Michael Wiesinger steht vor einem Wechsel zum FC Bayern
Bild: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

FC Bayern: Was die Verpflichtung von Michael Wiesinger für den Campus bedeutet

Florian 31.01.2026



Wenn man Landesvater Markus Söder nach einer Beschreibung für den typischen Bayern fragen würde, er würde vermutlich Adjektive aufzählen, die man gut Michael Wiesinger zuschreiben könnte. Der gebürtige Burghausener, von 1999 bis 2021 auch beim FC Bayern München als Profi aktiv, hat beinahe sein komplettes fußballerische Leben im blau-weißen Freistaat verbracht.

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Lediglich von Sommer 2015 bis März 2018 verließ er die Heimat um in Elversberg und Uerdingen weiter an seiner Karriere als Trainer zu arbeiten. Wiesinger ist also durchaus heimatverbunden, er wird als loyal (gegenüber Klub und Vorgesetzten) eingeschätzt und als akribischer Arbeiter beschrieben.

Auf dem Spielfeld zeigte er sich dabei stets kreativ und erfolgreich. Mit dem FC Bayern gewann der heute 53-Jährige u. a. zwei Meisterschaften und die Champions League im Jahr 2001. Der Mittelfeldmann kam in der siegreichen Königsklasen-Saison in fünf Partien zum Einsatz und war im Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid im Kader.

FC Bayern holt Wiesinger an den Campus

Doch der FC Bayern sieht in Michael Wiesinger mehr als nur einen Ex-Spieler. Der Verein möchte den Campus umstrukturieren und hat dazu den langjährigen Nachwuchsleiter aus Nürnberg losgeeist. Dieses Gerücht hielt sich seit Tagen hartnäckig in den Medien und wurde nun offiziell bestätigt. Ab dem 1. Mai wird Wiesinger, Inhaber der Pro-Lizenz von der UEFA, sportlicher Leiter am Nachwuchsleistungzentrum des FCB.

Er verfügt nicht nur über reichliche Erfahrungen als Übungsleiter, er hat sich in den vergangenen Jahren auch im Nachwuchs einen Namen gemacht. Wenn man an den 1. FC Nürnberg denkt, hat man zwangsläufig die gute Jugendarbeit der Franken im Sinn.

In den letzten Jahren konnte der „Club“ mit Spielern wie Can Uzun, Nathaniel Brown oder Finn Jeltsch eine ordentliche Summe an Transfererlösen erwirtschaften. Die drei Shootingstars wechselten in Summe für 23,5 Millionen Euro nach Frankfurt bzw. Stuttgart.

Geld, das dem Verein in schwierigen Zeiten enorm weiterhilft. Die Entdeckung und Förderung der drei genannten Spieler wird u. a. Wiesinger zugeschrieben, der früh das Talent von Uzun erkannte und ihn aus Ingolstadt nach Nürnberg lotste. Der FC Bayern hatte laut Miasanrot-Informationen 2019 trotz Auseinandersetzung mit einem möglichen Transfer kein Interesse an dem heutigen türkischen Nationalspieler.

Aber sein Standing in Nürnberg ist nicht nur positiv. Es gibt auch kritische Stimmen im und rund um den FCN. Bei wem nicht, könnte man fragen. So soll es ihm schwer gefallen sein, dem Vorstand zu widersprechen und sich für die Interessen des NLZ dort stark zu machen. Wiesinger ist also niemand der aneckt. Das kann man im Sinne der Harmonie positiv bewerten. Gerade wenn es darum geht, Interessen zu vertreten, kann es aber auch zum Problem werden.

Was wird aus Markus Weinzierl?

Dass man beim FC Bayern Ex-Spieler Wiesinger auf dem Schirm hat, erscheint logisch. Doch was passiert bei einem Wechsel des Funktionärs mit Markus Weinzierl, der seit 1. September 2024 die Position als sportlicher Leiter im Jugendbereich inne hat? Der Vertrag des ehemaligen Augsburg-Trainers läuft im Sommer ab.

Noch ist nicht klar, ob Wiesinger und Weinzierl in Zukunft die Nachwuchsarbeit führen sollen, oder ob der eine Ex-Profi den anderen ersetzt. Der kicker berichtete unlängst, dass es Überlegungen gäbe, Weinzierl in anderer Funktion im Verein zu halten. Eine Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen.

Max Eberl gab bei Sky zu Protokoll, dass man sich an der Säbener Straße zuletzt lange mit dem Campus beschäftigt habe: „Wir haben uns intensivst in den letzten Wochen und Monaten – damit meine ich Jochen Sauer, Christoph Freund, meine Person – Gedanken gemacht, wie wir diesen Campus ein Stück weit eben auch verändern können, was wir tun können.“

Eberl weiter: „Der Campus spielt für uns eine große Rolle. Es wurde immer sehr, sehr viel gesagt und jetzt sind wir da und wollen eben auch Dinge anpacken, wo wir denken, dass sie dem FC Bayern für die Zukunft gut zu Gesicht stehen.“

Fakt ist: Auch wenn Spieler wie Lennart Karl zuletzt in aller Munde sind, ist das nicht unbedingt der Arbeit von Weinzierl zu verdanken. Selbst beim 17-jährigen Shootingstar stand lange auf der Kippe, ob er überhaupt in München bleiben würde, weil es keine Perspektive gab. Unter Wiesinger wird die Verbesserung der Schnittstelle zu den Profis eine große Rolle spielen.

Positive Entwicklung unter Kompany: Freie Fahrt für den Campus!

Unter Vincent Kompany ist das in dieser Saison besser verlaufen und die Münchner sehen, wenn auch durch gescheiterte Transfers und Sparkurs erzwungen, dass es sich lohnen kann.

Die Durchlässigkeit vom Campus in die erste Elf ist beim FC Bayern traditionell ein heikles Thema. In der aktuellen Saison setzte Vincent Kompany mit Lennart Karl, Wisdom Mike, Cassiano Kiala, Felipe Chávez, David Santos Daiber aber bereits fünf Teenanger ein, die rein theoretisch noch in der U19-Mannschaft spielen könnten.

Eine Entwicklung, die ganz im Sinne der Vereinsbosse ist und die Wiesinger mit seinem guten Blick für Talente und Nachwuchstrainer weiter befördern soll. Hinzu kommt bei der Umstrukturierung des Campus, dass Christoph Freund eine größere Verantwortung erhalten soll.

Christoph Freund wird wohl stärker involviert

Nach Miasanrot-Informationen ist man in München nicht ganz zufrieden mit der Arbeit von Eberl dahingehend. Konkret geht es dabei unter anderem um das Personal, das er federführend mit eingestellt hat – im Scouting und generell am Campus. Hier erhält Wiesinger in Nürnberg derweil viel Lob. Die Trainer, die er im U-Bereich beispielsweise engagiert hatte, sollen hervorragend zum „Club“ passen.

Freund wiederum gilt als Experte im Jugendbereich, verfügt dort über viel Erfahrung. Dort, so hofft man in München, kann er seine Stärken optimal einbringen. Schon bei den Verpflichtungen von Richard Kitzbichler oder René Marić zeigte er einst das richtige Gespür. Beide genießen im Verein hohes Ansehen, auch wenn Marić nicht mehr direkt am Campus tätig ist.

Jochen Sauer hingegen kann sich in Zukunft wohl noch mehr auf seine Funktion als Geschäftsführer des Joint Ventures „Red & Gold“ konzentrieren. Es ist eine Umstrukturierung, die auf den ersten Blick sinnvoll wirkt. Gerade bei Weinzierl fragten sich am Campus einst viele, warum die Wahl auf ihn fiel. Nennenswerte Erfahrungen im Jugendbereich hatte er nicht vorzuweisen. Mit Wiesinger kommt hier nun ein echter Spezialist, der womöglich durch einen stärker involvierten Freund unterstützt wird.

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