Der Mythos des Abtauchens

Georg Trenner 23.07.2019

Der Vorwurf

Als Daniele Orsato nach nur 93 Minuten abpfiff an diesem Mittwochabend im März 2019, war der FC Bayern aus der Champions League ausgeschieden – wieder einmal. Nach torlosem Unentschieden im Hinspiel an der Anfield Road unterlag der FCB dem späteren Sieger FC Liverpool im Rückspiel mit 1:3 und scheiterte damit bereits im Achtelfinale. Wieder einmal würde das Finale ohne die Münchner stattfinden. Anders als in den Vorjahren gegen Real Madrid eigneten sich diesmal aber weder der Referee noch höhere Gewalt als Sündenbock, zu klar und verdient war das Ausscheiden.

Woran lag es? Neben einem starken Gegner und Kovačs vielleicht zu vorsichtiger Taktik wurden auch immer wieder Thiago und Lewandowski als Schuldige auserkoren.

Eurosport urteile etwa über Lewandowski: „Seit nun sieben K.o.-Spielen ist Lewandowski torlos. In fünf Saisons bei den Bayern gelangen ihm erst elf Treffer in der heißen Phase. Dabei traf “Lewy” oft nur gegen vermeintlich kleine Gegner (ein Tor gegen Schachtjor Donezk, zwei Tore gegen Porto, zwei Tore gegen Besiktas). Gegen Liverpool erwischte er erneut einen dieser Abende. Keine Bindung zum Spiel, keine besonderen Momente, keine Torgefahr.“ Die FAZ erkannte unterdessen „völlig abtauchende Stars wie Thiago“.

Es überrascht nicht, dass immer wieder die beiden in die Kritik geraten: Beide sind Topstars des FC Bayern. Und während die Jungstars Kimmich und Süle noch Welpenschutz genießen, haben andere Altstars wie Neuer und Alaba bereits große Titel vorzuweisen.

Hier also Thiago, der scheinbare Schönspieler, der zwar mit Übersteigern und Passstafetten gegen vergleichsweise schwache Gegner glänzen könne, dem aber der Biss für die ganz großen Momente abgehe. Und dort Lewandowski, der egoistische Stürmer, der einem Dreierpack gegen Freiburg eine Nullnummer gegen Madrid folgen lasse.

Die Überprüfung

Doch was ist dran am Vorwurf? Tauchen die beiden wirklich in großen Spielen ab, oder gewinnt hier wie so oft das emotionale Narrativ die Oberhand über die Faktenlage? Wir untersuchen deshalb die Leistung der beiden in genau diesen großen Spielen möglichst objektiv und transparent. Der Versuch ist nicht ganz einfach. Folgende Punkte müssen geklärt werden:

  • Was sind große Spiele?
  • Wie messen wir, ob jemand in diesen Spielen abtaucht oder herausragt?
  • Welchen Zeitraum schauen wir uns an?

Als große Spiele haben wir diejenigen definiert, auf die folgendes zutrifft: DFB-Pokal-Finals, alle Bundesligaspiele gegen Dortmund und Leipzig (da diese beiden Mannschaften zuletzt konstant erfolgreich waren und die Definition einer Top-Mannschaft bei allen anderen Klubs für einzelne Spielzeiten sehr willkürlich erscheint), Spiele in der Champions League gegen Teams mit einem Elo-Wert über 1800 (das ist ungefähr die Schwelle, um zu den Top-10-Teams in Europa zu gehören).

Für die Bewertung der Leistung haben wir uns für die WhoScored-Noten entschieden. WhoScored-Noten reichen von ca. 4 bis 10, wobei 10 der Bestwert ist. Zu Beginn jedes Spiels wird ein Spieler mit einer 6,0 bewertet. Auf dieser Basis bringt jede gelungene Aktion Pluspunkte, jede negative Aktion Minuspunkte. Die Noten sind nicht perfekt, aber objektiv, beobachtbar und vergleichbar. Zur Plausibilisierung: In der abgelaufenen Saison belegten Lewandowski, Thiago und Kimmich die ersten drei Plätze im Bayern-Kader – eine Einschätzung, die man durchaus auch mit subjektiven Beobachtungen erklären kann.

Für den Zeitraum haben wir uns für die letzten drei Jahre entschieden: Das sollte zu einer ausreichend großen Stichprobe führen, ohne zu weit in die Vergangenheit zu blücken. Denn selbst wenn Thiago 2014 als junger Spieler einmal abgetaucht wäre, wäre dies die richtige Grundlage für seine heutige Bewertung als Führungsspieler? Für den Betrachtungszeitraum kommen wir damit auf 26 Spiele, von denen der FCB 13 gewonnen hat, dreimal unentschieden spielte und zehnmal als Verlierer vom Platz ging. Eine ausreichende Anzahl und auch ein adäquates Abschneiden des FC Bayern, denn eine deutlich positivere Ergebnisverteilung würde bedeuten, dass zu viele leichte Spiele mit im Topf sind.

Das Urteil

Von den 26 Top-Spielen des FC Bayern in den vergangenen drei Jahren verpasste Thiago nur drei. In den 23 Spielen, in denen er dabei war, wurde er von WhoScored im Durchschnitt mit 7,6 bewertet. Das ist eine herausragende Note. Lewandowski verpasste nur zwei Spiele – übrigens beides Niederlagen – und kommt auf einen Notenschnitt von 7,5, ebenfalls ein herausragender Wert. Zur Einordnung der Noten hier ein Vergleich mit dem Notenschnitt der gesamten bayerischen Elf in diesen Spielen, der bei 6,9 lag. Thiago und Lewandowski schneiden im Durchschnitt also deutlich besser ab als ihre Mitspieler.

Die durchschnittlichen WhoScored-Noten von Thiago und Lewandowski im Vergleich mit dem restlichen Bayern-Kader in der gewählten Stichprobe.

Arturo Vidal, ein Spieler über dessen Siegeswille man nicht diskutieren muss, kommt in den Partien, in denen er vor seinem Wechsel mitspielte, auf eine Note von 7,0.

Zur weiteren Einordnung der Leistungen von Thiago und Lewandowski sei noch ein Blick auf die abgelaufene Saison gestattet, die den meisten LeserInnen noch gut in Erinnerung sein dürfte. In Europas Top-5-Ligen (Frankreich ist hier die Nummer 5) wurden von WhoScored in der Saison 2018/19 nur 21 Spieler überhaupt mit einer Durchschnittsnote von 7,5 oder besser bewertet, inklusive Thiago, Lewandowski und Kimmich. Hier die Top 10 der abgelaufenen Saison:

Die notenbesten Spieler der Top-5-LigenWhoScored.com Durchschnittsnote 2018/19
Lionel Messi (Barcelona)8,5
Kylian Mbappé (Paris)8
Téji Savanier (Nimes)7,9
Eden Hazard (Chelsea)7,8
Cristiano Ronaldo (Juventus)7,7
Robert Lewandowski (Bayern)7,7
Alejandro Gómez (Atalanta)7,6
Nicolas Pepe (Lille)7,6
Raheem Sterling (Man City)7,6
Thiago Alcantara7,6

Fazit und Prognose

Der Mythos des Abtauchens ist sehr wahrscheinlich unbegründet und scheint wie so oft im Fußball aus der Emotion verlorener Spiele und unrealistischer Erwartungen heraus entstanden zu sein. Thiago und Lewandowski sind Leistungsträger des FC Bayern, in großen wie in kleinen Spielen. Gewinnen sie in den nächsten Jahren nochmal die Champions League, wird die Einordnung ex Post ähnlich wie bei allen anderen Legenden verlaufen und man wird sich in erster Linie an die großen Siege erinnern. Und auch wenn sie sie nicht gewinnen, so bleiben zumindest statistische Auswertungen, die dem Mythos des Abtauchens etwas entgegensetzen können.

»Eier, wir brauchen Eier!«

— Oliver Kahn

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  1. Hm. Interessante Analyse, allerdings ist mir als Mathematiker bewusst, dass man hinter Zahlen durchaus nochmal einen genaueren Blick werfen sollte ;-)

    Der gute Schnitt überrascht mich – interessieren würde mich da aber mal die einzelnen Werte für CL, Pokal sowie die BL Dortmund & Leipzig.

    Die Spiele gegen Leipzig zB. sehe ich nicht als Top Spiele – die sind noch “zu grün” für uns. Und der BVB hatte in den ersten beiden Jahren Eurer Auswertung doch eher geschwächelt. Und in der letzten Saison war die 5-0 Gala dabei.

    Die richtig “großen” Spiele sind für mich die CL KO Spiele – und zwar gegen Top 10 Mannschaften. Und da würde ich mal vermuten, dass der Durchschnitt für Lewa dann doch deutlich unter 7,5 liegt.

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    1. genau meine Gedankengänge.

      Eigentlich ein super Artikel und eine super Idee. Ist auch i.O. für die 25 Spiele ein Gesamtergebnis herzunehmen.
      Dennoch zählt für mich nur die CL -> das hat m.M.n. mit der Psyche zu tun.
      Im Tagesgeschäft (BL, DFB-Pokal) sind es immer wieder die gleichen Gegner die auch schon x-mal besiegt wurden. DIE machen sich in die Hose wenn sie in die AA einlaufen. Siehe 5:0 gegen BVB.
      Das hab ich aber bei Real, Liverpool, Barca, Athletico noch nie erlebt ;-) (zumindest nicht über 90 Min.).
      Könntet ihr also bitte die 25 Spiele einzeln aufdröseln?
      Danke

      1. @Stiftl: Danke für das Feedback. Relativ moderate Kritik von einem Mathematiker – ein viel größeres Lob könnte ich mir nicht wünschen. :-)

        Streicht man die sechs Bundesligaspiele gegen Leipzig im Betrachtungszeitraum, bleiben 20 “große Spiele” mit je 9 Siegen und Niederlagen sowie zwei Niederlagen. Thiagos Schnitt in diesen 20 Spielen (bzw. seinen 18 davon): 7,4, Lewis Schnitt 7,5, FC Bayern insgesamt 6,9. Kein signifikanter Unterschied.

        Widersprechen möchte ich bzgl. der Relativierung der Dortmund- und Pokalspiele. Das war sowohl der starke Tuchel-BVB als auch jener Favre-FCB, der zwischenzeitlich 9 Punkte Vorsprung auf den FCB hatte. Wenn diese Spiele keine absoluten Topspiele sind, was dann? Man sollte nicht den Fehler machen, die Spiele ex post zu kleinen Herausforderungen zu degradieren, nur weil der FCB so bärenstark spielte und klar gewann. (Wenn jemand in Madrid die gleiche Analyse macht, soll der auch nicht sagen dürfen: “Gegen die Bayern gewinnen wir eh immer, das zählt nicht als großes Spiel.”)

    2. @Georg
      Sehe ich genauso.

  2. Ja interessant und gut zur Einordnung der Medienberichte.

    Mich würde noch interessieren, ob sich die Noten groß verändern, wenn man nur Niederlagen werten würde.

  3. Das “Abtauchen” großer Spieler – eine Diskussion, die ich kenne seit ich Fußball schaue. Schon Lothar Matthäus musste mit diesem Vorwurf leben (und zwar der “geniale” Lothar der Jahre 1984 – 1988).

    Seltsamer Weise gibt es diese Diskussion auch nur nach (torlosen) Niederlagen. Wurde ein 0:0 über die Zeit gerettet, gehören die “Abtaucher” natürlich auch zum meisterlich verteidigenden Kollektiv.

    Gerade gegenüber Stürmern ist es doch immer schwierig, ihre Leistung richtig einzuschätzen. Was ist denn ihre Aufgabe? Sie müssen ein oder zweimal im Spiel ideal stehen, zum Schuss kommen, die wenigen Chancen, wenn sie sich bieten, verwerten. Diese Chancen muss aber die ganze Mannschaft rausspielen.

    Der Beitrag geht schon in die richtige Richtung, weil er Vorfragen stellt. Aber die entscheidende Vorfrage ist doch, hatte der Spieler überhaupt die Möglichkeit für “sein Spiel”?

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    1. Eine sehr interessante Analyse allerdings beschränkt auf die post Pep Aera in der wie ich es nenne bei uns zuviel PingPong Fussball gespielt wurde und Real der Massstab in der CL war :

      Thiago:
      Thiago fehlt der Spieler der fuer ihn/uns abraeumt, Baelle gewinnt und diszipliniert abspielt. Einer wir Busquets, Casemiro, Fernandinho. Alles Spieler die im 4-3-3 zuverlässig diese Funktion erfüllen und sich dann auch im Spielaufbau beteiligen.
      Vidal der diese Rolle einnehmen sollte hat mmn bei uns total versagt. Auch Javi konnte physisch bedingt nicht mehr so spielen wie es auf top Level erforderlich ist. Thiago kann nicht alles machen, Baelle abfangen, aufbauen, in die Tiefe gehen etcetcetc.
      Insgesamt hat Thiago auch sein Defensivverhalten enorm verbessert. Seine Antizipationsfaehigkeit genutzt um Baelle abzufangen wie kein anderer. Und auch im Zweikampf geht er jetzt ordentlich zur Sache (wahrscheinlich hat er seine Knieverletzung lange im Kopf gehabt).
      Fuer mich der beste MF Spieler seit Jahren.

      Lewa
      Tore sind eben fuer einen MS der erste Masstab. Und da hat Lewa in den großen Spielen ein Defizit. Aber auch hier ist es mmn so das er als MS nicht gleichzeitig auflegen und einsetzen kann. Bei Real war es schon bemerkenswert wie regelmaessig Ronaldo in der CL k.o. Phase aufgedreht und eingenetzt hat. Auch Benz und sogar Bale sind nach teilweise grottenschlechten Leistungen in laliga da und treffen. Im Kollektiv wurden aber auch immer die Raeume geschaffen um treffen zu koennen, individuell oder nach Vorlagen. MMn waren die Mitspieler von Lewa vorne einfach nicht (mehr) gut genug in den top Spielen ihn entsprechend in Szene zu setzen.
      Lewa hat aber auch letzte Saison sein Spiel stark verbessert und schafft durch sein vergroesserten Aktionsradius mehr Raeume fuer die Mitspieler. Sehr oft fehlt der letzte praezise Pass auf ihn aber auch sehr(zu) oft hat er 100% liegen lassen.
      Wenn er noch konzentrierter verwandelt und seine Mitspieler inkl. hoffentlich Sane noch praeziser in der Box zu ihm passen dann kann es brilliant werden.
      Lewa hat die Chance bei uns den Golden Boot zu gewinnen.

      1. 100 % Zustimmung mit der nötigen Reflektion auf die Mannschaft.

        Nur mal kurz am Rande: Welche Rolle hat Mo Salah beim CL Sieger in den Knockout spielen gezeigt ? Und auch beim LFC lebt die Sturmreihe von der Vorarbeit der Außen.

  4. Ich bin da ganz bei wipf. Wobei Lodda sich seinen eigenen Mythos dann 1990 und 1999 “verdient” hatte. :-)

    Selbst einem Genie wie Messi wird regelmäßig vorgeworfen, dass er in der N11 nicht liefert. Anfangs galt das ja auch für Ronaldo, allerdings gewann er dann die EM mit Portugal: Seitdem ist Ruhe.

    Ich kann mich an nur wenige erinnern, die trotz Niederlagen wenig kritisiert wurden: Ballack 2002 in der N11, Rummenigge 1982 und 1986, Völler sowieso.

    Hängt mMn eng mit den hohen Erwartungen zusammen, die in die Großen gesetzt werden. Und gerade offensiv kannst Du nicht liefern, wenn die Mannschaft insgesamt schlecht spielt.

  5. Wie sind die Durchschnittswerte der top10 im Durchschnitt der 3 Jahre?

    Wie nur auf Stuermer bzw MFspieler bezogen?

  6. Ich vermute in der CL sind viele Spiele aus der Gruppenphase erfasst. Hier zeigt Lewandowski in der Regel solide Leistungen. Grund der Kritik an ihm sind aber die KO-Spiele. Aus meiner Sicht verwässert diese Ausweitung die Schlussfolgerung.

    Wenn man Partien gegen Leipzig und BVB aufnimmt, sollte man genau definierten: analysiert ihr die Leistungen gegen stärkere Gegner oder die Leistungen in entscheidenden Spielen? Denn ein starker Elo-Gegner bedeutet nicht automatisch immer ein wichtiges Spiel. Das letzte wichtige Spiel gegen Dortmund war z.B. vermutlich letzten April (und hier hat Lewandowski mit dem 2:0 auch einen entscheidenden Faktor dargestellt).

    Apropos Noten: man hätte schon noch erwähnen können, dass Lewas Ratio expected goals vs. goals die höchste (schwächste) aller wichtigen Offensivspieler in Europa ist.

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    1. @Turbo Batzi: Wegen des Filters “Top Ten” bzw. “>Elo 1800” sind es nur vier Spiele aus der CL-Gruppenphase, 2016 gegen Atletico und 2017 gegen PSG.

      Ich stimme dir zu, was die Klassifizierung der Spiele angeht. Ein “großes Spiel” ist meiner Meinung nach eine Kombination aus Gegnerstärke und Relevanz des Spiels:
      DFB-Pokal gegen Heidenheim? Natürlich kein großes Spiel. CL-Achtelfinale gegen Besiktas oder ein Vorrundenspiel gegen Eindhoven? Eher nein. DFB-Pokal-Finale oder ein Spiel gegen Real Madrid? Ganz klar ja.
      Schwierig wird es im Graubreich: Was ist mit dem Bundesligaspiel gegen Leipzig, was mit dem gegen Leverkusen und was mit dem Vorrundenspiel gegen Atletico?

      Hier haben wir versucht, durch für die Auswahl einen plausiblen und vor nachvollziehbaren Filter zu verwenden, wie im Text beschrieben.

      1. Ist immer schwer zu definieren aber der Ansatz ist ziemlich realistisch mmn.

      2. Interessant, Danke!

  7. Sehr schöne Ausarbeitung.
    Hätte es sachlich für mich nicht unbedingt gebraucht, aber einige Reaktionen hier zeigen doch wie ungern man sich von seinen alten Mythen trennt. Und wieder das Thema Confirmation Bias. Ich doktore halt so lange an den Parametern rum, bis die Ergebnisse meinen Erwartungen entsprechen.

    Wie sagte doch Khedira sinngemäß so schön: “Was sind denn die wichtigen Spiele? Immer nur die, die wir verloren haben? Dann kannst du natürlich nicht gut aussehen.”

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    1. Danke für den Kommentar und das so passende Zitat von Khedira. Kannte ich noch nicht, trifft es aber perfekt.

  8. Der Artikel unterstreicht die emotionale und somit subjektive Einschätzung der jeweiligen Spieler-Leistung und betont nachvollziehbarer Weise, dass diese durch Enttäuschung und Verärgerung gefärbte Wahrnehmung keineswegs auch der Realität entsprechen muss. Schwierig sind solche Einschätzungen ohnehin, denn die Gründe dafür, warum ein CL-Spiel auf Top-Niveau manchmal eben nicht “das Spiel” von Lewa oder Thiago oder auch Müller war, sind wie schon aufgezeigt, vielfältig und hängen gerade auch von der Mannschaftsleistung und gewählten Taktik ab.
    Wenn man von einem individuell hochklassig agierenden Spieler verlangt, aufgrund seiner individuellen Klasse im entscheidenden Spiel dann auch das Tor oder die entscheidende Torvorlage zu bringen, er das dann aber nicht schafft, hat er versagt und ist “abgetaucht”. Ob solche Erwartungen überzogen sind, oder nicht, steht auf einem ganz anderen Blatt!

    Ein ganz anderer Gedanke taucht auf, wenn ich mir die Top-Ten-Liste der Spieler anschaue:
    Mal abgesehen davon, dass nur wir zwei(!) Spieler in dieser respekteinflößenden Liste haben, tauchen dort weder die Namen Dembele noch Sane auf! Stattdessen aber der Name Pepe! Von daher erscheint es mir wenig sinnvoll, dem City-Spieler Sane – den ich auch die notwendige menschliche Reife abspreche, in einer Mannschaft wie der unsrigen spielen zu können – geradezu hinterher zu laufen! Vielmehr sollten sich Rummenigge und “Brazzo” stärker um den jungen Flügelspieler aus Lille bemühen. Der aber scheint nach Einschätzung unserer Oberen durch das Raster gefallen zu sein, und ich wüsste zu gern, warum!

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    1. Dann lass es mich versuchen: Pepe hat gerade in engen Räumen noch einige Probleme. Er ist ein Spieler, der sehr weiträumig agiert und der vielleicht(!) noch nicht soweit ist, in einer Mannschaft zu spielen, gegen die sich 80-90% hinten reinstellen. Da fehlt ihm noch das Spielverständnis für. Ich finde es daher richtig, das Geld für einen Spieler auszugeben, der auf beiden Seiten bereits unter Beweis gestellt hat, dass er (bis auf die Defensivarbeit) für sein Alter schon sehr komplett ist. Das Menschliche ist wie so oft sehr subjektiv und da kann ich nicht urteilen, weil ich über ihn keine Informationen dahingehend habe, die nicht aus dritter Hand kommen. Da wäre ich immer sehr vorsichtig. Wäre Pepe nicht so unverschämt teuer, wäre er als Zusatzlösung sicherlich super. So halte ich einen (nahezu) kompletten Spieler für dasselbe Geld und eventuell noch einen weniger kompletten für deutlich weniger Geld für sinnvoll.

      1. Hmm, ok, die Bedenken kann ich nachvollziehen, @Justin!
        Andererseits dürfte ein Spieler, der sich trotz dieser Defizite in diese Top-Ten-Liste gespielt hat, über genug Qualität verfügen, um diese Defizite vergessen zu machen. Erst recht in der Annahme, er werde sich noch weiter entwickeln. Ob diese Spekulation es rechtfertig, die aufgerufene Transfersumme zu bezahlen, darüber kann man wiederum streiten.

        Meiner Meinung nach immer noch besser, als eine mindestens vergleichbare, mutmaßlich sogar höhere Summe für jemanden zu bezahlen, der fussballerisch letztlich nicht viel besser ist – sich aber durch sein Verhalten meiner Ansicht nach von vorn herein diskreditiert! Nein, Sane steht nicht für “Mia san Mia”, sondern für “I bin I”. Jemand, der sein eigenes Konterfei in Lebensgröße auf dem Rücken tätowiert hat, provokanter Weise mit Kleidung herumläuft, für die Unsereins einen Neuwagen kaufen würde, und sich vor der WM durch zu nachlässige Trainingsleistung aus der Nationalelf gekickt hat, ist für mich kein Spieler, dem ich es wirklich zutraue, die nötige Disziplin, Kameradschaft und den Leistungswillen aufzubringen, die bzw. der notwendig ist, um bei unserem FCB Führungsspieler zu werden. Doch genau das ist für diese ernormen Summen zu erwarten von jemanden wie Sane, der – mittlerweile wieder – Nationalspieler ist, vom Man City kommen würde und ein Gehalt bekommt, das von Anfang an zu den höchsten Salären in unserem Verein zählen würde.

    2. Zunächst ist es die Top ten Liste der letzten Saison. Waere schoen die der vorherigen Saisons bzw den Durchnitt der letzten 3 oder 5 Jahre zu sehen denn dann erkennt man die Nachhaltigkeit.
      Pepe Savanier und Gomez koennen one season wonders sein und Pepe fuer 89 Mio?

      Dann wohl eher Sane denn er hat schon bei MCFC hochklassige Leistungen auf top Niveau gezeigt in einem Team das eher so spielt wie wir bzw gegen tief stehende Gegner. Das gilt auch mit Abstrichen fuer Dembele.
      Pepe dagegen hat mit Lille oft Konter gespielt mit sehr viel Raum. Wir wissen nicht wie er im engen Raum funktioniert. Bei einem aehnlich veranlagten Werner wissen wir wie schwer er sich bleiben und der NM gegen tief stehende Gegner tut.

      Deshalb bin ich hier mit KHR d’accord das man sich Die Zeit nimmt um Sane zu verpflichten. Es muss ja eine Option fuer Sane sein sonst wuerden wir nicht unsere Zeit verschwenden

      Zusammengefasst ist die Situation bei Sane relativ simpel :

      Zuallererst wollen MCFC und Pep Sane behalten.
      Deshalb versuchen sie seit ueber einem Jahr seinen Vertrag zu verlaengern zu stark verbesserten Bezuegen .Trotzdem unterschreibt Sane nicht. Alle Medien inklusive die serioesen Times Telegraph Guardian berichten das MCFC das Angebot nicht weiter aufbessern wird und kann
      Dazu muss man wissen das es in der EPL eine Art Gehaltsobergrenze gibt bzw. ein Club pro Jahr die Personalkosten insgesamt nur zu einem gewissen Prozentsatz anheben darf. MCFC haben also den gesamten Kader im Blick und nicht nur Sane. Man hat mit einigen Spielern schon verlaengert und will es noch mit anderen machen.
      Wenn Sane nicht verlaengern will kann es MCFC sich aus FFP Gesichtspunkten nicht leisten einen Spieler der mit 60 mio in den Buechern steht darunter zu verlieren bzw einen moeglichen Gewinn von 40 mio jetzt bei einer Abloese ueber 100 mio nicht zu realisieren vor allem vor den Hintergrund das man sportlich genug Optionen hat mit Sterling B.Silva Mahrez.
      Was will Sane?
      Das ist die Frage. Denn nur an seiner Entscheidung beantwortet sich ein Transfer zunächst mit ja oder nein.
      Mmn ist Sane unentschlossen weil er nicht weiss wer Pep folgt. Und ob er dann spielt. Dh er will jetzt nicht seinen Vertrag verlaengern und dann in der Luft haengen und nicht spielen wie ein Bale oder James.
      Er ist nur bei MCFC wegen Pep. Wenn Pep in einem Jahr nicht mehr da ist dann entfaellt eigentlich die Grundlage beim MCFC zu sein.
      Bei uns wuerde er die No1 und wohl fast immer spielen.
      Fuer Sane wuerde der FCB in kauf nehmen Coman zu verlieren.
      Sollte er sich entscheiden abzuwarten und nicht zu verlaengern werden aber MCFC aktiv werden und ihn verkaufen wollen.
      Das muss Sane abwaegen.

      Mmn realistisches Szenario:
      Sane legt eine Vertragsverlaengerung mit MCFC ab mit der Bitte abzuwarten.
      MCFC werden aber erwiedern das sie nicht abwarten wollen weil nicht koennen. Ergo ihn dann verkaufen wollen.
      Dann beginnen Vertragsverhandlungen zwischen den Clubs.
      Mmn laesst Sane momentan vom Berater ausloten wie die Bedingungen beim FCB aussehen.
      Wenn er eine gute Resonanz erhaelt wird er MCFC bzgl Vertragsverlaengerung endgueltig absagen. MCFC werden ihm dann mitteilen das sie verkaufen wollen worauf er mitteilt das er zum FCB will worauf Vertragsverhandlungen zwischen den Clubs beginnen *nachdem Sane und FCB ueber die Modalitaeten einig sind).

    3. @Osrig….“Von daher erscheint es mir wenig sinnvoll, dem City-Spieler Sane – den ich auch die notwendige menschliche Reife abspreche, in einer Mannschaft wie der unsrigen spielen zu können – geradezu hinterher zu laufen!“
      +1, sehe ich unbestritten seiner Qualität genauso. Ich verstehe das Ganze hin und her nach etlichen Wochen Urlaub(Bedenkzeit) einfach nicht. Sane kann doch für unseren FCB nicht der Nabel der Welt sein.
      Zudem sehe ich Wilfried Zaha genauso stark. Der gefällt mir im Dribbling und Abschluss echt gut. Zudem ist er sehr flexibel.

  9. Was man noch machen könnte: Die ganz wichtigen Spiele testweise doppelt werten (z.B. CL-Halbfinal-Rückspiel), Bundesliga gegen Dortmund wenn es “eng” wird – dazu zählt dann auch das Hinrunden-Hinspiel in Dortmund 2018).

  10. Ihr macht jetzt nicht die Leistungen von Spielern alleine an WhoScored Noten fest ohne wirklich zu prüfen auf welcher Grundlage und mit welcher Gewichtung hier Einzelkomponenten des Spieles eingeflossen sind?

    Ich nehme Whoscored ja auch her, um Daten herauszufinden. Deren Notenwertungen empfinde ich aber viel zu oberflächlich als das sie den jeweiligen Spielern wirklich gerecht werden. Das hat jetzt nicht mal was mit der Aussage zum Abtauchen von Lewy oder Thiago zu tun. Lewys Leistung und die der anderen Offensiven in großen Spielen ist seit Jahren von unserer Taktik abhängig. 7 seiner 9 Tore aus dem Spiel heraus in den KO-Spielen der CL Finalrunde geschahen im 4-2-3-1, eines im Rückspiel gegen Barcelona mit einer Zweieroffensive aus Lewy und Müller und nur eines in dem von uns meist genutzten 4-3-3 mit 3 Mittelfeldspielern – gegen Arsenal 16/17 nach Ausfall Koscielnys. Das Problem, dass unsere Offensive im 4-2-3-1 HS sehr gut trifft und im 4-3-3 (fast) nicht, gibt es seit 2011 und ist keines, das nur mit Lewy zu tun hat, sondern eher der gesamten Spielweise zuzuordnen ist.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Ein weiteres Problem des WS-Ranking ist, dass es Offensivspieler bevorzugt. Demzufolge wäre Lewandowski der beste Spieler der abgelaufenen Bundesliga Saison, was zweifelsohne diskussionswürdig ist.

      Unter den top 20 Spielern in Europa sind nur 2 Verteidiger (Halstenberg und Kimmich). Aus meiner Sicht besteht da durchaus bedarf zum nachjustieren bei den Machern. Daher wäre ich auch vorsichtig, Lewandowskis Note in einem Atemzug mit Europas Besten zu nennen, zumal Dinge wie vergebenen Grosschancen, die durchaus den ein oder anderen Punkt kosteten, nicht erfasst sind.

      Das Problem mit dem Spielsystem kommt hinzu (auch wenn das unter Kovac etwas gewagt klingt, aber das Thema lassen wir besser..). Trotzdem bin ich persönlich ein Fan dieser Erfassung.

    1. AntwortsymbolRoland Wohlfarth Seite 29.07.2019 - 11:33

      Meines Erachtens sollte bei diesen Whoscored Noten hier klar differenziert werden zwischen Spielen gegen Bundesligateams und europäischen Spielen. Dortmund z.B. erscheint mir insbesondere aufgrund deren Auswärtsleistung in den letzten Ligaspielen hier nicht unbedingt als tauglicher Gradmesser. Diejenigen Ligen, die gewissermaßen hinsichtlich des Defensiv- bzw. Offensivverhaltens das Maß aller Dinge darstellen, sind nämlich nun mal die Premier League und die La Liga, womit ich ausdrücken möchte, dass sich die Qualität eines Spielers in Begegnungen gegen Top Teams aus diesen Ligen besonders zeigt. Und insbesondere gegen die Defensiven von starken PL und LL Teams in CL KO Partien sah Lewandowski in den letzten Jahren leider immer blass aus. Ich würde hier also nicht von Abtauchen sprechen, sondern davon, dass sich unsere Top Offensivleute gegen Weltklassedefensivstrukturen leider nicht durchsetzen können bzw. nicht aufgrund prägender individueller Aktionen Gamechanger sind.

  11. […] ist jetzt kein großes Risiko, aber gerade weil Robert Lewandowski in der jüngeren Vergangenheit gerne mal die Schuld bekam, ist es wichtig, folgendes noch einmal zu betonen: Der Pole ist absolute Weltklasse und wird das […]

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