Torfestival am Böllenfalltor – FC Bayern schlägt Darmstadt verdient mit 5:2

Jonas Trenner 16.03.2024

Das Lazarett beim FC Bayern lichtet sich weiter: Thomas Tuchel musste mit Bryan Zaragoza gar zum ersten Mal in dieser Saison einen Profi aus dem Spieltagskader streichen. In der Startelf gab es jedoch keine Überraschungen. Tuchel scheint seine Stammelf gefunden zu haben.

Einzig Aleksandar Pavlović, der letzte Woche noch gelbgesperrt fehlte, kehrte für Konrad Laimer in die Anfangsformation zurück. Auch Raphael Guerreiro, der ohnehin fast 90 Minuten gegen Mainz auf dem Feld stand, blieb der Startelf anstelle von Alphonso Davies erhalten.

FC Bayern München in Darmstadt: Der Spielverlauf

Nach vier sieglosen Auswärtspartien in Folge sollte in Darmstadt auch wieder ein Sieg in der Fremde her. Das Spiel begann im Großen und Ganzen aber wie erwartet. Die Mannschaft von Torsten Lieberknecht zog sich mit ihrer Fünferkette weit in die eigene Hälfte zurück und wagte sich nur selten mit Mittelfeld- oder gar Angriffspressing nach vorne. Geduld hieß das Zauberwort für die Bayern.

In der ersten Viertelstunde gelang den Münchnern jedoch kaum etwas Zählbares, trotz vorhandener Spielkontrolle. Darmstadt dagegen ging beinahe durch Mathias Honsak in Führung, doch Manuel Neuers Pranke fuhr schnell genug hoch. Im Laufe der ersten Halbzeit steigerte sich die Elf von Thomas Tuchel zwar, doch zu zwingenden Abschlüssen kam sie kaum. Und wenn sie mal den Abwehrriegel durchbrach, verhinderte irgendein Körperteil eines Darmstädters eine Großchance der Bayern.

Und so kam es, wie es kommen musste, und die Lilien gingen in der 28. Minute in Führung. Honsak dribbelte sich durch halbe Hintermannschaft des FCB und legt nach links zu Tim Skarke, der total frei ins lange Eck an Neuer vollendete.

Eine Energieleistung von Alexsandar Pavlović später gelang Jamals Musiala in der 36. Minute kurze Zeit später schnell der Ausgleich. Kurz vor der Pause gingen die Münchner in Person von Harry Kane sogar noch in Führung, der eine Kimmich-Flanke einnickte. Mit der knappen Führung ging es dann für die Bayern auch zum Pausentee, obwohl Oscar Vilhelmsson fast im Gegenzug der Ausgleich gelang. Der Schwede traf mit seinem Schuss allerdings nur den Querbalken.

In Halbzeit zwei passierte lange Zeit nicht viel. Der FCB kontrollierte mit der Führung im Rücken relativ souverän die Partie und war auf Tuchel’sche Prinzipien wie Dominanz und Sicherheit bedacht. Nach einer guten Stunde zog Musiala jedoch noch einmal das Tempo an, tanzte nach einem Einwurf mehrere Gegenspieler aus und sorgte durch seinen überlegten Abschluss für die Vorentscheidung (64.).

Darmstadt kam zu keiner nennenswerten Torchance mehr und Bayern schraubte anschließend das Ergebnis in Form der eingewechselten Serge Gnabry in der 74. Minute – abermals nach starker Vorarbeit von Musiala – und Mathys Tel (90+3) noch in die verdiente Höhe, auch wenn Vilhelmsson kurz vor Schluss noch Ergebniskosmetik betrieb. Mit 5:2 setzte sich der Rekordmeister letztendlich sorgenlos und verdient gegen tapfere, aber letztendlich chancenlose Lilien durch.

Drei Dinge, die auffielen

FC Bayern beweist Geduld am Böllenfalltor

Wer einen ähnlichen Spielverlauf wie gegen den FSV Mainz 05 erwartete, der wurde heute eines Besseren belehrt. Wie so häufig in dieser Saison tat sich der FC Bayern (zunächst) nicht so leicht, sich gegen einen tief und aggressiv verteidigenden Gegner Großchancen zu erspielen. Entweder waren der letzte Pass oder die Idee zu ungenau oder tapfer kämpfende Darmstädter bekamen einen Fuß dazwischen.

Die Mannschaft von Torsten Lieberknecht machte es über weite Strecken der Partie auch relativ gut, verteidigte leidenschaftlich und holte für ihre Möglichkeiten lange das Maximum heraus, sowohl defensiv als auch offensiv.  

Im Großen und Ganzen machten es die Bayern aber trotzdem sehr ordentlich. Neben gelungenen Kombinationen durch das Zentrum gab es sowohl genügend Tiefenläufe als auch mehrere Seitenwechsel, um das Darmstädter Abwehrbollwerk zu knacken. Nur die Präzision fehlte hier und da. Doch die Elf von Thomas Tuchel blieb geduldig und zeigte sich relativ effizient vor dem Tor. Eine wertvolle Kombination gegen tiefstehende Gegner.

Jamal Musiala weiter in Top-Form

In der Kategorie „Spieler des Spiels“ gibt es heute kein Vorbeikommen an Jamal Musiala. Der Nationalspieler bestach durch Spielfreude und belebte die Offensive des FC Bayern in der schweren Phase nach dem 0:1-Rückstand augenscheinlich. Mit seinen drei Torbeteiligungen zeigte sich das zwar auch auf der Anzeigetafel, doch es war so viel mehr, was der Deutsche dem bayrischen Offensivspiel gab.

Der 21-Jährige setzte sich mit seinen schnellen, trickreichen Bewegungen immer wieder gegen seine Gegenspieler durch und initiierte so viele Angriffe der Bayern.

Dabei ließ sich Musiala ähnlich wie Kane immer wieder fallen, holte sich die Bälle bei den Münchner Innenverteidigern ab und drehte anschließend schnell auf. Dabei konnte er seinem direkten Gegenspieler meistens entkommen und lief mit viel Tempo auf die Darmstädter Fünferkette zu.

Eine Vertragsverlängerung mit dem 21-Jährigen sollte für die Bayern-Bosse zwar ohnehin oberste Priorität besitzen, Auftritte wie heute machen dieses Vorhaben jedoch noch dringlicher. Musiala könnte DER Schlüsselspieler für die Zukunft werden, auch wenn das vor diesem Spiel schon offensichtlich war.

Leistungssteigerung nach Rückstand – trotz defensiver Probleme

Oftmals taten sich die Bayern in dieser Saison auch nach Rückständen schwer. Zwar brachen sie nicht mehr so häufig ein wie noch in der Saison zuvor, doch wirklich viele Rückstände drehten die Münchner in dieser Saison auch noch nicht.

Doch am heutigen Tage blieben die Spieler ruhig und spielten weiter, als ob nichts passiert wäre. Eine Fähigkeit, die die Mannschaft vor allem in Zeiten von Pep Guardiola noch auszeichnete. Zwar hieß der Gegner „nur“ Darmstadt 98, doch im Saisonendspurt und vor allem in der Champions League könnte diese Fähigkeit wieder öfter zum Tragen kommen.

Nur defensiv sollte man gegen Mannschaften dieses Kalibers auf jeden Fall sicherer stehen. Zu oft tauchten die Lilien relativ frei vor Manuel Neuer auf. Mit zwei Gegentoren war der Rekordmeister letztlich sogar noch ganz gut bedient. Arsenal und Co. werden solche Lücken und Unachtsamkeiten gnadenlos bestrafen.

Die Daten zum Spiel

Tore: 1:0 Skarke (28.), 1:1 Musiala (36.), 1:2 Kane (45+1.), 1:3 Musiala (64.), 1:4 Gnabry (74.), 1:5 Tel (90+2.), 2:5 Vilhelmsson (90+5.)

Gelbe Karten: Franjic (67.)

Aufstellung SV Darmstadt: Schuhen – Klarer (50. Zimmermann), J. Müller, Isherwood – Skarke (79. Polter), Franjic (79. Gjasula), Holland (71. Karic), Justvan – Kempe – Vilhelmsson, Honsak (71. Seydel)

Aufstellung FC Bayern: Neuer – Kimmich, de Ligt, Dier, Guerreiro (71. Davies) – Pavlović (58. Laimer), Goretzka – Sané (70. Tel), T. Müller (71. Gnabry), Musiala – Kane (82. Choupo-Moting)



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