Vincent Kompany (FC Bayern) mit den Händen in der Hüfte und der goldenen DFB-Pokal-Medaille um den Hals. Er sieht sehr glücklich und erleichtert aus.
Bild: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

Miasanrot Awards 2026: Liebesgeschichten und der Friedrich-Merz-Preis – die Alternativen Awards

Daniel Katrin Justin 07.06.2026

Die Saison ist vorbei, die offiziellen Trophäen verteilt, aber viele prägende Momente finden sich abseits der offiziellen Statistiken.

Der Spieler und die Spielerin der Saison sind natürlich wichtig. Aber wenn es um spektakuläre Tore und Vorlagen, kuriose Reaktionen und unfreiwillige Liebesgeschichten geht, die diese Spielzeit so besonders gemacht haben, dann fehlt oft etwas in der Rückschau.

Genau dafür gibt es die Alternativen Awards. Und selbstverständlich fehlen diese auch in dieser Saison nicht.

FC Bayern: Die Miasanrot Awards 2026

Die Pressekonferenz der Saison

Beim FC Bayern gab es über die Jahre so einige Pressekonferenzen, die für viel Wirbel gesorgt haben, allen voran wahrscheinlich Giovanni Trapattonis legendäre Wutrede 1998.

Die eindrücklichste Pressekonferenz der vergangenen Spielzeit drehte sich allerdings nicht um Taktik, Analyse oder Statistiken, sondern um Rassismus im Fußball. In einem fast 12-minütigen Statement nahm Vincent Stellung Kompany zum Rassismus-Vorfall um Fußballer Vinícius Junior.

Er ordnete das Thema klug und sensibel ein, ohne zu pauschalisieren oder zu polarisieren, übte Kritik, ohne zu beleidigen und sprach auch über seine eigenen Erfahrungen. Ein Gänsehaut-Moment. Und wohl auch ein historischer.

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Die schönste Liebesgeschichte der Saison

Man kennt sie aus Romanen, die sogenannten „Book Tropes“ – klassische Storylines und immer wiederkehrende Handlungsmuster. Das beliebteste unter diesen „Book Tropes“: „enemies-to-lovers“ – die beiden Hauptcharaktere können sich nicht leiden, verlieben sich aber am Ende selbstredend trotzdem ineinander.

Wer hätte gedacht, dass „enemies-to-lovers“ auch im Fußball perfekt abgebildet werden kann? Vincent Kompany sei Dank! Nicht nur die eigenen Fans sind schockverliebt, selbst unzählige Anhänger*innen anderer Vereine (sowie auch Trainer*innen, Expert*innen und sonstige Akteur*innen aus der Fußballwelt) geben ehrlich zu, dass sie für den Belgier schwärmen, auch wenn sie den Bayern sonst wenig bis nichts abgewinnen können.

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Kompany hat es durch sein konstant sympathisches, abgeklärtes Auftreten und kluge Interviews geschafft, zu der Person in der Bundesliga zu werden, dem automatisch und sogar wider Willen alle Herzen zufliegen. Was für ein Typ!

Der Friedrich-Merz-Preis der Saison

Mindestens ein Herz dürfte auch Bianca Rech in dieser Saison zufliegen – nämlich das von Friedrich Merz. Betet der Bundeskanzler doch nahezu tagtäglich herunter, dass das faule Volk in Deutschland endlich mal mehr machen und weniger herumliegen soll, packt die Direktorin Frauenfußball beim FC Bayern aber mal so richtig an.

Was hatten die Fans im vergangenen Sommer Angst, dass von den 13 auslaufenden Verträgen zahlreiche aktuelle oder kommende Schlüsselspielerinnen den Klub verlassen könnten. Doch Rech ließ sich davon nicht beeindrucken, verlängerte Vertrag um Vertrag. Am Ende hat es nicht ganz gereicht, um so viele Fotos mit Spielerinnen und Kugelschreibern im Büro zu machen, dass ein ganzer Jahreskalender damit gefüllt werden könnte.

Aber bis auf den Abgang von Georgia Stanway gibt es wohl keinen, der dem Team auf Dauer schaden wird. Stattdessen wurde mit Momoko Tanikawa ein absolutes Ausnahmetalent an den FCB gebunden. Da könnte auch der Bundeskanzler ruhig mal auf den Balkon gehen und klatschen. An dieser Macherin könnte er sich mal ein Beispiel nehmen.

Das Tor der Saison

Beim Spiel des FC Bayern gegen Union Berlin im November 2025 fiel das wohl schönste Tor der Saison. In der 38. Minute versuchte sich Josip Stanišić an einem Doppelpass mit Luis Díaz. Der Ball des Kroaten war allerdings zu lang; er hatte ihn gedanklich wohl schon in die Kategorie „bitte nie wieder zeigen“ einsortiert und schlug verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen.

Doch „Lucho“ dachte gar nicht daran, die Kugel verloren zu geben. Mit einer Grätsche rettete der Kolumbianer den Ball vor dem Aus, drehte sich halb liegend um seinen Gegenspieler und zog dann aus einem absurd spitzen Winkel ab. Eigentlich schier unmöglich, aus dieser Position ein Tor zu erzielen – der Ball schlug ins kurze Eck ein.

Ein Tor, bei dem selbst der Ball vermutlich nicht genau wusste, wie er den Weg ins Netz geschafft hatte. Und im Hintergrund schlug Stanišić schon wieder innerhalb weniger Sekunden die Hände über dem Kopf zusammen. Dieses Mal vor schierer Begeisterung ob des gerade Gesehenen.

Das Comeback der Saison

Als die FC Bayern Frauen in der Champions League am ersten Spieltag mit 1:7 gegen den FC Barcelona verloren, kurz darauf nur sehr spät und etwas glücklich einen 2:1-Sieg gegen Juventus mitnahmen und dann mit 0:2 zur Pause in der Allianz Arena gegen den FC Arsenal zurücklagen, war vielen Fans klar: Das wird ein sehr langer Weg.

Ein Weg, der am Ende ernüchternd werden könnte. Die Bayern hatten eine schwere Phase, kämpften auf dem Platz mehr als sich spielerisch beweisen zu können. Auch in der Bundesliga gab es trotz guter Ergebnisse ein paar zähere Phasen. Der 3:1-Sieg in Wolfsburg liest sich beispielsweise etwas deutlicher, als er war.

An jenem Novemberabend gegen Arsenal gab es aber einen echten „Klick“-Moment für die Bayern-Frauen. Aus dem 0:2-Rückstand machten sie in der zweiten Halbzeit ein 3:2, brachten die Allianz Arena zum Kochen und holten sich selbst wichtiges Selbstvertrauen. Vielleicht ein Faktor dafür, dass es am Ende immerhin bis ins Halbfinale ging.

Der Pechvogel der Saison

Leider gab es auch einen Pechvogel der Saison: Serge Gnabry (auch Alphonso Davies war hier ein Anwärter). Gerade als Gnabry endlich wieder in Topform war und mit Tempo und Selbstvertrauen über den Platz wirbelte wie zu seinen besten Zeiten, verletzte er sich.

Diagnose: Ausriss der Adduktoren am rechten Oberschenkel, Ausfall für mehrere Monate. Gnabry verpasste somit die entscheidende Phase der Saison beim FC Bayern. Auch für die WM wird es nicht reichen. Das ist natürlich besonders bitter für den 30-Jährigen, denn ob Gnabry es bei der nächsten Weltmeisterschaft noch einmal in den Kader der Nationalmannschaft schafft, ist fraglich.

Und wenn man ihn dann bei späteren Spielen an der Seitenlinie sah, teilweise auf Krücken, weil er das Team weiterhin tatkräftig unterstützte, wollte einem immer das Herz brechen. Ach, Serge.

Die Sorgenfalten der Saison

Gnabry war aber nicht der einzige Pechvogel. Auch bei den Bayern Frauen gab es da eine kleine Auswahl an Spielerinnen, denen man einen anderen Verlauf gewünscht hätte. Allen voran wohl Lena Oberdorf und Sarah Zadrazil. Beide waren auf bestem Wege, das Team im Mittelfeldzentrum zu verstärken und zu stabilisieren.

Beide verletzten sich jedoch schwer. Für Oberdorf bereits der zweite große Rückschritt in kurzer Zeit. Die Sorgenfalten sind in der Kaderplanung damit nicht kleiner geworden. Wie sehr kann man den Spielerinnen und ihren Körpern objektiv noch vertrauen? Im Sommer gilt es das genau zu evaluieren und den Kader entsprechend aufzustellen.

Der Pass der Saison

Manuel Neuer bewies im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid einmal mehr, warum er das Torwartspiel seit Jahren neu definiert. Mit einem spektakulären No-Look-Pass servierte der Bayern-Keeper den Ball direkt in die Füße von Arda Güler — ein Zuspiel von solcher Überraschung und Präzision, dass selbst die eigenen Abwehrspieler erst Sekunden später realisierten, dass sie lediglich Statisten im visionären Spielaufbau ihres Torhüters gewesen waren.

Der anschließende Gegentreffer aus 30 Metern Entfernung ins leere Tor? Im Grunde nur die logische Vollendung eines Angriffs, den Neuer präzise eingeleitet hatte – so gut, dass Julian Nagelsmann sich direkt danach dachte: Den schnappe ich mir für die Nationalmannschaft!

Die Nummer Zwei der Saison

Für Jonas Urbig begann die Saison, wie die letzte aufhörte. Als Nummer Zwei hinter Manuel “The Goat” Neuer. Allerdings nur augenscheinlich, denn es gab einen entscheidenden Unterschied: Er spielte nicht mehr. Im Vorjahr hatte er durch Neuers Verletzungspech Spiel an Spiel bekommen und durfte als erster junger Keeper tatsächlich Ansprüche auf die Thronfolge Neuers anmelden.

Zunächst änderte sich dies fundamental: Englische Wochen waren rar, Neuer spielte und das sehr gut und vor allem: Seine Fitness stimmte. Das führte nicht nur zum Stammplatz als Statist von Urbig, sondern auch zu einer Grummeligkeit in Reporter-Deutschland. Immer wieder musste Kompany Fragen abwehren, wieso er seinen so hochtalentierten Keeper nicht spielen ließ.

All das änderte sich mit Neuers zunehmender Verletzungsanfälligkeit, Urbig bekam eine Flut an Spielen und zeigte sich noch einmal verbessert. Auf der Linie war er vorher gut, jetzt kamen noch Fabelpässe hinzu. Sein Höhenflug brachte ihn gar in die Nationalmannschaft. Er fliegt als Nummer Vier mit nach Amerika, überfliegt damit im Vorbeigehen Stammkeeper wie Noah Atubolu oder Finn Dahmen – wenn auch nicht als Teil des offiziellen Kaders. Für nicht wenige trägt der beste Bayern-Torwart nicht mehr länger die Eins.

Das Cameo der Saison

Apropos Bayern-Tor, den Kurzauftritt der Saison lieferte ebenfalls ein Keeper ab: Sven Ulreich. Der 26. Spieltag hatte die sonderbare Gemengelage, dass Neuer und Urbig gemeinsam ausfielen und auch das eine oder andere Talent nicht zur Verfügung stand.

Wer musste also die Kohlen aus dem Feuer holen? Die Legende Sven Ulreich. Einige mögen sich am Wort “Legende” stören, wollen dieses Wort vielleicht nur für die Robbens, Müllers und Matthäuse der Vereinsgeschichte benutzt haben, doch genau das wird Ulreich sein, wenn er demnächst mit Neuer seine Karriere beenden wird.

Er war genau dann da, als er gebraucht wurde. Aus dem Kaltstart eine Weltklasseleistung abliefern – um dann sofort mit einem Muskelbündelriss wochenlang auszufallen. Legendär.

Der Titel der Saison

Nach gefühlt 80 Jahren war es endlich wieder so weit: Der FC Bayern spielte ein Pokalfinale in Berlin. Natürlich waren alle anderen Titelgewinne der Frauen und der Männer ebenfalls emotional, aber was dieser goldene Pokal eigentlich wert ist, hat man in dieser Saison besonders erleben dürfen.

So authentisch, so emotional geladen und so glücklich hat man die Spieler des FC Bayern selten feiern sehen. Meisterschaften sind zum Alltag geworden, Champions-League-Titel kommen selten genug vor. Auch der DFB-Pokal erfuhr in Zeiten der Dauer-Dominanz zwischendurch eine kleine emotionale Entwertung.

All die Niederlagen der vergangenen Jahre führten aber dazu, dass der Titelgewinn diesmal umso emotionaler war. Gewiss der schönste Sieg für das Bayern-Herz.

Der Jugendspieler der Saison

Ach, was wurde nur über den kleinen Kader des FC Bayerns vor der Saison geschimpft und wie wurde Uli Hoeneß doch nur ausgelacht, als der hartnäckig vorbetete, ein kleiner Kader führe zu mehr Chancen für den Campus – auch wenn das kleine gallische Dorf Miasanrot dagegenhielt. Und dann kommt ein lange Zeit 17-jähriger Schüler und gibt Hoeneß einfach in allen Punkten recht.

Lennart Karl ist die Märchenstory des FC Bayerns diese Saison. Vor der Saison mit guten Vorbereitungsspielen auf sich aufmerksam gemacht, zeigte er, wann immer Kompany ihn reinwarf, keinerlei Befindlichkeiten, ging stets ins Dribbling, suchte jeden Abschluss. Längst ist er kein simpler Campus-Spieler, sondern eine echte Kader-Alternative und Nationalspieler.

Ein Dreikäsehoch bleibt er trotzdem, man denke nur an sein Real-Madrid-Geständnis in der Winterpause. Die Beine haben sich einfach schneller entwickelt als der Kopf. Ganz der Emporkömmling einfach. Und damit auch unser Jugendspieler der Saison – diesmal als Teil der alternativen Awards, weil sich am Campus direkt diesmal keiner so richtig aufgedrängt hat, dem man diesen Award mit einer ausführlichen Ehrung hätte verleihen können.

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