Anfällig bei Standardsituationen: Die große Schwachstelle des FC Bayern?
Trotz eines furiosen Saisonstarts und einer insgesamt überragenden Bilanz, fällt beim FC Bayern vor allem eines negativ auf: Die zahlreichen Gegentore nach Standardsituationen.
Nahezu die Hälfte aller Gegentore sind es wettbewerbsübergreifend. Was genau läuft schief? Miasanrot wirft einen genaueren Blick auf die vermeintliche Schwachstelle der Bayern-Defensive.
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Zahlen und Fakten zur Standardmisere des FC Bayern
In der aktuellen Saison überzeugt der FC Bayern bislang in allen Wettbewerben. Lediglich in der UEFA Champions League gegen den FC Arsenal musste sich der Rekordmeister geschlagen geben. Dabei fiel nicht zuletzt gegen die formstarken Gunners eine eklatante Schwäche der Mannschaft von Trainer Vincent Kompany auf: Standardsituationen. Bis zur 22. Minute dauerte es, bis Bukayo Saka einen Eckball scharf in Richtung des kurzen Pfostens hereinschlug, wo Jurriën Timber den Ball wuchtig an Manuel Neuer vorbei zum 1:0 einköpfte.
Bereits in den beiden Spielen zuvor gegen den SC Freiburg und Union Berlin fielen alle vier Gegentreffer nach ruhenden Bällen. Insgesamt sind es bereits elf Gegentore nach ruhenden Bällen. Fünf Treffer musste man nach Ecken hinnehmen.
Nach Freistößen bekam man drei Gegentreffer, davon einen direkt verwandelten (und von Joshua Kimmich abgefälschten) Freistoß durch Vladimir Coufal beim 1:4 Auswärtssieg in Hoffenheim; zwei weitere Freistöße führten nach einer Flanke zum Gegentor.
Im DFB-Pokal Achtelfinale gegen Union Berlin musste Neuer zwei Mal nach einem verwandelten Elfmeter von Leopold Querfeld hinter sich greifen. Den beiden Elfmetern ging je ein Einwurf und ein Freistoß voraus. Hinzu kommt ein Gegentreffer nach einem Einwurf gegen den VfB Stuttgart im Franz-Beckenbauer-Supercup zu Saisonauftakt.
Manndeckung und verlorene Duelle trotz Überzahlsituationen im Strafraum
Bei Betrachtung der einzelnen Gegentore nach Ecken, Freistößen und Einwürfen (Elfmeter ausgeklammert) wird sichtbar, dass der FC Bayern unter Kompany bei Standards grundsätzlich in einer Manndeckung verteidigt.
Werden die individuellen Duelle gewonnen, ist dieser konservative Ansatz die naheliegendste Art, um Standardsituationen zu verteidigen. Obwohl Dayot Upamecano und Jonathan Tah nicht dafür bekannt sind, Schwächen im Kopfballspiel zu haben, gehen zu viele dieser individuellen und direkten Duelle verloren.
Aber auch die zweiten Bälle können zu einem Problem werden, so geschehen u.a. im Bundesliga-Spiel gegen Union Berlin als Starstürmer Harry Kane Unions Danilho Doekhi regelrecht anköpft, nachdem Tom Bischof diesen aus den Augen verloren hatte. Immer wieder kommt es zudem nach Verlängerungen in den Rückraum oder auf den zweiten Pfosten zu extremer Torgefahr.
Zusätzlich zur Manndeckung ist besonders auffällig, dass die Spieler des FC Bayern bei ruhenden Bällen, die zu Gegentoren geführt haben, stets eine Überzahlsituation im eigenen Strafraum hatten. Dabei waren es mitunter bis zu zehn Bayernspieler gegen meistens gerade einmal sechs Gegenspieler. In den meisten Fällen verteidigen acht bis neun Spieler des FC Bayern den eigenen Strafraum und dennoch kassiert die Mannschaft eine Vielzahl ihrer Gegentore nach gegnerischen Standards.
Die zusätzlichen Spieler bei Überzahl doppeln zumeist die kopfballstarken Gegenspieler, wobei fraglich ist, inwieweit es nicht dadurch mitunter zu Situationen kommen kann, bei denen die Abstimmung, wer nun zum Kopfball geht, suboptimal verläuft. Eine klare Manndeckung im Eins gegen Eins scheint hier unnötig kompliziert gestaltet zu werden.
So kann der FC Bayern seine Standardschwäche Winterpause abstellen
Um bei ruhenden Bällen der gegnerischen Mannschaften nach der Winterpause eine bessere Figur abzugeben und die Gegentore zu reduzieren, ist es zunächst einmal enorm wichtig, die Überzahlsituationen im eigenen Sechzehner auch in Ballgewinne und Klärungsaktionen umzumünzen.
Eine Umstellung auf eine Raumdeckung erscheint wenig sinnvoll, da die kopfballstärksten Spieler sich nach den kopfballstarken Gegenspielern orientieren sollten, um die Situation eines Mismatch zu vermeiden.
Vielmehr können die weniger kopfballstarken Mitspieler ohne Gegenspieler zusätzlich zur Manndeckung darauf achten, die Räume clever zu besetzen, um etwaige Verlängerungen oder zweite Bälle nach abgefälschten Bällen abzufangen.
Damit die Manndeckung funktioniert, ist aber vor allem eines entscheidend: Die Kopfballduelle in den brenzligen Zonen müssen um jeden Preis gewonnen werden. Wichtige Faktoren hierfür sind das Positionsspiel und der stetige Körperkontakt mit dem Gegner, um diesem keine Luft zum Atmen zu lassen.
Zudem muss jeder der anderen Mitspieler jederzeit bereit sein, einen zweiten Ball zu antizipieren und aus der Gefahrenzone zu befördern. Erst dann kann die Mannschaft wieder zu einer Stabilität bei gegnerischen Standardsituationen finden.
Besonders in der heißen Phase der Saison und in den K.-o.-Spielen der UEFA Champions League können Standards das Zünglein an der Waage sein, das über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Nicht zuletzt deshalb, aber auch für den eigenen Anspruch des Rekordmeisters, ist es von umso größerer Bedeutung, dass das Trainerteam zusammen mit der Mannschaft Lösungen für die bestehenden Probleme findet.
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