Vorschau: 1. FC Union Berlin – FC Bayern München

Justin Trenner 14.05.2020

Vielleicht steht diese letzte Partie am ersten Spieltag der Wiederaufnahme sogar stellvertretend für viele Probleme, die die Vereine und die DFL noch erwarten. Auf der einen Seite der mächtige Rekordmeister, dessen Vorsprung an der Tabellenspitze aktuell vier Punkte beträgt. Auf der anderen Seite der 1. FC Union, dessen Ligaverbleib mit acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz bereits gesichert scheint.

Es treffen aber zwei Teams aufeinander, die im Qualitätsspektrum weit auseinanderliegen. Damit könnte die Partie bereits früh zeigen, wie berechtigt die Sorgen rund um die Thematik “Wettbewerbsverzerrung” sind.

Eine taktisch geprägte Vorschau auf dieses Spiel ist nämlich unmöglich. Im Bundesliga-Alltag lassen sich Mannschaften beobachten, studieren und bis zu einem gewissen Grad lässt sich auch prognostizieren, wie sie auftreten werden. Alles, was zu Bayern und Union vorhergesagt werden kann, ist, dass sie zumindest versuchen werden, ihre Vorstellungen umzusetzen.

Der Spieltag der Ungewissheiten

Bei den Bayern ist der Fußball geprägt von hohem Pressing und viel Ballbesitz. Die Unioner sind gerade bei Heimspielen für ein stark organisiertes Pressing bekannt. Bereits früh in der Saison bewiesen sie gegen Borussia Dortmund, dass sie nicht in die Bundesliga gekommen sind, um sich hinten reinzustellen. Stattdessen schieben sie aggressiv raus und versuchen, nach erfolgtem Spielaufbau des Gegners zu stören.

Über diese Oberflächlichkeiten hinaus sind Prognosen aber komplizierter. Wie fit können die beiden Mannschaften jetzt schon sein? Vor allem auch mental ist dieser Aspekt vielschichtig. Das fehlende Publikum wird den Spielverlauf maßgeblich beeinflussen. Die Frage wird nur sein, wie intensiv und zu wessen Vorteil. Einerseits dürfte es für die Bayern wohl kein Nachteil sein, wenn sie bei einem der unangenehmsten Auswärtsspiele eine Trainingsatmosphäre vorfinden. An der Alten Försterei scheiterte neben Borussia Dortmund auch schon Borussia Mönchengladbach. Beide bekamen zu spüren, wie stark der häufig beschworene zwölfte Mann in Berlin-Köpenick sein kann.

Auf der anderen Seite könnte das bei Union zu fehlenden Prozenten führen, die gerade gegen einen ohnehin schon stärkeren Gegner dringend notwendig wären. Es steht also zu befürchten, dass individuell breiter und qualitativ hochwertiger besetzte Teams jenen nun noch überlegener sind, die es ohne ihre Fans schwer haben werden, über ihre Grenzen hinauszuwachsen.

Profitieren vor allem die Top-Klubs?

Klar, der Sport wird dadurch mehr im Fokus stehen als zuvor, was bedeutet, dass es eben auf die Qualität der Teams ankommt und äußere Faktoren weniger Stellenwert einnehmen oder gar eliminiert werden. Vielleicht wird der fehlende Druck durch die Kulisse also dazu führen, dass es weniger individuelle Fehler gibt. Spieler können sich auf dem Platz besser coachen und absprechen. Sie werden von Pfiffen, Fangesängen oder anderen Einflüssen von außen nicht so stark beeinflusst wie sonst. Vielleicht sehen wir deshalb sogar einen saubereren und besseren Fußball als sonst.

Wirklich erstrebenswert kann der Zustand dennoch für keine der beiden Mannschaften sein. Bei Union verließ Trainer Urs Fischer unter der Woche seine Mannschaft aus privaten Gründen. Es ist noch offen, ob er am Sonntag wieder dabei ist. Auch das kann die Geschichte für den Aufsteiger verkomplizieren.

Es ist vor allem ein Duell der Ungewissheit. Auch wenn die Vorzeichen klar dafür sprechen, dass der FC Bayern als einer der Profiteure aus dieser speziellen Situation hervorgehen kann, ist gerade zu Beginn völlig unklar, wie unterschiedlich die Ausgangslage bei den jeweiligen Klubs ist. Hat die taktische Abstimmung gelitten? Wie sieht es mit dem Rhythmus und den damit verbundenen Abläufen auf dem Platz aus?

Die fünf Wechsel, die von der DFL am Donnerstag erlaubt und beschlossen wurden, werden sicher dabei helfen, eine Überbelastung der Spieler zu vermeiden. Und doch erwarten viele Experten mehr Verletzungen.

Fakt ist, dass der Fußball anders sein wird als das, was alle gewöhnt sind. In welcher Form lässt sich noch nicht genau sagen. Der Gastauftritt der Bayern bei Union Berlin dürfte aber ein erstes Indiz dafür liefern, wie stark der Einfluss der zweifelsohne vorhandenen Wettbewerbsverzerrung sein wird, die höchstwahrscheinlich zugunsten der Top-Klubs ausfallen wird, je länger der Spielbetrieb ohne Unterbrechungen laufen kann. Auch wenn Mannschaften wie Borussia Dortmund ebenso auf ihre Kulisse und den damit verbundenen Heimvorteil verzichten müssen, ist deren sportliche Qualität, um das auffangen zu können, einfach eine andere als bei Mannschaften wie Union oder Freiburg. Vielleicht wird dadurch letztendlich auch nochmal die Debatte angestoßen, ob es wirklich Absteiger und somit Bestrafungen für die kommenden Wochen geben sollte.

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So läuft es gegen Union …

Absolut keine Ahnung. 1:0 für Bayern.

So könnte Bayern spielen …

4-2-3-1: Neuer – Pavard, Boateng, Alaba, Davies – Kimmich, Thiago – Müller, Goretzka, Gnabry – Lewandowski

Es fehlen: Süle, Coutinho, Tolisso (alle verletzt oder mit Trainingsrückstand)

So läuft der Spieltag …

Dortmund 4:2 Schalke
Augsburg 1:2 Wolfsburg
Düsseldorf 1:2 Paderborn
Leipzig 4:0 Freiburg
Hoffenheim 2:0 Hertha
Frankfurt 1:1 Gladbach
Köln 2:1 Mainz
Union 0:1 Bayern
Bremen 1:2 Leverkusen



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