Kompanys Rotation beim FC Bayern: Zu gewagt oder notwendig?
Nach dem Kantersieg gegen Bodø/Glimt unter der Woche ging es für den FC Bayern München am Sonntag wieder in den Bundesligaalltag zurück. Dabei tat sich der Rekordmeister abermals gegen einen Aufsteiger schwer und mühte sich zu einem 2:1-Arbeitssieg bei der SV Elversberg.
Die derzeitigen Leistungsschwankungen mehrerer Schlüsselspieler sowie die mehr als mangelhafte Chancenverwertung haben für einen wenig beeindruckenden Saisonstart gesorgt. Es fehlen noch einige Prozente zur Form der vergangenen Spielzeit.
Dass Vincent Kompany beim Auswärtsspiel im Saarland seine halbe Startelf austauschte, erschwerte das gesamte Unterfangen sichtlich. Ist diese Art der großflächigen Rotation zu gefährlich für eine erfolgreiche Zukunft? Oder ist sie sogar notwendig?
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FC Bayern: Rotation mitverantwortlich für mäßigen Saisonstart
Als am Sonntag um circa halb fünf die Aufstellung auf den Social-Media-Kanälen des Rekordmeisters veröffentlicht wurde, waren mit Sicherheit viele Kickbase– oder Communio-Spieler sehr enttäuscht, als sie ihre Punktegaranten vom FCB auf der Bank und nicht wie gewohnt in der Startelf vorfanden.
Mehrere Leistungsträger wie Joshua Kimmich, Konrad Laimer, Jonathan Tah oder Luis Díaz wurden von Kompany geschont. Insgesamt siebenmal veränderte der Belgier im Vergleich zur CL-Partie am Donnerstag seine Startelf. Es folgte (trotz Führung) eine schwache Halbzeit.
Was auffällt: Auch bei den beiden Mannschaften, die sich in Osnabrück und auf Schalke schwer taten, wechselte Kompany kräftig durch. Es ist also keine allzu gewagte These, dass die Rotation des Bayern-Trainers mitverantwortlich für den wenig überzeugenden Saisonstart des Deutschen Meisters ist. Schon in der vergangenen Saison führte starke Rotation zu Rhythmusproblemen
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Zudem traft der FCB bisher hauptsächlich auf tiefstehende Teams, die nahezu die gesamte Vorbereitung gemeinsam bestritten haben und ohne WM-Belastung ausgeruht sowie eingespielt in die neue Spielzeit gingen.
Kompanys XXL-Rotation: die Gründe
Kompany kann natürlich nichts für die müden Bayern-Beine aufgrund der Weltmeisterschaft und den daraus resultierenden Anlaufschwierigkeiten seiner Stars wie Harry Kane, Michael Olise oder Dayot Upamecano, die bis zum Schluss beim Turnier dabei waren. Aber sollte der Bayern-Trainer nicht besser seiner Top-Elf Rhythmus geben und seinen besten Spielern Zeit, um sich einzuspielen?
Der Belgier scheint jedoch bewusst auf diese Art von Rotation zu setzen und verteidigte seine Personalpolitik sogar selbst im Anschluss an die Partei in Elversberg: „Dahinter steckt eine Logik“, so Kompany. Man wolle den Jungs Spielzeit geben, damit sie im richtigen Moment bereit seien.
Für eine erfolgreiche Saison mit über 50 Pflichtspielen ist es nämlich entscheidend, wie gut die zweite Reihe einer Mannschaft in Form ist. Einerseits, um Schlüsselspielern ausreichend Verschnaufpausen zu ermöglichen. Andererseits, um im Notfall einer Sperre oder einer Verletzung in die Bresche springen zu können und dabei gleichzeitig einen gewissen Rhythmus zu haben.
Kompany scheint sich dessen bewusst zu sein und seinen kleinen Kader in aller Gänze nutzen zu wollen, was auch für die Stimmung im Team wichtig ist. Auch wenn es nicht darum gehe, „den Spielern Geschenke zu machen.“ Zur entscheidenden Phase der Saison soll die Mannschaft einfach so fit wie möglich sein.
Hat Kompany gar keine andere Wahl?
Gleichzeitig ließ der Bayern-Coach bereits in den vergangenen Wochen durchblicken, dass er ohnehin keine andere Wahl hat, sondern seine Personalentscheidungen viel mit der Belastungssteuerung der WM-Fahrer zu tun hat, die erst spät ins Training eingestiegen sind.
Es ist daher nur logisch, dass er so früh in der Saison keine Verletzungen riskieren möchte. Davon abgesehen geht es zum Beginn einer Spielzeit sowieso nur darum, die nötigen Ergebnisse zu erzielen, um die hohen Ziele des Vereins nicht aus den Augen zu verlieren.
Die (meisten) Titel werden schließlich erst im Frühlich vergeben. Die Rotation soll ein entscheidender Baustein dafür sein und wird angesichts der hohen Belastung durch Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League auch im weiteren Saisonverlauf noch wichtig werden.
Ist Kompanys Rotation beim FC Bayern zum Saisonstart zu gewagt?
Dennoch muss im Hinblick auf die kommende Länderspielpause und die danach anstehenden Kracher gegen Leipzig, Arsenal oder Dortmund hinterfragt werden, ob es nicht besser wäre, moderater zu rotieren, und das Grundgerüst einer Mannschaft nicht dauernd zu verändern. Möglicherweise ist der Rekordmeister auch deshalb noch weit entfernt vom für die kommende Phase notwendigen Flow.
Gerade die offensive Achse der Mannschaft so zu verändern, wie es Kompany vor bei den schweren Auswärtspartien in Gelsenkirchen oder Elversberg getan hat, kann einem Team auch mehr schaden als nützen.
Rotation funktioniert vor allem dann gut, wenn die in die Startelf rutschenden Spieler in eine bereits funktionierende Mannschaft kommen, in der sie Selbstvertrauen tanken und zumindest ein wenig Sicherheit haben.
Dass es beispielsweise bei einer neu zusammengestellten Offensive (auf Schalke) aus einem glücklosen Diaz, einem gerade aus einer Verletzungspause zurückgekehrten Karl und zwei positionsfremd eingesetzten Neuzugängen noch haken würde, hätte man jedenfalls ahnen können.
Letztlich bleibt die Rotation eben ein zweischneidiges Schwert. Sie bleibt jedoch ebenso eine wichtige Waffe, um die steigende Belastung in einer „Nach-WM-Saison“ zu regulieren und ist deshalb (vor allem in dieser Saisonphase) notwendig.
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