Die 120 überragenden Minuten des Javier Martinez

Felix Trenner 19.05.2014

Es war alles andere als einfach für den 25-Jährigen in dieser Saison. Zu Anfang überspielt, speziell aufgrund des anstrengenden Confed-Cups 2013, und dann auch noch verletzt, bestritt der Baske in der Hinrunde lediglich vier Spiele über die volle Distanz. Dass Pep in dem einen seiner zwei Spanier durchaus einen wichtigen Mann sah, stellte er immer wieder klar – doch schien sich der Trainer noch nicht ganz sicher zu sein über die Position, die Martinez im System einnehmen sollte. Das führte wiederum dazu, dass dieser zwischen Innenverteidigung und Acht im Mittelfeld wechselte. Konstante Einsätze, auf denen man sein Spiel weiterentwickeln kann, sehen anders aus. Und trotzdem: In der Rückrunde schaffte er es ein ums andere Mal die mitunter schwachen Leistungen seiner Innenverteidiger-Kollegen auszugleichen und kam immer besser in Tritt – ohne jedoch einen hundertprozentigen Stammplatz inne zu haben.

Wie essentiell Martinez für den FC Bayern sein kann und wird, zeigte er dann im Pokalfinale. Ein kurzer Blick in die Statistiken genügt, um seine durchgehend sehr gute Bewertung in den Zeitungen zu rechtfertigen: 92 Pässe (davon 13 lange) mit einer Passquote von starken 88 Prozent sprechen für die Umsichtigkeit und Ballsicherheit, die der Spanier 120 Minuten lang ausstrahlte. Sagenhafte 14 (!) klärende Aktionen (zum Vergleich: Hummels auf schwarz-gelber Seite mit gerade mal zwei) unterstreichen das Gefühl, dass man als Zuschauer bekam: Martinez war überall auf dem Platz und unterband gefährliche Aktionen meist schon im Ansatz. Auch seine Foulstatistik kann sich sehen lassen. Wäre Schiedsrichter Florian Meyer in der ersten Halbzeit nicht ein ums andere Mal auf die teils hinterlistige Fallsucht von Reus & Co. reingefallen, wären es noch weniger als fünf unfaire Aktionen geworden. Und in einem Spiel gegen die zweitbeste Kontermannschaft der Welt auf der Martinez-Position ohne gelbe Karte auszukommen, spricht ebenfalls Bände.

Zweites Finale gegen den BVB – zweite überragende Leistung

Bereits vor gut einem Jahr im Wembley-Stadion hatte der Spanier aller Welt bewiesen, dass sich die in ihn investierten 40 Millionen Euro ausgezahlt haben. In der lethargischen Anfangsphase behielt Martinez damals die Ruhe und rettete den FCB zusammen mit Manuel Neuer vor einem frühen Knockout. Zu diesem Zeitpunkt stellte er die Komponente da, die den Bayern bis dato gefehlt hatte: In großen Spielen konnten die Leistungsträger zu selten ihr höchstes Niveau erreichen – gerade auch Bastian Schweinsteiger versagten dann die Nerven. Martinez hingegen ist auf den Punkt da und macht die großen Spiele zu seinen ganz persönlichen Highlights.

Was Javi’s Spielweise so besonders macht, ist seine unheimliche Antizipationsstärke. Während zum Beispiel Luiz Gustavo seinen Gegner den Ball annehmen lässt und ihn dann attackiert, lässt es Martinez gar nicht auf derartige Mann-gegen-Mann-Duelle ankommen, sondern erkennt die Situation frühzeitig und geht dazwischen. Zudem hebt sich mit ihm das Niveau des Aufbauspiels aus der Innenverteidigung heraus merklich. Kaum ein riskanter Pass am Strafraum oder eine verschluderte Aktion im Mittelfeld geht auf seine Kappe – im Gegensatz zu manch haarsträubendem Klärungsversuch von Kollege Dante.

Im Spiel gegen den BVB war Martinez zentraler Verteidiger in der Dreierkette – dem System, dem Pep Guardiola in Zukunft wohl vertrauen möchte. Und vielleicht beantwortet das die Frage des Trainers nach der optimalen Position von Javi. Quasi Innenverteidiger, Sechser und Teilzeit-Achter in Personalunion. Eins steht jedenfalls fest: Macht er nächste Saison da weiter, wo er jetzt aufgehört hat, kann sich Martinez ein Prädikat verdienen, das nur ganz wenige Spieler aktuell beim FC Bayern inne haben: Unverzichtbar.

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