Fast-Weltpokalsiegerbesieger Bielefeld! Wildes 3:3 im Schnee von München

Georg Trenner 15.02.2021

Am Montagabend kam es zum ersten Auftritt des Klubweltmeisters – inklusive Logo. In der Allianz Arena fing es pünktlich zum Anpfiff an zu schneien.

Falls Ihr es verpasst habt

Aufstellungen

Hansi Flick setzte seine wohl dosierten Rotationen fort. Im Vergleich zum Finale der Klub-WM gegen Tigres rückten Sarr, Tolisso und Choupo-Moting für Pavard und den verletzten Gnabry in die Startelf. Zudem gönnte Flick seinem Dauerspieler Kimmich eine Verschnaufpause. Damit ergab sich ein in der Form neu zusammengewürfeltes Mittelfeldzentrum aus Tolisso und Alaba hinter Choupo-Moting vor der Viererkette Sarr, Süle, Hernández und Davies und Kapitän Manuel Neuer. Die Offensive komplettierten Sané, Coman und Lewandowski.
Uwe Neuhaus schickte nominell eine offensive Mannschaft in die Allianz Arena. Linksaußen Voglsammer, letztes Jahr mit 12 Toren noch eine wichtige Stütze der Bielefelder Aufstiegsmannschaft, durfte nach langer Verletzung erstmals von Beginn an auflaufen. Auch Neuzugang und Offensivallrounder Michel Vlap, ausgeliehen vom RSC Anderlecht, debütierte für die Arminen. Zudem rutschte Prietl wieder ins Team. Auf die Bank mussten Dauerbrenner Hartel, der bisher alle Spiele von Beginn an absolvierte, sowie Schipplock und Yabo.

1. Halbzeit

Beide Mannschaften starteten im verschneiten Stadion im 4-2-3-1 und setzten auf spielerische Lösungen. Bielefeld versuchte konsequent auch unter Druck aus der eigenen Abwehr heraus zu spielen und suchte meist erst mit dem dritten oder vierten Pass das vertikale Anspiel auf Vlap und Klos, in der Hoffnung, Räume hinter der ersten Pressinglinie der Bayern nutzen zu können.
Jener Vlap war es auch, der in der neunten Minute die erste Bielefelder Offensivaktion im Spiel zur überraschenden Gästeführung nutzte. Nach einem Einwurf war die Bayernabwehr unsortiert und ein einfacher Schnittstellenpass von Prietl landete beim frei stehende Vlap, der sicher verwandelte.
Im Anschluss taten die Bayern sich schwer, auf den Rückstand zu reagieren. Der zunehmende Schneefall und der schwere Boden ärgerten die Münchner dabei ebenso sehr wie das konzentriere Pressing der Bielefelder.
Mitten in die Bayerische Lethargie hinein erzielten die Gäste in der 37. Minute das 0:2. Nach einer Ecke von Vlap löste sich Pieper von seinem Gegenspieler Hernández und lief in die Schnittstelle zwischen Süle und Alaba, wo er frei zum Kopfball kam. Die Münchner Raumdeckung wirkte nicht sortiert und durch Piepers Lauf relativ einfach geschlagen.
Beim 0:2 blieb es auch trotz fünf Minuten Nachspielzeit.

2. Halbzeit

Personell unverändert kamen die Bayern zurück auf den in der Zwischenzeit vom Schnee befreiten Rasen. Aber sie traten anders auf. Nach zwei Minuten setzte sich Coman nach Pass von Tolisso gut über links durch und fand anschließend Sané im Rückraum. Dessen Schuss konnte Ortega noch zusammen mit dem Pfosten parieren, doch direkt im Anschluss war er machtlos. Lewandowski nahm einen Chipball von Alaba mit dem Rücken zum Tor an und vollendete nach Drehung ansehnlich.
Die gute Stimmung auf der Bayernbank währte jedoch keine ganze Minute, denn im Gegenzug stellte Bielefeld den Zwei-Tore-Vorsprung wieder her. Nach einer Steil-Klatsch-Kombination über Klos schickte Prietl Voglsammer über links, der an Sarr vorbei lief und den Ball quer vor das Tor legte, wo Gebauer nur einschieben musste.
Das in der zweiten Halbzeit muntere Spiel nahm Fahrt auf. In der 57. Minute verkürzte Tolisso per Kopf nach einer Flanke von Sané. Anschließend wechselte Flick Kimmich für Sarr ein.
Im Anschluss kam es auf Bielefelder Seite zu einigen Unkonzentriertheiten, durch die sie gute Konterchancen liegen ließen, und defensiv zu immer mehr Problemen, die Bayern vom Tor weg zu halten. Der Ausgleich schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Und tatsächlich glich Davies in der 69. Minute aus. Sané brach über rechts durch und passte in die Mitte, wo der Ball vor Davies Füße viel, der mit viel Risiko per Dropkick zum 3:3 abschloss.
Am Ende war der FC Bayern näher am Siegtor, es blieb jedoch beim insgesamt verdienten Unentschieden.

Dinge, die auffielen

1. Bielefeld entlarvt die trügerische Defensivstabilität

25 Tore hatte der FC Bayern in den 17 Spielen der Bundesligahinrunde kassiert, so viele wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In den letzten Wochen schien die Defensive hingegen gefestigt zu sein: Nur ein Gegentor aus vier Ligaspielen und kein Gegentor in 180 Minuten bei der Klub-WM standen scheinbar für eine neue Defensivstabilität. Doch die Zahlen waren trügerisch. Der FC Bayern profitierte insbesondere in der Bundesliga von der Abschlussschwäche seiner Gegner und einem zuletzt herausragenden Manuel Neuer.
Ausgerechnet die bisher offensivschwache Arminia legte die Wunden heute erneut offen. Standardsituationen und einfache Schnittstellenpässe oder Bälle hinter die Außenverteidiger reichten, um in München zu gefährlichen Chancen und Toren zu kommen.

2. Verständlicher Kater nach der Katarreise

Bei aller Kritik insbesondere an der Defensivleistung muss die Leistung in Relation zum aktuellen Pensum gesetzt werden: Die Bayern trafen nach vier Spielen in elf Tagen auf einem verschneiten Platz auf einen laufstarken Gegner, der 14 Tage frei hatte. Hansi Flick musste auf die verletzten und erkrankten Müller, Gnabry, Costa, Goretzka und Martínez verzichten. Das Team verbrachte vergangene Woche sechs Tage in einer anderen Zeitzone – und hatte zu allem Überfluss auch noch mit hausgemachten Nebengeräuschen und Transfernews zu tun. Das alles nur wenige Tage, nachdem man erstmals in der Vereinsgeschichte das “Sextupel” gewann. Es ist verständlich, an einem solchen Abend keine 100% abrufen zu können.

3. Weiterhin wenig zweite Reihe

Die verletzten Spieler wurden bereits genannt. Und trotzdem rotierte Flick nur dreimal. Oder konnte er nur dreimal rotieren? Der bayerische Kader ist bewusst nicht groß. Aus der Jugend ist bis auf Musiala anscheinend noch niemand weit genug für Einsätze in der ersten Mannschaft. Und jener Musiala wird von Flick mit viel Bedacht geführt und erhält wohldosierte Minuten. An dieser Stelle muss man dem Trainer vertrauen. Die Spieler aus der zweiten Reihe wie Sarr oder Choupo-Moting konnten sich auch heute nicht für mehr aufdrängen. Für die im Frühjahr zu verteidigenden Titel wird der FC Bayern auf seine erste Elf angewiesen sein.

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