Was ist grün und stoppt die Bayern?

Maurice Trenner 21.11.2020

FC Bayern gegen Werder Bremen. Während der Nord-Süd-Gipfel früher mal für Furore sorgte, ist die Begegnung in den letzten Jahren deutlich einseitiger geworden. Seit zehn Jahren konnten die Hansestädter keinen Punkt mehr gegen den Rekordmeister erringen. Den letzten Sieg fuhr der SVW in Bayern sogar 2008 ein. Damals führten Özil, Diego und Pizarro die Grün-Weißen zum 5:2-Sieg ausgerechnet am Wiesnauftakt.

Falls ihr es verpasst habt

Die Aufstellungen

Auf diese illustre Auswahl kann Florian Kohlfeld im Jahr 2020 nicht zurückgreifen. Doch zumindest bei der Formation vertraute er mit der Mittelfeldraute auf die alte Schaaf’sche Schule. Mit Marco Friedl stand sogar ein Ex-Münchner-Talent in der Startelf. Im Sturm spielte mit Rashica einer der Gewinner der Vorsaison.

Bei den Hausherren musste Trainer Hansi Flick kurzfristig auf Süle und Tolisso sowie erstmals auch auf den verletzten Kimmich verzichten. Vor der Stammhintermannschaft entschied sich Flick für Javi Martínez und gegen Marc Roca oder den zur Mannschaft gestoßenen Nianzou, die laut Flick zuletzt im Training auffielen. Davor feierte Jamal Musiala sein Startelf-Debut in einer offensiven Viererreihe neben Müller, Costa und Coman. Flick trat also in Anlehnung an das Line-up of Death von Guardiola ohne richtiges Mittelfeld auf.

Die erste Halbzeit

Zu Beginn zeigten sich die Gäste aus dem Norden abwartend. Besonders Costa konnte in der Anfangsphase mit einigen Flanken für Gefahr sorgen. Es entstand jedoch keine zwingende Torchance. Diese hatte danach Bremen, wobei Sargent und Augustinsson am überragend reagierenden Neuer scheiterten.

Kurz danach musste Lucas vom Platz, der sich zuvor bei einem Zweikampf mit Gebre Selassie verletzt hatte. Für ihn kam Goretzka, Martínez rückte in die Abwehr und Alaba nach hinten links. 

In der Folge kamen die Bremer weiterhin gefährlich vors Tor, doch Bittencourt vergab aus bester Position ans Außennetz. Die Münchner waren nun bemüht wieder mehr Kontrolle ins Spiel zu bekommen. Eine weitere scharfe Hereingabe von Costa konnte Pavlenka nur prallen lassen, doch Musiala vergab. Da spielerisch oft die Ideen gegen die nun kompakten Bremer fehlten, mussten sich die Bayern mit Fernschüssen begnügen. Doch sowohl Coman als auch Musiala verzogen.

Bremen war in dieser Phase merklich passiver und warteten scheinbar nur auf den Pausenpfiff, doch konträr zum Spielverlauf der letzten zehn Minuten gingen die Gäste dann in Führung. Nach einem Einwurf ließen sich die Münchner wie eine Schülermannschaft ausspielen. Sargent konnte in den Rückraum legen, wo Eggestein alleine stehend zum 1:0 traf (45.). 

Die zweite Halbzeit

Ohne weitere Wechsel ging es in die zweite Hälfte. Die erste Chance der Halbzeit hatten direkt die Hanseaten. Boateng hob das Abseits auf, sodass Rashica kontern konnte. Schlussendlich klärte der Abwehrboss in höchster Not. Auf der Gegenseite traf Costa per Fernschuss die Latte. Großen Chancen aus dem Spiel waren jedoch weiter Mangelware.

Als Flick schon Gnabry, Sané und Choupo-Moting zur Einwechslung antreten ließ, köpfte Coman am langen Pfosten eine lange Flanke von Goretzka ein (62.). Der wichtige Ausgleich nach einer Stunde. Kurz danach erfolgte dann der Dreierwechsel, wobei Torschütze Coman, Costa und Musiala den Platz verließen. 

Die Hausherren sortierten sich nun im 4-4-2, wobei Müller und Choupo-Moting ihre Rollen frei interpretieren durften. Doch wer jetzt auf eine Schlussoffensive der Münchner wartete, wurde enttäuscht. In der 82. Minute hatte gar Sargent die Chance zur erneuten Bremer Führung, doch Goretzka konnte in letzter Sekunde per Grätsche retten. Nur wenige Sekunden später vergab Choupo-Moting die große Chance zum Siegtreffer nach einer Hereingabe von Sané. 

Am Ende blieb es beim leistungsgerechten 1:1. Für die Bremer kurioserweise die fünfte Punkteteilung mit diesem Endergebnis in Folge. Die Münchner hingegen stolpern nach neun siegreichen Spielen in Folge erstmals, wodurch Leipzig im Abendspiel durch einen Sieg mit zwei Toren die Tabellenführung übernehmen könnte.

Dinge, die auffielen

1. Zur Kreativität gezwungen

Im ersten Spiel nach der Kimmich-Verletzung überraschte Flick mit einem 4-1-4-1-System. Die vor allem von Guardiola bevorzugt gegen schwache Gegner in der Bundesliga eingesetzte Formation feierte somit ein kleines Comeback. Die Bayern unter Flick waren eigentlich ausschließlich mit einer Doppelsechs aufgelaufen. Noch überraschender war, dass Martínez als einziger Sechser vor der Abwehrkette agierte. Eine Position, die bei dem Spanier wenige Stärken und viele Schwächen zu Tage bringt. Selbst zu seinen besten Tagen war Martínez in dieser Rolle am persönlichen Maximum und von diesen Tagen ist er mittlerweile doch weit entfernt.

Besonders problematisch war der Spielaufbau, in dem der Baske in dieser Position speziell gefragt wäre. Es hat seinen Grund, warum diese Rolle bei Guardiola beispielsweise von Thiago besetzt wurde. Weshalb Flick dem jungen Roca keine Chance gibt, wird von Spiel zu Spiel schwerer zu erklären.

So zeigte sich die Münchner Mannschaft wieder einmal in eine Offensive und Defensive getrennt. Doch auch die vermeintlich durchschlagskräftige offensive Viererreihe plus Lewandowski kamen in der ersten Hälfte nicht zur Entfaltung. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison schlichen sich viele Ungenauigkeiten und Ballverluste ins Bayern-Spiel ein. Der junge Musiala war gegen die physischen Bremer in der Zentrale teils überfordert, während Costa zwar ein Aktivposten war, doch genauso oft das Spiel verschleppte. An Müller, Lewandowski und Coman lief das Spiel weitestgehend vorbei.

2. Favorit auf dem Zahnfleisch

Nachdem sich die Bayern schon etwas in die Länderspielpause geschleppt hatten, zeigten sie sich im ersten Spiel danach nicht gerade wie ausgewechselt. Gebeutelt durch mehrere angeschlagene Spieler und ohne Regisseur Kimmich wirkte die Mannschaft teils kopflos. Einige Spieler, besonders Pavard, wirken bereits seit längerem überspielt und ausgelaugt. Dazu ist Lucas nach heute der nächste Spieler, der sich zum Lazarett gesellt. Sicher auch eine Folge der vielen Spiele, durch die jeder Akteur am Maximum agiert.

In der Defensive macht sich dies durch eine gesteigerte Anfälligkeit bemerkbar. Keines der letzten fünf Spiele konnte man ohne Gegentor absolvieren. In der gesamten Bundesliga-Saison hielt Neuer seinen Kasten erst zweimal sauber. In der Offensive fehlt es an Genauigkeit und Automatismen. Dazu kommt eine Ideenlosigkeit im Spiel gegen gestaffelte Hintermannschaften, die immer wieder zu weitestgehend ungefährlichen Flanken führt. Das dominante, erdrückende Offensivspiel der Roten von Beginn der Saison ist in weite Ferne gerückt. Eine weitere Pause ist im eng getakteten Spielplan jedoch nicht vorgesehen. Bis Weihnachten stehen noch acht Spiele an.

3. Musiala alleine im Zentrum

Nach seinem Debüt für die englische U21-Nationalmannschaft, durfte Musiala nun auch sein Startelf-Debüt in der Bundesliga feiern. Im Spiel gegen die Bremer schlug sich der 17-Jährige beachtlich. Natürlich konnte er das Spiel der Münchner an diesem Tag nicht lenken, aber von welchem Spieler, besonders in dem Alter, kann man das in solch einem Spiel erwarten? 

Musiala zeigte seine bekannten Ansätze mit einer extrem guten Ballführung in engen Räumen. Das ein oder andere Mal musste er dabei jedoch auch erkennen, dass dies in der Bundesliga nicht so einfach klappt wie im Jugendbereich. Zudem fehlt ihm schlichtweg die Physis, was im Zentrum noch stärker auffällt als auf dem Flügel. Jedoch ließen ihn die Mitspieler auch oft hängen, wodurch der Youngster oft alleine den Spielaufbau regeln musste. Dies meisterte er so gut wie möglich. Besonders beeindruckend, dass er sich auch nach gescheiterten Aktionen nicht verunsichern ließ, sondern weiter mutig in die Zweikämpfe ging.

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  1. Die Startaufstellung hab ich nicht verstanden. Warum spielt Roca nicht, wenn wir schon ein Problem im Mittelfeld haben? Musiala kann ich von Anfang an bringen, wenn der Rest der Mannschaft keine Ausfälle zu verkraften hat, aber doch nicht so.

    Irgendwie scheint Flick sich gegen vermeintlich schwache Gegner zunehmend zu vercoachen. Wenn Bremen das Ding gewinnt, können wir uns nicht mal beschweren.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. An Musiala lag es nun wirklich nicht. Ich fand die Idee eigentlich recht gut, mit ihm noch eine offensive Variable einzubringen, und er sorgte auch für einige gute Szene in der ersten Halbzeit. Zunächt sah das nicht so schlecht aus, zumal vorne alle ständig am Rochieren waren. Die Probleme lagen auch nicht so sehr im Aufbauspiel, wo Roca hätte etwas bringen können. Nein, vorne blieb es leider, trotz guter Ansätze, bei Stückwerk. Die Mannschaft macht mir einfach einen sehr überspielten Eindruck, womit ja zu rechnen war aufgrund der Sommersaison. Und das Boateng sich nach all dem, was er so aus der Presse erfahren musste, so reinhängt, kann man ihm nur hoch anrechnen. Ein vedienter Spieler wie er verdient eine würdigere Behandlung.

  2. Klasse Spielidee, perfekt umgesetzt. Sehr strukturiert, jeder Spieler wusste zu jeder Zeit was er wo zu tun hat.
    Leider von der Mannschaft in den grün-weißen Trikots.

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    1. Der Vergleich mit den Bremern ist ziemlich unfair, Werder war uns schließlich immer schon einen Schritt voraus.
      Und dass wir die Totaalvoetbal-Freakshow bei einem normalen Spielkalender nicht lange aufrechterhalten können, war doch auch klar. Was soll dann also so ein zynischer Kommentar in der Stunde der Trauer?

      1. Ein 1-1 gegen Bremen in dieser Phase der Saison ist kein Grund für Trauer.
        Kann passieren und dass wir irgendwann im Jahr 2020 noch in ein Loch fallen werden habe ich schon im September prophezeit.
        Wichtig ist, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

  3. Wie vorhergesagt
    Thiago an den größten CL Konkurrenten zu verschenken war eine katastrophale Fehlentscheidung .
    Und dafür einen Spieler auf letzter Rille holen mit dem der Trainer nix anfangen kann

  4. Ein Spiel bei dem man schon bei der Aufstellung gemischte Gefühle hatte, die sich dann leider bestätigten.
    Rotation ist Trainersache, also bleibt nur festzuhalten, dass sich Flick heute leider verzockt hat.

    Vor allem unser Vakuum in der Mittelfeldzentrale konnte nie ausgefüllt werden. Schon brutal wie viel Qualität und Alternativen wir mit dem Thiago-Abgang verloren haben. Wenn dann noch Kimmich ausfällt stehen wir dort mit einem sehr kurzen Hemd da.

    Was natürlich die Frage nach Roca aufwirft. Der sollte ja zumindest eine brauchbare Alternative sein. Dass er so vollständig ignoriert wird, ist schon irgendwie seltsam. Dass ein Spieler an dem wir angeblich schon seit letztem Jahr dran sind, der über 100 Pflichtspiele in Spanien auf dem Buckel hat, der U 21 Europameister war, so schlecht sein soll, dass er keinerlei Minuten bekommt, selbst in einem solchen Spiel keine Berücksichtigung findet? Schon verblüffend.
    Allmählich muss ich doch über die angebliche Verschwörungstheorie nachdenken, es gäbe bei uns Spieler des Trainers und Spieler des Sportvorstands. Und die hätten beim jeweils anderen nicht immer die besten Karten.

    Ansonsten muss man konstatieren, dass bei uns allmählich der Lack des Triple-Siegers etwas ab ist.
    Der Flow, die Selbstverständlichkeit, die uns über weitere Strecken dieses Jahres auszeichnete ist verflogen. Die Normalität ist eingekehrt und diese Normalität heißt die Siege müssen fast alle hart und mühsam erarbeitet werden. Die Gründe liegen auch auf der Hand. Jetzt wird uns eben die Rechnung für den Sommer präsentiert, die zuvor günstigen Umstände haben sich umgekehrt.

    Heute war das, und man mag es kaum glauben, ein sogar eher glückliches Remis. Wir hatten zwar Unmengen von Ballbesitz, der war aber steril und ohne Durchschlagskraft, Chancen fast völlig Fehlanzeige.
    Und mit Ausnahme von Neuer würde ich auch keinem Spieler zubilligen heute gut drauf gewesen zu sein.

    Nun zumindest ein guter Tag für die Freunde der Spannung in der BL. Schön, dann können wir das mit den Fernsehgeldern ja so lassen.

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    1. @Jo:
      Viel Zustimmung, mit einer Einschränkung.

      “Der FC Bayern blieb in der ersten Halbzeit erstmals seit März 2020 (gegen Augsburg) ohne Schuss auf das gegnerische Tor. In den vergangenen zehn Jahren war das überhaupt erst 3-mal vorgekommen.”

      Das ist nicht mit dem Thiagoverkauf zu erklären.
      Und gegen die Gurkentruppe aus Bremen, muss es auch ohne Kimmich besser laufen.

      1. @Tobi13:
        Es stimmt, dass man sich auch ohne Thiago Torschüsse erarbeiten kann.
        Trotzdem war Thiago in der letzten Saison, obwohl er nicht so viele Spiele gemacht hat, der Spieler bei den Bayern mit den meisten Pre-Assists, also mit den meisten Pässen, die Torchancen eingeleitet haben, aus denen dann ein Tor fiel.
        Er hätte uns daher heute auf jeden Fall geholfen.

        Aber man wird auch ohne Thiago und ohne Kimmich Möglichkeiten finden müssen, sich Torchancen zu erarbeiten.
        Es hat mich daher auch überrascht, dass Roca heute noch nicht mal eingewechselt wurde.

  5. Allmählich muss ich doch über die angebliche Verschwörungstheorie nachdenken, es gäbe bei uns Spieler des Trainers und Spieler des Sportvorstands. Und die hätten beim jeweils anderen nicht immer die besten Karten.

    Bingo, ich wollte das schon vor einiger Zeit Posten denk doch mal an odriozola, wie oft hat der gespielt und wir hatten da echt Not auf der Position. Ich glaube ehrlich gesagt dass Flick nicht mehr lange bleibt nach der Saison löst er Löw ab, warum soll er sich das antun seine besten Spieler werden alle weggeekelt und billig verscherbelt der Vorstand bringt ständig mit der Bild-Zeitung schlechte Stimmung in die Mannschafft dann tschüss zur Nationalmannschaft oder nach England.

    Antwortsymbol3 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Glaubt ihr wirklich, dass Flick so kleingeistig und Mannschaftsschädigend denkt?
      Der stellt doch nicht absichtlich nicht die beste Elf auf.
      Das ist mir etwas weit hergeholt.

      1. Nein, nciht aus Prinzip, aber was ist denn wer er einfach mit dem SPieler nciht s anfangen kann? Das wie bei Odri vorher gesagt hat, er bekommt ihn trotzdem, er stellt ihn entsprechend nicht auf, bis er Sarr bekommt, und jetzt das gelcihe mit Roca damit in dre Winterpause xy kommt? Jedenfalls habe ich das GEfühl es knirscht zwischen FLick und der Führung. Achtet doch mal auf die Presskonferenzen, bezüglcih ALaba,BOateng, die Veröffentlcihung dass Alabas Vertrag zurückgezogen wird

      2. @Rookie:
        Ich geh mal davon aus, dass Flick in Transferentscheidungen eingebunden ist.
        Außerdem muss er halt arbeiten, mit dem Material das er hat.

  6. also was Javi als spielmacher soll das kann ich echt nicht nachvollziehen, was macht der anderes als den Ball einfach quer 5 Meter weiter zu spielen. das ist übrigens auch ein Problem wenn der innenverteidiger spielt,weil die bei uns auch zentral für den Aufbau sind.Kein Pass in die Tiefe,kein Chip,kein Dribbling gar nichts,obwohl doch in der zweiten hatte er einmal ein gutes Dribbling gehabt aber ansonsten ist das einfach viel zu wenig. Dann würde ich mal lieber noch alaba in der Mitte probieren. Achso am Tor war übrigens auch echt nicht ganz unbeteiligt.er hat ja zweifelsohne seine Verdienste und man kann ihn echt nicht absprechen dass er sich nicht immer rein hängt, ich finde ihn echt nur noch als Notnagel in der IV zu gebrauchen.

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    1. Ja, wenn mal Not am Mann ist, dann wird er seine Einsätze bekommen

  7. Ja, wenn mal Not am Mann ist, dann wird er seine Einsätze bekommen ;-)

  8. Das dürfte insgesamt ein Vorgeschmack gewesen sein, was uns in den nächsten Wochen und Monaten erwarten wird. Die zähen Spiele werden häufiger. Nur wenn es das Matchglück gut mit uns meint, wie z.B. in Köln, als wir mit einer schwächeren Leistung als heute durch einen glücklichen Elfer und einen Konter das Spiel in die richtige Richtung lenken konnten, wird es möglicherweise den einen oder anderen klareren Sieg geben. Ansonsten müssen wir wohl leider akzeptieren, dass es viele zähe und enge Spiele geben wird und möglicherweise auch die eine oder andere Niederlage, die auch mal deutlicher ausfallen kann, wenn der Gegner die Chancen nutzt. Zu viele Spiele und zu viele fehlende Schlüsselspieler sind halt eine hohe Hürde. Hoffentlich kann man sich in den nächsten Wochen mit Kampfgeist und Moral zu dreckigen Siegen quälen. Wenn die Ergebnisse nämlich auch noch häufiger nicht passen sollten, dann werden die Beine automatisch noch schwerer.
    Beim Blick ins Ausland relativiert sich das Ganze allerdings etwas. Alle anderen namhaften Teams wie Real, Barca, PSG, Liverpool, ManCity oder Juve tun sich im Vergleich zu uns rein ergebnistechnisch noch schwerer und haben schon deutlich mehr liegen gelassen. Wir grüßen immer noch von oben, während diese Teams teilweise schon ziemlich unter Zugzwang stehen.
    Heuer dürfte es erneut knapp zugehen im Meisterschaftsrennen und man kann nur hoffen, dass RB, Leverkusen und der BVB international lange dabei bleiben, denn heuer wird es schwer werden, im Mehrfachbelastungsmodus eine Siegesserie hinzulegen. Bleibt also zu hoffen, dass die Konkurrenz auch keine Konstanz reinbringt. Sollte einer der Konkurrenten eine Serie hinlegen, dann auch deshalb, weil das Kadermanagment besser gewesen wäre. Mal abwarten.

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    1. Jeder der ein bisschen die Dinge durchdenken kann muss zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen.
      Es war offensichtlich das diese Saison sehr sehr zäh wird ob des Spielkalenders.
      Wenn dann noch Fehlentscheidungen bei der transferplanung dazu kommt dann kommt eben so etwas dabei heraus.
      Den Trainer dafür zu kritisieren ist erbärmlich

      1. Den Trainer kritisieren darf man schon. Man kann ihn natürlich nicht alleine für Negatives verantwortlich machen, das wäre ein Witz. Ich denke auch nicht, dass dies hier jemand ernsthaft macht. Flick hat in seiner Amtszeit bisher so viel richtig gemacht, das ein paar weniger gute Entscheidungen nichts an der Tatsache ändern, dass er der derzeit bestmögliche Trainer für unseren Klub ist. Perfekt ist er natürlich trotzdem nicht.
        Heute würde ich ihm schon anlasten, dass die Taktik mit einem 4-1-4-1 nur funktionieren kann, wenn die drei Leute im Zentrum über eine gewisse Kreativität und vor allem über Ballsicherheit verfügen. Beim 4-1-4-1, das wir unter Pep gespielt haben, waren die Zentrumsspieler meistens Alonso, Thiago, Müller, Vidal und manchmal auch Costa. Mindestens drei davon waren enorm ballsicher. In der heutigen Besetzung haperte es in Sachen Ballsicherheit bei allen drei Protagonisten gewaltig. Martinez, Müller und Musiala hatten enorme Probleme, auf engem Raum Bälle zu behaupten und deshalb gab es kaum Tempo im Spiel nach vorne, weil das Zentrum mit ein bisschen Druck vom Gegner zu leicht aus dem Spiel genommen werden konnte. In diesem Fall hätte Flick wohl eine andere Lösung wählen sollen und das muss man auch mal kritisieren dürfen. Er wird sich seine Gedanken gemacht haben und er wird im Nachhinein sicherlich nicht damit zufrieden sein, wofür er sich entschied.
        Wie gesagt: Kritik ist nicht gleichbedeutend damit, jemanden grundsätzlich in Frage zu stellen (zumindest bei mir nicht). Lewandowski kritisiere ich heute auch, weil mich tierisch gestört hat, dass er heute nicht in der Lage war, einen Luftzweikampf mit fairen Mitteln zu bestreiten. Gerade in einem Spiel, in dem man in der Schlussphase auch einmal mit der Brechstange einen Abpraller erzwingen könnte, darf es nicht sein, dass nach jedem Kopfballduell auf Foul entschieden werden muss, weil er anfängermäßig in seinen Gegenspieler springt. Trotzdem bleibt Lewandowski der derzeit beste Mittelstürmer der Welt.

  9. Was ist hier los? Es ist völlig klar, dass es nach der August-CL und den Scheiß-DFB Spielen mal hakt. Einigen wir uns halt, dass der Jogi schuld ist. Und der Schiri, der den Elfmeter gegen Coman nicht gegeben hat.
    Eine Frage bleibt noch. Was macht Kai Dittmann eigentlich hauptberuflich?

  10. Was ist eigentlich mit der Tatsache, das Werder genau wie Bielefeld nicht einen einzigen Spieler in der Länderspielpause abgestellt hat und sich in aller Ruhe 2 Wochen auf dieses Spiel vorbereiten konnte.
    Und so ganz umsonst stehen die ja nicht in der Tabelle da wo sie stehen.

    Wenn das ja alles sowieso keinen interessiert, dann fragt man sich, warum denn dann immer über die Belastung geheult wird.
    Ich wüsste nicht, dass ich hier irgendwo etwas darüber gelesen hätte, dass man auf einen ausgeruhten Gegner getroffen ist, der eben die Belastungen nicht hat – von Verletzungen mal ganz zu schweigen.

    Vor gerade einmal 2 Wochen hat sich der große Toptrainer der PL genau über dieses Thema Belastung fürchterlich aufgeregt.
    PSG durfte trotz Länderspielabstellungen sogar am Freitagabend spielen. Und ab der 70. war dann der Tank leer und nach 2:0 Führung stand es dann am Schluß 2:3.
    Sowas kann und darf natürlich beim FCB überhaupt keine Rolle spielen.
    Dann braucht man auch nicht darüber lamentieren.

    Konnte man heute auch in der Liga genau sehen – die Mannschaften, die diverse Spieler abstellen durften, so wie Gladbach und Leipzig, Leverkusenn, die haben ihre Gegner aber dermassen hergespielt. Alle ganz knapp am zweistelligen Sieg vorbei.

    Antwortsymbol7 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Wir sollten nicht nach Ausreden suchen, sondern nach Lösungen.
      Das unser Flow irgendwann mal erlahmt war klar. Jetzt gilt es ruhig zu bleiben, um dieses Tal möglichst unbeschadet zu überstehen und bald wieder in einen positiven Flow zu kommen.

      1. Nein, keine Ausreden! Aber alle und jeden, die mir hier irgendwann nochmal mit dem Argument der Belastung kommen, kann ich nach genau so einem Spiel wie heute nicht mehr ernst nehmen.
        Alle Spitzenmannschaften quer durch die Top-Ligen, die wie meistens die meisten Spieler auch noch für die jeweiligen NM abstellen, tun sich schwer. Es soll ja sogar Trainer geben, die das schon vor der Saison genau so vorhergesagt haben.
        Und wenn dann genau das passiert, was alle vorhergesagt haben, wenn auch Top-Mannschaften ihre Spiele nicht mehr gewinnen – dann ist das eine Ausrede?
        Das ist genau das, was alle schon vor der Saison wussten; wovon Trainer, Spieler und auch Vereinsverantwortliche seit Monaten sprechen.
        Das war heute genau der gleiche Scheiß, wie das Spiel nach dem UEFA-Super-Cup. 120 min in den Knochen und vor allem auch im Kopf. Und dann verliert der große FCB gegen Hoffenheim, das darf doch nicht wahr sein!!!!
        Sieh dir doch teilweise die Kommentare an – die Erfolge werden gerne mitgenommen, aber was da sonst noch dran hängt, interessiert keinen.

      2. “Das ist genau das, was alle schon vor der Saison wussten; wovon Trainer, Spieler und auch Vereinsverantwortliche seit Monaten sprechen.”

        Dann ist es ja auch keine Überraschung und dann muss man sich darauf einstellen und damit leben. Und das beste daraus machen. Jetzt sind Trainer, Spieler und auch die Fans gefordert.
        Fussballer, die zweimal die Woche kicken müssen, sind noch lange nicht am Limit.

      3. @wohlfarth (& Anton)

        “Fussballer, die zweimal die Woche kicken müssen, sind noch lange nicht am Limit.”

        Doch, sie sind am Limit; die paar Prozent Frische, Konzentration und Enthusiasmus, die vor allem in den vermeintlich weniger wichtigen Spielen unweigerlich fehlen, entscheiden auf diesem hohen Niveau dann letztlich Spiele.

        Mich persönlich stört aber vor allem die Einfältigkeit unseres Ansatzes ganz unabhängig vom Erfolg.
        Ich finde es einen Ausweis von Klasse sich taktisch, fußballerisch und personell wandlungs- und anpassungsfähig zu zeigen; allerdings kommt es mir manchmal so vor, dass so etwas von gewissen Kreisen grundsätzlich als Verrat an unserer neuen Identität und dem schönen, wahren und guten Fußball an sich begriffen wird.

      4. @Alain Sutter:
        Klar fehlen ein paar Prozent körperliche und geistige Frische am Ende eines solchen Jahres. Deshalb sind die Spieler aber noch lange nicht am Limit.
        In vielen Berufen fehlt den Menschen öfter mal die körperliche und geistige Frische und da gilt dann überall das gleiche: weiter funktionieren, konzentrieren auf das wesentliche, gute Regeneration.
        Und es ist ja jedes Jahr dasselbe um diese Zeit, jetzt nicht Kalender-, sondern Spieltagtechnisch. Die Tiefpunkte der Saison lagen in den vergangenen Jahren immer um den Dreh 8.Spieltag herum.

      5. @wohlfarth

        Ich verstehe dich, meine aber trotzdem, dass einfach nur “weiter funktionieren” auf diesem Niveau und speziell bei unserer Spielweise nicht genügt.
        Ein bisschen weniger Leistungsfähigkeit bedeutet nicht nur ein etwas schwächeres Ergebnis, sondern stellt dsnn schnell das ganze Unternehmen in Frage.

        PS. Speziell bei unserem Kader sind einige Probleme hausgemacht und werden zudem unverhältnismäßig verstärkt.

    2. 2mal müssen wir 2020 noch gegen einen Gegner ran, der eine Woche Zeit hatte, sich auf das Spiel vorzubereiten, während wir unter der Woche zusätzlich ran müssen. Ein Spiel ist nächste Woche in Stuttgart, das andere bei Union Berlin. Gegen Leipzig und in Leverkusen herrscht quasi Chancengleichheit. Gegen Wolfsburg spielen wir unter der Woche, also hat Wolfsburg auch keine so lange Pause. Das sollte nicht zu unserem Nachteil sein. Viele Punktverluste sollten wir uns nicht mehr leisten, denn der BVB scheint durch die Niederlage gegen uns nicht aus der Bahn geworfen worden zu sein. Ihr Restprogramm bis Weihnachten erscheint mir auch deutlich leichter. Die namhaften Gegner haben sie im Januar, dann allerdings jeweils mit einer Pause von einer Woche zwischen jedem Spiel.

  11. “das beste daraus machen”
    -Tabellenführer in der Liga
    -Tabellenführer in der CL
    -Nächste Runde im Pokal
    -nebenbei den Supercup gewonnen (beide?!)
    Ich glaube viel besser geht es nicht

    Antwortsymbol4 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. +1
      Wir sind unter den momentanen Bedingungen sehr gut im Rennen. Das, das nicht selbstverständlich ist zeigen andere Topligen:
      – Spanien: Real Platz 4 Barca Platz 10
      – Premiere Ligue: ManCity 11Platz Arsenal London 12 Platz
      – Italien: Juventus Turin nur Platz2
      also Ball flachhalten und erstmal Ergebnisse einfahren. Sicherlich kann man diskutieren ob wir mit unserer Spielweise durch die Saison kommen. Das hängt m.M.n. aber stark mit der Anzahl von nicht verletzten Leistungsträgern und der Integration der Neuveröffentlichungen
      zusammen.

      1. Neuverpflichtungen ;-))

      2. @Rainer:
        +1

        Wobei mir die muskulären Geschichten unserer Spieler schon etwas Sorgen machen. Coman, Hernandez, Tolisso, Pavard, Lewandowski haben / hatten alle schon muskuläre Probleme.
        Das ist nicht gut zu so einem frühen Zeitpunkt der Saison und sicherlich den Umständen geschuldet.
        Trotzdem wird Belastungssteuerung das große Thema dieser Saison sein, zumal Spieler wie Boateng, Sane, Gnabry und Martinez auch immer mal für ne Muskelverletzung gut sind.

    2. @Tripler: Wenn du “das beste daraus machen” aus meinem Kommentar meinst, dann kann ich dir versichern, dass ich damit nicht meine, am Ende den vierten Platz zu erreichen.
      Das es irgendwann zum Ende diesen Wahnsinnsjahres zäh werden wird, die Leichtigkeit und das eventuelle Matchglück nicht mehr da sind, das Verletzungspech zuschlägt war klar.
      Jetzt gilt es die Arschbacken zusammen zu kneifen und sich bis Weihnachten durchzukämpfen. Möglichst viele Punkte holen und in der Bundesliga vorn dabei zu bleiben. In der CL sind wir fast schon weiter. Wenns geht als Gruppenerster durchs Ziel gehen.
      Auch wenn verdammt wenig Weihnachtspause ist, durchschnaufen kann man mal.
      Und im neuen Jahr wird man dann sehen.
      Anderen Mannschaften geht’s ja nicht anders, auch in der Bundesliga. Oberstes und erstes Ziel für mich ist immer noch die Meisterschaft und sollte es am Ende dieser Saison auch “nur” die Meisterschaft sein, wäre das für mich ein großer Erfolg.

  12. Ich verstehe die Aufregung teilweise nicht.
    Bremen spielt eine bisher gute Saison und hat auch in diesem Spiel ein gutes Niveau gezeigt.
    Auch der FCB ist nicht unbesiegbar,davon mal ganz abgesehen das man immerhin einen Punkt geholt hat.
    Man Sergant das Ding rein,geht Bremen als Gewinner vom Platz.
    Also Ruhe bewahren und nicht gleich wieder Alles in Frage stellen.
    Es ist doch eigentlich Alles OK :)

  13. Das Problem der Aufstellung war einfach, dass Javi bei Weitem nicht mehr die Qualität hat (man kann drüber streiten ob er sie jemals hatte) diese zentrale Rolle als Spielmacher zu übernehmen. Das ist wie mit Kroos bei der Nationalmannschaft. Wenn von 70 Ballkontakten 68 Quer- oder Rückpässe sind, kannst du damit keine komplexe Angriffsmaschinerie wie Bayern ankurbeln. Das ist aber kein großes Geheimnis bzw. man sollte vor dem Spiel wissen, dass Javi diese Schwächen hat. Und, wie mehrfach erwähnt, so schlecht kann Roca nicht sein, der hatte letzte Saison und vorletzte Saison 35 Saisonspiele als Stammspieler in der La Liga bestritten, Spanien zum U 21 Europameistertitel geführt und war im Januar der überragende Mann beim 2:2 gegen Barcelona.

    Antwortsymbol3 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. (…) Das ist wie mit Kroos bei der Nationalmannschaft. Wenn von 70 Ballkontakten 68 Quer- oder Rückpässe sind, kannst du damit keine komplexe Angriffsmaschinerie wie Bayern ankurbeln. (…)

      In der N11 unter Löw hat Kroos immer noch kaum Konkurrenz zu befürchten und trabt als Weltmeister sowie viermaliger CL-Sieger gerne mal recht unproduktiv wie sein eigenes Denkmal über den Platz. Bei Real M. dürfte er sich stärker unter Leistungsdruck sehen und spielte dort in den Jahren der CL-Triumphe sicherlich nicht in einer unterkomplexen “Angriffsmaschinerie“ – als bloßer “Querpass-Toni“ hätte er kaum einen “königlichen“ Stammplatz ergattert. Die Raffinesse und geschmeidige Dynamik etwa von Modrić in dessen Prime geht ihm zwar ab (und oftmals schob er Ball und Verantwortung lieber dem Flügelturbo Marcelo zu), seine offensiven Pässe in gefährliche Schnittstellen oder seitenverlagernden Diagonalbälle sind dort aber nach wie vor geschätzt.

    2. Bezüglich Martinez stimme ich dir zu, möchte aber erwähnen, dass Martinez gestern nur 1/3 des Spiels im Mittelfelds absolvierte. In dieser Phase war er auch nicht alleine Schuld daran, dass es zu keinen vernünftigen Angriffen kam. Egal ob 4-1-4-1 oder 4-3-3: wenn du im Zentrum nur Spieler hast, die ihre Stärken vornehmlich entweder im Unterbinden gegnerischer Angriffe (Martinez), im Strafraum bei guten Zuspielen (Müller) oder im Dribbling (Musiala) haben und diese drei Spieler allesamt Probleme bei der Ballsicherheit unter Druck haben, dann kann ein solches System nur schwerlich funktionieren, weil man kaum durch die Mitte spielen kann und zwangsläufig auf die Flügel gedrängt wird. Mit Goretzka wurde es auf Anhieb schon wieder etwas besser. Warum man vom etablierten 4-2-3-1 abrückt, wenn man ohnehin personell gebeutelt ist und nicht die Spieler für ein 4-1-4-1 hat, darf man vor diesem Hintergrund schon mal hinterfragen. Da hat Flick gestern mMn ausnahmsweise mal nicht die richtige Nase gehabt, was ihm selbstverständlich auch mal passieren darf. Mit einem Mittelfeld Martinez und Roca und Müller davor auf der Zehn hätte es wohl etwas mehr Struktur gegeben. Musiala tut man mMn keinen Gefallen, wenn man ihn derzeit im offensiven Zentrum einsetzt. Er ist auf dem Flügel besser aufgehoben oder, wenn Müller mal geschont werden muss, auch als alleiniger Zehner. Seine Stärken liegen vor allem im Dribbling. Mir gefällt, dass er sich das immer wieder traut. Macht er das auf dem Flügel mit einem AV hinter sich bzw. als Zehner abgesichert von zwei Sechsern, dann kann er das auch gerne tun. Im gestrigen System fehlte für einen solchen Spielertyp einfach die Absicherung. Es war im Endeffekt so ähnlich wie bei Renato Sanches, wenn der auf der Acht im 4-3-3 von Kovac spielte. Zu viele Ballverluste bei einem Spieler, der gleichzeitig aufbauen und absichern muss, sind einfach kontraproduktiv.

      1. @Willy

        Das ist alles gut nachvollziehbar und wohl auch richtig, aber meines Erachtens nach zu statisch, also in Positionen gedacht.
        Die Krux des Flickschen Systems liegt ja in der Intensität des Zusammenspiels. Und wenn dann alle oder einige Beteiligte (aus nachvollziehbaren Gründen) ein wenig nachlassen, fällt das ganze System förmlich auseinander, da es nur als engmaschiges Netz funktioniert. Das würde sich wohl auch so abspielen, wenn wir noch mit Thiago und Kimmich und Goretzka im Mittelfeld spielen würden, nur würde es dann weniger auffallen, weil die individuelle Klasse höher wäre.

        Der Kader ist nicht Hansi Flicks Verschulden; aber die sportliche Antwort auf die aktuelle Situation ist dennoch mager. Taktische Klasse ist für mich taktische Flexibilität, nicht aus Freude an der Variabilität, sondern als Reaktionsvermögen in unvorhergesehenen und ungünstigen Umständen.

  14. Unabhängig vom gestrigen Spiel und dem vorgestrigen Erfolg zeigt der Verein in mancherlei Hinsicht eine Unausgewogenheit, die mehr Schlechtes als Gutes für die Zukunft ahnen lässt.

    Die Symptome sind ja hinlänglich bekannt, reichen von den fußballerischen Darbietungen über die Personalplanung bis hin zur strategischen Ausrichtung des Vereins. In all diesen Bereichen sind wir weit davon entfernt Ruhe, Souveränität und Zuversicht auszustrahlen.
    Wo der Verein früher der Platzhirsch war, versucht er heute sich in einer Nische einzurichten; wo er früher mit ruhiger Hand die grobe Linie vorgezeichnet hat, werden heute ständig nur Löcher gestopft um die Show am Laufen zu halten.

    Ich führe das nicht auf einzelne Personen zurück, denn auch wenn es sich um vermeintlich verantwortliche Entscheidungsträger handelt, halte ich sie für überforderte Marionetten. Die Grundsituation würde es jedem unmöglich machen seriös und langfristig zu arbeiten.

    Wir sind es gewohnt den FC Bayern für einen wohlhabenden Verein zu halten, der selbständig über sein Schicksal bestimmt. Das sah eine Weile auch so aus, man denke nur an das berühmt-berüchtigte Festgeldkonto: Wenn wir nur wollten…

    Allerdings war es vor nicht allzu langer Zeit noch so, dass man aufgrund finanzieller Nachteile im europäischen Wettbewerb eher zweitklassig war; wirtschaftliche Solidität war oberstes Gebot und meistens hat das ja auch für die Spitzenposition im nationalen Kontext gereicht – und das war lange Zeit das Entscheidende.

    Inzwischen kommt es mir so vor, dass wir zumindest dem Selbstverständnis nach bereits mehr ein Mitglied der europäischen Superliga sind als ein Bundesligist. Das führt dazu, dass wir in direkter Konkurrenz mit scheinbar maßlos alimentierten Vereinen stehen – diesen Wettbewerb können wir aber unter den bisherigen Voraussetzungen nicht gewinnen. Deshalb setzt man zunehmend stärker auf Nischenmodelle, Guerillataktik und spekulative Taktiken um den großen Widerspruch wenn nicht zu lösen, dann wenigstens zu verbergen.

    So habe wir mit einem Minikader das Gehaltsbudget bereits ausgeschöpft, haben anstatt einer ausgewogenen, breiten
    Truppe eine recht gute Elf mit fragwürdigen Ergänzungen und eine Entwicklung in Personalfragen, die eher darauf hindeutet,
    dass das Team weiter ausgeweidet, statt verstärkt wird.

    Ich habe kein Patentrezept, mache deshalb auch den handelnden Personen konkret keinen Vorwurf.
    Allerdings finde ich es gefährlich, dass die Entwicklung quasi unter der Hand stattfindet: während die Öffentlichkeit noch immer dem Narrativ vom reichen Klub anhängt, kämpft der Verein in seiner neuen Liga ums wirtschaftliche Überleben gegen Konkurrenten, die ihm strukturell vorerst uneinholbar überlegen sind und wirft auf dem Weg in diese ungewisse Zukunft altbewährte Prinzipien über Bord.
    Es wäre interessant, wenn Uli Hoeneß sich auch zu diesem Thema einmal ungezwungen äußern würde, schließlich ist es sein Lebenswerk, das gerade verschrottet wird.

    PS. Diese Bestandsaufnahme hat eine recht breite Perspektive, gilt für die schleichende Entwicklung mindestens der letzten zehn Jahre. Die Covid-Probleme haben die Dynamik nicht verändert, sondern nur verstärkt.

    Antwortsymbol39 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. @Alain: Das “Witzige” ist, dass aktuell wieder Politiker fordern, dass der FCB mehr Geld an die anderen Vereine abgeben muss, weil die Liga ja so langweilig wäre, und dass es total unfair wäre, wieviel Geld der FCB aus Fernsehgeldern und so bekäme. Sie wollen das Geld mehr umverteilen, inklusive der Einnahmen aus der CL.

      Sprich, in den Augen vieler Politiker und vieler Menschen, ist der FCB nach wie vor der Dagobert Duck des Fußballs, den man mehr schröpfen muss.

      Nun kommst Du und erzählst, nebenbei in meinen Augen ziemlich zutreffend, dass der FCB im Vergleich zu den Vereinen im internationalen Geschäft, ziemlich “arm” da steht.

      Irgendwie war das in meinen Augen schon immer ein Problem des FCB. “Jeder” in Deutschland will, dass der FCB (ja, auch der BVB) international erfolgreich ist, und national will man aber alles gleich machen und Freiburg die gleichen Chancen auf den Meistertitel geben wie dem FCB und dem BVB. Hinzukommt, dass man gerne “Vereine” wie RB Leipzig oder Bayer Leverkusen vergisst, die wenn ihre Sponsoren wollen über Geldmengen verfügen, gegen die das FCB Festgeldkonto die berühmten “Peanuts” sind.

      Ich denke den Anspruch des FCB hast Du völlig richtig analysiert, International zu den absoluten Top-Vereinen zu gehören, jedes Jahr realistische Chancen auf mindestens Halbfinale CL zu haben, mit ein wenig Glück diese auch zu gewinnen.

      Was zwangsweise bedeutet, man läuft in Deutschland den anderen Vereinen noch mehr weg, und zieht so noch mehr “Umverteiler” auf den Plan. Weil es kann ja nicht gerecht sein, wenn ein Verein “so reich” ist und andere so arm.

      Die Lage für den FCB ist tatsächlich nicht wirklich gut. Mehr Spielerbudget ist aktuell kaum zu generieren, also ist der Kader in Größe und auch in Klasse beschränkt. Der aktuelle Versuch, die erste Elf mit Spielern zu bestücken, die den Anspruch CL Halbfinale erfüllen, bedeutet, dass für die 11 Spieler danach nur noch wenig Geld bleibt. Also versucht man sich mit Leihgeschäften, Nachwuchsspielern und “Hoffnungsspielern” durchzumogeln. Das könnte sogar mit ein wenig Glück klappen, wenn denn alle an einem Strang ziehen. Also Vorstand, Trainer, Spieler und auch wir Fans.

      Das passiert aber nicht. Hasan Salihamidžić und Hansi Flick scheinen öfter mal Probleme miteinander zu haben. Ich kann da nebenbei beide verstehen. Der eine ist formal der Boss, der andere will das Beste für die Mannschaft, die auch zu 100% zu ihm steht und er zu den Spielern. Das könnte man “von oben” besser moderieren denke ich.

      Aktuell ist der FCB im Niemandsland, zu stark für die Bundesliga, im internationalen Vergleich aber eigentlich schon abgehängt. Klar gab es das Triple, aber da trafen ein krasser Trainer, Spieler die zeigen wollten was sie können, unter anderem ihrem Ex-Trainer und einige auch Herrn Löw, aufeinander. Und Spielglück und die spezielle Situation aufgrund von Corona kam auch noch dazu.

      Die Mannschaft wird aber älter und ich denke bald haben wir eine Situation wie Ende der 80er, als alle extrem guten Spieler nach Italien gingen, nur gehen sie nun nach England. Da gibt es das meiste Geld, der Rasen ist bunter und so :-) Für den FCB bleiben Spieler, mit denen sie nach wie vor die BL dominieren können, aber eben international bestenfalls Achtelfinale CL sind.

      Der FCB und auch die BL müssen sich überlegen, was sie wollen. Tradition und Gloria, und doch Konstruktionen wie RB Leipzig, Bayer Leverkusen zulassen, alles hübsch nivellieren wie das einige wollen und dann maulen, weil International alles nicht mehr klappt, und plötzlich die BL wieder nur drei/zwei Teilnehmer an der CL stellt und somit jeder Verein noch weniger Geld hat ….

      Oder eben, noch mehr wie FCB/BVB, mehr externe Sponsoren zulassen. Der komische andere Verein in München hat deutlich das Risiko von sowas aufgezeigt .-) Die Chancen sieht man bei vielen Vereinen in England, oder man schaut gleich auf die großen Franchises in den USA.

      Ich weiß es nicht, denke aber so weiter und trotzdem extrem erfolgreich sein, das wird nix.

      1. Alter, wir haben von den letzten 50 Spielen 45 gewonnen, aber klar, wir sind “abgehängt”.

      2. @ Hibbs
        Alain Sutter spricht von der Zukunft, Du von der Vergangenheit.

        @ Alain Sutter
        Dass wir im Moment teilweise etwas kurzfrist handeln, stimmt wahrscheinlich.
        Falsch ist in meinen Augen jedoch Deine Ansicht, mit dem FC Bayern ginge es seit etwa 10 Jahren bergab.
        Das Gegenteil ist meiner Meinung nach der Fall. Philip Lahm hat 2009 vielbeachtetes Interview gegeben, wonach der FC Bayern keine Strategie bzüglich Spielidee und Transfers hätte. Seit Luis van Gaal ist eine solche etabliert worden. Ich finde, wir praktizieren – mit einigen Ausnahmen, die eine kritische Würdigung durchaus verdient haben (Ancelotti, Kovac) – doch so etwas wie eine flexible Kombination aus Ballbesitz und Forechecking (ich liebe dieses altmodische Wort aus dem Eishockey, Du verzeihst).
        Die Zahlenreihe 1976 – 2001 – 2013 – 2020 spricht doch eine deutliche Sprache. Ja, auch diese Reihe bezieht sich auf die Vergangenheit, aber ich ziehe es vor – wie bei diesen komischen IQ Tests – die Reihe logisch weiterzuführen (allerdings wäre 2019 statt 2020 logischer gewesen).

        Übersehe ich etwas?

      3. @jjs

        Ich dachte eher daran, dass wir seit mindestens 10 Jahren in einem internationalen Strukturwandel gefangen sind. Die sich in diesem Kontext verschlechternde Konkurrenzfähigkeit wurde vom Verein auf mehreren Ebenen sogar großartig gemeistert, das würde ich nie in Frage stellen. Dennoch scheint sich unser Spielraum sukzessive verkleinert zu haben, was dann zunehmend zu kurzfristigen und reaktiven Maßnahmen führt, wie wir sie jetzt erleben.

        Was unsere Spielphilosophie angeht war die Phase von van Gaal bis zu Guardiola natürlich ganz wunderbar und wurde passenderweise auch von einer entsprechenden Transferpolitik begleitet.
        Allerdings war dieses System (zumindest für den FC Bayern) seinerzeit eine große Erneuerung, die sich organisch entwickelt und lebendig den jeweiligen Gegebenheiten und Möglichkeiten angepasst hat. Im Vergleich dazu kommt mir die aktuelle Geistesverfassung wie ein Caput mortuum vor, ein Relikt aus der glorreichen Vorzeit, das zwar selbst außer Frage steht, aber dennoch nicht die gleiche Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit in sich trägt wie das Original.

        Van Gaal und Guradiola haben den Fußball aus der Mitte heraus gedacht, aus dem Gedanken an Ordnung und Struktur in dem Glauben an Kontrolle und Einheit. Was ist davon übriggeblieben? Unsere Mitte ist nicht nur personell ausgeplündert, sondern auch systemtechnisch ausgeweidet – und das sage ich als ansonsten großer Bewunderer Kimmichs und Goretzkas. Unseren Verlust an Kontrolle versuchen wir durch ein Übermaß an Eifer zu kompensieren – was ist aus dem formellen Edelmut van Gaals und der ruchlosen Innovationskraft Guardiolas geworden? Uns fehlt die Mitte, der fußballerische Kern, der mehr ist als ein universales Angriffskonzept.

        Wir haben uns taktisch, personell und auch finanziell in eine Ecke hineinmanövriert, aus der man vielleicht gar nicht mehr so einfach herauskommt. Statt dem oft proklamierten Auf- und Umbruch kommt es mir oft so vor, dass wir uns immer noch in der unzählige Male herausgezögerten Endphase der vergangenen goldenen Generation befinden. Vielleicht ist der fußballerische Nous schon zu schwach für eine neuerliche Renaissance, vielleicht ist das strukturelle Umfeld inzwischen so verändert, dass man mit der überlieferten Verfahrensweise das Projekt nicht mehr grundsätzlich erneuern kann.

        Es ist schon etwas Merkwürdiges, dass wir in einer Phase jugendlichen Ungestüms und unvergleichlicher Erfolge irgendwie Dekadenz und Endzeitlichkeit, Einfältigkeit und Planlosigkeit ausstrahlen.

      4. @Alain Sutter: Du solltest ernsthaft überlegen im Schalke-Forum zu schreiben, da würden deine Weltuntergangskommentare viel besser reinpassen als in ein Fan-Forum des amtierenden Triple-Siegers.
        Und das ist jetzt nicht ironisch gemeint.

      5. @Alain, “Es ist schon etwas Merkwürdiges, dass wir in einer Phase jugendlichen Ungestüms und unvergleichlicher Erfolge irgendwie Dekadenz und Endzeitlichkeit, Einfältigkeit und Planlosigkeit ausstrahlen.”

        Die Formulierung ist falsch. Da fehlt eindeutig die Einschränkung, dass DU das so siehst. Deine Meinung, deine Wahrnehmung bitte nicht als Fakt darstellen. Für mich strahlt der Verein die vier Dinge gerade nicht aus – zumindest nicht im internationalen Vergleich derer, die uns deiner Meinung nach in den letzten 10 Jahren “abgehängt” haben.

        Ich finde es richtig, dass wir hier kritisch diskutieren und Entscheidungen hinterfragen. Aber manchmal ist mir das echt zu schwarz-malerisch.

      6. @JOP

        Es ist wirklich eine Schande, dass das Deutsche keinen Subjunktiv besitzt; ich bemühe mich zwar immer die subjektive Brechung in meine Aussagen inhaltlich gut wahrnehmbar einzuarbeiten, aber diese wird natürlich nicht von jedem als solche wahrgenommen. Auf alle Fälle bin ich für deine Anregung dankbar.

        Auf deinen eigenen Kommentar angewendet müsste es also heißen:
        “Die Formulierung ist meiner Meinung nach falsch. Da fehlt meines Erachtens eindeutig die Einschränkung, dass DU (ICH; Anmerkung des Autors) das so siehst. Deine Meinung, deine Wahrnehmung meinen Wünschen entsprechend bitte nicht als Fakt darstellen.”
        Der folgende Satz ist dann meiner Meinung nach subjunktivisch richtig, allerdings interpretativ falsch – wobei mir ziemlich egal ist, was du aus meinen Gedanken machst.

      7. @wohlfarth

        Gute Idee, allerdings könnte ich in einem Schalke-Forum deine Kommentare nicht mehr lesen – und eigentlich bin ich nur deretwegen hier. Catch 22

      8. @Alain Sutter:

        Aah, was für ein schöner ausschweifender Kommentar in bester Alain-Sutter-Manier! Lass mich auf zwei deiner Gedanken kurz eingehen:

        1. Trotz der nimmermüden Kassandra-Rufe von 918 in dieser Sache sind die Bayern im internationalen Vergleich wirtschaftlich keinesfalls uneinholbar abgehängt. Guck dir die einschlägigen Publikationen zu diesem Thema gerne einmal näher an – 918 wird es ein Vergnügen sein, dir bei Bedarf mit entsprechenden Links bis zum Abwinken weiterzuhelfen – und du wirst feststellen, dass die Bayern im internationalen Vergleich wirtschaftlich mehr als konkurrenzfähig dastehen und auch in Sachen Personalaufwand für den Spielerkader zu den absoluten Königen in Europa gehören. Also zumindest was ihre Potenz bezüglich der Verpflichtung von Spielermaterial angeht, kann bei den Bayern von “Nischenmodelle[n], Guerillataktik und spekulative[n] Taktiken” nicht die Rede sein. Da wird ganz vorne in der ersten Reihe der Front mit äußerst durchschlagskräftigen Waffen (sprich großen Scheinen) gekämpft.

        2. Ich kann deiner nostalgischen Sehnsucht nach einem geordneten, ruhigen Spielsystem des Maßes und der Mitte wie in seligen Guardiola-Zeiten nicht folgen. Ich finde ihre Idealisierung auch falsch. Der Fußball hat sich in den letzten zehn Jahren enorm weiterentwickelt. Die athletische Dimension des Sports hat im Vergleich zu der spielerischen immens an Bedeutung gewonnen. Inzwischen ähnelt ein Fußballspiel auf höchstem Niveau in vielen Phasen eher einem Leichtathletikwettkampf als einem Ballsport. Die besten Mannschaften der Welt zeichnen sich heutzutage weniger dadurch aus, dass sie im Mittelfeld den Ball mit schlafwandlerischer Sicherheit laufen lassen können, als dadurch, dass sie mit einer extremen Intensität, Aggressivität sowie Direktheit und Schnelligkeit im Handeln zu Werke gehen und dem Gegner keine Sekunde Ruhe lassen. Und in dieser Beziehung bilden die Bayern zur Zeit die absolute Speerspitze des europäischen Fußballs. Führe dir diesbezüglich doch nur einmal den bayerischen Fußball der letzten Monate vor Augen, insbesondere in Lissabon, wo die Bayern ihre Gegner mit ihrer maschinenartigen Intensität quasi zerlegt haben und je passiver der Gegner auftrat, desto schlimmer wurde es für ihn. Der Guardiola-Fußball der gemäßigten Ballrotation und ruhigen Kontrolle ist in den letzten zehn Jahren technisch überholt worden, so wie ein High-End-Smartphone von 2010 selbst wenn es noch funktioniert heutzutage nicht viel mehr als besserer Elektroschrott ist. Ich gebe dir Brief und Siegel, dass das Tiki-Taka-Barcelona der Jahre 2008-10 heute gegen das Athletik-Bayern des Jahres 2020 oder überhaupt irgendein zeitgemäßes Top-Team kein Land mehr sehen würde. Der Fußball hat sich weiterentwickelt und ich bin froh, dass die Bayern diese Weiterentwicklung nicht nur mitgemacht, sondern sich sogar an ihre Spitze gesetzt haben und mit ihrer Spielweise zurzeit die Avantgarde des internationalen Fußballs darstellen.

      9. @Alex&Alain
        Der FCB steht momentan insgesamt wirtschaftlich gut da. Das was Alain da sagt ist natürlich völlig übertrieben aber es gibt einige Aspekte die man beobachten muss.

        Beim Sponsoring sind wir mal ganz einsam top gewesen und wurden jetzt von einigen einge- und überholt. Unsere Shareholder/Sponsor Struktur macht es offensichtlich unmöglich den besten Deal zu machen. Gleichzeitig erhalten die AAA idR auch noch eine Dividende. Also man bekommt weniger rein von den Sponsoren und zahlt dann auch noch was aus.

        Da wir in TV Bereich nunmal DFL gefangen und limitiert sind und uns auch kein Hauptsponsor die erlaubten 30 Mio pro Periode nachschiesst ist das Sponsorenthema entscheidend.

        Allerdings kommen uns zwei Dinge zu Gute:
        – das heutige FFP limitiert die Auswüchse die man noch vor über 5 Jahren gesehen hat. Man muss allerdings genau hinsehen das Chelsea ManCity Liverpool PSG Juve Inter die jetzige Covid-SARS 2 Situation nicht ausnutzen um verdeckt nachzuschießen und FFP zu verletzen.

        – solange man in Deutschland die nicht rechtskonforme und damit illegale 50+1 Regel aufrechterhält werden BVB BMG RBL uns nicht richtig Paroli bieten können/wollen.

        Auch die angestrebte FIFA Transfersystem Reform das ua die Beraterbezüge limitiert und Gehälter Bonuse Fees transparent macht wird uns entgegen kommen.

        Man kann aber den jetzigen Zustand als Zementierung auf hohem Niveau bezeichnen. Bin mal gespannt was man sich einfallen lässt um die og Conundren aufzulösen um unsere Einnahmen zu verbessern. Der gescheiterte bmw Deal hat ja demonstriert wie schwer es ist einen Shareholder/ Sponsor mit einem zahlungswilligeren zu ersetzen.
        Kennt Hainer den Ausweg aus der Vulcania-de-sac?

      10. @Alexander, das mag ich so an dir, dass du dich bei gegebenem Interesse über die angesprochenen Themen unterhalten möchtest und entsprechend argumentierst oder komplett im Hintergrund hältst. Das finde ich grundsätzlich viel sinnvoller und sympathischer als unliebsame Störenfriede vom Blog-Hof jagen zu wollen. Wobei ich inhaltlich allerdings nur zum Teil deiner Meinung bin. Deine Argumente unterschreibe ich zwar gerne, weil sie nachvollziehbar sind, allerdings gibt es auch gute Gründe darüber hinaus aus oder dahinter zu denken.

        Zum ersten Punkt möchte ich anmerken, dass ich unabhängig von Bilanzen und ökonomischen Fakten (die ich nur teilweise und oberflächlich kenne) das konkrete Verhalten der Bayern auf dem Transfermarkt und bei der Kadergestaltung beobachte und zu dem Schluss komme, dass der Verein seit einiger Zeit (im Vergleich zu den europäischen Fußball-Großvereinen) auf Sparflamme kocht.
        Natürlich gab es große Investitionen, man denke nur an Tolisso, Hernández, Sané etc., aber im Endeffekt haben wir seit einiger Zeit einen auf das absolute Minimaß geschrumpften Kader (wenn man von zweitklassigen Ergänzungs- und Nachwuchsspielern absieht), der selbst in einer normalen Saison zu Belastungsproblemen führen würde und unter den derzeitigen Umständen leicht außer Fitness-und-Gesundheits-Kontrolle geraten kann.
        Keine Frage, der Verein gibt insgesamt viel Geld für Spieler und sehr viel Geld für Spielergehälter aus – aber das Ergebnis wird diesen immensen Ausgaben nicht gerecht, denn der Kader ist in der Breite und der Tiefe defizitär. Früher hätte man solche Defizite relativ schnell zu korrigieren versucht; darauf verzichtet man seit einiger Zeit (abgesehen von den gröbsten Lückenfüllern) und ich vermute, weil man es sich (zumindest im umfassenderen Sinn) nicht leisten kann, insofern man keine Schulden aufnehmen möchte.
        [Wobei ich vermute, dass wenn man ähnlich effektiv wie Liverpool gewirtschaftet hätte, heute bei den gleichen Ausgaben einen ausgewogeneren Kader hätte. Aber das bedeutet natürlich Äpfel mit Birnen zu vergleichen, schließlich ist Liverpool ein professionell geführter Klub.]

        Den zweiten Punkt möchte ich in zwei verwandte, aber separate Themen spalten: ein grundsätzliches Taktik-Thema und unsere aktuelle Situation.
        Du hast natürlich recht, dass der Fußball immer athletischer wird und wer würde das eher beweisen als der Lissaboner FC Bayern. Du hast ebenfalls recht, dass ein reines Tiki-Taka heutzutage wenig erfolgversprechend wäre. Deshalb habe ich auch von organischer, am Bedarf und der zeit orientierter Entwicklung der Taktik gesprochen. Ich stelle mir die zurzeit ideale Mannschaft als einen lebendigen Fußballleib vor, der sein Tempo rhythmisiert und kadenziert: beim Ausatmen im Stile des Totaalvoetbal den Gegner vom Platz fegt (‘Lissabon’), um sich anschließend beim Atemholen zusammenzuziehen und zu erholen. Durch diese extremen Tempo- und Rhythmenwechsel wäre es für den Gegner sehr schwer sich zu strukturieren und sein eigenes Spiel aufzuziehen, wir selbst aber hätten Erholungsphasen und wären selbst auch weniger ausrechenbar. Und bitte behaupte nicht, dass es keine stabilen Defensivverbünde mehr im Weltfußball gäbe! Ich spreche nicht von Catenaccio, sondern von entschleunigten Erholungs- und Lockphasen, in denen die eingesparte athletische Intensität durch engere Staffelung und umfassendere Übersicht kompensiert wird.

        Im Vergleich dazu finde ich unseren aktuellen Ansatz tatsächlich ziemlich einfältig und ideenlos. Lissabon ist weit weg, physisch kaum mehr zu verwirklichen und davon abgesehen in seiner Eintönigkeit recht einfach auszurechnen. Wir hatten letzte Saison auch den Überraschungseffekt und das Spielglück auf unserer Seite, in Zukunft würden gute Mannschaften unsere allzu offensichtlichen Schwachstellen besser und effizienter ausnützen.
        Verstehe mich nicht falsch: Ich fand die letzte Saison sehr unterhaltsam, sympathisch und die Erfolge letztlich auch absolut verdient. Aber davon abgesehen hielt und halte ich das ganze Unternehmen für einen (einmaligen) Ausreißer, eine Freakveranstaltung, die den gesunden Fußballverstand Lügen gestraft hat. [Klopp hat ja nicht ohne Grund bei seiner Laudatio auf den aktuellen Champions League-Sieger am Ende noch gemeint, dass auch eine gehörige Portion Glück dazugehöre. Müsste ich sein Interview in drei Worten zusammenfassen, wären diese: mutig; unglaublich; glücklich.]

        Das führt mich zur aktuellen Situation und die ist unweigerlich und insbesondere mit dem Namen Hansi Flick verbunden. Was dieser Mann innerhalb kürzester Zeit aus der Mannschaft herausgeholt hat, ist unglaublich, einzigartig und zeugt von großer Klasse.
        Inzwischen ist aber die Ernte eingefahren, die Flitterwochen vorbei und ich sehe Hansi Flick als das momentan größte Problem beim FC Bayern.
        Was letztes Jahr nach der Übernahme nötig und in der anschließenden Start-und-Stop-Saison noch verständlich war, ist inzwischen zu einer Belastung für den ganzen Verein geworden: Das infantile Beharren auf einer eindimensionalen Taktik, die die Spieler zur totalen geistigen Ermattung, an den Rand des körperlichen Ruins und schließlich ins Krankenlazarett führen wird.

        Wohl wahr, bei bisher 45 Siegen aus 50 Begegnungen sollte man nicht von einer katastrophalen Bilanz sprechen – aber ich beschäftige mich ausschließlich mit der Zukunft und versuche die aktuellen Entwicklungen zu projizieren.
        Das Auftreten der Mannschaft war aus allzu verständlichen Gründen in dieser Saison spielerisch weit von den Lissabon-Höhen entfernt; die Angriffsbemühungen sind zumeist wesentlich stumpfer, die Abwehr ähnlich anfällig, das Mittelfeld wenig dominant und kontrolliert. Durch die vielen guten Individualisten in der Mannschaft haben die Ergebnisse größtenteils gestimmt und in besonderen Momenten kann die Mannschaft natürlich nach wie vor Gas geben und Druck entwickeln und Tore erzwingen. Aber jedem unvoreingenommenen Beobachter sollte aufgefallen sein, dass unser momentanes System nicht nachhaltig ist und wahrscheinlich zunehmend ineffektiver wird.

        Wenn ich dann aber Hansi Flick höre, wie er unverdrossen sein Mantra von den ‘100 Prozent’ und der totalen Hingabe fordert, weil der Fußball angeblich nur so funktionieren könne, dann sehne ich mich nach im Ligaalltag erfahrenen Fußball-Realisten wie Tuchel oder Favre, die vielleicht in der Mannschaft nicht ganz so beliebt, aber dafür einen ausgewogenen, intelligenten und flexiblen (Lehr-)Plan haben um ihre Mannschaft situationsbedingt und effektiv einzustellen und auch scheinbar eine etwas humanere Einstellung gegenüber den Spielern als endliche Menschen an den Tag legen.
        Hansi Flick scheint ein sehr sympathischer Mensch mit einer tiefen und authentischen Fußballüberzeugung zu sein, aber als reiner Event-Trainer ist er auf zyklische Turnierverläufe (wie wir sie zufälligerweise im letzten Jahr in der Liga und der Champions League hatten) spezialisiert und scheint wenig Erfahrung und Ahnung vom linearen Ligaalltag zu haben. Aber da Hansi Flick sich ja bei autoritären Fragen gegenüber dem Vorstand ähnlich uneinsichtig zeigt wie bei taktischen, wird sich das Problem im Rahmen der anstehenden Negativerfolge wohl relativ schnell von selbst erledigen.

        Hansi Flick war ein absoluter Glücksgriff und ich hoffe, dass der Verein beim nächsten Trainer ein ähnlich gutes Gespür beweist – wobei man sich wünschen würde, dass die Entscheidung weniger panikartig, dafür aber auch im Hinblick auf die langfristige Perspektive abgewogener sein wird. Denn noch einen Champions League-Feuerwehrmann brauchen wir im Moment wirklich nicht.

      11. @Alain Sutter: Und ich schätze an dir deinen Hang zur Essayistik und die zwischen jugendstilhaft floraler Ornamentik und barockem Schwulst oszillierende Ausdrucksweise, in die du deine verwinkelten Gedanken kleidest. Form und Inhalt bilden bei dir sozusagen eine geradezu symbiotische Verbindung, auch wenn dir in der Konsequenz deiner Freude an der geschwungenen Formulierung manchmal auch inhaltlich etwas die Gäule durchgehen. ;-)

        Ich hasse es, deinem Reichtum der Sprache mit nüchtern präsentierten, platten Sachüberlegungen zu begegnen, aber ich teile deine Meinung eines ausgedünnten und ausgezehrten Kaders nicht. Wenn du die Positionen im Kader einmal Mann für Mann durchgehst, wirst du feststellen, dass die Bayern zumindest nominell auf jeder Position mehr als einmal gut besetzt sind. Ich erspare dir und mir an dieser Stelle ein Namensfestival. Ein Blick auf transfermarkt.de oder die Homepage der Bayern hilft dir weiter.

        Ein wesentlicher Grund dafür, dass die Bayern immer schon – und nicht wie du irrigerweise vermutest erst in letzter Zeit – einen vergleichsweise schmalen Kader hatten, ist der, dass eines von Uli Hoeneß wesentlichen Mantras immer das war, dass es stets besser sei, einen etwas zu kleinen Kader zu haben und im Notfall auf Nachwuchsspieler setzen zu müssen, als einen etwas zu großen zu haben und Stars auf die Bank setzen zu müssen, die dann unzufrieden werden und für Unruhe in der Mannschaft sorgen. Ich finde diesen Gedankengang äußerst nachvollziehbar und plausibel und sehe die Sache genauso wie Hoeneß. Im übrigen ist empirisch nicht belegbar, dass ein kleiner Kader zwingend erfolgshemmend ist. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Die erfolgreicheren Teams setzen im Mittel im Laufe einer Saison weniger Spieler ein. Die Bayern haben regelmäßig einen der kleinsten Kader der Liga und gewinnen trotzdem immer und sind auch international stets konkurrenzfähig. Eine ähnliche Beobachtung lässt sich auch in den anderen großen Ligen machen. In England, der physisch wohl anspruchsvollsten Liga Europas, gehört der Titel-Gewinner regelmäßig zu den Teams, bei denen der Trainer im Laufe einer Saison am wenigsten verschiedene Spieler einsetzt.

        Entscheidender als die absolute Größe des Kaders scheint mir im übrigen seine individuelle Komposition zu sein. Diesbezüglich würde ich deiner Argumentation schon eher folgen, dass man es bei den Bayern eventuell, insbesondere im defensiven Mittelfeld, versäumt hat, die richtigen Spieler zu verpflichten. Natürlich braucht es keinen zweiten Kimmich, dafür ist er viel zu selten verletzt und das wäre auch zu teuer, aber jemand, der wenigstens grundsätzlich _einsatzbereit_ ist, wenn es darauf ankommt, damit man nicht auf Martinez auf der Sechs zurückgreifen muss, hätte es schon sein dürfen. Ansonsten sehe ich den Kader der Bayern sowohl quantitativ als auch qualitativ auf allen Positionen mehr als konkurrenzfähig und teile deine Grundsatzkritik nicht.

        Dein Argument der (gezwungenen) Sparsamkeit führst du ja im Prinzip schon selbst mit der Nennung von Tolisso, Sané und Hernández ad absurdum. Hinzufügen hättest du auch noch Javi Martinez können, der schon 2013 40 Mio. Euro kostete. Tolisso war 2017 mit über 42 Mio. Euro der bis dato teuerste Transfer der Bundesliga, Sané lag dieses Jahr in ähnlichen Dimensionen und Hernández befindet sich mit seinen 80 Mio. Euro selbst im internationalen Vergleich in der absoluten Spitzenklasse der kostspieligsten Transfers der Geschichte als einer der teuersten Verteidiger aller Zeiten. Geh doch mal bei transfermarkt.de die Liste der bisherigen Rekordtransfers durch und du wirst bei 80-90% der Spieler, die für 70, 80 oder gar über 100 Mio. Euro den Verein gewechselt haben, mit dem Kopf schütteln und dich fragen, was wohl den aufnehmenden Verein zu dieser Spendierfreudigkeit bewogen haben konnte. Ökonomisch gesehen sind Ablösesummen in diesem Bereich fast nie kosteneffizient. Es handelt sich eben stets nur um _einen_ Spieler und meistens bezieht er dann ja auch noch ein Gehalt in einer Größenordnung, wie es seine Ablösesumme nahelegt.

        Apropos Gehalt: Ich halte es für grundverkehrt, die Qualität des sportlichen Managements in der Zusammenstellung des Kaders und seine sportliche Leistungsfähigkeit an der Höhe der Ablösesummen für die Spieler zu bemessen oder der Bereitschaft, für neue Spieler viel Geld auszugeben. Vielmehr verdienen die Bayern eigentlich dafür Lob, dass sie spätere Leistungsträger ihrer Mannschaft bereits in einem jungen Alter verpflichtet haben (Kimmich, Davies) oder als sie schon etabliert, aber noch relativ kostengünstig waren (Süle, Thiago, Gnabry, Lewandowski) und das Geld dafür lieber in konkurrenzfähige Gehälter investiert haben. Denn so wie die meisten Fans in deiner Situation verengst du deinen Blick bei der ökonomischen Analyse des Kaders bzw. der Fähigkeiten des sportlichen Managements bzw. des finanziellen Zustands des Vereins alleinig auf die gezahlten (oder nicht gezahlten) Transfersummen, die aber nur die eine Seite der Medaille sind. Mittel- bis langfristig sind die laufenden Gehälter für die Spieler mindestens genauso wichtig. Statt Phantasiesummen von 100 Mio. und mehr für solche Spieler wie Griezman, Pogba oder Neymar auszugeben, kaufen die Bayern lieber opportun (Sané) und stecken das Geld in die Gehälter. Wie hoch die Stakes bei Transfers der Größenordnung 80 Mio. sind, die du ja bei den Bayern so schmerzlich zu vermissen scheinst, hat man bei Hernández sehen können (der übrigens angeblich auch noch ein entsprechend monströses Gehalt von ungefähr 20 Mio. Euro p.a. bezieht). Inzwischen hat er gezündet, aber ein knappes Jahr saß er verletzt am Spielfeldrand und musste zuschauen. Stell dir vor, du kaufst in deinem mittelständischen Unternehmen die teuerste Maschine, die du je angeschafft hast und sie steht erst einmal ein Jahr mit einem Defekt rum. Versteh mich nicht falsch, die Maschine kann am Ende über die Gesamtlebensdauer betrachtet die Investition trotzdem wert gewesen sein, aber das Risiko ist einfach hoch – und es ist eben nur eine Maschine, für den gesamten Arbeitsprozess benötigst du aber immer mindestens 11 aktive gleichzeitig.

        Meines Erachtens navigieren die Bayern im Versuch, sportlich international konkurrenzfähig aber gleichzeitig ökonomisch nicht leichtfertig zu sein, den schwierigen Pfad zwischen finanziellem Risiko und Konservatismus relativ erfolgreich und allozieren ihre Mittel sinnvoll an den richtigen Stellen (Gehälter statt Ablösesummen). Von “erzwungener Sparsamkeit” oder einem “auf Sparflamme kochen” würde ich nicht sprechen.

        Eigentlich wollte ich vor allem über Punkt 2, Hansi Flick und seine Taktik sprechen und das ökonomische Thema nur am Rande behandeln, aber da mir das… überhaupt nicht gelungen ist, belasse ich es bei Flick und der Taktik bei Stichpunkten.

        Ich gebe dir Recht, dass bei den Bayern zur Zeit ein gewisser Abnutzungs- bzw. Ermüdungseffekt zu erkennen ist. Im Gegensatz zu dir halte ich den aber für mental bedingt und nicht physisch und sehe mich in meiner Meinung bestätigt von zahllosen ehemaligen und aktiven Fußballern, die dies immer wieder in Interviews bestätigen. Körperlich sei alle drei Tage zu spielen kein Problem, aber psychisch könne diese ständige Hatz von Termin zu Termin mit kaum einmal einer echten Erholungsphase zwischendurch auf Dauer enorm belastend sein.

        Insofern teile ich auch deine Meinung nicht, dass Hansi Flick dringend eines wie auch immer gearteten ruhigeren Spielstils als Alternative zu seinen “100 Prozent” bedürfe. Wenn die körperliche Abnutzung nicht das Problem ist, sondern die geistige, dann würden auch 90 Minuten Standfußball in jeder Partie dem Team nicht wesentlich weiterhelfen. Die Reisestrapazen – national wie international – das ständige geistige Hochfahren und Runterfahren, die nimmermüde Hatz von Einsatz zu Einsatz – all das bleibt ja auf absehbare Zeit unverändert, beschleunigt sich eher sogar noch weiter. Es stehen zweifelsohne zähe Wochen für die Bayern bis ins Frühjahr an, aber ich glaube nicht, dass Hansi Flick irgendetwas in seiner Macht stehende tun kann, um diesen Zustand substanziell zu allevieren.

        Ansonsten nehme ich deinen Einwurf mit einem Augenzwinkern als die Polemik, als die sie wohl gemeint ist und überlasse es anderen Kommentatoren, sich über deine Hansi Flick attestierte “infantile Simpeltaktik” und baldige Entlassung nach einer beispiellosen Negativserie zu echauffieren. ;-)

      12. @Alexander, dir ist ja zum Glück klar, dass es Experten gibt und Musensöhne und dass man die beiden nicht gegeneinander ausspielen sollte, weil sie eine je eigene Agenda verfolgen: Die faktenbasierte, sachliche Analyse auf der einen, das polemische, denkanstößige Störenfriedtum in diesem Fall auf der anderen. Wenn der entspannte und interessierte Dialog funktioniert, kann das dann ein für beide Seiten durchaus erkenntnisreiches Gespräch sein – es ist nicht nötig auf dieser Spielwiese der Gedanken von vornherein eine große Gedankenkoalition zu installieren.

        Scheinbar haben wir beide den vermeintlichen Flickschen Kardinalfehler begangen und uns im Überschwang unserer Überzeugungen zu allzu einseitigen und damit letztlich einfältigen Argumentationen hinreißen lassen – das ist wohl der Preis, den man für das zwangsläufig pointierte Räsonieren im Kommentarbereich eines Fußballblogs zahlen muss. Da das Aufrollen des Themenverlaufs im Sinne einer tiefergehenden Analyse hier wohl nicht zielführend ist, möchte ich lieber einen Satz nach vorne machen und behaupten, dass unsere beiden Ansichten durchaus legitim sind (deine zugegebenermaßen mehr als meine), aber dass es sich letztlich um eine Geschmack- und Mentalitätsfrage handelt.

        Du weißt ja inzwischen, dass ich sehr stark durch die bei Bayern von van Gaal und Guardiola implantierte Idee des geordneten, auf Ballbesitz ausgelegten spanischen Fußballs geprägt wurde. Diese Idee, den Gegner nicht dynamisch oder physisch zu überrollen, sondern sozusagen mit Ansage auf engstem Raum auszuspielen, gefällt mir einfach besser als die athletische Variante des modernen Klopp-Flickschen Powerfußballs. Die Bachsche Fuge gegen Heavy Metal – für einen Klavierspieler ist das keine Option, weil die spielerische Polyphonie die kraftvoll-serielle Harmonik so läppsch und laut erscheinen lässt und Klang mit der Zeit auch das Denken in einem ganz existenziellen Sinn formt. Wobei Heavy Metal mit einer Kiste Bier, Cola-Cognac und ein paar hübschen Mäuschen auf der Dorfdisko zu vorgerückter Stunde eine feine Sache ist, keine Frage.
        Ich möchte – um zum Thema zurückzukommen – noch anfügen, dass ich mir idealerweise ein dreifaltiges System aus Ballbesitz, Gegenpressing und Abwehrbollwerk für uns vorstelle, worin allerdings das kontrollierte Mittelfeldspiel die Grundlage bildet, von der aus situationsbedingt variiert werden kann. Was wäre naheliegender und einfacher?

        Mein eigentliches Problem – und der Grund für diese Polemik – ist allerdings, dass wir uns kollektiv scheinbar ganz gemütlich in einer Selbstlüge eingenistet haben: Dass wir unsere ‘neue’ Identität der letzten 10 Jahre, das kultivierte, dominante Spiel, in dem quasi die ganze Mannschaft zum Mittelfeld wird, wie ja auch immer wieder publikumswirksam aus Selbstvermarktungsgründen betont wird, weiterhin pflegen und ehren, ja sie inzwischen sogar Teil unserer Miasanmia-DNA sei.
        Das ist aus fußballerischer Sicht blanker Unsinn. Nicht erst mit Nico Kovac hat man sich über dieses Erbe lustig gemacht, sondern auch Hansi Flick könnte dieser Spielidee nicht unverbundener sein. Die Arena unserer einstmals stolzen und sophistizierten Auftritte, das Mittelfeld, ist inzwischen zu einer öden Durchgangszone degradiert worden, die es schnellstmöglich zu überbrücken gilt, sei es mit langen Bällen, schnelle Läufen über die Flügel oder einer johlenden Meute blutrünstiger Spielverderber.
        Wir löffeln wieder dutzendweise diagonale Flanken in Willy Sagnol-Manier aus dem Halbfeld ziellos in den Strafraum, haben neuerdings zeitweise sogar zwei Türme im gegnerischen Strafraum stationiert und geben das Mittelfeld inzwischen ja allein schon mit der Aufstellung preis: die eine Hälfte der Mannschaft kümmert sich um die Defensive, die andere um die Offensive und dazwischen zieht Javi Martinez die Fäden. Zynischer und treffender kann man Tiki-Taka nicht verspotten. Sollte Guardiola einmal die Zeit haben sich ein Spiel von uns anzuschauen, befürchte ich, dass er sich im Bett herumdreht.

        Und nein, ich glaube nicht, dass dies ursächlich mit der Verletzung Kimmichs oder den Corona-Verzerrungen zu begründen ist: das ist eine planmäßige Destruktion unserer offiziellen Vereinsidentität, ein höhnischer Fußballsuizid vor den Augen der Weltöffentlichkeit. So viel zum netten Herrn Flick, dem Totengräber unserer Mittelfeldseele. So viel zur institutionalisierten Lebenslüge des FC Bayern. Das zerschundene Antlitz unseres spielerischen Selbst wird zurzeit mit dicker Triple-Schminke zugeschmiert und lächelt uns aus toten Augen mit einem vom Schmerz verzerrten Mund zu. Und alle sind glücklich.

      13. @Alexander und @Alain Sutter: es ist wirklich erfrischend und teilweise auch erhellend, euren Dialog hier zu lesen, erstmal vielen Dank dafür. Mir fehlt jetzt gerade die Zeit, hierauf in angemessener Formulierungskunst zu antworten, daher beschränke ich mich mal auf die von Alain Sutter vorgetragene (ob sie echt ist oder nur diskussions-stimulierend wirken soll, lasse ich mal dahingestellt) Vorliebe für den van Gaal – Guardiola’schen Ballbesitzfussball.
        In seiner Reinform kommt mir dieser Spielansatz eher wie eine gymnastisch-künstlerische Sportform vor, in der eine B-Note zur Bewertung der Schönheit der Ballzirkulation angemessener wäre als die schnöde Abrechnung eines Spielergebnisses nach der Anzahl der in einem relativ kleinen, durch ein Netz abgesicherten Bereich hinter der Außenlinie platzierten Bälle innerhalb von 90 Minuten. Die Theorie dahinter scheint zu sein, dass der Gegner von der Eurythmie der Passstaffeten so verzaubert wird, dass er irgendwann die Gegentore willfährig bis dankbar entgegennimmt.
        Selbst Meister Guardiola höchstpersönlich hat ja inzwischen eingesehen, dass man damit nicht automatisch Titel gewinnt, wenn nicht gerade ein Lionel Messi im Team ist, der in seiner Genialität durch ein noch so engmaschiges Netz von Gegenspieler immer mal einen Weg zum Tor findet, wenn die Gegner zuvor nur lange genug weichgespielt wurden. Auch bei ManCity gibt es inzwischen kein Verbot von 50m-Diagonalpässen und aus dem Gegenpressing heraus direkt initiierten Angriffen mehr.

        Das Flicksche Konzept, das – von der jeweils anderen Richtung kommend – inzwischen dem aktuellen Konzept von Jürgen Klopp sehr ähnelt, ist in meiner Wahrnehmung eben gerade nicht einseitig, sondern lässt alle Formen, von langen Ballstaffetten bis Kick and Rush zu, sofern es mit der nötigen Geschwindigkeit, Intensität und Präzision gespielt wird. Der Grundansatz scheint zu sein, dass ein Profi das über 90, besser 120 Minuten durchhalten muss ohne Präzisionsverlust; daher stellt er Neuzugänge, Rekonvaleszenten, Jugendspieler konsequent so lange nicht auf, bis sie sich diese physische Präsenz antrainiert haben. Im Fall Goretzka wird offenkundig, dass man auf Basis des gestählten Körpers einfach auch bei Selbstbewusstsein und spielerischer Präsenz nochmal deutlich zulegen kann.

        Insgesamt sehe ich weder beim Kader noch beim Trainer ein strukturelles Problem, das wäre beim amtierenden Triple-Sieger ja auch äußerst schwer zu vermitteln. Dass aktuell Ermüdungserscheinungen sichtbar werden, ist definitiv eine “Kopfsache”: zwischen dem täglichen Murmeltier namens Corona-Test, leeren Stadien, gequetschtem Terminplan, fehlender Sommerpause geht irgendwann mal die ganz große Motivation und Konzentration verloren, gerade wenn man erst kürzlich die CL gewonnen hat … und der Gegner, in dem Fall Bremen, richtig gut und aggressiv, und hongirg nach der letzten Saison ins Spiel geht.

        Sollte nach 8 Jahren tatsächlich mal ein anderer Meister werden am Saisonende – so what :-)

      14. Hallo @GS, wer nur einen Funken gesunden Menschen- und Fußballverstand hat, wird deiner Analyse nicht widersprechen können, genauso wenig wie @Alexanders. Mir geht es auch gar nicht darum, das in Abrede zu stellen, ich meine lediglich, dass man die Perspektive durchaus noch etwas erweitern kann.

        Aus meiner persönlichen Spiel- und Lebenserfahrung heraus kann ich behaupten, dass der Erfolg für mich nicht alles ist – neben dem Gewinnenwollen ist das schöne Spiel miteinander meine Motivation. Darüber hinaus bin ich der Überzeugung, dass man nicht grundsätzlich alles dem Nützlichkeitsdenken unterordnen sollte. Es ist Vorsicht geboten, konkret was für Vorstellungen auf dem Platz wir bejubeln, denn über kurz oder lang werden die dort vorgelebten Präferenzen auch unsere Alltagswirklichkeit durchdringen.
        Deswegen dürfen für mich neben den schwitzenden und keuchenden Leichtathleten auch noch Tänzer, Denker, Zauberer, Gaukler und eitle Müßiggänger auftreten. Die Mischung macht’s und wir sollten nie vergessen, dass es sich um ein Spiel handelt – der Fußball und das Leben.

        PS.
        @Alexander
        Dass du mir das aktuelle Gebolze immer noch als Avantgarde des modernen Fußballs verkaufen willst, kann ich einfach nicht verstehen. Ich vermute, dass du deine Informationen aus einem 45-minütigen Youtube-Clip mit den FC Bayern-Highlights des Jahres 2020 beziehst.

      15. Mein lieber @Alain, so sehr ich auch versucht bin, deinen polemischen – und sehr verlockend an der langen Schnur hin und her schaukelnden – Köder von Flicks (sinngemäßer) Unfähigkeit und baldigen Abdankung mit Haut und Haar zu verschlingen und entsprechend zu reagieren oder auch auf deine Nadelstiche bezüglich meines vermeintlichen YouTube-Highlight-Wissens anzuspringen, so sehr halte ich meine pawlowschen Reflexe doch im Zaum und belasse es einfach bei der Aussage, dass mir der Flicksche Fußball nicht nur sportlich Respekt und Bewunderung ob seiner Kompromisslosigkeit abringt, sondern auch ästhetisch sehr gefällt.

        Vielleicht habe ich einen auf eine verquere Weise konservativ antik Geschmack darin, dass ich Körpern in Bewegung, denen ich die Anstrengung ansehen kann, ästhetisch ansprechend finde. Das hat für mich so etwas ursprüngliches und in seiner puren, reinen Maximalität am Rande des menschlich Möglichen etwas sehr erhabenes, authentisches und ehrliches. Ich gucke physichen Höchstleistungen und einem Wettkampf auf energetisch hohem Niveau lieber zu als gemächlichem Ballgeschiebe im Mittelfeld, auch wenn es noch so fehlerfrei und erdrückend ist. Für mich lebt der Spitzensport als Zuschauersport, ähnlich wie eine Symphonie, von der Dynamik, von den Eruptionen purer Energie nach Momenten der Stille. Wenn es auf dem Platz hoch hergeht und das Spiel auf und ab wogt, dann fühle ich mich gut unterhalten. Dabei kann ich auch Phasen totaler, einseitiger Dominanz aufgrund überlegener Fähigkeiten sehr genießen – ich bin da sehr meritokratisch veranlagt – ebenso wie brillante individuelle Einzelleistungen.

        All das bietet mir das, was du leicht despektierlich “Heavy Metal Fußball” nennst. All das bieten mir die Flick-Bayern. Wohlgemerkt, ich mochte auch Guardiolas Fußball, aber weniger wegen seiner Energie, sondern wegen seiner Suggestion der totalen und jederzeitigen Kontrolle über das Geschehen auf dem Platz. Bei Guardiola mochte ich die Perfektion, die Nicht-Zufälligkeit des Geschehens, bei Flick mag ich dir Energie und die kompromisslose und bedingungslose Exekution der Überlegenheit der Mittel unter höchstem physichen und mentalen Einsatz.

        To each their own, I guess.

        P.S. Mit der bachschen Füge hast du dir einen denkbar ungünstigen Gegensatz der Klassik zum Heavy Metal gesucht. Wenn es in der klassischen Musik ein Pendant zum Heavy Metal gibt, dann ist es wahrscheinlich die Bachsche Fuge, insbesondere wenn sie von Glenn Gould gespielt wird. Bachs Fugen für das Klavier sind vielleicht nicht ganz so laut, aber mindestens genauso stakkatohaft und bedingungslos wie Heavy Metal. Beim nächsten Mal rate ich zu einer Alternative aus der Romantik. ;-)

      16. To each their own, I guess. Agreed!

        Was den Höreindruck bei einer Fuge angeht, magst du wirklich recht haben. Aber ich ging vom Spielerlebnis aus. Nicht, dass ich das beherrschen würde, aber allein der Versuch öffnet einem Welten. Es erfordert ein Höchstmaß an Klarheit bei gleichzeitig enormer Komplexität. Deswegen kam es mir als Analogie zum Fußball Guardiolas in den Sinn.
        Dass Glenn Gould es schafft, daraus etwas Unappetitliches zu machen, ist keine Überraschung; dafür lieben wir ihn ja.

        PS. Solche Riefenstahl-Anwandlungen habe ich auch manchmal, aber das legt sich bei mir zum Glück meistens von selbst relativ schnell…

      17. Lieber @Alexander

        Zurückblickend verwundert es mich natürlich schon, dass, als wir uns das erste Mal trafen droben im Berghof nahe Davos, ich nicht einmal im Entferntesten daran gedacht hatte, du könntest keiner von uns sein.

        Im Laufe unseres Gesprächs dämmerte mir dann langsam, dass irgendetwas mit dir nicht stimmt. Aber erst nach unzähligen Grobheiten und Missverständnissen war ich in der Lage zu erkennen und vor allem auch zu akzeptieren, dass du von unten bist und es auch noch mindestens ein halbes Menschenleben lang sein wirst.

        Du kannst dir ja leicht vorstellen, was für eine Absurdität es darstellt, sich hier oben, auf der Terrasse, fachgerecht eingemummelt in den obligatorischen Pelz auf der Totenliege mit der Sauerstoffflasche immer in Griffnähe, trotz allen inneren Widerstands sich eingestehen zu müssen, dass du nur so vor Kraft, Zuversicht und unbekümmerter Hingabe strotzt und gar nicht einmal in die Nähe der Versuchung kommst deine frivole Vitalität mit den Augen des Moribunden zu durchschauen, um sie als das zu erkennen, was sie ist: eine gleichermaßen kostbare wie vergängliche Selbstverständlichkeit.

        In dieser Verfassung höchster geistiger und körperlicher Gesundheit lebst du selbstverständlich in einer Welt des bis ins Extreme gesteigerten Wettkampfes, weil es dir so als die natürlichste Lebensweise erscheinen muss, denn wie sonst könntest du deinen unerschöpflichen Reichtum an Energie, Denken, Zuversicht und Lust besser nutzen.
        Und freilich erscheinen dieser Hypervitalität bis an die Grenzen der Belastbarkeit angespannte Körper, Gedanken und Klänge als einzig sinnvoller Ausdruck von Selbst- und Weltentfaltung. Und wie recht du hast.

        Auch wir würden diesem Ideal unverdrossener Irdischkeit wohl nachhängen, wenn uns nicht der von Zeit zu Zeit obligatorische Zug aus der Sauerstoffflasche daran erinnern würde, dass für uns die Luft da unten bei euch schon viel zu dünn ist, auch wenn das durchaus widersinnig anmuten mag.

        Aber ist es nicht genauso widersinnig, dass wir uns von allen Plätzen auf der Welt ausgerechnet im Berghof getroffen haben? Hätte es einen geeigneteren Ort für existenzielle Missverständnisse geben können?

        Für dich war das sicher ein spannender Besuch, das Abtauchen in eine prosaische Zwiewelt auf Erden als Stimulanz für scheinbar niemals ruhende Bedürfnisse und lässliche Befriedigung der ewig drängenden Neugierde, während du sehr wohl weißt, wie einförmig und geregelt unsere Tage hier oben sind.

        Wir haben längst alles eingebüßt, was uns einst als schelmische Unbekümmertheit in die Wiege gelegt wurde, sind vorsichtig geworden, von Hintergedanken durchsetzt, und wollen unsere wenigen verbliebenen Vitalkräfte so kontrolliert wie eben möglich investieren, um unsere letzten Tage auf diesem siechenden Niveau möglichst unbeschwert zu verleben. Deswegen sind wir hier oben alle Guardiolistas, weil die ätherische Körperlosigkeit und vergeistigte Leblosigkeit seines Fußballs uns sediert und durch seine Unweltlichkeit den Übergang in den Tod am organischsten einleitet.

        Aber was hat dich jemals zu uns geführt? Wozu hast du dich mit unserer Geschichte beschäftigt? War das nur ein makabrer Scherz? Oder keimt auch in dir bereits die Saat des Niedergangs?

        Eine Antwort auf diese Fragen wäre zum jetzigen Zeitpunkt allzu eitel; auch du wirst warten müssen, bis du in einem eigenen Pelz deinen Platz auf der Sonnenterrasse einnehmen wirst.

        Davos, den 20.11.2020
        ohne Absender

      18. @Alain Sutter:

        Oh, nicht dass wir uns missverstehen. Ich bin Experte in klassischer Musik, aber ich liebe Glenn Goulds Interpretationen von Bach. Die “French Suites” gespielt von Gould gehören zu meinen absoluten Lieblingswerken klassischer Musik. Aber auch die Partitas oder die langsame seiner beiden Interpretationen der Goldberg Variationen kann ich immer wieder hören. Ob einem diese Musik gefällt oder nicht, glaube ich, ist eine Typfrage. Wahrscheinlich werden einige, die das hier jetzt lesen und neugierig werden und in den gouldschen Bach reinhören, die Musik anstrengend finden. Gould holt aus dem Klavier weniger das Moment des Saiteninstruments als den des Perkussionsinstruments heraus. Und das hört man. Schnell, stakkatohaft, scharf. Ich mag es, aber – hey – ich mag ja auch Flick-Fußball. ;-)

        An Leni Riefenstahl musste ich auch unwillkürlich denken. Ich glaube aber nicht, dass sie mit ihren Bildern und Filmen eine neue Ästhetik geprägt hat, sondern an archaische menschliche Dispositionen zur Frage der Schönheit angeknüpft und diese geschickt ausgenutzt hat.

      19. Mein lieber Alain, theurer Freund,

        Hab Dank für deinen Brief aus der sonnigen Liege am Rande des Berghofs. Wie geht es Hofrat Behrens oder Rhadamanthys, wie Settembrini ihn zu nennen pflegt? Ich hoffe, er versorgt euch gut und lässt es euch an eurem leiblichen Wohl nicht mangeln.

        Wie kann ich deinen Brief lesen, ohne rot zu werden? Du schmeichelst mir über alle Maßen. Du vermutest in mir die Virilität, Jugend, Frische und Kraft, die, das glaube ich wohl, um dich herum im Berghof so rar geworden sein muss.

        Aber, ach, wenn dem nur so wäre! Auch ich bin weit davon entfernt, jung und frisch und unbesiegbar zu sein. Nein, auch an mir nagt bereits der Zahn der Zeit. Nur ist es so, mein lieber Alain, dass ich die Vergänglichkeit des Seins in einer viel vollkommeneren Art und Weise zu akzeptieren scheine, als du dazu in der Lage bist. Ich nehme sie hin als gegeben und umarme sie – und dann rückt sie in den Hintergrund als ein Grundtatbestand des Lebens, an dem ich nichts ändern kann, so sehr ich auch wollen mag. Du hingegen, so scheint mir, verharrst noch auf der Stufe der ständigen Reflektion. Du stellst einen Tatbestand in das Zentrum deines Denkens und deines Fühlens, an dem du ohnmächtig bist etwas zu ändern.

        Mehr noch, du richtest deine ästhetischen Vorlieben, unwillkürlich oder bewusst, am Motiv der Vergänglichkeit aus. “Carpe Diem” möchte ich dir zurufen, weniger “Memento Mori”! Das Ziel allen Lebens ist der Tod, ja, aber deshalb sollte er doch weder unsere Gefühlswelt noch unseren Ausblick auf das Leben bestimmen.

        Ein Besuch bei dir im Berghof im pittoresken Davos ist verlockend, aber wenn er bedeutet, die Melancholie über die Fröhlichkeit, den Rückzug über die Zukunftsgewandtheit, das Moribunde über das Lebensbejahende zu stellen, dann möchte ich lieber nicht. Hast du schon einmal über eine Abreise nachgedacht?

        Grüß mir Settembrini und Naphta.

        Alexander

        P.S. Verzeih mir bitte meine gehetzte Antwort, die deinem Brief nicht im entferntesten gerecht wird. Mehr ist mir in diesem Moment nicht möglich gewesen.

      20. @Alexander

        Deine Grüße hätte ich gerne ausgerichtet, aber Naphta ist lange tot und Settembrini nur mehr eine Fama – angeblich lebt er noch immer zur Untermiete unten im Dorf und arbeitet an seiner Enzyklopädie, aber seit Ewigkeiten hat ihn niemand mehr persönlich gesehen und wir müssen das Naheliegende befürchten. Du siehst, im praktischen Lebensvollzug ist es gar nicht so einfach das rätselhaft-süße „Memento Mori” mit dem hehren-klaren „Carpe Diem” zu vertauschen; auf der ehernen Bühne der Existenz tanzt der Mensch seinen ephemer-flüchtigen Tango ohne sich je bewusst zu werden, wen oder was er dabei berührt.

        Aber davon abgesehen dreht sich tatsächlich alles um die Abreise. Ich bin noch gar nicht lange Zeit hier, aber was bedeutet das schon, du kennst das Rätsel der hiesigen Ankunft; sobald man die Schwelle des Berghofes überschritten hat, wird die eigene Vergangenheit zum irrealen Traum einer absurden, fernen Welt. Es war eine flotte und unstete Rodelpartie vom Office ins Home-Office ins Bed-Office ins Morgue-Office hier herauf in die erhabene Luft der Berge und kaum angekommen, nach einer zeitlosen Ewigkeit, steht in Kürze die Heimreise an, sei es als Schlittenfahrt durch die frostige Nacht oder erhobenen Hauptes bei Tageslicht im Zug der Eisenbahn.

        Aber ganz unabhängig vom Charakter dieser Fahrt sollte man sich keinen Illusionen hingeben, eine Rück- und Heimkehr im sentimentalen Sinn wird es nicht geben, denn dazu war das Wandern auch bisher schon zu sehr das Grundmotiv meines Lebens: das ewige Fernabsein vom eigenen Ursprung, die unstillbare Nostalgie nach dem häuslichen Herd, in dem das Feuer des eigenen Seins lodert, ist zugleich auch die Emanzipation aus den Fängen einer zufälligen Gegebenheit, einer Fremdheit in der Heimat, die erst der Abschied zu lindern vermag.

        Auch Odysseus hat sich auf seiner Reise oft nur zu gerne aufhalten lassen und keiner weiß, wie lange er es zuhause, endlich mit Penelope wieder glücklich vereint, tatsächlich ausgehalten hat.
        Mag die Odyssee einst vordergründig die demütige Erfüllung einer auferlegten Pflicht gewesen sein, ist sie heute mehr denn je ein individuelles Willenskonstrukt für diejenigen, denen das Leben nicht die ihm eigene, ursprüngliche Selbstverständlichkeit besitzt. Durch diese Form eines übersteigerten Selbst macht sich der Mensch zum bewussten Akzidens der Substanz zum Preis seiner Natürlichkeit. Auf diese Weise schafft er sich Spiel- und Denkräume, die ihm auf fragile Weise den Alltag verzaubern. Dieser Spagat erfordert allerdings die volle körperliche und geistige Anspannung, da die Figur ohne doppelten Boden ausgeführt werden muss. Diesen Grundtatbestand des Lebens kann man dann nicht in den Hintergrund schieben, weil er nur durch die aktive Teilhabe überhaupt aufrechterhalten werden kann und ansonsten gibt es nichts.

        To each their own, I guess.
        Hansi Flick würde als Odysseus selbstverständlich mit einer zur Perfektion austrainierten Mannschaft die Heimreise auf direktem Weg zurücklegen und sich durch keinerlei Stürme, Versuchungen oder Verirrungen aufhalten lassen. Im Gegensatz dazu bin ich an Bord des Schiffes Guardiolas, das mäandernd durch die Weltmeere kreuzt und dabei dem Tor der Heimat immer wieder einmal nahe kommt, um anschließend erneut abgetrieben zu werden zu fernen Ländern und neuen Abenteuern an Orten des Lebensfeldes, von denen man nicht einmal wusste, dass sie existieren.

        Ist Guardiola ein schlechter Kapitän oder ein vom Schicksal Getriebener? Wird er zu seinen Irrfahrten verurteilt oder schweift er nur willfährig umher? Will dieser Mittelfeld-Vagabund womöglich sein Leben zwanghaft-bewusst als eine Form der Mittelfeldbuße in Torferne verbringen, während Hansi Flick als der geborene Heimkehrer seine Mission mit instinktiver Treffsicherheit erfüllt?

        Es ist der alte Konflikt des Dionysos mit dem Apollon, die natürliche Rauschhaftigkeit und Zügellosigkeit des die Konventionen sprengende Schöpfungsdrangs gegen das maßvoll-rationale Ordnungsprinzip auf der Suche nach harmonisch-schönem Ausgleich.
        Es ist dieser alte Lebens- und Götterkonflikt, der uns in seinen Bann zieht, der über uns hinwegfegt und uns nie die Frage stellt, was wir eigentlichen wollen – wir befinden uns jeweils schon in seinem Wirbel, seinem Bann.
        Auch wenn wir unsere Gegenwart in souveräne Worte und Gesten kleiden, werden wir letztlich gedacht und gelebt – die Frage ist nur, wer unser Trainer ist: Guardiola oder Flick.

      21. @Alain: Vorab, verzeih mir den Fauxpas mit Naphta. Natürlich! Der Arme hat sich selbst gerichtet. Ein Sophist, ein Rabulist – wahrscheinlich ist es besser so. Mir ist, als hätte ich das dereinst gewusst… Stell eine Blume an seinem Grab auf bitte bevor du gehst, ja?

        Oh, auch Hansi Flick befindet sich auf einer Odyssee, dessen Weg nicht in seiner Hand liegt. Auch ihn treiben die Winde willkürlich mal hier und mal dort hin, mal ist es Salzburg, dann Moskau, eventuell Stuttgart oder Madrid. Auch welche Trophäen ihn zu bezirzen versuchen (World Club Cup), liegt nicht in seiner Macht. Nein, Hansi Flick ist ein getriebener des Kalenders, ein Irrfahrer durch die Zeit genauso wie es Guardiola auch wäre.

        Wenn wir in einem deterministischen Universum leben, wenn alle Ereignisse bereits präfiguriert sind und der Unterschied zwischen Flick und Guardiola nur ein Unterschied der Form, ein Unterschied der Hülle, in die sie die unausweichliche Abfolge von Ereignissen auf dem Weg zum identischen Ziel kleiden, ist, was lässt dich denken, dass Flicks Hülle nicht die adäquatere ist als Guardiolas? Inwiefern ist Guardiola stärker im Einklang mit der Natur als Flick? Warum ist ein Weniger an gezielter Aktivität ein Mehr an Einklang mit dem Universum? Und warum ist eine rational fortschrittlichere im Sinne von stärker auf die Anforderungen des modernen Fußballs ausgerichtete Spielweise wie die Flicks im Vergleich zu Guardiolas weniger ‘passend’ in der Bedeutung deines Lieblingsphilosophen?

    2. Ich empfinde Alain Sutter als große Bereicherung hier. Und: “Es ist schon etwas Merkwürdiges, dass wir in einer Phase jugendlichen Ungestüms und unvergleichlicher Erfolge irgendwie Dekadenz und Endzeitlichkeit, Einfältigkeit und Planlosigkeit ausstrahlen.” Das mag stimmen oder nicht – wenn es stimmt, kann man sich über den Unterhaltungswert der Situation wirklich nicht beklagen. Und: Das muss man erst einmal so formulieren. Ich habe mich an den Satz in den letzten 24 Stunden mit großem Genuss immer wieder erinnert. Ich empfinde ihn als ein Highlight der miasanrot-Kommentarsektion.

      1. @Paul

        (⁄ ⁄•⁄ω⁄•⁄ ⁄)⁄
        Nimm das bitte nicht zu ernst – ich bin nur der Redaktionsbot, der dafür zu sorgen hat, dass der Kommentarbereich nicht in bajuwarischer Behaglichkeit komplett wegschlummert.

      2. @Alain Sutter

        Good bot.

      3. Ich nicht. Mich nervt dieses esoterische Geschwurbel unfassbar.

    3. @Alain:
      Wo ich dir nicht ganz folgen kann, ist das Beharren darauf, dass Flick zu keinen Veränderungen an seinem Spielstil fähig ist bzw. du ihm den Willen absprichst, das überhaupt tun zu wollen. Eine Antwort darauf werden wir aber ohnehin erst in der Zukunft geben können.
      Was mich allerdings stutzig macht ist in diesem Zusammenhang das überschwengliche Lob an van Gaal, das für mich schon fast an Verklärung grenzt. Im letzten Jahrzehnt gab es keinen Trainer bei Bayern, der konsequenter an seinem System festgehalten hätte, als unser geschätzter “Tulpengeneral”. Ich würde das in diesem Fall aber eher als verbohrte, schon fast fatalistische Sturheit bezeichnen, denn auch als sich in seinem zweiten Jahr ganz klar abzeichnete, dass dieses System aufgrund seiner Statik nach vorne relativ leicht zu verteidigen war (vor allem wenn ein Ausnahmekönner wie Robben ausfiel) und man nach hinten offen wie ein Scheunentor war, weil van Gaal einfach zu wenig Wert auf Abwehrverhalten legte, hielt er stur daran fest. Natürlich hat er mit seiner Arbeit den Grundstein gelegt für die erfolgreiche Ära der 2010er Jahre. Aber seien wir mal ehrlich: ein Trainer, der nicht einmal zwei Jahre schafft, muss auch einige Dinge gravierend falsch gemacht haben. Es war ja nicht so, dass van Gaal aus privaten Gründen zum Bedauern aller Beteiligten seine Zelte in München vorschnell abgebrochen hätte. Er wurde entlassen, weil er menschlich nicht nur mit dem Vorstand, sondern auch mit vielen Spielern aneckte und weil er nicht bereit war, auch nur ein kleines bisschen an seinem System zu schrauben, dass im Endeffekt 122 Punkte in 63 Bundesligaspielen einbrachte (also nicht einmal 2 Punkte pro Spie im Schnitt), einen Pokalsieg bescherte und in der CL im ersten Jahr vor allem deshalb erfolgreich war, weil ein bis zwei Individualisten (Robben und Olic) mit ihren Geistesblitzen schon fast verlorene Spiele zu einem glücklichen Ende drehten. Schon damals konnten gute Mannschaften wie Florenz, ManUnited und Inter das System van Gaal über weite Strecken entschlüsseln. Als im Jahr darauf Robben und Olic ausfielen, schafften das auch viele andere Mannschaften. Das Ausscheiden gegen Inter im Achtelfinale war der Tiefpunkt, denn erneut war es die mangelnde Bereitschaft defensiv zu arbeiten, die dieses bittere Aus zu verantworten hatte.
      Zum Abschluss möchte ich sagen, dass man von der Gegenwart ausgehend natürlich versuchen kann, in die Zukunft zu schauen. Ob alles dann immer so eintrifft, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Ich war im Januar 2010 im Urlaub in Barcelona und habe mir das Museum im Nou Camp angeschaut. Beim Blick auf die sechs Trophäen, die der Verein im Jahr 2009 geholt hatte blieb mir nichts als ungläubiges Staunen übrig und eine Gewissheit, dass ich so etwas als Bayern-Fan wohl nie erleben würde. Zusätzlich erzeugte die Tatsache, dass Barca das mit einer Mannschaft schaffte, die zu mehr als der Hälfte aus Spielern aus dem eigenen Nachwuchszentrum bestand, für große Bewunderung. Dass dieser Verein zusätzlich seine Trikot-Brust für unicef freihielt und auf Trikotwerbung verzichtete, machte den anderen FCB noch eine Spur überirdischer. Kurz gesagt: im Januar 2010 sprach überhaupt nichts dafür, dass der FCB aus München in den nächsten 10 Jahren auch nur ansatzweise auf eine Stufe mit Barca würde klettern können. In Wirklichkeit waren wir in den 2010ern sogar noch eine Stufe drüber, wenn man alle internationalen Erfolge zusammenzählt. Von daher können deine Prognosen natürlich zutreffen, aber es kann alles auch ganz anders kommen.

      1. @Willy

        Ich möchte die Gelegenheit nutzen um die einmal für deine (im positiven Sinn) unzähligen gescheiten und sachdienlichen Kommentare zu danken. Mit diesen machst du wie kaum ein zweiter die Diskussionen hier im Forum substanziell und lehrreich; zudem gefällt mir deine säkularisierte Frömmigkeit gegenüber dem Verein.

        Zum Thema van Gaal: Alles, was du sagst, würde ich unterschreiben und in einigen Punkten hast du deine Kritik sogar sehr zurückhaltend geäußert. Allerdings öffnet der leidlich versteckte Satz “Natürlich hat er mit seiner Arbeit den Grundstein gelegt für die erfolgreiche Ära der 2010er Jahre” einen Ausgang aus der Diffamie in etwas versöhnlichere Gefilde. Denn ich verehre van Gaal nach wie vor als Gründervater unseres modernen Selbstverständnisses. Und wenn man sieht wie viele Trainerleichen die Restauration des Uli Hoeneß auf dem Weg in die Fußball-Moderne am Spielfeldrand zurückgelassen hat, dann kann und muss man das Werk des Heiligen Ludwig als herkulischen Coup d’État bezeichnen – ohne ihn wären wir nicht das, was wir heute sein könnten.
        Denn er hat uns den Weg ins fußballerische Elysium bereitet, das Land der taktischen Seligkeit und des vollkommenen Spielglücks auf Erden, das inzwischen schon wieder aus unserem Blickfeld in die schattenhafte Nebelferne der Jenseitigkeit entschwindet. Sic transit gloria mundi.

        Freilich ist es kein schwacher Trost, dass wir zur Zeit die sportlich womöglich erfolgreichste Phase des Vereins miterleben dürfen: Der neue Besen des Hansi Flick hat mit ein, zwei Schwüngen die gesamte Fußballwelt blank gefegt, sein fußballerisches Schneeballsystem türmte sich zu einer unwiderstehlichen Lawine auf, die auf ihrem sturzbachartigen Weg ins Tal alles und jeden unter sich begrub.
        Aber ach, wehe, wenn der Frühling kommt, die Amsel singt und der Schnee anfängt zu schmelzen. Was werden wir noch immer vom Rausch des Erfolgs verkaterte Fans sagen, wenn wir unseren Trainerkaiser nackt, ohne Kleider und ohne Mittelfeld vor seiner leeren Ersatzbank stehen sehen?

        Wie du selbst sagst, ist es unmöglich die Zukunft zu prognostizieren. Aber wir sind für meinen Geschmack durch die allzu großen Erfolge der jüngeren Vergangenheit ein wenig nachlässig geworden in der Beurteilung der aktuellen fußballerischen Darbietungen auf dem Platz sowie der längerfristigen Entwicklungen des Vereins in spielerischer, ökonomischer und konstitutioneller Hinsicht.

        PS. Auf den Spielstil von Hansi Flick bin ich bereits in meiner letzten Antwort an
        Aleander eingegangen.

      2. Um es auf bayerisch zu sagen:
        Schee staad kemma in schmarrn eine

      3. @wohlfarth

        (…) eini

      4. Bei uns kimmt ma eine und ned eini

      5. @Alain: In Niederbayern definitiv eine und nicht eini. Das ist mehr im alpinen Raum gebräuchlich. Dort mögen sie die höheren Berge haben, dafür haben wir in Niederbayern den weiteren Horizont. :-)

      6. @wohlfarth @Willy

        Der ganze Bua a Depp.

      7. @Willy

        Was ich dir noch zu van Gaal sagen wollte: Ich habe direkt die etwas ungewöhnliche Umschreibung “formaler Edelmut” in Verbindung mit ihm benutzt, um meine vermeintliche Heldenverehrung ironisch zu brechen. Die Konnotation sollte auf einen mittelalterlichen Adligen verweisen, der bei öffentlichen Wettbewerben sehr formal und reguliert gekämpft hat. (Man kennt diese codierte Form des Fake-Wettkampfs ja auch aus den Urzeiten des Fußballs, bei dem jede Form des direkten Zweikampfs eine Sittenwidrigkeit dargestellt hätte.)

        In mancherlei Hinsicht erscheint mir Louis van Gaal wie ein aus dieser Zeit gefallener Mensch. Als Anekdote diesbezüglich kann die Anekdote aus seiner Manchester-Zeit gelten, gemäß der es den Spielern strengstens untersagt war mit dem ersten Ballkontakt auf das Tor zu schießen. Wahrscheinlich galt ihm das als zu unüberlegt, geradezu straßenfußballerisch-animalisch.

        Eine solche Maßnahme ist nach modernen Maßstäben geradezu widersinnig, aber dennoch verrät sie etwas über das Wesen van Gaals, das auch uns zugutekam: die Einsicht, dass der Zweck nicht immer die Mittel heiligt; eine Einsicht, die bis zu seiner Niederkunft in der fußballerischen Welt des FC Bayern quasi unbekannt war.

        Mit dieser Lächerlichkeit und der dahinterstehenden Denkungsart hat er aber bei uns einen Paradigmenwechsel eingeleitet, der offensichtlich nicht für alle Ewigkeit Bestand haben sollte, aber uns immerhin zwischenzeitlich von einer besseren Fußballwelt träumen ließ.

      8. 1. »säkularisierte Frömmigkeit« – das schönste Oxymoron, das ich in letzter Zeit lesen durfte!
        2. Wie sieht es eigentlich mit den Urheberrechten von Kommentaren aus? Ich müsste fast ein Buch über diese Konversation editieren.
        3. Alain: falls es so etwas wie ein Urheberrecht gibt, teile mir einfach Deine Honorarforderungen mit : – )

        Und ja, Flick ist ein »Event-Trainer«. Das hat er 2014 bewiesen, deshalb habe ich auch auf ein gutes Abschneiden in der diesjähreigen »Turnier-CL-Endphase« getippt. Wir werden sehen, welche Substanz er als »Alltagstrainer« hat.

      9. @jjs

        “Säkularisierte Frömmigkeit” ist in der theologischen Kulturkritik schon seit einiger Zeit ein geflügeltes Wort und wird vielleicht in Zukunft noch eine viel weitere Bedeutung bekommen, wenn es darum geht, den ums Überleben kämpfenden Kirchen neue Märkte zu erschließen – in der Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen.

        Ich persönlich habe den Begriff von Nietzsche übernommen, der ihn in seiner ‘Unzeitgemäßen Betrachtung’ gegen den Bildungsphilister Strauß einsetzte. Damals war das noch eine ziemlich scharfe rhetorische Waffe, heutzutage hat sich unsere Lebenswirklichkeit aber so sehr gewandelt, dass von der ursprünglichen Schärfe des Widerspruchs kaum mehr etwas übriggeblieben ist – und in diesem harmlos-geschwätzigen Sinn habe ich den Begriff gegenüber Willy benutzt.

        Um geschäftliche Angelegenheiten kümmert sich mein Berater Marco05, den du jederzeit hier im Kommentarbereich kontaktieren kannst.
        Ich bin allerdings spinozistisch veranlagt und glaube entsprechend nicht an eigene Gedanken; wenn überhaupt können wir daran teilhaben, aber im Grunde werden wir gedacht.
        Das scheint mir eine eher schwierige Voraussetzung für eine vernünftige Zusammenarbeit.

      10. @Alain Sutter

        Vielen Dank für die Aufklärung – aber dennoch ist es ein Oxymoron, und diesen Widerspruch werden auch Kirchen nicht auflösen können, nicht einmal mit Gottes Hilfe. (Allerdings: wenn es um’s Geldverdienen geht, könnte durchaus der Eindruck entstehen, dass göttliche Inspiration (auf alle Fälle in der Heiligen Römisch-Katholischen Kirche) schon eine Rolle spielen könnte).

        Urheberrecht: Wenn Du – wir – alle – nach Spinoza wirklich »gedacht würden«, dann sollte das Urheberrecht eigentlich bei – IHM liegen? Das würde natürlich die Verhandlungssituation erheblich komplizierter gestalten. Oder leichter. hm.

      11. @jjs

        Ja, genau, IHM – schwieriger Verhandlungspartner;-)

    4. Unter den vielen großartigen Beiträgen in diesem Forum, sticht dieser Thread noch einmal heraus. Mein besonderer Dank gilt dabei natürlich Alain und Alexander, aber auch diverse andere Schreiber haben sehr interessante uns amüsante Standpunkte vertreten. Aus meiner Sicht hat sich dieser Thread hat sich zu etwas entwickelt, das man in leicht auffindbarer Form für die Nachwelt konservieren sollte.

      Es wäre schön, wenn man irgendwo auf der rechten Seite einen Button für eine Best-of-Rubrik in diesem Forum einführen könnte, in der man solcherlei Kleinodien gesondert aufbewahren und leicht auffindbar macht, möglicherweise indem man einen Link zu dem Anfang des Threads postet mit einem Satz, der kurz die Ausgangsituation beschreibt – etwa: ‘Nov 2020 – Nach 1:1 gegen Bremen mahnt Alain Sutter den sich abzeichnenden Untergang des Triple-FCB an, was in der Folge zu Ausflügen mündet zur Bayern-Philosophe der letzten Dekade und Kunst und Philosophie seit der Aufklärung.’

      Könntest du so etwas unter den weitern Machern des Forums anregen, @Alexander? Es wäre doch zu schade, wenn so etwas schnöde in den Niederungen des Archivs verschütt ginge :)

  15. Wirft man einen Blick auf die Statistik fällt auf, dass aus dem Mittelfeld die langen Bälle fehlen. Thiago und Kimmich waren stets mit~6 pro Spiel maßgeblich für Variabilität verantwortlich. Inzwischen sind die IV Alaba und Boateng die einzigen, die das Spiel auf diese Weise gestalten können. Das ist kein taktisches Problem, sondern eines der Kader-Zusammensetzung. Und ich war ja nicht der einzige, der davor gewarnt hat den Abgang Thiagos auf die leichte Schulter zu nehmen (“weine ihm keine Träne nach”). De fakto ist nun mit der Verletzung Kimmichs der Super-GAU eingetreten und ein gewaltiges Vakuum bei der Spielgestaltung entstanden. Warum die 1b Lösung Roca nicht spielt, ist in der Tat dubios. Selbst Alaba könnte theoretisch eine aktivere 6er Rolle übernehmen. Fun Fact am Rande: im MF führen unsere alten Freunde Renato Sanches und James Europa in der Kategorie an (zusammen mit Kimmich).

    Unabhängig davon bin ich etwas überrascht, welche Ansprüche gerade herrschen. Die Mannschaft hatte fast keine Sommerpause, hat einen absoluten Schlüsselspieler verloren, bis auf Sane wurde der Kader mehr oder weniger last-minute-geflickschustert. Der Spielplan war brutal. Dafür zieht sich die Mannschaft sehr gut aus der Affäre, siehe Dortmund (welches gefühlt 2 Monate länger planen und trainieren konnte).

    Es dürfte wohl jedem klar sein, dass die Meisterschaft heuer deutlich enger wird, als sonst. Dennoch scheint auf die Mannschaft in wichtigen Spielen Verlass zu sein. Das stimmt mich eher optimistisch.

  16. Der Kicker zitiert Flick über Martinez und Roca:
    https://www.kicker.de/flick-fuer-marc-war-heute-kein-platz-790325/artikel

    “Das war heute für Javi die optimale Position”
    “Javi hat da schon öfter gespielt, ist schon länger im Verein und weiß, was auf dieser Position erwartet wird, wie er sich da verhalten muss.” Gerade weil es diesmal im System nur einen Sechser gab, “war das heute für Javi die optimale Position”.
    Und dann habe auch der Spielverlauf gegen die unbeugsamen Bremer und Hernandez’ Verletzung Rocas zweite Bundesliga-Einwechslung verhindert. “Von daher war heute für Marc kein Platz”, schloss Flick. Bislang kam der Spanier lediglich beim 2:1 in Köln in der Schlussminute zum Zug.

    Für mich sind dies schwer nachvollziehbare Aussagen, siehe auch Maurice’s Artikel:
    “Weshalb Flick dem jungen Roca keine Chance gibt, wird von Spiel zu Spiel schwerer zu erklären.”
    Hoffen wir auf das Spiel gegen Salzburg, dann wird aber wohl eher wieder Tolisso spielen…

  17. Off-Topic:
    “David ist ein ganz feiner Mensch und genialer Fußballspieler. Er ist sehr beliebt in der Mannschaft und hält sie zusammen. David sollte Verantwortung übernehmen und selbst entscheiden, was für ihn wichtig ist”

    Finde die Aussage großartig, wenn ich auch etwas überrascht bin, dass Flick ihn in dieser Deutlichkeit als fremdgesteuert hinstellt.

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    1. Stimmt, das war feinste Rhetorik.

    2. Noch feiner finde Flicks seine Rhetorik im Fall Boateng, zitiert nach FAZ (22.11): “„Er ist ein Spieler, der herausragende Leistungen gezeigt hat, er hat zum zweiten Mal das Triple gewonnen. Da braucht man wenig über seine Qualitäten zu sagen“… „Jérôme weiß mit Sicherheit Bescheid, wie ich das Ganze sehe und zu dem Ganzen stehe.“ https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/thomas-mueller-vom-fc-bayern-spricht-ueber-comeback-im-dfb-team-17064583.html

      1. Sorry,für das Gebrabbel, es muss heißen: “Noch feiner finde ich Flicks Rhetorik….”

      2. Bei Spox heißt es noch:
        “Dass mit Jerome nicht mehr geplant wird, habe ich in dieser Klarheit nicht gehört.”

  18. Genau das hat er im Welt-Interview so gesagt! ..”habe ich in dieser Klarheit nicht gehört!”
    Ein Brazzo äußert sich zu ersten Mal und sagt, man wird sich zu gegebener Zeit zusammensetzen.
    Boateng sagt, dass mit ihm noch keiner gesprochen hat.

    Die einzigen, die offensichtlich ganz genau Bescheid wissen sind die Herrschaften von Bild.
    Die wissen mehr als der Spieler, der Trainer und der Sportvorstand.

    Antwortsymbol16 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Na ja, vielleicht sollte man den Zusatz “in dieser Klarheit” nicht so ganz überlesen…wie gesagt, feiner Rhetoriker, der Hansi…

      1. Wieso überlesen? Was gibt es den an der Aussage der Bild: “Der Vorstand hat entschieden, den Vertrag nicht zu verlängern.” Unklares?Doch eigentlich nichts.
        Und wenn es so ist, ist ja auch das von Brazzo angekündigte zusammensetzen völlig überflüssiger Mumpitz.

        Es sein denn, und das hat ein Flick sehr nett formuliert, dass man das in dieser Klarheit so nicht gehört hat.
        Er hätte es auch drastischer sagen können, aber er ist eben höflich.

      2. Na, da unterschätzt du womöglich doch die Feinheiten der Formulierung. Es geht nämlich auch so: Flick meint, er habe die Aussage zu Boatengs Zukunft, so wie Bild sie wiedergibt, “in dieser Klarheit” (nämlich der Bild-Formulierung) “nicht gehört”, nämlich nicht vom Vorstand. Tut mir leid, ein Dementi, dass es gar keine Überlegungen in diese Richtung gab/gibt, hört sich doch etwas anders an. Und Flick drückt ziemlich deutlich aus, was er davon hält, mit Boateng möglicherweise nicht zu verlängern, nämlich nichts.

      3. Also nochmal – wie sagte doch der Herr Sportvorstand in die Mikros von Sky: „Wir wissen alle, dass Jerome eine Vertrag bis zum 30. Juni 2021 hat. Wir werden uns mit ihm und seinem Management zu gegebener Zeit zuammensetzen und eine für beide Seiten faire Entscheidung treffen.“

        Wenn doch die Schlagzeile der Bild stimmt – was gibt es denn da zu entscheiden? Es ist doch angeblich alles entschieden? Also lügt der Sportvorstand?

        Oder gibt es etwa doch keine Entscheidung? Wofür natürlich spricht, dass keiner mit Boateng und ja anscheinend auch nicht mit Flick gesprochen hat.
        Der Vorstand entscheidet und spricht weder mit dem Trainer noch mit dem Spieler, sondern nur mit der Bildzeitung?
        Könnte es denn vielleicht sein, dass das Kapitel Boateng bisher noch gar kein Thema war? Warum auch?
        Und weil man gerade so schön beim Unfrieden stiften ist, macht man jetzt die nächste Baustelle auf – Süle.
        Gibt zwar eigentlich keinen Grund, aber egal.

      4. @Anton: Mein Ausgangspunkt sind die Äußerungen von Flick zur causa Boateng gewesen, so wie sie in der FAZ zitiert wurden (Kommentar zum vorigen Post). Diese wurden dann durch @Tobi ergänzt (lt. Spox), was du wiederum aufnimmst. MIR ging es darum, zu zeigen, wie angefressen Flick ob dieser Thematik iszu seins cheint. Er hat deutlich kommuniziert, wie ER, Flick, zu der Sache steht und auch betont, das Boateng ja wisse, wie ER (nicht der Verein oder Vorstand) seine Leistung einschätze. Will man also den “Klarheits”-Zusatz so interpretieren, dass an der Story der geplanten Nicht-Verlängerung, wie von Bild publiziert, rein GAR NICHTS dran sein soll, dann liegt man m.E. falsch. DARUM ging es mir.

      5. Kann es denn sein, dass mittlrweile all das, was von einem Trainer, einem Sportvorstand – egal zu welchem Thema – geäußert wird, erst einmal grundsätzlich in Frage gestellt wird.
        Aber alles was dieser Falk in seinem Schmierenblatt von sich gibt, gundsätzlich als bare Münze genommen wird.
        Dann kann man sich wirklich jede Diskussion schenken.

        Wenn ein Sportvorstand sagt, dass Boatngs Vertrag zur Zeit überhaupt kein Thema ist und man sich zur ggebener Zeit zusammensetzen wird; wenn ein Flick sagt, dass er das mit dem Vertragsende in dieser Klarheit nicht gehört hat. wenn ein Boateng sagt, dass mit ihm bisher keiner gesprochen hat – dann sind das dri Aussagen, die in sichj eigentlich schlüssig sind. Aber wer sind die drei schon, wenn doch ein Falk behauptet, dass der Vorstand entschieden hat!

        Ein Flick sagt in der PK, dass ein Süle noch Trainingsrückstand hat und noch nicht bei 100% ist – offenbar auch alles dummes Geschwätz, wenn man sieht, was der angebliche Bayern-Insider Falk daraus macht.

        Also beenden wir die Diskussion, denn sie ist sinnlos, wenn die Erfindungen eines Schmierfinks mehr Gewicht haben als die Aussagen der Vereinsverantwortlichen.
        Ein Maurice hat hier schon vor Wochen genau da thematisiert.

      6. @Anton:
        Da bin ich vollkommen deiner Meinung.
        Die “Angst, Hass, Titten und der Wetterbericht”-Zeitung setzt irgendwelchen Mist in die Welt und viele scheinbar intelligente Menschen glauben jedes Wort und verbreiten es weiter.
        Hier in diesem Forum auch sehr oft zu beobachten.

      7. Also, ich lese nie Bild, grundsätzlich nicht, aber ich denke, die Art und Weise, wie sich Flick geäußert hat, lässt wenig andere Interpretationen zu, als dass nicht nur das Massenblatt gemeint war. Kann man gerne ignorieren,… und wenn ihr alle meint, diese Äußerung von wegen “in dieser Klarheit nicht gehört” habe keinen Unterton, ja, dann kann ich euch auch nicht überzeugen. Fragt sich allerdings, dann, wieso er nicht gleich sagt, Äußerungen/Überlegungen dieser Art habe es nicht bzw überhaupt nicht gegeben. Mal dran gedacht?

      8. Wieso muss er überhaupt was dazu sagen?
        Wenn das Käseblatt eine erfundene Meldung raushaut müssen sich die Verantwortlichen dazu natürlich sofort äußern und für alle Welt offenlegen, wie die Pläne wirklich sind, am besten noch Gesprächsprotokolle und Vertragsinhalte veröffentlichen?
        Das ist ja ne einfache Masche.
        Darüber schon mal nachgedacht?

      9. Vielleicht unterscheidest du einmal die Aussage, die innerhalb ines längeren Interviews mit einer Zeitung gegeben wird, von dem was in eine laufende Kamera gesagt wird.
        Da war z.B die Aussge von Brazzo bei Sky an Deutlichkeit kaum zu überbieten.
        Die FAZ hat letztlich die Aussagen aus dem Interview mit der Welt übernommen.
        Und natürlich ist ein Flick angefressen.
        Es ist doch auch kein Wunder.
        Es ist doch nicht nur die angebliche Entscheidung des Vorstands, von der weder er, noch der Spieler etwas weiß und von der der Vorstand sagt, dass das im Moment überhaupt kein Thema ist.
        Obwohl die Vertragsangelegenheit FCB-Alaba letztlich nicht Sache des Trainers ist und er das auch klar und deutlich so gsagt hat, hinderte das einen Hellmann von sky nicht immer und immer und immer wieder nachzufragen.
        Und wenn ein Flick sagt, das ist Sache des DFB und nicht meine Baustelle – hindert das die Herrschaften bei der PK vor einem Bundesligaspiel überhaupt nicht daran immer und immer und immer wieder trotzdem zu fragen, ob er sich denn den Job als Bundestrainer……
        In der PK erklärt Flick, dass Süle nicht bei 100% ist – was ja dank Quarantäne und NM auch kein Wunder ist.
        Daraus wird dann Zoff und Verärgerung beim FCB gemacht, weil Flick sauer über Süls Übergewicht ist.
        Davon hatte Flick zwar nichts gesagt, aber Falk weiß bescheid!
        Und dann wundert sich noch irgendeiner, dass ein Flick angefressen ist?

        Ein Guardiola hat nie einen Hehl daraus gemacht, was er von den Medien hält – nichts.
        Die hat er entweder kommentarlos stehen lassen oder mit Antworten abgespeist, die jeder als Unfug einordnen konnte. Und irgendwann hat man es dann aufgegeben.
        “Was sagen sie zu der doch sehr durchwachsenen Leistung ihres Verteidigers Dante!” – “Ich liebe Dante! Ich möchte 1000 Dantes!”
        Das ar Guardiola! Ein Klopp wäre wahrscheinlich detoniert. Und ein Flick ist eben einfach angefressen.

        Und Flick äußert sich grundsätzlich nicht zu Vertragsverhandlungen. Er sagt, was er von dem Spieler hält – das ist auch seine Aufgabe.
        Er hat sich weder zu den Verhandlungen bei Nübel, bei Neuer, bei Thiago, bei Alaba oder auch bei Boateng getan – weil das auch nicht sein Job ist. So hat er es bei der NM gehalten und so hält er es weiter. Ob das allen gefällt, ist eine andere Sache.

      10. Wohlfahrt – das da noch keiner drauf gekommen ist!
        Irgendeinen Müll in die Welt setzen und dann darauf warten, dass der Betroffene es richtig stellt.

        Man muss sich doch nu den “Fall Boateng” ansehen.
        Mittwochs tagen die Vereine in Frankurt – Donnerstags der Vorstand des FCB.
        Ergebnisse vom Mittwoch – uninteressant! Stattdessen – Boateng!
        Und bis einschließlich Freitag NACH der Länderspielpause gibt es von Seiten des Vereins incl. Trainer KEINE einzige Aussage.
        Wahrscheinlich sind die auch alle 10 Tage in der Säbener Strasse wortlos aneinander vorbeigelaufen.

        Aber wenn Falk das sagt!

      11. Egal was er zu dieser Bild-Meldung sagt, irgendjemand liest zwischen den Zeilen, aus der Betonung oder dem Gesichtsausdruck beim beantworten genau das was er lesen will.
        Und wenn er gar nichts dazu sagt, dann heißt es “ja, wenn er es nicht dementiert, dann wird es wahr sein”
        Menschen fangen ist so einfach.
        Darüber schon mal nachgedacht?

    2. Ihr müsst mir nichts über die Arbeitsweise von Bild erzählen, und ich bin auch niemand, der hier Artikel aus dem Boulevard verlinkt, da gibt es andere. Nur. Flick hat nun mal gesagt, was er gesagt hat, und so, wie er es gesagt hat, und arüber kann man sich Gedanken machen. Er ist medienprofi genug, lange dabei, ich denke, er hat seine Worte mit Bedacht und wohl gewählt.

      1. Habs mir jetzt nochmal angehört und ich muss dir zustimmen. Die Betonung beim Wort “Klarheit” lässt keinen Zweifel zu, Bild hat recht.

      2. Schön, gewohnt respektvoll im Umgang mit anderen Meinungen!

      3. “… und wenn ihr alle meint, diese Äußerung von wegen “in dieser Klarheit nicht gehört” habe keinen Unterton, ja, dann kann ich euch auch nicht überzeugen.”
        In diesem Satz lese ich die Untertöne und die sind nicht sehr respektvoll. Also den Ball lieber mal flachhalten.

  19. Nur mal ein Gedankenspiel: falls Alaba bis Weihnachten nicht noch umschwenkt, sollte man versuchen, ihn zu verkaufen und dafür Eriksen kaufen. Inter gab heute bekannt, dass man ihm keine Steine in den Weg legen will. Er ist zwar kein Sechser, aber ein technisch starker, pressingresistenter Spieler, der uns im Mittelfeld gut tun würde, vor allem, wenn Kimmich nicht spielen kann. Mit Eriksen könnte man auch ein 4-1-4-1 spielen.
    Für das Abwehrzentrum sollten Boateng, Süle, Hernandez und Nianzou reichen, zur Not könnten auch noch Pavard und Martinez im Zentrum ran.

  20. Interessanter Artikel. Vor allem die Kommentare. “https://www.tz.de/sport/fc-bayern/fc-bayern-muenchen-jerome-boateng-hansi-flick-joshua-kimmich-vertrag-stimmung-90107331.html#idAnchComments”

    Großartiges Zitat eines bekannten Foristen :
    “Flick ist der einzige Grund für den turnaround und die sensationelle Saison.
    Trotz unseres HassanHansel der alles aber alles tut um das Leben schwierig zu machen
    Warum schützt man den und nervt unseren Hansi?”

    Wer könnte der Forist sein? Siebziger Jahre Fan? 918 aus Kassel? Rosaroter Panther?
    Fragen über Fragen …

  21. Ob man Alaba verkaufen soll? Naja, das kommt darauf an, wie die Ziele des FCB für diese Saison sind. Will man in der wirtschaftlich schwierigen Situation, die bis zum Ende der Corona-Krise nicht besser wird, so sparsam agieren, wie nur irgendwie möglich, dann wäre ein Verkauf in der Winterpause sicher zu erwägen. Ich denke wirtschaftliche Erwägungen waren auch ein Hauptgrund dafür, dass unsere Mannschaft – trotz CL-Millionen – kaum große Sprünge auf dem Transfermarkt veranstaltet hat, was ich persönlich für vernünftig hielt und halte. Ich glaube allerdings nicht, dass ein Verkauf Alabas in der jetzigen Situation eine Überlegung sein wird. Diverse Impfstoffe sind in Aussicht und wer gesund und/aber reich ist, wird bei der Verteilung sicher nicht hintanstehen müssen, also kann man sich darauf einstellen, dass allenthalben bald wieder gewirtschaftet wird wie zuvor. (Hurra!)

    Will man in der CL auch dieses Jahr wieder eine halbwegs wichtige Rolle spielen und vielleicht sogar bei der Club-WM im Februar noch einen Titel mitnehmen (alle anderen ‘Großen’ sind schließlich ebenfalls gebeutelt), kann man mMn auf Alaba keinesfalls verzichten. Egal wie man nach all dem Hickhack um ihn zu Alaba steht, ist er auf dem Platz ein Führungsspieler und in der Abwehr gibt es derzeit keinen zweiten, der diese Rolle wirklich ausfüllen könnte: Boateng nicht, Süle und Hernadez auch nicht wirklich, Pavard, Sarr und Davies sowieso nicht und dass ein Neuzugang oder einer der Jungen nachrückt und dann den Laden schmeißt und wenn nötig Kommandos gibt, ist auch illusorisch – das dauert seine Zeit. (Wie unglaublich wichtig Führungsspieler in jedem Mannschaftsteil sind sind, kann man bei der DIE MANNSCHAFT sehen – besonders seit Löws Ego das einzig erwünschte in und um DIE MANNSCHAFT ist – mit der einzigen Ausnahme von Kimmich, um den man wohl beim besten Willen nicht herumkommt. Hoffentlich endet dieser Spuk bald und wir sehen wieder eine deutsche Nationalmannschaft mit Ecken und Kanten und Führungsspielern und Spaß an der Sache!)

    Auch wenn wir momentan beim FCB in einer Findungsphase sind (aka: Bald die nächste große KRISE beim FC Hollywood!), bei der vieles ausprobiert wird und etliches sich nicht als besonders zielführend erweist, wie die schwächeren Auftritte gegen die ‘Kleinen’ zeigen (die es bekanntermaßen im gesamten Weltfußball gar nicht mehr gibt und das schon seit Jahrzehnten), habe ich keine großen Sorgen, dass wir diese Saison verkacken, weil in den wichtigen Spielen dann doch wieder die Führungsspieler von Anfang an auf dem Platz stehen und den Laden zusammenhalten/-brüllen, bis der Sieg eingefahren ist und erst danach ausgewechselt wird. Das ist für mich auch einer der ganz große Unterschiede zum letzten Jahr – da standen wir nach der Kovac-Ära dermaßen mit dem Rücken zur Wand, dass man sich diese Experimente nicht leisten konnte und praktisch immer von Anfang an mit den Besten auflaufen musste. Ich glaube kaum, dass es diese Saison soweit kommt und solche Spiele wie gegen Bremen nimmt man in Kauf, um den ‘zweiten Anzug’ zu testen und auch zu fördern, aber die wichtigen Spiele werden wir hoffentlich weiter mit dem ‘ersten Anzug’ dominieren. Ich würde oft auch gerne andere Spieler auf dem Platz sehen, aber ich denke, dass Flick schon weiß, was er gerade testet und warum. Sobald es wichtig wird, erwarte ich keine ‘Test-Elf’ auf dem Platz.

    Damit zurück zu Alaba: Der Mann ist mMn derzeit für die bestmöglich Funktion der Abwehr unerlässlich und ohne ihn werden wir international nicht sonderlich weit kommen und national ganz schön ins Schwimmen geraten, bevor wir dann (natürlich) trotzdem Meister werden. Es wäre also sträflich, ihn im Winter zu verscherbeln. Um einen Abfall der Leistung muss man sich, denke ich, weder bei Alaba noch bei Boateng Sorgen machen, auch wenn sie irgendwann ganz sicher gehen sollten, u. a. weil die Leistung dieser Saison den Ausschlag dafür geben wird, welche Vereine sich für sie interessieren werden und was sie dort verdienen können. Ich muss gerade an einen Ballack oder einen Kroos denken, die beim FCB wirklich überragend waren, wenn sie für ihren nächsten Vertrag hier oder woanders gespielt haben – eigentlich nur dann – und wieder normal, sobald die Tinte unter den Verträgen zu trocknen angefangen hat. Bei Alaba und Boateng könnte ich mir sogar vorstellen, dass sie sich auf jeden Fall – auch nach unterschriebenen Verträgen wo auch immer – bestmöglich verabschieden wollen, nicht beim Vorstand, nicht einmal bei den Fans, sondern bei bei ihrem Team incl. Trainer und Stab, nach diesem außergewöhnlichen letzten Jahr.

    Ob das was jetzt kommt genau mit meiner Meinung übereinstimmt, darf man gerne bezweifeln und erfahrungsgemäß stimmt das eher selten zu 100 Prozent, aber jetzt bin ich gespannt ob dieser Beitrag auch wieder gelöscht wird – dann war das definitiv mit 100-prozentiger Sicherheit mein letzter!

  22. Es scheint fast so das der Sportvorstand in Schallgeschwindigkeit das erfolgreiche Team zerlegen will.
    Thiago Alaba Boa Süle- wer will noch mal wer hat noch nicht?
    Was ist mit den Vertragsverlängerungen mit Kimmich Goretzka Gnabry Süle.
    Letzten Sommer als alle hier über Sane etc diskutiert haben war schon klar das die größte Herausforderung sein wird die Vertragsverlängerungen mit den vier Leistungsträgern Neuer Müller Thiago Alaba rechtzeitig unter Dach und Fach zu bekommen. Das hat ja mehr schlecht als recht geklappt. Jetzt scheint es das man aus diesen doch sehr holprigen Verhandlungen mit langjährigen Leistungsträgern nicht viel gelernt hat. Denn die jetzt wiederum an die Öffentlichkeit gelangten Informationen bzgl Boa und Süle sind einfach nicht nachvollziehbar.

    Man kann ja im Fall Neuer noch von einem Missverständnis bzw Fehler sprechen aber die sich immer wieder wiederholenden leaks und abstrusen Vorgehensweisen nicht einfach nicht Bayern like.

    Sehr sehr traurig was der Sportvorstand da abliefert, manchmal hat man den Eindruck er gönnt unserem famosen Trainer Flick den Erfolg nicht so recht.
    Macht natürlich keinen Sinn, aber was treibt dieser Vorstand da? Und wenn nicht er als Vorstand soll für das desaströse Erscheinungsbild verantwortlich sein?

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    1. Immer diese Verschwörungstheoretiker. Kommst du aus Kassel?

    2. Und täglich grüßt das Murmeltier

    3. Der Sportvorstand wird es Dir ohnehin nie recht machen können, solange er Salihamidzic heißt. Das wissen nun inzwischen wirklich alle zur Genüge, so dass es der dauernden Wiederholung nicht bedarf. Es ermüdet einfach, das immer und immer wieder zu lesen.

  23. Das Unentschieden ist kein Beinbruch. Bremen hat sich das verdient und hätte am Ende durchaus noch den Sieg mitnehmen können.
    Das Musiala von Anfang an spielen durfte fand ich gut. Hat er sich verdient.
    Was mich ein wenig stört ist die permanente Reservistenrolle von Roca und das ich das Gefühl habe, dass Flick Probleme hat Ballbesitzfussball zu etablieren und das er scheinbar nicht so gut reagieren kann, wenn sich der eigene Plan nicht durchsetzt.

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Bei Süle sieht man, dass Flick recht kompromisslos vorgeht wenn die Spieler körperlich nicht liefern. Roca ist jetzt 2 Monate da und keiner von uns weiß bzw. kann beurteilen in wie fern körperlich mit ihm gearbeitet wird um das Level der restlichen Mannschaft zu erreichen. Wenn er abseits vom Platz gerade hart arbeitet riskiert Flick halt auch unnötig Verletzungen bei ihm wenn er ihn jetzt auf den Platz wirft und 90 Minuten Vollgas geben lässt.

      Weiter bekleidet er dann eine entscheidende Position auf dem Spielfeld. Er muss die Abläufe und Aufgaben zu 100% verinnerlichen und da braucht es auch ausreichend Zeit um ihn nicht verfrüht den Medien zum Fraß vorzuwerfen.

      Aber ja, ich hoffe und wünsche dass er demnächst auch endlich in die Startelf kommt. Vor ein paar Monaten hatten wir ähnlich über Hernandez gesprochen und heute ist er kaum wegzudenken.

      Und btw., wenn man gerade das 2. Mal Unentschieden gespielt hat bei 3 Niederlagen in inzwischen über 50 Spielen kann kaum die Rede davon sein, dass der Plan nicht funktioniert. Nach der großen Rotation war halt Sand im Getriebe, war noch nie anders in den vergangenen Jahren und wie du schreibst: Bremen hat verdient den Punkt mitgenommen und für uns ist es kein Beinbruch.

      Ohne Rotation würden wir dann im Frühjahr die Punkte liegen lassen und Spiele verlieren. Von mir aus ist daher alles in bester Ordnung.

  24. […] Was ist grün und stoppt die Bayern? | Maurice […]

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