Vorschau: FC Bayern München – SV Werder Bremen

Justin Trenner 20.11.2020

In den letzten 13 Auswärtsspielen beim FC Bayern gelang Werder Bremen kein einziger Sieg. Zwei Unentschieden aus den Jahren 2009 und 2010 sind das Beste, was sie in diesem Zeitraum vorweisen können. Im Vergleich zur Gesamtbilanz seit 2009 ist das aber fast noch verharmlosend. 27 Pflichtspiele in Serie konnten die Bremer gegen den Rekordmeister nicht gewinnen.

Dass sich ausgerechnet am kommenden Wochenende etwas daran ändert, ist eher unwahrscheinlich. Ein kleiner Mutmacher ist der ordentliche Saisonstart der Grün-Weißen: zwei Siege, vier Unentschieden und erst eine Niederlage (zum Auftakt gegen Hertha) bedeuten derzeit Platz 9 mit sieben Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Alles im Soll also – und Bayern nur ein Spiel, das man im Nachhinein notfalls auch ausklammern kann aus der Bewertung? Vielleicht. Eine andere Betrachtungsweise ist, dass die Gegner bisher alle aus der unteren Tabellenhälfte kamen. Keiner von ihnen steht in der Tabelle vor Werder.

Für einen Abstiegskandidaten ist es durchaus wichtig, in diesen direkten Duellen möglichst viele Punkte mitzunehmen. Andererseits sind zwei Siege womöglich auch zu mager. Bayern, Wolfsburg, Stuttgart, RaBa und Dortmund lauten die kommenden Gegner. Alle stehen aktuell vor der Mannschaft von Florian Kohfeldt. Insbesondere die Partien gegen den VfL Wolfsburg und den VfB Stuttgart werden wohl richtungsweisend sein. Läuft es aber ganz schlecht, steht Werder nach diesen Spielen wieder ganz weit unten.

Werder Bremen: Keine Chance gegen die Bayern?

Vergegenwärtigt man sich die jüngst Bilanz gegen die Bayern, gehen die harten Wochen für die Bremer sehr wahrscheinlich mit einer Niederlage los. Doch in Stein gemeißelt ist diese noch nicht. Werder mag kaum eine Chance haben, aber die gilt es irgendwie zu packen.

Von erholten Bayern kann ob der Länderspielpause keine Rede sein. Taktgeber Joshua Kimmich fällt lange aus, Alphonso Davies ebenso. Hinzu kommen vereinzelte muskuläre Probleme, die Medien gerüchteweise streuten. Robert Lewandowski, Niklas Süle, nahezu alle französischen Nationalspieler im Team – wirklich ausfallen wird wohl “nur” Corentin Tolisso, aber allein die Anzeichen erster muskulärer Verschleißerscheinungen lassen bereits den Schluss zu, dass die kommenden Wochen bis zur kurzen Weihnachtspause kräftezehrend werden.

Bremen konnte es sich hingegen erlauben, einige Nationalspieler nicht abzustellen, weil es die Situation erlaubte. Der Grund: Bei einer Abstellung in Risikogebiete kann der Verein ein Veto einlegen.

So kann Bremen vielleicht doch etwas mitnehmen

Aufgrund der geringeren Anzahl an Nationalspielern und der dann noch eingesparten Reisen bei einigen von ihnen dürfte Bremen also prinzipiell die ausgeruhtere Mannschaft sein. Angesichts des breiten Kaders der Bayern und weil wichtige Stützen wie Thomas Müller oder Jérôme Boateng sich ebenfalls ausruhen konnten, ist die große Frage, wie sehr das ins Gewicht fallen wird.

Bayern wird darauf aus sein, das Spiel möglichst früh zu entscheiden. Viel Druck nach vorn, schnelles Anfangstempo, viele Abschlüsse, vielleicht auch viele lange Bälle, um Werder direkt durch das eigene Gegenpressing hinten reinzudrücken.

Für Bremen wird vieles davon abhängen, wie sie die erste Halbzeit überstehen. Es ist damit zu rechnen, dass Kohfeldt wie so oft in dieser Saison (beispielsweise gegen Hoffenheim) auf einen sehr defensiven Ansatz zurückgreift. Vielleicht eine Fünferkette, sehr wahrscheinlich ein kompaktes Mittelfeld, maximal ein tiefes Mittelfeldpressing, in den meisten Phasen sogar ein Abwehrpressing, selten das Herausschieben in höhere Spielfeldzonen.

Nur Abwehrpressing wird nicht funktionieren

Es ist fraglich, ob dieser Ansatz vielversprechend ist. In den letzten direkten Duellen war Bremen immer dann gut, wenn sie nichts zu verlieren hatten und mitunter mutiger nach vorn agierten – meist im Pokal. In der Liga hingegen machte das eigene Defensivsystem eher den Eindruck, als würde man nur auf das 0:1 warten, um dann auseinanderzufallen. Zu abwartend, zu passiv – kompakte Defensivreihen sind gegen den FC Bayern wichtig, aber wenn statt guter Kombinationen durch das Zentrum dann eben irgendwann die individuelle Klasse nach einer Flanke für die Führung sorgt, ist das auf dem Papier auch egal.

Kohfeldt sollte seiner Mannschaft deshalb mit auf den Weg geben, dass sie sich nicht nur stur hinten einigelt. Ohne Kimmich und Tolisso wird das Mittelfeld der Bayern wohl aus Müller, Leon Goretzka und einem aus Marc Roca oder Javi Martínez bestehen. Technisch ist das nicht die feinste aller Klingen – zumindest vor dem Hintergrund, dass Roca bisher noch keinen richtigen Rhythmus aufnehmen konnte.

Ein Angriffspressing wäre wiederum auch das falsche Extrem als Lösung, aber warum nicht mal versuchen, das zu Teilen neu zusammengesetzte Mittelfeld der Münchner aggressiver zu stören? Es wäre nicht nur der mutigere Ansatz, sondern auch jener, der am ehesten die sehr geringe Wahrscheinlichkeit auf einen Punktgewinn mit sich bringt.

Werders Probleme im Spiel nach vorn

Werders Probleme sind sicher vielschichtig. Verkürzen lassen sie sich im taktischen Bereich darauf, dass einerseits der eigene Spielaufbau nicht optimal funktioniert und andererseits die Wege in die Offensive aus einer tief gestaffelten Formation so weit sind, dass im Umschaltspiel Substanz und Tiefe fehlen.

So wird es dann eben auch gegen eine defensiv zurzeit anfällige Bayern-Mannschaft schwer, hinter die hochstehende Kette zu kommen. Kohfeldt fehlt im defensiven Mittelfeld ein Spieler, der Pressingresistenz und ein sauberes Passspiel in die Spitze vereint. Weiter vorn täte dem Werder-Spiel jemand wie Max Kruse gut, der nicht nur selbst Torgefahr ausstrahlt, sondern auch durch seine abkippenden sowie ausweichenden Bewegungen Räume für seine Mitspieler öffnet.

Viele Transfers (beispielsweise jener von Davie Selke) sind in den letzten Jahren mindestens fragwürdig gewesen. Es liegt deshalb sicher auch an der Zusammensetzung des Kaders, dass die Mannschaft unter Kohfeldt keinen guten Ballvortrag hinbekommt. Gegen Köln fiel Bremen gegen eine tiefstehende Mannschaft so gut wie nichts ein. Andererseits muss konstatiert werden, dass die Entwicklung stagniert und kurzzeitige Fortschritte eher zufällig wirken. Das erschwert es, Kohfeldt für die letzte Saison und viele jetzt erneut auftretende Schwachstellen in Schutz zu nehmen.

Die erste Spielphase ist gegen Bayern womöglich entscheidend

Bremen braucht am Wochenende die richtige Mischung aus Glück, Mut und Effizienz. Die zwei letzteren Punkte erklären sich von selbst, beim Glück geht es vor allem ums Aus- und Durchhalten der ersten Spielphase. Kommen die Bremer mit einem Unentschieden oder sogar mit einer überraschenden Führung in die Pause, haben sie zumindest eine Ausgangsposition, die Bayern ans Limit bringen wird.

Ein Punktgewinn mag auch dann noch längst nicht wahrscheinlich sein. Doch Kohfeldt und seine Mannschaft haben in München die Mini-Chance, den Saisonstart zu vergolden. Es ist nicht so, dass die Bayern gar nichts anbieten würden. Allein die Partien gegen Hoffenheim und Hertha zeigen, dass es nicht unmöglich ist, ihnen Punkte abzunehmen.

Wenn alle Sterne richtig stehen, Bremen eine disziplinierte Defensivleistung auf den Platz bringt und dabei nicht nur auf Schadensbegrenzung aus ist, ist vielleicht was drin. Im Prinzip hat Werder keinen Druck. Ein halbwegs ordentlicher Saisonstart und die klare Außenseiterposition würden es ihnen erlauben, mehr zu tun als das Übliche gegen die Bayern. Die Frage ist, mit welcher Einstellung sie in die Partie gehen. Lieber möglichst wenige Gegentore und das vermeintliche Schicksal der Niederlage akzeptieren? Abhaken und weiter? Dann ist die Partie schon verloren.

Bayern ist nicht unverwundbar

Für den FC Bayern ist dieses Spiel ohne Zweifel eine Pflichtaufgabe. Hansi Flick wird im Hinterkopf haben, dass Salzburg in der englischen Woche der härtere Gegner sein könnte. Gleichzeitig weiß er darum, dass der Gruppensieg in der Champions League bereits jetzt nur noch Formsache ist.

Es wird deshalb spannend zu sehen, wie der Bayern-Trainer rotiert und wer gegen Bremen eine Pause bekommt. Auch das könnte die Chancen der Gäste nochmal steigern, wenn man sich an den schwachen Auftritt der Münchner in Köln erinnert.

Das sollte sich Werder trotz aller Wahrscheinlichkeiten hinter die Ohren schreiben – und dementsprechend mit einer angemessenen Portion Mut nach München reisen. Nur dann kann es ein interessantes und spannendes Fußballspiel werden.



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  1. Flick sollte Alaba neben Goretzka stellen.
    Und Müller raus.
    Boateng, Süle, Hernandez, Pavard, Sarr – gibt ja genug Abwehroptionen, die fit sind.
    Ansonsten wird das schon morgen, die Offensivpower wird es richten.
    Sane bitte von Anfang an.
    Und Müller raus.

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Ja klar. Einen unserer effektivsten Spieler, den verlängerten Arm des Trainers auf dem Feld, den (Pressing-)Antreiber, der auch noch ausgeruht ist, rausnehmen. Macht Sinn.

      1. @Nkls: Vielleicht ist ja gemeint, dass er sich nocht etwas ausruhen darf mit Blick auf die anstehenden englischen Wochen.

  2. Neuer
    Pavard Boa Alaba Lucas
    Goretzka Roca
    Müller
    Sane Lewa Gnabry

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. @918…schätze Flick rotiert wesentlich mehr. Stehen viele Spiele an.
      Daher:
      Nübel
      Sarr Boa Nianzou Lucas
      Goretzka Roca
      Müller
      Costa Lewa Gnabry
      (sobald das Ergebnis klar ist dann Choupo für Lewa und 2Halbzeit Sane für Gnabry)
      wobei Neuer wahrscheinlich ungern auf die Bank geht.

  3. Im unrühmlichen Spanien-Spiel der Nationalelf konnte man am Gegner studieren, wie wichtig Ballkontrolle, Pressing- und Passsicherheit bei allen Spielern sind. Hier wurde ja unlängst von einschlägiger Seite angezweifelt, dass das für alle Positionen nötig sei. – Ach ja, und gut ausgesehen hat es auch, das Spiel der Spanier. Jetzt ist nur die Frage, ob man das eventuell auch lernen kann, oder ob es sich dabei um angeborene Fähigkeiten handelt —die Ethnologen rätseln noch… :-)

    Antwortsymbol4 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Das ist natürlich absolut richtig .
      Technisch taktisch und mental total überlegen.

    2. Um mal Parallelen zum Vorjahr zu ziehen: Ich denke, dass man mit einer Nationalmannschaft, deren Kern 7 Spieler der Aufstellung vom Dienstag einschließt, gute Chancen hätte, bei den nächsten Turnieren etwas zu reißen, wenn man den Trainer tauscht. Ich erkenne momentan ziemliche Parallelen zwischen dem FCB im Herbst 2019 und der deutschen Nationalelf: In den meisten Spielen nicht wirklich schlecht, Ausreißer nach oben und auch nach unten und überahupt keine Konstanz, eklatante Abwehrschwächen und Abhängigkeit von individueller Klasse nach vorne, krasse Schwankungen innerhalb von Spielen…..
      Wir haben diese Probleme lösen können, indem wir auf einer Position getauscht haben, nämlich beim Trainer. Selbiges wäre auch bitter nötig bei der Nationalelf. Nach dem Frankfurt-Spiel im Vorjahr schienen einige froh zu sein, dass es nicht nur eine Niederlage wurde, sondern ein Debakel, weil man auf diese Weise sah, dass es nicht mehr so weitergehen kann. Mir schien es so, dass man auch innerhalb der Nationalmannschaft nicht traurig darüber war, dass es kein 1:3, sondern ein 0:6 wurde, da somit eigentlich auch der Blindeste merken müsste, dass es nicht mehr passt. Leider ist man beim DFB scheinbar nicht so eingestellt wie bei Bayern und leider hat Löw weniger Gespür dafür, wann seine Zeit zu Ende geht als Kovac es letztes Jahr hatte.
      Wer übrigens keinerlei Berechtigung auf einen Stammplatz mehr hat, ist Toni Kroos. Als Sechser ist er zu lauf- und zu zweikampfschwach. Trotzdem will er das Spiel aus der Sechserposition heraus gestalten, weil er da einfach mehr Platz und Zeit kriegt als in den Zonen weiter vorne. Als Achter geht ihm ebenfalls die Laufstärke und das Tempo ab und mittlerweile auch die Torgefahr. Wo er früher noch öfters zu gefährlichen Abschlüssen kam, ist er mittlerweile kaum mehr in der Lage, sich überhaupt in gefährlichen Bereichen zu positionieren. Er ist auch nicht fähig, sich auf engstem Raum durch Dribblings oder schnelle Sprints Freiräume zu suchen, was ihn für die 10er-Position zu statisch macht. Als Anführer im Mittelfeld ist er zudem generell viel zu leise und passiv. Summa summarum muss man sagen, dass wir (selbst wenn Löw weiterhin auf Müller verzichten sollte) in einem Dreiermittelfeld für jede Position bessere Alternativen haben. Als Sechser ist Kimmich vom Gesamtpaket her mittlerweile meilenweit enteilt, als Achter kann Kroos Goretzka derzeit auch keinesfalls Paroli bieten und als Zehner muss man (wenn Müller angeblich zu alt ist) so konsequent sein und auch auf Havertz setzen.
      Legt man die Argumentation zutage, die Löw bei Müller, Boateng und Hummels anwendete, dann müsste die Karriere von Kroos in der Nationalelf sogar beendet sein, da er den Aufbau von neuen Hierarchien stört und jüngere Spieler blockiert. So weit würde ich nicht gehen und ihn natürlich weiter nominieren. In der Startelf hat er aber – sofern Kimmich, Goretzka und Havertz – fit sind momentan nichts zu suchen.
      Das ist übrigens kein Kroos-Bashing eines verbitterten Bayern-Fans wie man hier auch schon öfters lesen musste, wenn jemand es wagte die Brillanz von Toni Kroos anzuzweifeln. Ich bin einfach der Meinung, dass er seinen Zenit überschritten hat, genauso wie das im Frühjahr 2018 bei Hummels, Boateng und Müller der Fall war. Diese drei haben sich aber allesamt wieder auf internationales Topniveau zurückgekämpft, während Kroos spätestens seit dem CL-Sieg 2018 mit Real weder im Verein noch in der Nationalmannschaft bewiesen hat, dass er nachwievor ein Mittelfeldspieler von Weltformat ist. Auch wenn ihn Zidane fleißig lobt, bin ich mir sicher, dass er Kroos persönlich nach Manchester eskortieren würde, wenn er dafür Pogba mitnehmen könnte.

      1. @willy
        Gut zusammengefasst.
        Kroos Reus Can gehören nicht in die NM

      2. @918: zumindest nicht in die Startelf. Im Kader bei einem Turnier wären Reus und Kroos bei mir schon dabei, Can eher nicht.

  4. Hab den Post gar nicht so als Kritik an Löw gedacht. Die Frage wäre ja auch, wer ihn ersetzen könnte, realistischerweise (Kuntz?, Rangnick?…) Mir ist nur aufgefallen, wie die Spanier es schaffen, bei Spielergeneration um Spielergeneration solche hohen technischen Standards zu etablieren, die basics so ausgezeichnet eintrainiert bekommen. In unserer Nationalmannschaft hakt es im Augenblick vor allem in der Abwehr, ohne Kimmich war auch das Mittelfeld nicht engagiert genug. Und von denen, sprich: Kroos, Gündogan, Goretzka hätten noch am ehesten die Impulse kommen müssen. Hab nicht die entsprechenden Werte nicht angeschaut, aber es war schon deprimierend zu sehen, wie wenige Zweikämpfe wir gewonnen haben, wie fragmentiert das Passspiel war, während bei den Spaniern das alles lief wie am Schnürchen.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Sorry, ist aus irgendeinem Grund verrutscht, hätte im Thread zum vorigen Post kommen sollen…

  5. Gibt es eine bessere Achse als Kimmich, Goretzka und Müller.

  6. Aaaah, das N11-Thema. Ich war schon gespannt, ob es hier auch ankommt. :-)

    Zu Löw selbst ist ja schon viel gesagt: Zu einseitige Spielerauswahl aufgrund seiner Liebe zum Tiki-Taka, falsche 9, die Ausmusterungen von Müller etc. …

    Was mir aber zu kurz kommt: Außer im Tor und im MF gibt es doch kein Reservoir an international erstklassigen deutschen Spielern (mehr).

    MMn hat man den Titel 2014 gewonnen, weil man in Klose und Lahm großartige “last men standing” auf zwei Schlüsselpositionen aufbieten konnte. Dies ist nicht mehr der Fall…

    ESPN hat ja provokativ formuliert, dass “Die Mannschaft” sich seit 2014 kontinuierlich verschlechtert habe. Das würde ich auch unterschreiben – nur eben neben Löws zu einseitiger Technikverliebtheit AUCH infolge mangelnder Alternativen:

    Ich verfolge Fußball seit über 35 Jahren. NOCH NIE gab es mMn so weinig Alternativen in der Verteidigung (alle 4 Positionen) und im Sturm – ich meine nicht Jogis “Tanzmäuse”.

    Ist da ggf. mehr schief gelaufen, als Klopp, Flick, Rangnick etc. kitten können?

    Antwortsymbol6 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. So schlecht sind wir jetzt auch nicht aufgestellt, was starke Spieler angeht. Eine Mannschaft muss nicht nur aus Weltklasse-Spielern bestehen, das war auch 2014 nicht der Fall. Zumindest Höwedes kann man dieses Prädikat nicht verleihen und auch die Leistungen von Özil waren bei der WM 2014 höchstens auf durchschnittlichem Niveau. Sie wurden halt von anderen mitgezogen und erledigten ihren Job. In diese Kategorie würde ich beispielsweise auch Spieler wie Pavard bei uns einordnen. Sicherlich für sich gesehen nicht unbedingt ein Weltklassespieler, aber in einer funktionierenden Mannschaft umringt von starken Spielern, kann er auf höchstem Niveau gut mithalten und teilweise sogar Akzente setzen. Wichtig ist also, dass man ein paar starke Spieler hat, die andere Spieler mitziehen können und ihnen Hilfen im Spiel geben könnten. Die hätten wir auch, wenn man nur mal Hummels, Boateng und Müller nimmt. Sie verkörpern mittlerweile alle drei wieder internationales Topniveau und könnten Abwehr und Angriff neuen Halt geben. Süle, Ginter und auch die beiden Leipziger Klostermann und Halstenberg könnten davon schon profitieren. Keiner der vier ist natürlich Weltklasse, aber im richtigen System und mit den richtigen Mitspielern können alle vier auf höchstem Niveau mithalten, was alle in der CL schon bewiesen haben. Im Angriff ist es ähnlich. Auch hier brauchen Spieler wie Gnabry, Sane und Werner mal jemanden, der sie anweist. Vom Niveau her wäre der deutsche Angriff sicherlich nicht schlecht. Ein Mittelstürmer geht natürlich ab. Vielleicht hat man ja zumindest in 2-3 Jahren mit Moukoko eine Alternative.
      Wenn ich mir so anschaue, wer zuletzt die großen Turniere gewonnen hat bzw. im Finale stand, dann waren das selten Teams, die von Position 1-11 ausschließlich aus Topstars bestanden. Selbst Frankreich ist hier keine Ausnahme, wenngleich die Anzahl an Topspielern momentan schon sehr hoch ist. Aber Portugal 2016, Kroatien 2018, Argentinien 2014? Die hatten allesamt eine Handvoll Ausnahmekönner in ihren Reihen und ansonsten Spieler auf einem Niveau, das auch viele deutsche Nationalspieler verkörpern.

      1. @Willy
        Fußball-Derivate: Qualitative Hebelprodukte – modern, reizvoll, hoch riskant.

      2. Hummels und Boa hat genau einmal optimal geklappt am 13.07.2014

        Ansonsten ist es richtig was Du sagst.

        Neuer
        Ginter Süle Boa Klostermann
        Kimmich Goretzka
        Müller
        Gnabry Werner Sane

        Problem gelöst

      3. @918: dazu noch eine Bank u.a. mit Hummels, Gündogan, Kroos, Havertz und Reus. So schlecht wären wir in Deutschland personell eigentlich gar nicht aufgestellt.

      4. @willy
        Funktioniert aber nur mit einem neuen Trainer der modern wie wir spielt.
        ZB Rangnick

    2. Neben Ralf Rangnick würde ich auch Thomas Tuchel den Job als Nationaltrainer zutrauen.

      Gruß,
      Thomas.

  7. @Mehmet68… „Ist da ggf. mehr schief gelaufen, als Klopp, Flick, Rangnick etc. kitten können?“
    M.M.n. könnte einer der genannten Trainer das i.O. bringen. Löw seine 2014 Weltmeister waren z.T. auf Ballbesitzfussball
    (Guardiolas Bayern) geprägt. Nach der EM wollte Löw das System auf ein schnelles Umschaltspiel mit mehr vertikaleren Elementen
    und mehr Geschwindigkeit umstellen. Erstmal ein Ansatz, der zumindest nachvollziehbar ist. (Ancelotti und Kovac dachten ähnlich).
    Viele internationale und deutsche Mannschaften spielen zur Zeit so.(wir auch). Für diese Spielweise muss jedoch eine absolute körperliche
    Fitness und Laufbereitschaft da sein. Zudem ist es wichtig das die Mannschaft zusammen verteidigt und angreift. Dieses setzt jedoch
    einiges an Training und Eingespieltheit voraus. Hieran mangelt es ohne Zweifel. Speziell beim anlaufen des ballführenden Spielers gibt es in den Vereinen durchaus unterschiedliche Herangehensweisen. Die pressende Mannschaft läuft permanent ins leere. Ich erinnere mich da gerne an eine kapitale Niederlage von Bayern gg. Barcelona als van Bommel gefragt wurde, warum er nicht mal dazwischen gehauen hat.
    Antwort:“Weil der Ball immer weit weg war, wenn wir da waren.“
    Zudem muss man für diese Spielweise die richtigen Spieler haben. Gerade im Mittelfeld ist Kroos m.M.n dafür nicht geeignet. (Aktionsradius, Geschwindigkeit, Ausstrahlung…) Ob es bei einer optimalen Zusamenstellung der Mannschaft und eines neuen Trainerteams für ganz oben reicht, kann ich nicht unterschreiben. Besser als z.Z. geht es allemal. Ich würde gerne mal Rangnick in der Verantwortung sehen.
    …“ NOCH NIE gab es mMn so weinig Alternativen in der Verteidigung (alle 4 Positionen) und im Sturm.“. +1
    und darum fallen uns solche Spieler wie Haaland auch direkt auf. Sowas fehlt uns seitdem Klose weg ist.

    Antwortsymbol5 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Ich kann Mehmet68 nur zustimmen; die Nationalmannschaft hat kein Trainer-, sondern ein Substanzproblem.

      Und wer könnte das besser verstehen als wir leidgeprüfte Bayernfans: unter Kovac hatten wir ja seinerzeit ebenfalls ein Problem mit der Qualität unserer Spieler. Ein Trainerwechsel ist in solch einer Situation zwar ein probates Mittel um ein wenig Zeit zu kaufen, aber an der Misere ändert sich dadurch grundsätzlich natürlich nichts.

      Und wenn wir ehrlich sind, muss man doch zugeben, dass der FC Bayern sich seit Jahrzehnten immer nur irgendwie durchmogelt, mal mit, mal ohne neuen Trainer – nur haben wir uns damit schon so lange arrangiert, dass man es kaum mehr wahrnimmt; man gewöhnt sich eben an alles.

      Und vielleicht ist genau das das Einzige, was Löw noch ein bisschen fehlt: mehr Eingewöhnungszeit.

      1. Kevin Keegan würde sagen I luv it, i absolutely luv it

        https://www.youtube.com/watch?v=mk87a7r0V60

    2. @ Alain S.: Deine Ironie ist zwar amüsant, aber nicht angebracht: Ich habe Löw ganz bewusst nicht entlastet.

      Was mir nur im weiteren Sinne auffällt ist, dass wir heute auf Ginter, Rüdiger, Höwedes und vormals Hector setzen, wo es früher Förster-Brüder, Augenthaler, Kohler, Reuter, Brehme gab.

      Dito bei den Mittelstürmern: Vor langer Zeit konnte man es sich leisten, einen Hrubesch(!) oder Gomez zu ignorieren, weil angeblich zu spielschwach. Heute müssen Götze und Gnabry / Werner auf der 9 improvisieren.

      Da ergibt sich mMn schon eine eklatante Schieflage, verglichen mit dem Luxuspersonal, das wir im Tor und im Mittelfeld aufbieten können. Spanien etwa hat in seiner goldenen Ära mit Villa zentral gut – mit Torres aber nur passabel funktioniert.

      Wie gesagt, mit geht es sicher nicht darum, Löw zu stärken – ich bin kein Fan. Mir geht es eher darum, dass im Nachwuchs seit 15 Jahren zu einseitig “Tanzmäuse” (technisch stark, schnell, versatil) gefördert werden.

      1. Hallo Mehmet, ich halte die Ironie durchaus für angebracht, weil sie es erlaubt zwei sich eigentlich widersprechende Meinungen gleichzeitig auszusprechen und in der Balance zu halten ohne ein abschließendes Urteil fällen zu müssen. Aber möchte man dieses Unvermögen unbedingt herausposaunen? Wer will hier auf MSR schon als Trottel dastehen, der kein fertiges Patentrezept in der Tasche hat um eigentlich alles schlagartig zu lösen?

        Als ich deinen Beitrag gelesen habe, dachte ich, ja genau, so in etwa sehe ich das auch. Anschließend habe ich mich an unsere jüngere Vereinsgeschichte erinnert und gedacht, hm, das hätte ich seinerzeit so nicht erwartet, hat aber in einem bescheidenen Rahmen dann doch ganz gut funktioniert.

      2. Danke für die Erläuterung, die es in der Tat gut trifft.

        Früher konnte man sich in solchen Situationen ja immer auf Beckenbauer oder wenigstens Neururer verlassen. Tempi passati. :-)

  8. Ich freue mich zumindest wieder auf Klubfußball :).
    Aber nochmal zurück zur Deutschen Nationalmannschaft, also ich finde diesen Löwschen Zik Zak Kurs einfach nur falsch. Ich bin der Meinung dass das Leistungsprinzip auch in der NM gelten sollte, die Spieler die am besten sind sollten auch spielen, egal wie alt etc..
    Ich finde die Argumentation der NM auch sehr seltsam, denn warum sie Müller, Hummels und Boateng kategorisch ausschließen aber Kross und Neuer drinnen lassen, muss mal jemand verstehen und nur weil jemand um die 30 ist, was für Verteidiger, siehe Chiellini, kein Alter ist, kann doch kein Grund sein ihn nicht mehr zu nominieren. Also nach der EM in Frankreich versucht man stoisch seiner ausgerufenen Linie treu zu bleiben, zuerst haltet man quasi zu lange an den verdienten Spielern fest und dann setzt man nur auf die Jungen und begeht zweimal den selben Fehler und jetzt versucht man auch noch diese falsche Entscheidung und das durchziehen dieser als etwas starkes darzustellen…
    Es sollten die Spieler spielen die am stärksten sind und alte, erfahrene Spieler einzubauen, die die Jungen führen können hat auch noch keinen geschadet, wenn diese eben noch stark sind, was wieder bei allen Dreien so ist. Müller ist überdies in einer Mega Verfassung.
    Also sehr seltsam…
    Es scheint als wäre das Gebilde NM keine Einheit mehr zwischen Spieler, Trainer und Management.

  9. Mein Problem mit der Nationalmannschaft ist einfach der, ich bin kein Fan mehr!
    Mit Nationalstolz konnte ich noch nie etwas anfangen, wenn die Mannschaft mir keinen Spaß gemacht hat. Schon früher war ich lieber Holland Fan wenn Robben gespielt hat…
    Die WM 2014 mit vielen hungrigen Spielern, viele von uns, dass war noch eine Mannschaft die mir gefallen hat, da hatte ich Spaß und da war ich Fan.

  10. Kurze Frage… Geht’s hier um den FC Bayern oder um das sinnlose “Treffen der Nationen”?

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    1. Wenn 5 Spieler unseres Vereins die möglicherweise höchste Niederlage in ihrem Profi-Leben kassieren mussten, dann hat das schon was mit dem FCB zu tun. Wenn unser Cheftrainer das in der PK ausführlich thematisiert, sieht er das wohl ähnlich. Diskussionen über Löw sollten auch an dieser Stelle erlaubt sein, da seine Entscheidungen über die aktuellen Nationalspieler hinaus auch noch zwei weitere Leistungsträger unseres Teams massiv berühren.

      1. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Flick glücklich darüber ist, was Löw mit der Nationalmannschaft anstellt gerade.
        Man muss sich mal in “unsere” Spieler hineinversetzen: Ende August Triple gewonnen, Mitte November höchste Niederlage seit hundert Jahren kassiert.

        Wo kann ich die PK sehen? Was hat er genau gesagt?

      2. Natürlich dürfen wir hier vom Thema abschweifen! Natürlich müssen wir hier vom Thema abschweifen!! Erstens trägt Herr Löw die Nase sehr hoch, zweitens gibt es bei der Nationalmannschaft keinerlei positive Entwicklung seit der WM 2018 und drittens zerlegt der FC Bayern München regelmäßig spanische Mannschaften, während Herr Löw Löwgegenische Mannschaften nicht gewinnen kann.

        Bayern schlug Atletico 4:0 und Barcelona 8:2. Schon deswegen muß man fragen, ob Herr Löw nicht weg muß. Herr Löw trainiert 6 Stammspieler vom FC Bayern (Sané, gnabry, Goretzka, Süle, Kimmich, Neuer).

      3. @Thomas: Fairerweise muss aber zugeben, dass man die Clubergebnissse nicht so einfach auf die NM umrechnen darf, die Mannschaftszusammensetzungen unterscheiden sich doch enorm, und gerade auf den Positionne, die mNn in der Nationalmannschaft am schwächsten besetzt sind, gibt es auch bei Bayern keine deutschen Spieler, wenn man mal von dem leidigen Boateng- (der ja anscheinend auch für uns nicht mehr gut genug sein soll) oder Müller-Thema absieht.

  11. Sorry, aber Musiala muss runter. Der verzettelt sich ja viel zu oft. Costa spielt auch zu egoistisch. Und man sieht sehr schön, wie wichtig Kimmich ist.

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    1. Fand die WEchsel eine Schwächung. Coman ging es wohl um Belastungsteuerung ,er war ja auch angeschlagen, Musiala war sichtbar platt, hat mir aber sehr gut gefallen. Costa war für mich ein Aktivposten, fand Sane da viel schwächer. Der überzeugt mich erneut nicht gegen tiefstehende Gegner, verliert viel den Ball, versucht zu viel, sieht zu wenig den Nebenmann. Da hat Costa für mich die bessere Mischung.Chuopo war unauffällig und vergibt dann den 100 prozentigen

    2. lustig, genau was due über Musiala schreibst, dachte ich über Sane, gibt halt unterschiedliche Wahrnehmungen

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