FC Bayern bei Real Madrid: Drei Dinge, auf die es ankommt

Justin Trenner 08.05.2024

Zeitreisen sind durchaus erstrebenswert. Wie amüsant wäre es wohl, in die Februar-Woche zurückzureisen, in der Thomas Tuchel entlassen wurde und allen zu erzählen, dass der FC Bayern München Anfang Mai in das Finale der Champions League einziehen kann?

Gerade hat der FCB beim VfL Bochum mit 2:3 verloren. Zuvor gewann Lazio Rom das Hinspiel im Achtelfinale der Königsklasse mit 1:0 gegen die Münchner. Und noch ein paar Tage früher hatte Leverkusen den Grundstein für seine Meisterschaft gelegt: Ein verdientes 3:0 gegen die Bayern.

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Fast schon folgerichtig musste Tuchel gehen, wenn man dem Gesetz der Ergebniskrisen an der Säbener Straße folgt. Doch so richtig ging Tuchel nicht. Er wurde lediglich für den kommenden Sommer abgesägt und hatte so die Chance, bis in das Halbfinale der Champions League vorzudringen.

Dort geht es nun nach einem 2:2 im Hinspiel gegen Real Madrid um alles. Im Santiago Bernabéu können Tuchel und seine Mannschaft aus einer unterdurchschnittlichen Saison eine sehr gute machen. Doch dafür braucht es – mindestens – drei Aspekte.

FC Bayern gegen Real Madrid: Auf Sauberkeit kommt es an

Nummer eins: Ruhe und Geduld. Der FC Bayern muss auswärts bei Real Madrid noch sauberer spielen als im Hinspiel. Nicht, dass das eine große Neuigkeit wäre, aber die Königlichen bestrafen bereits einen halben Fehler mit einem Tor.

Die beiden Treffer von Real auf Minjae Kim abzuladen und groß „individueller Fehler“ drauf zu schreiben, wäre einfach. Zu einfach. Auch wenn der Südkoreaner den größten Anteil an beiden Gegentreffern hat und dafür zu Recht kritisiert wurde, standen die Bayern insgesamt einfach nicht gut. Die Abwehrkette war beim 0:1 beispielsweise horizontal zu weit auseinander gezogen, konnte so nicht vernünftig verschieben. Lieber den Flügel öffnen als die Mitte.

Außerdem gab es viel zu wenig Druck auf Toni Kroos. Bereits in den Minuten vorher war zu erkennen, dass sich der Deutsche mit all seiner Spielintelligenz zunehmend den Drucksituationen entzog und sich so Spielanteile erkämpfte. Von den Bayern gab es keine wirkliche Reaktion. Der Balanceakt aus mutigem, auch mal höherem Pressing und hoher Kompaktheit sowie tiefer Absicherung wird erneut zu meistern sein.

Das Finale erreichen die Bayern nur, wenn sie in ihren Abläufen noch einen Tick genauer und aufmerksamer agieren als im Hinspiel.

Taktik? Pfff! Die Bayern müssen Tore erzielen

Abläufe, Sauberkeit, verschieben … alles Quatsch! Letztendlich zählt nur eines: Ein Tor mehr machen als der Gegner. Man hört beim Lesen dieses Satzes quasi schon das Gelächter an den bayerischen Stammtischen, wo Taktiktafeln höchstens zum Servieren von Kaltgetränken verwendet werden.

Den Konflikt, dass eine taktische Grundidee zum Erzielen von Toren benötigt wird, lassen wir mal außen vor. Denn die Kernthese ist natürlich richtig: Die Bayern müssen treffen. Spätestens dann vom Elfmeterpunkt, am besten aber noch davor. Was im Bernabéu unabdingbar sein wird, ist Effizienz.

Es steht außer Frage, dass ein Team mit der Qualität des FCB auch in Madrid Chancen bekommen wird. Allerdings ist wieder damit zu rechnen, dass Harry Kane eine schwere Zeit haben und dementsprechend eher zu weniger qualitativ hochwertigen Abschlüssen kommen wird. Es liegt an den Teamkollegen, aus den Chancen mehr zu machen als im Hinspiel.

Zu oft wurde halbherzig mit der Innenseite abgeschlossen, zu selten gab es Abschlüsse wie beim Tor von Leroy Sané, die den eindeutigen Willen repräsentierten, den Ball im Netz unterbringen zu wollen. Bayern braucht Mut und Leidenschaft in den vorletzten und letzten Aktionen, dann ist etwas drin.

FC Bayern gegen Real Madrid: Lautstärkeregler finden

Mut und Leidenschaft wird es auch generell in der Herangehensweise brauchen. Das Santiago Bernabéu wird von Beginn an laut sein. Es liegt an den Münchnern, die Lautstärkeregler des Stadions zu finden.

Das bedeutet nicht, dass die Bayern von der ersten Sekunde an mit sechs Spielern vorne drauf gehen sollten. Real Madrid ist zu abgezockt, um dieses Risiko einzugehen. Doch schon in München zeigte das Team von Tuchel in der Anfangsphase, wie es funktionieren kann. Kontrolliertes, höheres Anlaufen und schnelle Spielzüge in die Spitze bei gleichzeitig guter Defensivabsicherung.

Es ist ein sehr schmaler Grat zwischen einer mutigen und erfolgreichen Spielweise und zu viel Mut, der von Madrid eiskalt bestraft wird. Natürlich müssen die Bayern stets im Hinterkopf haben, dass sie das Spiel nicht in den ersten 30 Minuten entscheiden müssen. Das gilt auch bei einem etwaigen Rückstand.

Doch gelingt es ihnen, ihr Spiel möglichst oft durchzudrücken und vielleicht sogar in Führung zu gehen, kann das die Stimmung in Madrid gewaltig drücken. Und das ist genau das, was die Bayern haben wollen.

Es ist zweifellos das größte Spiel seit vielen Jahren für die Männer des FC Bayern München. In Madrid gegen den größten Klub der europäischen Fußballgeschichte – das sind die Momente, auf die der FCB jede Saison hinarbeitet. Jetzt geht es um alles. Hätte man doch nur eine Zeitmaschine, um zu schauen, wie es ausgeht.



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