Vincent Kompany (FC Bayern)
Bild: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

Szenenanalyse: An dieser Stellschraube muss Vincent Kompany beim FC Bayern drehen

Justin 18.08.2026


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Selbst viele Fans des FC Bayern München dürften gern an das letzte Halbfinale in der Champions League zurückdenken. Zwar verlor man in zwei Duellen gegen Paris Saint-Germain und schied aus, doch der dargebotene Fußball beider Teams wusste viele zu begeistern.

Es gab sicherlich auch Kritik von Fans, denen das zu viel Kontrollverlust war. Zu viel Offensive und Pressing, zu wenig gepflegter Kontrollfußball. Spektakel war vor allem das Hinspiel aber allemal und das kann kaum jemand bestreiten.

In dieser Saison wollen Vincent Kompany und seine Münchner einen neuen Anlauf in der Königsklasse starten. Das Testspiel gegen Leipzig erinnerte den FCB aber daran, welches große Defizit in der Abwehrarbeit dafür noch adressiert werden muss – denn viele der Gegentore gegen Paris (und auch andere Mannschaften) fielen nach einem ähnlichen Muster.

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Szenenanalyse: Leipzig deutet an, wie man den FC Bayern knacken kann

Leipzig erzielte kein Tor aus einer Situation, wie wir sie gleich mehrfach analysieren werden. Aber sie nutzten in ihren wenigen guten Phasen häufig dieses Mittel, um offensiv gefährlich zu werden.

Ein Beispiel dafür gab es bereits in der zweiten Minute zu beobachten. Leipzig baut zunächst über den linken Flügel auf, bricht aber ab und spielt quer durch die Abwehrkette auf den anderen Flügel. Noch während der Ball ohne vertikalen Raumgewinn übers Feld läuft, kommen auf dem rechten Flügel mehrere Spieler entgegen.

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Direkt an der Außenbahn wird Nathaniel Brown aus der Abwehrkette nach vorn gezogen. Außerdem verfolgt Min-jae Kim seinen Gegenspieler bis weit in die gegnerische Hälfte. Ein weiterer Leipziger bietet sich exakt in dem Raum an, aus dem Kim nach vorn sprintet und zieht damit auch Jonathan Tah mit sich. Bedeutet: Drei von vier Abwehrspielern des FCB sind nun in der gegnerischen Hälfte. Dahinter: Niemand mehr.

Das ist Teil des Spiels unter Kompany. Der hohe Druck lässt sich nur aufrechterhalten, wenn alle mitmachen. Knacken kann man dieses Pressing nur, wenn man den Mut, das Tempo und die spielerische Qualität hat, um trotzdem genau in die Regionen zu spielen, in denen die Bayern ein solches Risiko eingehen. Leipzig spielt diagonal in die Tiefe und findet dort den Gegenspieler von Tah. Schon vor dem Pass macht Kims Gegenspieler eine Gegenbewegung und sprintet tief.

Der Passempfänger im Zentrum legt nun direkt auf den durchstartenden Leipziger ab. Gelingt dieser Pass, ist der Weg auf der gesamten rechten Spielhälfte frei. In dieser Situation ist Kim noch gerade schnell genug, um den Pass zu verteidigen – oder der Klatschpass kommt nicht steil genug. Es war aber knapp. In anderen Situationen kam Leipzig so zumindest bis ins Angriffsdrittel, ohne aber wirklich Gefahr auszustrahlen.

PSG hat die Lücken in Bayerns Abwehr gnadenlos ausgenutzt

Neu ist dieses Muster nicht. Wie eingangs erwähnt, erspielte sich PSG gleich mehrere Chancen auf diese Art und Weise in der Champions League.

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Das PSG-Tor im Rückspiel in München entstand, weil Dayot Upamecano und Konrad Laimer sich auf dem Flügel etwas zu weit herausziehen lassen – oder alternativ: weil sie einen Tick zu spät kommen, um den Pass in die Tiefe dann zu verteidigen. Auch ballfern ist man schlecht positioniert, hätte das Herausrücken mit einer durchschiebenden Kette verhindern können. Eine detaillierte Szenenanalyse dazu haben wir hier.

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In Paris entstand der Ausgleich zum 1:1 aus einer ganz ähnlichen Situation: Kvaratskhelia und Doué ziehen Upamecano und Stanišić heraus, Doué spielt tief und Kvaratskhelia ist links frei durch. In der zweiten Halbzeit erzielte Kvaratskhelia das 4:2, weil sowohl Díaz als auch Laimer sich auf den sich fallen lassenden Doué konzentrieren, während Hakimi rechts am Flügel unbemerkt in die Tiefe starten kann.

Muster oder unvermeidbar? FC Bayern kann defensiv noch zulegen

Es gäbe noch einige weitere Beispiele aus anderen Partien. Wenngleich die Frage berechtigt ist, wie viel Muster da wirklich dahinter steckt. Gute Mannschaften spielen nun mal so Fußball: Sie arbeiten mit gegenläufigen Bewegungen, ziehen Gegenspieler aus ihren Positionen und nutzen dann mit wenigen Kontakten, den dadurch entstehenden Raum in der Tiefe.

Das ist nicht automatisch eine systemische Schwäche. Auch in der Tiefenverteidigung mit deutlich mehr Defensivpersonal sind solche Abläufe extrem schwer zu verteidigen. Die Bayern erzielen selbst einige ihrer Tore mit solchen Abläufen. Oft ist es also nicht zwingend eine Schwäche der Abwehr, sondern viel mehr eine Stärke der jeweiligen Offensive.

Es gibt auch in jedem System automatisch Aspekte, die sich kaum verhindern lassen. Wer sehr tief verteidigt, erlaubt dem Gegner womöglich zu viel Kontrolle und droht hinten einzuschlafen. Außerdem fehlt offensiv häufig der Druck. Wer sehr offensiv spielt, könnte hinten einigermaßen offen sein. Und wer sich daran probiert, das Beste aus beiden Welten zu vereinen, wird immer wieder Situationen haben, in denen weder das Eine, noch das Andere so wirklich gelingt, weil das Team zu unentschlossen ist.

Die perfekte Taktik ist ein Ziel, aber selten Realität

Letztendlich geht es wie so oft um Flexibilität und das Gespür für die richtigen Entscheidungen. Die Bayern haben sich hier unter Kompany bereits massiv verbessert, entwickeln immer mehr ein Gefühl dafür, wann hohes Verteidigen und wann etwas tieferes Verteidigen sinnvoll ist. Die perfekte Taktik ist oft das Ziel, aber in der Umsetzung scheitert Perfektion an der Menschlichkeit und den sich ständig verändernden Anforderungen (Gegner, Personal, äußere Faktoren wie Wetter oder Platz, Form usw.).

So nah wie möglich heranzukommen, ist das, was erfolgreiche Mannschaften auszeichnet. Es wird also weniger darum gehen, über die Saison hinweg nie wieder etwas zuzulassen. Das ist Utopie. Eher geht es darum, in den entscheidenden Spielen häufiger die richtige als die falsche Entscheidung zu treffen und das eine oder andere Gegentor durch klügeres Handeln zu vermeiden, ohne dabei die eigenen Stärken im Offensivspiel einbüßen zu müssen.

Für Kompany wird es darauf abkommen, die Abläufe noch weiter zu verbessern. Dass mehrere Spieler herausrücken, ohne dass es auch nur einen Spieler abgibt, der die gegenläufigen Bewegungen absichern kann, ist riskant. Hier braucht es die richtige Balance aus vertikalem Pressingdruck, um kontrollierte Zuspiele in die Tiefe zu erschweren, und Spielern, die in der Lage sind, entweder durch kluge Antizipation oder simple Endgeschwindigkeit den Raum hinter den herausrückenden Spielern abzusichern.

Auch deshalb dürfte der Transfer von Brown sehr wichtig gewesen sein. Fällt Alphonso Davies aus oder ist er einfach nicht in Form, haben die Bayern nun einen weiteren sehr schnellen Außenverteidiger, der zudem in vielen Situationen gut vorhersehen kann, was passiert oder passieren könnte.

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