FC Bayern München Frauen - Turbine Potsdam 1:0, 20.3.2015

FC Bayern Frauen – Turbine Potsdam 1:0 (0:0)

Vor dem Flutlichtspiel in der HGK zwischen Turbine Potsdam und dem FC Bayern München am Freitagabend war die Spitzengruppe im Kampf um die Meisterschaft verdammt eng zusammengerückt. Wolfsburg und Frankfurt hatten aufgrund ihrer internationalen Verpflichtungen am Wochenende bereits am Mittwoch mit Siegen vorgelegt, wodurch Frankfurt zumindest für zwei Tage an den Bayern vorbeigezogen war.

Potsdam hatte in der Woche zuvor den Champions-League-Sieger aus Wolfsburg überraschend geschlagen und war den anderen drei Spitzenteams wieder erheblich nah auf die Pelle gerückt. Klar war: Gewinnen die Bayern, sind sie wieder auf Platz 2 und somit auf Champions-League-Kurs und mit Chance auf die Meisterschaft. Bei einem Unentschieden würde man zwar vor Potsdam, aber auch hinter Wolfsburg und Frankfurt bleiben. Bei einer Niederlage wäre man sogar Letzter in der Viererspitzengruppe. Im Hinspiel hatten die Roten Potsdam auswärts mit einer starken Leistung und einem Tor von Melanie Behringer mit 0:1 geschlagen. Vor dem Spiel gab es keinen klaren Favoriten, wenngleich die aktuelle Formkurve für Potsdam sprach.

Die Aufstellung

Die Bayern starteten in ihrem gewohnten 3er-/5er-Kettenhybrid: Vor Torhüterin Tinja-Riikka Korpela agierte Viktoria Schnaderbeck als zentrale Verteidigerin, die Nora Holstad erneut vertrat. Links Raffaella Manieri, rechts Caroline Abbé als Halbverteidigerinnen, auf der linken Flügelverteidigerposition einmal mehr Gina Lewandowski und deren Pendant auf der rechten Seite Leonie Maier. Auf der Doppelsechs kehrte Melanie Behringer nach Verletzung neben Melanie Leupolz zurück auf ihre Stammposition. Während Leupolz in vielen anderen Partien einen wesentlich offensiveren und kreativeren Part einnahm und vorgerückt auf der Acht spielte, sorgte der massive Potsdamer Druck diesmal dafür, dass sie extrem viel hinten und im Spielaufbau aushelfen musste, so dass die klare Doppelsechs häufiger als gewöhnlich zu sehen war.

Die Anbindung über Leupolz aus dem defensiven Mittelfeld hin zum Angriff schafft für gewöhnlich die Zehnerin. Im vergangenen Jahr war dies häufig Mana Iwabuchi, die erneut verletzt fehlte. Im Jahr 2015 nimmt diese Rolle Neuzugang Dagny Brynjarsdóttir ein. Auch im Angriff passte Trainer Thomas Wörle seine Mannschaft etwas an. Statt wie sonst die zwei Sturmspitzen auf relativ gleicher Höhe mit jeweiligem Verantwortungsbereich eher rechts und eher links aufzubieten, unterstützte Vanessa Bürki Brynjarsdóttir mit vielen horizontalen Läufen im Zehnerraum, während Vivianne Miedema die klarere Stoßstürmerin in der Angriffszentrale gab. In der Defensive formierten sich die Bayern dann häufig zu einem 5-3-2 mit Bürki und Miedema auf einer Linie. Auf der Bank durfte das Münchner Publikum nicht nur erneut die lange Zeit verletzte Carina Wenninger begrüßen, die zum Schluss sogar einige Spielminuten bekam, sondern auch die sehnlichst vermisste Lena Lotzen zeigte sich — zumindest beim Warmmachen — wieder im Kader und auf dem Fußballplatz.

Aufstellung FC Bayern München Frauen - Turbine Potsdam, Frauenfußball-Bundesliga, 20.3.2015, HGK Gründwalderstraße
Turbine Potsdam trat mit einer sehr variablen Formation an. Im Tor erhielt Wang Fei den Vorzug vor Vanessa Fischer. Spielten die Gäste in Halbzeit 1 noch deutlicher mit einer Viererkette, aus der Asano Nagasato auf der rechten Seite neben dem Innenverteidigerduo Johanna Elsig/ Nina Pedersen und Inka Wesely auf der linken Seite nur situationsbedingt ins Mittelfeld rückte, kam Potsdam in Halbzeit 2 mit einem klareren 3-4-3 aus der Kabine. Im Mittelfeldband spielten dann versetzt zur Defensivlinie häufig Jennifer Cramer, Tabea Kemme, Lia Wälti und Nagasato auf einer Linie. Die drei Angreiferinnen Pauline Bremer, Genoveva Anonma und Lisa Evans staffelten sich sehr variabel mal in einem 1-2, mal in einem 2-1, wobei sie die Positionen häufig untereinander tauschten. Gerade in der Anfangsphase formierten sich die Potsdamerinnen in einem Rautensystem mit Viererkette und Doppelsturm. Potsdams Angriffspressing baute sich grob in einem 3-4-3 auf, orientierte sich aber extrem an der jeweils direkten Gegenspielerin.

Falls Ihr es verpasst habt

In einer intensiven und temporeichen Partie spielten beide Teams ohne großes Taktieren nach vorn und auf Sieg. Potsdam gelang der bessere Start und setzte die Gastgeberinnen die ersten zwanzig Minuten lang in deren eigener Hälfte fest. Den Bayern gelang es kaum, sich aus dem gegnerischen Pressing zu befreien, geschweige denn, planvoll ins Angriffsdrittel zu kommen. Selbst Kapitänin Behringer zeigte sich beeindruckt und büßte bei der Rückkehr nach ihrer Verletzungspause anfangs einiges an ihrer gewohnten Souveränität ein. Als Beispiel darf der Fehlpass aus dem Sechserraum nach hinten gelten, mit dem sie die eigene Abwehr in Verlegenheit brachte (19.).

Doch die Bayern hielten die Intensität hoch, bügelten im Kollektiv die Fehler der einzelnen Spielerinnen aus, stellten sich der anspruchsvollen Aufgabe und arbeiteten sich Schritt für Schritt in die Partie hinein. Besonders Abbé mit ihrer abgekochten Abwehrarbeit und Lewandowski, die einiges an Entlastungsangriffen über die linke Seite fuhr, schulterten die Verantwortung und hielten ihr Team im Spiel. Schon in der Anfangsphase setzte Potsdam einen Freistoß übers Tor (9.) und hätte nach einem Patzer von Korpela in Führung gehen müssen (12.). Die Torhüterin der Roten verschätzt sich an der Strafraumkante bei einer Rückgabe Manieris, Evans spritzt dazwischen, zieht von der rechten Seite diagonal zum Tor, wo sie von Schnaderbeck ins Eins-gegen-eins gezwungen wird. Mustergültig, wie Schnaderbeck die kurze Ecke zumacht und den Raum verdichtet. Den Schuss aus kürzester Distanz setzt Evans dann ans Bein der Bayernspielerin und verpasst so die Riesenchance auf den Führungstreffer. Um die 20. Minute muss Korpela einen Kopfball abfangen und einen Schuss von Anonma parieren. Aber auch die Bayern hatten ein paar kleinere Gelegenheiten durch Brynjarsdóttir (13.), Miedema (14.) und Maier (23.), konnten Schlussfrau Wang damit aber nicht ernsthaft in Verlegenheit bringen.

Ab Minute 20 kamen die Bayern dann besser ins Spiel, Leupolz und Behringer überbrückten das zweite Drittel mit ein paar raumgreifenden Vertikalpässen. Bürki wurde gleich zweimal durch Leupolz auf diese Weise eingesetzt. Die höhere Präsenz „belohnte“ Potsdam mit einigen Fouls, wodurch es den Roten gelang, Potsdams Fluss zu unterbrechen, sich mit Freistößen in deren Hälfte festzusetzen und zu einigen Torgelegenheiten zu kommen wie beispielsweise Lewandowski per Kopf nach Freistoß von Behringer (24.). Nur zwei Minuten drauf scheitert Lewandowski an einem Klassereflex Wangs. Miedema hatte im Zehnerraum hervorragend umgeschaltet und den Ball links raus auf Lewandowski gegeben, die macht den aggressiven Weg mit Ball am Fuß in den Strafraum und zieht einen satten Schuss mit links halbhoch aufs kurze Ecke. Doch Wang hält bärenstark und sammelt auch die anschließende Ecke souverän ein.

Beide Teams zeigten enormen physischen Einsatz, doch Potsdams Stürmerin Anonma übertrieb es zuweilen damit. Als Korpela nach einer knappen halben Stunde einen Schuss von Wälti entschärft, geht Anonma rücksichtslos in die Torfrau und sieht verdientermaßen Gelb. Kurz drauf foult sie Lewandowski an der Außenlinie erneut gelbwürdig und hat Glück, nicht des Feldes verwiesen zu werden. Zu dieser Zeit wurde es nochmal brandgefährlich für die Bayern, als Bremer auf links durchgeht, den Ball in den Rücken der Abwehr in den Strafraum bringt, der aber durch die aufmerksame Schnaderbeck geklärt werden kann. Kurz vor Halbzeitpfiff hatte Potsdam weitere zwei Möglichkeiten über die rechte Seite wie den Schuss Anonmas von der Strafraumkante, brachte den Ball aber nicht im Tor unter.

Doch eigentlich gehörte die Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit den Bayern. So setzte Behringer Miedema gut im linken Halbraum ein, von dem aus die Niederländerin in den Sechzehner zog, Bürki aber mit dem flachen Querpass nicht findet (32.). Kurz darauf zirkelt Behringer einen Freistoß zentral aus dem zweiten Drittel auf den Kopf von Brynjarsdóttir im Torraum, doch Wang fängt (38.). Maiers Schuss nach einem schönen Diagonallauf von rechts mit Ball am Fuß wird im Zentrum geblockt (39.). Miedema erneut mit sehenswerter Verlagerung aus dem Mittelfeld auf Lewandowski, die Bürki mit einer Flanke sucht — doch auch diesen Ball fängt Wang ab (41.). Lewandowski kommt zum Abschluss (43.), worauf sich die Roten direkt zwei, drei Mal hintereinander im Strafraum Potsdams festsetzen, ohne noch einen Schuss aufs Tor zu bringen. Keinen? Fast keinen. Behringer schnippelt kurz vor Abpfiff eine hohe Hereingabe nach vorn, das Ding mutiert zum Torschusslupfer und landet an der Latte.

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Mit Beginn der zweiten Halbzeit kann Behringer direkt an ihre Leistungssteigerung anknüpfen, zeigt sehenswerte Außenristpässe nach vorn, setzt Defensivakzente wie bei der harten, aber fairen Grätsche gegen Kemme (48.). Die Roten treten nun insgesamt mit gesundem Selbstvertrauen auf, Maier lässt Anonma aussteigen, gibt ab an Behringer, deren hohen Vertikalball zieht Brynjarsdóttir dann allerdings halbhoch am rechten Pfosten vorbei (51.). Zehn Minuten später zeigt Behringer einen langen Schnittstellenpass nach vorn, Miedema zockt mit gutem Timing in der Tiefe, doch der Ball bleibt am Gegner hängen. Bayern hatte in dieser Phase ein klares Übergewicht in den Zweikämpfen, zeigte aber weiterhin ein fahriges und ungenaues Passspiel. Potsdam konnte das aber nicht ausnutzen. Die Bayern sammelten meist auch die Lose Balls im Gegenpressing ein und gelangte Potsdam doch mal gefährlich vors Tor — oder sagen wir, in die Bayernhälfte — schlossen sie in Person von Anonma meist überhastet ab.

Die Gastgeberinnen konnten durch Lewandowski und Behringer nochmal zwei Halbchancen aus der Distanz verzeichnen, bevor die neu reingekommene Natasa Andonova mit der zweiten Potsdamer Großchance den Führungstreffer im Fünfmeterraum schon auf dem Fuß hatte. Bereits in der Vorwoche hatte sie Wolfsburg mit einem Treffer bei der ersten Ballberührung in Schock versetzt, doch dieses Mal schoss sie mit Anonma die eigene Mitspielerin aus nächster Nähe an, wodurch der Ball denkbar knapp über den Querbalken gelenkt wurde (65.). Glück für Bayern! Kurz darauf wurde Kurzpassspielerin Andonova von Leupolz im Zweikampf abgekocht — da war der Einwechslungseffekt der Potsdamerin schon wieder verpufft und die Bayern fuhren einen energischen Gegenangriff. Bürki spielt sich durchs Zentrum, Brynjarsdóttir sammelt den etwas zu weit geratenen Ball an der linken Eckfahne ein, schlägt ihn zur an der Strafraumkante lauernden Behringer, die beim Versuch einer gewagten Direktabnahme aus der Luft verzieht.

Zwanzig Minuten vor dem Ende des Abnutzungskampfes setzte Bayerncoach Tom Wörle alles auf Sieg und wechselte mit Katie Stengel für Bürki nochmal frische Offensivkraft ein. Durchaus ein Risiko, denn die Gäste blieben weiter bissig und brachten nach Freistoß durch Andonova noch einen Kopfball auf das Tor der Roten, den Korpela klären konnte (71.). Dann kam der größte Moment von Miedema. Aus dem rechten Halbraum marschiert sie mit dem Ball am Fuß in den Strafraum, verlädt eine Verteidigerin nach außen, wodurch der direkte Weg zum Tor frei ist. Wird sie schießen? Sie geht weiter und weiter. Schlägt einen Haken, noch einen. Einen zu viel? Die Gelegenheit scheint schon vertan, da schnappt sich Brynjarsdóttir die Pille und schlenzt sie zum 1:0 ins lange Eck. Oder mit anderen Worten:

Was folgte war eine hektische Schlussviertelstunde, in der Potsdam die Gegenspielerinnen nochmal ins direkte Pressing nahm, angriff und den Roten notgedrungener Maßen mehr Räume anbot. Schnaderbeck schlug in der Abwehr über den Ball, doch Anonma verzieht übers Tor (77.), auf der anderen Seite schlägt Lewandowski einen schönen Haken, setzt ihren Schlenzer aber knapp drüber. Potsdam wird hektisch und spielt die eigenen Chancen nicht mehr konzentriert bis zum Ende, während die Bayern es mit der reingekommenen Katharina Baunach nun clever macht: Die Freistöße werden kurz ausgeführt und der Ball in kontrolliertem Besitz gehalten, Baunach gibt der gegnerischen Verteidigung durch Dribblings im Sechzehner ein paar Denkaufgaben auf und kommt noch zu zwei, drei Abschlüssen. In der letzten Minute hat Bremer die Chance für Potsdam zum Ausgleich auf dem Fuß. Schießt aber drüber. Das Ding ist durch. Die drei so wertvollen Punkte bleiben in München. Mit insgesamt zwei Toren holt der FC Bayern sechs Zähler gegen Turbine Potsdam, kehrt zurück auf den zweiten Tabellenplatz und hat die besten Voraussetzungen, im Restprogramm sogar noch um die Meisterschaft mitzuspielen.

3 Dinge, die auffielen

1. Potsdam bringt den FCB-Mittelfeldmotor zum stocken

Vor allem in ihrem 3-4-3-Angriffspressing gelang es Potsdam hervorragend, die Bayern hinten reinzudrücken und deren Spielaufbau schon in der Entstehung abzuwürgen. Nora Holstad, die zentrale und sehr erfahrene Abwehrchefin fehlte verletzt und wurde erneut durch Schnaderbeck ersetzt. Zusätzlich war Behringer gerade erst aus ihrer Verletzungspause zurückgekehrt und in der ersten Halbzeit deutlich weniger präsent und fehlerbehafteter, als man das von der routinierten Steuerfrau im Sechserraum gewohnt ist. Beides half natürlich nicht, gegen den hohen Druck Potsdams anzukommen. Während das Bayernspiel normalerweise von vielen zügigen Kombinationen, Kurz- und Schnittstellenpässen geprägt ist, unterdrückte Potsdam dieses Spiel am Freitagabend weitgehend. Im zweiten Drittel gab es kaum kontrollierten Ballbesitz. Leupolz war phasenweise die klassische zweite Sechs neben Behringer, um hinten auszuhelfen, statt wie sonst weiter vorgeschoben auf der Acht die Anbindung ins Angriffsdrittel herzustellen. Auch Brynjarsdóttir konnte wenig Akzente als Spielmacherin setzen. Die Bayern hielten aber dagegen und suchten geduldig nach Lösungen. Interessant war hierbei die Rollenverteilung zwischen den beiden Sturmspitzen Bürki und Miedema. Während Miedema der Bayernformation Vertikalität und Tiefe gab, ging Bürki unglaublich weite Wege im Mittelfeld, ließ sich in den Zehner- und Achterraum zurückfallen und agierte hier mit vielen Metern eher horizontal. Während Miedema die Potsdamer Innenverteidigung beschäftigte, sich für lange Bälle anbot und befreit von Defensivaufgaben auch bei gegnerischem Ballbesitz extrem hoch blieb, übernahm Bürki eine andere Funktion. Zwar konnte auch sie das fehlende Kombinationsspiel im Mittelfeld nicht kompensieren. Doch mit ihren Läufen, mit denen sie jeweils 1-2 Potsdamerinnen an sich band, riss sie die Löcher auf, in die dann die Sechser die weiten Spielverlagerungen auf Lewandowski oder Vertikalpässe auf Miedema spielen konnten. Eine großartige, sehr intelligente Leistung Bürkis, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so sehr ins Auge sticht.

2. Cool, cooler, Miedema

Einen ausgeprägten Hang zu Hektik und Aufgeregtheit kann man der 18-jährigen niederländischen Nationalstürmerin nicht nachsagen. Das fällt auf, wenn man sie im Interview hört, wenn man sich vor Augen führt, dass da ein Teenager fernab der Heimat in der wohl besten Liga der Welt um die Meisterschaft mitspielt, aber eben auch, wenn sie im alles entscheidenden Angriff erstmal in das ein oder andere Dribbling geht, bevor dann der Assist zum Siegtreffer folgt — vermutlich mit einem Puls von 42. Miedema ist sicher nicht die Spielerin, mit dem feinmaschigsten Kombinationsspiel. Auch den erfahrenen, geschulten Blick für die sich in der Dynamik ändernden Räume hat sie (derzeit noch) nicht. Aber ist sie am Ball, scheint sie sich in einer Blase zu befinden, in der das Umfeld weitgehend ausgeblendet wird. Das heißt nicht, dass sie die mitgelaufene Mitspielerin übersieht oder sich blind in die Gegnerinnen dribbelt, sondern lediglich, dass sie zu jeder Zeit fest daran glaubt, aus einer zugestellten Situation schon irgendwie rauszukommen — sei es, indem sie den Ball mit dem Kopf an der Gegnerin vorbeiführt oder diese in Form einer Bande einfach anschießt. Das ist sicher nicht immer die überlegteste Vorgehensweise, aber eine Spielerin, die im Sechzehner den Kopf ausschaltet, keinen Druck spürt, sondern einfach ihr Ding macht, können die Roten in ihrer Sturmreihe schon außerordentlich gut gebrauchen. Ungestüm oder unkontrolliert spielt Miedema deshalb noch lange nicht. Ein guter Beleg dafür ist ihr Verhalten im Gegenpressing. Kurz nach Ballverlust gehen sämtliche offensiven Bayernspielerinnen sofort aggressiv auf die dann ballführende Gegnerin, um die Kugel zurückzuerobern. Am Freitagabend gab es an diesem Punkt eine Vielzahl an Fouls zu beobachten. Das sah dann klassischer Weise so aus, dass eine Spielerin bei einem zu weit vorgelegten und von Potsdam abgelaufenen Ball gleich noch mit Tempo in die Gegnerin reinrauscht. Miedema hatte diese Situationen sehr gut im Griff. Der Druck auf die Gegenspielerin war hoch, das Foul konnte sie aber vermeiden.

3. Potsdam bestraft die Fehler nicht

Die großen Patzer, die entscheidenden Fehler des Spiels hatte ganz klar der FC Bayern im Programm. Korpelas Schnitzer, das ein oder andere Mal, wo Schnaderbeck in der Verteidigung unter oder über den Ball schlägt, Maier mit einem Querschläger — da war schon einiges dabei, was einem im Low-Scoring-Game Fußball schnell das Genick brechen kann. Potsdam dagegen bot nicht annähernd so freundliche Einladungen an. Doch einerseits schlug Turbine kein Kapital daraus, wie es für eine Topmannschaft üblich und notwendig wäre. Andererseits fingen die Bayern im Kollektiv auf, was den einzelnen so unterlaufen war. Schnaderbeck sprang für Korpela ein und verteidigte Evans hervorragend, Leupolz und Korpela zogen dem Maier-Querschläger durch gute Abstimmung den Zahn.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Münchnerinnen den Gästen zwar das angeboten hatten, was die entscheidenden Fehler hätten sein können, Potsdam diese aber nicht bestrafte und dann selbst ins Hintertreffen geriet. Beim Vergleich der Torchancen und in Anbetracht des druckvollen Übergewichts Potsdams in der Anfangsphase hätte Turbine wohl den minimal verdienteren Sieger abgegeben. Doch gestohlen ist der Triumph der Roten keineswegs. Sie nahmen den Kampf an, hielten tapfer dagegen und behielten in den entscheidenden Momenten die Nerven — offensiv wie defensiv. Ein enorm wichtiger Sieg nicht nur für die Tabellensituation, sondern auch für die Moral und Stabilität der Mannschaft. Die Bayern bleiben damit das einzige Team der Liga ohne eine Niederlage und dürfen sogar noch auf die Meisterschaft hoffen.

FC Bayern – Turbine Potsdam 1:0 (0:0)
FC Bayern MünchenKorpela – Lewandowski, Manieri (89. Wenninger), Schnaderbeck, Abbé, Maier – Behringer, Leupolz – Brynjarsdottir – Bürki (70. Stengel), Miedema (83. Baunach)
BankZinsberger, Lotzen, Beckmann, Feiersinger
Turbine PotsdamWang – Wesely, Elsig, Pedersen – Cramer, Kemme, Wälti, Nagasato – Anonma, Breme, Evans (58. Andonova)
BankFischer, Zietz, Rauch, Krso
Tore1:0 Brynjarsdóttir (76.)
KartenGelb: – / Anonma (26.)
SchiedsrichterMarija Kurtes (Düsseldorf)
Zuschauer1.180
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Leserkommentare
  1. Johannes

    Beim Vergleich der Torchancen und in Anbetracht des druckvollen Übergewichts Potsdams in der Anfangsphase hätte Turbine wohl den minimal verdienteren Sieger abgegeben.

    Das find ich nicht unbedingt auch der Kommentator auf DFB-TV, meinte irgendwas von wegen glücklich.Aber wenn man die Chancen gegenüberstellt, komme ich bei beiden Teams auf 3-4 möglichkeiten, wobei Potsdam natürlich die beste durch Evans hatte die sicher drin sein muss.

    Trotzdem resultierte diese ja auch eher aus der unkonzentriertheit Korpelas als durch die gute Leistung von Potsdam.Selbst wenn man die ersten 20 Minuten Turbine zuschreibt(wo sie eine Torchance haben) fand ich Bayern insgesamt überzeugender, da sie einfach mehr für das spiel getan haben.

    Das sie insgesamt vielleicht bisschen Fehleranfälliger sind liegt sicher auch an der ausrichtung von hinten raus konstruktiv aufzubauen.Das Risiko hat Potsdam ja gekonnt vermieden ;-) das war ja teilweise ein gebolze schlimmer als in der Kreisliga ein Glück das sowas nicht auch noch belohnt wurde.

    1. Kris

      Das sehe ich auch so. Bayern hat sich in der Anfangsphase sichtlich schwer getan, aber insgesamt denke ich nicht, dass Potsdam überlegen war oder den Sieg ein bisschen mehr verdient hätte. Es war von beiden Mannschaften kein wirklich schönes Spiel, was das rein Fußballerische betrifft, aber das war zu erwarten und war ja auch taktisch so gemacht, dass es mehr über den Kampf und das Pressing entschieden werden würde. Beide haben gekämpft und sind viel gelaufen, Bayern, so scheint es mir, noch mehr als Potsdam. Ich habe ehrlich gesagt mehr Kampf und Willenskraft von Potsdam erwartet, so wie im Spiel gegen Wolfsburg, vor allem nach dem 1:0, aber das blieb gegen Bayern aus. Klar ist die Tagesform immer entscheidend, aber Bayern hat meiner Meinung nach auch sehr gut gepresst und hat jeden Zweikampf und jeden noch so weiten Weg auf sich genommen. Auch wenn sie einige Fehlpässe hatten war es moralisch gesehen erste Sahne und deshalb haben sie den Sieg meiner Meinung nach auch verdient.

  2. Potsdam war offenbar nicht in der Lage, zweimal hintereinander eine solche Energieleistung gegen ein Top-Team abzuliefern wie gegen Wolfsburg. Ich fand es mental auch eine beachtliche Leistung der Bayern. Es stand sehr viel auf dem Spiel und die Erfahrung aus der Vorwoche war ja die, dass man sogar bei Überlegenheit vergeblich auf ein Tor anlaufen kann. Wie schwer würde das dann erst werden, wenn der Wolfsburgbezwinger in Führung ginge… Aber von dieser Verunsicherung war nur in Form der Fehler was zu sehen. Es gab aber kein verzagtes Zögern oder eine hemmende Lähmung — und das eben, obwohl die Fehler passierten. Mit einem Rückstand wäre es trotzdem denkbar schwierig geworden. Alles in allem geht der Sieg schon in Ordnung — ich hoffe, das ist auch in der Analyse zum Ausdruck gekommen. Zu einem Top-Team hätte es ja auch dazugehört, Fehler eiskalt zu bestrafen… das ist Potsdam nicht gelungen.

  3. […] Spielzeit konnten sie Turbine jeweils knapp mit 1:0 besiegen (Bericht zum Hinspiel sowie zum Rückspiel). Lisa Evans wirbelte im März noch für die Potsdamerinnen über die rechte […]

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