Momoko Tanikawa (FC Bayern) hier im blauen Trikot von Japan. Sie lacht und klatscht in die Hände.
Bild: Koji Watanabe/Getty Images

FC Bayern: Wie viel Georgia Stanway steckt in Momoko Tanikawa?

Justin • 24.10.2026 •


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Eine Länderspielpause, zwei herausragende Leistungen gegen den VfB Stuttgart und RaBa Leipzig vor allem in offensiven Situationen – und schon hat José Barcala wieder die Diskussion am Hals, die er eigentlich gern abmoderieren würde.

Einmal antwortete der Trainer der FC Bayern Frauen auf eine Frage, wo genau denn Momoko Tanikawa jetzt am besten in seinem System funktionieren würde: „Sie ist am besten, wenn sie auf dem Feld ist.“

Der Spanier gab zuletzt auf einer Pressekonferenz auch offen zu, dass er sich sehr wünsche, dass die Diskussionen rund rum die Japanerin endlich aufhören würden und bezog sich dabei auf den Kader. Natürlich hätte er gern mehr Optionen.

Doch es hilft ja nichts: Tanikawa hat einen Fluch. Es ist der Fluch der Hochtalentierten. Die These, dass die 21-Jährige auf der Zehn am besten aufgehoben ist, ist nicht allzu steil. Sie bringt alles, aber auch wirklich alles mit, um auf dieser Position eine Top-3-Spielerin zu sein und vielleicht sogar die Beste.

Aber: Sie ist im Kader des FC Bayern zentral eben auf allen drei Positionen die beste Spielerin: Auf der Zehn, auf der Acht und auch auf der Sechs. Oder, um es Spielerinnen wie Bernadette Amani gegenüber fairer zu formulieren: Tanikawa ist die kompletteste Spielerin in den drei Rollen. Was sich vor allem an einem Vergleich zeigt: Zu Georgia Stanway in der vergangenen Saison.

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FC Bayern: Momoko Tanikawa und Georgia Stanway im Datenvergleich

Miasanrot hat sich die Daten von Wyscout genauer angesehen. Die Stichproben sind dabei natürlich unterschiedlich groß. Tanikawa kommt in der aktuellen Saison erst auf knapp über 800 Minuten. Bei Stanway waren es fast 2.800.

Der DFB-Pokal ist im Datenpaket von Wyscout nicht enthalten und Nachspielzeiten werden mit eingerechnet. Also beispielsweise 98 statt 90 Minuten in einem Spiel mit insgesamt acht Minuten Nachspielzeit. Deshalb lassen sich die Minuten nicht mit Soccerdonna oder anderen Portalen vergleichen.

Die Stichprobe bei Tanikawa ist aber groß genug, um erste Schlussfolgerungen zum Vorgehen des Trainers zu ziehen. Und so viel vorab: Das Ergebnis ist hochinteressant. Denkt man an diese beiden Spielerinnen, dürfte das Fazit vieler wohl lauten: Tanikawa ist offensiv stärker, Stanway ist defensiv stärker. Für beide Thesen lassen sich datenbasierte Argumente finden, aber die sind viel weniger deutlich, als man womöglich denken würde.

Tanikawa ist nicht so weit weg von Stanway – auch defensiv

Die Frage wird am Ende sein, wie man das genau einordnet. Doch dazu später. Erstmal der Blick auf die Zahlen. Stanways Dominanz im Trikot des FCB war beeindruckend. In einigen Statistiken ist sie deutlich vor Tanikawa. So kam sie auf fast acht erfolgreiche Defensivaktionen – pro 90 Minuten, was für alle folgenden Statistiken gilt, außer es ist anders angegeben.

Tanikawa kommt hier aktuell auf sechs. Die Zweikampfquote der Engländerin war zudem ca. fünf Prozent höher (62 Prozent zu 57 Prozent). Trotzdem ist Tanikawa nicht extrem weit weg, wenn man etwas detaillierter auf die Daten schaut. Drei abgefangene Pässe verbucht sie aktuelle (Stanway 3,7). Fünf Defensivduelle führt sie im Vergleich zu Stanways fast sechs.

Diese Unterschiede wirken nochmal marginaler, wenn man bedenkt, dass sich mit Amani eine Spielerin immer mehr etabliert hat, die Tanikawa defensiv enorm entlastet. Statt also zu schlussfolgern, dass Stanway hier in einer komplett anderen Liga unterwegs war, reicht vielleicht auch das nüchterne Fazit, dass die Engländerin natürlich Vorteile hat, aber Tanikawa ein Grund dafür ist, dass Bayern auch in dieser Saison wieder stabil wirkt. Trotz des Verlusts. Amani ist eben der andere Grund. Sie fangen das, was zu Stanway fehlt, gemeinsam auf.

Offensiv überraschend geringer Unterschied

Offensiv sind die Daten durchaus überraschend. Tanikawa hat bei Torbeteiligungen die Nase zwar vorn, aber nur knapp. Etwas mehr als 0,5 sind es, Stanway kam auf etwas weniger als 0,5. Bei den erwarteten Torbeteiligungen sind es 0,5 bei Tanikawa und 0,3 bei Stanway. Letztere sammelte einige davon per Elfmeter.

Bei den Dribblings ist der Unterschied noch viel kleiner – und sogar zu Gunsten Stanways: 1,3 zu 1,2. Wobei Tanikawa eine Erfolgsquote von 82 Prozent hat, Stanway stand bei 78 Prozent (beides enorm gute Werte). Im Angriffsdrittel ist Tanikawa etwas präsenter als ihre Vorgängerin.

0,9 Torschussvorlagen mit hoher Torerzielungswahrscheinlichkeit (Key Passes) stehen 0,5 bei Stanway gegenüber. Dafür spielte Letztere deutlich mehr Steckpässe: 1,5 zu 0,1. Tanikawa wiederum komplettiert etwas mehr Pässe in den Raum mit einem 20-Meter-Radius zum gegnerischen Tor: 1,9 zu 1,6.

So könnte man mit diversen Statistiken fortfahren, das Fazit wäre: Es kommt drauf an, was man wie gewichtet, aber beide haben nicht nur ein sehr hohes Niveau, sie nehmen sich auch nicht viel. Und das ist womöglich die kleine Überraschung. Zwar wissen alle Bayern-Fans, wie stark und wichtig Stanway war. Aber diese Zahlen zeigen nochmal die Dimension auf.

Georgia Stanway: Unfassbar dominant

Stanway hatte eine unglaubliche Dominanz im Spiel. Das zeigen auch die Passstatistiken. Sie wurde 73-mal angespielt, Tanikawa aktuell 52-mal. Sie spielte selbst 87 Pässe mit 89 Prozent Erfolgsquote, Tanikawa aktuell 65 mit 88 Prozent. Daraus entsprangen eben auch rund zehn Pässe mit vertikalem Raumgewinn mehr bei der Engländerin (fast 30 zu fast 20).

Hinzu kommt eine beeindruckende Reichweite. Im Schnitt waren Stanways Pässe 18 Meter lang. Tanikawa ist mit 15 Metern eher die Frau fürs kleinteilige Kombinationsspiel. Aber – und das ist eben entscheidend – das hat unter dem Strich keine negative Bedeutung. Es schmälert die Leistungen nicht. Es zeigt nur, dass beide unterschiedliche Spielerinnen sind – und Bayerns Spiel sich verändert hat.

Stanways schier unfassbare Dominanz wird jetzt mit mehreren Schultern aufgefangen. Das lässt Tanikawas Zahlen in einem anderen Licht stehen. Obwohl sie nicht so dominant eingebunden ist, kommt sie auf sehr starke Werte – offensiv und defensiv. Für den FC Bayern ist es am Ende eine Gretchenfrage: Ist Stanways Abgang jetzt der riesige Verlust, der sich hier in Zahlen andeutet? Womöglich.

Tanikawa wird auf der Sechs gebraucht

Gleichzeitig gibt es aber auch die Deutung, dass eine Chance entstanden ist, das Spiel flexibler und variabler aufzuziehen. Nach anfänglichen Problemen wurden die Bayern zuletzt wieder kombinationssicherer. Auch weil Tanikawa viel Verantwortung übernimmt. Sie ist pressingresistent, offensivstark und defensiv mindestens gut.

Und ja, sie ist auf der Zehn die bessere Version von sich selbst. Aber auf der Sechs oder Acht ist sie aktuell die beste Version für den FC Bayern. Deshalb wird Barcala diese Fragen noch eine Weile hören. Die nächste Chance für Veränderung bietet vielleicht der Winter. Dann könnte man versuchen, eine neue Spielerin fürs Zentrum zu holen.

Im Moment aber ist Tanikawa eben die Spielerin, die am meisten Stanway ist. Oder, etwas besser formuliert: Wenn man das Stanway-Loch als 100 Prozent definieren müsste: Die Japanerin ist die, die am meisten Prozent davon wieder auffüllen kann. Deshalb bleibt Barcala gerade kaum eine andere Wahl.

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