Thomas Müller verlängert bis 2023

Justin Trenner 07.04.2020

Vor ungefähr einem Jahr war die Zukunft von Thomas Müller wohl ungewisser denn je. Gerade gemeinsam mit Mats Hummels und Jérôme Boateng aus der Nationalmannschaft aussortiert worden, schienen auch im Umfeld des FC Bayern München die Zweifler lauter zu werden. Nicht nur medial wurde vielfach diskutiert, ob der damals 29-Jährige noch gut genug sei für die hohen Ansprüche des Klubs. Selbst Fans in den sozialen Netzwerken hinterfragten zunehmend, ob die Mischung aus Spielzeit und Gehalt in Kombination mit der gebrachten Leistung noch angemessen sei.

Nun aber, rund 13 Monate nach dem Ende beim DFB, hat Thomas Müller seinen Vertrag beim FC Bayern bis 2023 verlängert. Und die skeptischen sowie kritischen Stimmen sind leiser geworden. Weil der Raumdeuter insbesondere seit der Übernahme von Hansi Flick wieder die richtigen Räume deutet, seine Torgefährlichkeit zurückgekehrt ist und er einer der entscheidenden Faktoren für den Aufschwung der letzten Monate war.

Müller ist zurück. Und er hat bewiesen, dass man keinen Spieler zu früh abschreiben sollte. Erst recht nicht mit 29 oder jetzt 30 Jahren. Dass ausgerechnet er der erste Spieler ist, der nach der Verlängerung von Cheftrainer Flick nachzieht, kann Zufall sein. Es kann aber auch ein Zeichen sein.

Müller ist wieder Müller

An Thomas Müllers Situation ließ sich in den letzten Jahren immer ganz gut ablesen, wie gut ein Trainer zum FC Bayern passt. War er schlecht eingebunden, litt nicht nur er selbst, sondern häufig auch die Mannschaft darunter. Carlo Ancelotti probierte beispielsweise viel, fand aber nicht den richtigen Draht zu diesem besonderen Spielertypen. Auch unter Niko Kovač waren Müllers Leistungen durchwachsen.

Selbstverständlich ist es nicht ausschließlich die Verantwortung des Trainers, doch ihr Anteil an der Situation war unübersehbar. Schon deshalb, weil Müller im kurzen Zwischenzeitraum unter Jupp Heynckes auf einem besseren Weg war.

Müller ist abhängig von seinen Trainern wie vielleicht wenige andere Spieler. Genauso ist er abhängig von seinen Mitspielern, die ihm wichtige Arbeit in der Ballzirkulation abnehmen müssen. Müller ist nicht der klassische Kombinationsfußballer auf hohem technischen Niveau. Er findet oft die richtigen Räume, hat ein ausgezeichnetes Positionsspiel und kann einfache Pässe spielen. Darüber hinaus braucht es eben Spieler wie Joshua Kimmich oder Thiago Alcántara.

Der Bessermacher

Ist Müller aber erstmal richtig eingebunden, das zeigten die letzten Monate überdeutlich, kann er seinen Teil dazu beitragen, seine Mitspieler im Gegenzug ebenso besser zu machen. Robert Lewandowski ist dafür wohl aktuell das beste Beispiel. Der unglaubliche Lauf des Polen ist auch auf einen wiedererstarkten Müller zurückzuführen. Zehn seiner 19 Assists in dieser Saison führten zu Toren von Lewandowski. Hinzu kamen unzählige Läufe, mit denen Müller den Raum für seine Mitspieler öffnete.

Damit ist Müller wieder Müller. Der zuverlässige Scorer mit 29 direkten Torbeteiligungen in 36 Pflichtspieleinsätzen sowie der unermüdliche Antreiber und Läufer der Offensive. Mit ihm kehrte eine Variabilität ins Angriffsdrittel zurück, die es länger vorher nicht zu sehen gab.

Aber auch im Pressing ist Müller eine Waffe. Das war er schon unter Kovač. Er organisiert, wählt die richtigen Anlaufwinkel und ist damit die Stütze, die Flick im vorderen Bereich seiner Formation dringend benötigt. Nun, wo Müller auch mit dem Ball wieder der Alte zu sein scheint, ist eine Verlängerung folgerichtig.

Wie geht es weiter?

Und doch muss die Frage erlaubt sein, wie es weitergeht. Selbstverständlich wird Müller, sollte er dieses Leistungsniveau noch eine Weile halten können, in der Zeit nach Corona wieder Stammspieler und Leistungsträger sein. Doch Müller ist eben auch einer der Topverdiener und Wortführer. Dass Ancelotti und Kovac letztlich zu Teilen an seiner Einbindung scheiterten, ist nicht ausschließlich ein Indiz für eine fehlende Chemie oder der Inkompatibilität mit dem FC Bayern.

Es ist auch ein Indiz dafür, wie mächtig Müller in der Kabine ist. Das kann, sollte er irgendwann mal wieder in ein Leistungsloch fallen, schnell zum Problem werden. Zwar ist er als Identifikations- und Marketingfigur unglaublich wichtig für den Klub, doch wenn die sportliche Komponente wie im letzten Jahr fehlt, wird dieser Stellenwert zum Stolperstein für jeden Trainer.

Bleibt er aber auf seinem Niveau, wird es diese Debatte nicht (mehr) geben. Denn was vor einem Jahr war, ist vielerorts wieder vergessen. Die lauten und kritischen Stimmen sind größtenteils jenen gewichen, die sogar eine Rückkehr in die Nationalmannschaft fordern. Doch dieses Kapitel wird wohl ein für allemal geschlossen bleiben. Umso spannender wird es, wie das kommende Kapitel beim FC Bayern aussehen wird und wie lange dieser in der Klubgeschichte so einzigartige Fußballer noch die Räume so deuten wird, wie er es seit Jahren macht.



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  1. Der nächste Dominostein und bei keinem überrascht es weniger. Bei Müller gilt noch mehr als bei allen anderen Kandidaten: Wohin hätte er auch gehen sollen? Diesen Status hätte er bei keinem anderen Verein der Welt mehr erreichen können.

    Die Gefahren die dieser Status auch beinhaltet deutet Justin richtigerweise im letzten Absatz an.
    Wenn ein Havertz z.B. gut beraten wird, wäre es kein Wunder, wenn er es sich bei dieser Konstellation sehr gut überlegt, ob ein Wechsel nach München wirklich die beste Idee wäre.

    Nachdem mit Flick und Müller nun die Pflicht abgearbeitet ist, wollen wir hoffen, dass die Kür bei den anderen ausstehenden Verträgen ebenfalls klappt.

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Thiago sehe ich auch als Pflicht.

      1. Pflicht im Sinne von: Das war sowieso klar, dass man sich einigt.

  2. Sehr gute Einschätzung. Ich glaube mit Lewandowski, Müller, Thiago und Kimmich hat Flick seine zentrale Starting Four für die nächsten 2 Jahre besetzt mit Goretzka als erstem Ersatz. Natürlich braucht es noch Breite, aber als Backup ist Havertz eigentlich zu teuer und zu ambitioniert. Im aktuellen Setup ist Müller extrem wertvoll, obwohl bei den meisten anderen grossen Vereinen seine technischen Schwächen wohl als zu gravierend eingeschätzt würden. Bayern und Müller ist tatsächlich eine aussergewöhnliche Konstellation.

  3. Ich verstehe nicht, warum man Kovac unterstellt, er könne Müller nicht einbinden. Ich meine mich zu erinnern, dass Thomas in der letzten Rückrunde entscheidenden Anteil daran hatte, dass der FCB den BVB noch abfangen konnte und Meister wurde.

    In der Hinrunde waren es dann m.E. zwei Faktoren: Müller hatte seine Form nicht – und es gab Coutinho. Kovac hat das getan, was ein Trainer in dieser Situation eigentlich tun muss. Den formschwachen Spieler auf die Bank setzen und dem Neuzugang, der ja unter dem Aspekt geholt wurde, uns in der CL weiterzubringen, Spielpraxis geben. Und er ist dann auch an der “Hausmacht” Müllers gescheitert. Das wird mir hier seit langem zu unkritisch gesehen. Ich habe schon mal die These aufgestellt, dass Kovac wohl Trainer geblieben wäre, wenn sich Sane nicht verletzt hätte. Weil es dann keinen Coutinho gegeben und damit die Konkurrenzsituation mit Müller nicht gegeben hätte.

    Antwortsymbol5 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Müller ist sehr wertvoll im Pressing und durch seine Laufwege im letzten Drittel. Er braucht ein stabiles Positionsspiel um sich herum, weil er sonst sehr schnell die Bälle verliert. Das alles war unter Kovac nicht so im Fokus wie unter Flick.

    2. Das bedeutet im Umkehrschluss ja, dass du Müller als Königsmörder Kovac siehst und dieser nur deshalb entlassen wurde^^

      Zur Info: Kovac wurde entlassen, weil er die Mannschaft runterwirtschaftete und es unter ihm kontinuierlich bergab ging.

      Zum Thema: gut dass Müller verlängert hat. Nun bitte dringend mit Thiago, Neuer und Alaba nachziehen.

      1. Soweit ich das mitbekommen habe, wurde Kovac nicht entlassen sondern hat seinen Rücktritt angeboten, weil er keine Rückendeckung mehr hatte.

        Und das er die Mannschaft “herunter gewirtschaftet” haben soll, ist sicherlich die Meinung derjeniger, die mit ihm nix anfangen konnten. Hat aber mit der Realität nichts zu tun.

        Und wie Du auf Deinen Umkehrschluss kommst, bleibt Dir überlassen. Ich wüßte nicht wo ich gesagt hätte, dass ich Müller als Königsmörder sehe. Ich sehe das wie Justin “.. wenn die sportliche Komponente wie im letzten Jahr fehlt, wird dieser Stellenwert zum Stolperstein für jeden Trainer….” Dadurch das Coutinho da war, flog Müller zeitweise aus dem Team. Und wurde damit zu einem der Stolpersteine für Kovac.

    3. Müller hatte seine Form nicht? Das habe ich so ganz anders in Erinnerung, da er selbst als Einwechsler, auch wenn er dort sehr selten überhaupt hinter der Spitze eingewechselt wurde, ziemlich viel Wind machte. Das war doch alles mehr Machtspielchen von Kovac – auch gegenüber der Presse – das zu Lasten von Müller geführt wurde.

    4. Stiftl, das mit Coutinho ist mir zu einfach. Es mag ja sein, dass man ihn geholt hat, damit er uns in der CL weiterbringt.
      Es gibt auch Leute, die sagen, der wurde nur geholt, damit nach Sanes Verletzung die Transferperiode nicht ganz so schlecht aussieht – wie war doch der Spruch: Wenn sie wüssten!!! Und wenn dann in der Sommertransferperiode außer Perisic nichts kommt, ist das schon eher dünn. Hernandez und Pavard waren ja eigentlich schon im Winter klar.
      Das Problem war aber – und eigentlich mehr oder weniger bis heute – die Erwartungen, die an den Top-Transfer mit der Top-Ablöse gestellt wurden, hat Coutinho eigentlich nie erfüllt.
      Und da landt man dann eher wieder beim Spielsystem als bei den Leistungen einzelner Spieler.
      Denn letztlich war es bei dem bevorzugten Spielsystem völlig egal.
      Wenn ich ein System spielen lasse, in dem der 10er oder die hängende Spitze so eigentlich nicht vorgesehen ist, dann ist es vollkommen wurscht, ob auf dieser Position ein Coutinho oder ein Müller fehl am Platz ist.
      Letztlich hätte das wenig geändert – dass sich ein Müller allerdings nicht mit der ja hinreichend kolportierten “Notnagel”-Position zufrieden gibt, steht auf einem anderen Blatt.

  4. @Davedaman:
    Gibt nicht wenige Leute beim FCB, die deine Aussage vom “Königsmörder” Müller unterschreiben würden.
    Justin hat es im letzten Teil seines Beitrags gut ausgeführt.

    Wär natürlich schöner, wenn du mit deiner simplen Denkweise Recht hättest und das Problem wäre nur Kovač gewesen, aber so einfach funktioniert die Welt nunmal nicht und beim FCB schon gar nicht.

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Die “Königsmörder-Hypothese” und die “Runtergewirtschaftet-Hypothese” schließen sich nicht aus wenn:
      Müller [und andere?] Kovac gestürzt hat, “weil er die Mannschaft runterwirtschaftete und es unter ihm kontinuierlich bergab ging.

      1. @Frank:
        Ich finde man sollte schon unterscheiden zwischen “Die Mannschaft spielt gegen den Trainer” und “Die Mannschaft wurde runtergewirtschaftet”.
        Hoffen wir einfach für Flick, dass Müller weiterhin gute Leistungen bringt, er nicht auf die Bank gesetzt werden muss und dann anfängt gegen den nächsten Trainer zu intrigieren.

  5. Hat Justin schon den Artikel für Thiago in der Schublade?
    Verlängerung kommt bestimmt in den nächsten Tagen

  6. Warum arbeitet ihr euch eigentlich so am kicker ab? Thiago war in der Hinrunde unterirdisch. Da hat der Carlo Wild vollkommen recht. Seit der Rückrunde spielte er wieder in Normalform. Und ja. Auch wenn es weh tut. In den entscheidenden Spielen der CL hat er fast nie sein Potenzial ausgeschöpft. Beim allseits propagierten Königstransfer Sane sage ich nur: Möge der Kelch an uns vorbei gehen. Viel zu teuer und zu schwankend in der Leistung. Gut, dass letze Saison die keine 189 Millionen verpulvert wurden und wir einigemaßen durch die Krise kommen könnten.

  7. […] FC Bayern läuft in etwas über einem Jahr ab. Während die Verlängerungen von Hansi Flick und Thomas Müller souverän präsentiert wurden, bietet sich aktuell von Verein und Torhüter in der Presse ein […]

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