regulierten Systems, das gleichzeitig sowohl auf sportlichen Ausgleich zwischen den teilnehmenden Teams als auch auf wirtschaftliche Profitmaximierung der Liga insgesamt bedacht ist. Der europäische Profifußball mit Vereinen, die sowohl sportlich, rechtlich als auch wirtschaftlich vollkommen unabhängig voneinander sind und der seine sportliche Wettbewerbsgleichheit über ein stratifiziertes Ligensystemen mit Auf- und Abstieg gewährleisten will, erfüllt im Prinzip keine der Vorbedingungen, die nötig wären, damit ein Salary Cap als Mittel zur wirtschaftlichen Stabilität und sportlichen Wettbewerbsgleichheit funktionieren kann.

Ich würde soweit gehen zu sagen, dass wenn man einen Salary Cap wirksam und homogen auf den europäischen Fußball übertragen wollte, könnte dies in Anbetracht all der von mir geschilderten Probleme eigentlich nur im Rahmen einer neu gegründeten Liga, die mehr oder weniger als Kopie des amerikanischen Ligensystems institutionalisiert ist – das heißt als geschlossenes Franchise-System ohne Auf-und Abstieg, ohne kostspielige Transfers, mit zentraler Gewinnverteilung und Vertragsgestaltung etc. – funktionieren.

Im Vergleich zu dieser eher utopischen Vorstellung erscheint mir die Möglichkeit als sehr viel wahrscheinlicher, dass regulatorisch alles ungefähr so bleibt wie es gerade ist und die großen Vereine in Europa irgendwann entweder unter Protest oder aus eigenem Antrieb, weil sie noch höhere Einnahmen wittern, ihre nationalen Ligen verlassen (müssen) und eine eigene Super League gründen.

Der Salary Cap und das UEFA FFP

Abschließend noch eine Bemerkung zur Salary Cap und dem UEFA Financial Fair Play. Steng genommen sollte es einer Salary Cap im europäischen Profifußball gar nicht bedürfen. Zwar ist auch das UEFA FFP nicht in der Lage, etwas am Problem explodierender Spielergehälter zu ändern, darauf ist es nicht originär angelegt. Allerdings war es ursprünglich angetreten mit den hehren Zielen, wirtschaftliche Nachhaltigkeit und eine gewisse sportliche Ausgeglichenheit zwischen den Vereinen in Europa zu gewährleisten, zumindest innerhalb ihrer jeweiligen Ligen. Leider ist dadurch, dass das FFP erst in diesen Tagen wirklich ernsthaft scharf geschaltet zu werden scheint – Stichwort Manchester City – nachdem vorher jahrelang konsequent ein eher laxer Umgang mit Regelverstößen aller Art gepflegt worden ist, der Zeitpunkt verpasst worden, an dem das FFP noch eine Chance gehabt hätte, wirksam auf die sportliche Wettbewerbsgleichheit im europäischen Fußball einzuwirken. Dieser Zug ist abgefahren und wenn die Regeln jetzt ernsthaft durchgesetzt werden, trägt dies eher dazu bei, dass die großen Vereine groß bleiben und die kleinen klein, da diese keine legale Chance haben, mittels substantieller finanzieller Unterstützung von Mäzenen oder Investoren in die Riege der Großen vorzudringen – ein Weg der ihnen anderweitig kaum offen steht.

Somit sind die Diskussionen über die Einführung einer Salary Cap im europäischen Profifußball und seine finanziellen Exzesse im Kern eigentlich viel mehr eine Diskussion über das Versagen der Institutionen hier.

*Da es mir um grundsätzliche Betrachtungen geht, bei denen die Größenordnung reicht, treffe ich in diesem Artikel der Einfachheit halber keine Unterscheidung zwischen Jahresgehalt und jährlichem Personalaufwand (= Jahresgehalt + jährliche Abschreibung auf die Ablösesumme).

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  1. Einer der wesentlichsten Unterschiede ist eben, dass die Franchise-Systeme in den USA geschlossene Systeme sind.
    Die DEL hat dieses ja auch versucht und geht wieder davon weg.
    Es ist mit dem Fußball insofern nicht zu vergleichen, weil es den amerikanischen Unterbau College-Sport so in Europa nicht gibt. Damit fällt eine gezielte Nachwuchsrekrutierung in dieser Art weg.
    Der zweite wesentliche Unterschied ist, dass in den USA praktisch alle Vereine im Privatbesitz sind. Letztlich sind die Verbände mit unseren Verbänden nicht vergleichbar, weil in den Verbänden in den USA letztlich die Vereinsbesitzer die sind, die das Sagen haben. Das kann, wie man sieht, innerhalb eines Landes funktionieren. Rechtlich ist es in dr UEFA bei insgesamt über 50 Ländern kaum möglich. In Deutschland scheitert es schon an der 50+1-Regel, weil es da diese Art Vereinsbesitzer nicht gibt.
    Ob und inwieweit – und auch da liegt wieder ein wesentlicher Unterschied zur USA – es überhaupt rechtlich möglich ist, innerhalb eines Verbandes oder auch innerhalb der UEFA ausländischen Vereinsbesitzern vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Inwieweit das das Vereins- oder Verbandsrecht über dem Recht des Besitzers steht ist auch zu prüfen.
    In den USA sind alle Vereine im Besitz von Amerikanern. In Europa ist da völlig anders.
    Beispiel PL: vom amerikanischen Besitzer über den russischen, den aus den Vereinigten arabischen Emiraten, aus Thailand, aus China, aus dem Iran, aus der Schweiz, aus Italien UND aus England. Und das alles innerhalb einer Liga.
    Ob unter all diesen verschiedenen Gegebenheiten die Einführung eines Salary Cup – ob national oder international – überhaupt machbar wäre, ist eher zweifelhaft.
    Ein Salary-Cup alleine in Deutschland macht überhaupt keinen Sinn. Wohin das führt, konnte man schon bei Gründung der Bundesliga sehen. Da war nämlich durch den DFB festgeschrieben, welche Summe der Spieler verdienen darf, was letztlich dazu führte, dass bereits ab den 60er Jahren die gefragten Spieler dorthin gingen, wo das meiste zu verdienen war.

  2. Sehr guter Artikel mit wichtigen Details, die ich so noch nicht kannte. Das Thema Salary cap sollte sich nach der Lektüre erledigt haben.
    Dennoch möchte ich der These wiedersprechen, dass das zur Verfügung stehende Geld sich direkt auf den sportlichen Erfolg auswirkt. Die handelnden Akteure, seien es Spieler, Manager oder andere im Verein tätigen Personen, machen schon noch den Unterschied aus. Andernfalls liessen sich Negativbeispiel wie 1860 oder der HSV (positiv Union Berlin, Freiburg) nicht erklären.

  3. Für diese Vereine wäre eine Insolvenz besonders fatal, weil sie wirtschaftlich und rechtlich direkt auf die einzelnen Vereinsmitglieder durchschlagen würde, die mit ihrem gesamten Privatvermögen für die Verbindlichkeiten ihres Vereins haften müssten.

    Sicher? Das wäre mir erstens neu und zweitens doch sehr überraschend. Bei mir ist schon mal der ein oder andere Verein in die Insolvenz gegangen, ohne dass die Vereinsmitglieder mit ihrem Privatvermögen gehaftet hätten.

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Danke für den Hinweis! Das habe ich tatsächlich falsch formuliert. Habe die Passage angepasst.

    2. Selbstverständlich haften Vorstände von Vereinen mit ihrem Privatvermögen. Jedoch nur bei vorsätzlich oder grob fahrlässig begangenen Pflichtverletzungen. Beispielsweise – und da wird es im Moment bei mehreren Vereinen spannend – bei verspätet gestellten Insolvenzanträgen. Einfache Mitglieder jedoch nicht.

  4. Wie so oft wieder ein ausgezeichneter Beitrag. Fakten einer diffusen Stimmungslage gegenüber gesetzt.

    Den Passus “Für diese Vereine wäre eine Insolvenz besonders fatal, weil sie wirtschaftlich und rechtlich direkt auf die einzelnen Vereinsmitglieder durchschlagen würde, die mit ihrem gesamten Privatvermögen für die Verbindlichkeiten ihres Vereins haften müssten.” solltest du allerdings streichen. Das wäre wirklich fatal, wenn dem so wäre. Es geht in solchen Fällen nicht um das Privatvermögen der Mitglieder, sondern um solche Werte wie das Schwimmbad, oder den Hockeyspielplatz die ggf. der Insolvenz unterliegen würden.

    Im übrigen gab es im deutschen Fußball an die 100 Jahre eine Deckelung der Gehälter und Ablösesummen. Die Folgen teils kurioser, teils unappetitlicher Art kann heute noch jeder in den Archiven nachlesen. Bezeichnenderweise läutete erst der Bundesligaskandal Anfang der 70-er Jahre das Ende dieser Praktiken ein.

    Antwortsymbol4 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Danke für die Blumen, @jo. Es geht zwar unter Umständen doch schon um das gesamte Privatvermögen eines Mitglieds, aber so wie ich den Sachverhalt dargestellt habe war es nicht ganz korrekt. Ich habe die Passage angepasst. Danke für den Hinweis.

      1. Meines Erachtens nach passt auch die korrigierte Passage noch nicht, da das “gemeine” Vereinsmitglied von einer Insolvenz nicht betroffen ist, sondern nur “Vereinsorgane” (Vorstandsmitglieder und besondere Vertreter), so wie es der hinterlegte Link ja auch deutlich macht.

      2. Die Bemerkung ist auch jetzt noch sehr irreführend formuliert. Wenn man dem Link nicht folgt, könnte man annehmen, dass auch einfache Mitglieder betroffen sein könnten, bzw dass die Insolvenz an sich bereits so ein Szenario nach sich ziehen könnte. Beides scheint nicht der Fall zu sein, laut den Informationen der verlinkten Seite.

      3. Wenn man auf die Fatalität einer Insolvenz abstellt, geht es nicht um das Haftungsrisiko eines Vorstands. Das könnte dem Verein in gewisser Weise ja auch egal sein. Es geht um die Werte, im allgemeinen die im Breitensport, die nicht durch Abenteuer im Profifußballbereich gefährdet werden sollen.
        Das ist natürlich auch ein Weg um den Mitgliedern, die selten richtig populäre, Ausgliederung nahe zu bringen.

  5. Sehr interessanter Artikel. Noch zu ergänzen wäre mMn, dass es in den USA allein in diesem Jahrtausend schon einige Spielzeiten in den vier großen Ligen entweder nur deutlich abgespeckt durchgeführt werden konnten oder sogar ganz ins Wasser fielen, weil sich Vereine, Spieler und Verband in finanziellen Dingen nicht einigen konnten und es deshalb zu lange andauernden Spielerstreiks kam. Während dieser Zeit konnte man dann z.B. arbeitslose NHL-Stars in den europäischen Eishockey-Ligen bewundern.
    Wenn man – teilweise zurecht – in Europa die Auswüchse der Gehälter kritisiert, wie würde man dann reagieren, wenn diese hochbezahlten Stars dann auch noch streiken?

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. +1 – lesenswerte Ergänzung!

  6. Der Artikel dreht sich mir beim Thema Salary Cap viel zu sehr um das Thema “Fairness und Gerechtigkeit”.

    Ich habe nicht das Gefühl, dass dieser Aspekt das zentrale Thema in dieser Diskussion ist. Den eigentlichen Aspekt greifst Du meiner Ansicht nach nicht auf: das immer mehr zunehmende “schneller, höher, weiter”.

    Wir haben im Profifussball inzwischen eine Explosion der Ablösen und Gehälter. Und woher kommt die? Relativ einfach. Verein A will einen Spieler von Verein B. Um ihn zu locken, zahlt er ein entsprechend höheres Gehalt. Das wiederum zieht bei allen anderen Spielern von Verein A Gehaltserhöhungen nach sich – die sehen ja nicht ein warum sie bei selber Leistung weniger Geld beziehen sollen.

    Damit wiederum muss nun Verein C auch wieder tiefer in die Tasche greifen, um einen Spieler vom Verein A zu verpflichten. Usw usf.
    Finanziert wird das Ganze zu einem großen Teil mit Fernsehgeldern, die auch immer mehr gesteigert werden müssen. Dazu mit Gelder von der UEFA für die Teilnahme an EL/CL.

    Nun haben wir das Problem, dass Vereine – um die sportliche Teilnahme an den europäischen Wettbewerben sicherzustellen – immer mehr Geld in und für die Spieler investieren. Und wenn das dann mal in einer Saison scheitert, droht ihnen schon eine finanzielle Schieflage, weil die Fixkosten die gleichen bleiben, aber plötzlich zig Millionen die eingeplant waren fehlen. Dortmund hat es aus diesem Grund fast mal zerrissen, Schalke dümpelt finanziell auch deswegen vor sich hin und muss im Voraus Einnahmen verpfänden.

    Ein Salary Cap wäre also exakt aus einem wichtigen Aspekt sinnvoll – um dieses “Wettrüsten” zu beenden. Damit wäre auch dem Thema Fairness gedient – die Schere zwischen den großen und kleinen Vereinen klappt nämlich auch deswegen immer weiter auseinander, weil der Abstand im durchschnittlichen Gehaltsniveau immer größer wird. Und wenn ich einen UEFA-weiten Salary Cap von 10 Mio Jahreseinkommen einführe, dürfte das wohl auch keinem Profi der momentan mehr verdient, existentielle Probleme bereiten.

    Wie das dann umzusetzen wäre (Gesetzeslage, Umgehung mit Tricks etc.) sei mal dahin gestellt. Aber die Diskussion zu dem Thema aus den Fairness Gründen zwischen Ligen und Vereinen quasi beenden zu wollen, ist meines Erachtens der falsche Ansatz.

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    1. Oh, ich widme mich der wirtschaftlichen Dimension und den besonderen wirtschaftlichen Umständen des Profifußballs sehr wohl (unter anderem übrigens auch in meinem früheren Wirtschaftsartikel und ich möchte den Leser ja auch nicht durch ständige Wiederholung langweilen ). Im großen und ganzen thematisiere ich viele der Punkte, die du ansprichst, ja schon, wenn auch vielleicht unter einer leicht anderen Motivation in der Überschrift. Ich hoffe, du siehst mir nach, dass ich dabei vielleicht nicht ganz deinen Geschmack getroffen habe.

    2. Die Explosion der Ablösesummen und Gehälter ist in erster Linie Inflation. Die Einnahmen steigen von Jahr zu Jahr rasant, vor allem wegen des zahlungskräftigen globalen Fernsehpublikums, aber auch durch die Investorengelder. Da sich nichts an den Kader- oder Ligagrössen ändert, gehen diese immer höheren Budgets an eine konstant bleibende Anzahl von Spielern, die dadurch natürlich immer besser verdienen. Als Gesamtphänomen sagt das praktisch nichts darüber aus, wie seriös einzelne Vereine wirtschaften. Die Beispiele für Vereine, die sich verspekulieren, gibt es natürlich, aber muss man deshalb gleich alle über denselben Kamm scheren? Unter normalen Bedingungen haben die existierenden Instrumente wie Lizenzierung und FFP ausgereicht, um zumindest hierzulande die meisten Vereine über Wasser zu halten. Die jetzigen Bedingungen sind natürlich alles andere als das, aber eben deswegen auch kein Gradmesser für langfristige Orientierung.

      Das andere Problem ist, wie im Artikel angemerkt, die „one size fits all“-Herangehensweise, die den extrem unterschiedlichen Bedingungen in zig europäischen Ligen nie gerecht werden kann. Wenn Du sie bei zehn Millionen ansetzt, wäre sie für 99% aller Vereine schlicht irrelevant, da sie eh keine so hohen Gehälter zahlen können. Deutlich darunter, und sämtliche Bayern-Verträge sind nichtig, obwohl wir diese Gehälter problemlos stemmen könnten. Muss man mit derartig extremen Methoden Vereine in ein Korsett zwingen, das gar nicht ihnen selbst, sondern irgendwelchen Krisenklubs anderswo passen würde?

      Ich hätte lieber eine Weiterentwicklung von Mitteln, die sich gezielt auf Problemvereine anwenden lassen. Keine absolute Gehaltsdeckelung, sondern Regeln, wieviel Prozent des Umsatzes auf Gehälter verwendet werden dürfen. Beim FFP endlich Ernst machen, die Strafe für City aufrechterhalten, und bei PSG genauso vorgehen (glaubt ja auch niemand, dass deren Sponsorenverträge marktüblich sind). Steigende Strafabgaben auf hohe Ablösesummen, wodurch China schon die dortigen Exzesse schnell wieder in den Griff bekommen hat, und mit denen man auch einen Solidaritätsfonds befüllen kann. Da gäbe es viele Ideen, die ich kreativer und auch fairer finde als die Holzhammermethode salary cap.

      1. @Horst Mohammed: +1, viele sinnvolle Überlegungen.

      2. Lieber @HorstMohammed, wie immer sind Deine Ausführungen inhaltlich erhellend, thematisch ausgewogen und reflektiert, und sprachlich ein Genuss (gerade auch deine englischsprachigen Beiträge im Guardian). Danke dafür!

    3. Das Grundproblem wird immer sein – wie kann ich verhindern, dass entsprechende Regelungen umgangen werden.
      Geht man zurück zur Gründung der Liga – da zog es die Spieler, wie Schnellinger, Haller und Co ins Ausland.
      Einem Uwe Seeler – hat er ja oft genug erzählt die Geschichte – hatte Turin einen Geldkoffer im Hotel hingestellt, aber er wollte ja nicht ins Ausland sondern eigentlich beim HSV bleiben. Da war man aber mit den 1.000 DM eben nicht so gut aufgestellt. Und dann bekommt “Uns Uwe” die Generalvertretung von Adidas für Norddeutschland.

      PSG konnte sich wegen FFP einen Neymar nicht erlauben. Aber FFP gilt nur für Vereine! Und dann hat eben der Herr Katari mit Herrn Neymar einen Werbevertrag über die Nutzung der Bildrechte abgeschlossen. Da hat ja PSG nichts mit zu tun. Und der Sportskamerad zahlt dann bei Barca seine Ablöse eben selbst!
      Welche Handhabe hat die UEFA – keine? Und wenn man dieses Spiel konsequent spielt, dann sind alle die gekniffen, die eben keinen Vereinsbesitzer im Kreuz haben.
      Dann führen wir als UEFA den Salary Cup ein, Werner wechselt von Leipzig zu Liverpool und schließt zusätzlich mit dem Amerikaner John Henry in Amerika einen Werbevertrag ab.
      Wie will den eine UEFA beweisen, dass dieser Vertrag etwas mit dem Salary Cup in Europa zu tun hat.

      Und da stimme ich Stiftl zu – in dem Geschäft braucht keiner mit Fairniss zu kommen.

      1. National könnte man sehr wohl verhindern, dass die Regeln umgangen werden; das Problem liegt eher im internationalen Umfeld.

        So naiv, wie es es anhört, ist es vielleicht gar nicht:
        Wenn man an den nationalen englischen Fußball denkt, stellt man fest, dass dieser sich in seiner heutigen Verfassung quasi aus der Heysel-Katastrophe und dem darauf folgenden jahrelangen Ausschluss von allen internationalen Wettbewerben entwickelt hat: nicht trotz oder wegen des internationalen Fußballgeschäfts, sondern völlig unabhängig davon. Damals wurden die Grundlagen für die heutige (in vielen Aspekten konkurrenzlose) Premier League gelegt und grundsätzlich hat sich an der autonomen Verfassung nicht viel geändert: Ja, man spielt sicherlich gerne in der Champions League und wenn man gewinnt, dann ist man auch stolz; aber der nationale Fußball hat dort eindeutige Priorität.
        Ich könnte mir auch vorstellen, dass es in ein paar Jahren – sollte es von Seiten der UEFA Versuche geben, die englische Dominanz durch wettbewerbsfeindliche Maßnahmen zu mindern – auch einen Fußball-Brexit geben wird, falls sich in der Zwischenzeit die Einzelvermarktung und neue Supra-Ligen etabliert haben.
        Ich schreibe das nur, weil ich der Überzeugung bin, dass vor allem in einer starken, ausgeglichenen nationalen Liga der Fußball gedeiht; ferner, dass dafür keine Investoren nötig sind (wie in England), sondern vor allem eine wettbewerbsfördernde und sozialverträgliche Verfassung: und diese ist national sehr wohl realisierbar; im internationalen Umfeld wohl nicht.

      2. @Anton: Doch, im Fall Neymar hatte die UEFA eine Handhabe. Die Methode “Spieler lässt sich vom Investor/Großsponsor seines neuen Vereins seine Ablöse geben und kauft sich dann selber aus dem Vertrag heraus” ist im UEFA FFP berücksichtigt. Es macht aus Sicht der UEFA buchhalterisch keinen Unterschied, ob das Geld für Neymar erst vom Scheich an PSG und dann an Barca fließt, oder ob es vom Scheich direkt an Neymar und dann an Barca fließt. Ganz so dumm waren sie bei der UEFA dann doch nicht. Man hätte es aber vermuten können. ;-)

        Ob du es glaubst oder nicht, PSG hat es trotz des Neymar-Transfers bisher tatsächlich noch jedes Jahr geschafft, das FFP einzuhalten. Es war immer ein riesiger Balanceakt, aber es hat geklappt. Spannend wird, ob sie ihn jetzt im Sommer verkaufen, um dann im nächsten Jahr das FFP auch wieder einzuhalten oder ob sie einmal mehr versuchen, so durchzukommen.

      3. Alexander, da unterschätzt du aber die Kataris. Scheich und Scheich ist noch lange nicht das Gleiche.
        Da ist der eine Katari von Katar Sports Investment, der auch über den Verein bestimmt.
        Und da ist der andere Katari, der “natürlich” mit Katar Sports Investment “überhaupt nichts zu tun hat”.
        Und natürlich hat DER mit Neymar den Vertrag über seine Bildrechte und als Botschafter für die WM 2022 abgeschlossen.
        Scheichs sind sie beide und dass die in Katar nicht gerade die dümmsten Juristen in ihren Diensten haben, dürfte sich doch mittlerweile mehr als rumgesprochen haben.

      4. @Anton: Ja, soweit ich weiß hat sich Neymar von der offiziellen katarischen Tourismusbehörde als Botschafter anheuern lassen und dafür als Aufwandsentschädigung bzw. Gehalt eine Summe Geld ungefähr in der Größenordnung seines Vertrages und seiner Beraterprovision bekommen. Mit diesem Geld hat er sich dann beim FC Barcelona aus seinem eigenen Vertrag herausgekauft und PSG angeschlossen.

        Aus Sicht der UEFA ist die katarische Tourismusbehörde QTA natürlich eine “related party” zum katarischen Sport-Investitions-Fond QSI, da beide unmittelbar vom katarischen Emirat kontrolliert werden.

        Also ganz so einfach lässt sich die UEFA wirklich nicht austricksen. ;-)

  7. @Alex
    Wieder sauber geschrieben! Ohne mich immer wiederholen zu wollen sind mMn solche Artikel ebenso wichtig um eine balancierte Beurteilung zu ermöglichen.
    MMn gibt es durch das FFP eine gewisse Deckelung weil ja eben Verluste weitestgehend vermieden werden müssen. Dh wenn zB Barca Messi das Gehalt überproportional zur Einnahmesituation erhöhen wollen muss eben woanders gekürzt werden.
    Ein direkter salary cap wird auf EU Ebene aus den von Dir genannten Gründen zzt nicht möglich sein.
    Was man aber zb machen könnte auf UEFA Ebene das das FFP bzw Lizensierungsverfahren dahingehend verschärft wird das die Clubs die gesamten Gehaltskosten der Spieler (nicht aller Angestellten) auf zB 50 oder 60% der Umsätze begrenzen. Das trifft sicherlich die kleineren Clubs härter aber so be it!
    Und gleichzeitig sollte man regeln das die Beratergebühren nicht von den Clubs bezahlt werden dürfen sondern ausschließlich von den Spielern. Da ist sicherlich der größte Hebel.
    Ablösen sind quasi auch durch das FFP gedeckelt und vor allem Investitionen in Assets die im Kreislauf verbleiben anders als Gehäter/ Beratergebühren.
    Es ist eine Illusion zu glauben das man Ablösesummen direkt regulieren kann. Es reflektiert immer die wirtschaftliche Situation und wie auch schon öfter angemerkt sind viele Ablösesummen prozentual zum Umsatz eher nicht gestiegen.
    Und letztlich mus man wieder darauf hinweisen das viele Ligen und Clubs sich durch FFP wirtschaftlich gesünder entwickelt haben.

    Nochmal hier der link zum entsprechenden UEFA Report :

    „Gemäß dem jüngsten Bericht ist das Finanzjahr 2018 das zweite Jahr in Folge, in dem die europäischen Erstligisten einen Gesamtgewinn ausweisen – eine deutliche Wende im Vergleich zu den Verlusten in Höhe von EUR 5 Mrd., die vor der Einführung der UEFA-Regeln zum finanziellen Fairplay innerhalb von nur drei Jahren verzeichnet wurden.

    Im Vorwort des Berichts erklärt UEFA-Präsident Aleksander Čeferin: „Mit der Verbesserung der finanziellen Performance ist die finanzielle Situation der Vereine deutlich robuster geworden. Das Nettovermögen ist innerhalb von zehn Jahren von weniger als EUR 2 Mrd. auf über EUR 9 Mrd. gestiegen, was ein Beweis für den Erfolg der UEFA-Regeln zum finanziellen Fairplay, für eine stabile europäische Fußballlandschaft sowie nachhaltige und vernünftige Investitionen ist.“

    https://de.uefa.com/insideuefa/protecting-the-game/club-licensing/news/newsid=2637989.html

    P.s. denke das die von Dir genannten Gehaltskosten des FCB nicht nur die der Spieler ist sonder aller 1000 Angestellten.

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    1. P.s. zusätzlich sollte die ja schon diskutierte und beschlossene Reduzierung/ Begrenzung der Leihspieler die ein Club beschäftigt endlich umgesetzt werden. Auch das drückt die Ablösen

  8. Zu Coutinho
    Es ist bekannt das er ca 20 Mii Gehalt im Vertrag mit Barca vereinbart hat.
    Es ist unbekannt wieviel von diesem Gehalt wir im Rahmen der Ausleihe übernommen haben. Es wäre nicht ungewöhnlich das Vlubs nur einen Teil des Gehalts des ausgeliehenen Spielers zahlen und der ausleihende Club einen Teil weiterzahlt. Deshalb ist mMn Coutinho such keine Refwrenz bei der Betrachtung der FCB Gehältern.

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    1. @918: Faktisch gesehen hast du recht. Ich bin mir auch sicher, dass die Bayern nicht sein ganzes Gehalt zahlen. Aber rein technisch verdient er nun einmal >€20m, egal woher das Geld kommt. ;-)

      Und Manuel Neuer soll sich ja u. a. auch Coutinhos Gehaltsniveau für seine Gehaltsvorstellungen zum Vorbild genommen haben. Das eine hat mit dem anderen streng genommen nichts zu tun, aber es zeigt auf, wohin bei den Bayern die Reise geht.

  9. Der Artikel verkennt mE den wesentlichen Aspekt:
    Um Ausgewogenheit herzustellen wäre eine gleichmäßige Verteilung der Fernsehgelder der einfachste Weg.

    Bsp. NFL.:
    Hier wurde die gleichmäßige Verteilung der zentral ausgehandelten TV-und Merchandising-Einnahmen unter den Franchises festgelegt.
    Alle wirtschaften mit dem gleichen Geld. Der Salary Cap stellt daneben eine Begrenzung der Ausgaben sicher. Sonst gäbe es bei den Teams, die ja ausnahmslos Milliardären gehören, keine Begrenzung. (Ähnlich die Idee des FFP).

    Beispiel England:
    „Die nationalen und internationalen TV-Gelder werden komplett gleichmäßig auf die Klubs verteilt. Jeder Verein erhält einen Gemeinschafts-Anteil von ca. 40 Mio. Euro, dazu rund 45 Mio. Euro aus der internationalen TV-Vermarktung und 5,5 Mio. Euro aus den zentralen Werbe-Einnahmen. Jedem Klub sind also schon einmal 90,5 Mio. Euro garantiert – mehr als der FC Bayern von der DFL bekommt. Auch deshalb gilt die Premier League als wohl am meisten ausgeglichene Top-Liga Europas.“
    https://www.transfermarkt.de/premier-league-gelder-absteiger-erhalten-mehr-als-fc-bayern/view/news/276410

    So etwas nur zu denken gilt aber im Land des Seriensiegers als Kommunismus!

    BTW:
    Eigentlich haben Fernsehanstalten und werbeindustrie ja gar nichts gegen Seriensieger. Der normale Konsument liebt Vorhersehbarkeit. Starke, erfolgreiche Marken geben Planungssicherheit und Verbindlichkeit.

    Antwortsymbol18 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Wenn man schon die EPL heranzieht dann sollte man am besten die EPL direkt zitieren

      Denn dann sieht man das nur ein gewisser Teil der Einnahmen zu gleichen Teilen aufgeteilt wird.

      https://www.premierleague.com/news/1225126

    2. Bin ganz deiner Meinung: die Umverteilung der Fernsehgelder wäre ein vergleichsweise einfacher, realistischer und effizienter Schritt um mehr Chancengleichheit zu gewähren.
      Dabei wäre es gar nicht nötig eine große Revolution anzuzetteln: man müsste eigentlich nur die Idee der Liga als ‘Liga’ ernst nehmen. Soll heißen, der Meister ist nicht eine unabhängige Instanz auf dem offenen Markt Fußball, sondern ein Vertreter der Liga, der unter seinesgleichen den ersten Platz belegt hat. Ähnliches gilt für die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb: nicht der Verein an und für sich qualifiziert sich, sondern ein Stellvertreter der Liga.
      Entsprechend würden erwirtschaftete Gelder so verteilt, dass der Liga maximalen Nutzen zukommen würde, d.h., die Liga als Ganzes so gesund, stark und ausgeglichen wäre wie möglich.
      Darüber hinaus hat ja jeder Verein noch unzählige Möglichkeiten ‘privat’ Geld zu verdienen. Clubs, die das nicht akzeptieren wollen, steht der Weg der Selbstvermarktung außerhalb der Liga/Ligen (und damit verbundener staatlicher Subventionen) offen.

      Der Sport ist ja wesentlich ein künstliches Geschäft, deshalb sollte man diese Blase auch bewusst manipulieren können. So wie es schon jetzt eine juristische Eigenständigkeit gibt, sollte es auch eine wirtschaftliche und soziale Autonomie geben.
      Realpolitik ist was für das wahre Leben; Sport ist demgegenüber ein Gegenmodell, eine Märchenwelt. Lasst uns träumen…
      Gute Nacht!

      1. Bei den bestehenden Fernehverträgen würde dein Vorschlag bedeuten, dass die Teams aus den vorderen Tabellenregionen weniger Geld bekämen, die aus den hinteren Regionen dafür mehr. Mit diesem Gedanken könnte ich mich möglicherweise noch anfreunden, auch wenn die Wettbewerbsfähigkeit auf internationaler Ebene schon sinken würde. Für die Spannung innerhalb der Liga wäre das möglichereise gar nicht so schlecht, da die Topteams dann entsprechend früher aus den europäischen Wettbewerben ausscheiden, damit weniger Geld von der UEFA kassieren und damit die besten Spieler möglicherweise ins Ausland abwandern würden. Das aber nur so am Rande.
        Was aber bei allem Wunsch nach mehr Spannung in der heimischen Liga zu bedenken wäre, ist Folgendes:
        Der gleiche Verteilungsschlüssel muss auch in der 2. Liga angewendet werden. Dann kriegen die Topteams der 2. Liga (also die potentiellen Aufsteiger) entsprechend weniger Geld und die Teams vom Tabellenende mehr. Wenn sich dann ein Aufsteiger aus der 2. Liga in der 1. Liga behaupten will, hat er es entsprechend schwerer, als es bisher ohnehin schon der Fall ist. Eine (pessimistische aber nicht unrealistische) Folge könnte sein, dass die beiden Aufsteiger postwendend wieder absteigen und die Relegation zwangsläufig zugunsten des Bundesliga 16. ausgeht. Die Folge wäre eine “geschlossene Gesellschaft” mit ein paar “Fahrstuhlmannschaften”. Möglicherweise könnte man dem höchstens entgegensteuern, indem jeder Aufsteiger quasi als Antrittsgeschenk den Differenzbetrag zu den Bundesligateams, mit denen er sich künftig messen muss, von der DFL als Aufstiegsprämie geschenkt bekommt.
        Aber dann bleibt eben noch der von mir schon angesprochene große Haken an der Sache, dass Profifußball für zumindest eine Handvoll Teams nicht nur aus der heimischen Liga besteht, sondern eben auch aus internationalen Wettbewerben. Für eine europaweite Einigung fehlt mir aber erst Recht der Glauben.

      2. @willythegreat
        Du hast vollkommen recht: die internationale Konkurrenzfähigkeit würde erst einmal mächtig abnehmen.

        Was das Auf- und Abstiegsszenario betrifft, bin ich mir nicht so sicher: wenn die Gelder gleichmäßiger verteilt würden, würden nicht mehr (nur) die finanziellen, sondern eher die fußballerischen Unterschiede entscheidend sein. Mannschaften wie M’Gladbach, Dortmund, Leipzig und Freiburg arbeiten doch allem Anschein nach besser und effektiver als Berlin, Stuttgart, Hamburg oder Schalke (nur Beispiele). Lange Zeit konnte man den qualitativen Unterschied in der Tabelle nicht erkennen, weil die Großstadt- und Traditionsvereine finanziell besser ausgestattet waren (und sind) und dadurch spielerische Defizite kaschieren konnten (und können). Hätten diese Vereine annähernd gleiche finanzielle Möglichkeiten, würde sich das in der Tabelle viel stärker abzeichnen.
        Deshalb vermuten ich, dass ein Verein mit einer guten und erfolgreichen Mannschaft leichter aufsteigen und sich auch eher im Oberhaus halten könnte als bisher.

        In einem anderen Post habe ich heute bereits angedeutet, dass es mir vor allem um eine homogene, faire und leistungsstarke nationale Liga geht: Eine Liga, in der die Entwicklung und nicht der Ankauf von fußballerischer Klasse im Vordergrund steht, die spannend, gerecht und zunehmend hochwertig ist. Wenn diese Entwicklung eingeschlagen werden könnte, dann würde mittel- und langfristig auch ein Potenzial heranreifen, das internationalen Ansprüchen auf breiter Ebene genügen könnte.

      3. Man muss doch gar nicht erst im Ungefähren bleiben.
        Wer sich dafür interessiert möge doch den zur Verfügung stehenden Kuchen, sprich Fernsehgelder, in gleich große Stückchen aufteilen und für jeden Verein, das sich ergebende Plus/Minus vom Umsatz in Ansatz bringen.

        Ich habe das Gefühl, das würde für eine gewisse Überraschung sorgen.

      4. @Jo, @Mirko et al.: Leider würde sich durch eine egalitäre Verteilung der TV Gelder unter den Bundesligavereine nicht wahnsinnig viel an den Einkommensverhältnissen ändern. In der Saison 2018/19 haben die Bayern ungefähr €63m aus der nationalen TV Vermarktung erhalten, die Fortuna auf Platz 18 ungefähr €25m. Der Durchschnitt über alle Bundesligavereine liegt bei gut €44m (https://www.fernsehgelder.de/2018-19/ranking/). Das heißt also, dass die Differenz der Bayern zum Durchschnitt ungefähr €20m ausmacht. Das ist ein Bruchteil des Jahreseinkommens. Wenn du den Bayern jährlich €20m Euro weniger und dafür der Fortuna €20m mehr gibst, ändert sich an den relativen Kräfteverhältnissen in der Bundesliga gar nichts.

        Die Finanzstärke der meisten der großen Clubs in Europa basiert ganz wesentlich auf ihren “Commercial Revenues” (Werbung, Sponsoring, Merchandising) und ihrem ständigen Erreichen der Champions League. In der letzten Champions League-Saison haben Barcelona, Liverpool und Tottenham jeweils mehr als €100m allein an Preisgeld-Asschüttung aus dem Wettbewerb gezogen, eine ganze Reihe weiterer Vereine, unter anderem auch die Bayern, lagen bei über €80m. Ein Blick auf diese Graphik ist zur Einschätzung der Größenordnungen extrem erhellend:

        https://twitter.com/SwissRamble/status/1197422064547827713?s=20 (“TV” beinhaltet die Einnahmen aus der CL).

        Ich fürchte, mit einer einfachen Umlage der nationalen TV-Gelder kommt man in Sachen Wettbewerbsgleichheit nicht weit…

      5. @Jo
        Ja, vor allem, wenn man zusätzlich auch die Einnahmen aus den europäischen Wettbewerben entsprechend aufteilen würde…

      6. @Alexander
        Ja, aber ein Blick nach England zeigt doch, dass durch eine fairere Verteilung der Gelder die Abstände durchaus geringer werden (unabhängig von den Investoren).
        Es geht ja nicht um die monetäre Gleichschaltung aller Vereine, sondern eher um einen Impuls zu Korrektur der derzeitigen Entwicklungen, die meiner Meinung nach in die falsche Richtung gehen und noch längst nicht abgeschlossen sind.
        Auch in Zukunft sollen Vereine, die von ihrer Struktur her privilegiert sind (Einzugsgebiet, Stadion, Marke, Bekanntheit, Historie etc.), mehr Geld zur Verfügung haben als andere – allerdings sollen diejenigen, die fußballerisch wirklich gute Arbeit abliefern, im Vergleich zur aktuellen Situation wesentlich besser belohnt werden.
        Ich denke an eine Art soziale Fußball-Marktwirtschaft, ganz ohne ideologische Befangenheit.

      7. @Alex
        Du hast natürlich vollkommen recht. Das ist die Überraschung, die ich angekündigt habe. Zumindest für einige.

        Konkretes Beispiel:
        Ich käme bei einer “gerechten” Verteilung in der letzten Saison auf ca. 50 Mio € je Verein (nur auf die aktuellen 18 Vereine bezogen).
        Das hieße -13 Mio € bei Bayern, +15 Mio € beim beispielsweise SC Freiburg.
        Auf den Umsatz umgelegt hieße das:
        Bayern statt 750 Mio € jetzt 737 Mio €. Freiburg statt 96 Mio € jetzt 111 Mio €.

      8. @Jo: Genau das hatte ich geschrieben. ;-)

      9. @Mirko, die Intensität des Wettbewerbs in der Premier League ist sicher höher als momentan in Deutschland, Italien oder Frankreich, wird aber häufig auch überschätzt. Macht man es nur an der Meisterschaft fest – was ja häufig gegenüber diesen anderen Ligen angebracht wird – dann sah es in England auf lange Sicht betrachtet auch nicht viel anders aus. 13 von 27 Titeln hat eine einzige Mannschaft gewonnen (Manchester United), davon alleine acht aus elf Saisons, bevor 2003 Abramowitsch Chelsea kaufte und mit massiven Kapitalspritzen zum Konkurrenten aufbaute. Ein paar Jahre später kam dann noch City hinzu. Die egalitäre Verteilung der Fernsehgelder hat da wenig gebracht, es brauchte externe Investoren und schlussendlich den Abgang von Ferguson, um die Verhältnisse nachhaltig zu ändern.

        Breiter betrachtet schaut es auch nicht besser aus. Das Kartell der “big six” stellt praktisch eine Mini-Liga dar, die unter sich die Meisterschaft und die Reihung für die internationalen Wettbewerbe ausmachen. Andere Vereine stossen sehr viel seltener in diese Tabellenplätze vor, als das etwa in Deutschland der Fall ist. Im Resultat hast Du auch wieder klare strukturelle Ungleichheiten, nur eben kaschiert dadurch, dass es vor der Saison meistens keinen klaren Meisterschaftsfavoriten gibt.

      10. @Horst Mohammed
        Die großen 6 haben sicherlich einen strukturellen Vorsprung, aber im Moment ist Tottenham auf dem 8. und Arsenal auf dem 9. Platz, 3 kleinere Mannschaften haben es geschafft sich in das obere Drittel einzuschleichen – also die Durchlässigkeit ist heute größer als noch vor 5 Jahren.
        Darüber hinaus glaube ich (und viele Fußball-Insider aus England behaupten es), dass die Dichte in der Liga insgesamt höher ist, dass es vergleichsweise wenige Spiele für die Top-Teams gibt, die man im Schongang erfolgreich erledigen kann und umgekehrt ständig Partien gegen ebenbürtige Gegner, die auf Messers Schneide stehen.
        Aber eigentlich entspricht die englische Liga gar nicht meiner Idealvorstellung, sondern eher die Bundesliga Anfang der 80er Jahre, als es eine Vielzahl von guten und erfolgreichen Mannschaften gab.

      11. @Mirko, worin die Premier League wirklich ungeschlagen gut ist, ist Marketing. Und da ist der (vorgeblich) intensive Wettbewerb seit langem eines der Verkaufsargumente, vor allem, nachdem sich in vielen anderen Ligen Seriensieger etabliert haben.

        Wenn man sich die Statistik anschaut, stellt sich das aber etwas anders dar. In den letzten fünf Jahren haben die „big six“ viermal geschlossen die obersten sechs Plätze belegt, nur 15/16 gab es die Sensation mit Leicester als Meister (und Southampton in der EL). Dieses Jahr ist es wieder knapper, aber nicht in der Meisterschaft. Da haben Liverpool dieses und letztes sowie City letztes und vorletztes Jahr praktisch alle Gegner vom Platz gefegt, deren Punkteschnitt gleicht dem unsrigen in der Triple-Saison. Auch allgemein sind die Meister der letzten zehn Jahre immer dominanter geworden – es gab dazu jüngst eine Statistik, kann mich leider nicht mehr entsinnen, wo.

        Ein gewisses Problem der Bundesliga im internationalen Vergleich war, dass diese Kartellierung hinter Bayern und Dortmund nicht stattgefunden hat. D.h., es sind Jahr für Jahr wieder andere Teams in die UEFA-Wettbewerbe vorgestossen, die oft mit dem Niveau nicht klarkamen und früh ausschieden. RBL ist da momentan ein Lichtblick, so verhasst diese Mannschaft national auch ist. Aber das ist eben das grundsätzliche Problem: ein engerer Wettbewerb an der Spitze und ein besserer UEFA-Koeffizient lässt sich wohl nur durch verfestigte strukturelle Ungleichheiten in der Liga erkaufen. Man kann aus guten Gründen für das eine oder andere sein, aber die Quadratur des Kreises wird uns nicht gelingen.

      12. @Mirko: Ich fürchte, die Zahlen sprechen für Horst Mohammed. Wirklich ausgeglichen ist die Premier League nicht, auch wenn immer mal wieder einige der big six nach hinten fallen. Horst hat das mit dem Sechser-Kartell an der Spitze im Prinzip sehr schön beschrieben.

        Wenn dir eine Art soziale Fußballwirtschaft vorschwebt, wo viele Vereine ungefähr gleich stark oder groß sind, wie genau stellst du dir das vor? Wärst du dann nicht gedanklich doch wieder ganz schnell beim geschlossenen amerikanischen System mit weitgehender Gewinnumlage?

        Da begeht man übrigens einen ganz schmalen Grat. Aus meinen zahlreichen Konversationen mit Marc von unserer englischen Seite miasanrot.com bei uns auf Slack weiß ich, dass eine weitgehende Gewinnumlage, bei der die Vereine nur begrenzte Kontrolle über ihre selbsterwirtschafteten Gewinne haben, ganz schnell auch verheerende Fehlanreize setzen kann. Er erzählt mir immer, dass sich ganz viele Teams in der NFL, NBA, NHL und MLB gar nicht wirklich dafür interessieren, sich sportlich besonders anzustrengen, weil sie a) von ihrem eigenen sportlichen Erfolg wirtschaftlich nur begrenzt profitieren und b) auch bei eigenem schlechten sportlichen Abschneiden wirtschaftlich vom Erfolg anderer profitieren. Etwas ähnliches würde ich auch hier in Europa befürchten.

        Übrigens glaube ich, dass das Leistungsniveau zwischen den Vereinen in den 80ern zwar bestimmt relativ ähnlich war, aber es war ähnlich schlecht. Heute wieder alle Vereine gleichmäßig schlecht zu machen um einen ausgeglichenen Wettbewerb herzustellen, kann doch auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, oder?

      13. @Horst Mohammed
        Ich stimme dir in fast allem zu.
        Aber “(…) ein engerer Wettbewerb an der Spitze und ein besserer UEFA-Koeffizient lässt sich wohl nur durch verfestigte strukturelle Ungleichheiten in der Liga erkaufen.”
        Man muss diese strukturelle Ungleichheit nicht unbedingt ‘erkaufen’, sondern kann sie sich auch erarbeiten: Sobald eine Mannschaft guten und erfolgreichen Fußball spielt und aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation nicht darauf angewiesen ist, ständig ihre besten Spieler abzugeben (wie z.B. in England), dann wird sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit im oberen Tabellendrittel etablieren.
        Wenn z.B. M’Gladbach und Leipzig ihre Mannschaften kontinuierlich und organisch verbessern und auffrischen können, habe ich keinen Zweifel, dass sie auch in Zukunft zur deutschen Spitzenklasse neben Bayern und Dortmund gehören werden. Denn dort wird scheinbar wirklich gut und nachhaltig gearbeitet.

      14. @Mirko: “Eine Liga, in der die Entwicklung und nicht der Ankauf von fußballerischer Klasse im Vordergrund steht, die spannend, gerecht und zunehmend hochwertig ist. Wenn diese Entwicklung eingeschlagen werden könnte, dann würde mittel- und langfristig auch ein Potenzial heranreifen, das internationalen Ansprüchen auf breiter Ebene genügen könnte.”

        Aber dafür brauchst du Geld. Wir dürfen ja davon ausgehen, dass die Menschen in Lettland oder Bulgarien oder sonstwo genetisch nicht weniger sportlich talentiert sind als in England oder Deutschland. Aber wenn es prinzipiell nicht an talentierten Spielern mangelt, warum kommen diese Ligen dann trotzdem nicht nach vorne?

        Ganz einfach. Weil es dort kein Geld gibt, mit dem leistungsförderliche Strukturen auf breiter Front aufgebaut und unterhalten werden könnten (Top-NLZs, erstklassige Coaches, modernste Trainingsmethoden, perfekte medizinische Versorgung usw.).

        Geld ist in dieser Beziehung ja nichts anderes als konserviertes fußballerisches Leistungspotenzial. Kein Geld, keine Leistung.

        Ich habe es jetzt nicht gemacht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn du die Jahresumsätze aller 55 in der UEFA organisierten Ligen mit ihrem sportlichen Erfolg auf europäischer Ebene vergleichst, wirst du eine ziemlich starke Korrelation zwischen Geld und Erfolg feststellen.

        Mit andern Worten: Du könntest in der Bundesliga zwar schon alle Teams wieder ungefähr gleich stark machen indem du sie weniger Geld für ihre sportliche Entwicklung (teure Spieler usw.) ausgeben lässt und den Kommerz zurückfährst, aber der zweite Teil deine Annahme, dass sich dann national etwas leistungsstarkes mit europäischem Potenzial sozusagen bottom-up ohne Kohle entwickeln könnte, halte ich für ziemlich ausgeschlossen.

      15. @Alexander
        1) Ich bin nicht für Umverteilung, sondern für eine gerechtere Verteilung der gemeinsam erwirtschafteten Gelder (Fernsehgelder etc.); darüber hinaus sollte jeder Verein auch weiterhin frei wirtschaften dürfen. Es geht mir nicht um wirtschaftliche Gleichschaltung, sondern um etwas ausgewogenere Verhältnisse.
        2) Ich halte Expertise für wichtiger als Geld.
        Wenn ich sehe, wie viel fußballerischen (und wirtschaftlichen) Mehrwert ein Trainer wie z.B. Klopp schafft [was ja auch dann auffällt, wenn Spieler aus seiner Mannschaft verkauf werden und anschließend in der Regel nicht an ihre Leistungen anknüpfen können], dann finde ich das effizienter und nachhaltiger als teure Transfers. Auch der Red Bull-Betrieb zeigt ja, dass durch professionelle Strukturen sehr viel erreicht werden kann.
        Wenn ich mir die Nachwuchsförderung in England anschaue, dann habe ich das Gefühl, dass die englische Dominanz in den nächsten 10 Jahren noch viel erdrückender wird – aber nicht aufgrund der teuren Transfers wie bisher, sondern weil es eine Unzahl von bestens ausgebildeten Talenten in einem hoch professionellem Umfeld gibt. Auch in andern Ländern wird tolle Nachwuchsarbeit geleistet (Frankreich, Spanien, aber auch Portugal, Holland, Schweiz etc.).
        Wenn es möglich wäre, eine ähnlich gute Nachwuchsförderung mit wirklich professionellen Strukturen zu verbinden, wäre es meiner Meinung nach möglich mit weniger Geld größeren Erfolg zu erzielen. Außerdem wird die Verbindung zwischen Fans und Verein, Publikum und Liga gestärkt, wenn man an der nachhaltigen Entwicklung von Mannschaften teilnehmen kann. Heute kommt es mir oft so vor, dass einem als Fußball-Konsument jährlich ein neu zusammengestellter Cocktail von Spielern präsentiert wird, der vor allem aus Investoren- und Marketing-Perpektive zusammengestellt wird (Ausnahmen bestätigen die Regel).
        3) Auch ich bin kein großer Fan des Fußballs der 80-iger Jahre, aber Ende der 70-iger, Anfang der 80-iger Jahre war nicht nur die Leistungsdichte in der Bundesliga sehr hoch, sondern auch das Niveau auf europäischem Niveau.

      16. Ich stimme dir vollkommen zu, dass Expertise enorm wichtig ist (genauso übrigens wie ausgezeichnete infrastrukturelle Bedingungen).

        Aber wo ist denn die höchste Expertise und wo sind denn die besten Bedingungen im Moment? Du sagst es ja selber, in England. Ich stimme dir da vollkommen zu, wenn der Fußball auf der Insel nichts grandios verkehrt macht (und der Brexit keine massiven Verwerfungen herbeiführt), werden die in den nächsten 10 bis 15 Jahren zu einer Fußballgroßmacht aufsteigen, die der Maßstab für alle anderen sein wird.

        Und warum sind gerade in England die Bedingungen so gut? Warum haben die dort einige der modernsten Nachwuchsleistungszentren der Welt? Warum zieht es die besten Coaches und Spieler nach England? Weil es dort immens viel Geld gibt. Das ganze ist ein Zyklus: Geld produziert sportliche Exzellenz, sportliche Exzellenz produziert weiteres Geld. Aber es wäre naiv zu glauben, dass jemand wie Jürgen Klopp aus einer Kreisligatruppe unter Kreisligabedingungen eine Weltklasse-Team schmieden könnte. Da muss schon eine gewisse Basis sein.

        ManCity, Chelsea, ManUnited usw. Wurden alle erst richtig stark, als die Investoren mit dem Geld kamen (RB Leipzig übrigens auch). Heutzutage ist die youth academy von Manchester City eine der besten in England. Vor 10 Jahren war sie das noch nicht. heutzutage arbeitet RB Leipzig mit professionellsten Strukturen auf höchstem deutschen Niveau. Vor 15 Jahren gab es den Club noch gar nicht.

        Nimm als Gegenbeispiel Ajax und den ganzen niederländischen Fußball: Wahrscheinlich unumstritten schon seit langem eine der höchstanerkannten Nachwuchsleistungs-Regionen der Welt, gerade Ajax, aber auch PSV, Feyenoord etc. Gewinnen die niederländischen Teams regelmäßig die großen internationalen Titel? Wechseln die besten Coaches und Spieler in die Eredivisie?

        Und abschließend möchte ich nur noch einmal einladen: Schau dir den mittleren Jahresumsatz der europäischen Ligen oder Clubs in einer bestimmten Liga an und lege den sportlichen Erfolg national und international dagegen. Du wirst über die Jahre eine enorme positive Korrelation feststellen. Tausenprozentig. Klar gibt es immer wieder Ausnahmen wie Jürgen Klopp, die mehr aus einer Mannschaft rausholen können, als eigentlich in ihr drinsteckt. Aber wir können sie ja genau deshalb namentlich benennen, weil sie eben Ausnahmen sind. ;-)

  10. Es ist völlig absurd die internationale Konkurrenzfähigkeit der Buli Schwächen zu wollen. Das sind Träumereien für die es keine realistische Mehrheiten gibt.
    Halte es mit Hainer, realistisch und vor allem EU rechtskonform wäre es die leidige 50+1 Regel abzuschaffen. Und die 5 Clubs die ihren Profifußball immer noch in keine Kapitalgesellschaft eingebracht haben.
    Die EPL hat sich schon lange von Anfang an professioneller aufgestellt und es damit SKY ermöglicht mehr zu zahlen- wobei man sehen muss das man Kirch/Premiere rechtlich das Wasser abgegraben hat was Murdoch mit Sky brutal zu seinem und er EPL Nutzen ausgenutzt hat. Fast alle EPL Clubs werden inzwischen professionell wirtschaftlich. Was nicht gleichbedeutend mit sportlichem Erfolg ist aber es schafft eben die besseren Voraussetzungen dafür.

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    1. Wenn die internationale Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga dadurch gegeben ist, dass man einen, eventuell zwei, höchsten drei oder vier Vereine auf Kosten der anderen Ligateilnehmer finanziell aufpäppelt, dann wäre es wirklich wünschenswert diese im Sinne einer ausgeglicheneren Liga (vorerst) zu schwächen. Eine strukturell ausgeglichenere Liga führt sehr wahrscheinlich zu einer höherem fußballerischen Niveau, da sportliche Qualität sich viel mehr auszahlen würde als bisher. Früher oder später würde sich das auch international bemerkbar machen.
      Um die fußballerische Entwicklung (und nicht die Umsatz- und Unterhaltungsmaximierung) wieder in den Vordergrund zu rücken braucht man die 50+1-Regel nicht abzuschaffen – allerdings wäre es sehr vorteilhaft, gegen eine ganze Reihe von pseudo-marktwirtschaftlichen bürgerlichen Gesetzen zu verstoßen, die in der Traumwelt Fußball, wie ich sie mir wünsche, nichts zu suchen haben.
      Realistische Mehrheiten habe ich natürlich nicht für mein Vorhaben, aber wer würde das von mir erwarten? Ich bin schließlich nur der Stallbursche von Don Quijote.

      1. Sehe ich komplett anders.
        Man muss die leidige 50+1 Regel abschaffen um es Clubs zu ermöglichen mit Strukturen und Investitionen wie bei TSG und RBL scheller die Lücke schließen zu können. Dabei geht es auch um Investitionen die nicht vom FFP gedeckelt werden wie Stadien(Ausbau) NLZ und Managementteams. Natürlich muss man bei der Auswahl des Investors der ja qua Mehrheit die Richtung bestimmt sehr vorsichtig und clever agieren. Mateschitz und Hopp sind erfahren und klug genug zu wissen das Basis / Voraussetzung eines erfolgreichen Engagements ein gutes Management mit einem tragfähigen Konzept sind. Und kein Einmischen in das operative Geschäft mit Hauruckentscheidungen. Bayer VW haben es genauso gemacht.
        Überall da wo es Zwitter Situationen gibt gibt es Stress Missverständnisse Reibungsverluste Misserfolg – H96/Kind – HSV/Kühne- S04/Tönnies- VFB/ DB- 1860/Ismaik-und man muss wohl auch irgendwann Herzha/Windhorst dazuzählen.
        Werder Köln SGE sind mMn Beispiele für Eigenkastration.

    2. @918
      Die momentane Zwitter-Situation ist wirklich die denkbar schlechteste Investoren-Situation: Jeder weiß, dass die Investoren nur darauf warten, dass 50+1 abgeschafft wird, aber in der Zwischenzeit herrscht in diesen Vereinen größtenteils ein gehässiges Chaos, das niemandem hilft.

      Wenn es nur darum ginge die ‘Lücke’ zwischen den Vereinen möglichst schnell zu schließen, dann hättest du wohl recht: das ginge mit vielen externen Millionen aus Investorenhand am effektivsten.
      Aber ich bin davon überzeugt, dass dies auch mit fachlich guter und nachhaltiger Arbeit auf dem Platz und im Managmenet möglich ist, auch wenn es etwas länger dauert.
      Zumindest müsste man sich nicht mit dem Problem herumschlagen, dass du so beschreibst: “Natürlich muss man bei der Auswahl des Investors der ja qua Mehrheit die Richtung bestimmt sehr vorsichtig und clever agieren.” Den Investor wählt man nämlich nur einmal aus, anschließend bestimmt nämlich der Investor (in einer 50+1-losen Zeit).

      Die Eigenkastrationen gibt es tatsächlich, aber nicht wegen fehlender Investorengelder, sondern wegen chronischer Misswirtschaft und schlechter Fußball-Lehre.

      Ich würde mir wünschen, dass man ein künstliches Fußball- (bzw. Sport-)Biotop schafft wie in den USA, mit dem Unterschied, dass die Teilnehmer Vereine wären und keine Unterhaltungs-Industrie-Unternehmen.

  11. Einige diskutieren und argumentieren wieder nach dem guten alten Grundsatz am deutschen Wesen soll…….

    Das hatten wir schon einmal in den 90er Jahren mit der Konsequenz das wir links rechts oben unten überholt wurden und dann bedröppelt überlegt haben was man machen kann.

    Es kann doch ernsthaft keiner glauben das wir dem Festeuropa erklären können wie salary caps rechtlich zu verankern müssennund gleichzeitig weiter gegen EU Recht mit 50+1 zu verstoßen.

    Die Power ist in der ECA wo wir trotz KHR Abgang noch eine entscheidende Rolle spielen.
    Aber dort sitzen nun einmal auch die anderen top 10 Clubs am Tisch die die Träumereien nie mitmachen, nicht nur die EPL Clubs nicht sondern auch besonders Barca Real Juve PSG die überproportional profitieren.

    Und bei uns werden BVB RBL BMG S04 Bayer jegliche Versuche abblocken den Verteilungsschlüssel zu ändern.

    Man muss begreifen das wer Profifußball Teil der Entertainmentindustrie ist, content für die big guys Comcast Disney Amazon etc , die diesen hoch bezahlen. Damit sind romantische Träumereien absurd- das ist unumkehrbar.
    Echte Liebe , Mia San Mia , mes un que club etc stehen sicherlich immer noch für den Club werden aber inzwischen erfolgreich professionell als Marke so vermarktet das die Fans emotional bedient und gebunden werden.

    Es geht hier immer noch in erster Linie um einen knallharten sportlichen Wettbewerb – der beste wird nur auch entsprechend hoch belohnt.

    Und wenn sie ehrlich wären dann geben auch Clubs wie Mainz Freiburg Union Pauli das offen zu. Jeder von denen würde alles dafür geben eine Entwicklung wie BMG zu vollziehen oder Hauptsponsoren wie RBL Bayer Hopp etc zu haben

    Antwortsymbol12 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. @918: Du hast eine extrem kapitalistische und an einer Verwertungslogik orientierte Sichtweise, die vollkommen legitim ist und die ich sozusagen als Brille, durch die ich auf die Welt blicke, auch absolut nachvollziehen kann. Rein wirtschaftlich betrachtet, im Sinne der Maximierung eines in Geldeinheiten gemessenen Erfolgs, hast du mit vielen deiner Überlegungen und Zukunftszenarien, die du hier im Blog oft ausbreitest, unzweifelhaft recht.

      Klar ist St. Pauli eine Marketing-Maschine. Klar stehen 50 + 1 und das UEFA FFP der Chance im Weg, den Fußball finanziell noch weiter zu optimieren. Klar sind “Mia San Mia” und “Echte Liebe” Marketing-Claims allerersten Grades. Klar wäre eine gemeinsame Super League der größten Clubs an der UEFA vorbei und ohne die lästigen nationalen Wettbewerbe die nächste logische Stufe der totalen Vermarktung.

      Nur habe ich das Gefühl, dass du mit diesen Gedanken hier im Forum nicht immer jeden mitnehmen kannst, denn viele haben ein ganz anderes, aber ebenso legitimes Verständnis davon, was Fußball für sie bedeutet. Ich lese deine Kommentare trotzdem immer ganz gerne, allein schon für die Perspektive. ;-)

      P.S. Vielen Dank für den Hinweis zu der Höhe der Spielergehälter! Hab’s noch mal nachrecherchiert und angepasst.

      1. @Alex
        Natürlich gibt es viele verschiedene Sichtweisen – davon lebt ja die Diskussion und auch ein Blog.
        Als unternehmerisch denkender Mensch hat man dann evtl oft eine realistische unbequeme und in Wirkung brutale Sichtweise!
        Die jetzige Situation beweist ja eindeutig das der Profifußball in der jetzigen Form ( und jeder Profisport in ähnlichen Größenordnungen genauso-also die US basierten Ligen) extrem von kommerzialisierten revenue streams abhängt und insbesondere von TV oder streaming.
        Die Wahrheit ist das Profifußball ( wie die anderen og Profiligen) für die Entertainmentindustrie content sind neben den Movies etc. Ein content wird nur dann hoch bezahlt wenn für den Konsumenten interessant bleibt und verbraucht bzw bezahlt wird.
        Das heißt man ist an sportlicher Spannung Drama Stars etc extrem interessiert. Man ist eben nicht an einem Abbonementsieger interessiert.

        Alle Clubs und um bei dem FCB zu bleiben KHR Uli und Hainer haben das ja immer wieder betont sind interessiert daran das höhere Einnahmen eben nicht immer weiter in proportional wachsende Gehälter und schon garnicht in Beratergebühren verwendet werden sondern für Investitionen in Infrastrukturen und Spielerkader. KHR hat mehrmals wiederholt das alle Initiativen bei der EU bzgl Gehaltsbegrenzung im Sande verkaufen sind.
        Wahrscheinlich ist das Problem immer weil man es auf die individuelle Situation eines Spielers bezogen hat. Deshalb sollte man eine kollektive Gehaltsobergrenze pro Club/Kader (zB 50% vom Umsatz)regeln so das es dann jedem Club obliegt entsprechende individuelle Spielergehälter zu vereinbaren. Beispiel Barca- wenn sie Messi 50% ihres Gehaltsbudget zahlen wollen dann müssen sie eben anderen Spielern entsprechend weniger zahlen oder weniger Spieler insgesamt bezahlen.

        MMn ist das FFP bzw Lizensierungsverfahren der nationalen Ligen die ja ineinander greifen schon geeignet eine Gehaltsobergrenze für einen Kader zu formulieren in % vom Umsatz.
        Die EPL hat das sogar mE schon.
        Begrenzung der Beratergebühren und Ausleihspieler sind andere Instrumente die ECA und UEFA rechtskonform hinbekommen könnten.

      2. 1.
        Das Problem ist, wenn du allen Clubs einen prozentualen Anteil ihres Umsatzes als teambezogene Gehaltsobergrenze vorgibst, nehmen wir deinen Vorschlag von 50 %, dann hat ein FC Augsburg immer noch keine Chance zu einem FC Bayern aufzuschließen. Er hat das Geld ja gar nicht.

        Außerdem bleibt die Frage, wohin die Bayern dann die freiwerdenden ca. €120-150m p.a. stecken würden? Du sagst Infrastruktur und Nachhaltigkeit, aber der Bereich ist doch ganz schnell ausgeschöpft. Sollen sie noch einen zweiten Campus bauen? Und einen dritten? Jedes Jahr? Unrealistisch.

        Also fließt das Geld in Ablösen und Berater und es ist nichts gewonnen.

        Und nein, in der EPL gibt es in der Lizenzierung zwar die Vorschrift, dass ein Verein über drei Jahre nicht mehr als £100m Verlust anhäufen darf, aber eine Gehaltsobergrenze haben die m. W. nicht.

        2.
        Zum grundsätzlichen Problem der Competitive Balance und der Attraktivität des Sports: Eigentlich solltest du mit deiner Aussage ja recht haben. Ein ausgeglichener Wettbewerb ist interessanter, attraktiver, spannender und zieht mehr Zuschauer an. In der Realität ist es aber so, dass alle großen Fußballligen Europas jährlich immer mehr Zuschauer weltweit hinzugewinnen und immer mehr Geld verdienen. _Ganz_ so unattraktiv können also selbst so einseitige Wettbewerbe wie die Bundesliga, die Serie A, La Liga, die Ligue 1 und die EPL mit ihren Dauermeistern bzw. Dauer-Top-Six nicht sein.

        Wir dürfen, glaube ich, nicht vergessen, dass wir hier in einer ziemlichen Wahrnehmungsblase leben. Die Fans hier in Deutschland mögen sich über die Langeweile ihrer Bundesliga beklagen, aber wir können hierzulande gar nicht so viele Fans verlieren, wie wir ständig overseas neue hinzugewinnen.

        Gesamtwirtschaftlich gesehen – als Bundesliga – ist alles vollkommen on track.

      3. Wie gesagt sollte man mMn unterscheiden welche Aufwendungen im Kreislauf verbleiben und welche nicht.
        Gehälter und Beratergebühren entziehen dem System Gelder die man besser einsetzen kann.

        MMn erfolgt ja schon durch das restriktive FFP und Lizensierungsverfahren indirekt eine Deckelung.
        Man wird mMn keine Gehaltsobergrenze pro Spieler festsetzen können aber man wird wenn man sich auf stakeholder Basis verständigt eine Gehaltsobergrenze in Prozent festlegen können so das jeder Club dann selbst per individueller Verhandlung / Vertrag entscheidet für wen was wieviel ausgegeben wird.

        Natürlich kann man nicht ewig NLZ bauen aber man muss ja auch nicht alles permanent ausgeben.

        Dazu kommt das auch Ablösen Investitionen in Assets sind und im Kreislauf verbleiben anders als Gehälter und beratergebühren.

        Interessant das BT und nicht SKY jetzt alle Buli Spiele zeigen werden.
        Eine Riesenchance für die Buli weltweit

        https://www.bt.com/sport/football/bundesliga/bundesliga-return-tv-fixtures-live-stream-coronavirus

      4. Ich bin vollkommen deiner Meinung, das ist für den Fußball insgesamt natürlich wirtschaftlich besser ist, möglichst viele Gelder im System zu belassen, als sie an Spieler oder gar Agenten zu geben und damit aus dem System herauszuleiten.

        Wie stellst du dir das denn vor, dass jeder Verein in Absprache mit seinen Stakeholdern seinen Salary Cap selber vereinbaren kann? Der müsste doch schon für alle Vereine, egal ob prozentual oder absolut, bei derselben Höhe liegen, oder wie meinst du das?

        Es kann ja nicht funktionieren, das unterschiedliche Vereine unterschiedlich hohe Salary Caps haben. Erstens gibt es ja Null Anreiz für einen Club sich selber freiwillig einen höheren Salary Cap aufzuerlegen als irgendein anderer. Warum auch? Damit würde man ja nur seinen eigenen Gestaltungsspielraum künstlich unnötig begrenzen.

        Und zweitens änderst du ja an den relativen Kräfteverhältnissen zwischen den Vereinen nur wenig, wenn alle denselben Hair Cut von X% bei ihren Personalkosten für den Kader hinnehmen müssen. Klar wäre das zwar in absoluten Größen gesehen bei den Bayern mehr als bei der Fortuna, aber es gäbe doch deutlich effektivere Möglichkeiten, das Ziel eines sportlich ausgeglicheneren Wettbewerb zu erreichen, findest du nicht?

        Drittens muss man natürlich nicht permanent alles verfügbare Geld ausgeben, aber wo soll es denn dMn hin, wenn erst einmal genügend NLZs gebaut worden sind?

        Please elaborate.

      5. Beratergebühren ( immerhin laut UEFA Report 2018 jetzt über 1 Mrd!!)
        Zwei Ansätze:
        – Fifa/Uefa und die Ligen können diese unisono begrenzen- dazu wieder ein striktes Lizensierungsverfahren für Berater
        – es kann unisono geregelt werden das jeder Spieler seinen Berater selber zu bezahlen hat und nicht die Clubs

        Gehälter
        UEFA/FIFA die Ligen ECA Spieler und Beraterverbände können unisono vereinbaren das
        – das die Ausgaben für Gehälter des Spielerkaders pro Club maximal zB 50% des Gesamteinnahmen sein dürfen( exklusive Transfereinnahmen-muss noch drüber nachdenken inklusive Transfereinnahmen oder nicht).
        – eine jährliche Steigerung Max x% p.a. sein darf

        Jeder Club soll dann selbst entscheiden wie das Gesamtbudget auf die Spieler zu verteilen ist bzw kann (Begrenzung der Anzahl der Spieler eines Kaders zusätzlich zu berücksichtigen),zB Barca ob man Messi das Gehalt exponentiell erhöhen will um dann gleichzeitig das Gehalt woanders zu kürzen sprich Spieler zu verkaufen( Barca’s Anteil der Spielergehälter am Umsatz ist weit über 60% gestiegen). MMn hat Perez irgendwann erkannt das der Wettlauf der Gehälter Ronaldo/Messi irgendwann nur noch gegen die Gesamtinteressen des Clubs laufen und ihn ziehen lassen, spätestens dann als Ramos auch noch den Aufstand probte. Die unselige Argumentation der Spieler bzw. deren Berater das ein Nichtmitziehen eines Clubs Gehälter zu erhöhen, einer Nicht oder Minder Wertschätzung gleichzusetzen betreibt ja die Spirale. Und wenn dann noch PSG diese befeuert in Fällen Neymar und Mbappe dann ist es eben so wie es jetzt ist. Wo sollen denn diese Spieler zukünftig hingehen wenn alle Clubs insgesamt begrenzt sind? Auch kann ich mir vorstellen das ein Kader in sich harmonischer ist wenn ein einzelner Spieler bzw dessen Berater nicht in der Lage ist exzessive Forderungen zu stellen wohl wissend das dann andere verkauft werden müssten.

        Um das realistisch umsetzen zu können müsste man wohl eher bei 60% beginnen und dann im 2/3Jahrestakt auf 50% absenken.

        Auch sind in der Gesamtberrechnung Gehälter der Ausleihspieler zu berücksichtigen deren Anzahl ja sowieso auch begrenzt werden sollen.

        Aber gerade im mittleren Bereich der führt eine Deckelung Ratio SpielerGehälter/Umsatz dazu das die Clubs noch gesünder und nachhaltiger arbeiten können ohne sich den elenden permanenten Gehaltserhöhungsforderungen von Spielern/ Beratern für oft begrenzte Qualität ausgesetzt fühlen.

        Wenn sich alle stakeholder einig sind braucht man keine EU Regelung die ja sowieso obsolet werden könnte wenn sich die EPL dieser nach Brexit möglicherweise entzieht.

        Dann die Anschlussfrage:
        Wohin mit dem vielen eingesparten Geld?
        Zunächst glaube ich persönlich nicht das sich die Tv/streaming revenues weiterhin so steigern lassen. Merchandising ist auch irgendwann ausgelutscht. Sicherlich ist immer im Sponsoring und auch im Social Media Marketing mehr drin.

        Davon abgesehen bedeuten Einsparungen bei SpielerGehältern und Beratergebühren das mehr Mittel bereitstehen in Spieler Stadien NLZ zu investieren. Auch hier reden wir dann nicht nur vom top Bereich sondern insbesondere vom mittleren unteren Bereich.

        Ablösen für Top Spieler würden mit so einem Mechanismus eher nicht sinken aber mMn ein verstärktes Beschäftigen und Einsatz von talentierten Nachwuchsspielern die sonst eher versauern da man ihnen nicht immer gleich das Gehalt eines durchschnittlichen Spielers zahlen will und kann.

      6. Nochmal
        UEFA benchmarking 2018
        Kapitel 7-11 bitte lesen
        Etwas veraltet aber macht es deutllich

        https://www.uefa.com/MultimediaFiles/Download/OfficialDocument/uefaorg/Clublicensing/02/64/06/97/2640697_DOWNLOAD.pdf

        Auszug
        Das Finanzjahr 2018 war das zweite Jahr in Folge, in dem die europäischen Erstligisten einen Gesamtgewinn auswiesen – eine deutliche Wende im Vergleich zu den Verlusten in Höhe von EUR 5 Mrd., die vor einem Jahrzehnt innerhalb von nur drei Jahren verzeichnet wurden. Ebenso wichtig für das grundlegende Wohlergehen des Fußballs ist die kontinuierliche Stärkung der Vereinsbilanzen, wobei die Vermögenswerte der Vereine ihre Verbindlichkeiten/Schulden Ende 2018 um EUR 9 Mrd. überstiegen.
        Die Verflechtung des Klubfußballs bringt jedoch auch verschiedene Risiken mit sich, insbesondere im Zusammenhang mit dem Transfersystem. Dieses agiert als finanzieller Ausgleichsmechanismus für die Spielerentwicklung, wobei mehrere Millionen Euro von der Spitze der Pyramide nach unten verschoben werden – von großen zu mittelgroßen und kleinen Vereinen – als Gegenleistung für den ständigen Nachschub von Talenten von unten nach oben. Durch den Anstieg der Transfersummen in den letzten Jahren wurden diese Gegenleistungen erhöht, wobei die Transferinflation durch übermäßige Betriebsgewinne infolge von TV-Verträgen in Rekordhöhe für den nationalen Fußball in England, Deutschland und Spanien sowie für UEFA- Wettbewerbe begünstigt wird. Da die Transfergewinne deutlich schneller wachsen als andere Ertragsströme, sind Vereine, die Talente exportieren, natürlich stärker von Transferaktivitäten abhängig geworden, um die Gehälter ihrer Spieler sowie andere Betriebskosten zu decken. Eine solch übermäßige Abhängigkeit birgt mögliche Risiken; so haben Untersuchungen der UEFA ergeben, dass Transfersummen (und -gewinne) für Transfers mit mittlerem und niedrigerem Wert nach der letzten europaweiten Rezession 2009-12 um 20–30% zurückgegangen sind.
        Der Anstieg der Transfergewinne kann auch zu finanzieller Nachlässigkeit führen, denn die Gehaltssummen steigen in ganz Europa an. In der Tat belief sich die Gehaltsinflation 2018 auf insgesamt EUR 1,2 Mrd. und überstieg das gesamte Einnahmewachstum der Vereine um EUR 1,0 Mrd. Die UEFA wird diesen Trend sorgfältig überwachen, da ein weiteres Jahr mit starken Gehaltsanstiegen (2019) die Betriebsgewinne weiterhin schmälern könnte, falls sich das durchschnittliche Einnahmewachstum erwartungsgemäß entwickelt (neue TV-Zyklen nur für UEFA-Wettbewerbe und im italienischen Fußball).
        Niemand kann mit Gewissheit vorhersagen, wie sich die immer schneller voranschreitende Fragmentierung der Medienlandschaft auf den Fußball künftig auswirken wird, doch wird gemeinhin angenommen, dass die finanzielle Situation sich in den nächsten zehn Jahren in Europa und darüber hinaus wesentlich verändern wird. Klubs, Ligen und andere Organisationen müssen ihre Geschäftsmodelle und Strategien in diesem sich schnell verändernden Umfeld anpassen, was für eine nach wie vor sehr traditionelle Sportart nicht einfach und schmerzlos vonstatten gehen dürfte. In künftigen Ausgaben dieses Berichts wird über die Auswirkungen dieser Entwicklungen berichtet werden

      7. @918: Danke für deine ausführlichen Erklärungen. Jetzt verstehe ich so langsam, aus welcher Warte du das Problem durchdringst und was du meinst.

        Die finanziellen Zusammenhänge, die du aufzeigst, und wie ein Salary Cap durch die absolut betrachtet überproportional starken Einschnitte an der Spitze langfristig per Trickle Down-Effekt auch bei den kleinen Clubs ankommt, die die Talententwicklung für sich als wirtschaftlich lukrative Marktposition besetzen, finde ich prima vista erst einmal überzeugend. Dann wäre auch gegen hohe Ablösesummen nicht per se etwas einzuwenden, allerdings nur in Kombination mit einer gleichzeitigen und unabdingbaren Kontrolle der Transfernebenkosten (i. W. Berater).

        Diese Marktlogik würde allerdings auch ohne Salary Cap funktionieren, ein solcher würde den Effekt der Umverteilung lediglich verstärken und in seinem Eintreten beschleunigen. Aber wenn es wirklich um Wettbewerbsgleichheit und mehr wirtschaftliche Stabilität im Profifußball geht, dann wäre das ja sogar eher noch zu begrüßen.

        Dir muss aber klar sein, dass du mit dem Salary Cap wie du ihn dir vorstellst lediglich die spendierwütigsten Clubs wie Barca, Real in PSG noch etwas länger am Leben hältst, sozusagen ihr Leiden verlängerst, denn derselbe Effekt von sinkenden Gehältern und einem engeren Zusammenrücken der Clublandschaft sowohl sportlich als auch wirtschaftlich würde faktisch auch eintreten, wenn Barca, Real etc. sich eines schönen Tages wirtschaftlich dann doch endgültig übernommen haben und pleite gehen. In Zeiten von Corona und der in deinem UEFA Bericht zitierten Gehaltsinflation der letzten Jahre erscheint mir das gar nicht mal vollkommen unrealistisch.

        Praktischerweise beträfe das ja gerade die Clubs, bei denen die bestverdienenden Spieler spielen und die sportlich in den letzten Jahren fast alle verfügbaren Titel eingeheimst haben. Dann hast du gleich einen doppelten Benefit: Erstens würde natürlich kein neuer aufnehmender Verein einem Messi oder Ronaldo dasselbe Gehalt zahlen wie vorher, und zweitens würde natürlich das Wettbewerbsniveau des Rests ein bisschen näher zusammenrücken. Salary Cap durch die Hintertür, wenn du so willst.

      8. MMn sollte man idealerweise vereinbaren wie folgt:

        Begrenzung der Spielergehaltskosten pro Club in % vom Umsatz ohne Transfererlöse ( bei gleichzeitiger Begrenzung des Kaders 3TH/22FS inklusive Leihspieler):

        Ab 20/21 65%
        Ab 21/22. 60%
        Ab 22/23 55%
        Ab 23/24. 50%

        Transfererlöse sollten mMn bei der Berechnung am Umsatz nicht enthalten sein weil sie kein nachhaltiger revenue stream sind wir wir jetzt gerade mal wieder wahrnehmen.
        Man sollte auch den Umsatz bzgl Namensrechten nochmal genauer definieren um doppelt Buchungen wie bei MCFC aufgedeckt und bei Barca vermutet auf jeden Fall zu vermeiden. Aber generell sind die jetzigen FFP/ Lizensierungsauflagen schon gut und ausreichend.
        Eine gleichzeitige Begrenzung des Gesamtkaders ist auch wichtig weil sonst die Spieler wie Coutinho nur verliehen werden.
        Transfernebenkosten wie Beratergebuehren müssen ausschließlich von den Spielern bezahlt werden- die technischen gehaltsunabhängigen Kosten natürlich wie gehabt immer von den Clubs.
        Signing on fees für ablösefreie Spieler müssen auch wie gehabt von den Clubs bezahlt werden ( aber eben nicht Beratergebühren).

        Da unsere Gehaltskosten die niedrigsten der top Clubs sind wären wir wenn Du so willst erst einmal indirekt benachteiligt aber auf Sicht eben nicht.

        MMn hätten derartige Regelungen einen Effekt nicht nur für den top Bereich sondern jeder Club wird sich doppelt und dreifach überlegen welche Spieler man durchschleppte bzw. welchen jungen Spielern man wirklich top Dollars zahlen will. Nach einigen Perioden denke ich auch das insbesondere Clubs im mittleren und unteren Bereichen profitieren und nachhaltiger operieren könnten.

        Ablösen wird man nicht unbedingt damit nach unten bringen aber diese verbleiben ja auch im Kreislauf.

        Wichtig sind natürlich auch konsequente harte Sanktionierungen für Clubs die die Regeln brechen.

      9. Dein Gedankengebäude wirkt auf mich im Großen und Ganzen ziemlich plausibel und wenn man das so umsetzen würde, wie du dir das vorstellst, würde ich dir in vielen Punkten zustimmen. Ich gehe das mal durch:

        – Berechnungsbasis Umsatz ohne Transfererlöse: check.
        – FFP Lizenzierungsauflagen ausreichend: check.
        – Begrenzung der Kadergröße: check. (Wird übrigens in vielen UEFA Landesverbänden
        bei 25 Spielern gemacht, auch in England)
        – Harte Sanktionierungen: check.

        Jetzt zu meinen Bedenken bzw. Gegenvorschlägen:

        – Berater werden vom Spieler bezahlt: Symbolisch eine schöne Geste, aber sachlich wahrscheinlich nicht zielführend. Der Spieler würde das in seine singing-on fee oder sein Gehalt einpreisen, denkst du nicht?
        – Statt hartem Salary Cap bei X% vom Umsatz vielleicht eine “luxury tax” wie im amerikanischen Baseball, deren Erträge an die (wie auch immer definierten) kleinen Vereine umgelegt wird? Bei der Ausführung sähe ich zwei Möglichkeiten: Entweder als Steuer auf jeden Euro Überschreitung einer teambezogenen Gehaltsobergrenze bei einem Verein am Ende des Geschäftsjahres oder als Transaktionssteuer auf jeden einzelnen Transfer, egal in welcher Höhe.

        Beim letzteren wäre man dann weg von einer Art Bestandssteuer zu einer Transaktionssteuer, würde aber im Hinblick auf das Ziel, Geld von großen Clubs zu kleineren umzuverteilen, ähnliches erreichen (bräuchte aber einen Mittelsmann, der das Geld einsammelt und umverteilt – wäre ja vielleicht auch eine Chance für Gestaltungsspielraum (z. B. DFL)).

      10. @Alex

        Beratergebühren (Club und Spieler):
        Es muss mMn das Bestellerprinzip gelten wie auch bei Mietwohnungen jetzt geregelt. Es war absurd das der Mieter die Gebühr für einen vom Vermieter bestellten Makler bezahlt. Beim Hausverkauf ist es bisher absurderweise noch nicht umgesetzt dh der Käufer zahlt den vom Verkäufer bestellten Makler. In UK und USA zahlt naturgemäß immer der der den Auftrag erteilt.
        Die Clubs zahlen ja auch die von ihnen beauftragten Vermittler ( FCB nutzt ja oft Branchini für viele Transfers den sie selbst bezahlen).
        Raiola ist das Gegenbeispiel : da wird ein Transfer von Pohba und deLigt auch unter dem Gesichtspunkt getätigt welcher Club bereit ist seine unverschämten Forderungen zu bezahlen. Wenn die Spieler diese unverschämten fees zahlen müssten wären sie wohl schnell nicht mehr so unverschämt.
        Denke das ist logisch und kann man argumentieren und deshalb entsprechend regeln. Und wenn man es indirekt über signing on oder Gehalt hereinholen will dann muss sich eben der Club im Klaren sein und nicht jammern wenn sie ihren Spielraum bewusst verkleinern.

        Besteuerung etc:
        Ein interessanter Ansatz der ja auch in China auf Transfers erfolgreich umgesetzt wurde.
        Denke das sollte man aber grundsätzlich nur auf Transfers/Ablösen und nicht auf Gehälter beziehen.
        Man könnte automatisch über das neue UEFA TransferSystem ab einer gewissen Größenordnung / threshold (abhängig von was?)eine transaction fee einführen die nach einem Schlüssel an kleinere Ligen/ Clubs verteilt werden.
        So könnte man schon auch die Ablösen einbrennen- muss darüber im Detail nachdenken.

      11. Habe nochmal die von der Fifa beschlossenen Initiativen kopiert die ja von den Beratern vehement blockiert werden.

        https://www.fifa.com/who-we-are/news/reform-proposals-concerning-football-agents-regulations

        Dazu kommt ja noch die Implementierung des neuen clearing systems

        https://www.fifa.com/who-we-are/news/fifa-takes-the-first-step-for-the-establishment-and-operation-of-the-fifa-cleari

        In the last year alone, football agents earned USD 653.9 million in fees, four times more than in 2015.

        The reform package therefore includes several measures concerning agents:

        establishment of a cap on commissions to avoid excessive and abusive practices;
        limitation of multiple representation to avoid conflicts of interest;
        reintroduction of a mandatory licensing system for agents to raise professional standards;
        creation of a FIFA Clearing House to guarantee better financial transparency;
        establishment of an effective FIFA dispute resolution system to address disputes between agents, players and clubs;
        disclosing and publishing all agent-related work in transfers, to increase transparency, improve the credibility of the transfer system and support the implementation of new regulations.

  12. Schön geschrieben und die Schlussfolgerung teile ich: ein Salary Cap System wäre nur möglich in einem neu geschaffenen, geschlossenen, europäischen Verbund, zu dem sich alle Teilnehmer, sprich Vereine (am EU-Recht vorbei) vertraglich verpflichten. Also eine europäische Super-Liga aus 20-30 Teams. Würde man es darüber hinaus schaffen, jährlich eine Art Draft-Regelung für die 50 größten globalen Talente einzuführen, hätte man das dem US-Sport nahestehendste Ligensystem (ohne zu bewerten, ob das jetzt gut oder schlecht ist).

    Im Übrigen würde ich nicht sagen, dass NFL, NBA, NHL oder MLB “fairer” sind, als z.B. die Bundesliga. Die Ligen sind in Teilen ausgeglichener, weil ein Free Agent maximales Gehalt theoretisch bei 10 Clubs bekommen kann und nicht nur bei einem oder zwei. Aber auch in den USA gilt: gutes Management ermöglicht in der Regel nachhaltigen Erfolg – simple (Gehalts)obergrenzen haben noch die wenigsten kleinen Clubs zu dauerhaften Titelanwärtern geführt.

    Und hier sehe auch die größten Defizite der deutschen Liga, weniger im Geld. Größtenteils werden die Clubs einfach schlecht geführt, Strukturen sind veraltet und jedes neue Geld wird größtenteils verbrannt. Hamburg, Stuttgart, Schalke, Hertha, ja selbst 1860. Das Gegenbeispiel dazu ist RB: mit Konzept und den richtigen Akzenten kann man einen Verein sogar in die CL führen. Und das hat nichts mit Salary Cap zu tun, sondern mit Management und Fach- und Fußballknowhow. Die Kehrseite der Medaille ist allen bekannt, bloß: in erster Linie ist Wettbewerbsfähigkeit eine Frage der Struktur und des Managements, weniger eine der Geldmittel-Verteilung.

    PS Es heißt übrigens der Salary Cap, weil “die” Cap meines Wissens etwas anderes ist. Das klang stellenweise etwas ulkig.

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    1. @Turbo Batzi: Vielen Dank für den Hinweis mit der Salary Cap. Ich habe das grammatikalische Geschlecht im Text angepasst. Vielleicht hätte ich lieber durchgehend von “Gehaltsobergrenze” sprechen wollen, das hätte einiges vereinfacht.

      Mit deinem Hinweis zu den überkommenen und anachronistischen Management- und Organisationsstrukturen bei vielen deutschen Fußballvereinen rennst du bei mir offene Türen ein. Genau diese Vermutung habe ich auch. Zumindest im nach außen sichtbaren medialen Bild wirken viele Fußballvereine auf mich manchmal eher wie mittelalterliche Adelshöfe als wie (sic!) nach modernen und rationalen Kriterien effizient geführte Unternehmen. Klar, RB Leipzig hat Geld, aber dass sie in so kurzer Zeit aus dem Nichts zu einem Champions League-Teilnehmer geworden sind, hat sicherlich auch ganz viel mit viel modernem Management Know-how und einem frischen Start ohne Altlasten und Pfadabhängigkeiten zu tun.

  13. Voraussetzung für professionelles Management sind durchgehende adäquate zeitgerechte Strukturen.
    Aber nicht nur im Ablauf sondern auch in den Vereinsstrukturen per se.
    Das fängt mit der Ausgliederung des Profifußballbetriebs in eine KG an ( merkwürdig das S04, Mainz und Freiburg es immer noch nicht geschafft haben- Düsseldorf und Union mal herausgenommen).
    Beispiel HSV. Da schafft es ein gescheiterter Hoffnann durch die Hintertür sich zum Präsidenten wählen zu lassen von Chaoten denen er alles mögliche versprochen hatte, um dann als AR VS den Vorstand zu desavouieren und sich durch Ränkespiele im AR zum VVS wählen zu lassen. Jetzt sollen junger unerfahrener ex Spieler der Heilsbringer sein.
    Wie soll ein Boldt der ein guter Sportdirektor ist da professionell arbeiten?
    Bei S04 ist es ähnlich. Ein hervorragender Schneider ist im Kasperletheaterkorsett der Clubstrukturen gefangen. Bei Köln und Stuttgart genauso.
    Warum sollen diese Missmanagementveranstaltungen höhere TV Einnahmen bekommen die sie dann sowieso wieder verpulvern.

    Wenn man schon die EPL heranführt dann sollte man aber auch deren Strukturen anführen und nicht nur den Verteilungsschlüssel.

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. @918
      Es ist auffällig, dass du deine Antworten und Bemerkungen zu bereits vorhandenen Beiträgen fast immer als neue Gesprächsfäden veröffentlichst.
      Ich frage mich, ob das daran liegt, dass du es prinzipiell als unter deiner Würde ansiehst auf andere Meinungen zu reagieren oder grundsätzlich nur fähig bist zu monologisieren, zumal dich andere Meinungen sowieso nicht interessieren.

      1. +1
        Highlight auch immer Kommentar unter eigenem Post!

  14. Grundsätzlich sehr guter Artikel, der viele Punkte anspricht.

    M.E. ist und bleibt es dennoch eine Scheindiskussion, da die rechtlichen Hürden einfach viel zu groß sind. Arbeitsverträge sind und bleiben einfach frei verhandelbar. Selbst in einem Franchise-System dürfte der Grundsatz gelten. Dann könnten sich Spielergewerkschaften und Vereine zwar über einen Tarifvertrag einigen, aber es gibt immer noch den außertariflichen Bereich der Gang und Gäbe für die höher bezahlten ist.

    Das ginge nur falls es allgemeingültige Gesetzesänderungen gibt, d.h. generelle Gehaltsobergrenzen in der kompletten Wirtschaft, was ja gelegentlich mal von Linke/SPD vorgeschlagen wird. Die Topverdiener in unserem Gesellschaftssystem können ihr Gehalt nunmal selbst verhandeln (Unternehmensvorstände, Schauspieler, etc.).

    Das kann man fair finden oder auch nicht. Aber bevor es die gesetzlichen Grundlagen nicht gibt, ist die Gehaltsdiskussion im Fussball eigtl. überflüssig. Da sollte man sich lieber auf die anderen hier vorgeschlagenen Punkte konzentrieren.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. @Max: Stimme dir bei deinen Ausführungen zur Situation in Deutschland zu, aber in den geschlossenen amerikanischen Franchise-Systemen gibt es für die Spieler und Vereine keinen Weg vorbei an den Gehaltsobergrenzen. Die sind fest verbindlich und da müssen sich alle dran halten, sonst hagelt es Strafzahlungen. Außertarifliche Arbeitsverträge gibt es in diesen Systemen nicht.

      Es handelt sich übrigens auch m. W. bei den großen Ligen nicht um individuelle Salary Caps, sondern teambezogene. Ein einzelner Spieler kann zwar schon extrem viel verdienen, aber dann bleibt eben nicht mehr viel für seine Teamkollegen übrig.

  15. @Alex
    Ist Dir bekannt das das von der UEFA vorgegebene Lizensierungsverfahren nahezu 1:1 von der DFL umgesetzt wird?

    https://media.dfl.de/sites/2/2018/11/uefa-reglement-lizenzierung-und-ffp-ausgabe-2018.pdf

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Das UEFA-Reglement zur Klublizenzierung und zum finanziellen Fairplay (Ausgabe 2018) gilt für alle UEFA-Klubwettbewerbe, in deren Reglement ausdrücklich darauf verwiesen wird. Es legt die Rechte, Pflichten und Zuständigkeiten aller am UEFA- Klublizenzierungsverfahren beteiligten Parteien fest und beschreibt u.a. die
      Stand: 14.12.2018
      3

      sportlichen, infrastrukturellen, personellen und administrativen, rechtlichen und finanziellen Mindestanforderungen, die ein Club erfüllen muss, um von dem zuständigen nationalen Lizenzgeber eine Lizenz zu erhalten, die zur Teilnahme an den UEFA-Klubwettbewerben berechtigt. Es legt ferner die Rechte, Pflichten und Zuständigkeiten aller am UEFA-Klub-Monitoring-Verfahren zur Erreichung der Ziele der UEFA betreffend das finanzielle Fairplay beteiligten Parteien fest und beschreibt u.a. die Monitoring-Vorschriften, die von den Lizenznehmern, die sich für einen UEFA-Klubwettbewerb qualifizieren, erfüllt werden müssen.
      Die die Klublizenzierung betreffenden Mindestanforderungen des UEFA- Reglements zur Klublizenzierung und zum finanziellen Fairplay (Ausgabe 2018) hat der DFL e.V. gemäß den Vorgaben in Art. 5 Nr. 3 des UEFA-Reglements in seine Satzung, die Satzung der DFL GmbH und das Ligastatut, insbesondere in die Lizenzierungsordnung und die dazugehörigen Anhänge, sowie in den mit dem Bewerber abzuschließenden Lizenzvertrag aufgenommen und umgesetzt.
      Mit der Lizenzerteilung durch den DFL e.V. erwirbt der Bewerber daher auch grundsätzlich die Berechtigung zur Teilnahme an den UEFA-Klubwettbewerben, sofern er nach den geltenden Bestimmungen qualifiziert ist.

      https://media.dfl.de/sites/2/2018/12/Lizenzierungsordnung-LO-2018-12-14-Stand.pdf

    2. Jup. Ist mir bekannt. Ich setze mich mit dem Thema FFP schon seit einigen Jahren recht intensiv auseinander. Die DFL ist übrigens nicht der einzige Landesverband. Das machen ganz viele so.

  16. Am besten ist die Mär von der gleichen Verteilung der Fernsehgelder in der PL.
    Ja, es gibt einen Grundbetrag, der für alle gleich ist! Und dieser Grundbetrag ist schon um einiges höher, als das ,was in der Bundesliga an den Tabellenführer ausgezahlt wird.
    Aber dann ist der Geldfluß abhängig von den Übertragungen.
    Und da sind die höher platzierten Teams natürlich öfter zu sehen.
    Deshalb kassierte in der letzten Saison der Tabellenletzte Huddersfield knapp über 100 Mio.
    Die beiden Top-Vereine ManCity und Liverpool allerdings knapp über 170 Mio.
    Gleiche Verteilung sieht anders aus. Und dieses System gibt es nicht erst seit dieser Saison.
    Dabei sollte man auch im Hinterkopf haben, woher die Gelder kommen!
    Auch in England haben die Fernsehsender nichts zu verschenken.
    Die Premier League teilen sich BT und Sky. Kostenpunkt im Monat: 49,50 Pfund im Monat. Champions League und UEFA Europa League gibt es exklusiv bei BT. Kostet nochmal 22,99 Pfund im Monat.
    Den FA Cup gibt es in der öffentlich-rechtlichen BBC zu sehen. Dafür muss jeder Engländer 145,50 Pfund im Jahr “TV licence” entrichten – vergleichbar mit der deutschen GEZ-Gebühr. Macht zusammen im Jahr stolze 1015 Pfund im Jahr. Umgerechnet sind das jährlich 1170 Euro.

    Ob der deutsche Fan bereit ist 1170 € im Jahr zu zahlen, ist die Frage.

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Und es gibt keine Konferenz.
      Alle Spiele alle Tore ist weltfremd in UK da live Übertragungen um 3pm verboten sind um die niedrigeren Ligen zu schützen.

    2. In UK funktioniert das Pay-TV bzw. Fussball im Pay-TV aber auch ganz anders als bei uns. In D gibt es eigentlich nur Sky, die ein reiner Pay-TV-Anbieter sind. In UK gibt es neben Sky (die dort so etwas wie die Fernsehgrundversorgung betreiben, weil es neben der BBC kaum andere frei empfangbare Anbieter gibt und zugleich auch Telekom-Anbieter sind) noch BT und auch andere Anbieter. Das sind aber immer Konzerne, die sich nicht nur über Pay-TV finanzieren, sondern auch andere Einnahmequellen haben – wie die Telefon-/Internetgebühren. Die hohen Kosten für die Fussballrechte legen sie dann teilweise um auf alle Kunden. Dann zahlt auch der Nicht-Fussballabonnent einfach 1 oder 2 Euro pro Monat höhere DSL-Gebühren. Bei 10 Mio Kunden hat man dann pro Monat entsprechend mehr Geld übrig, um auch teure Rechte gegenzufinanzieren (das kann in einem Jahr dann fast eine Viertelmilliarde ausmachen). Diese Art der Querfinanzierung fehlt in D bisher, solange die Telekom, Amazon usw. nicht einsteigen und mitbieten.

  17. Die Blase wird bleiben, so oder so….

    lasst doch alle weiter so verdienen wie es ist, aber xx% der Fußball bedingten Umsätze (Transfers, Prämien, Boni , Sponsoring etc pp ( laufen garantiert in sozialrelevante Hilfsfonds.

    Dann versteh ich, auch als Fan/Kiddie, die vorgeebten Kontaktbeschränkungsverletzung (geiles Wort) die ich selber unbedingt einhalten solte.

    Antwortsymbol4 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Aber ist dann nicht in diesem Sinne jedes Unternehmen eine “Blase”, auch der kleine Solo-Selbständige an der Ecke? Denn genau wie ein Profifußballverein arbeitet er für sein eigenes Wohl. Er kauft Dinge ein (sagen wir Blumen aus Holland), veredelt sie durch seine spezifische Kompetenz (er macht schöne Sträuße) und verkauft das Gesamtpaket zu einem höheren Preis an seine Kunden. Die Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis streicht er dann als Gewinn ein (Miete, Stromkosten usw. außen vor gelassen).

      Genauso funktioniert im Prinzip jedes Unternehmen. Sie alle produzieren etwas, was nachgefragt wird, und streichen die Differenz zwischen ihrem Umsatz und ihren Kosten als ihren Gewinn ein. Das gilt auch für den Profifußball.

      Du würdest von dem Solo-Selbständigen an der Ecke nicht erwarten, dass er einen Teil seines Gewinns an soziale Projekte o.ä. abgeben soll. Warum erwartest du es dann von dem Fußball? Ist ist nicht in einem gesellschaftlichen Sinne schon Sozialleistung des Profifußballs genug, dass er zigtausende Menschen in Lohn und Brot bringen? Dass er ihnen Einkommen verschafft, mit dem sie ihre Kinder ernähren können? Dass er seinen kleinen Teil zur materiellen Reproduktion unserer Gesellschaft beiträgt? Er funktioniert diesbezüglich unter dem Strich nicht anders als jeder andere Wirtschaftsbereich, inklusive des kleinen Blumenhändlers. Das ganze Wirtschaftsleben funktioniert nach demselben Prinzip.

      Wenn die vom Fußball lebenden Menschen – inklusive der Spieler – etwas freiwillig von ihrem Einkommen an soziale Projekte o.ä. abgeben wollen, gute Idee! Wenn die Vereine etwas von ihrem Gewinn an soziale Projekte abgeben wollen, noch besser!

      Aber meiner Meinung nach darf es in einem Sozialstaat nicht auf die Großzügigkeit und Barmherzigkeit des einzelnen ankommen, für die Schwachen und Hilfsbedürftigen zu sorgen. Diese Aufgabe obliegt dem Staat. Der Staat besteuert die Einkommen und Gewinne und verteilt sie im Interesse aller um (so ein bisschen wie in einem amerikanischen Franchise-System im Sport ;-). (Übrigens liefert Amerika ein ziemlich eindrückliches Beispiel dafür, wie es läuft, wenn der Staat es eben vielerorts _nicht_ macht).

      Genauso auch im Fußball. Nur wenn der Fußball stattfindet und die Leute vom Sicherheitsdienst, der Greenkeeper und, ja, auch die Spieler ihr Einkommen haben und die Vereine Gewinne machen, dann hat der Staat auch etwas, was er besteuern und an soziale Projekte umlegen kann.

      Natürlich ist es schwer, dies dem Fan oder Kiddie zu vermitteln, aber was ich dir letztendlich sagen will ist, dass der Fußball schon allein dadurch, dass er überhaupt stattfindet, einen sozialen Beitrag leistet.

      1. @Alexander:
        Großartig.

      2. @Alexander: Grandios geschrieben.

        Irgendein Spieler in England, ich weiß jetzt nicht mehr welcher, sagte sinngemäß, er ist gegen Gehaltsverzicht, weil dann nur der Verein spart, dem Staat aber ein Haufen Steuereinnahmen entgehen.
        Ob seine Motive wirklich so ehrenvoll sind mag dahingestellt sein, Recht hat er allerdings.

      3. Ja, die Steuergesetzgebung wäre z.B. ein wesentlich effektiveres Instrumentarium als rechtlich fragwürdige Gehaltsobergrenzen, wenn ich der Meinung bin, dass Menschen/Unternehmen nicht über ein gewisses Maß hinaus verdienen sollten.

        Der FCB dürfte übrigens mittlerweile auch schon über eine Viertelmilliarde Euro im Jahr an den Fiskus abführen.

  18. Interessante KPMG Analyse zu den aktuellen Marktwerten unter 2 Szenarien Abbruch / Weiterführung

    Havertz 73-81 Mio
    Werner 79-83 Mio!!!!
    Sane ???

    https://assets.kpmg/content/dam/kpmg/nl/pdf/2020/persberichten/kpmg-fbm-report-covid-impact-on-players-values.pdf

  19. So – laut Bild will die DFL morgen einen Notfallplan vorstellen und von den Clubs absegnen lassen: sollte es doch zu einem Abbruch der Saison kommen, soll die Tabelle zum aktuellen Zeitpunkt gewertet werden. Es soll dann zwei Absteiger geben, Relegation entfällt, und es ist entsprechend keine Aufstockung der Liga vorgesehen.

    Wird auch Zeit, dass man sich mit “Plan B” befasst – wie bereits mehrfach angemerkt gehe ich davon aus, dass man diesen benötigen wird.

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    1. Gut für uns, auch wenn es keine “vollwertige” Meisterschaft wäre. Aber besser wir als die Bienen oder Dosen ;-)
      Jetzt ist es wichtig, dass wir unbdingt zwei Siege bei Union und gegen die Eintracht holen, damit wir mindestens mit 4 Pkt. Vorsprung nach Dortmund fahren…

  20. Nebenbei: ich empfinde die Überschrift mit dem Begriff “Allheilmittel” als insofern polemisch, als auch Befürworter eines Salary Caps wohl nicht behaupten, daß damit alle Probleme der Ungleichheiten beseitigt wären (nein, das Fragezeichen macht es nicht besser). Davon abgesehen stimme ich der These zu, daß ein Salary Cap im Umfeld des europäischen Fußballs aus verschiedenen Gründen einerseits nicht wirklich machbar ist, und andererseits vermutlich auch nicht allzu viel bewirken würde.

    Gegen eine paritätische Aufteilung der TV-Gelder unter den Vereinen der Liga spricht aber nun wirklich wenig in meinen Augen. Selbstverständlich würde das nicht die Ungleichheit unter den Vereinen auf einen Schlag wegbügeln, im Verhältnis Bayern zu Freiburg vielleicht nicht mal sichtbare Auswirkungen zeigen. Aber wenn man nur Änderungen befürwortet, die sofort 100% Zielerreichung bringen, dann wird man ewig beim Status Quo bleiben. Es spricht nicht wirklich etwas dagegen, einen ersten Schritt zur Eindämmung der extremen Differenzen zwischen den Clubs mit den Fernsehgeldern zu tun.

    Als Argument dagegen kam oben einmal (wenn ich das richtig verstanden habe), daß dann, wie in den US-Ligen, für die schwächeren Clubs am Ende der Anreiz fehlt, sich noch entscheidend zu verbessern. Nun, zum einen wird das Phänomen des “Tanking” üblicherweise damit erklärt, daß beim Draft, wie vor knapp 2000 Jahren von einem langhaarigen Galiläer vorhergesagt, die Letzten die Ersten sein werden. Den Draft-Mechanismus gibt es hier nicht. Zum anderen gibt es dafür hier in Europa etwas, was das “Tanking” viel effektiver verhindert, als irgendwelche TV-Geld-Differenzen: den Abstieg. Allein da liegt ein um Größenordnungen stärkerer Anreiz für alle Vereine, jede Saison vernünftig zu Ende zu spielen.

    Bleibt noch die Frage, welchen Unterschied es für die Vereine machen würde. Mag sein, daß der Verlust Bayern gar nicht so stark belasten würde. Für Vereine wie Freiburg (oben wurden 111 statt 96 Mio Umsatz genannt) wäre das aber schon ein merkbarer Unterschied. Mit 15 Millionen mehr pro Jahr könnte man bspw. 3-5 Schlüsselspielern evtl so viel mehr Gehalt zahlen, daß sie zumindest nicht zu Vereinen wie Gladbach/Wolfsburg/Schalke abwandern. Und das wiederum würde – bei guter sportlicher Arbeit – langfristig sehr wohl einen Unterschied machen, denn es war und ist ein Riesenproblem für diese Vereine, daß ihnen die Mannschaft nach jeder halbwegs guten Saison kaputtgekauft wird. Ob der Effekt eintritt, wird man natürlich erst im Nachhinein sehen, einen Versuch wäre es wert.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. @JP: Danke für deine ausführliche Meinung.

      Nebenbei: Mir kam die Diskussion um den Salary Cap mancherorts schon als ziemlich hoffnungsbeladen vor.

      Gegen eine Gleichverteilung der TV-Gelder auf alle Vereine, vielleicht differenziert nach 1. Und 2. Liga, hätte ich auch nichts einzuwenden. Meine grundsätzliche Geisteshaltung ist eher pragmatisch als idealistisch und ich stimme dir daher auch vollkommen zu, dass es besser ist, einen kleinen Schritt zu gehen, als die Reise gar nicht erst anzutreten. Einen Versuch wäre es wert, vollkommen einverstanden. Und tatsächlich könnten diese 15 bis 30 Millionen bei kleinen Vereinen sportlich schon einen gewaltigen Unterschied machen, auch wenn diese Summen allein an den relativen Kräfteverhältnissen in der Liga insgesamt nicht wahnsinnig viel ändern wird.

      Bei meiner Antwort bezüglich der fehlenden Anreize für sportlich schwächere Teams stärker zu werden, habe ich nicht das Tanking gemeint. Es gibt auch diesseits des Tankings das Phänomen, dass Teams zwar nicht abschenken, aber sich auch einfach nicht richtig anstrengen (und auch nicht müssen) und trotzdem wirtschaftlich ziemlich gut dastehen. Das ist ja auch logisch. Wenn ich einen Großteil meines hart erarbeiteten Erfolgs abgeben muss, gleichzeitig aber nicht allzu große wirtschaftliche Einbußen hinnehmen muss, wenn ich es gemächlich angehen lasse, warum dann anstrengen?

  21. OT…leute, bitte helft mir verstehen: bei der ganzen Diskussion um die Wiedereröffnung der Bundesliga wird ja immer wieder die dennoch bestehende Infektionsgefahr auf dem platz beschworen. zweikämpfe, freistoßmauer, rudelbildung etc. pp. – was ich schlicht nicht verstehe: wenn die beteiligten vorher intensiv getestet werden, “clean” auf den platz gehen oder am spiefeldrand ihrer arbeit nachgehen, dann keinerlei weiteren außenkontakte mehr haben – wo liegt dann die Gefahr?

    wenn lauter negativ getestete kicken, dann können sie sich doch sonst wie nahe kommen ohne dass etwas passieren kann…oder versteh ich da was nicht? ich habe den eindruck, dass da die Diskussion ein wenig von der – geplanten – hygiene-Realität weggeht…wäre echt froh, dazu Meinungen und Erklärungen zu lesen!

    Antwortsymbol3 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Berechtigte Frage.
      Ich würde mal tippen, dass es als unrealistisch angesehen wird, so viele Menschen über Wochen komplett isoliert zu halten. Die wollen ja auch ihre Frauen und Kinder sehen.

    2. Wenn keiner infiziert ist kann sich auch keiner anstecken.
      Ob jemand infiziert ist zeigt ein PCR Test.
      Ein Problem MMn ist das man Abstriche immer noch in ein Labor bringt anstatt den Schnelltest zu machen der ein Ergebnis nach 1 Stunee zeigt.
      Zumindest sollten / könnten die Clubs unabhängig von den DFL akkreditieren Labors auch Eigentests machen.
      Nur ein negativer Test ist nur solange aussagekräftig wie sich jemand dann entsprechend verhält und nicht ansteckt.
      Ganz kann man das Risiko ohne AK nicht ausschließen.
      Auch wenn dann draußen an frischer Luft gespielt wird.
      Insgesamt ist das Risiko aber eher sehr gering.

    3. Ein Restrisiko gibt es immer.

      Da ist zum einen der Test an sich. Menschenwerk und daher zwangläufig mit der Möglichkeit zu Fehlern behaftet. Das wären hier falsch negative Tests.
      Dann ist ein Test immer eine Momentaufnahme. D.h. der Ablauf “heute negativ getestet, morgen infiziert, übermorgen Überträger” ist immer möglich.

      Dann die Isolierung. Dass man 1700 Menschen über so viele Wochen vollständig von allen anderen Menschen und hypothetischen Übertragungsmöglichkeiten fern halten könnte, erscheint völlig illusionär.

      Man wird also dieses gewisse Restrisiko nicht ausschließen können. Wie hoch man das einschätzen mag, hängt sicher auch von der persönlichen Einstellung und den eigenen kognitiven Verzerrungen ab.
      Der Mensch ist nun mal ein notorisch schlechter Risikoeinschätzer. Zumindest seit uns die Säbelzahntiger abhanden gekommen sind. Da waren die Dinge noch einigermaßen klar geregelt.

      Ich würde z.B. für die betroffenen Spieler die gesundheitlichen Risiken durch jahrelangen Leistungssport deutlich höher einschätzen, als die hypothetischen Gefahren einer Corona-Infektion/durch eine Corona-Infektion.

  22. […] Kommerz, Langeweile, wirtschaftliche Stabilität – Der Salary Cap als Allheilmittel? | Alex […]

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