D, E oder F-Lösung? Die Trainersuche beim FC Bayern geht weiter.

Jonathan Trenner 03.05.2024

Vor der Absage von Rangnick hatte Sportdirektor Christoph Freund eine Verkündung vor dem Rückspiel in Madrid noch nicht ausschließen wollen. Dann machte Rangnick den Bayern den nächsten Strich durch die Rechnung. Jetzt geht die holprige Trainersuche in die nächste Runde und die Kandidatenliste muss doch noch mal aus dem Papiermüll gekramt werden.

In den letzten Tagen kursierte auch die Spekulation, dass ein gewisser Pep Guardiola in Manchester von all den Titeln gesättigt ist und noch ‘unfinished business’ in München hat. Das ist bisher jedoch völlig unbegründet, auch wenn es sicher den Traum vieler Fans erfüllen würde.

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Gleiches gilt für einen Verbleib von Thomas Tuchel, der sich auf der Pressekonferenz vor der Bundesligapartie gegen den VfB Stuttgart mal wieder zur Thematik äußern musste. Das Grinsen bei seiner Antwort kann aber mehr als belustigt und weniger als vielsagend interpretiert werden.

Also kein Guardiola und kein Tuchel. Wer bleibt denn noch?

Der Wahrscheinliche: Roger Schmidt

Laut den ersten Medienberichten nach der Absage von Rangnick haben Eberl und Co. Schmidt ganz oben auf der neuen Liste. Sein Vertrag bei Benfica Lissabon läuft noch bis 2026, er hat wohl eine Ausstiegsklausel eingebaut. Ganz stabil ist sein Stand in der portugiesischen Hauptstadt aber sowieso nicht mehr, villeicht wäre er also günstig zu haben.

Der Deutsche feierte vor allem vergangenes Jahr große Erfolge: Portugiesischer Meister, Gruppenerster vor PSG und Juve und der Einzug ins Champions-League-Viertelfinale. Diese Saison kriselt es aber ein bisschen, nachdem mehrere Leistungsträger den Verein verlassen haben. Die Meisterschaft kann man wohl nicht verteidigen und in der Champions-League konnte man nur einen einzigen Sieg erringen.

Taktisch stellt Schmidt ein flüssiges 4-2-3-1 auf. Die Sechser sind dabei sehr wichtig im Spielaufbau: ein großer Faktor in der Kaderplanung, sollte Schmidt Trainer werden. Im letzten Drittel spielt sein Benfica geduldig und frei in ihrer Positionierung. Ein Stil der gut zu einem mitspielenden Stürmer wie Kane und einem quirligen Unruheherd wie Musiala passt. Außerdem würde man sich mit Schmidt ein Stückchen Leverkusen ins Haus holen – vielleicht weiß er ja welche schwarze Magie hinter all den Last-Minute-Toren steckt.

Der Deutsche: Hansi Flick

Er scheint eine perfekte D-Lösung zu sein: Erfahrung und Erfolge auf höchstem Niveau, deutschsprachig und gute offensive Anlagen. Seit seinem großen Sextuple-Erfolg als Kovac-Nachfolger läuft es für den Weltmeister-Co-Trainer aber sehr unrund. Erst der Konflikt mit Brazzo und eine enttäuschende Abschiedssaison, dann die unterirdische Zeit beim DFB.

Flick wäre ein alter Bekannter. Sein Fußball war in München offensiv top, defensiv flop, bei der Nationalmannschaft eher überall flop. Trotzdem ist er damals eben nicht primär aus Leistungsgründen gegangen – beziehungsweise gegangen worden. Die Führungsetage, mit der sich Flick damals überworfen hat, ist längst weg. Man könnte also meinen: Weg frei für eine Rückkehr.

Gegen Flick spricht, dass er eben erst eine halbe Saison, in der ohne Zuschauer gekickt wurde, wirklich überzeugen konnte. Seine Zeit als Nationaltrainer haben das Bild von ihm als Top-Trainer dann doch sehr getrübt.

Der Taktikfuchs: Roberto de Zerbi

De Zerbi galt von Anfang an als ein möglicher Kandidat und tauchte schon seit der Absage seitens Alonso immer wieder in Diskussionen auf. Sein Vertrag bei Brighton läuft bis 2026, bei ihm wäre also eine Ablöse fällig.

Was de Zerbi zu einem Kandidaten bei den Bayern gemacht hat, sind die taktischen Ansätze, die sich durch seine ganze Trainerlaufbahn ziehen. Der Italiener lässt meist ein 4-2-3-1 spielen. Seine Mannschaften laden mit einem tiefen Aufbau Pressing vom Gegner ein um das dann zu überspielen. Allerdings sieht sich sein ballbesitzbetonter Fußball auch oft tiefstehenden Blöcken gegenüber. Hier besetzen die Flügelspieler oft die Halbräume, wo sie mit Unterstützung des Zehners günstige Kombinationssituationen schaffen. Zusätzlich spielt de Zerbi gegen den Ball gerne mit intensivem, hohem Pressing. Diese Kombination aus Ballbesitz und Pressing macht seinen Fußball zu etwas Besonderem.

Seine taktischen Ideen findet man auch in den Zahlen wieder. Brighton spielt laut Opta die zweitmeisten passes per sequence der Premier League, nur Man City ist besser. Mit 4,93 liegen sie damit auch vor Tuchels Bayern. Auch im Pressing sind sie aggressiver als die Münchner. Beide lassen 10,9 passes per defensive action zu, aber Brighton hat mehr hohe Ballgewinne (305 zu 293) und kreiert mehr Tore daraus (7 zu 4).

Allerdings stimmen bei Brighton seit einigen Monaten die Ergebnisse nicht mehr. Mit nur einem Sieg aus den letzten neun Spielen befinden sie sich mittlerweile im grauen Mittelfeld. Grund könnte auch die englische Vierfachbelastund aus Liga, Europa-League und zwei Pokalen sein.

The Special One: José Mourinho

Wenn man sich auf die Suche nach einem echten Kracher als Nachfolger von Tuchel begibt, dann stößt man unweigerlich auf den Namen José Mourinho. Vier internationale Titel, dazu mehrere Liga-Erfolge in Italien, Spanien und England hat der Übungsleiter mit der vielleicht größten Persönlichkeit im europäischen Fußball. Fast überall hatte der Portugiese Erfolg und fast überall ist er angeeckt. Er soll wohl heiß auf den Bayern-Job sein, auch wenn die Verantwortlichen noch Bedenken haben.

Fußballerisch steht Mourinho nämlich vor allem in den vergangenen Jahren für defensiven Fußball. Über seine inzwischen recht lange Karriere hat Mourinho mit verschiedenen Formationen gearbeitet. Bei AS Rom arbeitete er zuletzt mit einer Dreierkette und Schienenspielern.

Der Fußball des Portugiesen ist für KO-Spiele gemacht. Eine Tatsache, die man mit Blick auf den Austragungsort des nächstjährigen Champions-League-Finals nicht unterschätzen darf. Gleichzeitig entspricht der Fußball sicher nicht dem Selbstbild des FC Bayern und Mourinho wäre keine langfristige Lösung, mit der man eine Ära prägt. Die Frage ist, ob man das überhaupt noch sucht.

Mr. Champions League: Zinedine Zidane

Die französische Legende hat bisher einen einzigen Verein trainiert, dafür gleich zwei Mal: Real Madrid. Seine Bilanz in der Liga war dort noch normal: In vier vollen Saisons wurde er einmal Dritter, einmal Zweiter und zwei mal Meister. Das beeindruckende an Zizou sind seine Champions-League-Titel. Drei mal gewann Real Madrid unter ihm den wichtigsten Titel des Vereinsfußballs. Gleich in seiner ersten Saison, in der er erst ab Januar an der Seitenlinie stand, besiegten die Königlichen Stadtrivalen Atlético im Finale.

Zidane ließ in seiner Zeit bei Madrid verschiedene Formationen spielen. Am relevantesten waren dabei ein offensives 4-3-3 und ein 4-4-2, mit einem Rautenmittelfeld. In beiden Formationen spielte ein defensiv orientierter Sechser eine wichtige Rolle – ein Spielerprofil, das zuletz auch Thomas Tuchel lautstark forderte.

Aktuell gibt es keine glaubwürdigen Berichte, dass eine Verpflichtung von Zidane für den FC Bayern in Frage kommt. Er spricht kein Deutsch und wenig Englisch, zudem hat er seine Trainerfähigkeiten noch nie außerhalb Madrids unter Beweis gestellt.

Und was ist mit Plan I?

Neben diesen Fünf gibt es sicher noch den ein oder anderen Trainer in Weltfußball, der auf der Liste aus Eberls Schublade steht. Martín Demichelis oder doch Sebastian Hoeneß sind Namen mit Bayernvergangenheit und erfolgreichen Zeiten bei anderen Klubs. Sollten all diese Kandidaten auch noch ihre Absage direkt an Uli Hoeneß am Tegernsee faxen, wird der wohl selbst nächste Saison an der Seitenlinie stehen müssen.

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