Lennart Karl (FC Bayern)
Bild: Marius Nordnes / Nordnes Foto/Getty Images

Lennart Karl beim FC Bayern: Zwischen Ungeduld und dem nächsten Entwicklungsschritt

Justin • 14.10.2026 •


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Jüngst intensivierten sich die Gerüchte, dass Lennart Karl beim FC Bayern auf einen Abgang drängen könnte, wenn Michael Olise seinen Vertrag verlängern sollte.

Sind das die üblichen Berichte aus dem Boulevard, die sich schon allein daraus ergeben, vermeintlich einfache Matheaufgaben zu lösen? Olise als großer Konkurrent der Münchner, dazu Karls Geflirte mit Real Madrid Anfang des Jahres bei einem Fanclubtreffen und die generelle Frage, auf welcher Position er eigentlich eine Zukunft haben soll.

Es erscheint also nur zu logisch, dass der Weg zum Stammspieler beim FCB nicht vorgezeichnet ist. Andererseits machen Karl und sein Umfeld nicht den geduldigsten Eindruck. Wie viel Geraune kommt also von seiner Agentur? Auch das wäre zumindest kein überraschendes Mittel, um etwaige Vertragsgespräche ins Laufen zu bringen und sein Gehalt baldmöglichst zu erhöhen.

Aber ein Problem gibt es, das bisher nur wenig beleuchtet wurde: Karls Leistungen. Viele Argumente, die den FC Bayern wirklich unter Druck setzen, hat die Seite des Spielers im Moment nicht.

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Lennart Karl auf der Suche nach seiner Form: Alles normal?

Dafür gibt es ein paar Faktoren, die für alle Parteien sehr unproblematisch sind. Der Wichtigste: Sein Alter. Karl ist jetzt 18, kam in seiner ersten Profisaison aber bereits auf 40 Einsätze, fast 2.000 Minuten und beeindruckende 17 Torbeteiligungen.

Dass es von da an nicht steil und kontinuierlich bergauf gehen würde, war eigentlich absehbar. Zumal seine Rückrunde bereits sehr wechselhaft war und anschließend zwei Verletzungen dafür sorgten, dass er nicht nur die WM im Sommer verpasst, sondern auch aus dem Rhythmus kommt.

Insofern ist es nicht ganz fair, wenn man nur die jüngsten Leistungen bewertet. Karl ist ganz offensichtlich nicht in Form und angesichts seines Alters womöglich sogar etwas verunsichert. Es wäre zumindest beides nicht unüblich und auch nicht großartig besorgniserregend.

Zahlen belegen Karls Probleme

Allerdings gibt es auch ein paar Faktoren, die dagegen sprechen, dass seine jetzigen Probleme exklusiv aus einem für ihn schwierigen Sommer resultieren. Ein Blick auf die Statistiken ist hier als erste Einordnung sinnvoll. Die starke Hinrunde zeigt sich auch in Zahlen.

Laut Wyscout kam der Linksfuß vom damaligen Saisonstart bis zum 31. Dezember 2025 auf 5,3 erfolgreiche Angriffsaktionen pro 90 Minuten, etwas mehr als 0,3 expected Goals (xG), fast 0,2 xA (expected Assists) und 4,8 versuchte Dribblings, wobei seine Erfolgsquote bei fast 59 Prozent lag. Gerade Letzteres zeigt, warum Karl so gut war.

Zum Vergleich: Lamine Yamal hat in dieser Saison fast doppelt so viele Dribblings, aber seine Erfolgsquote liegt ebenfalls bei rund 59 Prozent. Top-Dribbler bewegen sich in der Regel bei um die 60 Prozent oder im Fall von Michael Olise sogar darüber (rund 66 Prozent in dieser Saison). Im Kalenderjahr 2026 haben sich Karls Werte jedoch verschlechtert.

Rund 3,7 erfolgreiche Angriffsaktionen pro 90 Minuten sind etwa 1,5 weniger. Bei den xG blieb er einigermaßen konstant bei etwas mehr als 0,3, bei den xA sank der Wert auf knapp die Hälfte (0,1). Besonders auffällig sind abermals die Dribblings: Runter auf 4,3 und 49 Prozent Erfolgsquote.

Nun könnte man das Argument der Verletzungen anführen. Aber der Blick auf die vier Monate zwischen Jahreswechsel und seinem Muskelriss im April zeigt: Schon in dieser Zeit lieferte er schwächere Werte. 3,6 erfolgreiche Angriffsaktionen, knapp unter 0,3 xG, 0,1 xA und vier Dribblings mit knapp 49 Prozent Erfolgsquote.

Karls Spiel ist berechenbar (geworden). Seinen Dribblings ist in vielen Fällen schon frühzeitig anzusehen, wohin die Reise gehen soll. Das macht es für Verteidiger einfacher, ihn zu verteidigen.

Im Moment keine große Hilfe im System des FC Bayern

Die Statistiken deuten an, dass seine Hochphase nicht nur längst vorbei ist, sondern dass die Normalisierungsphase auch relativ klar unter diesem Niveau ist. Und das wiederum wirft Fragen auf, die sich der FC Bayern stellen muss, wenn es um die Zukunft geht. Bei aller Berücksichtigung des Alters und der Tatsache, dass das Pendel ganz schnell wieder in die andere Richtung umschlagen kann, wird es eine pragmatische Entscheidung sein, mit Verhandlungen über einen neuen Vertrag noch eine Weile zu warten.

Karl hinterlässt den Eindruck, noch ein sehr roher Diamant zu sein. Seine Spielweise beinhaltet volles Risiko. Am Dienstagabend ging er zu oft ins Risiko, wenn die Absicherung nicht gut genug dafür war. Karl wirkt verspielt, manchmal zu verspielt. Ihm geht die Effizienz hier und da ab, was für das Spiel gegen einen tiefen Block nachteilig sein kann.

Setzt er sich im Dribbling durch, kann er im System von Kompany ein wichtiges Werkzeug sein. Seine extrovertierte Spielweise und die Furchtlosigkeit in seinem Spiel sind Attribute, die es braucht, um den Weg nach ganz oben anzutreten. Nur ist Karl eben aktuell auch einer der Offensivspieler, die am wenigsten taktische Disziplin mitbringen.

Neben Ballverlusten macht sich das auch in der Arbeit gegen den Ball bemerkbar. Das 0:2 in Stavanger geht nicht allein auf seine Kappe, aber auch. Es ist nicht das erste Mal, dass Karl gegen den Ball unaufmerksam und halbherzig agierte. Im Pressing hat er klare Defizite, die es auch für Kompany schwer machen, seine Einsatzzeiten abzuwägen. Die Verantwortung für das Remis tragen andere – allen voran Michael Olise. Aber Karls Beitrag zu besseren Ergebnissen ist derzeit überschaubar.

Lennart Karl vor einer komplizierten Zeit?

Sollte es bald eine Phase geben, in der Serge Gnabry und Jamal Musiala zu ihrer Form finden und auch Ismael Saibari vertrauter mit dem Team und der Spielweise wird, könnte für Karl eine komplizierte Zeit anstehen.

Mit 18 ist das alles nur halb so problematisch. Es geht nicht darum, einen Abgesang auf einen sehr jungen Spieler zu formulieren, das wäre Unsinn. In diesem Alter Defizite auf dem höchsten Level des Weltfußballs zu zeigen, ist keine Besonderheit. Trotzdem stellt sich eine Frage: Wie weit klaffen bei Karl folgende Ebenen auseinander?

  • Seine eigene Erwartungshaltung und das damit verbundene Selbstbild
  • Seine aktuelle Leistungsfähigkeit
  • Die Erwartungshaltung vieler Beobachter*innen, die in ihm das nächste große Talent sehen

Vincent Kompany ist sehr gut darin, vor allem die Ebenen der Erwartungshaltung zu steuern. Rational betrachtet war Karl am Dienstagabend einer der Faktoren dafür, dass es in der ersten Halbzeit nicht so richtig rund lief. Immer wieder stockten Angriffe bei ihm, seine Ballverluste sorgten für Gefahr und gegen den Ball wirkte er teils orientierungslos.

Das so auszuformulieren, wäre als Trainer aber der falscheste Weg, den man gehen kann. Natürlich macht er Karl nicht zum Thema. Und natürlich ergibt es überhaupt keinen Sinn, diesem Thema eine zusätzliche Bedeutung zu geben. Dennoch ist es nicht nichtig und auch keine Bagatelle. Für Karl wird es in den kommenden Wochen und Monaten darum gehen, zu zeigen, dass die Hochphase in der Hinrunde 2025 keine Ausnahme war.

Dass sie nicht das kurze, unbekümmerte Aufblitzen eines Talents war, auf dessen Spielweise sich Verteidiger anschließend eingestellt haben und das nicht mehr an diese Leistungen herankommt. Oder, um die Diskussion richtig einzuordnen: Es wird darum gehen, ob Karl tatsächlich das Potenzial hat, den Weg in Richtung Weltklasse zu gehen. Oder ob er einfach nur ein guter bis sehr guter Fußballer bleibt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die nächste Chance für einen Turnaround könnte es bald geben. In einer Woche geht es gegen Arsenal. Dann ohne Olise und Musiala – und womöglich wieder mit Karl.

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