“Ein bisschen was von Toni Kroos”

Maurice Trenner 09.05.2020

Für Adrian Fein ist es nicht die erste Leihe. Bereits letzte Saison bestritt er 21 Spiele für Jahn Regensburg und wurde von Trainer Beierlorzer, der mittlerweile Mainz 05 leitet, schwer gelobt. Beim HSV ist Fein aus der Startelf nicht wegzudenken und war als Sechser in 25 Spielen an fünf Toren beteiligt (1 Tor, 4 Vorlagen).

Im Interview sprechen wir mit Lasse, der mit drei weiteren HSVern den Podcast Volksparkgeflüster produziert. Dort bespricht er seit dem Abstieg 2018 wöchentlich alle Themen rund um die Rothosen. Passend zum 8. Mai legt er euch zudem das Projekt Netzwerk Erinnerungsarbeit und den Hashtag #LoveHamburgHateRacism ans Herz.

Hallo, Lasse! Vielen Dank erstmal, dass du dich bereit erklärt hast, heute mit uns über die Bayern-Leihgabe an den Hamburger SV Adrian Fein zu sprechen. Was waren deine ersten Gedanken, als im Juli letzten Jahres die Ausleihe verkündet wurde?

Vielen lieben Dank für die Anfrage und Moin aus dem hohen Norden. Tatsächlich muss ich zugeben, trotz seiner Saison in Regenburg vorher nichts vom Spieler Adrian Fein gehört zu haben. Zu meiner Verteidigung lag dies eventuell auch daran, dass er in Regenburg in der IV spielen musste und so sein volles Potenzial nicht entfalten konnte und entsprechend nicht „sichtbar“ war. Nachdem die Leihe dann fix war, informiert man sich natürlich, wer da zu uns an die Elbe kommt. Die allgemeinen Berichte über ihn waren vielversprechend. Ein großes Talent der Bayern mit viel Spielübersicht und guter Technik, welches sogar schon für die deutschen U-Nationalmannschaften gespielt hat. Mein Interesse und die Vorfreude ihn spielen zu sehen war definitiv geweckt.

Zum Einstieg: Mit welchen Worten würdest du Adrian Fein beschreiben? Welchem etablierten Spieler oder auch Ex-HSVer ähnelt er?

Tatsächlich gab es in den letzten Jahren wenige Spieler beim HSV, mit denen Adrian Fein vergleichbar ist. Mir würden da spontan nur Orel Mangala und Milan Badelj einfallen, diese füllten aber meist eine etwas andere Rolle als Adrian Fein aus, oder sahen sich selbst in einer etwas offensiveren Position. Bei unseren Podcastaufnahmen mit dem „Volksparkgeflüster“ sind wir uns oft einig, dass Adrian Fein uns – so verrückt und größenwahnsinnig es klingen mag – stark an Toni Kroos erinnert. Unser Mitpodcaster Birger gerät dann oft ins Schwärmen, da Toni Kroos sein fußballerischer Mancrush ist. Wenn man die beiden Spieler jedoch vergleicht, gibt es viele Parallelen in ihrer Spielweise. Stark am Ball, gute Technik und eine super Spielübersicht. Beide können das Spiel lesen und von hinten mit hervorragenden Pässen aufbauen. Außerdem arbeiten beide gut nach hinten und fangen viele Bälle ab.

In der Vorsaison schaltete und waltete Adrian Fein in der zweiten Liga bei Jahn Regensburg.
(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Tobias Escher nannte Fein in einer Kolumne für Spiegel Online: “Der Spieler, der dem HSV jahrelang gefehlt hat.” Eine Aussage, die du nach einer Saison unterschreiben kannst? Welche Rolle nimmt er
im Team ein?

Absolut! Durch die erwähnte Spielübersicht und die Fähigkeit das Spiel aus dem hinteren Mittelfeld heraus zu lesen und zu lenken, hat sich Adrian Fein momentan quasi unentbehrlich für Trainer Dieter Hecking gemacht. Ist er verletzt oder hat er einen schlechten Tag, ist dies dem Spiel des HSV direkt
anzusehen. Er spielt konstant gut bis sehr gut, teilweise überragend. Gerade im Zusammenspiel mit Jeremy Dudziak, der meist als typischer „Box-to-Box-Spieler“ agiert, harmoniert dies wunderbar. Das ist natürlich alles im Kontext der zweiten Liga zu betrachten.

Wo siehst du aktuell noch Schwächen im Spiel des U21-Nationalspielers? Denkst du, dass er es schaffen wird diese mittelfristig abzustellen?

Man kann deutlich sehen, dass er noch Probleme damit hat, wenn er im Spielaufbau hart von Gegenspielern angegangen und unter Druck gesetzt wird. Da der HSV in der 2.Bundesliga meist als Favorit auftritt, ziehen sich die Gegner oft weit zurück und versuchen den Spielaufbau des HSV zu
stören indem Sie Fein durch hartes und teilweise auch unfaires Tackling sowie Pressing aus dem Spiel nehmen. Da Fein am Anfang der Saison eher überraschend Stammspieler wurde, waren die Gegner anfangs oft von seiner Spielstärke überrascht. Mittlerweile haben viele Mannschaften die Spielweise des HSV jedoch entschlüsselt und nehmen Fein systematisch aus dem Spiel. Sich diesem Tackling zu entziehen, ist für jeden Spieler schwierig.

Als Antwort hierauf lässt Dieter Hecking die Mannschaft seit der Rückrunde etwas abwartender agieren, um wenn möglich, dem Gegner den
Spielaufbau zu überlassen und bei dessen Ballverlust mit schnellem Umschaltspiel über Ballverteiler Fein ins gegnerische Angriffsdrittel zu kommen. Durch Trainer und Mitspieler des „Kalibers FC Bayern“, sollte er aufgrund seines Talents aber in der Lage sein, sich in Sachen Ballbehauptung weiter verbessern zu können.

Aufgrund einer Verletzung verpasste Fein das Derby gegen St. Pauli. Der 21-Jährige sagte dazu: “Wäre es nach mir gegangen, hätte ich wahrscheinlich bereits zwei Wochen vorher gespielt, ich wollte mir das Derby gegen St. Pauli nicht entgehen lassen.” Sind das Aussagen die man als Fan gerne von einem Leihspieler hört? Was sagt das über seine Einstellung zur “Zwischenstation” Hamburg aus?

Ich würde dieser Aussage ehrlicherweise nicht zu viel Wert beimessen, natürlich ist es der Ansporn von Adrian Fein immer zu spielen. Außerdem möchte sich das Stadtderby, glaube ich, kein Spieler entgehen lassen, der die Chance hat, bei diesem Klassiker auf dem Rasen zu stehen. Wie man den Medien im Zuge seiner Vertragsverlängerung beim FC Bayern entnehmen konnte, scheinen Adrian Fein und sein Berater einen ziemlich genauen Karriereplan für ihn ausgetüftelt zu haben. Inwiefern sich dieser dann realisieren lässt, steht natürlich auf einem anderen Blatt Papier.

Abschließende Frage: Denkst du, dass Fein bereit für den Schritt zum FC Bayern ist oder würdest du ihn auch gerne nächste Saison noch in roten Hosen an der Elbe sehen?

Ich denke schon, dass Adrian Fein bereit wäre zum Kader des FC Bayern dazu zustoßen. Wie man hört, möchte der FC Bayern seine Mannschaft ja verjüngen. Die Forderung eines Stammplatzes wäre hier aber natürlich übertrieben und unrealistisch. Trotzdem hat er hat ein
riesiges Entwicklungspotenzial und könnte dieses durch noch bessere Trainer und Mitspieler wahrscheinlich noch gezielter abrufen. Logischerweise besteht durch diese hohe Menge an Qualität im Team aber auch die Gefahr, dass er ein Dasein auf der Bank oder sogar Tribüne fristet, man schaue nur auf Fiete Arp. Daher wäre es am klügsten, ihn bei einem Aufstieg des HSV ein weiteres Jahr in den Volkspark auszuleihen und ihn so Erstligaluft schnuppern zu lassen. Sollten wir den Aufstieg verpassen, wäre eine Leihe zu einer Erstliga-Mannschaft, die ihm Einsätze garantiert, ein
kluger nächster Zwischenschritt für ihn.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Lasse für das aufschlussreiche Gespräch und blicken im Sommer umso gespannter auf die Personalie Adrian Fein.

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  1. MMn ist Fein zweikampf und kopfballstärker als Kroos. Seine Technik und Übersicht am Ball ist überragend. Er weiß wie viele gute ZM meist schon vorab welcher Ball zu spielen ist- auch unter Druck da ist er mit Kroos und Havertz ähnlich veranlagt.
    Natürlich noch nicht auf dem Level eines Thiagos. Wer so wie er in der Rumpelliga spielen kann kann sich auch im gepflegteren Fußball durchsetzen.
    Für mich hat er bessere Chancen als ein Cuisance.
    Ausleihen würde ich ihn noch nicht gleich. Erstmal im Training genau ansehen.

  2. Schöner Beitrag über einen meiner (zumindest potentiellen) Lieblingsspieler. Wenn wir auch über die Aussage, dass er in Regensburg IV gespielt hätte, gleich wieder den freundlichen Mantel des Schweigens decken wollen.

    Seit Emre Can ist er zumindest das heißeste, was aus der Bayernjugend gekommen ist.
    Den Hinweis auf Toni Kroos finde ich gar nicht so verkehrt. Will ja nicht heißen, dass er zwangsläufig eine ähnliche Karriere macht, aber man hat da schon einiges über den Spieler erklärt. Ich muss auch oft an Philipp Lahm denken.
    Wie Kroos zeichnete es Lahm ja auch aus in einem gegebenen Moment automatisch fast immer die richtige Entscheidung zu treffen. Dies sehr oft, ja meistens, in den kleinen, eher unspektakulären Momenten, noch drei oder vier Pässe von einem Torschuss o.ä. entfernt. Auffallend ist das eher in dem Moment, in denen ein anderer Spieler dies z.B. nicht macht.
    Die Momente in denen man sich dann denkt “warum tötet er denn den Spielzug mit diesem Pass?”, “warum bringt er seinen Mitspieler mit dem Zuspiel jetzt in Schwierigkeiten?”, “warum geht er nicht in diesen Raum?”
    Momente die man bei einem Kroos, oder Lahm eher sehr selten erlebt. Abseits von den Momenten in denen sie selber glänzen, sind bzw. waren sie vor allem auch Bessermacher. Bessermacher ihrer Mitspieler.
    Feins Anlagen gehen zumindest im Grundsatz auch in diese Richtung. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie das mit seiner Karriere weiter gehen wird.
    Bezüglich des nächsten Jahres und was dann das Richtige wäre bin ich auch etwas zwiegespalten. Einerseits würde ich ihn gerne schon bei uns sehen. Andererseits ist da natürlich die Gefahr, dass er hier vergleichsweise wenige Spiele bekommen könnte. Seine Position sollte irgendwo zwischen einem Sechser und tieferen Achter liegen und da gibt es aktuell mit Kimmich und Thiago zwei wohl sehr sicher gesetzte Spieler. Dann kämen ggf. noch, je nach Saisonplanung, Spieler wie Martinez, Tolisso, Cuisance, vielleicht Goretza mit in die Konkurrenzverlosung. Wäre schon ambitioniert.

    Sollte der HSV aufsteigen, könnte man tatsächlich über ein weiteres Jahr dort nachdenken. Sollte dies nicht der Fall sein, wäre die Situation schwieriger. Er sollte jetzt auf jeden Fall Bundesliga spielen. D.h. dann er sollte in unserem (und natürlich auch seinem) Interesse möglichst gesetzt sein. In einem Verein der oberen Tabellenhälfte würde das auch nicht leicht und ein Verein im Abstiegskampf wäre für seine Entwicklung vermutlich auch nur bedingt förderlich.
    Fein hat in Hamburg einen deutlichen Entwicklungsschritt nach seiner Zeit in Regensburg gemacht. Und dies liegt nicht nur an seiner persönlichen Weiterentwicklung, sondern auch an einer Mannschaft mit einer ganz anderen Ausgangsposition und Spielweise. Auch ein Toni Kroos, bleiben wir mal bei ihm als Role Model, würde z.B. nur sehr bedingt nach Düsseldorf, oder Paderborn passen.

    Wie auch immer, es wird spannend sein unser “Kronjuwel” in der nächsten Zeit zu beobachten.

  3. Einen 1,86 Meter großen Spieler werden wohl viele schnell in die “defensive” Schublade stecken. Jedenfalls als Adrian Fein noch Regionalliga gespielt hat, war das nicht richtig. Da war er eher offensiv, ist auch mal mit Ball am Gegner vorbei in den 16er gezogen. Verwechslungsgefahr mit Toni Kross war damals nicht gegeben.

    Jetzt hat ihm Hecking die Sechserposition anvertraut. Wer weiß, vielleicht suchte er dafür ja bewusst einen physisch starken, großen Spieler, eher einen van Bommel und keinen Thiago. Schon super, wenn auf dieser Position seine Fähigkeiten mit Lahm und Kroos verglichen werden. Bei einem Tolisso käme man als Bayernfan jedenfalls nicht auf solche Ideen.

    Ich kann mir Adrian Fein eher auf dieser Sechserposition bei Bayern vorstellen als auf seiner angestammten Acht. Da darf man sich nichts vormachen – auf der Acht hat Bayern seit fünf Jahren jede Saison einen neuen “Kracher” verpflichtet – beginnend mit Vidal über Sanches und Tolisso bis zu Goretzka. So richtig durchgesetzt hat sich keiner, weil bei zwei Flügelstürmern und einem Thomas Müller für einen weiteren ZM eigentlich kein Platz mehr ist. Erst recht dann nicht, wenn man auch noch Weltfußballer wie James und Coutinho hat.

    Auf der Sechs / Doppelsechs sieht das schon anders aus. Vor allem wenn jetzt Martinez gehen soll, eventuell sogar noch einer der beiden Linksfüße Alaba oder Hernandez. Dann wird eventuell Kimmich bei Not am Mann auch wieder in der Abwehr aushelfen müssen.

    Ob es sinnvoll ist, jetzt schon zu versuchen, sich bei Bayern zu etablieren? Da darf man sich nichts vormachen. Alle jungen Spieler, die den Sprung geschafft haben, waren damit quasi zugleich auch an der Schwelle zur A-Nationalmannschaft (bestes Beispiel Kimmich, macht ein paar Spiele bei Pep und schwuppdiwupp spielt er auch die EM .. oder Gnabry, auch der wurde nahezu zeitgleich Bayern- und Jogi-Stammspieler).

    Ein Jahr Bundesliga, am besten beim HSV unter Hecking, wäre für Adrian Fein keinesfalls ein Rückschritt.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Weltfussballer wie James und Coutinho ???
      Noch nix von Weltklasse gesehen,ausser das -Gehalt und das Herumgejammere,wenn man zurecht nicht Stammspieler ist.

  4. Hecking ist für einen jungen Spieler wirklich der richtige Trainer.
    Allerdings würde ich Fein lieber in Freiburg als Bundesliga Spieler sehen.
    Warum???In diesem Verein ist Ruhe und die Mannschaft wird nicht durch die Nebenkriegs Schauplätze belastet.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Für Yeong war Freiburg allerdings nicht die richtige Station.

  5. Fein heute mit richtig guten Spiel
    Schöne Diagonalbälle Spielverlagerung
    Gutes Stellungsspiel
    Physisch noch nicht auf top Level
    Hat aber wieder gut das Spiel gemacht

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