DFB-Pokal-Historie: Duelle mit Borussia Dortmund – Teil 2

Justin Trenner 17.05.2016

Im ersten Teil haben wir uns mit den Jahren 1966, 1981 und 1992 beschäftigt. In Teil 2 geht es um Luca Tonis Doppelpack, den nationalen Höhepunkt der Ära Klopp sowie einer speziellen Geschichte von und mit Arjen Robben.

2008: Luca Toni macht den Unterschied

Das Pokalfinale fand im Jahr 2008 bereits am 15. April statt. Die Rollen waren vorher sehr klar verteilt. Borussia Dortmund war in der Liga weit abgeschlagen und so reichte es für die Mannschaft von Thomas Doll am Ende nur für Platz 13. Über Magdeburg, Frankfurt, Bremen, Hoffenheim und Jena qualifizierten sie sich allerdings immerhin für das Pokalfinale. Der FC Bayern steckte damals ebenfalls in einer komischen Situation, wenngleich nicht annähernd vergleichbar mit der des BVB. Die Münchner spielten nach einer schlechten Vorsaison nur UEFA-Cup.

Dennoch war die Saison 2007/08 ein großer Schritt nach vorne für die Bayern. Man verpflichtete mit Luca Toni einen Weltmeister und holte darüber hinaus einen gewissen Franck Ribéry an die Säbener Straße. Mit den entsprechenden Freiheiten ausgestattet, kamen beide am Ende der Bundesliga-Saison zusammen auf 49 Torbeteiligungen. Das Jahr 2008 war aber auch deshalb so speziell, weil Oliver Kahn seine Karriere am Ende der Spielzeit beendete und Ottmar Hitzfeld den Verein nach seiner zweiten Amtszeit erneut verlassen sollte.

Im Pokalfinale setzte der Bayern-Trainer auf ein 4-4-2 in der Grundausrichtung. Vor Oliver Kahn spielten in der Viererkette Lahm, Lúcio, Demichelis und Lell. Van Bommel als etwas defensiverer Part und Zé Roberto, der für mehr Drang nach vorne sorgen sollte, teilten sich die Aufgaben vor der Abwehrreihe. Bastian Schweinsteiger besetzte den rechten Flügel, Ribéry den linken und Toni teilte sich die Offensive im Zentrum mit Miroslav Klose. Der Gegner aus Dortmund setzte auf ein 4-1-4-1 mit Kehl auf der Sechs, sowie Tinga und Kringe davor. Frei besetzte das Sturmzentrum und wurde von Petric sowie Jakub Błaszczykowski von den Außen unterstützt. Vor Torwart Ziegler agierten Dede, Robert Kovac, Christian Wörns und Rukavina.

Dortmund, in dieser Begegnung klarer Außenseiter, machte aber ein gutes Spiel. Trotz der frühen Führung der Bayern durch Luca Toni (11.), hatte man nie das Gefühl, dass Dortmund ohne Chancen wäre. Während Bayern um die Kontrolle bemüht war, schaffte es der BVB den Rekordpokalsieger durch ein kompaktes, zweikampfstarkes Mittelfeld vom eigenen Tor wegzuhalten.

Erst im Laufe der zweiten Halbzeit sollte es ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten werden. Die Bayern ließen durch einfache Ballverluste und vielen Lücken in der Formation einiges zu. In der zweiten Minute der Nachspielzeit war es dann Petric, der sein Team mit einem abgefälschten Schuss in die Verlängerung brachte. Eigentlich war der BVB nun überlegen und kam auch zu einigen sehenswerten Chancen, doch es war wiedermal Luca Toni, der die Träume der Dortmunder beendete. Der eingewechselte Podolski sorgte für einen Strafraumdurchbruch und fand Toni. Diese Chance ließ sich der Italiener nicht nehmen und so besiegelte er in unnachahmlicher Art und Weise in der 103. Minute den Pokalsieg für die Bayern. Eine Gelb-Rote Karte für Błaszczykowski und eine gute Chance für Podolski blieben die letzten Höhepunkte.

Oliver Kahn und Ottmar Hitzfeld durften sich also mit dem Double verabschieden. Im UEFA-Cup scheiterte der Rekordmeister im Halbfinale nur eine Woche nach dem Pokalfinale in St. Petersburg. Rummenigge kündigte nach dem Erfolg gegen den BVB noch an, dass man nun auch mal “die Sau raus lassen” könne. Vielleicht haben das einige zu sehr beherzigt, denn in Russland gingen die Münchner mit 0:4 unter.

2012: Dortmund demütigt die Bayern

Unter ging der Rekordmeister auch vier Jahre später. Diesmal allerdings gegen den Konkurrenten aus Dortmund. Wieder trafen sich beide Teams im Pokalfinale, diesmal aber unter komplett anderen Voraussetzungen. Borussia Dortmund war nicht nur amtierender Meister, sondern hatte den Meistertitel sogar verteidigt. Vor diesem Spiel wurde medial von einer möglichen Wachablösung gesprochen und zumindest vorübergehend war diese nach dem Spiel auch gekommen.

Bayern wirkte in seinem Spiel zu statisch, unflexibel und unmodern. Stimmen gegen Trainer Jupp Heynckes wurden laut, dass er zu spät wechseln würde und sich nicht an dem Fußball des BVB orientieren würde. Die Probleme des van Gaal’schen Ballbesitzfußballs konnte Heynckes in seiner Anfangszeit nicht lösen. Der FC Bayern wirkte berechenbar und fand zu wenig Lösungen, um aus dem vielen Ballbesitz auch etwas zählbares zu machen.

Borussia Dortmund hingegen war auf dem Höhepunkt von Klopps “Vollgasfußball” angekommen. Bereits einige Wochen vor dem Pokalfinale entschied der BVB das Duell mit den Bayern im Signal Iduna Park für sich. Arjen Robben hatte dabei einen Elfmeter zum möglichen Ausgleich verschossen und verspielte so die verbleibende Chance auf den Meistertitel. Der Niederländer sollte in dieser Saison ohnehin zum tragischen Helden avancieren, obwohl er im Pokalfinale zumindest zum zwischenzeitlichen Ausgleich per Elfmeter einschießen konnte.

Dortmund war in allen Bereichen überlegen. Zwar sagte Philipp Lahm nach dem Spiel, dass man unglücklich verloren habe, doch damit sorgte er eher für Lacher als für Verständnis. Der BVB untermauerte, dass er in diesen zwei Jahren die sportliche Nummer Eins in Deutschland war. Tolle Umschaltmomente, starkes Gegenpressing, gute Positionierungen gegen den Ball und so auch viele Ballgewinne. Klopp und sein Trainerteam wurden zurecht gefeiert und sorgten für eine fußballerische Veränderung in Deutschland, die auch auf die Nationalmannschaft Auswirkungen hatte.

Kagawa, Hummels und drei Tore von Lewandowski sorgten am Ende für ein 5:2 bei dem Ribérys Treffer sowie Robbens Elfmeter nur Kosmetik waren. Die Machtdemonstration war der Gipfel einer Dortmund-Ära, die den Bayern so sehr wehtat, dass man im Sommer darauf tief in die Tasche griff, um einen Gegenangriff zu planen. Eine Woche nach dem Pokalfinale verlor der FC Bayern auch noch das Finale der UEFA Champions League im eigenen Stadion gegen Chelsea. Die Saison ging für die Münchner also ohne Titel aus und bleibt mit all ihrer Enttäuschung zurück als Fundament für spätere Erfolge.

2013: Arjen Robben schreibt seine eigene Geschichte

Robben und der FC Bayern. Das ist eine ganz besondere Geschichte. Im Sommer 2012 hätte man es dem Flügeldribbler nicht verübeln können, wenn er den Verein verlassen hätte. Nachdem er die entscheidenden Elfmeter gegen Dortmund in der Bundesliga sowie im Champions-League-Finale gegen Chelsea verschossen hatte, musste er sich in einem Freundschaftsspiel der Bayern gegen die Niederlande Pfiffe anhören. Es war der beschämende Tiefpunkt einer unfassbar enttäuschenden Saison. Arjen Robben wäre aber nicht Arjen Robben, wenn er sich damit verabschiedet hätte. Der heute 32-jährige hatte sich dazu entschlossen zu bleiben und seiner Geschichte eine positive Wendung zu verpassen.

Das sechste Aufeinandertreffen der Bayern mit dem BVB im DFB-Pokal war der Anfang dieser Wendung. Es wäre aber falsch diese Geschichte nur Arjen Robben zuzuschreiben, denn der ganze FC Bayern hatte im Vergleich zu 2012 einen großen Sprung gemacht. Allen voran Jupp Heynckes, der aus dem Vize-Triple des Vorjahres lernte und sein System anpasste.

Unser Autor Steffen fasste das Ganze damals nach dem Spiel wie folgt im Blog zusammen:

Lange Zeit hatte der FC Bayern nach einem Mittel gegen das hervorragende Dortmunder Pressing gesucht. Heynckes hat einen Schlüssel gefunden. Von Beginn an schob Lahm bei Ballbesitz von Dante oder Alaba brutal nach vorn. (…) Dies ermöglichte Bayern das Dortmunder Pressing mit zwei Mitteln zu umgehen. Erstens der lange diagonale Ball von Dante nach rechts vorn wo die energisch startenden Müller, Mandzukic und Lahm die Dortmunder extrem unter Druck setzten. Diese Läufe zwangen Großkreutz oder Reus Lahm zu folgen und eröffneten Dante damit 2. die Möglichkeit auf den dadurch völlig freien van Buyten zu spielen, der von dort komplett ohne Dortmunder Druck aufbauen konnte. (…) Hilfreich auch: Schweinsteigers unfassbare Pressingresistenz, Martínez tolle Ballgewinne im Zentrum und Mandzukics Druck auf jeden Dortmunder der sich ihm näherte. Steffen im Februar 2013

Bayern hatte Klopps Pressing entschlüsselt und fand Lösungen, die schlussendlich zum 1:0-Sieg durch ein wunderschönes Tor von Arjen Robben führten. “Das ist Heynckes Verdienst” schlussfolgerte Steffen damals und hatte damit nicht unrecht. Die Bayern beendeten die Saison mit dem historischen Triple und Viertelfinal-Torschütze Robben schrieb seine Geschichte mit dem 2:1-Siegtreffer auch im Champions-League-Finale gegen Dortmund weiter.

Im dritten und letzten Teil der Serie werden wir auf das Pokalfinale 2014 und auf ein mehr als unglückliches Elfmeterschießen 2015 zurückblicken. Am Ende wird es dann noch einen kleinen Ausblick auf das diesjährige Finale geben.

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