Alphonso Davies und Konrad Laimer jubeln über ein Tor des FC Bayern
Bild: Adam Pretty/Getty Images

Ein Hauch der Vergangenheit: Alphonso Davies begeistert zum Auftakt des FC Bayern – eine Szenenanalyse

Justin 30.08.2026


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Das Wetter in der Allianz Arena war am vergangenen Freitag alles andere als fröhlich. Beim Bundesliga-Auftakt zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart regnete es. Sonne gab es am späten Abend ohnehin nicht mehr.

Ein leich-fröhlicher Hauch wehte allerdings durchs Münchner Stadion. Allerdings ein metaphorischer Hauch: Nämlich der der Vergangenheit. Alphonso Davies zeigte in seinem ersten Pflichtspiel-Starteinsatz seit dem 25. April eine starke Leistung.

Der Kanadier erinnerte die Fans des FCB daran, warum sie ihn einst so schnell in ihr Herz geschlossen haben. Als der damals 18-Jährige im Winter 2019 offiziell nach München wechselte, wusste er sofort zu begeistern. Schon zuvor trainierte er wochenlang beim Rekordmeister.

Zuletzt aber bröckelte sein Status. Die Erwartungshaltung wurde größer, Verletzungen bremsten ihn aus und die Leistungen waren nicht mehr das, was sein Talent einst versprach. Mit seinem Auftritt gegen den VfB zeigte er jedoch einen erfreulichen Aufwärtstrend – auch wenn er das in den kommenden Wochen noch bestätigen muss.

Miasanrot analysiert vier Aspekte, mit denen er für das System von Vincent Kompany von unschätzbarem Wert sein kann.

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Dynamik: Alphonso Davies ist für den FC Bayern immer in Bewegung

Der erste Aspekt betrifft seinen reinen Aktionsradius. Davies ist immer unterwegs, aber selten planlos. Allein zwischen der 25. und der 27. Minute bekleidete der 25-Jährige alle Offensivpositionen: Linksaußen, halblinks, zentral, halbrechts und Rechtsaußen. Immer eingebunden, immer auf der Hut. Entweder im Kombinationsspiel oder im Gegenpressing.

Kompanys System variiert in Bezug auf die Positionswechsel stark. Gegen mannorientiertes Pressing wie vom VfB Stuttgart arbeitet der Belgier etwas mehr mit Rotationen im Positionsspiel. Spieler wie Davies sind dafür optimal. Der Nationalspieler ist schnell und extrem clever mit seinen Laufwegen. Er besetzt Zwischenräume, fordert Bälle, bietet Tiefe an und hat eine ausreichend saubere Verarbeitung im Kombinationsspiel.

In 74 Minuten kam Davies gegen den VfB laut Fotmob auf immerhin 59 Ballkontakte. Seine Passquote von 80 Prozent ist ordentlich, wenn man bedenkt, wie oft er auch ins Risiko geht, aber dennoch ausbaufähig. Es war schon immer Teil seines Verbesserungspotenzials, dass er in gewissen Situationen noch präziser agieren kann.

Und doch war das gegen Stuttgart nur selten problematisch. Davies war umtriebig und half damit den Offensivspielern enorm. Immer wieder öffnete er ihnen Räume oder sorgte dafür, dass Gegenspieler gebunden werden. Das gab vor allem Luis Díaz einige Freiheiten.

Tiefe: Davies ist eine weitere Gefahr für den Gegner

Aber Davies wird auch selbst regelmäßig gefährlich. Er ist nicht nur Zuarbeiter, sondern attackiert regelmäßig die Tiefe. Ein Paradebeispiel dafür ist die 39. Minute.

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Hier erkennt der Linksverteidiger eine große Lücke in Stuttgarts Abwehr und beläuft sie gedankenschnell. Nicht plump, sondern mit genau dem richtigen Weg: Zwischen zwei Abwehrspieler hindurch. Läuft er einfach gerade in den Strafraum, hat der nähere Verteidiger sofort die Zuständigkeit und kann den Laufweg womöglich aufnehmen.

So aber sorgt er für einen kleinen Moment Irritation: Wer nimmt ihn jetzt auf? Wer geht mit? Davies ist so schon schnell genug, wenn er aber noch diesen Bruchteil einer Sekunde mitnehmen kann, ist der Vorteil noch größer.

Solche Läufe wirken auf den ersten Blick banal, aber sie sind von unschätzbarem Wert. Bayern ist auf der linken Seite dann nicht mehr abhängig von Díaz allein, der auch oft die Tiefe attackiert, sondern kann noch variabler spielen. Der Pass von Kim kommt gut, aber vielleicht etwas zu weit nach außen. Trotzdem kommt Davies an den Ball und versucht, ihn nach innen zu spielen. Der VfB ist dort aber zu massiv besetzt und kann zur Ecke klären.

Defensivdribblings: Das beste Mittel gegen Mannorientierungen

Der dritte Aspekt betrifft das Aufbauspiel. Hier hatten die Bayern in der Anfangsphase noch Probleme mit dem Pressing des VfB Stuttgart. Statistisch hat Davies nur ein Dribbling geführt und auch gewonnen, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Laut Sofascore kam er auf 20 Läufe. Der Linksfuß geht regelmäßig in die vertikalen Läufe, wenn er den Ball im Aufbau bekommt und zieht damit Gegenspieler auf sich.

Gegen Mannorientierungen wie die der Schwaben ist ein solcher Spielertyp ungemein wichtig. Denn wenn er einen Gegenspieler mit einem Haken ausschalten kann oder ganz simpel an ihm vorbeiläuft, dann entsteht in der Defensive des VfB eine Kettenreaktion: Ein weiterer Stuttgarter muss ihn nun attackieren, was wiederum bedeutet, dass der vorherige Gegenspieler frei wird. Bayern hat nun also mindestens einen freien Mann und das Pressing ist aufgelöst.

Trainer lieben dribbelstarke Außenverteidiger genau aus diesem Grund. Sie erhöhen den Stress der gesamten Defensivorganisation des Gegners massiv. Nur ein erfolgreiches Dribbling und es eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten.

Tempo: Verstärkung für die Restverteidigung des FCB

Ein weiterer großer Vorteil für das Kompany-System ist seine Geschwindigkeit. Davies ist einer der schnellsten Fußballer der Welt – sowohl im Antritt als auch in der Endgeschwindigkeit. Wenn hinten Lücken entstehen, kann er diese oft noch zulaufen, selbst wenn er mal schlecht positioniert sind.

Davies ist insgesamt aber gereift und cleverer geworden. Seine Probleme im Stellungsspiel sind seltener geworden, sein Positionsspiel in Ballbesitz nochmal besser. Wichtig für das Trainerteam ist zudem, dass sie ihn flexibel einsetzen können. Er kann sowohl als offensiv eingebundener Linksverteidiger agieren wie jetzt gegen Stuttgart, als auch eingerückt absichernd gegen Mannschaften, die auf seiner Seite viel Tempo im Umschaltspiel mitbringen.

Gerade mit der Verpflichtung von Nathaniel Brown wird diese Saison sehr spannend für den Kanadier. Wenn die Offensive wieder breiter besetzt ist, wird Brown vermutlich häufiger auf den defensiven Außen zum Einsatz kommen. Der ehemalige Frankfurter bringt in einigen Aspekten ähnliche Qualitäten, in anderen sogar nochmal ganz eigene mit.

Auch mit ihm kann Kompany bestimmte Gegner gezielt bespielen. Eine Luxussituation, die es so auf dieser Position schon lange nicht mehr gab. Letztmals vermutlich mit David Alaba und Juan Bernat. Der Auftritt gegen Stuttgart hat aber bewiesen, dass Davies dem FC Bayern immer noch sehr viel geben kann. Für ihn geht es nun darum, aus dem leichten Hauch eine echte Sturmböe zu machen. Dann werden ihm die Herzen der Fans auch sehr bald wieder stärker zufliegen.

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