WM 2026: Tag 35 im Blog – Nicht nur Tuchel! England enttäuscht und Messi brilliert – News und Analysen zur Weltmeisterschaft
Die WM 2026 in Nordamerika steuert auf das Finale zu. Am kommenden Wochenende spielen Spanien und Argentinien den neuen oder den neuen alten Weltmeister aus. Mit dabei waren zu Beginn des Turniers 17 Spieler des FC Bayern München. Erstmals seit 1978 stehen keine FCB-Profis im Finale.
Argentinien bekommt abermals die Chance auf den Titel und setzt sich in einem hitzigen und später auch fußballerisch starken Halbfinale gegen England durch.
Miasanrot begleitet die WM 2026 nicht nur mit vielen Features und Analysen, sondern auch im WM-Blog, der euch täglich einen Überblick verschaffen soll. Das Format schaut vor allem auf den vergangenen Tag und blickt zudem auf die wichtigsten Ereignisse des bevorstehenden Tages.
Ziel ist es, dass der Artikel am Vormittag erscheint. Da wir dieses Projekt nur nebenberuflich stemmen können, ist unklar, ob das immer gelingt. Um dieses und ähnliche Formate in Zukunft dauerhaft ermöglichen zu können, kannst du in Erwägung ziehen, Miasanrot finanziell zu unterstützen.
Hier geht es zum WM-Blog des Vortages.
Weitere Artikel zur WM 2026 und zum FC Bayern München:
- Mehr Mut! Wo sich die FC Bayern Frauen nochmal steigern können
- Neues Transferkomitee? Was das für Max Eberl bedeuten könnte
- News und Gerüchte zum FC Bayern
WM 2026: Was ist passiert?
England 1:2 Argentinien
- 1:0 Anthony Gordon (55.)
- 1:1 Enzo Fernández (85.)
- 1:2 Lautaro Martínez (90.+2)
Das Spiel in aller Kürze: 30 Minuten lang kein Torschuss, dafür aber viel Treterei. Wobei die Treterei rein physisch harmlos ist, durch die Schauspielerei der Spieler aber optisch an Intensität gewinnt – Paraguay sitzt allerdings lachend vor dem Fernseher, wenn sie das sehen. Dann fängt vor allem England an zu entdecken, dass das kein Showkampf, sondern ein Fußballspiel ist. Viele Highlights gibt es dennoch nicht, bis Gordon die „Three Lions“ träumen lässt.
England macht in der Folge das Schlechteste, was du bei Führung machen kannst: Passiv und tief stehen. Wirklich stehen. Und warten. Auf Argentinien, Messi und das, was sie schon so oft gemacht haben: das Ding herumdrehen. Man spürt es kommen und es ist tatsächlich unvermeidbar. Messi zweimal mit starkem Assist. Argentinien steht im Finale, England scheitert mal wieder auf sehr eigene Art und Weise. Aber die Schlussphase macht immerhin ca. 60 Minuten Schnarchnasenfußball einigermaßen gut.
Miasanrot-Note: 3,5
- Werbung: Das neue Bayern-Trikot und 50 Prozent auf Klassiker sparen – JETZT bei Kitbag (Affiliate-Link)
- Werbung: Das WM-Trikot der Nationalmannschaft – jetzt im offiziellen DFB-Fanshop! (Affiliate-Link)
WM 2026 in der Analyse: Dinge, die auffielen
Thomas Tuchel muss sich Fragen gefallen lassen – und Argentinien zeigt, wie man es richtig macht
Die Abwehr, so eine Volksweisheit, gewinnt Meisterschaften. Da ist was dran. Mit Spanien und Argentinien stehen die beiden Teams im Finale, die unter den vier verbliebenen die wenigsten Expected Goals pro Spiel bei der WM zugelassen haben.
Auch Frankreich und England zählten zu den defensiv stabilsten Teams. Aber es gibt einen großen Irrtum, der mit dieser Volksweisheit einhergeht: Sich hinten reinzustellen sollte nicht mit Verteidigungsqualität verwechselt werden. Thomas Tuchel muss sich nach diesem Halbfinale Fragen gefallen lassen.
Nach dem 1:0 hat er Verteidiger um Verteidiger eingewechselt und Argentinien damit eingeladen. Natürlich war das nicht die Umsetzung, die er sich erhofft hat, aber was war die Erwartungshaltung? „Wir wurden zu passiv“, analysierte der Deutsche hinterher: „Wir haben auf Fünferkette umgestellt, weil zu viele Flanken ankamen, wir wollten helfen, aber wenn es nicht gut geht, dann ist es leicht zu sagen, dass es falsch war.“
Außerdem sagte Tuchel, dass er direkt nach dem Tor nichts verändert habe. England war zuvor nicht super dominant, konnte die Südamerikaner aber defensiv beschäftigen und damit ihre Offensive stark einschränken. Das Signal von der Bank war in der ersten Druckphase der Argentinier: Wir verwalten das jetzt. Und das ging schief.
Englands Ängste siegen
Vielleicht wäre ein offensiveres Signal besser gewesen. Der Plan war es sicher, breiter zu verteidigen und dennoch hin und wieder aggressiv zu sein, um offensive Umschaltsituationen zu bekommen. Aber die „Three Lions“ spielten unglaublich passiv, ließen sich immer tiefer hinten reindrücken und hatten selbst gar keine Entlastung mehr. Es war das Warten auf den Ausgleich und auch das Warten auf den Todesstoß.
Nach der Führung hat Argentinien den Engländern gezeigt, wie man es macht: Sie pressten aktiv, auch mal hoch in der englischen Hälfte und hielten den Gegner vom eigenen Tor fern. Auch Spanien zeigte am Tag zuvor, wie es geht: Ballbesitz, Offensivakzente und ein Pressing, das nie passiv wird, sondern imm aggressiv und aktiv bleibt. SO gewinnt die Abwehr Meisterschaften. Aber nicht, wenn die Abwehr nur hinten drin steht und immer stärker unter Druck steht.
Eine fast schon historisch schwache Leistung für ein WM-Halbfinale. Und ja, Tuchel wird am Ende zu Recht dafür kritisiert werden, dass er diese Änderungen vorgenommen hat. Seine Impulse waren rückblickend betrachtet nicht die richtigen. Vergessen sollte man dabei aber nicht, dass elf Spieler auf dem Platz stehen, die es in der Hand haben, dem Spiel den Stempel aufzudrücken.
Spieler, die sicher nicht dazu gezwungen wurden, so passiv zu agieren. Sie konnten das alles nicht mehr herumdrehen. Sie haben sich einlullen lassen. Ihre Verantwortung sollte in der Geschichte nicht zu kurz kommen. Wo waren Bellingham, Kane, Stones und Co., als es darum ging, den Verlauf dieses Spiels zu lesen und dem etwas entgegenzusetzen? Die Argentinier hatten mit Messi mindestens einen Spieler, der das konnte. Der das vielleicht auch so gut kann, wie nie jemand zuvor.
Tuchel hat an dieser Niederlage einen großen Anteil, aber es ist zu einfach, das auf ihn allein zu schieben. England hat die Titelchance abermals weggeschmissen – und es ist das wahrlich passende Verb. Sie hatten nicht alles, aber doch einiges unter Kontrolle, nur um am Ende die Angst vor dem Scheitern und die Angst vor der argentinischen Offensive siegen zu lassen und damit alles zu verlieren.
Lionel Messi ist ein Phänomen
Letztendlich ist der Finaleinzug der Argentinier deshalb verdient. Wie sie sich abermals in ein Spiel hereingearbeitet haben und im letzten Drittel der Partie auch wieder fußballerisch überzeugten, ist bemerkenswert. In Deutschland gibt es sehr viel Kritik an der „Albiceleste“. Unnötig hart, unnötig theatralisch, unnötig aggressiv. Sie spielen keinen attraktiven Fußball und hinzu kommen noch Schiedsrichterentscheidungen, die während des Turniers streitbar waren.
Wie so oft ist der Hate, der den Argentiniern entgegenschlägt, aber übertrieben. Ja, es gab ein paar streitbare Entscheidungen, aber der Fokus darauf lässt verblassen, wie stark sie bei diesem Turnier mal wieder sind. Defensiv lassen sie wenig zu, offensiv zählen sie zu den stärksten Teams (meiste xG, meiste Tore pro Spiel aller verbliebenen Teams).
Eine abgezockte Truppe, die immer dann voll abliefert, wenn sie es muss. Das verdient Respekt. Ebenso wie die Leistungen von Lionel Messi. Der 39-Jährige wurde in der Nationalmannschaft schon oft abgeschrieben. Auch vor dieser WM gab es Stimmen, die eine erneute Teilnahme für einen Fehler hielten. Wieder mal hat er allen das Gegenteil bewiesen.
Gegen England war er abermals der Gamechanger, nahm die Verantwortung auf seine Schultern und trug Argentinien abermals ins Finale. Mit herausragenden Pässen, mit deutlich mehr Laufbereitschaft als sonst und mit den zwei entscheidenden Vorlagen. Messi ist und bleibt ein Phänomen.
Podcast: Transferplanungen des FC Bayern und DFB-Zukunft mit Klopp
WM 2026: Die wichtigsten News im Überblick
- Während die WM ein schönes Bild von Freiheit in den USA projizieren soll, laufen die Schmutzkampagnen der Regierung gegen Ausländer weiter. Der Bericht ist zwar schon zwei Wochen alt, aber schon damals war klar: Tausende Menschen wurden von „ICE“ während der WM festgenommen.
- Haiti hat sich von seinem Trainer getrennt. Fast drei Wochen nach dem Gruppen-Aus wurde die Zusammenarbeit mit Sébastien Migné beendet. Immerhin „im gegenseitigen Einvernehmen“ und wohl auch auf Wunsch des Trainers.
- Vor dem Duell zwischen England und Argentinien gab es Ausschreitungen in Atalanta. Laut The Telegraph hatten sich Anhänger der Argentinier gegenseitig attackiert.
- In Frankreich gab es laut Ministerium in Paris in 183 Städten Ausschreitungen nach dem Aus der Franzosen. Am schlimmsten war es demnach in Paris und Lyon.
- Der DFB hat kein Unterstützungsschreiben für die Wiederwahl des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino unterzeichnet. Das bestätigte der DFB. „Weitere Schritte werden im DFB-Präsidium beraten“, hieß es in einer Stellungnahme des Verbandes.
- Bei Lamine Yamal wurde beinahe eingebrochen. Laut übereinstimmenden Medienberichten sollen zwei vermummte Männer am Mittwoch gegen vier Uhr morgens (MEZ) versucht haben, in das Haus des 19-Jährigen in Esplugues de Llobregat einzubrechen. Jedoch flohen beide, bevor die Polizei eintraf.
Spieler des FC Bayern in der Einzelkritik
Harry Kane
Spielt lange in diesem WM-Halbfinale keine Rolle, übernimmt zu Beginn der zweiten Halbzeit aber Verantwortung. Hat dann mehrere gute Aktionen, darunter ein langer Ball, der zwar abgewehrt wird, das 1:0 aber erst ermöglicht. Auch weil England jegliche Offensivbemühungen einstellt, hat der Bayern-Stürmer danach kaum noch Szenen. Miasanrot-Note: 4.
Wie geht es weiter bei der WM?
Das Spiel um Platz 3 zwischen Frankreich und England gibt es am Samstag um 23 Uhr exklusiv bei MagentaTV. Spanien und Argentinien spielen den Weltmeister am Samstag um 21 Uhr aus. Das ZDF und MagentaTV übertragen.
Alle Hintergründe zur WM 2026 findet ihr in Form von Taktikanalysen zum DFB-Team, den Spielern des FC Bayern München und zur Weltmeisterschaft generell auf unserer großen Übersichtsseite: WM 2026: Taktiken, Analysen und die Bayern-Achse im DFB-Team und im Turnier



